Nachlass Adolf Spamer des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde
Adolf Spamer mit Studierenden bei einer Exkursion nach Haithabu, um 1938 (ISGV, Bildarchiv, Nr. 069704)

Adolf Spamer gilt als Wegbereiter des Fachs Volkskunde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und prägte dessen wissenschaftliche Ausrichtung. 1926 wurde er an die Technische Hochschule Dresden auf den Lehrstuhl für Philologie und Volkskunde berufen, ab 1936 bekleidete er den ersten rein volkskundlichen Lehrstuhl an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Spamer maßgeblich am Aufbau einer institutionalisierten Volkskunde in der DDR beteiligt. Er starb 1953 in Dresden.

Seinen umfangreichen Nachlass übernahm die Akademie der Wissenschaften der DDR und übergab später den Großteil der Unterlagen an ihre Dresdner Forschungsstelle – die Vorgängerinstitution des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde (ISGV). Der Nachlass besteht aus wissenschaftlichen und lebensgeschichtlichen Unterlagen, dem Corpus der Segen und Beschwörungsformeln (CSB), einer Sammlung von Andachtsbildern sowie der sogenannten Weltkriegssammlung. Nicht nur Spamers Korrespondenz mit namhaften Volkskundlern und Kulturwissenschaftlern lädt zu einer intensiven Beschäftigung ein. Über die Jahre zusammengetragene Originaldokumente zu Phänomenen der Populärkultur sind als wertvolle Quellen für die Forschung von großer Bedeutung. Dazu zählen handschriftliche Rezeptbücher, Andachtsbilder, Propagandapostkarten des Ersten Weltkriegs oder das Vorlagenbuch des Hamburger Tätowierers Karl Finke. Das CSB beinhaltet rund 23.000 Formeln, die Glaubensvorstellungen und medikale Praktiken seit dem Mittelalter dokumentieren. Mit ihrer Sammlung hatte Spamer schon vor dem Ersten Weltkrieg begonnen und diese bis zum Ende seines Lebens weitergeführt. Das CSB ist nicht nur aufgrund seines Umfangs und des langen Sammelzeitraums beispiellos, sondern auch das Projekt, das Spamer am intensivsten beschäftigt hat.

Um den facettenreichen Nachlass für die Forschung zugänglich zu machen, wurde das Material im Kalliope-Verbundkatalog der Staatsbibliothek Berlin – Preußischer Kulturbesitz erschlossen. Die Bildquellen (kleine Andachtsbilder, Propgandapostkarten des Ersten Weltkriegs, Bildquellen zur Popularkultur etc.) werden im Digitalen Bildarchiv des ISGV präsentiert. Das Corpus der Segen und Beschwörungsformeln konnte ihm Rahmen des Landesdigitalisierungsprogramms des Freistaats Sachsen digitalisiert werden und wird hier vollständig zur Verfügung gestellt.

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