Ein Jubiläum mit Zukunft: Karl Benjamin Preusker digital

Das Gedenkjahr für den Bibliotheksgründer Karl Benjamin Preusker als Auftakt für die Digitalisierung seiner Handschriften aus der Karl-Preusker-Bücherei Großenhain im LDP

Ein Blick in die Handschriften Preuskers (Bild: Anja Hofmann, Karl-Preusker-Bücherei Großenhain)

Am 15. April 1871, starb der Großenhainer Rentamtmann Karl Benjamin Preusker, der am 22. September 1786 in Löbau geboren wurde. Vielseitig interessiert, würde man ihn als Citizen Scientist, als Bürgerwissenschaftler bezeichnen – und darüber hinaus auch als Wissenschaftsorganisator und „Netzwerker“. Nicht zu vergessen, war Preusker  auch Sammler: Zeugnisse der Vorzeit, Autografen berühmter Persönlichkeiten, Drucke der Reformationszeit, Schriftproben aus Asien, wie der Katalog seiner Sammlungen nachweist. Preusker sah seine Forschungen und Sammeltätigkeit nicht als Liebhaberei, sondern stets als Grundlage für seine Veröffentlichungen, die  dem „Gewerbefleiß und der allgemeinen Volksbildung“ dienen sollten, wie er es in seinen „Bausteinen“ formulierte. Diese Motivation führte Preusker 1828 auch dazu, gemeinsam mit dem Mediziner Emil Reiniger die erste Bürgerbibliothek dieser Art überhaupt zu gründen; also eine städtische Bibliothek, wie man heute sagen würde.

Preusker ist nie in Vergessenheit geraten. Seit 1996, inzwischen vom Verband Bibliothek und Information Deutschland, wird die Preusker-Medaille einmal jährlich vergeben, die im vergangenen Jahr Wikimedia Deutschland verliehen bekam. Dem Namensgeber hätte es sicher gefallen, Informationen digital zugänglich zu machen, zu jeder Zeit, von jedem Ort und von jeder Person einzusehen. Nachdem schon einige Bücher und Broschüren von Preusker digitalisiert wurden, wollen die Karl-Preusker-Bücherei Großenhain und die SLUB im Landesdigitalisierungsprogramm in diesem Jahr, anlässlich des 150. Todestags, die voluminösen und inhaltsreichen 22 Bände der von ihm bescheiden „Selbstbiographie“ genannten Handschriften Preuskers sowie weitere Handschriften digitalisieren. „Selbstbiographie“ und „Lebensskizze“ mit vielen tausend Seiten, eingebundenen Broschüren, Briefen und Handschriften werden einen Kosmos der Wissenschaftskultur der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eröffnen, der noch zum großen Teil unerschlossen ist. Im Herbst dieses Jahres soll die Digitalisierung abgeschlossen sein.