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02-Abendausgabe Leipziger Tageblatt und Handelszeitung : 04.02.1914
- Titel
- 02-Abendausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1914-02-04
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id84535308X-19140204024
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id84535308X-1914020402
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-84535308X-1914020402
- Sammlungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Handelszeitung
-
Jahr
1914
-
Monat
1914-02
- Tag 1914-02-04
-
Monat
1914-02
-
Jahr
1914
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Jahrgang Inserat» au, Leipzig an» Umgebung Sie ispalttgepetitzeilerspf., »ieNrklamrzrilet M.» von au»würt» 3» Pf., keklameu I.20M., Zamillrn» u. klein« ftnzeigen »l« petitzeil« nurso pf..3ns»rat» von VehürSrn im amtlichen Teil Sie petitzeile 3» pfl cheschaftoanzetgen mit plahvorschrift im Preis« erhöht. Rabatt nach Tarif. Seilagegrdühr: SesomtausUSM.»aoTausrn» auoschl.Postgebühr. Mu-«ig«u»f>anahmr: lokannisgoste«, bei sämtlichen filiaien »,» Leipzig« Tageblatt«» und allen Nnnonrea-«>rp«»ltlonrn de» 3n» un» R«»lon»e». Srschüftsstelle für Serlin u. »ie pr. SranSendurg: virekttonWalterZliegel, Verlin w. IS, Margarethcnstrahe 4. Zernsprech-Rnschluhr Lüyo« »»71. Nr. S3 1914 Mittwoch, üen 4. /edrusr Vas wichtigste. * Die preußische Finanzverwaltung begibt eine Zusatzanleihe von 2vtt Mill. Mart bei Bedingungen, die denen der letzten Emission völlig gleichen. sS. Handclsztg.) * Die letzten Untersuchungen in der Ermordung des Leipziger Kaufmanns Sigall haben ergeben, daß der Mörder Mitglied einer internatio nalen Vcrbrechcrbande ist. (S. des. Art. ) * InLissabon sind in der Dienstagnacht neue Unruhen ausgebrochen. * Dio japanische Regierung wird sich offiziell an der Weltausstellung in San Francisco beteiligen. fC. Ausl.) * Auf dem Ostbahnhof in Braunschweig er- eignete sich in der Mittwochnacht ein folgenschwerer Z u g zu s a m m e n stoß. (S. Nachr. v. Tage.) Staatssekretär Grev über die Zlottenpolitik Englands. Berlin, 4. Februar. (Draht Mel dung.) Die gestrige Rede des Staatssekretärs Grey gilt hier als Abschluß der letzten, von der englischen Regierung ausgegangenen Anregung zu einer Beschränkung der Flotten rüstungen. Wie uns aus unterrichteten Krei sen bestätigt wird, ist die von dem Reichs kanzler und dem Staatssekretär v. Tirpitz von An fang an vertretene Auffassung der Abrüstungs frage ausschlaggebend geblieben und der eng lischen Regierung vor kurzem in einer Form mitgeteilt worden, die diese veranlaßte, auf weitere Bemühungen so lange zu verzichten, als nicht non anderer Seite die Abrüstung auf internationaler Grundlage von neuem angeregt werde. Wie jetzt die Rede Greys bestätigt, hat sich die englische Regierung in der ruhigsten Weise mit dem Standpunkte Deutschlands abgefunden. Wieder einmal hören wir warnend die Stimme von jenseits des Kanals. Diesmal ist es der Staatssekretär des Auswärtigen, Herr- Grey, der es unternimmt, der Weit ins'Ge wissen zu reden. Nach einem Essen der Handels kammer in Manchester nahm er gestern das Wort, um sich über die Lage auszusprechen, wobei es ihn«, wie der Verlauf der Rede zeigte, in der Hauptsache darum zu tun war, über , die Aussichten einer Abrüstung -biarheir zu ver breiten. Er vcrwerlle zunächst bei der Handels- f Politik, die auf die „offene Tür" halten müsse, bedauerte die Zustände in Mexito, ocurcte dann die Schwierigtenen an, die für England da und dort gerade seiner ausgesproaienen Friedens politik wegen entstanden feien, und führte dann nach dem relegraphifchen Bericht folgendes aus: Die wichtigste Aufgabe der äußeren Politik fei, dem Lande den Frieden zu erhallen, nicht aus Man gel an Mut, als ab England vor der Idee emes Krieges so zurückschreckc, daß es ibn unter keinen Um ständen ins Auge fassen könnte, «andern, weil cs sich der verwüstenden Folgen eines Krieges voll bewußt sei. Trey erklärte weiter, daß der Balkan krieg nur durch die Einmischung der Groh- möchte hätte verhindert werden können. Für die Großmächte wäre es aber ein gefährliches Experi ment gewesen, zur Erhaltung des Friedens selbst Ge walt anzuwenden. Doch hätten sich die Möchte, indem sic selbst während der Balkankrisis den Frieden be wahrten, den größtmöglichen Dienst erwiesen. Er tonne sagen, daß in diesen ganzen europäischen Krisen keine Schwierigkeit durch die britische Politik ver größert worden sei; die britischen Bemühungen seien, soweit ihr Einfluß reichte, auf die Ausgleichung der Schwierigkeiten gerichtet gewesen. — Grey kam dannP auf die R ü st u n g s f r a g c zu sprechen, und sagte, er beabsichtige nicht, eine wichtige Erklärung abzugeben. Die Ursachen der Ausgaben für die Rüstungen seien nicht allein eine britische, sondern eine europäische F r a g e. Man müsse die Rüstungen zu Lande und zu Wasser im ganzen betrachten. England habe seine Sesrüstt.ngci. gewaltig vermehrt. Angesichts der Ver mehrung der gesamten Rüstungen Europas sei dies unvermeidlich gewesen. Für England fei die Flotte das, was für die kontinentalen Nationen Sie Armee bedeute. Eine große Steigerung im Baw rogramm jedes europäischen Landes wirke stimulierend auf die Ausgaben anderer Länder, während die Vermmde- rung der Ausgaben eines Landes andere nicht not wendig beeinflusse Es herrsche die Idee in Europa, daß dies ein Wettrenne.. stü, wobei man schließlich den Preis erringen könne, Loch sei das ganz irrefüh rend. Wenn das vorderste Pferd das Tempo verlang same, würden die anderen nicht dasselbe tun. Der britische Flottenetat sei zwar ein bedeutender Faktor für die europäischen Flottenctats, aber die Kräfte, die auf eine Vermehrung hindrängten, entzögen sich tat sächlich jeder Kontrolle. Durch den Bau des ersten Dreadnoughts habe England eine gewisse Verant wortung übernommen, aber die gegenwärtigen ver mehrten Ausgaben für Dreadnoughts seien nicht durch England bedingt. Deutschland lege seine Schiffe auf i Kiel auf Grund des Flottengesetzes, das England nicht I ändern könne. Frankreich, Oesterreich-Ungarn, Ruß- j land und Italien bauten ihre Dreadnoughts nicht Englands wegen. Wenn England in diesem Jahre gar nichts baute, würde dies keine Aenderung im europäischen Schiffsbau verursachen. Für England aber würbe eine solche bedeutende Reduktion ein zu großes Hasardspiel sein, solange keine Gewißheir be stehe, daß ein-. entsprechende Wirkung auf das übrige Europa folge. Auf die zu erwartenden parlamentarischen Klagen über die Höhe des Flottenctats Bezug nehmend, sagte Grey, daß England den finan ziehen Druck nicht mehr empfinde als andere, daß es aber als kaufmännische Ratlon von der Unproduktivität der Ausgaben durch drungen und von Besorgnis wegen der Wirkungen auf d c n r c d i t nicht nur Englands, sondern Europas er füllt sei Gegenwärtig könne man indes wenig tun, außer die Ülusgaben Englands in den Grenzen der Sicherheit und der Verpflichtungen gegen andere Rcichsteilc zu halten. Grey sprach sich freundlich über eine Beschränkung der Rüstungen aus, betonte aber, daß es keinen Zweck habe, an andere Rationen einen Appell zu richten,der ihnen nicht will kommen sei und den sie nicht aufzu nehmen bereit seien. Man müsse berück sichtigen, daß sehr viele Länder ihre Rüstungsaus- gaben als eine inncrpolitische An gelegenheit betrachten und das Verlangen eines fremden Landes, die Rüstungsetats sollten Gegenstand von Erörterungen oder Abmachungen sein, als Anmaßung übelnchmcn. Die Regierung habe das Empfinden, warten zu müssen, bis die großen europäischen Länder von dem gleichen Gefühl durchdrungen seien wie siech aß ein Ein halten in den Rüstungsausgabcn wünschenswert sei. Grey sprach zum Schluß die Erwartung aus, daß die Finanzichwierigkeiten allmählich in Europa eine Atmosphäre er zeugen würden, die ein Uebereinkommen der Rationen über die Rüstungsausgaben eher mög licher machen würde als gegenwärtig. So Herr Grey. Seine Ansichten sind uns wichtig genug. Sie sind uns jedenfalls wichtiger, als die seines Kollegen Churchill, der zwar, häufig über die gleiche Sache redete, aber fast regelmäßig in Töne verfiel, die ihr mehr schadeten als nützten. Es ist unseres Wis sens das erstemal, daß van einem englischen Staatsmanne so offen ausgesprochen wird: Deutschland hält sich an sein Flottengesetz, und England kann daran nichts ändern. Das ist der Punkt, den Herr Churchill jedesmal zu übersehen liebte. Er ist in seinem Cifer wohl nie recht dazu gekommen, zu überlegen, was es für England bedeuten wurde, wenn eine fremde Macht von ihm die zeitweilige Aus schaltung oder gar Aufhebung eines vom Par lament beschlossenen Gesetzes verlangen würde. In dem Hinlveis Greys auf den Floktenbau als „iunerpotiiiiche Angelegenheit" hat man wohl den Kern der in Berlin erhaltenen Aus künfte vor sich. Es ist selbstverständlich, daß die englische Regierung den Fehlschlag ihrer Bemühungen peinlich empfindet. Man merkt dies nicht nur an den allgemeinen Wendungen Greys, die das Bedauern ausdrückcn wegen der steigenden Sorge um den eigenen Kredit und den Kredit Europas, sondern auch au den nur schwach verdeckten Spitzen, die sich gegen den „schuldigen Teil", das ist in den Augen der englischen Negierung Deutschland und nur Deutschland, richten. So nennt Grey Frankreich, Oesterreich, Rußland und Italien ausdrücklich als Mächte, die ihre Dreadnoughts „nicht Englands wegen" bauten. Hier ist zu ergänzen: Aber Deutschland lut das Englands ivegen. Doch was auch Herr Grey mit feiuer Rede bezweckt haben mag: jedenfalls hält sie sich an gegebene Tatsachen, mit denen cr sich abzufiuden gewillt scheint; sic ist frei von jenen unleidlichen Drohungen, womit Churchill auf seine Landsleute und mehr noch auf Deutschland Eindruck zu machen suchte. Hansis neueste Leistung. Der giftige Tcutfchensresser Waltz aus Kolmar, der unter dem Rainen „Hansi" für französische Kinder Bücher und Zeichnungen mit aufreizendem Inhalt gegen Deutschland verfaßt, hat uns vor Jahresfrist genötigt, sein Machwerk über die Reichs lande in Vergangenheit und Gegenwart niedriger zu hängen. Von einem Freunde unseres Blattes wird uns jetzt Hansis neueste „Schöpfung" zur Ver fügung gestellt. Sie trägt den schlichten, anheimelnden Titel „Mein Dorf" und soll Leben, Treiben und Gewohnheiten der reichsländischen Land bevölkerung in der Gegend von Weißenburg und Riederbronn schildern. Natürlich wieder mrt der verzerrenden Gegenüberstellung des „glücklichen" Einst und des „jammervollen" Jetzt. Das deutet schon die Vorrede an, und das schreien geradezu laut hinaus die Bilder und der Text der 15 einzelnen Abschnitte. Hat man nur das Inhaltsverzeichnis vor Augen, so könnte man auf den Gedanken verfallen, es handle sich um geschickt zusammengestelltes Anschauungsmaterial, dazu bestimmt, den Kindern die harmlosen Freuden und die schönen Sitten der Landbevölkerung vor Augen zu führen. Aber ein flüchtiger Blick schon über die erste Textseite genügt völlig, die schöne Vermutung grausam zu zerstören. Da entdecken wir eine sinnige Schilderung des äußeren Bildes des Heimatdorfes: aber unter den duftigen Blumen des Gärtchens birgt sich die tückische Schlange. Hansi verdirbt den reinen Genuß des strebsamen Bildes: Man wohnt dort glücklich: ja: „wenn man nicht auch auf der Straße dort unten den derben, plumpen Schatten Kunst un- Wissenschaft. tlna Bournc (Klavier) und Mona Mc. Eaughcy (Sopran). Nicht weniger als fünfzehn Komponistennamen zählte man an dem Abend, von Graun bis Strauß und Liszt. Außer fünf englischen Liedern gab es fast nur allerbekann- reste Sachen. Wenn nun außerdem auch die. Ausführung nicht seltene Genüsse bringt, was für einen Wert hat dann ein solches Konzert ? Das bessere von beiden Damen gab die Pia nistin. Sie entwickelte eine gute Technik, klang vollen, wenn auch nicht besonders kräftigen Ton und zeigte sich auch als musikalisch begabt, in dem sie das Thematische sinngemäß zeichnete. Manches verdarb sic sich durch übermäßigen, nicht genug geregelten Pedalgebrauch. Beson dere Gedächtniskraft gab sic dadurch kund, daß sie auch die Liedbegleitungen auswendig spielte iwas aber nicht nachgcahmt zu werden braucht). Der Ausdruck erhob sich nirgends zu großer Höhe. Einige Anläufe waren wohl zu bemer ken, jedoch hielt sich alles in mäßigem Kreise. Wenig Interessantes ist von der Sängerin zu melden. Die Stimme klang größtenteils scharf und restlos, zum Teil geradezu häßlich, im Forte schrill, der Vortrag neigte dem Bedächtigen zu; größeren Aufschwung nahm er nicht. Merk würdigerweise hatte sie sich auch mehrere Männerlieder gewählt. Den englischen Liedern fehlte die deutsche Uebersctzung, die in deutschen Konzertsälen unbedingt zu fordern ist. Der An fang des Konzerts war gut zehn Minuten ver spätet, für pünktliche Zuhörer keine liebsame Erscheinung. Sokl. * „Der Snob" in den Berliner Kammerspielen. Unser Berliner Schauspielreferent schreibt: Die neueste Komödie von Karl Sternheim bewies zunächst das eine: Diesem Komödienschreiber oder seinen Freunden ist es gelungen, ein auf seine Art eingeschworenes Stammpublikum zu erwerben. Der Held des angeblichen Sternheimschen Charakter lustspiels ist das Erzeugnis einer sehr unvoll kommenen Mischung, er ist eigentlich nur der alte Streber und Geck und außerdem jener schäbige Bour geois Postier, der schon bei Vater Augier das Ziel der Wünsche in seiner „Erhebung" in die Adelssippe erblickt. Modern ist nicht seine Struktur, nur sozu sagen die Bügelfalte seiner Hose. Zum Charakter bild fehlt der Figur «ine Kleinigkeit: wir lernen ihr Wesen nur zum geringsten Teil aus ihren Taten kennen. Der Sohn des kleinbürgerlichen Registrators Theobald Maske wird zum weltmarktbeherrfchendcn Börsenkönig, wie solches nur immer in schlechten Romanen geschieht: er wird cs, weil's die Sache (des Autors) will. Das Stück wird nicht angenehmer durch die außerordentliche Dehnung der nichtigen, höchstens auf einen knappen Effekt zugespitzten Szenen und durch die gehäuften Monologe (das Auskunsts mittel technischer Hilflosigkeit!), in denen Sternhcim das wenige, was er zu sagen hat, hundertmal wieder holt. Nur die kühne Art, Banales mit genialischer Geste vorzubrirlgen, konnte Vertrauensvolle ver führen, Züge und Anlagen der großen Charakter- tomüdie (man nannte sogar Maliäre!) in dem Stcrn- heimschen Lustspiel zu entdecken. Ein paar Einzel heiten in dem beispiellos erfindungsarmen stück mögen schließlich als Talentprobcn bestehen. Der Dürftigkeit des Dichters kam der Reichtum zweier Schauspieler zu Hilfe. Die schillernde Virtuosität Albert Basscrmanns fesselte so unbedingt, daß oirch Skeptiker an der Figur des Christian Maske Freuden erlebten; und Victor Arnolds Komik von Gottes Gnaden hinderte, daß man des breiten Philisters (des Vaters Maske) überdrüssig wurde. lkermLnn tzüeuLl. * Zu der letzten Besprechung unseres Kunstrefe renten über die Ausstellung im Leipziger Kunstverein geht uns von der Firma D. H e i ne m a n n - M ü n- chcn, dcr Bcsttzerin der Werte altcnglischsr Meister, folgende Berichtigung zu: „Die Morgenausgabe Ihres geschätzten Blattes vom 23. Januar enthält einen Artikel des Herrn Dr. Robert Lorwcgh über die zurzeit im Leipziger Kunstverein stattfindenden Aus stellungen, worin cr u. a. auch die von uns zur Ver fügung gestellten Werk« altenglischer Meister bespricht. In dieser Rezension stellt Ihr Herr Kunstreferent die Behauptung auf, daß die altenglischen Bilder „die Hand schlimmer Restauratoren über sich ergehen lassen mußten", daß Raeburns Porträt des Major Hope in Haar und Anzug ganz übermalt sei und die alte wert volle Lasur eingebüßt habe und das gleiche von Höpp ners „Bildnis der Mrs. Norton" und Jos. Highmorcs „Miß Flora Mc.Donald" gelte. Als Besitzer dieser Bilder fühlen wir uns zu der Feststellung veranlaßt, daß diese Behauptungen in keiner Weise den Tatsachen entsprechen, und Herr Dr. Corwegh sich mit seiner Ansicht durchaus im Irrtum befindet. Bei dem Porträt des Major Hope von H. Racburn kann von einer Uebermalung keine Rede sein, denn dasselbe ist vollkommen unberührt und wurde niemals restauriert. Dasselbe gilt von dem Bildnis der Miß Flora Mc.Donald von Jos. High- more, das tadellos erhalten ist und niemals einer Restaurierung unterzogen wurde. Das Porträt der Mrs. Norton weist einige Rifl« auf und ist schon restauriert worden, aber in einer Weise, die jede Stö rung der künstlerischen Qualität ausschließt. Wer viel mit Gemälden alter Meister zu tun hat. der weiß, daß Restaurierungen in vielen Fällen unver meidlich sind. Bei den vorgenannten drei Bildern handelt es sich aber um vollkommen reine Werke, die niemals übermalt worden sind, was sich nicht nur mit unserem eigenen Urteil Leckt, sondern auch mit der Ansicht anderer maßgebender Fachleute. München, den 2. Februar 1914. Galerie Hcineman n." Bei Werken alter Meister ist die Entscheidung eines Streitfalles, wie des oben angeschnittenen, sehr schwer. Es steht Meinung gegen Meinung. Weil ich weiß, daß in vielen Fällen Restaurierungen an Ge mälden alter Meister unvermeidlich sind, habe ich mich in jahrelangem Verkehr von dem Restaurator der Uffizien in Florenz, Vermehren, soweit für den Kunstgelehrten nötig ist, in die Geheimnisse dieser Kunst einwcihen lassen. Auf Grund dieser Studien Sam ich zu der Ansicht, daß die eigentümliche, unstoff liche Haarbehandlung an Raeburns Porträt des Major Hope, sich nicht durch Mangel der Kunst dieses großen Meisters, sondern allein durch fremde Ein griffe erklären lasse. Mag sein, daß nicht Ueber- malung stattgefunden hat, dann sind aber die feinen Lasuren fortgcwaschen. Das kann natürlich schon vor Jahren im Prroatbesitz geschehen sein. Sollte bas Bildnis der Miß Flora Mc.Donald von Jos. Highmore vollkommen unberührt sein, dann müßte ich zweifeln, daß es von dieses Künstlers Hand stammt, nur wenn man die Schwächen an 'diesem Ge mälde anderer Hand zuweisen darf, vermag man an seine Echtheit zu glauben. Eine nochmalige genaue Besichtigung dieser Werke in Begleitung eines anderen Kunsthistorikers läßt mich von meiner Ueberzeugung trotz der Gegenansicht maßgebender Fachleute nicht abgehen. Di-. Robert Oorvcxb. * Erstaufführung der „Meroe" in Leipzig. Am 10. Februar d. I. findet die Erstaufführung der Tra gödie „Meroe" von Wilhelm von Scholz im Leipziger Stadttheater statt. Der Autor, dessen Werke „Der Jude von Konstanz" und „Ver tauschte Seelen ' bereits mit Erfolg über ver- ichiedene deutsche Bühnen gepangen sind, trifft dieier Tage zu den letzten Proben in Leipzig ein. Die „Meroe" ist in Buchform im Verlag Dr. Wedekind <L Co., G. m b H., Berlik S. 14, erschienen. * Aus der Thenterchronik. Im Deutscheu Theater zu Hannover wird am 8. Februar die Uraufführung von „Bilanz", Drama in 2 Akten von Adolf I. Mayener, stattfinden. Es ist ein modernes, kaufmännisches Drama, das in einem alten Handelshause in Bremen spielt. — Im Berliner Deutschen K ü n st l e r t h c a t e r <Sozietät! geht am Sonnabend Hermann Lahrs Komödie „Das Phantom" zum erstenmal in Szene. Die Rollen spielen die Damen Wagner, Sussin, Lorenz, Lehmann und die Herren Forest, Loos, Fuchs, Forsch, Ziener, Cornelius, Schützte. Die Regie führt Willi Grunwald. — „Hoch geboren", ein Lustspiel von Kurt Kraatz. fand bei dcr Uraufführung nn Wiesbadener R e si d c n z th e a t e r einen großen Lacherfolg. * Prof. Dörpfeld und Prof. Loeschke sprachen gestern in der Archäologischen Gesellschaft in Berlin in Gegenwart des Kaisers und der Kaiserin über die Ausgrabungen auf Korfu. Es wurde fast zur Gewißheit, daß Korfu tatsächlich die Insel der Phäaken fei. Dörpfeld glaubt, daß es ihm gelungen fei, die Stätte zu finden, auf der Burg und Stadt des Alkinoes gestanden haben. Allgemein war bisher die Ansicht ver breitet, daß des Alkinoos Burg in der Nähe der heutigen Stadt Korfu gelegen habe. Professor Dörpfeld vermutet sie aber fern der jetzigen Stadt auf einer in das Kap Kephali auslaufenden Halbiniel an der Nvrdwestküstc dcr großen Insel. Er hat dort eine uralte Ansiedlung und dle ersten vorgeschichtlichen und mykenischen Topf scheiden entdeckt, die auf Korfu bisher gefundcn worden sind. Zwei Buchten befinden sich ganz wie bei Homer, aus beiden Seiten der Halbinsel, und in der einen werden noch heute die Schiffe auf den weißen Sanostrand gezogen. Stärker als diese Beweise wirkten die Lichtbilder mit den Ausblicken von dem Kap auf das Meer, denn dort draußen im Meer lag ganz deutlich ein Schiff mit großem latei nischen Segel — das Schiff der Phäaken, von dem Odysseus erzählt, dass cs von Poseidon bei der Rück kehr aus Ithaka in Stein verwandelt wurde. Erst bei einer größeren Darstellung des vermeintlichen Schiffes erkannte man, daß cs ein kleines Felsen eiland ist. das die heutigen Griechen noch „das Schiff" nennen. Prof. Loeschke sprach dann über „den Gorgo giebel auf Korfu". Die Riesengorgo in der Mitte, ihr zur Seite ihre Kinder, Pegasus und Chrysaor. und rechts und links je ein Riesenlöwe, sollte das Schreckbild sein für die bösen Geister, die sich dem Tempel und dem Menschen nahen. Nach Ansicht des Professor Loeschke stoßen im Tempelgiebel zwei Wel ten auieinander: Die Welt der Dämonen und. wenn man so sagen darf, die homerische Welt. In den Eckkompositionen meldet sich, im Kampf der Götter mit den Giganten, die neue Zeit an. * Berufung Hergesells nach Berlin. Geh. Rat Prof. Hergeiell, der hervorragende Straßburger Meteorologe, der Direktor der Meteo- rologischen Lehranstalt von Elsaß- Lothringen, wird nach Berlin übersiedeln. Her- gesell, der im 55. Lebensjahre steht, ist, wie gemeldet wird, dafür auserjehen, die Direktion des Aero - nautischen Observatoriums in Linden berg zn übernehmen, das Geheimrat Aß mann seit der im Jahre 1905 erfolgten Begründung leitet. Aßmann gedenkt am 1. Oktober d. I. sein Amt niederzulegen. Zugleich wird Geheimrat Hergesell Honorarprofessor an der Berliner Universität.
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