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02-Abendausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 18.06.1896
- Titel
- 02-Abendausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1896-06-18
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-18960618022
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1896061802
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1896061802
- Sammlungen
- LDP: Zeitungen
- Saxonica
- Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1896
-
Monat
1896-06
- Tag 1896-06-18
-
Monat
1896-06
-
Jahr
1896
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Abend-Ausgabe Knp,rigcr TaMalt Druck und Verlag von E. Polz in Leipzig Jahrgang Donnerstag den 18. Juni 1896. 2 Feuillstsn 81 Die Morgeu-Ausgabe erscheint um '/,7 Uhr» die Abend-Ausgabe Wochentags um 5 Uhr. re r- «I sei 87". 63^ 27-, S8>. 31 13-!, 3,88 e t> t. 8»«s«ig »m Ostrsiäs >, <Us V«ir«u rexonildkr <i«r k««t, Spiritus V«i,«n p«r kuui 112,00 44, per sllnl Nachdem in Marokko wieder leidlich zufriedenstellende Verhältnisse geschaffen sind, die öffentliche Sicherheit nament lich infolge des energischen Einschreitens der deutschen Negierung in der Affaire Rockstroh nicht viel mehr zu wünschen übrig läßt und in weiterer Folge der Handelsver kehr einen neuen Aufschwung zu nehmen begonnen hat, ist es dein diplomatischen Corps in Tanger endlich gelungen, den Sultan für eine Maßregel zu gewinnen, von welcher sich die europäische Colonie des genannten Platzes eine bedeutende Verbesserung der sanitairen Verhältnisse verspricht. Tanger soll nämlich eine Wasserleitung er halten, welche unter Benutzung der noch vorhandenen Ueber- reste des aus römischer Zeil stammenden Aguaducts die Wasseradern, welche jetzt nutzlos im Wüstensantc verrinnen, sammeln und dem Consum der Stadt Tanger zuführen soll. Die Schaffung gesunder Trinkwasserverhältnisse würde aller lei Krankheiten, von denen Tanger regelmäßig heim- gesnchl wird, insbesondere auch der Cholera, mit einem Schlage ein Ende machen. Eine zweite wichtige örtliche Errungenschaft würde der Bau einer Mole sein, welche, bei hinlänglicher Erstreckung in die See, dem Hafenverkchr des Platzes, welcher jetzt von der Unbill der Stürme und des Wogendranges sehr zu leiden bat, die werthvollstcn Dienste zu leisten verspricht. Die Herstellung der Mole wäre eine un Interesse des europäischen Handelsverkehrs nur mit größter Genugthuung zu begrüßende Maßregel. Die Verwirklichung dieses Projektes gehört schon lange zu den Lieblingswünschen aller Dampfcrgesellschaften, welche Tanger anlaufen lassen. Die Anziehungskraft des Platzes würde nach Herstellung günstiger Hafenverhältnisse sich verdoppeln und verdreifachen. haben, daß die Negierung ebenso wie die anderen in Frage kommenden europäischen Cabinete gewissen chinesischen Wünschen, insbesondere jenen betreffend die Erhöhung der Importzölle principiell nicht ungünstig gegen überstehe. Das hatten auch wir bekanntlich angenommen, zugleich aber als nothwendige Gegenleistung die Gewährung einer Kohlenstat ion in China bezeichnet. Auch in Berliner Blättern wird dieses Aequivalent als selbstverständlich bingestellt. Die Errichtung von Fabriken und industriellen Anlagen in den offenen Häfen, welche Li in Aussicht stellt, genügt nicht annähernd, da allen mit China in Meist- begüiistigungsverbältnißstehenden Ländern diese Vergünstigungen gewährt werden. Gleichzeitig mit dem Vertreter des Reichs der Mitte weilt Marschall Aamagata als Vertreter der japanischen Regierung in Berlin. Er ist vom Kaiser in Audienz empfangen worden und bat dem Reichs kanzler wie dem Staatssccretair des Auswärtigen seine Aufwartung gemacht. Wir nehmen davon mit Befriedigung Kenntniß, denn damit verliert die Vermuthnng, unsere Beziehungen zu Japan seien seit dem Frieden von Shimo- noSeki gespannte, mindestens unfreundliche, jede Berechtigung. Wir haben keinen Grund, falls nicht wie anläßlich des chinesisch-japanischen Krieges stark bedrohte eigene Interessen eine besondere Entscheidung nöthig mache», uns für eine der beiden rivalisirendeu Ostmächte zu erklären, vielmehr wird unser Vortheil am Besten gewahrt sein, wenn wir in Zeiten des Friedens mit Beiden uns auf möglichst guten Fuß zu stellen bemüht sind. 587,— 67,03 669,— Anzeigen Preis die 6 gespaltene Petitzeile 20 Pjg. Reclamen unter dem Redactionsstrich (4ge» spalten) 50-H, vor den Familiennachrichten (bgespalten) 40-H. . Kroßere Schriften laut unserem PreiS- verzeichniß. Tabellarischer und Zifsernsatz nach höherem Taris. Zinnahmeschluß für Anzeigen: Abend-Ausgabe: Vormittags 10 UhL. Morgen- Ausgabe: Nachmittags 4 Uhr. Bei den Filialen und Annahmestellen je eine halbe Stunde früher. Anzeigen sind stets au die Expedition zu richten. Redaktion un- Expedition: JohanneSgaffe 8. Die Expedition ist Wochentags ununterbrochen grössnet von früh 8 bis Abends 7 Uhr. Der mehrfach interviewte Li-Hnng-Tscha»g hat u. A. dem „B. T." bestätigt, daß ein russisch-chinesischer Gehei m- vertrag nicht existire. Er sei nur in Rußland gewesen, um die Beziehungen auf eine sichere Basis zu stellen. Die Bahn durch die Mandschurei werde gebaut werden, aber ohne daß dadurch chinesische Hoheits- oder sonstige Terri torialrechte berührt werden. Der Zweck seiner Reise sei aller dings, eine Erhöhung der chinesischen Importzölle von Deutschland, Frankreich, England rc. zn erlangen; denn die jetzigen Zölle seien zu niedrig und China wolle aus dem Ertrage der erhöhten Zölle die Zinsen seiner letzten Anleihe bezahlen. Einer neuen Anleihe in Deutschland würde Cbina „nicht abgeneigt" (!) sein. Es werde dem deutschen Handel alle möglichen Erleichterungen zugestehen, auch Er richtung von Fabriken und industriellen Anlagen in den offenen Häfen, die Eisenbahn aber selbst bauen. Weiter ver lautet , daß die handelspolitischen Verhandlungen Li's mit der deutschen Regierung ofsiciell gestern begonnen Filialen: Ott« Alemm'S Sortim. (Alfred Hahn), Uviversitätsstraße 3 (Paulinum), LoniS Lösche, Kathartnenstr. 14, part. und Königsplatz 7. ne«n, Kat am !. anni krUU in ksrnvian"; in IN« <16.8, ä«r L1I»os»iupk»r (1S,th,kt«cU»r' Deutsches Reich. O. H. Berlin, 17. Juni. Morgen am 18. Juni früh wird der Kaiser Potsdam verlaßen und erst am 15. August nach seiner sommerlichen Residenz zurückkehren. DaS Pro gramm für die Sommerreisen des Kaisers steht nunmehr genau fest. Morgen wohnt der Kaiser bekanntlich der Ein weihung des Kyffbänser-Denkmals bei, nach dem Feste reist er sofort nach Kiel, um am folgenden Tage die Segelparade über die auS Anlaß der Heimkehr der siegreichen kaiserlichen Ljacht „ Meteor" aus England bei Holtenau versammelte Flotille abznhalten. Der Kaiser wird seine L)acht selbst heimsühren, Prinz Heinrich wird die zur Begrüßung vcr sammelte und festlich geschmückte Flotille führen. Bis zum l. Juli verbleibt der Kaiser in Kiel; Segelregatten werden in dieser Zeit in größerer Anzahl abgehalten. Nachdem dann der Kaiser am 1. Juli dem Stapellauf von „Ersatz Preußen" bcigewohnt, tritt er sofort seine Nordlandsreise an; sie geht diesmal auf der „Hohenzollern", die von dem schnellen Kreuzer 3. Classe „Gefion" begleitet sein wird, durch die Nordsee nach Norwegen. In Christiania wird angelaufen und hier dürfte eine Begrüßung mit dem König Oscar und anderen Mitgliedern des schwedisch-norwegischen Königshauses statt- sindcn. Die Reisegesellschaft deS Kaisers auf dieser Nord- landSreise dürfte im Großen und Ganzen dieselbe sein wie ans den früheren; es darf Wohl als sicher gelten, daß der «ll so II-!, its) 101-r I 31'» » 0,04). ),1S>. 79,— 172,— 99.05 58.85 120,05 47.65 S,S3 58,82'.- 1,27'!. 115,20 270,— dröcksluä, Anzeiger. Amtsblatt des Äönigkichen Land- und Amtsgerichtes Leipzig, des Nathes und Nolizei-Ämtes der Ltadt Leipzig. „Bravo, bravo! Doctor! Sehen Sie, ich habe mich über diesen Punct schon gezankt mit allen möglichen Menschen. Es ist ja Blödsinn! Ucberall giebt eß den Zweikampf, in Zwistigkeiten, welche kein Gesetz entscheiden kann. In Ober bayern kämpfen die Männer mit dem Schlagring, in Nord deutschland der Bauer mit einer Wagenspeiche oder einem Dreschflegel, und die gebildeten Menschen schlagen sich mit der Waffe. Natürlich bestraft man solches nach dem Gesetz, aber waö ist denn Unwürdiges daran? Man kämpft unter gleichen Bedingungen mit einer Waffe in der Hand. Das ist nicht einmal Todtschlag, viel weniger Mord, wie es die HumanitätS-Duseler nennen. Sind doch, ein famoser Kerl, Doctor! Dieser wehrt lächelnd ab. „Vielleicht nicht so sehr, wie Sie glauben. Ter Zweikampf als AuStrag kleinlicher Differenzen ist Unsinn, Spielerei, aber cS giebt Dinge, die Männer mit einander nur Auge in Auge ausmachen können. Wie geht cs Ihrem'Herrn Gemahl, gnädige Fran?" Er lenkt das Gespräch absichtlich ab und nimmt dankend eine Tasse Kaffee aus Eva'S Hand. Kaum vermag sie ein Lächeln zu unterdrücken über die seltsam ungeschickte Art, wie er die Tasse zwischen Daumen und Zeigefinger balancirt, während seine Augen hilfesuchend nach einem Tischchen oder sonst geeigneten UnterkunftSort für das klirrende, zerbrechliche Ding umherschweifen. Schnell entschlossen stellt er daS ihn irritirende Object neben seinem Sessel auf die Erde, damit einen Sturm von Heiterkeit hervorrufend, welcher ihm gänzlich unerwartet kommt. Doch kann er eS nickt verhindern, daß Eva schnell ein Tischchen herbeihvlt und die Tasse vom Boden rettet. „Ich kann's nickt", sagt er einfach, aber etwas verwirrt, etwas ärgerlich, doch mit einem dankbaren Blick nicht in Eva'S Augen, sondern auf deren hübsche, schlanke Hände. Wie heimisch er sich fühlte, obwohl er nur widerstrebend gekommen war, noch immer unter dem Eindruck seiner Selbst beobachtungen nach dem Feste. Es ist Alles so natürlich und so bequem angenehm. Die Temperatur im Zimmer, der ge- müthliche Onkel, die gute Cigarre aus dessen Etui und auch der warmbraune Wollenstoff von Eva'S Kleide, ja, selbst der Strickstrumpf in den Händen der Frau Präsidentin und schließlich der bequeme Sessel, in welchem er sich zurückgelehnt mit dem Gefühle, nickt sprechen zu müssen. Frau von Karckhusen, mit dem feinen Gefühl liebens würdiger Kranken für anderer Leute Stimmungen, schiebt ihm einen Aschenbecher bequemer und meint' Indas. Roman von Claus Zehren. Nachdruck verboten. ,,Nnn und ist das nicht ärgerlich für meinen Vater?" fragt Eva, „wenn er so die Arbeit von Jahren einfach acl acta legen kann?" „Natürlich ist eS ärgerlich, liebe Nichte, werde nur nicht wild. Aber ich finde es geradezu kleinlich von Deinem Vater, jetzt seinen Haß ans den Docior Naßmns zu werfen oder vielmehr auf den Verfasser des „Rechtes der Armen". Ich verstehe von dem ganzen KrimS-KramS nichts, doch was kann unser Haraldasmus dafür! Der Mann hat seine Ansichten in Druck gegeben, obne nur einmal von Deines Vaters Ab sichten das Geringste zu ahnen. Mag sein, daß er ihm Schaden getban hat, aber doch absichtslos." „Du darfst nicht so scharf urtbeilen, Carl. Allerdings ist augenblicklich diese Abneigung vorbanden, ganz natürlicher weise, aber sie wird im Lause der Zeit schwinden." „Bewahre, liebe Schwester! Zunehmen wird der Haß, weil Karchhusen's Ehrgeiz auf die Hühneraugen getreten wurde und diese sind hochgradig empfindlich." Eva siebt neben dem Wasserkessel und schaut in den auf quellenden Dampf, gerade als Onkel Carl vorbei patrouillirt auf einem seiner rastlosen Gänge. Er streift ihr trübseliges Antlitz scharf mit den Angen. „Ehem, — ja, — was sagt denn eigentlich der Herr Assessor dazu?" „Er giebt sich Mühe, den Vater zu beschwichtigen. Was soll er anders thun? Muß er doch selbst mit enttäuscht sein", meint Frau von Karckhusen. „Der junge Mann hat sich tadellos benommen. Die Stellung zwischen Vorgesetztem und Freund erfordert bei dieser Lage der Dinge viel Tact, doch versucht er geschickt, die Gegensätze zu umgehen." „Auch so Einer, der immer Platz macht, wo er nicht durch kann", murmelt Onkel Carl. „Wohl verständiger, Onkel, als mit dem Kopfe dagegen zu rennen." „Mag sein! DaS heißt, ich liebe diese Art nicht. Ist irgendwo ein: Ecke, dann haut man darauf, bis sie abspringt; manchmal hilft's, manchmal auch nicht. UebrigenS will ich Der Kanzelparagraph, den die Gesetzgebung Ungarns zu schaffen im Begriffe steht, giebt der klerikalen Opposition selbstredend viel zu thun, und sie bereitet gegen den Gesetzentwurf über die Wahlgerichtsbarkeit, in dessen Nahmen auch die Ahndung gewisser Wahlagitationen der Geistlichen fällt, hauptsächlich im Magnatenhause (das Abgeordnetenhaus hat den Paragraphen mit großer Mehrheit angenommen) heftigen Widerstand vor. Die Genesis des genannten Entwurfes reicht weit zurück. Die Opposition, welche von jeher glauben machen wollte, die liberale Partei habe ihre Majorität der Corruption und Unfreiheit der Wahlen zu verdanken, forderte seit Jahren, daß die Wahlgc.-chtsbarkeit der königlichen Curie übertragen werde. Die liberalen Cabinete der letzten Zeit waren der CurialgerichtSbarkeit nicht abgeneigt, wiewohl sich zahlreiche und gewichtige Stimmen dagegen erhoben, daß die Ent- sckeidung über die Giltigkeit von ReichStagSmandaten dem Abgeordnetenbause weggenommen und einer Gerichtsbehörde übertragen werden solle. DaS Cabinet Banffy nahm die CurialgerichtSbarkeit zur Sicherung der Wahlreinheit in sein Programm auf und zögerte nickt mit der Ein bringung des Gesetzentwurfes. Graf Apponyi legte dazu eine endlose Reibe von Amendements vor. Diese wurden schon in den Ausschüssen auf ein Maß reducirt, welches das Wahlverfahren derart regelte, daß die Vortheile desselben nicht, wie eS Apponyi wollte, sämmtlich auf Seiten der Opposition seien, alle Nachtbeile aber nur die Mehrheit beträfen. Wohl ganz gegen die Absicht der Opposition ge langten in die Vorlage auch Bestimmungen, betreffend die Wahlagitation der Geistlichkeit. Die liberale Mehrheit des Abgeordnetenhauses wurde mit der Opposition, welche sich gegen diese Bestimmungen heftig auslehnte und ihrethalben von vorn herein lieber gleich die ganze, so heiß ersehnte Vorlage zu Fall ge bracht hätte, ziemlich leicht und rasch fertig. Im Magnaten bause dagegen scheint eS zu harten Kämpfen zu kommen. Es dürfte dort wieder einmal die gesammte kirchenpolitische „Nun, Herr Doctor, nicht wahr, eS ist gut, nicht immer allein zu sein?" Er antwortet nur mit einem Kopfnicken: „O ja, — so —!" aber die wenigen Worte sagen viel mehr als eine lange Tirade. Eva holt eine Karte von der Insel Wight herbei und ver tieft sick mit Raßmus in die Zeichnungen, von ihm sich be queme Spaziergänge und hübsche Puncte angeben lassend. Dabei berührt sein starker Zeigefinger einige Male absichtslos den ovalen, rosigen Nagel deS ihrigen, um sofort wie eine abgestoßcne mächtige Magnetnadel nach einem ganz andern Theile der Insel zu fahren. Eva hätte kein Mädcken sein und für diesen Zeigefinger gar nichts empfinden dürfen, wenn sie nicht mit harmloser Beflissenheit und heimlichem Vergnügen das Erperiment der Abstoßung gleichnamiger Pole des Oefleren vorzunehmeu ver sucht hätte. Da die Tkür sehr leise geöffnet wurde, siebt Kurt Hansen schon eine Weile auf der Schwelle mir einem großen Bouquet in der Hand, ohne daß die Anwesenden ibn bemerken, da der Major und seine Schwester sich ihrerseits in ein Cursbuch vertieft haben. Der Assessor überfliegt rasch die beiden kleinen Gruppen, auf der jüngeren die Augen mit einem festen, forschenden Blick rnhen lassend, ebe er sich entschließt, mit einem Räuspern und absichtlich festen Schritten sein Nahen zu verrathen. Acht Augen sehen ihn ganz erstaunt an während eines Augenblicks, jedoch lange genug, um sein Hüsteln merklich zn einem verlegenen zn machen. Eva siebt rasch auf, und während sie dankend die hübsche Bliimcngabc in Empfang nimmt, bat Harald daS Gefühl, als sei eS plötzlich sehr ungemüthlich geworden, als müsse er etwas sagen, fast, als müsse er Glacehandschuhe auzieben. Doch rasch schüttelt er den Eindruck ab und begrüßt den Freund nun weit herzlicher, als eS sonst seine Art ist, selbst diesem gegenüber. Hansen sagt daS, was jeder wohlerzogene Mann bei solcher Gelegenheit sagen würde, das heißt: Erkundigungen nach Befinden, Reise und Länge deS FortbleibenS. Da ihm gesagt wird, daß die Dauer der Abwesenheit absolut un bestimmt sei, zeigt sein hübsches Gesicht den aufrichtigen Aus druck einer Enttäuschung und des Bedauerns. Der Major und der Doctor ziehen sich in eine Fenster nische zurück, und gleich darauf kommt Lola Mohlen ins Zimmer gerauscht, sehr vergnügt, sehr fröhlich, sehr elegant Extra-Beilagen (gefalzt), nur mit der Morgen-Ausgabe, ohne Postbeförderung 60.—, mit Postbesörderung 70.—. diesem gescheidten jungen Mann keinen Stein nackwerfen. Kenne ihn zwar nicht genauer, aber es ist etwas an ihm, was anziebt, — schon die heitere Lebensauffassung, liebe durchaus keine Duckmäuser! — Ja, da fällt mir eine Geschichte ein, als wir Anno 70 auf Paris marschirten." Dock der alte Herr gelangt nicht zur Vollendung seiner Geschichte, welche übrigens der Schwester und Nichte wohl bekannt ist. Die Tbür wird geöffnet, und Raßmus kommt rasck mit seinen eiligen Bewegungen herein, der Präsidentin herzlich die Hand schüttelnd, die Tochter jedoch ziemlich kalt und förmlich begrüßend, während er dem Major zunickt und dessen warmen Händedruck erwidert. „Nun, wie ich sehe, gnädige Fran, können Sie getrost übermorgen reisen. Das Wetter ist schön, und ich beneide Sie fast um den Aufenthalt auf der Insel." „Wißen Sie was, Doctor? Ich werde mitreisen", sagt der Major plötzlich, damit freudige Zustimmung der Damen hervorrufend. „Onkel, das wird prachtvoll!" „Sieh mal einer an, Evchen, hast mich alten Kerl noch immer gern? Na ja, weshalb nicht! Ich bringe Euch nach der Insel und werde einige Reisefreunde in London besuchen. War nie dort, weil mir im Grunde Land und Leute unsym pathisch sind, werde sie mir aber doch einmal auS der Nähe anschaucn. Wann waren Sie denn in England, Harald RaßmuS, daß Sie so genau orientirt sind? Gestattest Du, wenn wir raucken, Schwester?" Auf deren Einwilligung stecken die Herren eine Cigarre an. „Ich begleitete vor sechs Jahren einen alten kranken Amerikaner nach Europa. Wir lebten zwei Monate auf der Insel Wight." Eva schaut überrascht auf. Er hatte ihr nie von seinem Aufenthalt in der neuen Welt erzählt. „Gräßliches Volk, die Amerikaner, nicht wahr?" sagt Onkel Carl. „Das wäre zu viel gesagt, Herr Major, obgleich — offen gestanden — ich habe keinen wirklichen Gentleman dort ge funden." „Ist auch unmöglich", stimmt der Major zu. „Die Kerle verabscheuen den Zweikampf. WaS sagen Sie dazu, Herr Doctor?" fragen Onkel Carl und Eva zu gleicher Zeit. „Sobald derselbe gänzlich verschwindet, hat der letzte vor nehme Mann aufgehört zu leben", sagt Harald eifrig. besagen, wenn nach gemeinsamer gründlicher Durch arbeitung eines fast das ganze bürgerliche Recht regelnden Gesetzes der eine Theil über Fragen wie die der Zulassung des Privattestaments, der Haftung für den durch HauSthiere, sowie durch Hasen und Fasanen verursachten Schaden anders denkt als der andere? Angesichts der Uebereinstimmung im Ganzen können diese unerheblichen Differenzen keine Bcsorg- niß wegen des Schicksals des Gesetzes erwecken. Auch die Fragen, die von der Mehrheit der Commission mit Zustimmung der Regierung gegen große Minderheiten entschieden worden sind, dürften im Allgemeinen keine Gefahren bergen. Zu diesen Fragen gehört nicht diejenige der Einreihung unheilbarer Geisteskrankheit unter die Ehescheidungsgründe. Die bayerische und die mecklenburgische ausgenommen, stimmen die Negierungen mit der Commissionsminderheit in der Auffassung überein, daß eine dnrch solche Krankheit that- sächlich vernichtete Ehe ans Gründen der Menschlichkeit auch formell müsse aufgelöst werden können. Wenn der ge sunde Theil religiöse oder sonstige Bedenken gegen die Scheidung aus diesem Grunde hat, so bleibt eS ihm unbenommen, die Ehe fortbestehen zu lassen; dem Geistes kranken, der für daS Wesen der Ehe das Vcrständniß verloren hat, wird durch deren Aufrechterhaltung keine Wohlthat erwiesen. Eine andere überaus bedenkliche Be stimmung betrifft gleichfalls das Eherecht. Das Centrum hat es in der Commission erreicht, daß ein Geistlicher, ohne sich strafbar zu machen, bei einem standesamtlich nicht ver bundenen Paare „die religiösen Feierlichkeiten der Ehe schließung" vollziehen darf, wenn eins der Verlobten lebens gefährlich erkrankt ist. Rechtliche Folgen hätte die Vollziehung dieser Feierlichkeit nicht, eine Ehe käme nicht zu Stande. Ist aber, und dies wird häufig der Fall sein, der gesunde Theil über die Nechtsunwirksamkeit des geistlichen ActeS im Unklaren, so ist es das Staatsgesetz, das durch eine solche Ausnahmebestimmung seinen Irrthum begünstigt und seine etwaige Enttäuschung verschuldet, und gesundet der Erkrankte wieder, so sind die Folgen geradezu unabsehbar und können jedenfalls leicht gerade für die Kirche sehr unerwünschte sein. H^r wie in der Frage der unheilbaren Geisteskrankheit als SchcidungS- grund wird ein von dem der Commission abweichender Plenarbeschluß die Beurtheilung-des Gesetzbuches vom kirch lichen Stanvpunct unmöglick ernstlich beeinflussen können. So ist die Lage die, daß ein Mißerfolg in dieser Session nur dadurch herbeigefübrt werden kann, daß die Conservativen der Führung des zur Obslruction entschlossenen Herrn Iskraut sich anvertrauen. Politische Tagesschau. * Leipzig, 18. Juni. Das Centrum kann mit dem Erfolge seiner gestern im Reichstage unternommenen Action in Sachen deö Icsuitcn- gesetzcS zufrieden sein. AuS der Antwort, die der Reichs kanzler Fürst Hohenlohe auf die Interpellation er'heilte, geht zwar hervor, daß die überwiegende Mehrheit des Bundes rathS zur Zeit für die Aufhebung deS ganzen Jesuitengesetzeö nicht zu gewinnen ist, aber baldigst in Erwägung ziehen wird, ob nicht ebenso, wie die Redemptoristen und die Väter vom heiligen Geist, auch die beiden anderen Ordensgesellschasten, welche für verwandt mit dem Jesuitenorden erklärt sind, das Recht der Niederlassung in Deutschland wieder erhalten können. Es sind dies die Lazaristen und die Sckw estcrn vom Herzen Jesu. Fällt, wie aus der Erklärung des Reichskanzlers geschlossen werden muß, der Beschluß deS Bundesraths zu Gunsten der beiden Ordenszesellschaften aus, so wird das Centrum erwünschteste Gelegenheit er halten, die Agitation zu Gunsten der völligen Aufhebung deS IesuitengcsetzeS in neuen Fluß zu bringen und die Aufrechterhaltung desselben als schreiende Ungerechtigkeit zu bezeichnen. Wie gesagt, daS Centrum kann mit dem Erfolge seines Vorstoßes zufrieden sein, um so mehr, als überdies die Gegner des Gesetzes, die Conservativen und die Nationalliberalen, sich bereit erklärten, „Härten" des Gesetzes beseitigen zu helfen. Zwischen der preußischen Negierung und den Conservativen scheint bereits ein Plan ent worfen zu sein, wie die Beseitigung dieser „Härten" auszunutzen sei. Wir werden darauf zurückkommen. — Nachdem die Interpellation erledigt war — eine Bebel ei allergröbster Sorte übergehen wir mit dem Schweigen der Verachtung —, kam nach einem fehlgeschlagenen Obstructionsversuch der Conservativen die Berathung des an die Stelle des Initiativgesetzcntwurfs über das BcrcinSgcsctz gestellten und von allen Parteien mit Aus nahme der Conservativen und der Neichspartei unterstützten Antrags Bassermann, ein Gesetz mit der einzigen Bestimmung zu beschließen, wonach inländische Vereine jeoer Art mit einander in Verbindung treten dürfen und entgegenstehende landcsgesetzliche Anordnungen ankgehobcn sind. Der Staatssecretair v.B »etlicher theilte zurBeruhigung mit, daß „die meisten" Bundesregierungen die Nothwendigkeit einer Reform in Bezug auf die Verbindung der Vereine unter einander anerkennen; nnr sei fraglich, ob die Regelung reichs öder landesgesetzlich getroffen werden solle. Diese Frage wird sich im Hinblick auf Vie Reichsverfassung, die, wenn sie eine reichsgesetzliche Vereinsgesetzgebung auch nicht geradezu an befiehlt, jedenfalls ihrem Geiste nach eine landesgesetzliche nicht will, ohne Schwierigkeit beantworten zu lassen. Die Annahme des Antrags Bassermann erfolgte mit großer Mehr heit; sie ist eine definitive, weil in dritter Lesung deS älteren Initiativentwurfs beschlossen. Heute, spätestens morgen hofft man im Reichstage die zweite Berathung des Bürgerlichen Gesetzbuches be ginnen zu können. Hat über diesem großen gesetzgeberischen Unternehmen, seitdem cs in die Phase parlamentarischer Be handlung eingetreten ist, ein guter Stern gewaltet, so können die nunmehr vorliegenden CommissionSanträge und -Berichte die Erwartung eines günstigen Abschlusses nur noch ver stärken. Die Zahl der zwischen Commission und Re gierungen verbleibenden Streitpunkte ist gering und, was wichtiger ist, die Meinungsverschiedenheiten sind zumeist nicht grundsätzlicher Natur. Was will es Gegnerschaft aufgeboten werden, um den ganzen Gesetzentwurf, oder mindestens den Kanzelparagraphen aus der Welt zn schaffen. Das Wiener Organ der Ultramontanen kündigt geradewegs den „Culturkampf in Ungarn" an für den Fall, daß die Liberalen auf dem Kaurelparagraphen bestehen. Die Liberalen aber sind fest entschlossen, nicht nachzugeben. Bezugs Preis ß« Per Hauptexpedition oder den im Stadt bezirk und den Vororten errichteten Aus« aabestellen ab geholt: vierteljährlich 50, bei zweimaliger täglicher Zustellung ins Haus 5.50. Durch die Post bezogen für Deutschland und Oesterreich: vierteljährlich 6.—. Directe tägliche Kreuzbandicndung i»S Ausland: monatlich 7.50. s«ll mlooss 113, l 27,06 r I 1V° z SS.— »'l 161.96 162,56 » 96.— n 161,66 4 162,56 6. — —— — >- ik 123,25 X. S7.— o. — p- 216,— — 8 186,— 'N 146,— k. 140. - n 216,— le 'b. 88,— x. ,n 220.— « 124,— S. «e. so 142,- t>. w. 155,— la 285,- in. r.» 123,— r> 110,50 k7 298,— k7 67.— M. 83.50 k7 104,50 103 — IV. —WW t'. — i. llr. sr 9,53 139,50 254,— 54,1 t> 8 — rw. Lm. 1LI. .8. 16. 638 479 495 r. ^nl. 108,75 uts 104,— ar. 99,60 kni. 96.40 )-kr 53,10 U.6. — !srt. >üo 59.86 i-ior. 84.70 -kr. 80,70 )U 108,30 rl 87.10 >t.-8 140,75 astb. 140,75 id. 9150 oald 124,50 isbn 93,60 ^.-8. 144,10 VIII 105,50 otd» — land 158,50 123 26 -.4 91H.0 fä I15K «rdr. 208^0 ntan 181,50 ksrk. 145,10 >ikr> 121 50 rtm.) 192 — lc.-V. 121,50 aöob 305,46 lalln. 225,90 87,— cou» 164,25 ascb. 108,50 KL 169,15 215,90 >«- 213,65 Karr 216,— 157,60 175,90 15325 vrr. 170,90 Xä 116, — oe. 8 88,70 1.US4 99,25 4oten 216,50 108,50 iolär. 103.90 a alt« 95,80 neu« — tClllv 60. - lon 108,40 : I-'esi
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