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02-Abendausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 30.01.1900
- Titel
- 02-Abendausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-01-30
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19000130027
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900013002
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900013002
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
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Jahr
1900
-
Monat
1900-01
- Tag 1900-01-30
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Monat
1900-01
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Jahr
1900
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die KornhauSgenossenschaften, übernehmen dann aber auch ge wisse Verpflichtungen der Allgemeinheit gegenüber und müssen sich mit verdoppelter Gewissenhaftigkeit an die gesetzlichen Voraussetzungen halten, die für ihre Wirksamkeit grundlegend sind. Von der rechten Seite wurde der freisinnige Antrag mit besonderer Schärfe bekämpft; von dem Abg. v. Wang en de im, dem Leiter des BnildeS der Landwirthe, mit der Mahnung, man würde besser thun, „Anträge zu unterlassen, von denen cs klar ist, daß sie nur Agitationsmittel find und verhetzend im Lande wirken." Das ist ein wahres Wort; von dem Abg. Freiherrn v. Wangcnheim wird man aber auch Wohl erwarten können, daß er mit dabei ist, überall, wo es gilt, dieses Wort in die Thal unizusetzc». Im Laufe der Debatte entwickelte der Abg. Schmitz-Düssel dorf einen recht vernünftigen Gedanken, indem er Klage führte über die Art, in der die Statistik über laudwirt li sch aftliche Verschuldung geführt werde. Man müsse aus einer solchen Statistik doch ersehen können, zu welchem Zweck eine Schuld ausgenommen sei. DaS ist jedenfalls zu treffend; nur Lurch solche Nachweise können die allgemeinen Klagen der Lankwirthsckast über Nothlage begründet und auf das rechte Maß zurückgeführt werden. Der Geheimralh Müller versprach daher auch eine Aenderung in der An lage der Statistik. So wird denn aus der gestrigen Debatte wenigstens etwas Ersprießliches herauskommen. Zn der Flottousrnge scheinen die Führer des Bundes der Landwirthe ein eigenes Spiel zu treiben. Wenigstens ist in dem Berichte, den das „Posener Tagebl." über eine am Freitag in Posen abgehaltene Versammlung veröffentlicht, Las Folgende zu lesen: „Herr Fuhrmann tritt warm für die Flotienvcruiehrnng ein. Herr vr. Hahn erinnert daran, daß die Landwirthe Z893 nicht gegen cine Heercsvcrmehrnng gewesen seien. Der Bund müsse sich heute noch im Bismarck'sch en Geiste zu der Flottensrage stellen; Bismarck aber habe sich für eine Auslands-, nicht für eine Weltmachtsflottc ausgesprochen. Eine uferlose Weltmacht politik werde der Bund nicht unterstützen." Hierzu schreibt man Len „Berl. N. N." aus Posen: „ES ist schon das zweite Mal, Laß in Posen aus der Mitte einer laudwirthjchaftlicheu Versammlung heraus für die Flotte ge sprochen wird und Las; daun die Führer des Bundes ab winken. Dabei stellt sich Herr Hahn im Reichstage immer jo, als ob die Führer durch die Wähler zurückgchalten würden, jo warm für die Flotte einzutretcn, wie sie wohl mochten. Es ist das kein schönes Spiel mit Len wichtigsten Lcbensintcressen der Nation, zumal dabei der Name ViSmarck's als Deckmantel mißbraucht wird." „DaS Letztere" — so fügt das genannte Berliner Blatt hinzu — „können wir vollinhaltlich unterschreiben. Fürst Bismarck hat bereits der Flottenvorlage von l598 gegenüber eine durchaus zustimmende Haltung eingenommen, er würde, wenn er die heutige Weltlage noch zu übersehen vermöchte, au der jetzigen Flottenvorlage höchstens das Eine auSzusetzen haben, daß sie für die Ausführung einen viel zu langen Zeit raum Vorsicht." Ob Fürst Bismarck es für möglich halten würde, die in Aussicht genommene Flottenverstärkung rascher durchznfübren, kann dahingestellt bleiben. Die Hauptsache ist, daß er zweifellos für die Verstärkung eintreten und mit einem kräftigen Nucke und einer drastischen Bezeichnung von seinen Rockschößen Leute abschütteln würde, die sich nicht scheuen, ein Spiel zu treiben, wie eS in den vorstehenden Citaten geschildert ist. Nun das Schlachtfeld der TcnatSwahlc« iu Frankreich abgeräumt ist und jede Partei ihre Erfolge und ihre Ge fallenen gezählt hat, ergiebt sich, daß eigentlich Niemand einen Sieg erfochten hat, dessen er so recht von Herze» froh sein kann. Wollte man die amtliche Classisicirung deS Wahl ergebnisses ohne Weiteres gelten lassen, dann könnten die Republikaner ein Triumphlied austimmen, denn der amtlichen Meldung zufolge sind von 99 Mandaten den Republikanern 92, den Monarchisten 4, den Nationalisten gar nur 3 zu gefallen. Von dem Pariser Berichterstatter der „Voss. Ztg." wird jedoch auf das große „Aber" dieser Statistik hingewiesen, das darin besteht, daß außer Len drei ausdrücklich als Natio nalisten gewählten General Mercier, de Montfort und Gauthier noch neun andere angebliche Republikaner durch die Wahl gekommen sind, dir unter falscher Flagge gefochten haben und innerlich ebenso sehr Nationalisten sind, wie jene drei. Von 3 t weiteren gewählten „Republikanern" wird angedeutet, daß sie wenigstens als „Afsiliirte" deS Nationa lismus zu gelten batten, da sie sich offen als Antidrcyfusards bekannt haben. Es wird sich bald zeigen müssen, ob diese Auffassung zu pessimistisch ist. Jedenfalls gewinnt der Ferncrstehende den Eindruck, daß das Wahlergebniß weit aus nicht so freundlich für bas Ministerium Waldeck- Rousseau ist, wie mau nach dem amtlichen Wahlbilde annehme» könnte. Anderseits wirkt aber auch das Jubel geschrei der nationalistischen Presse wie eine starke Ueber- treibung. Schon der Umstand, daß die große Mehrzahl der nationalistischen Siege unter der falschen Flagge deS RepublikaniSmus erfochten wurde, deutet darauf hin, daß der Nationalismus nicht auf so breiter und fester Grundlage ruht, wie er sich brüstet; cine Partei, die iu den meisten Wahlkreisen, wo sie offen Farbe bekennt, von den Wähler schaften verschmäht wird und ihre meisten Erfolge nur dem Verstecken ihrer Farbe, also einer Irreführung der Wähler verdankt, hat kein Recht, sich so zukunflssicher zu geberden. Am schlimmste» sind verhältnißmaßig die Monarchisten weggekommen, die von ihren bisherigen fünf Mandaten nur vier zu behaupte» vermochten; das ist eine Quittung des Landes für dir Umtriebe der „KönigStreueu" während der DrensuS-Krise, die sich der Herzog von Orleans kaum vor Len Spiegel stecken wird. Der Krieg in Südafrika. -(>. Albion horcht auf, die Völker neigen daS Ohr, denn Generalissimus Lord Roberts spricht. Was spricht Lord Roberts of Kandahar? Er kabelt an daS KriegSamt in London und daS KriegSamt bat den Muth cs zu veröffentlichen: „Die Lage ist unverändert". Lord Roberts hat, seit dem er den afrikanischen Boden be treten, feit dem er in Eapstadt, LaS er noch nicht verlassen, sein Hauptquartier oufgeschlagcn, überhaupt noch uicktS berichtet, als: „Die Lage ist unverändert". Drei oder vier Kabcltelegramme hat er nach London gesandt und sie besagten alle: Die Lage ist unverändert. Nun, die Londoner Blätter urtheilen — und wie könnten sie anders nach dem Echec am Spionskop! — ganz entgegen gesetzt. Sehr pessimistisch besprechen sie die Lage in Natal, betrachten den Fall von Ladysmith allgemein als unver meidlich und Len Feldzug auf dem östlichen Theil deö Kriegs ¬ schauplatzes al» verloren, wenn sie sich auch in Würde zu fassen wissen. Auch im Parlament wird die Sache zur Sprache kommen. Man meldet unS: * London, 30. Januar. (Telegramm.) Lord EdmonL Fitzmaurice wird im Namen der Führer der Opposition im Unterhaus« ei» Amendement zur Adresse eiubringen, in welchem dem Bedauern über den Mangel anSachkennt- niß, Voraussicht und Urtheil der Regierung in den südafrikanischen Angelegenheiten seit 1895 und in der Vorberei tung zum Kriege Ausdruck gegeben wird. Diese» Amendement hat den Vorrang vor allen übrigen Amendements. Der „Star" erfährt: nach dem Mißlingen de» Front- angriffeS bei Colenso berichtete Buller, der Entsatz von Ladysmith sei unmöglich, das Cabinet wie- ihn jedoch an, einen neuen Versuch zu machen. Ueber -en Kampf a« Spionskop ist noch Folgendes uacbzutragen: * London, 29. Januar. General Buller telegraphirte heute: Im Kampfe auf dem SpionSkop am 24. d. M. wurdrn von den Officieren der 5. Division und der Covallerio-Brigade 22 getödtet, 20 verwundet und 6 vermißt. Unter den Verwundeten befinden sich Genera l Woodgate (die Nachricht, daß er gestorben fei, ist falsch. D. Red.), »in Oberst und 2 Majore. Der Verlust an Officieren ist wieder enorm. Wahr scheinlich ist er noch erheblicher, als da» KriegSamt wissen will, LaS nun, seiner Gewohnheit getreu, nach und nach be kannt geben wird, wie viel Gemeine getödtet, verwundet und gefangen sind. Eine von unS schon erwähnte Depesche all dem Boerenlager am oberen Tugela vom 24. Januar besagt in ausführlicherer Fassung (in der der Ueberfetzung der „Frkf. Ztg."): Als der Tag angebrochen war, begannen die Tontingente von Heidelberg und Carolina, welche inzwischen von ihren Commaudos ergänzt waren, den Hügel zu ersteigen. Drei etwa» jäh abstürzrnde Ausläufer de» Felsens befanden sich den Stellungen der Boe re» gegenüber. Auf diese war der Vormarsch der Boeren, welche ihre Pferde hinter der erste» felsigen Erhöhung ließe», gerichtet. Dann begann da» Ersteige» der steilen Abhänge. Man fand, daß die Engländer die Gelegenheit ergriffe» hatte», sich stark zu verschanze». Zwischen den englischen Verschanzungen »ad den Commando» der Boeren befand sich ei« Streifen offene« Felde», über welchen unter heftigem Feuer nicht nur von Gewehren, sonder« auch von Lyddit«, Shrapnel« und Feldartillerie hinweg gestürmt werden mußte. Inzwischen batten zwei Abtheilungen Boeren zwei andere Ausläufer deS Felsens unter Deckung deS Feuer» von großen Krupp« und Creuzot-Kanonen der Freistaat-Boerr« und einer Maxim-Kanone erstiegen; die Engländer versuchten sie durch einen Bajonett-Angriff zu vertreibe», aber ihre Infanterie fiel wie von Sense» niedergemäht. Da» Feuern Lauerte mit unverminderter Wuth an und die angreifenden Ab« theilangen der Boeren rückten Schritt für Schritt vor, bi» um 2 Uhr eine weiße Fahne sich zeigte und 150 Engländer in den ersten Verschanzungen sich ergaben; sie wurden al» Gefangen« zum Hauptlager gebracht.! Eiu von Mitternacht datirter Schluß de» Telegramm» fährt dann fort: Ter englische Infanterie-Angriff dauerte war, konnte sie sich vertrauen, und nur ein solcher, ohne aufzu fallen, sich hinreichend erkundigen. Mit dieser Ueberlcgung war auch der Name des einzigen Mannes gegeben, Dem 'sie vertrauen, auf den sie sich ganz ver lassen konnte in so heikler, so gefährlicher Angelegenheit. Ehe sie 'den Brief begann, malte sie, nachdenklich aufseufzend, den Namen, die Titel und die Wohnung Wendewalt's auf einen Um schlag, an dessen linker Ecke sie das großgeschriebene Wort „Dringend" dreimal unterstrich. 'Der Brief 'war kurz. Er enthielt nur die Bitte an den be währten Freund der 'Familie, sie eines großen Unglücks halber am nächsten Morgen zu besuchen. Ehe der Tag graute, weckte sie die Magd, die von nichts wußte, und hieß sie die beiden Briefe, einen nach dem anderen, bestellen. Bald nachdem diese mürrisch und 'verschlafen aus dem Hause gegangen, war auch der Vater wieder laut geworden. Nanda stand horchend vor seiner Kammerthür. Aber balv schrie er so 'heftig, daß man es auch im letzten Zimmer hätte hören müssen, man habe ihm seine Brieftasche gestohlen, eine Brieftasche von unendlichem Werthe, nicht allein des Geldes wegen, das sie enthielt, sondern vorzüglich wegen einer Menae mühsam und sorgfältig hergestellter Berechnungen, die er in ihr geborgen habe, und die, wenn verloren, gar nicht zu ersehen seien. Er rief, er bat, er fluchte, dann hörte man ihn das Unterste zu oberst kehren, weil er seinen Zimmerschlüssel verlegt habe und diesen nicht finden könne. Er warf die Möbel durcheinander, er stemmte sich mit aller Wucht seines Leibes gegen die Thür; Naitva fürchtete, jeden Augenblick werde das Holz oder die Angel nach geben und er herauSstürzen. Sie hatte keine Furcht mehr für sich; aber was wurde aus ihm, wenn sie ihn nicht halten konnte, und er auf die Straße davonstürmte, weiß Gott, wohin? Die Thür widerstand. Die 'Klinke einfach aufzudrücken, fällt ihm nicht ein. Er hält sich für eingeschlossen. Nanda hört ihn wimmern. Er muß sich in seiner Heftigkeit weh aethan haben. Und sic kann ihm nicht helfen, seinen Schmerz nicht lindern. Und der Arzt erscheint noch immer nicht. Und was will er helfen, wenn er allein kommt? Und wenn er nicht allein kommt . . . . wie entsetzlich dies Alles! Der Arzt kam später, als sie erwartet hatte. Aber er kam nicht allein. Ihr Brief war deutlich genug gewesen, daß der Um sichtige fick mit den nöthigen Wärtern versehen hatte. Das Zimmer des Kranken besckritt der Arzt allein. Nanda durfte bald darauf eintreten. Sie ließ cs sich nicht nehmen. Di- Wärter saßen vor der Thür auf dem Gange. Wendewalt er schien, da noch der Sanitätsrath seine Beobachtungen anstellte. Von den Zweien auf dem iGange erfuhr er, was man hier be fürchtete. Der Anblick der drei Menschen im Zimmer bestätigte ihm bald, daß die Befürchtung nicht grundlos gewesen sei. Der Arzt hielt die Dazwischenkunft Wendewalt's für sehr erwünscht. Der alte Freund konnte den Patienten, der jetzt ganz ruhig mit seiner Tochter und dem Medicus Kaffee trank, leichter als ein Anderer zu einer Ausfahrt bewegen, um angeblich im Reichstag einer merkwürdigen Sitzung beizuwohnen. Einige dahingehende Worte des Arztes begriff der Landrath sofort, und er machte Wesselbrunn seine Vorschläge, wohl wissend, daß die Fahrt nach einer sogenannten Nervenheilanstalt zu gehen habe, um den armen Grheimrath vielleicht für den ganzen Rest seines Lebens dort zu beherbergen. Der alte Herr hatte an dem Vorschlag Gefallen gefunden und wünschte, 'sich sofort fertig zum Ausgehen zu machen, nur stine Brieftasche müßte er vorher noch wieder haben, sonst keinen Schritt vor's Haus. „Aber da ist ja Deine Brieftasche", sagte Nanda, „Du hast sie mir ja gestern Nacht zum Aufheben gegeben." „Ich werde das jede Nacht thun; sie kann nirgends besser aufgehoben sein, als bei Dir, mein gutes Kind!" antwortete er, mit allen zehn Fingern das alte Leder liebkosend, und als er es in seine Brusttasche steckte, fragte er stolzen Blickes: „Nun, was sagst Du?" „Mein guter Vater!" schluchzte Nanda auf und umschlang seinen Hals mit Leiden Armen. Er sprach ihr freundlich zu, sich in ihrer Freude zu mäßigen, während der Arzt mit Wendewalt ins Nebenzimmer ging, an geblich, um ein Recept zu schreiben, in Wahrheit, um mit dem Freunde der Familie zu derathen, was geschehen sollte. Der Fall war leider Gottes nur allzu klar. Heilung nicht eben wahrscheinlich, aber immerhin möglich, die Ueberführung in eine tücktige und zuverlässige Anstalt unabweislich geboten. Die städtischen und ProoinzialMnstalten waren überfüllt. Die Aufnahme verlangte umständliche Erledigung eines Gesuches. Auch würde die Tochter wohl kaum darein willige», den alten Ge Heimrath in einer solchen unterzuüringen, die weit von ihr entfernt lag und nach der allgemein verbreiteten Meinung der Gesellschaft, in welcher sie verkehrte, nur für ärmere Leute ge macht schien. Es war unumgänglich geboten, den Geheimrath in die beste Privatanstalt in der Näh: Berlins zu bringen, die eben einen Platz frei hatte. Der Arzt empfahl ein», mit der er sich bereits telephonisch heute Morgen in Verbindung gesetzt, und die auch der Landrath hatte rühmen hören. Das Fräulein, daS die beiden Herren dann zur Berathung Herzogen, erklärte aufs Allerentschiedenste, den kranken Papa nur der allerbesten, nur der vom Arzte vorgeschlagenen Privatanstalt zu überlassen, ohne die Kosten zu scheuem Sie verdiene jetzt wieder genug, um die jährliche Summe, die man ihr ungefähr nannte, aufzubringen. „Und wenn auch nicht. . . sie faßt« sich in die Haare und schlang hinab, was ihr in diesem fürchterlichen Augen blick auf die Zunge kam, dann endigte fie: ,^Hier ist nicht» weiter zu überlegen. Geschehe, was mag, ich werde meinen Later nicht im Stich lassen, meinen armen, unseligen, geliebten Dater, und werde für Alles auflommen, was nothwendig ist. Verlassen Sie sich darauf, Herr Doctor, und theilen Sie dies dem Director, dem Sie Papa übergeben werden, mit." „Ein braves Herz", sagte der Arzt, nachdem fie wieder hinaus gegangen war. Und der Landrath antwortete mit einem Seufzer: „Da weiß Gott!" „Sie wird noch viel Kummer haben mit dem Alten", meinte der Sanitätsrath. Wer ihn ihr tragen helfen dürfte! dachte Wendewalt, aber er sprach es vor dem Fremden nicht aus, und dieser schickt« sich an, das Nothwendige geschäftsmäßig zu erledigen. „Warum denn so stürmisch, Mädel; die Sitzung wird ja nicht so lange dauern!" lachte Weffelbrunn, da ihm die Tochter zum Abschied um den Hals fiel, als wollte sie ihn nicht fort lassen. Sie biß in eine Falte seines Rockes Uber der Achsel, um nicht laut aufzukreischen und den Kranken nicht argwöhnisch zu machen. „Gewiß nicht", begütigte Wendewalt, „aber es ist Zeit, auf- znbrechen, sonst komm' ich zu spät. Vielleicht begleitet uns auch der Herr SanitätSrath." Auf der Straße angelanat, stutzte der Grheimrath über die beiden Wärter, die er verwundert betrachtete. Wendewalt stellte ihm den einen, ver mit ihnen in dem Wagen Platz nahm, al» seinen Sekretär vor; der Andere, der auf den Bock gestiegen war, galt als d-s Arztes Diener. Am offenen Fenster »den stand Nanda uns beugte sich hinaus, als die Kitsche ins Rollen kam. Ms sie um die Ecke war, warf sie sich lang hin, sie verrnochte die erzwungene Fassung nicht mehr zu halten und schrie schluchzend auf. Das Herz that ihr web, als wollt' eS brechen. Nach anderthalb Stunden etwa kam Wendewalt, wie et ver sprochen hatte, zurück uns berichtete, daß der Vater, soweit man fick unter diesen traurigen Umständen also ausdrücken dürfte, gut untergebrackt sei. Er beschrieb ihr das Haus, den Garten, den Leiter der Anstalt, berichtete über die Bedingungen, unter welchen er über Behandlung und Verpflegung des Kranken in Abend-Ausgabe Druck »nd Verlag vo» L. P olz in Leipzig. 94. Jahrgang. Dienstag den 30» Januar 1900. v L4j 1 113,80 74.80 144,10 53.80 78,SO 208,SS Die Morgen-AuSgabe erscheint um '/.? Uhr, die Abend-Ausgabe Wochentags um 5 Uhr. > sua- »» 6« « Lv ä L Annahmeschluß für Änzeizen: Abend-Ausgabe: Vormittag» 10 Uhr. Morgen-AuSgabe: Nachmittag» 4Uhr. 271,25 141,— SSL, 10 383.75 203,73 2.3,10 232,— ISS,SO k« l.lXY. 0,98). von in <271) ' von 8r«m.o. rdo«I14»»pa»r :d, 0.71). 0,20). in Halle KornhauLel auch an zur Korn- Anzeigt« sind stets an die Expedition zu richten. 88.80 87,10 84.30 100,25 100,SO 83, - 87.80 103,23 88.30 88,50 18,26 Ne-action im- Expedition: Johannisgaffe 8. Die Expedition ist Wochentags ununterbrochen geöffnet von früh 8 bis Abends 7 Uhr. Filialen: Alfred Hahn vorm. O. Klemm'» Sortim. Universitätsstratze 3 (Paulinum), LoiliS Lösche, kalharineustr. 14, pari, und Königsplatz 7. 422 33b 41b S70 IN 78*» <28/1) r kor« (27/1) Sloli, 1) »ktlrit »wpt.r: von >1lm«r»^ a.ck Scot- »n« ä«r ? Vorlr, (28,1) It. 0»1d»rio«. »wdnrss, »U. Die ganze Hand Roman von Hans Hopsen. Slaldirna vcrbcl Da eilte sie in den Speisesaal zurück und öffnete die Brief tasche. Eine Menge kleiner Papiere fiel ihr über oie Hände, auch größere waren darin, meist unbezahlte Rechnungen verschiedener Lieferanten und einzelne Blätter von des Vaters Hanv mit Zahlen in den verschiedensten Ordnungen beschrieben. Es sah ungemein sauber und klar aus, aber sie verstand nichts davon uno suchte weiter, eine Falte nach der anderen öffnenb. Von Geld, Papiergeld, oder Geldpapier keine Spur. Die Befürchtung, die so beängstigend in ihr aufgestiegen war, bestätigte sich vor ihren suchenden Augen und überwältigte sie. Ihre Stirn siel auf die Hände, und ihre Thränen strömten darüber hin. Armer Vater! Aermerc Tochter! 'Fröstelnd, schaudernd erhob sic sich nach einer Weile, warf ihren Flitter ab und wusch sich die Augen. Es half nicht viel, die Thränen kamen immer wieder. Ihre ganze Zukunft starrte ihr wie ein schwarzer Abgrund entgegen, eine unergründliche Tiefe von Gräuel und Qual. Was half da alles Kopfzerbrechen! Es mußte vor Allem Vas Nothwendige gethan werden. 'Und fie that's. An Schlaf war diese Nacht nicht zu denken. Sie schrieb zunächst an den Hausarzt ausführlich, was sie soeben erlebt hatte, nur von der Unterschlagung schrieb sie nichts. In allem Elend hoffte fie noch, daß dieses Aergstc sich so wenig bewahrheiten möchte, als sich der von dem Kranken daran geknüpfte Erfolg bewahrheitet hatte. Doch alsbald schob sich vor diese Hoffnung die Befürchtung, daß auch das Aergstc wahr sein könnte, daß der Dater mit unseligen Händen an fremde Gelder gegriffen und über dem Bewußtsein, daß er seinen Raub verspielt habe wie sein eigenes Vermögen, den Verstand verloren habe. 'Der erste Dries war ihr, so schrecklich sein Inhalt war, rasch aus der Feder aufs Papier geflossen. An wen sollte sie den zweiten schreiben? Wer sollte ihr, ohne aufzufallen, ohne Verdacht zu errege», die Gewißheit bringen, wie ihr Vater zu jener Baubank, der er Syndicatsarbeiten ge liefert batte, deren Syndicus er sich zuweilen nannte, sich verhielt, wie er sich zu deren Eaffe hatte verhalten tonnen. Nur einem zu verlässigen Freunde, der ein angesehener, einflußreicher Mensch 83 — 138,- 3505 22,90 Dnzeigen.Prei- die 6 gespaltene Petitzeile 20 Pfg. Reelame» unter dem RedaettonSstrich (»ge spalten) bO^j, vor den Familiennachrichun (6 gespalten) 40^. Größere Schriften laut unserem Preis- vrrzrichuiß. Tabellarischer und Ziffernsatz nach höherem Tarif. Extra-Beilage« (gefalzt), nur mit der Morgen-AuSgabe, ohne Postbeförderung 60.—, mit Postbeförderung 70.—. BezrrgS-PreiS in der Hauptexpedition oder den im Stadt bezirk und den Vororten errichteten Aus- gabestellen abgeholt: vierteljährliche4.50, bei zweimaliger täglicher Zustellung ins Haus e 5.50. Durch die Post bezogen für Deutschland und Oesterreich: vierteljährlich e 6.—. Directe tägliche Krcuzbandseudung inS Ausland: monatlich e 7.50. 118.50 147,— 13880 154,80 isHo 184,78 134,30 178.75 131.25 84.— 184,— 82.25 111.50 208,— 230.— 183,— 217,— 20',— 170.25 285,— 80.25 148.50 22«,— 631,— 231 — 178.25 177, — 128,— 62,75 182.50 98,— 211.75 178, — 274.25 84,60 215,70 218,05 84,70 216.50 MpMtr TagMatt Anzeiger. Amtsblatt des Königlichen Land- imd Amtsgerichtes Leipzig, des Mathes und Nolizei-Amles der Ltadt Leipzig. Politische Tagesschau. * Leipzig, 30. Januar. „Die lox Heinze ist vorläufig abgetban, Las hohe HauS am Königsplatz wieder öde und leer". So beginnt die „Tagt. Rndsch." ihren Bericht über die gestrige Sitzung Les Reichs tags. ES ist überflüssig, Liesen herbe» Worte» noch etwas hinzuzufügen, Leun au Leu Herren, die die Oede und Leere Les Saales bei „langweiligen" Debatte» verschulde», gehen auch die längsten Auslassungen über ihr Verhalten spurlos vorüber. Ucbrigeus war die gestrige Debatte gar nicht lang weilig, denn der Staatösccretärv. Pod bielski vertheidigte Lic Eins übrun g Les Postch eckver kebrö, sein Lieblingöproject, gegen alleAusstcllungen mit sovielWärme und Humor,daßLaugc- weile nicht auskoinuieu konnte. Er hatte auch die Genuglhunng, daß sein Kind als lebens- und enlwickeluugöfähig von allen Seiten anerkannt und deshalb auch nicht in die Kranken anstalt einer besonderen Eonunission, sondern in die Er ziehungsanstalt der Budgetcommission verwiesen wurde. Hier wird, nach dem Verlaufe der gestrigen Debatte zu schließen, vor allen Dingen versucht werden, di: Chcckord nung klarer, für den einfacheren Mann verständlicher zu gestalten und außerdem die Gebühren, die auch dann eintreten sollen, wenn man sich sein eigenes Geld zurückzahlen lassen will, und die schon darum nicht zu rechtfertigen find, weil der Zinssatz der Post nur l'/s Procenr beträgt und sie selbst bei der Reicks bank viel höhere Zinsen für die Gelder erhält, ganz fallen zu lassen oder Loch zu ermäßigen. — Im prcnstischcn Ab- gcvrdnctcnhansc füllte gestern der zum landwir ths Gast lich en Etat von den beiden freisinnigen Fraclionen cin- nebrachte Antrag Erüger auf Vorlegung von specialisirten Geschäftsberichten der staatlich subvenlwuirtcn Ko ruh ans- gcnossenschaften fast die ganze Sitzung auS. AnS ter Debatte ergab sich, daß die Antragsteller insbeson dere an der Geschäftsführung des KornhauscS a. S. Anstoß nahmen, daS neben dem im Großverlrieb Dünger- und Futtermittel solche Landwirthe verkauft hatte, die nicht hausgenosscnschaft gehörten, sondern zum Theil erst später bcilralen. Ter Abg. Gothein berief sich darauf, daß die Begründung des Kornhansgesctzeo ausschließlich ans den Getreidehandel Bezug genommen und zugesagt hätte, cs sollten andere berechtigte Interessen, wie die des DüngerhandelS, in keiner Richtung geschädigt werden. Der Antrag wurde aber von der großen Mehrheit abgelehnt; er hatte die Schwäche, daß derartige öffentliche Auskünfte über Privatgeschäfte nickt verlangt werden können. Der national-liberale Abgeordnete vr. Fried borg betonte aber auch auf der anderen Seite, daß die CommissionSgeschäfte, die insbesondere die Kornhaus- genossenschaftcn in Halle betrieben, zweifellos den bei der Annahme des KornbauSgesctzeS beabsichtigten Rahmen der Auf gaben der Kornhäuser überschritten haben, und machte die Re gierung darauf aufmerksam, daß iu solchen Fallen, wo ein Kern haus zu einem Großbetriebe, ähnlich Len Waarenhäuseru, aus wachse, die Kornhansgenossenschaftcn unter strenger Eoutrole gehalten werden müßten. Ueber diese Linie ging der Land- wirlhschaftsniinister Frhr. v. Hamm er stein aber hinaus. An sich ist ja richtig, daß Genossenschaften dieselben Rechte haben, wie jeder private Gewerbtrcibende, der auch nicht verpflichtet ist, über seinen Gewerbebetrieb der Oeffentlichkeil Mittbeilungen zu machen. Genossen schaften, die in solchem Umfange subventionirt worden, wie 127.60 122,80 138,23 vsrdoten.) Kriek (50 787 S — 225 — 4725 125 —— «SO 17200 Z7S 2728 — 3475 S75 2850 700 4775 600 ,, SOO —» — 8900 050 12200 025 300 14450 875 5025 — 4425 680 725 1500 050 4100 37S 1425 1525 '475 2880 '325 - 14000 1950 — 1I2S >725 3800 «00 3850 100 i125 — ISO 210 32800 1375 4925 — 3850 13850 700 750 »28 1000 4200 5800 1360 1425 > Mr v«ntk«, null iläberie mut
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