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Wöchentlich erscheinen drei Nummern. Pränumeration«. Preis 22j Sgr. (j THIr.) vierteljährlich, 3 Thlr. für da« ganze Jahr, ahne Er höhung, in allen Theilen der Preußischen Monarchie. für die Man p-Lnumeriri auf diese« Reik lall der Allg. Pr. Staat«. Zeitung in Reelin in der Expedition (Mohren-Straße Nr. 34); in der Provinz so trie im Autlande hei den Wohllöbl. Post-Aemtern. Literatur des Auslandes. 75 Berlin, Freitag den 23. Juni 1837 England. Die Missionen in der Südsec. Zweiter Artikel. °) Von den Schwierigkeiten, womit die Misstonaire in der Eüdsee bei ihren wobllhaligen Unternehmungen zu kämpfe» halten, mögen die Leser sich aus folgendem Bericht von ihrer ersten Landung auf Man gala eine» Begriff mache». Lie Insel Mangaia gehört zum Hervey- Archipel, und Williams war eigentlich auf der Fuhrt nach ter von de» Missionairen neu entdeckten Insel Rarotonga begriffen, al« Wind und Strömung ihn seitwärts nach Mangaia triebe». Er sagte den Entschluß, sein Bckehrunzswerk hier anzusangeii. Lurch das Mißgeschick seiner Vor- ganger belehrt, gebrauchte Williame zum Beginn seines Werles bekehrte und der Volkssprache kundige Eiugcborne, eine Art Laienbruder in der MisstonSgcscllschafl, die man für diesen Zweck erzogen und unterrichtet batte. La der christliche Glaube schon seil langer Zeil aus der Gruppe von Olaheili und aus den FreundschaslS-Inseln herrschend und der Dialekt, welchen man hier, und auf den Hervey-Inseln spricht, ein und derselbe ist, so fehlte es Herr» Williams kcineswcges an brauchbaren Sub;cklen für seine Zwecke. Ein Umstand jedoch darf Wunder nehme»: Laß nämlich die zum Bekehrungswerk auögcstttdelen Eingeborene» i» der Regel ihre Weiber milnehme» und solchergestalt das größte Hindcrniß ihrer Tbäligkeil selbst mit umhcrschleppc». Lari» folgen sic aber nur dem Beispiel, welches ihne» die Englischen Misstvnaire geben, denn auch diese versorgen sich in der Regel, bevor sic England verlassen, mit Lieser eben so unnötbigen, als ungehörige» Begleitung. Zu wa§ für Unannehmlichkritc» diese« fuhrt, davon machte Herr Williams bald eine Erfahrung. Nachdem man nämlich eine Zeit lang an der Küste von Mangaia gelegen und viel vergebliche Versuche gemacht hatte, die Häuptlinge der Insel an Bord Les Fahrzeuges zu locken, wurde be schlossen, zwei von Len Predigern, die man von Le» Frcundschafls-In- seln milgebracht hatte, sollte» mit ihre» Weiber» ans Land gehen und alsobald das gottselige Werk beginnen. — „Die Wilden standen am Ufer mit gezückten Speeren und drohende» Gederden und schiene» sich durchaus der Landung widersetzen zu wollen; als man ihnen indeß vom Schiffe her zurief, sie möchten die Waffen bei Seile legen, lhalen sie s, und Misere Leule stiegen an« Ufer. Alsbald siel man von allen Seilen über sie her und legle Hand an ihre Person, an ihr Eigenlhum, an Alle«, was sie milgebrachl halten. Einem von Len Bootsleute» risse» Lie Wilden eine Säge aus der Hand, zerbrachen sie in drei Stücke und banden sie zum Schmuck an ihre Odrlappen. Eine Schachtel voll Hauben, die zu Geschenken für die Weiber der Eingeborenen bestimmt war, wurde ins Wasser geworfen und an« Land geschleppt. Ihrer zwei stahlen jeder eincn Pfosten von einem Bellgestell und rannten spornstreichs mit ihrer Beule davon. Sie beniächliglen sich einer Anzahl BambuSlörbe mit Kokosnußöl und gossen es einander so reichlich über^ die Köpfe, daß sie über und über davon trieften und Lie Sonne sich ordentlich in ihrer Haut spiegelte. Es befanden sich unter andere» zwei Schweine ans dem Schiffe, dergleichen Thiere man auf der Insel »och nie gesehen; ein Häuptling ergriff sie, warf seine Kleider ab und zog sie den Schweinen an; darauf sendete er die Thiere, in die Insignien «einer Würde gekleidet, seinen Götzen als ein Opfer- geschenk. Ader schlimmer al« die« Alles war ihr Benehmen gegen die armen Weiber Ler Prediger, Lie in den Wald fortgeschleppt wurden und gewiß da« Acußerstc erlitten hätten, wäre nicht zu ihrer Ret tung vom Sichiffe her eine Kanone abgeseuert worden. Darüber ergriff die ganze Horde vor Schrecken die Flucht, und wir sendeten gleich ein zweite« Boot aus, um unsere Leule zurück auf« Schiff zu dringen. Sie waren kläglich zugerichlel: die Mützen und Haude» waren ihnen von den Köpfen gerissen; durch Wasser, Kolb uud Schlamm balle man sie geschleift; die Röcke und Kleider hingen ihnen in Fetzen um Len Leib. Papeiba machle dem einen Häuplling, der sich aus unserem Schiffe befand, heftige Vorwürfe über seine Treulosigkeit, daß er sic erst ausgesordert, an« Land zu gehen, und sie dann so habe behandeln lassen. Papeiba sagte ihm ferner, er selbst und seine Landsleute hätten früher von dem wahren Gotte und von der Erlösung durch Iesum Christum nicht« gewußt; es sehen Christen au« England gekommen, sie davon zu unterrichten, und jetzt möchte» sie die Kcnnlniß dieser glück lich machenden Wahrheit auch ihren anderen Brüdern miltheilen; darum seym sie gekommen. Der Häuptling weinte und deiheuerte, wie leid es ihm lhuc; aber auf seiner Just, styen „asie Häupter gleich hoch"; fti» ') Nach John B. William«. Vgl. Nr. w des „Magazins". Ansehen reiche nicht hin, ihnen Schutz zu gewähre», und obwohl er sehr wünsche, sic möchten bleiben, so müsse er ihnen doch rathen, nicht wieder an? Laud zu gehen. Allerdings hatte dieser Häuplling sein Mög lichstes gelha», die Ankömmlinge vor Mißhandlungen zu schütze», auch «ine der Frauen aus äußerster Lebensgefahr gerellel, während ihr Mann murr den Händen der Wilden am Boden lag und ihr nichr Helsen kvnn.e. Unser wackerer Prediger Papeiba hätte auch beinahe ein schlimmes Ende genommen; sie hallen ihm eine Tipnla °) über den Kopf geworfen und fingen an, die Enden umzudrehen, um ihn zu er drosseln; er balle aber noch so Vic! Gcistesgrgcnwarl, die Hand und de» Arm durch die Halsöffnung zu stecken, so daß seine Kehle frei blieb." Lie Misstvnaire waren durch diesen erste» Empfang cnlmutbigt und verließen die Küste, ohne darum ihren Plan auszugeben. Einige Zeit hernach wurden zwei eingeborene Prediger, wohlweislich ohne Weiber, nach Mangaia gesendet, und ihre Beredsamkeit wirkte so glück lich, daß man nach vier Jahren schon fünfhundert Christen auf der Insel zählte. Andere eingeborene Prediger wurden ihnen nachgescndet, und endlich verfügten sich Lie Misstonaire selbst an Ort und Stelle, durchzogen die Insel, führten Gespräche mit den Häuptlingen, die noch bei dem Götzendienst verharrten, und brachten nach und nach Alle da hin, dem christlichen Gottesdienst in-einer ncucrdaulen Kapelle beizu« wohnen. Im Jahre 1831 hatte stch die Zahl der Bekenner verdrei facht, und jetzt ist vielleicht kein Götzendiener mehr auf der Inscl zu finden. Die Geschichte der Misston auf Rarotonga ist von noch größerem Interesse. Zwei Eingeborene von Rarotonga waren früher einmal in ihrem Kanoe nach den FreundschaftS-Inseln verschlagen und dort zum Christentbume bekehrt worden; diese Beiden führte William« mit stch und rechnete in hohem Grade auf ihre Mitwirkung. Der Anfang indeß war hier eben so ungünstig, wie auf Mangaia. Man sendete, wie ge wöhnlich, die beiden eingeborene» Prediger sammt ihren Weibern vor an« ans Land, und König Makea, der einen Theil der Insel beherrschte, nahm sie sehr günstig aus. „Ader wie groß war unser Erstaunen und unsere Bettübniß, als am andere» Morgen die Prediger mit ihre» Frauen wieder an Bord kamen »nd von der schreckliche» Behandlung erzählten, die ihnen die Nacht über widerfahren war. Die Weiber namentlich konnte» gar nicht genug klagen, und ihr ganzes Au«seben, ihre zersetzten und dkschnmtzle» Kleider gaben dessen hinlänglich Zeugniß. Nämlich am Abend zuvor war ein anderer mächtiger Häuplling, der seil kurzem den größten Theil der Insel erobert hatte, mit vielen Be gleitern eingetroffen und wollte durchaus eine von den Predigerfrauen als sein Weid mit nach Hause nehmen. Neunzehn Weiber hatte er schon, Liese sollte die zwanzigste und die Fürstin seine« Serail« werden. Sie verdankte ihre Rettung nächst Gott einer Muhme de« König« Makea, die Tapairiu hieß und bei ihren Landsleuten sehr viel galt. Liese« unerschrockene Weib bot Vorstellungen, Bitten, ThrLnen und, da Alles nicht« half, endlich Gewalt auf, um ihre Freundinnen zu retten. Die Häuptlinge wünschten übrigen« sämmllich und baten sehr darum, daß die beiden Prediger bei ihnen bleiben sollten: „Es wird recht gut sevn", sagten ste, „daß Lie Männer bei uns find, uns Golle- Wort zu lehren, und die Weiber kann der König behalten." Schon war man im Begriff, auch hier die Misston auszugeben, als Papciha, ein von der Insel Najatea gebürtiger Konvertit, sich er bot, auf Rarotonga zu bleiben, wofern Williams ihm einen Anderen zum Beistand schicke» wolle. Zu Gesellschafter» behielt er überdies die beiden vorher erwähnten Rarotonganer, die stch sehr freuten, wieder unter ihren Landsleuten wohnen zu können, wenn diese auch Götzen diener waren. Papeiba sah wohl voraus, mit welchen Hindernissen er zu kämpfen haben würde, aber er war voll Vertrauen auf Len'endlichen Sieg des Guten. Mit einem für viele Misstonaire freilich unnach ahmlichen Muth ging er an« Land, sein neue« Testament und ein paar Elcmcnlarbücher in den Händen. „Man führte ihn in bas Hau de« alten Makea; so hieß nämlich der Vater des gegeiiwärligen König«, der mit dem Sohne gleichen Namen führte. Eine Menge Volke« zog hinter ihnen der mit wildem Geschrei. Der Eine sagte, ich will seinen Hut haben, der Andere, seine Zacke, der Dritte, sei» Hemd; aber ste führten ihre Drohung nicht aus, denn der alte Häuptling erhob stch und ries: „Sprich z« un«, Du fremder Mann, damit wir erfahren, wa« Du hier verrichten willst." Papeiha erwstderte, er scy gekommen, ') Ein Kleidungsstück, ungefähr wie der Spanische Poncho beschaffen; ein bloßes Stück Zeug, etwa 3t Ellen lang und eine Elle breit, da« über Brust und Rücken herunterhängt, während der Kovs oben durch eine Seffnun, gesteckt wird.