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02-Abendausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 24.01.1905
- Titel
- 02-Abendausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1905-01-24
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19050124021
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1905012402
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1905012402
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1905
-
Monat
1905-01
- Tag 1905-01-24
-
Monat
1905-01
-
Jahr
1905
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UWWWWW 1S05. Abend-Ansgabe idlibseweot ripMer Tageblatt Anzeiger Jahrgang Nr. 43 Dienstag den 24. Januar 1905. ML. nlimg Sekretär. ipriz »"g n über r Letpztg» »Udr Feuilleton. kterstr. S, 24) er. xkk«drt : der Buch. Johannis. Irrie-Regi- eumvisler. ES war eine eigenartige Trauung, die da auf dem Kanonendeck der «Wolga", eines der besten Panzer schiffe Seiner Majestät deS Selbstherrschers aller Reußen vollzogen wurde. Ein Fest und eine Trauung, von der die Welt nie gehört hat, weil eS nur einen einzigen Menschen gab, -er darüber hätte berichten können. Und dieser eine Einzige hatte allen Grund, nichts zu berichten. mit Kohlenzüqen; aber neue Züge brauchten bislang nicht eingelegt zu werden. Eine Vermehrung von Achsen ge nügte, um den steigenden Verkehr zu bewältigen. A«u»t«efchlutz tür Suzetge». Abend-Ausgabe: vormittag» tO Uhr. Morgea-ttu»gab«: nachmittags 4 Udr. nd on m, >er >e-> MO Antritt 10 Pfg. rokvstvr hiesigen Verhältnisse einmal etwas näher lns Auge zu fassen, zumal die größte Stadt im Königreich Sachsen und ein kleinerer Teil des sächsischen Jndustriebezirks die Hauptkundschaft der Meuselwitzer Kohlenwerke bilden. Die Abnehmer aber der Meuselwitzer Kohle müssen den Wunsch haben, über die hiesigen Verhältnisse unterrichtet zu werden, zumal vor einigen Tagen eine Nachricht durch die Tagespresse "lief, daß ein Streik im Meuselwitzer Kohlenreviere sofort ausbrechen werde, wenn hiesige Koble ins Streikgebiet geliefert werden würde. Diese Nachricht ist nichts weiter als eine Mutmaßung und entbehrt jeder tatsächlichen Unterlage. Wir können dagegen zur Beruhigung der Gemüter sagen, daß über eine etwaige Beteiligung am Berg arbeiterstreik im ganzen hiesigen Gebiete noch keine Be schlüsse gefaßt worden sind, ja daß noch nicht einmal Be ratungen stattgcfunden haben, selbst unter den Ver trauensmännern nicht. Wohl sind in letzter Zeit im Meuselwitzor Kohlenbezirke drei Dersammllungen von den Bergarbeitern abgehalten worden, und zwar eine in Meuselwitz selbst, die andern in Zipscndorf und die dritte in Neupoderschau. Aber in keiner dieser Versammlungen hat man sich mit Lohn- und Streikfragen beschäftigt, son dern einzig und allein mit der Reform des Knappschafts wesens. Es wurden dabei alle Paragraphen deS Knapp schaftsstatuts durck'beraten und verschiedentlich Abände rung einzelner Bestimmungen empfohlen. Aus den persönlichen Rücksprachen mit den Berg- arbeitern, sowie aus ihren Gesprächen und Untorlxü- tungen ist deutlich zu erkennen, daß sie nicht gewillt sind, weil durch die beiden letzten Streiks gar nichts erreicht worden ist. Nur Einbußen haben die Arbeiter gehabt, und daher sind sie durch die trüben Erfahrungen gewitz gt worden. Dazu kommt noch dsr Umstand, daß der Ge- schäftsgaing im hiesigen Reviere vor Weihnachten infolge des milden Winterwettcrs viel zu wünschen übrig ließ. Die Schichten wurden infolgedessen verkürzt, und der Wochenlohn ging zurück, weswegen ein besserer Verdienst von jedem rührigen Arbeiter sehnlichst gewünscht wurde. Und dieser Wunsch geht jetzt in Erfüllung. Denn seit Eintritt der kalten Witterung hat sich die Lage des Kohlenmorktes zum besten gewendet. Tie Aufträge heben sich von Lag zu Tag und haben sich seit Ausbruch des Streiks im Ruhrgebiet besonders gehäuft. Diese Er scheinung ist auch leicht zu erklären. Denn es gibt gar viele Vorsichtige, welche befürchten, daß der Streik sich auch auf das hiesige Gebiet erstrecken könnte. Aus diesein Grunde wollen sie sich lieber vorfehen und mit Kohlen reichlich versorgen, damit sie eventuell bei Ausbruch eines Streiks im Meuselwitzer Gebiete nicht darunter zu leiden haben. So kommt es, daß viele regelmäßige Abnehmer ihre Aufträge verdoppeln und auf rasche Erledigung ihrer Bestellungen dringen. Außerdem soll nicht verschwiegen bleiben, daß sich auch neue Kunden einfinden, und daß sich namentlich das Absatzgebiet nach dem Harze hin er weitert. Auch aus dem Streikgebict laufen Anfragen wegen Kohlenlieferungen ein. Aber zu nennenswerten Abschlüssen ist es nicht gekommen. Uebrigens nicht, weil man befürchtet, dadurch die Streiklust rege zu machen, sondern aus anderen Gründen. seinem Vater, dem Gouverneur von Petersburg, seine patriotischen Gedanken. Er schäme sich, länger untätig zu sein: und in der Uniform nur umher zu stolzieren, wollte endlich auch dem Vaterland wirkliche Dienste leisten. Und der Vater freute sich ob des braven Sohnes und versprach, seinen Wunsch zu berücksichtigen. Camille Gräfin Della Torre ging — diesmal in wirklicher Aufregung — in ihrem Zimmer auf und nieder. Eben hatte Ivan Jliowitsch sie verlassen. Also er würde die neue Chiffre nach Port Arthur mit nehmen, und sie würde mitgehen. DaS hatte sie erhofft und doch kaum erwartet! War hier nicht eine höhere Macht im Spiele? Gewiß — sie war fest überzeugt davon — wie sie überzeugt war von der Gerechtigkeit ihrer Sache! Fast geweint hatte Ivan Jliowitsch vor Freude — aber nicht einen Funken Mitleid hatte sie gefühlt mit dem Manne, den sie wahrscheinlich dem Ver derben weihte, um ihr Ziel zu erreichen. Sie hatte Liebe geheuchelt — es war ihr noch leichter geworden als sonst, denn ihre Freude tvar diesmal echt. Nur Boris machte ihr Sorgen. Wie ihm entgehen? Doch sie würde einen Weg finden! Jetzt schnell Napier benachrichtigen. Da meldete der Diener Boris Suwarow. Der Teufel an der Wand! Die Gräfin trat schnell vor den Spiegel, und im nächsten Moment blickte aus ihren Zügen eine freudige Ueberraschung. Sie eilte dem eintretenden Suwarow entgegen. „Eben fehnte ich mich so nach dir, Borisl" Dann bemerkte sie seine verstörten Mienen. Auf zwei Stühlen hatten Ivan und Camille Platz genommen, vor ihnen stand der Pope, der ihren Bund fürs Leben segnete und sie für Mann und Frau erklärte, während im Kreise herum die geladenen Gäste standen und andächtig der Zeremonie lauschten. Nun brach ein Jubel und Hurrarufen loS, der bis zur Reede herüberscholl. Das Gratulieren wollte gar kein Ende nehmen. Schnell hatte man ein fliegendes Buffet errichtet und ein Toast folgte dem anderen. Man toastete auf alles und jeden. Tie Kapelle spielte die Natio nalhymne und die ganze Gesellschaft sang sie dazu. Camille gedachte auch der armen Matrosen, die auf dem Hinterdeck des Schiffes sich ihrer Extrarationrn Wodky erfreuten. „Rotwein den Soldaten und Matrosen und Sekt den Unteroffizieren!" befahl sie. Und so wurde die Weinkammer des Schiffes bis .ruf die letzte Flasche geplündert, und Camille selbst sorgte dafür, daß alle Mann genügend tranken; so viel sie nur wollten — und ganz gewiß mehr, als sie vertragen konnten. Der Matrose, der eine Stunde später — Mitter nacht — die Glocke hätte anschlagcn müssen, wie eS auf Schiffen üblich, schlief fest auf seinem Posten. Niemand merkte eS. Ebenso wie kaum jemand bemerkt hatte, dak Ivan und seine junge Frau sich zurückgezogen hatten. Und die cs bemerkten, sanden es ganz natürlich. Auf dem Kanon en deck dauerte der Jubel weiter. Die sich noch nicht zuviel deS Guten getan hatten, tanzten AuS alledem ist eS erklärlich, daß die hiesigen Kohlen werke vollauf beschäftigt sind und mit Hochdruck arbeiten lassen müssen. Bei den meisten Werken sind weder Bri ketts noch Maschinenkohlen vorrätig, und wo das eine oder andere noch vorhanden ist, da räumt man rasch da mit auf. Vielfach werden die Kohlen verladen, sobald sie aus den Schächten kommen. Um -en flotten Geschäfts gang nach Möglichkeit auszunlltzen, haben sich einzelne Werke zu größoren Leistungen veranlaßt gesehen. Wo nur Tagesfchicht ist, haben die Arbeiter seit acht Tagen anstatt um 6 Uhr früh, bereits eine Stunde eher zu arbeiten angefangen. Mithin hat eine Schichtver längerung stattgefnnden. Desgleichen ist auf dem „Fort schritt" (Heinrichstraße) und wohl auch anderwärts, wo Tages- und 9tachtschicht ist, dadurch eine Sch chtverlänge- rung vor sich gegangen, daß am Sonnabend diejenigen Bergleute, welche Tagesschicht hatten und abends um 6 Uhr ausfuhren, bereits um Mitternacht wieder an fuhren und bis Sonntag früh 6 Uhr weiter förderten. Ter Sonntag brachte ihnen dann die nötige Zeit zum Ausschlafen und AuSruhen. Bereitwillig haben die be- treffenden Arbeiter sich zu -er Mehrleistung verstanden, und überall sah man erfreute Gesichter, weil Gelegen heit vorhanden ist, die vor Weihnachten erlittenen Lohn- einbußen, welche gerade um die Jahreswende am fühl barsten sind, wieder wett zu machen. Aus dieser Tatsache ist mit Bestimmtheit zu schließen, daß die hiesigen Bergleute durchaus arbeitswillig sind. Ja, es herrscht die Meinung vor, daß man sogar Liefe rungen ins Streikgebiet ausführen lassen könnte, wenn eine Bedingung erfüllt würde. Diese bestände darin, die Arbeiter aufzuklären, daß durch solche Lieferungen der Streik im Ruhrgebiet nicht im geringsten in seinen End wirkungen beeinflußt werden könnte. Tenn was bedeuten diese paar hundert Tonnen Kohlen, welche nach dem Streilgebiet alltäglich gesandt werden könnten, gegen über dem Bedarf von vielen Tausend Tonnen? Die ge ringen Mengen Kohle, welche nach Westfalen und nach -em Rhein geschickt werden würden, können leicht noch von England oder aus Belgien beschafft werden. Und so gehen große Summen Geldes ins Ausland, die man dem eignen Lande erhalten könnte, wenn man vorsichtig zu rechnen verstände und den kühlen Verstand sprechen l eße. Die eine Gewißheit besteht hier allgemein, daß nämlich von der hiesigen Arbeiterschaft kein Streik inszeniert werden wird, wenn er nicht von den Führern im Ruhr gebiete gefordert wird. Und auch dann noch wäre es sehr fraglich, ob man sich -er Forderung allgemein fügen würde. Die Zahl der Förder-Anlagen beträgt im hiesigen Be zirke 34. Davon entfallen auf altenburgisches Gebiet 26, auf preußisches 7 und auf sächsisches 1. Außerdem ist in Mumsdorfer Flur ein Werk in Angriff genommen worden, nachdem Rittergutsbesitzer Treuherz in Pröß dorf die Fallenhainer, MumSdorfer und einen Teil der Wuitzer Kohlenfelder angekaaift hat. Bereits wird bet MumSdorf der Schacht geschlagen, und in Jahresfrist soll daS Werk fertig sein. Auf den genannten Werken werden ungefähr 3750 Mann beschäftigt. Die Lohnverhältnisse haben sich in den letzten Jahren nicht geändert. Ein Häuer verdient in jeder Schicht durchschnittlich 4,20 Mark, die übrigen Arbeiter unter Tage 3,30 Mark und die über Tage 2,50 Mark. Auf der Bahn herrscht ein überaus lebhafter Verkehr IAg5. itlins II lhr eladen. ir Gäste Pro „Boris — waS ist geschehen!" stieß sie erschreckt her- vor. Sie war erschreckt — sie dachte an die Chiffre. Statt jeder Antwort reichte er ihr den eben erhaltenen Befehl. Selbst mit ihrem Schauspielertalent fiel eS ihr schwer, einen freudigen Aufschrei zu unterdrücken. Sie versuchte so betrübt wie möglich dreinzuschauen. „Schon wieder getrennt", seufzte sie schwer. „Also — du kommst — nicht — mit?!" „Wie kann ich, Boris, Liebling? Es gäbe ein Unglück." Dann erhellten sich ihre Züge. „Ich sage dir etwas: Reise, und wenn du dort ankommst, demissioniere! In sechs Wochen kannst du dann hier und ein freier Mann sein. Sechs Wochen sind keine lange Zeit — und ich harre deiner ungeduldig!" Die Gräfin blieb auf der Stelle stehen, auf der er sie verlassen, und blickte — regungslos und mit zu- sammengckniffenen Augenbrauen und ernstem Gesicht auf die Tür, die Suwarow eben hinter sich inS Schloß geworfen. . orrschiedene ffung über n. ' etngeladen. leister. echnlluaS- mkenkane. über Vie 10. Be- MittagS- ThomaS- rrscheineil Bezugs-Preis tu der HauvterpedUüm »der v«ru SluSgada, stell« adgeholt: vierteljährlich ^4 8.—, bet zweimalig« täglicher tziftettuug tu» Haus ^l 3.7k. Durch di« Poft bezogen für Deutsch laub u. Oesterreich vierteljährlich 4.50, sür die übrige» Länder laut Zeitung-Preislist«. Amtsblatt des Königlichen Land- und des Königlichen Amtsgerichtes Leipzig, des Rates und des Rolizeiamtes der Lladt Leipzig. AeSartt-u »utz ErpeSttto« 1L3 Fernsprecher 222 Johanui-gasse 8. Haupt-Atltele Dre«»e»r Marienstrahe 34 Vrrusprechrr Amt 1 Rr. 171A, Veupt-Ktllale Vertin: LarlDuucker, H«rzgt.Bayr.Hosduchbandlg. Lützowftraße l0 (Fernsprecher Amt VI Nr. 43031 111 — Uebrrn ral Tousul. ken-Aest. Vn zeigen. Preis die 6 gespaltene Petirzeile 2S Familien- und Stellen-Anzeigen 20 Finanziell« Anzeigen, Geschäst-anzeigen unter Text ob« au beionderer Stell, auch Danf. Di« 4grspalteue -teklamezetlr 75 Am jeden Preis. Roman von Sergri D . . . . Nachdruck NerNoke«. Ihr wäret aber lange beisammen, — trotzdem", meinte Ivan Jliowitsch ein wenig ironisch. Camille zuckte die Achsel. „Eifersüchtig?" fragte sie spöttisch. Er wurde rot und sah sie fest au. „Ja. — Was ist er dir?" „Nichts. Aber — er will mir etwas werden." Und dann konnte sie sich nicht mehr beherrschen. „Oh, Ivan, rette mich vor ihm!" Er drückte ihre Hand. „Ich werde ihn fordern!" „Nein, — nicht so! Du darfst -ein Leben nicht auf'S Spiel setzen. Ich ertrag'S nicht! Hörst du! Ich ertrag'S nicht!" In ihren Mienen spiegelte sich die Angst wider, die sie um daS geliebte Leben ihres Ivan empfand. Der war tief gerührt. „Aber was soll ich tun?" fragte er und streichelte über den Tisch hinweg ihr herrliches Haar. „Verreise! Weit fort von hier! Meinethalben für'S Vaterland! Dein Vater hat großen Einflußl Ucber- rede ihn! Und dann — nimm mich mit!" Roch in derselben Nacht entdeckte Ivan Jliowitsch riss. Borstands- Uhr »tnricht. Aozrlgen stud strt- au bt« Llpedtttoa zu richte». Extra-Beilage« nur mit d« Morgen- Ausgaben nach bejbuderei Berriudaruug. Die Expehitto» tp Wochentag» ununlerbrochra aeSsfu«t von jruh 8 bi» abends 7 Uhr. Druck and Vertag von 8. Polz in Leipzig tJnh. l>r. St. ch W. »liakhardtL Liefe Nummer k-ftet 4 /tz IN 7 aus allen Bahahdsen and III I bet den Aeitungs-Bertäusern f Var Mckstigrtr vom Lage. * Prinz Adalbert von Preußen ist an Bord de« Kreuzer« .Hertha" in Colombo (Ceylon) eiugetroffen. * Ä« da- Kabinett Rouvier tritt der bisherige Unterrichtsminister Cbaumis ein, Poincarrs und Jean Dupuy wurden auSgeladen. (S. Ausland.) * Der Beschluß, die Untersuchung de« Falle« Syveton einzustellea, wird veröffentlicht. (S. ÄuSlaub.) * Nach einer amtlichen Bekanntmachung beträgt die genaue Anzahl der am 22. Januar m Petersburg getöteten Personen 98; e« werben demnach 20 Tote mehr al« merst genannt, die Zahl der Verwundeten wird auf 333 be ziffert. (S. den Sönderartlkel.) * In Tschifu sind 13 Dschunken mit Auswanderern vou Port Arthur angekommen. (S. rufs.-jap. Krieg.) * Fürst Urussow; russischer Botschafter in Rom, ist zum Botschafter in Wien ernannt worveu. (S. Ausland.) stur arm Meurellvilrer siodlenrrviere. (Von nnserm Korrespondenten.) "Meuselwitz, 23. Januar. Die Vorgänge rm westfälischen Kohlengebiet lenken die Aufmerksamkeit auch auf -ie anderen Gegenden einen Streik herauf zu beschwören Namentlich die älteren Deutschlands, welche Kohlen liefern, seien es nun Stein- Leute, welche in früherer Zeit so niedr ge Löhne erhielten oder Braunkohlen. Denn wenn auch in der Hauptsache und es jetzt zu einem guten Auskommen gebracht haben, von der Industrie die Steinkohlen begehrt werden, so ist ' haben das Streiken gründlich satt, angeblich deshalb, eS doch nicht zu leugnen, daß der Steinkohle in den Briketts ein nicht zu verachtender Konkurrent erstanden ist. Schon aus so manchem industriellen Etablissement hat man die Steinkohle gänzlich verbannt, oder man benutzt sie doch nicht mehr als einziges Heizmaterial. Wie anders wäre auch der stetig zunehmende Ver brauch von Briketts, wie ihn das Meuselwitzer Gebiet aufzuweisen hat, zu erklären, wenn man diese Erschei nung nicht darauf zurückführen könnte, daß die Briketts auch zur Kcsselheizung reichlich Verwendung finden. Ge- wiß hat man anfänglich kaum daran gedacht, daß das Brikett diesem Zwecke dienen werde. Sondern man war der Meinung, im Brikett das Geeignetste für die Zimmer- feuekung erfunden zu haben, wodurch der Name „Salon brikett" leicht erklärlich wird. Aber schon bald war ein weiterer Fortschritt zu konstatieren, das Brikett hielt seinen Einzug in die Fabriken, und daher unterscheidet man seit einiger Zeit sehr wohl zwischen Salon- und Jndustriebriketts. Letzteren Hot man zumeist die Würfel form gegeben, oder man hat einfach die Form der Salonbriketts geteilt, um kleinere Stücke zu bekommen, welche schon im Aussehen der Steinkohle immer ähnlicher werden. Auf diese Gründe ist eS auch zurückzuführen, wenn zur Zeit des großen Bergarbeiterstreiks im Ruhrgebiet -em hiesigen Kohlenbezirk ein noch lebhafteres Interests zugewendet wird, als er bisher schon für sich in Anspruch nehmen konnte. Ist daran auch kein so umfangreiches Gebiet interessisrt wie an dem rheinisch-westfälischen Kohlenlager, so ist es doch immerhin groß genug, um die vir siririr in siurzlana. Der Verlauf de» gestrigen Lage» in Petersburg. Amtlich wird der folgende, auf Retouche gearbeitete und in sicy widerspruchsvolle Rapport erlagen: Im Lause des 23. Januars sand kern Zu jammen stoß zwischen der Ruhestörungen veranstaltenden Volksmenge und Militär statt. Tie Lruppenabteilungen waren nicht genötigt, von der Wasse Gebrauch zu machen, da sich die Menge beim Er- icheinen von Militär zerstreute. Während des Tages wurde ein Versuch gemacht, den Kaul Hof lGosnmyj Dworl anzugreisen, wurde jedoch abgeschlagen. Am Abend schlossen sich die Arbeiter der elektrischen Werke dem Ausstande an. VoikShausen, sich die Dunkel heit zunutze machend, begannen die Schaufenster und Läden m verschiedenen Straßen einzuschlagen, die Ruhe wurde jedoch überall rasch wieder hergestellt. Am 23. Januar wurde niemand getötet oder ver wundet. Mehr der Wahrheit gemäß sind die Meldungen, daß immer noch Zusammenstöße -wischen den Aus ständigen und dem Militär stattfinden. Kurz nach 5 Uhr nachmittags sielen die ersten Schüsse des Militärs. Wie direkt depeschiert wird, wogten gestern in den Haupt- straßen, ebenso wie in der Vorstadt enorme Volks massen. Auf dem Newsky-Prospekt stießen Arbeiter mit Militär zusammen, welches teuerte. Viele große und kleine Magazine verrammelten ihre Geschäfts räume. Die Krankenhäuser wurden von Besuchern förmlich gestürmt, die ihre Angehörigen vermissen: eS ereigneten sich dabei furchtbare Szenen. Die Arbeiter plünderten die Staatsgewehrfabrik Sestro» rezka und zerstörten die von Petersburg dahm führend« Se- kundärbahn. Es verlautet, Maxim Gorki sei an die Spitze der Arbeiterbewegung getreten. In später Nachtstunde herrschte wieder eine Panik. Die Ausständigen drohten lst, alle Negierungsgebäude in die Luft zu sprengen. Viele Stadtteile sind total im Dunkeln infolge des Streiks der Arbeiter des „HelioS". Es heißt, auch der Bahn verkehr zwischen Petersburg und Moskau habe aufgehört Tie Internationale Schlafwaaengesellschast gibt keine BlllettS aus, da Bahnverkehrsstörungen befürchtet werden. Aus der Gontilofs-Fabrik wurden Tausende von Explosiv körpern gestohlen. Der „Petit Parisien" veröffentlicht ein Telegramm auS Petersburg von gestern abend 11 Uhr 55 Minuten, das besagt: Mehrere Salven wurden auf die Ausständigen am baltischen Bahnhof abgegeben. Um 10 Uhr wurden die Massen aus dem Newsky zerstreut. Der führende General gab die Parole, nur im äußersten Not fall zu schießen und sich besonders der Kmaken zu be dienen. — Die ^Petersburger Telegraphcn-Aaentur" hat noch zu berichtigen: Tie auswärts verbreitete Meldung von einem Zusammenstoß zwischen Arbeitern der 15 Meilen vou hier gegelcnen Kolpino-Fabrik und Militär ist voll ständig unbegründet. Die Arbeiter der Fabrik, in der 4500 Mann beschäftigt sind, haben am Sonnabend die Arbeit niedergelcgt, verhielten sich jedoch ruhig. Am Sonntag morgen rückte eine unbedeutende Gruppe nach Petersburg ab, kehrte jedoch bald wieder zu- i rück. Heute herrscht dort Ruhe. — Auch privatim wird de- I peschiert, das Gros der Arbeiter ans dengroßenFabrik- Porten, wie Kolpino, Putilow usw., sei gestern nicht zur Stadt gekommen. Man glanbt, die gestrige Ruhe laste Furchtbareserwarten. Kleine Zusammenstöße fanden aus der Gartenstraße, dem Heumarkt, statt, doch gab es dabei nur leichte Verwundungen. Die Stimmung der Gesellschaft ist sehr erregt und nervös; jedermann fürchtet für Eigen- tum und Leben. Ne«« Kundgebung«« sollen für den 25. geplant sein. Der Vater Gapon ar beitet von seinem Versteck aus und wirkt durch Vermitte lung seiner Freunde aus seine Anhänger. Eine Mel dung fabelt von 50 000 Arbeitern, die mit Waffen und Dyna mit gegen die Stadt marschierten: auch ans Kronstadt sei eine Kolonne Arbeiter im Anmarsch. — Die „Westminster Gaz." berichtet aus Petersburg, daß 12 000 Arbeiter der Wafsenfabrik von Kapilow (15 Meilen von Peters burg) gegen Petersburg vorrücken. Die zur Verhinderung
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