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02-Abendausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 29.05.1900
- Titel
- 02-Abendausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-05-29
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19000529025
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900052902
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900052902
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-05
- Tag 1900-05-29
-
Monat
1900-05
-
Jahr
1900
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Ich bin ein Freund der Presse, ich wünsche, daß die Reden, die ich halte und die ich vollkommen frei halte, so wiedergegeben werden, wie ich sie gehalten habe, und daß sie nicht nur in Auszügen gegeben werden, die «in falsche» Bild geben. Wenn Sie nur einen Theil der Rede geben und die Schluß folgerungen nicht ziehen, die ich ziehe, ist daS ganze Bild ein falsche». (Beifall.) Ich habe die Gewohnheit, frei zu sprechen, ich verlange nicht, daß meine Reden mir zur Correctur vorgelegt werden. Ich habe das Vertrauen, daß sie in der Hauptsache so gegeben werden, wie sie gesprochen wurden. Aber da» bitte ich, daß aus meinen Reden keineSchlußfolgerungen gezogen werden, d. h. daß meinen Reden nicht Sachen untergrlegt werden, die ich nichtgesagt habe und an die ich nicht gedacht habe. Meine Herren! Noch eine Bitte. Studirrn Sie die deutsche Reichsverfassung, Sie werden sehen, daß, wo immer ich aufgetreten bin, ich mich an die deutsche Reich». Verfassung gehalten habe. Die deutsche Reichsverfassung be ruht auf den Verträgen, die nach einem siegreichen Kriege der damalige norddeutsche Bund mit den verbündeten und mit siegreichen süddeutschen Staaten geschloffen hat. Wenn die deutsche Reichsversassung besser bekannt wäre, so würde man gar viele falsche Ansichten in Reden und Schriften nicht hören und nicht lesen. Ich nenne mit Absicht keine Namen; denn dann hätte man eine große Aufgabe zu erfüllen. Urberall, an allen Orten und zu allen Zeiten, sind falsche Ansichten vertreten über die Reichsverfassung und in Folge dessen werden vielfach Ansichten geäußert, die sich mit der ReichSverfassung absolut nicht decken." Wir müssen gestehen, daß un» diese neue Auslassung noch mehr überrascht, al» die Straubinger eS gelhan hat. Die erste Bitte enthält den Vorwurf, daß die Presse seine Strau binger Auslastung nicht nur nicht richtig wiedergegeben, sondern auch falsche Schlüsse auS ihr gezogen habe. Nach diesem Vorwurfe, aus dem man schließen darf, daß e» dem Prinzen peinlich sei, mißverstanden worden zu sein, hatte man eine Aufklärung über den wahren Zweck jener Auslastung erwarten sollen. Aber weit ge fehlt. Statt einer solchen Aufklärung erfolgt in Form einer zweiten Bitte ein neuer Vorwurf: außer ihm, dem Redner, kenne und beachte so gut wie Niemand die ReichSverfaffung. Gegen wen soll dieser Vorwurf sich richten? Ein Mann von dem Range des Prinzen Ludwig von Bayern kann e«, wie die „Voss. Zig." mit Recht hervorhebt, nicht für der Mühe Werth halten, gegen Hinz oder Kunz zu sprechen; er erhebt seine Stimme nicht gegen Gevatter Schneider und Handschuhmacher. Wen also meint der Redner? Er sagt: „Ich nenne mit Absicht keine Namen; denn sonst hätte man eine große Aufgabe zu erfüllen." WaS bedeutet da» Wort von der großen Aufgabe? Es wird abermals zu den mannigfachsten, nicht immer für daö Reich günstigen Auslegungen Anlaß geben und es wird vielfach als Be stätigung der Vermuthung gelten, daß zwischen Berlin und München nicht Alles in Ordnung sei. Um so dringender ist selbstverständlich der Wunsch, daß mit dem Straubinger Räthsel, das der bayerische Thronerbe aufgegeben, zugleich auch das Nördlinger eine klare Lösung finde. Denn nichts ist leichter, als daß unbedeutende Verstimmungen, die vielleicht von selbst weichen würden, wenn sie gar keinen oder doch einen klaren Ausdruck fänden, durch dunkle und vieldeutige Andeutungen genährt und verschärft werden. Die Centrumspreste athmet wieder auf, weil es der Eentrumsparlet diesmal noch gelungen ,ist, den Wahlkreis Offenburg in der Stichwahl zu behaupten, wenn auch freilich mit der sehr knappen Mehrheit von kaum 500 Stimmen. Die „Köln. VolkSztg." ist nun bemüht, diesen sehr zweifel haften Erfolg als ein PlebiScit gegen die Gegner der 1s x Heinze hinzustellen; sie schreibt nämlich: „Die gemeinsame Gegnerschaft (gemeint ist die Gegnerschaft der Nationalliberalen und der Socialdemokraten gegen daS Gesetz) hat nicht gezogen. Tas Letztere ist nun in der That die Hauptsache bei dieser Wahl. Dieselbe war unter das Zeichen des Entrüstung». rummelS gegen die lex Heinze gestellt worden, aber es ist nichts dabei herausgekommen, al» ein Mißerfolg der vereinigten National liberalen und Socialdemokraten. Man hat sich bezüglich der Zug kraft der sicher nicht sparsam angewandten Phrasen und Schlag wörter gründlich geirrt. Was in Berlin und München „zieht", „zieht" anderswo noch lange nicht, und es ist gut, daß dem so ist. Die Lehre wird hoffentlich verstanden werden." Zunächst erscheint eS noch sehr fraglich, ob denn that- sächlich die Socialdemokraten geschloffen für den national liberalen Bewerber gestimmt haben, denn gerade die badischen Socialdemokraten sind so lange daran gewöbnt worden, die Nationalliberalen al- Todfeinde und das Centrum als guten Freund zu betrachten, daß eS durchaus nicht verwunderlich wäre, wenn ein Theil der socialistischen Wählerschaft den von der Parteileiturtß ausgegebenen veränderten Marsch befehl nicht beachtet hatte. Aber selbst wenn man annehmen wollte, daß bei dieser Wahl alle antiklerikalen Elemente ge schloffen zusammengegangen wären, so hätte das Centrum wahrlich keinen Anlaß, den Ausgang der Wahl als ein Zeichen dafür anzusehen, daß die Wählerschaft in der Heinze- Frage auf Seiten des KlerikaliSmuS steht. DaS Centrum giebt sich als die Partei des katholischen Volks aus. Nun gut; der Wahlkreis Offenburg-Kehl ist zu 70 Procent, katholisch. Stände das katholische Volk in seiner Auf- saffung über die Kunst auf dem puritanischen Boden des Centrums, so hätten bei einer Wahlbetheiligung von rund 18 500 Abstimmenden auf das Centrum 12 950 Stimmen entfallen müssen, auf den Gegner 5550. Statt dessen hat der CentrumScaudidat nur rund 9500Stimmen gegen rund 9000 gegnerische Stimmen erhalten, also 3500 Stimmen weniger, als er nach dem Procentsatze der katho lischen Wähler hätte erhalten müssen. Danach haben (eine gleichmäßige Stimmbetheiligung der Confessionen vorausgesetzt) etwa 3500 katholische Wähler sich den Gegnern der lex Heinze angeschloffen. Es ist also doch etwas kühn, behaupten zu wollen, die Agitation gegen die ja nun glücklich auSgemerzten kulturfeindlichen Bestimmungen habe im badischen Lande nicht „gezogen-. Wenn überall die CeutrumSpartei so viel katho lische Stimmen an die Gegner abgeben müßte, so würde e» um die regierende Partei recht schlecht bestellt sein. Bekanntlich ist eS auf der zu England gehörigen, dicht an der Küste Frankreichs gelegenen Insel Jersey zu Aus schreitungen der Engländer gegen dort ansässige französische Kaufleute gekommen, weil angeblich eine Französin bei einer Siegesfeier nach den patriotisch Demvnstrirenden Wasser gegossen hatte. Dir nationalistische Presse schlägt deshalb Lärm, die diplomatischeren Blätter, wie „Figaro- und „Journal de»D6batS", aber finden sich mit dem Vorfall in einer Weise ab, die für uns Deutsche überaus lehrreich ist. „Mit Bedauern" und „unter Beobachtung der größten Reserve" bespricht Valfrey im „Figaro" jene Gewalttbätigkeiten, obwohl nach seiner Ansicht die englischen Behörden nickt sofort den nöthigen Eifer entfalteten, um Einhalt zu gebieten, und obwohl die englischen Excedenten beim Einschlagen der Schaufenster der französischen Läden den andeutungsreichen Ruf: „Faschoda!" ersckallen ließen. „Unglücklicherweise giebt eS", schreibt Valfrey wörtlich, „in den englischen und in den französischen VolkSclafsen einen Sauerteig des Hasses, der .. jeden Augenblick gährt ... Aber heute sind beide Regierungen ohne Zweifel in gleicher Weise aufrichtig, wenn sie versichern, daß eS ihr gegenseitiges Interesse ist, ihn zu ersticken." Aehnlich äußert sich das „Journal des DöbatS". Die solchermaßen bekundete Friedfertigkeit sollte unS Deutschen als Maßstab für die Beurtheilung derjenigen französischen Bemühungen dienen, die darauf abzielen, Deutschland und England zu verhetzen. In Norwegen ist es kurze Zeit, nachdem der Kampf um die „reine Flagge" beendet ist, zu einem neuen Conflict zwischen Regierung und Volksvertretung gekommen. Der Kronprinz, der für seinen im Ausland befindlichen Vater die Regentschaft führt, hat sich geweigert, ein vom Storthing angenommenes Gesetz über die Deckung der Kosten des ConsulatSwesenS zu sanctioniren, worauf daS Ministerium Steen dem Storthing die Absicht »»gezeigt bat, seine Entlassung zu nehmen. Die Volks vertretung hat nun aber das Cabinet ersucht, nicht zu demissioniren und die Verweigerung der Sanktion nicht gegenzuzeichnen. Wie bei dem Flaggengesetz, so wird auch in diesem Conflicte Norwegen schließlich obsiegen, da ein Gesetzentwurf der königlichen Sanktion nicht mehr be darf, wenn er dreimal vom Storthing angenommen ist, aber die Angelegenheit wird dazu beitragen, den Gegen satz zwischen Schweden und Norwegen weiter zu verschärfen. Es ist bekannt, das Kronprinz Gustav Adolf den nor wegischen Sonderwünscken vollkommen ablehnend gegen übersteht, und in weiten Kreisen Norwegen» glaubt man damit rechnen zu müssen, daß dieser Antagonismus zu offenen Feindseligkeiten führen werde, wenn der Thronfolger einmal die Krone trage. Vielleicht läßt sich mit dieser Stimmung die Thatsache in Zusammenhang bringen, daß das Storthing am Sonnabend einstimmig eine Million Kronen für neue Scknellfeuerfeldgeschütze und mit 55 gegen 48 Stimmen eine halbe Million Kronen als erste Rate für die Befestigung von Cbristiansand bewilligt bat. Mit dem neuen ConsulatSgebubren- gesetz für schwedische Schiffe hat eS folgende Bewandtniß: Bisher wurde die Consulatsgebühr von den norwegischen Schiffen in jedem von ihnen angelaufenen ausländischen Hasen gezahlt, in welchem sich ein schwedisch-norwegisches Consulat befindet. Die Gelder flössen nebst den schwedischen Gebühren in eine gemeinsame ConsulatScasse, die der unionelle Minister des Aus wärtigen verwaltet. Da die größere Mehrzahl der norwegischen Schiffe von fremden Abladern in Monatsfahrt gechartert ist und die Ablader sämmtliche Kosten tragen, so sparten die Schiffe natürlich auch die Consulatsgebühren. In Zukunft sollen an statt der Gebühren die Rhedereien für jedes Schiff eine dirccte Abgabe an die Staatskasse zahlen; die Höhe derselben soll jährlich vom Storthing festgesetzt werden. Auf andere Weise kann man nämlich diese Gelder nicht in die Hände bekommen, denn di« Consuln würden sie natürlich nach Stockholm in die gemeinsame Casse abführen müssen. Be nutzt man aber die Consulate nicht, so kann man demnächst auch den Kosteubeitrag für daS unionelle ConsulatSwesen verweigern, und in dieser Beziehung bietet also das Gesetz die schönste Handhabe, einen neuen Abschnitt de» UnionS- conflict» einzuleiten. Der Krieg in Südafrika. —p. Die englischen Blätter vermögen noch keine Be stätigung der „Erckange Compagnie"-Meldung au» Cap stadt, daß General French in Johannesburg eingerückt sei, zu bringen. Aehnlich, wie wir es gethan, äußert sich dazu die „Kölnische Ztg.": „Die Leistung (den Weg vom Vaal bis Johannesburg in zwei Tagen zurück- zulegen) ist an und für sich für eine berittene Truppe nicht übermäßig, nur ist bei dieser Berechnung ein etwaiger Widerstand der Boeren gar nicht in Betracht gezogen. ES darf aber als sicher angesehen werden, daß ihm die Boeren auf diesem Wege energisch entgegengetreten wären, da sich ihr Hauptquartier bei Meyerton nur etwa 16 km von der in Rede stehenden Straße befand. Von einem der artigen Kampfe hätte man aber Wohl etwas gehört." DaS genannte Blatt ist daher der Ansicht, daß French schon am 24. bei Perry» den Vaal überschritten und von hier auS ver sucht habe, auf einer weiter nach Westen ausbiegenden Straße Johannesburg zu erreichen. Ob ihm das aber schon jetzt gelungen sei, erscheine so lange fraglich, als eS nickt von amt licher Seite bestätigt sei, denn man müßte doch sonst vorauS- setzen, daß in den Reihen der Boeren Zerfahrenheit uqd Kopflosigkeit epidemisch geworden seien. DaS Gelände nörd lich vom Vaal nach Johannesburg und Pretoria zu biete dem Angreifer, der noch dazu des Landes unkundig ist, große Schwierigkeiten, und es wäre nur unter der eben gemachten Voraussetzung denkbar, daß die Boeren sich diesen Vortheil hätten entgehen lassen. Außerdem sei aber doch auch ein solches kühnes Reilerkunstslück von wenigen Tausend Mann mitten in Feindesland ein allzu gewagtes Unternehmen. Bei Kimberley und Ladysmitb habe sich das wohl aussübren lassen, weil erstens tue Entfernungen nicht so groß Warrn und zweitens die Operationen im eigenen Lande erfolgten und die anrückenden Reitertruppen an der eigenen Garnison sofort einen starken Rückhalt fanden. Da Roberts nur mehr einige 50 km von Johannesburg entfernt ist, nimmt man in London in weiten Kreisen an, daß der General Jan Hamilton, der neuerdings vom rechten auf den linken Flügel geschoben wurde, demnächst den rechten Flügel der Boeren umgehen und die Ai Anter egyptischer Lonne. Roman aus der Gegenwart von Katharina Zitelmann. Nachdruck vrrboten. „Gut", entgegnete Harald ruhiger, „so werde ich etwas Anderes erbitten." „Wenn ich Ihnen irgend einen Wunsch erfüllen könnte, — Sie würden mich glücklich machen", fiel Salinas äußerst zuvor kommend ein. Es war ihm doch lieb, daß er die halbe Million nicht zu zahlen brauchte. Harald that, als besänne er sich. „Nun ja", versetzte er endlich. „Einen kleinen Wunsch hätte ich wohl." „Sprechen Sie, sprechen Sie, lieber Baron! Mit tausend Freuden gewähre ich im Voraus jede Bitte." „Auf Ehrenwort?" „Auf Ehrenwort!" „Wollen Sie mir dasselbe vor zwei Zeugen wiederholen?" „Wozu?" fragte Salinas befremdet. „Da es sich nicht um Geld handelt — jedes Geschenk, das Sie wünschen könnten, steht zu Ihren Diensten —" „Verzeihen Sie dem Juristen. Sie find Amerikaner, und wenn wir uns jetzt kennen —" „Herr Baron, das ist eine Beleidigung", unterbrach ihn Salinas. „Glauben Sie, daß ein Amerikaner weniger Ehre hat al, Eie?" „Ganz gewiß nicht", brtheuerk Harald, die Hand auf daS Herz legend. „Ich bezweifle nicht einen Augenblick, daß Sie Ihr Wort ebenso gewissenhaft halten werden, wie ich es thun würde. Dennoch bitt» ich, zwei unserer Freunde herbeiholen zu lassen. Es liegt mir daran, daß unser Gespräch nicht unter vier Augen bei verschlossenen Thilren, sondern in voller Offenheit geführt werde. Halten Sie eS meinem Stolz zu Gute, wenn ich wünsche, daß über meine Ablehnung Ihre» Geldgeschenk« keine Zweifel »ntstehen können." Mr. Salinas machte »ine Geberde der Zustimmung, und Harald sandte den Steward zur „Elephantine" hinüber, mit dem Auftrag, den Professor und Doctor Fischer um ihr Erscheinen zu bitten. Sperber's letzte Worte schienen den Amerikaner beruhigt zu haben, indeß wuchs seine Neugierde in Bezug auf dessen Wunsch. „Ich begreife nicht, —" bemerkte er. „Was ich erbitten werde?" fragte Jener gemllthlich. „Fürchten Sie nichts, Mr. Salinas. Ich bin bescheiden, und Sie haben mein Wort, daß es sich um Ihre Millionen nicht handelt. Zu I seiner Erleichterung waren die beiden Herren sehr bald zur Stelle, und der Amerikaner selbst erklärte Ihnen, um was es sich handle, und wiederholte ziemlich ungeduldig sein Versprechen auf Ehren wort, Harald den Wunsch zu gewähren, den er nennen würde, und in dem sich's um Geld nicht handeln dürfe. „Und was ist es?" wandte er sich nun an den jungen Mann. „Ich bitte nichts weiter, als daß Sie — Miß Mary's Schick sal in meine Hände legen", erwiderte Harald in heiterster Laune. Ein Blitz der Freude zuckte über das gelbe Gesicht des Herrn Salinas. „Sie wollten — trotz alledem? Ja, aber wozu denn die Umstände? Ich gebe Ihnen meine Tochter ja mit Freuden." „^.U rigkt!" versetzte Harald. „Ich muß Sie aber darauf aufmerksam machen, Mr. Salinas, daß Sie damit sich verpflichtet haben, mir Ihre Rechte über Miß Mary abzutreten. Sie steht nun unter meinem Schutze und Sie dürfen Sie weder mit Vor würfen quälen, noch mit Strafen bedrohen." „Und wenn sie sich weigert?" fragte SalinaS, der offenbar nicht recht wußte, was er denken sollte. „DaS ist meine Sache. Lassen Sie sie und mich nur ruhig gewähren. DaS Uebrige findet sich. Ich verpflichte mich selbst verständlich, Ihrer Tochter Ehre zu wahren, wie meine eigene, und sie so glücklich zu machen, wie in meinen Kräften steht. Ich habe mir ja ihre Rettung sauer genug werden lassen; nun will ich auch dafür sorgen, daß mein Werk sich lohnt. Sind Sie zu frieden, Mr. Salinas?" Ging diesem eine Ahnung auf, daß er in eine Falle ge gangen war? Harald glaubte es aus dem Gefichtsausdruck deS Amerikaners schließen zu dürfen. Da funkelte so ein böse», gelbe» Licht in den dunklen Augen, da» nichts Gute» verhieß. Doch sehr unerwartet brach Salinas in ein harte» Lachen au». „Sie hatten gut die halbe Million ablehnen", rief er sehr belustigt. „Nun verstehe ich Sie! Mary bringt sie Ihnen ja mit! Jeder der Töchter hab' ich eine Million ausgesetzt, die Hälfte zahlbar am Hochzeitstage, die andere nach meinem Ab leben. Aber für Sie werd» ich noch etwa» Besonderes thun und dir ganze Summe gleich auszahlen." „Das können Sie halten, wie Sie wollen", entgegnete Sperber mit einer Gleichgiltigkeit, die den Krösus stutzig machte, aber doch seine Hochachtung für den deutschen Baron noch erheblich steigerte. „Erlauben Sie, lieber Freund, daß ich mir als Zeuge und praktischer Jurist einen Einwand erlaube", fiel jetzt Fischer ein. „In Geldsachen scheinen Sie mir mehr als unvorsichtig zu sein. Wenn Sie selbst Millionen ausschlagen, so haben Sie doch kein Recht, dasselbe für Ihren Schützling zu thun. Ich befürworte, daß Mr. Salinas sich zur Zahlung einer halben Million an Miß Mary am Tage ihrer Vermählung schriftlich verpflichte." Harald blickte fragend auf den Nabob. Es widerstrebte seinem Gefühl, auch nur den Schein des Eigennutzes auf sich zu laden. Auch der Professor, der in wachsender Unruhe der Verhandlung beiwohnte, wagte kein Wort in Betreff der Mitgift, die vielleicht doch seinem Sohne zugute kommen sollte. Doctor Fischer riß ein Blatt Papier aus seinem Taschenbuch und warf einige Zeilen darauf, die Salinas keinen Anstand nahm zu unterzeichnen. Ihm schien das Vorgehen des Rechtsanwalts, für einen solchen hielt er den Sachsen, völlig gerechtfertigt und eines Geschäfts mannes würdig. Auch die anderen Herren setzten ihre Namen auf das Blatt. „Nun bitte ich, mich bei Ihrer Tochter anzumelden!" sagte Harald, nachdem die beiden Herren sich verabschiedet hatten. Einen Augenblick später stand er vor Mary. Sie lag ange- kleidet auf ihrem Bett und streckte ihm die Hand entgegen, als er sich zart und liebevoll zu ihr niederbeugte. Die Thränen traten ihr in die Augen, zu sprechen vermochte sie nicht. Er küßte ihre Hand und fragte leise: „Haben Sie Ver trauen zu mir, Miß Mary?" Sie nickte. „So fassen Sie Muth und blicken Sie mich nicht so unendlich traurig an! Sie sehen ja gar nicht au», als ob Sie sich des Leben» wieder freuten! So blaß und matt und verändert — nein, liebe Miß Salinas, das geht nicht!" Sie brach in Thränen aus. Da neigte er sich vor und flüsterte ihr zu: „Sie sollen ihn ja haben, Ihren Jürgen Braun! Ich verspreche es Ihnen." Sie schüttelte den Kopf. „Ein Schwur bindet meinen Bater — es ist vorbei. Aber sagen Sie mir ein»: wie nahm er es auf? War er betrübt —? Glauben Sie, daß — er mich ein wenig — lieb hat?" »Ja, Miß Mary!" entgegnete Harald, einen Blick auf die Jalousienwand d»r Eajüte werfend. Vorsichtig öffnete er die Thür, um sich zu vergewissern, daß Salinas nicht horch«. Als er den Gang leer sah, sprach er freudig: „Ich glaube es nicht nur, sondern ich weiß es! Und nun will ich Ihnen etwas ver- rathen! Sie sollen binnen Kurzem Frau Doctor Braun sein!" Weit und staunend öffneten sich ihre Augen. Aber sie ver mochte noch nicht an die Wahrheit seiner Worte zu glauben. „Was — was meinen Sie?" stammelte sie. „Daß es mit dem Grämen nun zu Ende ist und das Glücklich sein beginnt!" rief er froh, „Denken Sie, ich hab' Ihnen das Leben gerettet, um Vorwürfe zu ernten? Nein, nein! Ver lassen Sie sich auf mich und besorgen Sie-schnell Ihre Aus steuer." Ihre Wangen bedeckten sich mit schwachem Roth; in ihren er loschenen Augen glomm ein Licht auf. „Was wollen Sie beginnen?" fragte sie unsicher. „Das ist mein Geheimniß! Von Ihnen verlange ich nur, daß Sie mir bedingungslos gehorchen! Denn ich stelle jetzt Ihren Papa vor. Also Respect!" „Ich verstehe Sie nicht", antwortete sie schon wieder nieder geschlagen. „Sie scherzen mit mir, um mich — zu trösten." „Nein, bei Gott, Mary, dies ist tiefster Ernst", erwiderte er treuherzig. „Ihr Vater hat Ihr Schicksal in meine Hände ge legt zum Dank dafür, daß ich Sie verhindert habe, so voreilig auf Ihr Glück zu verzichten. Mich geht sein Schwur nicht» an. Begreifen Sie nun?" Sie richtete sich auf, faltete die Hände und flüsterte: „Ist eS denn möglich? Ist das ein Traum?" Ihr Anblick bewegte ihn unbeschreiblich, und die Freude, die er in diesem Augenblick empfand, schien ihm nicht zu theuer erkauft mit dem Wagniß von gestern. Wie ein Halbgott kam er sich vor — Napoleon fiel ihm ein, der die Königreiche ver schenkte. Er verschenkte etwas besseres: das Glück! Endlich faßte sie sich. „Wie soll ich Ihnen danken für — Alles — Alles?" fragte sie fast demüthig. „Später danken Sie mir, heute ist es noch nicht Zeit dazu", versetzte er. „Doch nun bitte ich Sir, sich mit Ihrem Bater auf keinerlei Erörterungen einzulassen. Wir müssen ihn noch ein Weilchen täuschen, um in Ruhe alle Vorkehrungen treffen zu können. Er glaubt natürlich, daß ich Sie für mich erbeten habe und hofft, daß Sie endlich einwilligen werden, mir Ihre Hand zu reichen. Widersprechen Sie ihm nicht und gönnen Sie ihm die kurze Freude. Mir aber vertrauen Sie." „Nun?" empfing ihn Salinas, al» Harald wieder zu ihm trat. „Sie sehen ja ganz zufrieden au». Wie nahm »s Mary auf?" „Wie ich e» hoffte", erwiderte er zuversichtlich. (Fortsetzung folgt.)
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