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Freiberaer Anzeiger d« bi« Nachmittag« . 7. z Uhr für die nLchst- Wcheinmde Nummer angenommen. Tageblatt. «W- 175. Freitag, den 3L. Juli. Preis yi«tüt«hrllch l» »»e. Inserate ««dW di« LGalkue Zeile oder deren Naum mit » berechn«^ G / - 1857. - Taye^yeschichie. Freiberg. Oeffentliche Gerichtsverhandlung den Ang. Vormittags 10 Uhr: Hauptverhandlung in Untersuchungssachen gegen Carl August Franz aus Olbernhau, wegen verübter Diebstähle. Meißen, 27. Juli. Am Sonnabend, 25. d. M., hat man in der Nähe der Posel, in einem tiefen Versteck hinter einer Weinbergsmauer und Gebüsch eine Barake des aus dem Zuchthause zu Waldheim entsprungenen Handarbeiters Naumann entdeckt, in welcher viele der in neuester Zeit in der Umgegend gestohlenen Gegenstände, als Kleider, Lebensmittel, namentlich Speck und Würste, gefunden worden sind. Chemnitz, 28. Juli. Als gestern Abend der letzte Eisen bahnzug aus Riesa gegen Vrd Uhr in Ostrau eintraf, gcrieth durch die falsche Stellung einer Weiche der ganze Wagcnzug vom Hauptgleise ab, auf ein Nebengleis, welches zu dem dort befindlichen Kalkofen führt. Glücklicherweise gelang das Brem se» des Zuges sehr rasch, jedoch wurden vier vor dem Kalkofen auf dem Nebengleise stehende Lowryes theils in eine Vertiefung am Ende desselben hinabgestürzt, theils neben und über das Gleis geschleudert, und die Locomotive des Personenzuges fand erst am Rande vor dieser Vertiefung ein festes Hemmniß an der obenanstehendcn Lowry. Die Locomotive und der Postwa gen sollen bedeutend, die andern Personenwagen aber nur wenig beschädigt sein, so daß, einige geringe Verletzungen abgerechnet, alle Personen mit dem Schrecken davonkamen. Sie gelangten durch einen bald herbeigeschaHen HilfSzug gegen Mitternacht-, bis Chemnitz. Berti«. Der Weser-Zeitung schreibt man von der Jahde vom 27. Juli: „Trotz der Thätigkeit, welche die preußische Marineverwaltung nach öffentlichen Mittheilungen gegenwärtig tu der Ostsee entwickelt, werden die Interessen des JabdehasenS keineswegs vernachlässigt, wie schon die große Zahl (über 800) der dort beschäftigten Arbeiter beweist. Auch sollen im nächsten Herbst schon die Hausplätze zur Hafenstadt zum Verkauf gelan gen. Die Außenwerke der Festung würden ebenfalls wohl schon bestimmt sein, wenn nicht Preußen dieserhalb noch auf eine kleine Erweiterung der Grenzen rechnete, welche auch schon im Jahde- vertrage in Aussicht genommen wurde. Die kürzlich von Ber lin aus Ihrer Zeitung gegebene Nachricht, daß der Hafen nach der Laudseite nur geringer Befestigung bedürfe, da die Umge- gegend durch Oeffnen einer Schleußt leicht unter Wasser gesetzt werden könne, hat die Bewohner derselben einigermaßen alar- mirt und Besorgnisse für den Fall eines Krieges hervorgerufen. Unbekannt mit der beabsichtigten Einrichtung wissen wir nicht, ob die Befürchtungen begründet seien, bemerken indessen, daß die im eigentlichen Festungsrayon belegenen und unter olden burgischer Hoheit befindlichen Ländereien binnen kurzer Zeit wohl sämmtlich von Preußen als Fiscaleigeuthum erworben sei» werde». Die im preußischen Gebiet bei der Abtretung (1854) ansässigen Bewohner werden vertragsmäßig noch fort während als im Preußischen wohnende oldenburgische Unter- thanen angesehen, und von der durch den Jahdcvertrag erlang ten Befugniß, ohne Weiteres in den preußischen Unterthanen- verband überzutreten, haben nur einige Wenige Gebrauch ge macht, die durch ein besonderes Interesse hierzu Veranlassung hatten/' Aus Minden meldete der Westphälische Merkur vor kur zem dm Tod eines Knaben infolge übermäßigen Branntwein- genufses. Dasselbe Blatt berichtet schon wieder aus Geseke vom' 2V. Juli folgenden warnenden Vorfall: „Ein neunjähriger Knabe, das einzige Kind eines Schusters, wurde bei Gelegen heit einer Hochzeitsfeier in dem Maße mit Branntwein regalirt,' daß er schwerbetrunken nach Hause geschleppt und zu Bett ge bracht werden mußte. Am andern Morgen traten die fürchter lichsten, durch acute Branntweinintoxikation verursachten epilep tischen Krampfanfälle ein, die sich so rasch in ihren einzelnen Anfällen folgten, daß der Knabe, der gegen 3 Uhr diese« Tag« Nachmittags durch Erschöpfung der Nervenkraft starb, in diesen neun Stunden über 100 (sage und schreibe über hundert) epilep tische Insulte überstand. Der Anblick dieses Zustande« deS un glücklichen Knaben war wirklich herzzerreißend und alle ärzt liche Hülfe umsonst. Die gerichtliche Untersuchung schw«t noch über Liesm schauerlichen Vorfall und habe ich es für zweck mäßig zur Warnung Anderer gehalten, den Kall mitzutheslen " In vielen Städten am Rhein, wenn sie Abends Ihr Schöpplcin oder Seidel trinken, hebt Einer sein GlaS Und rustr das GlaS für die armen Schleswig-Holsteiner! und Jeder thut einen herzhaften Zug und legt seinen Groschen in eitte'Sammel büchse. Wien, 28. Juli. Die „Wien. Ztg." widmet der nun mehr eröffneten Wien-Triester Eisenbahn einen länger« Artikel, in welchem sie besonders die handelspolitische Bedeutsamkeit der selben hervorhebt. „Durch die Eröffnung der Schlußstreckd der Wien-Triester Bahn — sagt das amtliche Wiener Blatt — wird nun eine Schienenstraße hergestellt sein, welche daS hand«lS-po- litisch nahebei geeinigte Gebiet von Hamburg und Stettin bis zu der österreichischen Seestadt ununterbrochen durchschneiden wird. Es ist di« einzige, welche bis jetzt in so weiter Ausdeh nung den Kontinent von einem Ende zum andern überbrückt, drei Meere, die Adria- und die Nord- und Ostsee, unmittelbar in Verbindung setzt. Der Einfluß, welchen die Eröffnung die ser Bahn auf die allgemeinen Handelsverhältnisse auSzuüban vermag, ist vorläufig noch unberechenbar. Die dadurch gebo tene Abkürzung der orientalischen Handelswege wird den kom merziellen Kreisen des europäischen Westens selbst förderlich er scheinen, ein großer Aufschwung für die südwestlichen' Häfen Englands, die nördlichen Frankreichs und jene Hollands und Belgiens sich daraus ergeben. Die kosmopolitische Natur der Handelswelt lehrt dieselbe alle gegebenen Vortheile schnell und ausgiebig benutzen. Es wird dies auch in Bezug auf die Wien- Triester Bahn bald der Fall sein. In weiterer Ferne tauchen dann die einer großen, mindestens handelspolitischen Umbildung entgegenreifenden Verhältnisse deö Orients auf. H)ie noch nicht gelöste Frage deS Suez-Kanals, die bisher nur projectirte Grün dung einer Euphratbahn gestatten hier keine bestimmten Anga ben oder Voraussetzungen. Eine Fortentwickelung dieser ein mal gegebenen Anregung darf jedoch jetzt schon alS gesichert be trachtet werden und wird dann die Bedeutung der österreichisch- deutschen Welteisenbahn erst in ihr volles Licht treten." Baden. Von der Rench unterm 26. Juli wird der Ba dischen Landeszeitung Folgendes geschrieben: „Ist neuerer Zeit entfaltet der Protestantismus in unserm Lande ein sehr reges Streben in extensiver nnd territorialer Erweiterung seines kirchlichen Daseins und Lebens. So hat derselbe in der vor maligen, noch vor zwei Menschenaltern außschließlich katholisch«« Markgrafschaft Baden-Baden und in der katholischen Ortenau schon eine ziemliche Anzahl Pfarreien errichtet oder aber sind solche gegenwärtig im Entstehen begriffen, wie z. B. Durmers heim, Rastadt, Ettlingen, Baden, Bühl, Achern, Oberkirchen und Offenburg, desgleichen in Len ehemaligen vorderösterreichi schen Landestheilen auf dem Schwarzwald und am Bodensee, als:,Billingen, Säckingen, Stockach, Salem, Ueberlingen, Kon stanz und Meersburg. Auch in den früher bischöflich speieri schen und kurmainzischen Gebieten beginnt die protestantische Kirche Fuß zu fassen und sich auszubreiten, so zu Langenbrücken und Tauberbischofsheim." . Kehl, 27. Juli. Der Bau der festen Rheinbrücke bet unsrer Stadt ist gesichert, der betreffende Staatsdertrag zwischen Baden und Frankreich abgeschlossen. Preußen hat seine desfall- sigen Einwendungen fallen lassen, wogegen die süddeutschen Staaten von ihren Einsprachen gegen den Kölner Brückenbau abstanden. Hannover, 23. Juli. Die Coalition deutscher Papier fabrikanten, welche hier wie an andern Orten die Stimme der gesammten Presse gegen sich hatte, hat nun auch die Aufmerk-