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01-Frühausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 21.02.1900
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-02-21
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19000221019
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900022101
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900022101
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-02
- Tag 1900-02-21
-
Monat
1900-02
-
Jahr
1900
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Reclamen unter dem Redactionsstrich (4go» spalten) vor de» Familiennachrichten (6 gespalten) 40 Größere Schriften laut unserem Preis- verzeichniß. Tabellarischer und Ziffernsatz nach höherem Tarif. — l^rtra-Beilagen (gesalzt), nur mit der Morgen-Ausgabe, ohne Postbesörderung 60.—, mit Postbeförderung 70—. Innahmeschluß für Anzeigen: Abend-Ausgabe: Vormittag- 10 Uhr. Morgen.Ausgabe: Nachmittags 4Uhr. Bei den Filialen und Annahmestelle» je eine halbe Stunde früher. Anzeigen sind stets an die Grpeditk-I» zu richten. Druck und Verlag von E. Polz in Leipzig. 94. Mittwoch den 21. Februar 190A 94. Jahrgang. England in Egypten. Man schreibt uns: Die Nachricht, daß egyptische Soldaten im Sudan gemeutert haben, hat größte Befriedigung in Frankreich erregt, und es ist natürlich kein Zufall, daß gerade französische Quellen die Meuterei als recht ernst darzustellen bemüht sind. Ginge es nach den französischen Erwartungen und Hoff nungen — die Franzosen sind ja eingefleischte Optimisten — so würde die Meuterei oie gejammten egyptischen Truppen, bei denen nur ein Theil der Officiere aus Engländern besteht, er greifen, die Bevölkerung würde sich ihnen anschließen, und die Engländer würden aus dem Lande hinausgejagt werden. Der Moment ist ja unzweifelhaft für derartige Pläne an sich nicht ungünstig. Die Engländer haben aus Anlaß des Transvaalkrieges einen Theil der europäischen Truppen aus Egypten hinausgezogen, und nur wenige Tausend Mann, auf die sie rechnen können, zurückgelassen. Diese Unvorsichtigkeit wieder gut zu machen, dürfte ihnen recht schwer fallen, da sie im Transvaalkriege ihre militärischen Kräfte auf das Aeußerste anspannen müssen. Dazu kommt ferner, daß der Khedive be kanntermaßen eine heftige Abneigung gegen die Engländer empfindet und keinen sehnlicheren Wunsch hat, als der hoch- müthigen und oft in sehr rücksichtsloser Weise ausgeübten eng lischen Vormundschaft ledig zu werden. Dazu kommt schließlich, daß der Oberherr Egyptens, der Sultan, sicherlich keinen Finger rühren würde, um die Vorherrschaft Englands in Egypten be stehen bleiben zu lassen; hat er doch im Gegentheil, eifersüchtig auf die von den Engländern usurpirte Macht, die seine Ober hoheit über Egypten zu einer Schattenherrschaft herabdrückt, die Engländer schon wiederholt aufgefordert, ihre Versprechung, Egypten zu räumen, so bald geordnete Zustände im Lande her gestellt sein würden, zur Wahrheit zu machen. Ist also ein augenblicklicher Erfolg einer militärischen Auf lehnung gegen die englische Oberherrschaft in Egypten recht wohl denkbar, so ist die Schaffung einer dauernden Neuordnung der Dinge um so unwahrscheinlicher. Es ist vielmehr anzunehmen, daß eine militärische Revolte einen ebenso unglücklichen Ausgang nehmen würde, wie der bekamne, vor jetzt nahezu zwei Jahr zehnten stattgehabte Versuch des ehrgeizigen Arabi Pascha's, ein unabhängiges Egypten herzustellen. Auf den Bajonetten der egyptischen Truppen allein kann doch die Unabhängigkeit des Landes nicht basiren. Wo aber sollte sie ihren Halt haben? Wei der Bevölkerung? Bei der Türkei? Bei Frankreich? Was die egyptische Bevölkerung anlangt, so ist ja nicht zu bestreiten, daß seit einigen Jahren eine lebhafte nationalistische Bewegung besteht, die Egypten von dem fremden Joche befreien möchte. Eine Anzahl egyptischer Zeitungen steht auf dem Boden dieser nativistischen Bewegung, und erst vor Kurzem hat der rührige Leiter dieser Bestrebungen, der noch jugendliche Kamil Bey, ein diesen Zwecken dienendes Organ gegründet. Aber es handelt sich hier um Officiere ohne Soldaten. Die nationalisti schen Bestrebungen stützen sich fast ausschließlich auf die ge bildeten Elasten, die allerdings unter Benutzung des bei allen mohamedanischen Völkern bestehenden Hasses gegen die Fremden und Andersgläubigen die eingeborene Bevölkerung der größeren Städte zum Aufstande bringen könnten, ebenso wie es Arabi Pascha im Jahre 1882 gethan hat. Die Landbevölkerung aber würde aller Voraussicht nach ruhig bleiben. Die Fellachen sind in jener Zeit, wo Egypten eine fast völlige Unabhängigkeit genoß, also etwa in der Zeit zwischen 1840 und 1875, von den Leitern des Staates, dem Khedive an der Spitze, so rücksichtslos aus gebeutet worden; sie haben ein solches Elend erdulden müssen, weil die Großen des Landes aus ihnen die Mittel zur Be streitung eines wahnsinnigen Luxus herauspreßten, man darf sogar buchstäblich sagen: „herausprügelten" — daß man es ihnen wirklich nicht verübeln darf, wenn die Erinnerung an die „glorreiche" Zeit der nahezu völligen politischen Unab hängigkeit Egyptens sie nicht allzu sehr verlockt, aufs Neue eine Aera der Unabhängigkeit herbeiführen zu helfen. Es geht ihnen jetzt, wenn auch nicht gut, so doch jedenfalls unvergleichlich besser, als damals. Der Sultan hätte, wie schon erwähnt, gewiß nichts da gegen einzuwenden, wenn die Engländer das Land der Pharaonen verlassen müßten. Aber er ist nicht in der Lage, die Egypter positiv bei darauf gerichteten Bemühungen zu unter stützen. Ein derartiger Versuch brächte ihn die Gefahr, den europäischen Besitz der Türkei sehr viel schneller loszuwerden, als es voraussichtlich sonst geschehen würde. Denn ein Act direkter Feindseligkeit gegen England würde ihn zum voll ständigen Sclaven Rußlands machen. Bleiben die F r a n z o s e n. Gewiß empfinden sie noch heute bitteren Groll darüber, daß sie vor 18 Jahren aus Egypten hinauscomplimentirt worden sind, aber außer heftigen Zeitungs artikeln und allerhand diplomatischen Jntriguen haben sie keinen ernsthaften Schritt gethan, um ihre Position in Egypten wieder zu erlangen. Sie haben bei jeder Gelegenheit vor England „ge kniffen", am allerauffälligsten im vergangenen Jahre bei der Faschoda-Affäre; mit ihrem Ruckzuge aus Faschoda haben sie definitiv ihren Anspruch auf einen maßgebenden Einfluß im Nilthale eingebüßt. Diese Faschoda-Affäre hat in gleicher Weise den Respect der Egypter vor England gesteigert, wie den Respect vor Frankreich auf ein Minimum reducirt. Beides kommt im gegenwärtigen kritischen Momente in Egypten den Engländern zu Gute. Trotz der englischen Niederlagen in Transvaal können es die Egypter denn doch nicht so leicht vergessen, daß die Engländer die Fran zosen kaltblütig aus Faschoda „abgeschoben" haben. Sie müssen sich sagen, daß, wenn England mit einer europäischen Großmacht so umspringen konnte, es auch mit dem meuternden egyptischen Heere, selbst wenn sich diese- noch durch den Zulauf von einigen Tausend „Nativisten" verstärkte, kurzen Proceß machen würde, lind sie müssen sich ferner sagen, daß wenn Frankreich sein, eigenen Interessen im Nilthale so wenig energisch verfochten hat, es für die Interessen der Egypter sicherlich noch weniger leisten würde. Deshalb vermögen wir vorläufig die Unruhe bei den sudanesischen Truppen nur als einen Sturm im Glase Wasser anzusehen. * *) *) Immerhin muß England Egypten unausgesetzt im Auge behalten und darf nicht wagen, auch nur einen Mann weiter von dort nach dem Süden Afrikas zu schicken. Und sollten sich dock, noch internationale Lomplicationen ergeben, so würde die fast völlige Entblößung EgyptenS von britischen Truppen das sichere Berhängniß Englands crm Nil werden. Slnm. d. Red. Die Aufwärmung einer Legende des Grafen Lenedetti. 4- Im Märzheft der „Deutschen Revue" veröffentlicht der ungarische Radicale, General Stefan TUrr, „Ncminiöcenzen aus dem Jahre 1866". Tiirr berichtet darin von einer Unter redung, die er am 10. Juni 1866 mit dem Grafen BiSmarck gehabt habe, und läßt diesen die Worte sprechen: „Wenn nur der Kaiser Napoleon mit unS halten wollte. Ich hätie ihm alle möglichen Vortheile geboten, Belgien, Luxem burg. Wenn Sie »ach Paris gehen wollten, würde ich Sie ersuchen, hierüber mit dem Prinzen Napoleon Rücksprache zu nehmen." In einer zweiten Unterredung, die im Jahre 1867 „einige Wochen", bevor die Luxemburger Frage „aufs Tapet kam", stattgefunden haben soll, will General Türr von BiSmarck die nachstehenden Worte gehört haben: „Se. Majestät (Napoleon HI.) kennt meine Ideen über Belgien aus dem Vertragsentwurf, den ich Herrn Benedetti dictirt habe. Was Luxemburg betrifft, werde ich gar nicht fragen, ob die Majorität für Frankreich ist, sondern werde sagen: „krener — le!" General Türr fügt diesen angeblichen Worten Bismarck s als Commentar hinzu: „Wie man sieht, wünschte Graf Bismarck außer dem Vertrage, Len Benedetti (unter seinem Dictate) geschrieben und in Copie dort gelassen hatte, noch irgend etwas Geschriebenes, und zwar von der Hand des Kaisers." General Türr betont offensichtlich, welches Gewicht er auf den Umstand legt, daß der damalige Botschafter Frankreichs am Berliner Hofe einen Bertragsentwurf über die Abtretung Belgiens und Luxemburgs sich von BiSmarck habe victiren lassen. General Türr wärmt hiermit eine Legende auf, die Graf Benedetti in seinem Schreiben an den Herzog von Gramont am 29. Juli 1870 in die Welt geschickt hat, die Legende nämlich, daß er einen Bertragsentwurf des gedachten Inhalts vom Grafen Bismarck sich habe in die Feder dictircn lassen. Diese Behauptung ist ebenso unwahr, wie die gleichzeitig mit ihr ausgestellte, daß Napoleon das Anerbieten Bismarck's zurück gewiesen hätte, sobald er Kenntniß davon erhalten. Bei der Wichtigkeit des Gegenstandes erscheint es erforderlich, die doppelte Unwahrheit Benedetti'S, dem jetzt in der Person des Generals Türr ein Eideshelfer erstanden ist, in aller Kürze nachzuweisen. Nachdem der Anschlag Frankreichs auf die Rheinlande, wie ihn der französische Bertragsentwurf vom 5. August 1866 enthielt, am Widerspruche Bismarck s gescheitert war, ergingen unter dem 16. August 1866 neue Weisungen an den Grasen Benedetti, die ihm aufgaben, die Abtretung von Landau, Saarlouis, Saarbrücken, Luxemburg und Belgien mit Preußen zu vereinbaren. Mit dem Inhalt dieser Weisungen machte Benedetti den Grafen Bismarck am 20. August bekannt, und die Folge der ersten Unterhaltung über sie war, daß Benedetti auf Landau und Saarbrücken verzichtete und seine Forderung auf Luxemburg und Belgien zu beschränken beschloß. Benedetti faßte das Ganze in einen Bertragsentwurf von 5 Artikeln zusammen, Len er am 23. August zur Gutheißung nach Paris sandte. Sein Begleitschreiben begann mit den Worten: „Ich habe Ihren Bries erhalten und nach bestem Vermögen mich »ach den Absichten gerichtet, die er entwickelt. Ich sende Ihnen im Entwurf die Fassung, die beiliegt. . ." Der Entwurf zur Antwort auf Benedetti'S Begleit schreiben ist im Laufe des Krieges von 1870 unter den Papieren des StaatSministerS Rouher im Schlosse Cerccy gefunden worden. In dem Entwurf Nouher'S wird die Erwerbung Luxemburgs als der unmittelbare Zweck der Vereinbarung, die Belgiens als das eventuelle Ziel hingestellt; dann heißt eS: „Diese Verknüpfung versöhnt Alles, sie beruhigt die öffentliche Meinung in Frankreich durch Gewinnung einer sofortigen Genug« thuung und durch die Richtung der Geister aus Belgien." Der Gießener Historiker Wilhelm Oncken bemerkt in seinem „Zeitalter des Kaisers Wilhelm" in Bezug auf das Vorstehende: „Mit der ausdrücklichen Billigung seiner Regierung hat mithin Benedetti seinen Entwurf dem Grafen Bismarck vorgelegt und in dessen Händen ist er auch verblieben. Von der eigenen Hand des Botschafters und auf einem Papier, das alö Papier der französischen Botschaft bezeichnet ist, steht der Entwurf geschrieben, den das kgl- preußische Staatsarchiv noch heute bewahrt und in dessen Schrift zügen im Juli 1870 die Botschafter bezw. Gesandten von Oester reich, Großbritannien, Rußland, Baden, Bayern, Belgien, Hessen, Italien, Sachsen, Württemberg und der Türkei bei einer amtlichen Prüfung die Handschrift des Grafen Benedetti erkannt haben." Soweit Oncken. BiSmarck bat durch Rundschreiben vom 29. Juli 1870 von dem Ergebniß der Handschriften-Prüfung Mitthrilunh gemacht. WaS liegt also näher, als die sich von selbst ausdrängende Annahme, daß Benedetti in der größten Verlegenheit über da» von seiner Hand geschriebene Document seine Zuflucht zu der Notblüge nahm, BiSmarck habe ihm jenen Vertragsentwurf dictirt?! Daß die Weisungen der französischen Regierung vom 16. August 1866, daß da- Be gleitschreiben Benedetti'S vom 23. August 1866 und der Ent wurf zur Antwort auf letzteres so rasch bekannt werden würden, daran bat Graf Benedetti offenbar nicht gedacht. Bekanntlich hat BiSmarck Benedetti'S Vorschläge „dilatorisch" behandelt, d. h. er bat über sie hin- und hergeredet, ohne irgend eine Verbindlichkeit einzugeben, nicht aber ohne zu verrathrn, wie ihm eigentlich zu Mnthe war Welche Motive den ungarischen General Türr jetzt zur Aufwärmung der Legende Benedetti'» veranlaßten, bleibe dahingestellt. Auf die Glaubwürdigkeit der „Rrmini-cenzen" Türr'S ist aber durch dies« Auswärmung einer längst al» solchen erwiesenen Legende das bedenklichste Licht gefallen. Der Krieg in Südafrika. —y. Die allarmirenden Gerüchte, welche über einen für die Boeren verhängnißvollen Gang der Ereignisse auf dem wcstlichcn Kriegsschauplatz gestern in London umgingen, batten bis gestern spät Abends keine Bestätigung gesunden. Wir hatten sie also Wohl richtig taxirt. Cronje ist also schwerlich von dem „ver folgenden" Kelly Kenny überholt und ßabgeschnitten. Statt dessen stellt es sich jetzt heraus, daß es bedenklich mit dem Entsatz von Kimberley hapert. Wir erhallen folgende wichtige Nachricht: b'. London, 20. Februar. (Privattclcgramm.) Ans Kapstadt wird gemeldet: French stiess ans über legene Streitkräfte der Boeren nördlich von Kimberley. Mettzuen ging eiligst am Montag mit seiner Division zn Frcnch's Verstärk»»« ab. Demnach stehen also noch sehr starke Voerencommandos im Norden von Kimberley in starken Stellungen, und sie bedrängen French — der nun Lock Wohl nicht mehr an Eronje's Verfolgung thcilnimmt — statt, daß sie von ihnen bedrängt werden, wie die englischen Berichte wissen wollten. ES giebt, wie man sieht, bei Kimberley nock manche Nuß für die Engländer zu knacken, ein hartes Stück Arbeit, bei dem Lord Roberts' Untergeneräle sich arg verbeißen können. Tie Lage bei Nensbnrg ist nach wie vor für die Engländer höchst bedenklich. Man meldet uns: * Arundel, 19. Februar. (Meldung des „Reuter'schen Bureaus") In dem Gebiet um Arundel stehen anscheinend nur wenige Boeren. Bei einer am Sonnabend vorgenommenen Recognoscirung wurden nur LOO Boeren gesehen, und seitdem sind fast gar keine beobachtet worden. Wahrscheinlich bleiben 1000 oder 2000 Mann des Feindes bei Coles berg, während 10000 Mann von Colesberg zurückgezogen werden, um den von Westen her in den Oranje-Freistaat eindringenden eng lischen Truppen entgegenzutrcteu. Von Hauover Rood Station kommende englische Patrouillen begegneten gestern denjenigen von Arundel; es hat sich herausgestellt, daß in dein Gebiet zwischen Hanover und Arundel keine Boeren stehen. Hiernach hätten die Boeren die Linie Naauwpoort-de Aar noch nicht besetzt. Nach den im gestrigen Abendblatt ver öffentlichten Depeschen hätte man das vermuthen können. Da hieß eS, die Boeren dielten die Stellungen bei Riet- fontein. Auf der Karte ist Rictfontein nicht weit östlich von de Aar an der Eisenbahnlinie angegeben, nach jenen Meldungen aber müßte es in der Nähe von Rensburg, ebenfalls an der Bahnlinie liegen. Wir vermuthen eine Verwechselung mit Wildfontein, wo allerdings schon Boerencommandos stehen können. Die Datirung des obigen Telegramms aus Arundel ist wohl nur auf Täuschung berechnet, wenigstens ist bereits gemeldet worden, daß die Boeren Arundel besetzt haben. In LvnSvn beurtheilt man die durch Roberts, eine „neue Aera" heraus führenden Kriegsplan geschaffene Lage nicht gerade optimistisch. So schreibt die „Sunday Times": „Es hat so viele Gelegenheiten gegeben, bei denen angenommen wurde, daß die Reihen britischer Niederlagen in Südafrika ihre Endschast erreicht und unsere Siege begonnen hätten, daß wir selbst jetzt zweifeln, ob das Glück uns endlich günstiger geworden ist. Es waltet kein Zweifel darüber ob, daß General French »ach einem raschen Marsche Kimberley befreit hat »nd daß die Streitmacht Cronje's auf vollem Rückzüge nach Bloemfontein ist. Doch selbst in dieser Stunde des Stiegcs hören wir von der Wegnahme britischer Proviantcolonncn und der Abschneidung von zwei britischen Compagnien Infanterie. Aber wir hören noch von keiner Ge fangennahme der Boeren, wie dies sich erwarten ließe, wenn die Sprengung der Commandos unter Cronje wirksam ausgesührt wurde. Vielleicht kommt daS noch. Lord Roberts scheint über seine Streitkraft vernünftig disponirt zu haben. Sein erster Streich wurde mit Nachdruck gesührt, doch würde es unklug fein, selbst jetzt auf einen baldigen Zusammenbruch des Widerstandes der Boeren zu rechnen. Es giebt Leute, die uns sagen, daß sie unS auf dem Vorstoß nach Bloemsontein und Pretoria jeden Zoll Boden streitig machen werden und daß wir in dieselben Schwierigkeiten verwickelt werden dürften, auf die wir am Modder und Tugela gestoßen sind. Der schließliche Erfolg mag »och in weiter Ferne liegen." „Sunday Special" sagt: „Wir haben noch nicht gehört, waS aus Cronje's Anne», die die Stellung bei Magerssontein 'besetzt hielt, geworden ist. Hat sie sich bereit- zurückgezogen »nd ihre schweren Geschütze mitgenommen, oder ist Lord Roberts auf ihrer CoinmunicationSliuic? In diesem Falle sollte in einem ziemlich offenen Gelände eine große Streit- kraft von Cavallerie und reitender Artillerie im Stande sein, zermalmende Schläge zu führen. Aber au» dem ansäng- lichen Erfolge von Lord Robert« darf nicht gefolgert werden, daß wir jetzt in klarem Fahrwasser sind. Hoch angeschlagen verfügt er über nicht mehr al» bOOOO Mann, und je weiter er vordringt, desto mehr muß diese Streitmacht durch die Nothwendigkeit, seine langgestreckte Verbindungslinie zu schützen, ge schwächt werden. Tie Boeren werden sich wahrscheinlich rasch wieder coucrntriren, um ihm Widerstand zu leiste». Es darf indrh gehofft werden', daß der Einfall in de» Freistaat und die Nothwendigkeit für Eonceutrirung die Commandos in An spruch nehmen werden, di» jetzt den Tugela halten und Ladysmith belagern, in welchem Falle Buller'- Armeecorp- zn Lord Roberts stoßen, oder mit ihm cooperiren könnte .... Hoffent- lich wird unter der Führung solcher Männer, wie Lord Robert- »nd Lord Kitchener unser Gebiet bald vom Feinde gesäubert und der Widerstand der Boeren gebrochen. Aber die Niederlage bei Rens- -urg, der Verlust zweier Compagnien de- Regiment» Willshirr, di» Vernichtung einer Compagnie des Contingents von Neusüdwales und die Wegnahme einer großen britischen Proviatcolonne am Riet, diese und andere Zwischenfälle auf der Contraseite sollte unS lehren, daß wir noch immer mit einem sehr tapferen und an Hilfsquellen reichen Feinde zu thun haben, dessen Kraft »och nicht thatsächlich gebrochen ist." Wir schließen noch folgende Nachrichten an: Bon« Rothen Srenz. * Mailand, 20. Februar. (Telegramm.) Das italienisch« Rothe Kreuz beschloß, eine zweite Sendung von Arzeneien und Erfrischung-mittel nach Südafrika gelangen zu lassen, die beiden kriegführenden Parteien je zur Hälfte übermittelt werden soll. Graf Adalbert Sternberg bei Krüger. * Wien, 20. Februar. (Telegramm.) Graf Ndalbe^ Sternberg, der Sohn des bekannten österreichischen Generals, der im Lctobcr nach Südafrika ging und gegenwärtig als Bericht- crstatter der in Pretoria erscheinenden Zeitung „Te Volkssieem" Len Krieg mitmacht, wurde von Krüger empfangen, dem er sagte, daß sowohl Oesterreich wie Deutschland warme Gefühle für die gute Sache der Boeren einpsinden. Krüger dankte hierfür und unterhielt sich sodann mit dem Besucher über verschiedene Gegenstände. (Voss. Ztg.) * New Nork, 19. Februar. Tas Repräsentantenhaus nahm eine Resolution an, in der der Staatssekretär um Aufklärung über die Angaben des Consuls Macruin betreffs Oefsnung vor Briesen und Verzögerung von Depeschen Lurch England er sucht wird. (Frks. Ztg.) A»S der Capeolonie. * Kapstadt, 30. Januar. Lord Roberts und Lord Kitchener haben seit vier zehn Tagen Landaufenthalt bei Eapstadt genommen, statt sich aus den Kriegsschauplatz zu verfügen. Lorv Kitchener soll sich nach Angaben aus zuverlässiger Quelle dahin geäußert Haven, die drei belagerten englischen Festungen hätten überhaupt nur geringen strategischen Werth; ihr angestrebier Entsatz sei ledig lich E h r e n s a ch e, ihr Verlust werde aber die Engländer nicht schwächen, sondern strategisch im Gegentheil stärken, da er die Rückkehr zu dem unsprünglichen Angriffsplane des centralen Vorstoßes ermögliche. Kitchener hält die Si tuation für so verfahren, daß er vorziehe, überhaupt nicht ein zugreifen, ehe nicht die bisherigen Generale vollständig abge wirthschaftet und damit ihm freie Bahn zu einem ganz neuen Feldzugsplane geschaffen hätten. Den Angaben der hiesigen Presse ist in keinem Puncte mehr zu trauen. Sie werden lediglich von dem Standpuncte aus zu recht gemacht, die Schwere der Niederlagen zu vertuschen, oder am liebsten ganz wegzudemonstriren. Noch immer ist daS Schlagwort vom „unausbleiblichen" Sieg der Eng ländcr im Umlauf, und noch immer gilt Derjenige als einfältiger Mensch, der daran zu zweifeln wagt. Eher würden Sonne und Erde in ihrem Laufe stille stehen, als daß England besiegt würde, und Lord Rosebery, der neulich sagte, Englands Ansehen habe gelitten, wird von der hiesigen Presse als kurzsichtiger Gimpel dargestellt, der absichtlich nicht sehen wolle, wie die Boeren- Hunde langsam, aber unwiderstehlich „zermalmt" würden. Mit diesem thörichten Gerede glauben die Engländer die cap- ländische Boerenbevölkerung über die wahre Sach läge Hinwegtäuschen zu können. Das einzige Blatt, welches den Verhältnissen klar ins Auge schaut und seine Ueberzcugung auch muthig ausspricht, ist „ Ons Land ", das holländische Bond Organ. Die englischen Drohungen gegen dasselbe erreichen denn auch oftmals einen recht bedenklichen Grad. Aber doch fühlt es sich sicher. Seine Redacteure erhalten oft genug die schriftliche Zusicherung aus ihrem Leserkreise, sie mögen nur fortfahren im gleichen Sinne zu schreiben, denn sollte ihnen die Regierung an den Kragen gehen, so wären sie, die Bauern, bereit, sie aus jeder schlimmen Lage zu befreien! Die englische Regierung scheint denn auch kluger Weise auf eine Kraftprobe zu verzichten. Die Zahl der durch den Krieg ruinirten Existenzen mehrt sich in erschreckender Weise. Die ersten, welche von des Krieges Furien weggerafft wurden, waren die Bergleute und kleinen Leute von Johannesburg, die sich miß brauchen ließen, als sie die Intervention Englands verlangten. Viele von ihnen haben als Recruten der englischen Söldner Heere mit einem Fluch gegen Rhodes ihr elendes Leben auf den Schlachtfeldern ausgehaucht. Die nächste Claffe der Betroffenen sind die Inhaber von Immobilien, welche das Transvaaler Bürgerrecht aus irgend welchen Geschäfts- oder Erwerbs gründen angenommen, sich aber der militärischen Einberufung durch die Flucht entzogen hatten. Ihr Eigenthum gilt als ver wirkt, wird eingezogen, öffentlich versteigert und bringt aus Mangel an Käufern meist nur 5—10 Procent vom Werthe ein. An diese Classe schließt sich die sehr große Menge der einst reichen Schürfbesitzer. Die meisten von ihnen flohen aus Johannesburg, ohne irgend welche Vertreter zu bestellen, was ja auch völlig überflüssig schien, da der Krieg ihrer Meinung nach doch längstens vier bis sechs Wochen dauern konnte unv der englische Sieg außer Frage stand. Da nun bei Ablauf der Schürfzeit keine Erneuerung der Pachtgebühr gezahlt werden kann, so fällt die Gerechtsame laut des bestehenden Land- und Bergrechtes wieder dem Staat anheim, welcher weiter darüber verfügen kann. Die englische Regierung hat eine Proklamation erlassen, in welcher sie die Verfallclausel nicht anerkennt; ob ihr dies aber nützt, so lange sie nicht in der Lage ist, die Frirdensbedinqungen vorzuschreiben, ist eine andere Frage. Ganz unberechenbar sind die Verluste, welche die Aktionäre durch den .stillstand der Bergwerke und das Ausfallen der Divi denden erleiden. In Südafrika sind dadurch Tausende aufs Trockene gesetzt worden. (Frkf. Ztg.) Sonderbare Soldaten. * Sydney, 15. Januar. Die 250 Mann starke Abteilung die von Victoria als z w e i t e s C o n t i n g e n t nach dem südafrikanischen Kriegsschauplätze abgesendet wird, hat sich vorgestern in Port Melbourne auf dem gemiethrten Transportdampfer „Euryalus" eingeschifft. Der Enthusiasmus des Publicums ist ein unbeschreiblicher gewesen, heißt es in den Telegrammen. Nichtsdestoweniger bat e- einen Augenblick gr-
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