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Adorter Wochenblatt. M i t t h e i l n n g e n über örtliche und vaterländische Angelegenheiten. Vierzehnter Jakrgang. Preis für den Jahrgang bei Bestellung von der Post: 1 Thaler, bei Bestellung des Blattes durch Botcngelegenheit: 2» Ncugroschen. 2^. Mittwoch, 4. Juli Politische Ilm schau. Die Volkssache in Nadon steht nicht so gut, als wir cs wünschen möchten, doch steht sie keineswegs so schlecht, als unsre großen Zeitungen vorheulen. In Folgendem wollen wir den gegenwärtigen Stand der Dinge kurz abschildern. Wir schöpfen aus glaub würdiger Quelle und glauben deshalb der Wahrheit nahe zu kommen. Dadurch daß den Preußen der Uc° bergang über den Rhein von unterhalb Germers heim ans gelang, gerieth das Volksheer von beiden Flanken ins Gedränge. Es galt daher die Preußen vor Allem über den Rhein zurückzuwcrfen. So ent« spann sich das Gefecht bei Hockenheim und Wag häusel, das die badische Vorhut am 21. Juni nicht ohne Erfolg lieferte. Andern Tags am 22. rückte MicrvSlawski demselben von Mannheim aus zu Hül fe, um den entscheidenden Schlag zu führen. Auch vier gieng es anfangs ganz glücklich, allein plötzlich er hielten die Preußen eine namhafte Verstärkung, ferner brachen gleichzeitig die badischen Dragoner aus den Reihen des Volkoheer hervor, uberritien die eignen Kampfgenossen und giengcn zum Feind über, wodurch wie natürlich eine große Verwirrung entstand, so das Micraslawki bis SinSbeim zuruckwcichcn mußte. Doch auch diese Schlappe wäre auszuwetzen gewesen, allein da traf noch eine ankere schlimmere Hiobspost ein, die Nachricht nämlich, daß in Mannheim eine Art Conlrcrevolution ausgebrochen und daß es sich an die Preußen ergeben habe. Die „Gutgesinnten" halten nämlich den Augenblick, wo die Volkstruppen sich entfernt, zu deren Verrath benutzt. Dadurch ward nicht nur die Position des VolksheereS an der Neckar brücke bei Ladenburg unhaltbar, sondern man muß te überhaupt die ganze Neckarlinie und auch das feste Heidelberg aufgeben und zunächst auf Bereinigung der verschiedenen Heerkürper Bedacht nehmen. Die Rückzugslinie ward gewonnen, dadurch, daß Willich von F ried ri ch stha l auf Bruchsal, das die Preu ßen bereits genommen, losging und es mit Sturm wicdernahm, während Microslawski die Preußen bei Langen brück warf. Unter fortwährenden Kämpfen zog sich das Bolkshecr nun auf Karlsruhe zurück, Vas als offnkr Platz jedoch nicht zu vertheidigen ist, wes halb dek Kriegsschauplatz nach unterhalb Karlsruhe im Bereich der Festung Ra stabt verlegt werden möchte. Die provisorische Negierung ist nach Freiburg ver legt, die Landeskassen sind nach Rastadt und Of fenburg in Sicherheit gebracht worden. — Daß unser wackerer ^Trützschlers, desgleichen der Reichs- tagsabgeordncte Dietsch, Stadtrath aus Annaberg gefangen wurden, theilen wir mit betrübten Herzen mit. Tritschler amtirte bekanntlich als Civilkom- missär in Mannheim, während Dietsch ein Freikorps führte. Die Nachricht, daß Trützschler bereits standrechtlich erschossen sein soll, ist noch nicht ver bürgt. Wir mögen deshalb an eine solche Uebelthat noch nichr glauben. — Wie die Dinge jetzt stehen, wollen Bielr die alsbaldige Beilegung des badischen Kriegs prophezeihen. Wir unscrtheils glauben, daß er sich noch lange hinziehen kann, da das bergige ba dische Oberland einem derartigen Volkskrieg noch gar viele Chancen des Erfolgs bietet. Daß die Erhebung des badischen Volks endlich verloren gehen muß, da sie vereinzelt dastehcn bleibt, ist vorauszusehen. Trotz allen Heldenmuths und aller Zuzuge kann sich ein so kleines Land nichr hallen gegenüber der Macht von ganz Deutschland. Der schnödeste Vcrralh hat hier bei die Hauptrolle gespielt. Wie cö in Berlin die Weisvierphilister, in Wien die Schwarzgelben, in Dresden die Barger waren, die alle Frciheilsbestrcbun- gen verpfuschten und verriethcn, so war cs in Mann-