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Mts- M MchMatt Abonnement »iertelj. 1 M. 50 Pf. etnschließl. de» »Jllustr. UnterhaltungSbl.' u. der Humor. Beilage .Seifen blasen-' in der Expedition, bei unseren Boten, sowie bei allen ReichSpostanstalten. Lrlegr.-Adrrsst: Amtsblatt. für de« GM des Amtsgerichts Eibenstock und dessen Umgebung. Verantwortlicher Redakteur, Drucker und Verleger: Emil Hannebohn in Eibenstock. - - 57. Johrgang. n — Erscheint täglich abends mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage für den fol genden Tag. JnsertionSprei»: die kleinspaltige Zeile 12 Pf. I» amtlichen Teile die gespaltene Zeile 30 Pf. Frrnsprechrr Ur. LIV Mittwoch, den 30. März 1»L« Das Gemeinde- und Standesamt bleibt wegen der Berlegnng ins neue Gemeinde amt am 30. März 191« geschlossen. Dringliche Angelegenheiten werden an diesem Tage von 11 bis 12 Uhr im neuen Gemeindeamt erledigt Vom S1. März 1910 ab wird für die Gemeindeverwaltung folgende Geschäftszeit festgesetzt: vormittags von 8 öis 1 Uhr, nachmittags 3 öis 6 Uhr, Sonnabends von 8 öis 1 Uhr vormittags und 3 öis 5 Uhr nachmittags. Das Königliche Standesamt ist von 9 bis 12 Uhr vormittags geöffnet. Carlsfeld, den 23. März 1910. Der Gemeindevorstand. vauernfeind. Unser Verbündeter Italien. Der Aufenthalt des deutschen Reichskanzlers im Rom hat in befriedigender Weise sein Ende erreicht, ein erfreuliches Einverständnis ist erzielt, und es ha ben diejenigen Unrecht behalten, die da meinten, das italienische Ministerium habe gerade ausgerechnet zum Zeitpunkt des Eintreffens des Herrn von Bethmann- Hollweg in der ewigen Stadt seine Entlassung gegeben, um allen Besprechungen von Bedeutung mit dem deut schen Staatsmanne ausweichem zu können. Die Fahrt hat also ihren Zweck erfüllt, ihr Verlauf war ein er freulicher. Nicht erfreulich ist aber die innere Lage in Jtailen selbst, die auch künftig, einmal die auswär tigen Beziehungen zu schwankenden machen könnte, wenn nicht bald eine Wendung erfolgt. Die politische Kli- quen-Wirtschaft steht nämlich, was auch das Rücktritts Gesuch des Ministeriums Sonnino beweist, heute in Italien in einer Blüte, wie es einer Großmacht eigent lich unwürdig ist. Nicht um großer politischer Prin zipien willen, wie man denken sollte, werden Minister- Veränderungen vorgenommen, sondern zur Befriedi gung persönlichen Ehrgeizes. Einem Rivalen ein Bein zu stellen, das gilt bei nicht wenigen italienischen Politikern als Staatskunst. Jedes italienische Ministerium, welches Neuwahlen vorschreibt, bekommt eine Mehrheit. Den Kandidaten und den Wühlern wird so visl versprochen, daß sie auf das neue Kabinett schwören. Sehen sich hinter her die Volksvertreter mehr oder weniger getäuscht, denn es allen Herren von der Mehrheit vecht zu machen, ist unmöglich, dann geht die letztere in die Brüche, und der neue Mann am Steuer, der mehr oder ande res versprochen hat, kann sein Heil versuchen. Daraus sind auch die wiederholten „Extratouren" in der aus wärtigen Politik zu erklären, die den framzosen-freund- lichen Radikalen zu Liebe unternommen sind. Ein sol ches Hin- und Herschwanken kann und muß bedenklich im einem Augenblick werden, wo die Wähler sich unzu frieden über ihre Lage so wie so stärker nach der lin ken Seite wenden. Auch das Ausbleiben eiues Gegen besuches des Kaisers von Oesterreich in Italien ist Was ser auf die Mühle dieser Leute. Italien muß nicht allein seine inneren Verhältnisse, und noch mehr seine parlamentarischen Partei-Verhältnisse reformieren, sonst tut es für die Dauer nicht gut. Denn die Lage der breiten Bevölkerung ist nach wie vor wenig günstig, und die gut situierten Klassen ha ben wenig oder keine Neigung, für die schwächeren Schultern mehr zu leisten. Bei dem Erdbeben von Mes sina war es geradezu kläglich, was die reichen Italiener aus ihren Privatmitteln zur Linderung der Not bei trugen. Ihre Hauptbeschäftigung war damals, Feste zu arrangieren, auf denen gesammelt wurde, auf denen sich die vornehmen Komitee-Mitglieder aber nur amü sierten. Das sind unerfreuliche Tatsachen im italie nischen Leben, die naturgemäß auf die Politik stark eiüwivkem müssen. Tagesgeschichte. Deutschland. — Besuch des Kaisers beim Papste? Der vatikanische Korrespondent der in Mailand erscheinen den „Perseveranza" behauptet, daß der deutsche Reichs kanzler von Bethmann-Hollweg sich mit dem Papst über einen Besuch Kaiser Wilhelms in Rom ins Einver nehmen gesetzt habe. Der Besuch werde im Winter die ses Jahres stattfinden. — Kosten der Reichsdrucksachen. Die Druck- und Papierkosten für die neue Reichsversiche- rungsordnung, einem Bande von 1100 Seiten, belau fen sich auf 15 000 Mark. Diese Kosten verursacht allein die Drucklegung des Entwurfes nebst Begrün dung. Bei der Reichsfinanzveform wurden für sämt liche Drucksachen, die dem Reichstage in dieser Ange legenheit zugimgen, rund 300000 Mark ausgegeben. Dre alljährlich dem Reichstage zu gehen den Kolonial denkschriften, die mit Illustrationen ausgestattet sind, kosten mehr als 30000 Mark. — Die Befestigung von Borkum. Die ost friesischen Inseln, die in der Nordsee unserer Küste vorgelagert sind, werden in einem Gestrige eine be deutsame Rolle spielen. Eine der wichtigsten dieser Inseln ist das große Borkum. Es sind deshalb schon seit längerer Zeit Befestigungen auf dieser Insel,aus- geführt worden, die namentlich in der Anlage von Batterien für weittragende Geschütze bestehen. Ueber diese Befestigungen dringt natürlich nur sehr selten etwas in die Öffentlichkeit. Das preußische Kriegs ministerium hat soeben bestimmt, daß von dem Fuß- artillerie-iRegiment II, das allein von den Landregi mentern in der Bedienung der Küstengeschütze und im Seeschießen ausgebildet ist, drei Kompanien unter einem Stabsoffizier nach Borkum verlegt werden sollen. Diese Kompanien bilden gewissermaßen ein viertes Bataillon. Die Verlegung soll bereits zum 15. April beendet sein. — Kriegsjahre. Der „Reichsanz." veröffent licht, daß allen Teilnehmern au dem Patrouillen^ fecht der I. Kompanie bei Gei nab am 27. August 1908 in Deutsch-Südwestafrika und ebenso an den Zusammen stößen der 3. und 14. Kompanie sowie der 6. Batterie in der Zeit vom 18. bis 26. Dezember 1908 anläßlich des Einfalls der Hottentottenbande unter Abraham Rolfs in das Schutzgebiet das Jahr 19l>8 als Kriegs jahr anzurechnen ist. — Eine Petition aus Samoa. Der Pflan zerverein von Deutsch-Samoa hat an das Präsidium des Reichstags eine Petition gerichtet, in der er die Bitte um Gewährung einer Selbstverwaltung für die Kolonie ausspricht. In der Begründung wird unter anderem darauf hingewiesen, daß sich Samoa vor der FlaggenWssung bereits selbst erhalten und verwaltet habq, und ferner wird der Beweis versucht, daß die Gouvernementsregierung viel kostspieliger fei als eine Selbstverwaltung. Daneben werden eine Reihe von Beschwerden über Anordnungen des Gouverneurs ein geflochten, die sich insbesondere auf ungerechte Steuer verteilung beziehen und sich auch gegen die deutsche Handels- und Plantagen-Gesellschaft richten. - Auf d i e U eb e r P r odu kti o n inDiaman- ten seitens bedeutender englischer Minen in Südafrika weist ein englisches Fachblatt hin. Wie zahlenmäßig nachgewiesen werden kann, hat diese Ueberproduktion einen Preisrückgang guter Stein? im Gefolge gehabt. Da die Ueberproduktion fortgesetzt werden soll, so ent steht, wie das betreffende Blatt meint, eine schwere Ge fahr für alle Minen, die -geringere Stsine fördern, also auch für die deutsch-südwestafritanischen. Sollte da auch ein Konkurrenzmanöver dahinterstecken? Oesterreich-Ungarn. Budapest, 25. März. Das Befinden der bei dem Abgeordnetenhausskandal verwundeten Minister hat sich in erfreulicher Weise gebessert. Wie verlautet, werden die Neuwahlen für das Parla ment Ende Mai, spätestens Anfang Juni stattfinden und die Einberufung des Abgeordnetenhauses am 22. Ju ni erfolgen. Rußland. — Zum Besuch des Königs von Serbien. Die Petersburger Telegraphen-Agentur veröffentlicht folgendes Communiqus: Der Empfang, der dem Kö nig von Serbien in Rußland bereitet wurde, ist ein Beweis für die Festigkeit der traditionellen Beziehun gen der beiden Staaten, die ebenso durch den Glaubsn und die Herkunft ihrer Völker, wie durch gemeinsame historische Erinnerungen einander so nahe stehen. Im Verlauf der Unterredungen des russischen und des serbischen Ministers des Aeußern sind verschiedene beide Regierungen interesfievende Fragen besprpchen Und es ist festgestellt worden, daß man auf beiden Seiten der Er haltung des Friedens und der Ordnung in den Balkan ländern besondere Wichtigkeit beimißt. Nach der Mei nung der serbischen Regierung wird die friedliche und freie Entwickelung des unabhängigen Serbien unter den anderen Balkanstaaten eine wertvolle Stütze in der Befestigung der guten Beziehungen zur Türkei fin den und zugleich setzt die serbische Regierung alle ihre Kräfte an die Erhaltung der entsprechenden Beziehun gen zu Bulgarien und seinen anderen Nachbarstaaten. Die russische Regierung^ die aufrichtig mit diesen Be strebungen sympathisiert, wird Serbien ebenso wie bis her seine moralische und tatsächliche Unterstützung auf diesem Wege leihen. So wird die Ankunft des Königs Peter in Petersburg der allgemeinen politischen Lag? ein neues Element des Friedens und der Eintracht hin zugefügt haben. Frankreich. — Die Spionageaffäre von Lille, von der die französische Presse so viel Aufhebens machte, zeigt ihre Bedeutungslosigkeit immer mehr. Auch die chauvinistischen Blätter haben sich überzeugen müssen, daß Deutschland nicht in die Affäre verwickelt ist. Der Ringkämpfer und Preisboxer Tonny hat wohl Zeich nungen von französischen Festungen gemacht, aber diese stellten dilettantisches Machwerk dar, die, selbst wenn sie bestellte Arbeit gewesen wären, absolut keinen mi litärischen Wert hätten. Zu den M ar in e s k an d al en. Wie aus Toulon gemeldet wird, hat der Seepräfükt schon wie der gegen einen höheren Marinebeamten, der unlau terer Machenschaften bei Lieferungen beschuldigt wird, die Untersuchung ungeordnet. Zweierlei M aß. Die Presse beschäftigt sich mit dem auffallenden Unterschiede, den die Gerichte bei der Behandlung von Verbrechern machen. So wird beispielsweise der Liquidator Duez in einem dlegan ten Automobil zu dem Untersuchungsrichter hin- uns zurückbefördert. Er kaum sich im Gerichtsgebäude frei bewegen, ohne Kontrolle mit seiner Krau sprechen und nimmt ausgesuchte Mahlzeiten, fein serviert, in hem Kabinette des Untersuchungsrichters ein. Sein An gestellter Poisel dagegen, der unter her Beschuldigung, seinem Chef einige Tausend Franken unterschlagen zu haben, gleichfalls im Untersuchungsgefängnisse sitzt, wird in einem gewöhnlichen Zellenwagen mit anderen Verbrechern zusammen befördert, er hat beide Hände gefesselt und bekommt Gefangenhauskost. Dabei hat er die Unterschlagung nur aus bitterster Not began gen, weil er von Duez so schlecht gezahlt wurde. Er ist verheiratet und Vater mehrerer Kinder. Man sieht also auch daraus, wie undemokratisch es eigentlich im Grunde genommen in der beinahe schon sozialdemo kratischen Republik Frankreich zugeht. Italien. Rom, 25. März. Der deutsche Reichs kanzler hatte bei dem Diner des Ministers des Aeu ßern Gelegenheit, die Bekanntschaft der hervorragen-- sten italienischen Politiker zu machen. Der Kanzler sprach sich sehr erfreut über die Haltung der italienischen Presse aus. Nach Aeußcrungeu von Teilnehmern am Diner hat der Kanzler wegpn der Einfachheit und Gradheit seines Auftretens viele Sympathien gewon nen und vor allem volles Vertrauen. Er erzählte von seltnem ersten Aufenthalt in Rom. Bei der Unterhal tung bediente er sich häufig der italienischen Sprcr che, die auch in der Unterredung mit dem Papste von ihm benutzt wurde. — Der deutsche Reichskanzler hat am 2. Ostertage Rom verlassen, wo er nicht nur eine politisch bedeutsame, sondern auch eine hinsichtlich seiner .Er holung angenehme Woche vevlebte. Dem schönen Ita lien «will er erst am kommenden Sonntag den Rücken kehren und die Tage bis zur Wiederaufnahme der Amts geschälte in Neapel und Florenz verleben. Das Ozeanographische Museum in Monaco, dessen Grundstein im April 1899 unter Kaiser Wilhelms Patenschaft gelegt wurde, wird am heutigen Dienstag eingeweiht. Es hieß s. Zt., aw läßlich dieser Feierlichkeit würden sich der Kaiser und Präsident Falliöres begegnen, das waren jedoch Mut maßungen; Staatsoberhäupter sind saußer dem Für sten Wert) nicht anwesend. Das Museum^ das sich! einer wirkungsvollen Lage erfreut, soll eine interna