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02-Abendausgabe Leipziger Tageblatt und Handelszeitung : 27.06.1914
- Titel
- 02-Abendausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1914-06-27
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id84535308X-19140627026
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id84535308X-1914062702
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-84535308X-1914062702
- Sammlungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Handelszeitung
-
Jahr
1914
-
Monat
1914-06
- Tag 1914-06-27
-
Monat
1914-06
-
Jahr
1914
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Jahrgang 4»—für Inserat» au» Leipzig un» Umgebung »i« /«NAeigeNprei^e. ,spaUig«p«tU,«tt«-r»pf.,»!«NeN«me,«N«,M., von auewSrt» ro Pf., Neklamen 1.20 NI., Klein« Anzeigen Stepetttzeil« nur 20 pf.b.wieüerhol.Nab.,Inserat« vonVehSrüen im amliichenTeti »i« Petit zeil« S0 Pf. Seschaf«»anz«ig»n mit plahvorschrif« >m Preise erhöht. Nabatt noch Tarif. Sriiagen: Seiamtaufl.LM.»a»Taus«nü au»schl.p»Ngedahr. Nnzeigen-sinnahmr: ^ohanniagasse», bei sSmtiicben Filialen »«» Leipziger Tageblatt«» un» allen flnnoncen-Lxpe-itionen »«» In- un» fluolon»«». chefchiiftsstell« fUr Serlln u. »l« Pr. Vron»rndurg: virektion Walter Iliegei, verlin w. 10. M»r?arrtbenltrasie S. Zrensprech« Nnschluß i Lühow »07>. Sonnsbenü, üen 27. Unni. 1914. ' 'M Vas wichtigste. * Heute morgen um ^»S Uhr wurde in Leipzig und den verschiedensten Orten Sachsens ein hef tige», mehrere Sekunden dauerndes Erdbeben «ahrgenommen. (S. bes. Art.) * Der Bezirksausschuß der Amtshauptmann- schaft Leipzig genehmigte die Ortsgesetze über die Bereinigung der Landgemeinden Schöne feld und Mockau mit der Stadtgemeinde Leipzig. (S. bes. Art.) * Prof. Dr. Adler und Prof. Dr. Wörner wurden als Studiendirektor und als dessen Stellver treter an der Handelshochschule in Leipzig für die nächste Amtsperiode w i e d c r g c w ä h l t. (S. Kunst u. Wissensch.) * Das ausführliche Programm der Reise Poincares nach den nordischen Reichen wird veröffentlicht. (S. Ausl.) * Die erste Abteilung der österreichischen Freiwilligenschar wird am Sonntag oder Montag nachDurazzo abgehen. (S. bes. Art.) * Der spanische Ackerbauarbeiter streik dehnt sich weiter aus. (S. Ausl.) * Das XIX. Armeekorps hält am 16. August Olympia-Prüsungskämpfe ab. (S. Sport u. Spiel.) Mbanien. >D Berlin, 2b. Juni. Auf den Berliner Straften wurde am Don nerstag abend die Abdankung des Fürsten Wilhelm von Albanien ausgerufen. Wer sich daraufhin das Zeitungsblatt erstand, das solche Post enthalten sollte, sah dann freilich, das; es in Wahrheit noch nicht so weit ist, das; man vorläufig nur erst glaube, das; dem mit unzu reichenden Mitteln, eigenen wie fremden, in das albanische Abenteuer Hineingeglittenen keine an dere Möglichkeit sich mehr bietet. Das ist aber der Stand der Dinge, wie er im Grunde schon manche Woche war und anscheinend auch heute noch ist. Immerhin ist es bemerkenswert, das; man an hiesigen amtlichen Stellen nun doch wohl pessimistischer wurde. Man hält die Partei des Fürsten zwar noch nicht für rettungs los verloren; aber man rechnet sichtlich stark mit der Möglichkeit, daß sic verloren gehen könnte. Im übrigen sieht man, wie eS fast den Anschein hat, der Entwicklung der albanischen Dinge ein wenig teilnahmslos zu, und bemüht sich — die Formel hörten wir ja schon früher — zwischen Oesterreich und Italien zu vermitteln and dafür zu sorgen, daß in die Feindselig keiten der Presse und die örtlichen Intrigen nicht auch die beiden Regierungen noch hinein gezerrt würden. An sich könnte es nns am Ende ja auch gleichgültig sein, was in Albanien geschieht. Wir haben den „Mbret" nicht zur „.stönigsfahrt ins Märchenland" animiert; es ist vielmehr an zunehmen, daß ihm von sehr autoritativer Seite sehr nachdrücklich abgeredet worden ist, uttd ganz sicher sind die Schicksale des Prinzen zu Wied die Knochen des vielzitierten pommcrschen Gre nadiers nicht wert. Ob er sich hält oder nicht hält, ist eine Angelegenheit, die, isoliert be trachtet, unsere Interessen in keinem Belang berührt. Schade nur, das; im historisch-politischen Leben die Dinge sich nie so isolieren lassen. Das Drama ist mit dem Abzug des Fürsten (Abzug in dem Sinne gebraucht, wie man in der österreichischen Parlaments- und Bersamm- lungssprache das Wort zu gebrauchen pflegt) doch noch nicht zu Ende. Die offene Wunde bleibt. Ein B er l e g e n h e i t s g c b i l de war dies Albanien von vornherein: wir haben (ab gesehen natürlich von diplomatischen Kreisen, wo man pro äomo plädierte und wenigstens mir einem Bestand von einigen Fahren rechnete) keinen Menschen gefunden, der ihm Daseinsfähigkcit zutraute. Mittlerweile aber ist es zur Pandvra- büchse geworden, von der man den Deckel weg schlug. Wenn sich nun nicht beherzte Männer finden, die sie schließen, muß unweigerlich ihr Unheil aller Art entströmen. Und das ist der Puntt, wo man doch auch unsere Regierung nicht von aller Schuld frei sprechen kann. Sie ist zu passivisch im guten wie im bösen Sinne. Wenn man mit erfahrenen und wohlmeinenden Männern aus der Sphäre der Regierenden die patriotischen Sorgen aus- tanschr, die in diesen Zeitläuften uns doch schließ lich alle bedrücken, dann kann man dem Ein wand begegnen: man solle sparsam sein mit der Kritik, wenigstens nur das Menschenmög liche von Regierung und Diplomatie verlangen. Unsere Lage im Herzen von Europa, hüben und drüben von ererbter und eingewurzelter Feind schaft umlauert, sei eben zu schwierig. Da komme ' es höchstens darauf au wie man in England zu sagen pflegt) t» uurko tlm bosl, oi it. Nebenbei: der Schlüssel unserer weltpolitischen Situation liege in dem Verhältnis zu England. Sei das, wozu die Ansätze doch offenbar vor handen seien, einmal nach Wunsch geordnet, so würde alles andere von selbst sich schon finden. Man kann das im einzelnen zugeben, ohne darum doch zu dcu gleichen Schlüßen zu kom men. Zunächst will es uns nicht scheinen, als ob dies Bemühen, alles auf die eine englische Karte zu setzen, uns bislang den ersehnten Er folg so ganz eingetragen hätte. Ohne Frage: die Sprache der meisten Blätter ist freundlicher, ist zum mindesten verbindlicher geworden. Auch die Beziehungen der Höfe und der Regierungen wurden über das Maß unerläßlicher Korrekt heit hinaus um ein paar Schattierungen wär mer, und Fürst Lichnowsth mag in London sich eine schöne gesellschastliche und vielleicht auch politische Stellung erworben haben. Aber sonst stehen wir nm Ende wohl auf demselben Fleck. Herr Iswolski) scheint noch immer auch in der britischen Metropole viel zu gelten, und der englische Botschafter in Petersburg l-at dieser Tage eiue zum wenigsten höchst merkwürdige Rede gehalten . . . Aber wie hoch man immer die Bemühungen in Loudon und ihr Erträgnis einschützen mag — es wäre deshalb doch wohl kaum nötig, das; mir auf allen anderen Schauplätzen uns zur Untätigkeil verdammten. Warum sollte man mit Bezug auf die albanischen Dinge an der Fitlion von der Einigkeit und der gemeinsamen Aktion der Mächte nicht festhalten, wenn das irgendwelchen Erfolg verhieß? Da man aber sah, das; man so keinen Schritt weitertam, das; auf die Art nur die Keime der Zwietracht zwi schen Italien und Oesterreich verstärkt nnd jede Möglichkeit einer wirklichen und wirksamen Poli tik unterbunden wurden, wurde es doch wohl Zeit, von dieser Fiktion Abschied zu neh men und darauf zu achten, das; Oesterreich und Italien nun endlich den Boden für ein gemein sames Handeln finden. Die Herrschaft des Fürsten 'Wilhelm kann heute oder morgen zu Ende sein. Nun schön: wir brauchen nicht, andere werden nicht darüber weinen. Aber was daun? Wenigstens der Dreibund muß sich doch einig sein, was dann an die Stelle zu setzen wäre. Und gerade, weil wir selber an diesen Dingen nicht direkt interessiert sind, hätten wir die Pflicht der Initiative . .. * Die österreichischen Freiwilligen für Albanien Die Hilfe, deren Fürst Wilhelm bedarf, und die ihm weder Prenk Bibdoda noch Kemal Bei noch die Großmächte bringen, soll ihm nun zu guter Letzt durch europäische Freiwillige zuteil werden. In Wien hat ein Aufruf zur Bildung eines Freiwilligenkorps beachtlichen Anklang gefunden; ob es freilich gelingen wird, den Thron des Fürsten durch diele Freiwilligen zu retten, ist mehr als zweifelhaft. Es liegen folgende Meldungen vor: Wien, 26 Juni. Tie ersten 200 Freiwil ligen für Alb mieu, deren Zntzl b S gegen Mitter nacht auf etwa 1400 angcwachfen war, w röc» sich a n sann tag oder Montag nach Turazzo ein schissen. .ilsdann soll Vic Hauptu Zsc in rn-lireien Transporten Nachfolgen. Eine Anzahl der zur Führurg der Kreiwilngenkorps bestimmten Offiziere stellte in einer ncmeiujamcn Besprechung fest, das; das Korps weder eine Lüloncrtruppc noch eine Mannschaft sei die ein fremde s Bolt zu bekr egen gedenke, sondern eine Freiwilligeufchar. die bereit sei, den Fürsten in seiner ihm von Ser zivilisierten Welt übertragenen Ans gäbe zu u »te r st n 1; c n. Die völlige Einschließung Durazzos. Mailand, 27. Juni. (P ri v atteleg r.) „Unione" meldet aus D u r a z z o i Die italienischen Kriegs schiffe landeten weitere 100 Matrosen zur Be setzung der italienischen Gesandtschaft. Die letzte noch freie Straße von Durazzo nach Kawaja ist gleichfalls von den Aufstän dischen gesperrt, es gibt keine Landverbindung von Durazzo mehr nach dem übrigen Albanien. In Kanina bei Valona ist von den Ortsbehörden in folge Befürchtung von Repressalien durch die an rückenden Aufständigen die Durchführung des fürst lichen Befehls auf Aushebung der Wehrpflichtigen verweigert worden. Die gesamte italienische Presse hält die weitere AufrechthaUung der Herrschaft de» Fürsten von Albanien für nicht mehr durchführbar. Albanische Kriegführung. Durazzo, 27 Juni. Die Aufständischen zündeten am Freitag die ch r i st l i ch e Ortschaft M a l h uci an, was vermutlich ein ähnliches Berhalten der Regierungstruppen Hervorrufen wird. Eine Erlundigungsreise. Durazzo, 26. Juni. Finanzminister Rogga hat sich in oer vergangenen Nacht nach Ischmi be geben, um sich über die dortige Lage zu unterrichten. politische Uebei sicht Der Wehrbeitrag in Sachsen. Lleucrbeprk LoUbcträqc »ach den Lvchk- beitrags- lislen .e. Steuerbezirt -ollbeträge »ach den Wchr- deitragr- iiftcn Annaberg . . Auerbach . . Bautzen . . . ^ Borna . . . Chemnitz . . Dippoldiswalde Döbeln . . . Dresden . . . s Flöha. . . . Freiberg . . Glauchau . . ! Grimma. . . ! Großenhain . Kamenz. . . ! 61t 7kl 1 16k 776 1170 018 702 201 7 122 762 251517 l 127 811 22 075 806 1 011 057 668 085 1166 070 1 515 027 001 707 711570 Leipzig . . . 21 657114 Löbau . . . 1 292 448 Marienberg . 003 780 Meißen . . . 1131987 Oelsnitz. . . 732 822 Oschatz . . . 711525 Pirna . . . 1306 746 Plauen . . . 3 499125 Rochlitz . . . 845 547 Schwarzenberg 1 270 890 Zittau . . . ! 1 173 891 Zwickau. . . ! 3 703 164 Königreich 78 868 998 Darunter die Städte: Chemnitz mit s 5 805 462 l Planen mit 2 517855 Dresden „ ! 16 936 905 I Zwickau „ 2 512 455 Leipzig „ 119 746 7711 Zum Wehrbeitrag veranlagt worden sind im ganzen Königreiche 126 931 natürliche Personen und 416 j u r i st i s ch e Personen, 127347 Personen zusammen, das sind 2,64 Proz. der gesamten Be- völkeruna und 6,22 Proz. der zur Einkommen steuer beitragspflichtigen Personen. 40. Deutscher fierztetag. K. X li München, 26. Juni. In der Aussprache über die Anträge von Professor Lennhosf betonte Götz (Leipzigs: Die Leitsätze bedeuten nicht eiue Verbesserung, sondern eine Verschlechterung des gegenwärtigen Zu standes. Sie räumen dem Roten Kreuz eine Aus nahmestellung ein. Einzelne Kollegen bekommen aber bereits jetzt ' für Lehrtätigkeit beim Roten Kreuz Honorar, sie Leitsätze würden also direkt eine Ver schlechterung bedeuten. Redner beantragt für eine ganze Reihe von Leitsätzen weitergehende. — Bock (Düsseldorf!: Unsere gesamte soziale Gesetzgebung ist aus der charitativen Tätigkeit hcrvorgegangen; die Aerzte lzaben den Zeitpunkt verpaßt, an ihre Interessen zu denken, als die charitative Tätigkeit durch die Gesetzgebung übernommen wurde. Wenn man jagt, man müsse für eine Kriogsmöglichkeit im Interesse des Vaterlandes Krankenpfleger aus bilden, jo ist das Unsinn. Wenn das Vaterland Vor- Humor, das ist kein Leichtsinn, Humor ist ein Drüberstehen, eine ganz besondere Gotteskraft, mit der wir uns das graue Elend aller Vergänglichkeit mannskräftig vom Leide halten. Rud. Herzog. Kunst un- Wisteaschast. * Amtliche Nachrichten von der Universität Leipzig. Das Königliche Ministerium des Kultus und öffent lichen Unterrichts in Dresden hat dem Privat dozenten Lic. th. et D. phil. Hans Windisch, der einen Ruf als ordentlicher Professor an die Uni versität Leiden angenommen hat, die erbetene Ent lassung aus seinem hiesigen Lehramte erteilt. * Amtliche Nachrichten von der Handelshochschule zu Leipzig. Der Senat der Handelshochschule hat in seiner Sitzung vom 26. Juni Herrn Professor Dr. Adler als Studiendirektor und Herrn Pro fessor Dr. Wörner als stellvertretenden Studiendirektor für die nächste Amtsperiode vom 1. Oktober 1914 bis 30. September 1916 ein stimmig wiedergewählt. * Universitätsnachrichten. Zn der musikwissen schaftlichen Abteilung des Allgemeinen Studenten- Ausschusses findet am Montag, den 29. Juni, abends 8 Uhr ein Vortrag des Herrn Dr. Schering statt über: „Die neapolitanische Oper ufid die Oper in England, Frankreich und Deutschland bis Gluck." Näheres an den Schwarzen Brettern. * Gesellschaft der Bibliophilen. Am 4. und 5. Juli wird die Gesellschaft der Biblio philen, die größte Vereinigung ihrer Art in der Welt (Vorsitzende Fedor von Zobcltitz und Georg Witkowski), in Leipzig ihre Jahres versammlung abholten. Auf"der Tagesordnung steht u. a. die Erhöhung der Mitgliedcrzahl von 900 auf 1000, da die bisherige Beschränkung mit Rücksicht auf den starken Andrang Aufnahmcsuchender nicht auf recht erhalten werden kann. Einer der größten Büchersammler, Herr Dr. Eduard Langer in Braunau in Böhmen, wird für die Tage der Ver sammlung in einem Sonderraum der Buchgewerbe ausstellung die Schätze seiner Bibliothek darbieten und der verdiente Leiter dieser Bibliothek, Herr Dr. Dolch, wird sie erläutern. Außerdem sind Führungen durch die für Bibliophilen besonders wertvollen Abteilungen der Buchgcwerbeausstellung und eine Reihe geselliger Veranstaltungen geplant. * Schauspielhaus. „Rechtsanwalt Tan talus", der Schwank von Kastner und Tesmar, mit dem Anton Franck am 1. Juli sein Gast spiel im Schauspielhaus eröffnet, wurde in den letzten Tagen noch von einer großen Anzahl erster Bühnen erworben, u. a. für Frankfurt a/M , Dresden, Hannover, Hamburg, Bremen, Magdeburg, Riga, Lübeck, sowie für Amerika und Holland. * Eine italienische Tournee mit deutschen Opern in Deutschland. Wolf-Ferraris Oper „Die vier Grobiane" hat Anfang dieses Monats am Teatro Lirico in Mailand ihre Erstauf führung in italienischer Sprache erlebt und ist bei diesem Anlasse sowohl vom Publikum, als auch von der Kritik sehr freundlich ausgenommen worden. Die gleiche Aufnahme wurde dem Werke inzwischen in Venedig und Verona zuteil. Die Sänger der Solopartien sind durchweg Venezianer, wodurch den Aufführungen —dem Geiste derDichtungen Goldonis entsprechend — ein besonders originales Gepräge verliehen wird. Durch diesen Erfolg er mutigt, hat der Leiter der Stagione, Direktor de Marzi, beschlossen, mit diesem Ensemble in den größeren Städten Deutschlands und Oesterreichs im Laufe der nächsten Wochen eine Tournee mit Wolf-Ferraris Opern „Die vier Gro biane" und „Die neugierigen Frauen" zu unternehmen. Das Orchester ist nahezu durchweg aus Mitgliedern der Mailänder Scala zu sammengesetzt. Man darf dem Unternehmen mit Interesse entgegeistehen. * Die Dinkelsbühler „Kinderzeche" fällt in diesem Jahre in die Zeit vom 18.-22. Juli. Die Aufführung des Festspiels mit dem Nachspiele und dem Festzug durch die Straßen der in ihrer Alter tümlichkeit wohlerhaltenen ehemaligen Reichsstadt findet am Montag. 20. Juli, vormittags 10 Uhr statt. Durch Einlage von Sonderzügen ist Gelegen heit gegeben, das Festspiel bequem an einem Tage besuchen zu können. * Henry Marteau, der sich bei Lichtenberg in Oberfranken einen schönen Sommersitz erbaut hat, wird am 1. und 2. August in Lichtenberg ein Deutsches Kammermusikfest veranstalten, an besten Ausführung sich außer dem Marteau- Quartett noch manche andere namhafte Künstler be teiligen werden. Werke der deutschen Klassiker und Romantiker bis auf Brahms sollen zur Aufführung gelangen und der Ertrag den Wohls ahrts- einrichtungen der Stadt Lichtenberg zugute kommen. * Der allgemeine Musikoerein beschloß, wie uns telegraphisch gemeldet wird, das 50. Tonkünstlerfest 1915 in Chemnitz abzuhalten. * Das deutsche Lied in Nordamerika. Aus Louis- ville wird uns berichtet: Anläßlich des 34. Sänger festes des Deutschen Sängerbundes über reichte der deutsche Konsul in Cincinnati Dr. Mezger eine vom Deutschen Kaiser gestiftete Medaille und überbrachte die Grüße des Kaisers. Der Bundesvorsitzende sandte ein Danktelegramm an den Kaiser, in dem es heißt: „Das deutsche Lied, mit dem wir in die Fremde gezogen sind, soll immer die Liebe und Anhänglichkeit an die alte Heimat wachhalren." * Professor Hermann Prüfer s. Im 70. Lebensjahre ist am Freitag in Berlin der frühere Direktor des König lichen Hof- und Domchors Professor Hermann Prüfer nach kurzem Krankenlager gestorben. Ehe er am 1. Oktober 1909 in den Ruhestand trat, hatte er zehn Jahre lang (ein Amt bekleidet und den Chor zu einer bedeutenden künstlerischen Höhe geleitet. Als Nachfolger Albert Beckers wurde Prüfer bis dahin Dirigent des Zwölf-Apostel-Kirchenchors, auf die ver antwortliche Stelle berufen, und in all den Jahren hat er sich als tüchtiger und feinsinniger Dirigent er wiesen. Professor Prüfer war in dem schlesischen Neu salz geboren; er trat in den 70er Jahren als Musik lehrer in den Berliner Schuldienst, trieb aber da neben Studien bei Grell. Den Schuldienst ver tauschte er indessen später mit der privaten Stellung am Zwölf-Apostel-Chor, bis er 1892 zunächst zweiter Dirigent und Gesanglehrer am Hof- und Domchor wurde. Als Professor Prüfer Beckers Erbe über nahm fiel ihm eine große Aufgabe zu: den hohen künstlerischen Ruf des Chores zu wahren. Das ist ihm vollauf gelungen, und auch er konnte seinem Nachfolger im Amte, Professor Rüdel, eine glänzend geschulte Schar übergeben Professor Prüfer hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten * Ein Leiftiko« - Dentmal im Grünewald. Ein Denkmal für Walter Leistikow wird, wie uns telegraphisch gemeldet wird, im Grünewald zur Aufstellung gelangen. Freunde und Verehrer des verstorbenen Malers haben den notwendigen Betrag bereits gezeichnet und Professor August Gaul mit Entwurf und Ausführung betraut. Das Denkmal wird am Königssee seinen Platz erhalten und aus Muschelkalk gebildet sein. Geplant ist eine halb kreisförmige, mit Sitzbänken versehene Anlage von sieben Metern Länge. Eine Säule, die im Mittel punkt steht, zeigt das Reliefbild Leistikows. Die beiden Säulen, die den Halbkreis flankieren, werden mit Bronzeaufsätzen, Rehe darstellend, ge schmückt sein. * Aus der historischen Ausstellung deutscher Kunst der Zeit von 1650—1800, die gegenwärtig im Groß herzoglichen Rcjidcnzichloß in Darmstadt ver anstaltet ist, befinden sich auch drei Gemälde aus dem Museum der bildenden Künste in Leipzig, und zwar Bildnisse von Lisrewskn, Ismael Mengs und Anton Graff. Die Darleihung dieser Bilder ist einem besonderen Entgegenkommen des Rates der Stadt Leipzig zu verdanken, der die Ausstellung von Werken aus Museumsbesitz in ge wissen Fällen künftighin grundsätzlich nicht mehr ad lehnt. Es kann sich freilich nur um solche Werte han deln, die nicht zu den wertvollsten Stücken des Mu seums gehören, die jeder Besucher zu sehen wünscht, und deren Verleihung aus diesem Grunde als un möglich bezeichnet werden muß. * Bier bisher nnbclannte Briefe Friedrichs des Großen, die sich in privatem Besitz befinden, ver öffentlicht die „Gartenlaube". Die eben er scheinende Nummer 25 bringt einen einleitenden Artikel, in dem dir Bedeutung der Episteln ge würdigt wird. Dann folgt die Wiedergabe der vier Briefe, die an den Prinzen Heinrich, seinen Bruder, gerichtet sind. Otto Kolshorn, ein junger Historiker, begleitet die in Faksimile, Transskription und Ueberjetzung wiedcrgegebenen Schriftstücke mit einem Kommentar. Die kostbaren Dokumente stammen aus den letzten Jahrzehnten Friedrichs des Großen. Abgesehen von dem hohen persönlichen Interesse, das sie erwecken, werfen sie wertvolle Streiflichter auf die politische Lage zur Zeit ihrer Abfassung. Der große König spricht sich in der gewohnten rückhaltlosen Weise aus: er läßt seinckm ost bitteren Humor frei die Zügel schießen; er gibt aber auch seinem innersten menschlichen Fühlen, namentlich in dem letzten dieser Brief«, er greifenden Ausdruck.
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