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Amts- M Aizeiketlatt für den oi-rtelj. 1 M. 20 Pf. einschlicßl. wöchentlich drei Mal und zwar des .Jllustr. Unterhaltungsbl." V^l^l-NßZ-VUT Dienstag, Donnerstag u. Sonn, u. der Humor. Beilage »Seifen- r ' abend. Jnsertionspreis: die blasen" in der Expedition, bei L c 4« . klcinspaltige Zeile l0 Pf. Im unsern Boten sowie bei allen amtlichen Theile die gespaltene Reichspostanstalten. > k Zeile 2ö Ps. Verantwortlicher Redakteur, Drucker und Verleger: E. Hannebohn in Eibenstock. .... . .. , 45. Jahr««««. > - S8» Sonnabend, den 5. März L8S8. Von dem Königlichen Landstallamtc zu Moritzburg ist die diesjährige Stutrn- mustcrung und Fohlenscha« für das Zuchtgebiet Witdenfeks, auf den 7. Mai 1898, Vormittags 9 Uhr in Wildenfels und für das Zuchtgcbiet Schönfeld, auf den 9. Mai 1898, Vormittags 9 Uhr in Annaberg festgesetzt ivorden. Da eine Prämiirung damit nicht verbunden ist, so bedarf cs der vorherigen An meldung eines Fohlens zur Schau bei genanntem Landstallamte nicht. Die Herren Bürgermeister und Gemeindevorstände des Verwaltungsbezirks werden veranlaßt, die Pferdezüchter ihres Ortes von den angesetzten Stutenmusterungen und Fohlen schauen in geeigneter Weise dergestalt in Kenntnis, zu setzen, daß jeder Besitzer Nachricht erhält. Für alle nicht im Zuchtregister eingetragenen Stuten, sowie für eingetragene Stuten, sobald ihre nachzuwcisenden Producte im ersten oder zweiten Jahre bei den Fohlenschauen nicht vorgestellt werden, ist ein um 3 Mk. erhöhtes Deckgeld zu zahlen. Diejenigen Züchter also, deren Stuten nicht im Zuchtregister ausgenommen sind, die sich aber fernerweit das bisherige niedrigere Deckgeld von 0 Mk. sichern wollen, müssen ihre Stuten bei der nächsten Stutenmusterung zur Eintragung ins Zuchtregister vorstcllen und ihre Producte seiner Zeit im ersten oder zweiten Jahre zur Fohlenschau bringen. Schwarzenberg, am 2s. Februar 1898. Königliche AnttshauMliMljchlist. Arhr. v. Wirsing. Sch Das Scheitern der Berufung in Strafsachen. Die Reich«tag«verhandlungcn über die Anträge Rintelen und Lenzmann-Munckel zur Justiznovelle haben die Hoffnung fast gänzlich zerstört, daß noch in laufender Session eine Einigung zwischen Regierung und Volksvertretung hinsichtlich der Wieder- Einführung der Berufungs-Instanz in Strafsachen zu Stande kommen würde. Man wird da« um so mehr bedauern müssen, al« wenigsten« im Reichstage so gut wie völlige Uebereinstimm- ung über die Nothwcndigkeit der Berufung in Strafsachen besteht. Im Schooße der verbündeten Regierungen herrscht eine gleiche Einmüthigkcit hierüber allerdings nicht, doch sind auch die hier zu Tage getretenen Widerstände schließlich so weit überwunden worden, daß auch für die Regierungen jetzt nur noch die Moda litäten in Frage kommen, unter denen die Berufung in Straf sachen in« Werk zu setzen sei. Wa« diese Modalitäten anlangt, so ist bekanntlich die gefähr lichste Klippe, an der die geplante Reform zu scheitern droht, die Meinungsverschiedenheit über die Frage der Besetzung der Strafkammern. Zur Zeit entschieden dieselben in der Besetzung mit fünf Richtern. Bei der Justizreform vom Jahre 1879 wurde die«, wie anerkannt werden muß, allseitig hauptsächlich gerade mit Rücksicht auf den Wegfall der Berufung«instan; für unerläßlich gehalten. Man sagte sich, daß mangel« einer zweiten Instanz die denkbar größten Bürgschaften für einen sachgemäßen Richter- 'pruch in der allein verbleibenden einen Instanz geschaffen werden müßten. Wenn jetzt die Berufung wieder etngeführt werden soll, so wird man auch billigerweise die Schlußfolgerung, welche von ven verbündeten Regierungen gezogen wird, nicht an sich für unlogisch ansehen dürfen: die Schlußfolgerung nämlich, daß die für eine gute Rechtsprechung zu erfordernden Garanticcn durch die Wiederherstellung einer zweiten Instanz eine solche Verstärk ung erfahren, daß von der Fortdauer der Besetzung der Straf kammern mit fünf Richtern nunmehr wieder könne Abstand ge nommen werden. Anderseits wird man freilich auch, und noch weniger, den Standpunkt derer verwerfen können, die von den einmal vorhandenen Garantien für einen sachgemäßen Richter- ipruch auch nicht da« mindeste abbröckeln lassen und daher da» Fünsmänner-Collegium belbchalten und nicht durch ein Drei männer-Collegium ersetzt wissen wollen. Die Vorschläge de« Abg. Rintelen, die sich mit den Be- ichlüffen der vorjährigen Commission de« Reichstage« decken, laufen bekanntlich aus einen Kompromiß zwischen den beiderseitigen An schauungen hinaus: für die Verbrechen, abgesehen von den Rück- fallsverbrechen, soll in erster Instanz die Besetzung der Kammern mit fünf Richtern Platz greisen, und da» Gleiche soll in der zweiten Instanz geschehen, sosern e« sich um ein Vergehen handelt, da« in erster Instanz nur von einem Schöffengericht abgeurtheilt war. E» würde damit der Zustand wieder hergestellt werden, ivie er bi« zum Jahre 1879 in Preußen bestand, daß nämlich für die schwereren Fälle fünf, im Uebrigcn für die vielen leichte ren drei Richter zu entscheiden hatten. Neben der rein juristischen hat die Sache auch noch eine schwerwiegende finanzielle Seite, indem ein Fünfmännerkollcgium mehr kostet, al« ein Gericht, da« nur au« drei Richtern besteh». Herr Staal»sekretär Nieberding hat allerding« auf da» entschie denste bestritten, daß die finanzielle Seite für die verbündeten Regierungen der ausschlaggebende Faktor sei, und daran darf natürlich auch nicht gezweifelt werden. Aber im Volke wird man diese Empfindung nicht lo«. Herr Staatssekretär sagte, die Be denken der Regierung leiten sich au» Schwierigkeiten der Orga nisation her und er ließ sich nicht genau darüber au«, ob diese Bedenken auch bestehen bleiben, wenn ein Ausgleich auf Grund vc« obengekennzcichncten Rintelen'schen Anträge« versucht würde. . E« wäre außerordentlich bedauerlich, wenn e« auf dieser Grundlage zu einem Ausgleich nicht käme, wenn die verschiedenen Anläufe aus diesem Gebiet nicht endlich zu einem Erfolge führten. Gerade in dem vorliegenden Falle handelt e« sich doch nicht um Parteiforderungen und die Zahl der unerledigten Differenzpunkte ließe sich leicht um einen verringern, wenn die verbündeten Re gierungen auf den ihnen dargebotenen Vermiltelung«-Borschlag etngingen. Tagesgerichte. — Deutschland. Infolge der außergewöhnlich milden Witterung diese« Winter» ist die Eilgewinnung vielfach hinter dem Bedarf erheblich zurückgeblieben, und e» wird daher Ei« in größeren Mengen auch auf der Eisenbahn bezogen werden müssen. Bei der großen wirthschaftlichen Bedeutung einer au-giebigen Versorgung mit Ei« hat der preuß. Eisenbahnminister zur Er leichterung diese« Bezüge« genehmigt, daß für Ei« in vollen Wagenladungen bi« zum 1. Juni d. ein allgemeiner Ausnahme tarif für den ganzen Staatsbahnbereich zu den gleichen Sätzen eingefühlt wird, wie sie nach dem Ausnahmetarif für Wegebau materialien berechnet werden. Diese Maßnahme ist auch im Ver kehr mit anderen Bahnen durchzusührcn. Den Bundesregierungen mit Staatsbahnbesitz ist hiervon Mittheilung gemacht, die Eisen bahn-Kommissare sind ermächtigt worden, den ihrer Aufsicht unter stellten Privatbahnen die Genehmigung zur Einführung gleicher Tarifcrmäßigungen zu ertheilen. Für den Bereich der preuß. Staatseisenbahnen wird die Einführung de« Ausnahmetarif« als bald allgemein veranlaßt werden. — Die Aussichten der Flottcnvorlage berechnet die »Köln. VolkSztg.- wie folgt: »Wird die .Verständigung", die man bereit« al« feststehend behandelt, trotz der noch vorhandenen Schwierigkeiten erzielt, so gestalten sich die Au-fichten folgender maßen : gegen da« Gesetz stimmen 48 Sozialdemokraten, 20 Polen, 28 Mitglieder der Freisinnigen Volkspartei, 12 der Süddeutschen VolkSpartei, 9 Elsaß-Lothringer, etwa 8 Wilde, wahrscheinlich auch einige Mitglieder der Freisinnigen Vereinigung, vielleicht 4, und einige Antisemiten, vielleicht 3, zusammen 132. Dafür stimmen 57 konservative (vorausgesetzt, daß nicht einige Landwirth-bündler dagegen stimmen oder scrnbleiben), 25 Freikonservative, 49 Na- tionalliberale, 9 Antisemiten, 9 Mitglieder der freisinnigen Ber einigung, 14 Wilde, zusammen 163. An der Mehrheit würden dann noch 36 Stimmen fehlen; e« müßte also von dem 101 Mann starken Zentrum ein gute« Drittel für den Kompromiß eintreten, wenn er durchgehen soll." — Die »Berliner Correspondenz" meldet: Der Reichskanzler stellte betreff» der Trennung der Räume beim Verkauf von Butter und Margarine folgende Grundsätze auf: Die Ber- kaussstätten müssen derart getrennt sein, daß ein unauffällige« Hinüberschaffen und Herüberschaffen der Waarc während de« Ge schäftsbetriebe« verhindert, insbesondere die Möglichkeit, anstatt Butler und Butterschmalz unbemerkt Margarine oder Kunstspeisc- fctt zu verabreichen, thunlichst ausgeschlossen ist. Dabei ist jedoch nicht erforderlich, daß die Räume je einen besonderen Zugang für da« Publikum besitzen. Die Scheidewände müssen einen so dich ten Abschluß bilden, daß jeder unmittelbare Zusammenhang, ab gesehen von Durchgang»öffnungen, ausgeschlossen ist. Ausreichend sind abschließende Wände au« Brettern, Gla«, Cement oder Gips platten, nicht ausreichend dagegen Lattenverschläge, Vorhänge, weit maschige Gitterwändc und verstellbare Abschlußvorrichtungen. Bei offenen Verkaufsständen aus Märkten sind jedoch Einrichtungen letzterer Art zulässig. Die DurchgangLöffnungen in Len Scheide wänden sind in der Regel mit Thürverschluß zu versehen. In gleicher Weise sind auch die Geschäftsräume für Käse und Mar garine zu trennen. — Bi« Ende 1897 haben die deutschen Versicherungs- Anstalten au«gegeben für den Bau von Arbeiterwohnungcn rund 21'/, Mill. Mk., zur Befriedigung de« landwirthschastlichen Kredit-Bedürfnisse» rund 17'/, Mill. Mk., für den Bou von kranken- und Genesungsheimen^ Herbergen zur Hcimalh, Klein kinderschulen, für Krankenpfleger-, Spar- und Konsumvereine und ähnliche Wohlfahrt«einrichtungen rund 10'/, Mill. Mk. Die Belheiligung der einzelnen Versicherungsanstalten an der Förder ung solcher gemeinnütziger Zwecke war verschieden, am stärksten in der Provinz Sachsen, Hannover und in Württemberg, am schwächsten in der Provinz Posen und Schlesien. — Oesterreich-Ungarn. Prag,2.März. Der Land tag wurde heule Abend unter Hochrufen auf den Kaiser ge schlossen. Der Statthalter und der Oberstlandmarschall sprachen in den Schlußreden ihren Dank für die Mitwirkung der Abge ordneten bei den parlamentarischen Arbeiten au» und äußerten ihr Bedauern über den Austritt der deutschen Abgeordneten. Sie drückten die Hoffnung au«, daß bald ruhige Verhältnisse einlreten würden, welche die Vertreter beider Volk«stämme in nicht allzuferner Zett wieder im Landtag zu ersprießlichem ge meinsamen Zusammenwirken führen würden. Der Oberstland marschall betonte, er hoffe, daß unter den Deutschen allmählich die Erkenntniß Platz greifen werde, daß der Landtag allein der Ort sei, wo die Ordnung der nationalen Schwierigkeiten ermög licht werden könne. — Da« Prager Verbot de» Karben trag en« ist am Mitt woch aufgehoben worden. — Pest, 3. März. Ueber die Berathung unter Vorsitz de« Kaiser« wird gemeldet, daß, al« die Einberufung de« Reichs rat h« beschlossen wurde, Gautsch hervorhob, er hege Zweifel, ob der ReichSrath auch nur die Präsidentenwahl werde vornehmen können. — Bei solcher AktionSunsähizkeit de« Reich»rath» er scheint die Einberufung der Delegationen für Ende April pro blematisch, da im österreichischen ReichSrathe da« Zustandekommen der Wahl der Delegation höchst zweifelhaft ist. In diesem Falle erscheint eine Verfassunz«änderunz in Oesterreich chatsächlich un vermeidlich, keinesfalls würde diese in förderativer Richtung ge schehen. — Griechenland. Athen, 1. März. Der Mitschuldige Karditzi» ist ein Erdarbeiter au« dein nördlichen Makedonien, Namen« Johann Georgi« oder Kyriako«; er steht in dem glei chen Alter wie karditzi und scheint auf dessen Anregung gehan delt zu haben, karditzi gegenübergcstellt gestand Georgi», an dem Attentat theilgenommcn zu haben und durch Karditzi gleichsam hhpnotisirt zu sein; derselbe habe ihm vorgestellt, daß sie ein Werk, welche« großen Muth erheische, auszuführen im Begriff seien, da« sie beide berühmt machen werde; im letzten Augenblick sei er jedoch schwach geworden und habe die Pferde nicht treffen können, wodurch da« Attentat vereitelt worden sei. — Die Polizei hat die Spur von dem Reste der Bande gesunden. Locale und sächsische Nachrichten — Dresden. Daß Frauen bei Einkäufen in der Stadt ein Packctchen irgendwo vergessen, da« kommt wohl vor, daß aber eine Mutter ihr Kind vergessen kann, dürfte wohl zu den An nahmen gehören. Am kaiserpalast bestiegen am Dienstag 2 Frauen mit einem kleinen Knaben die Straßenbahn, um nach Striesen zu fahren. Plötzlich, al« schon eine Strecke zurückgelegi war, springt die eine der Frauen auf mit dem Rufe: „Herr- jemersch, ich habe ja meinen Jungen vergessen," und wollte ab springen, um ihren vergessenen Sprößling zu holen. Sie mußte aber wohl oder übel bi» zur nächsten Haltestelle mitfahren, wo sie dann schleunigst absprang, um ihr irgendwo in Gedanken stehen gelassene« Söhnchen zu suchen. — Zwickau, 2. März. Die Vorortgemeinde Wilkau hat eine Dampsfeucrspritze für 3900 Mk. beschafft, welche der Leistung von 2—3 Abprotzspritzen entspricht und 18 Ctr., mit Bemannung 26 Ctr., wiegt. — Plauen, 2. März. Wie dem .Bogll. Anz." au« Wurz bach (im reußischen Oberlande) gemeldet wird, sind gestern Nach mittag 5 Uhr auf dem herrschaftlichen Schieferbruche Ober-Wurzbach 9 Arbeiter durch Rutschen von Erde und Gesteinmassen verschüttet worden. Sämmtliche Verunglückte wurden nach mühevoller Arbeit al« Leichen hcrvorgezogen. Drei andere Arbeiter sind leicht verletzt. — Reichenbach. Der am 21. Oktober v. I. wegen Ver dacht» de« Gattenmordc« durch die Staat-anwaltschast zu Plauen in Untersuchungshaft eingezogene Schuhmacher Günther in Cunsdorf ist am Montag wieder entlassen worden und in seine Wohnung zurückgekehrt. — Aue, 2. März. Der Erzgebirg-turngau zählt zur Zeit in 38 Orten 4386 Mitglieder, darunter 2458 aktive. Al« Ort zur Abhaltung de« heurigen Gauturnfestc« ist Schönheide gewählt worden. — Meißen, 2. März. Bei zwei älteren, am Mühlweg wohnenden Leuten traf am Sonntag gegen Abend ein 10'/, Jahre alte« Mädchen hungrig und müde ein. E« war ein Enkelkind der alten Leute, welche« ohne Einwilligung der Eltern sich am Sonntag früh von einem Dorfe bei Freiberg au« auf den Weg gemacht hatte, um nach Meißen zu gehen und die Großeltern zu besuchen. Da« geistig sehr geweckte Mädchen hatte sich durch viele« Fragen den rechten und kürzesten Weg gewählt und war auch von guten Leuten zu Mittag gespeist worden. Da« Erstaunen der alten Leute über diese« kühne Unternehmen war natürlich nicht gering und e« blieb ihnen nicht« weiter übrig, al» an die Eltern, welche gewiß sehr beunruhigt waren, ein Telegramm ab zuschicken, daß sich die vermißte Tochter wohl und munter bei ihnen befinde. In Begleitung der Großmutter wurde da« Kind gestern zurückgebracht, soll aber von Ostern ab, da e« mit großer Liebe an den Großeltern hängt, dauernd hierher kommen. — Werdau, 2. März. Ein schrecklicher Unglücks fall hat sich gestern während de« Jahrmarktes hier ereignet. Die vier Kinder de« Fabrikarbeiter« W. befanden sich, wie ge-