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02-Abendausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 14.02.1905
- Titel
- 02-Abendausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1905-02-14
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19050214021
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1905021402
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1905021402
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1905
-
Monat
1905-02
- Tag 1905-02-14
-
Monat
1905-02
-
Jahr
1905
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Bezugs-Preis in der Hauptexpedition vder deren Au-qabe» slellen abgeholt: vierteljährlich 3.—, bet zweimaliger täglicher Zustellung in« Hau« 3.75. Durch die Post bezogen für Deutsch land u. Oesterreich vierteljährlich ^l 4.50, für die übrigen Länder laut ZritunqSprriSliste. Liefe Nnmmer kostet auf allen Bahnhöfen und III I bei den ZettungS-Brrkäufern I * sstedaktton un» Erpedtttoiu 453 Fernsprecher 222 Johannisgasse 8. Hau-t-Atltale Dresden: Marienstraßr 34 (Fernsprecher Amt 4 Nr. 1743). Hau-t-Atliale Berlin: CarlDuncker, Herzai.Vapr.Hosbuchbandlg„ Lüyowstraße 10 lFrrnsprecher Amt VI Nr. 4N0M. Nr. 82. Abend-Ausgabe. MpMer TagMM Ämtovlatt des Königs. Land- und des Äönlgl. Ämlsgerichtes Leipzig, des Mates «nd des Molizeiamtes der Ltadt Leipzig. -77,77^— ' -e: Dienstag den 14. Februar 1905. An zeigen-Preis die 6gespaltene Petitzeile 25 Familien- und Stellen-Anzeigen 20 ^f. Finanzielle Anzeigen, Geschäitsanzeigen unter Text oder an blonderer Stelle nach Tarif. Tie «gespaltene Reklamrzeile 75 Annahmrschlutz für Anzeigen: Abend-Ausgabe: ovrinittags lO Uhr. Morgen-Ausgabe: nachmittag- 4 Uhr. Anzeigen sind stets an die Expedition zu richten. Extra-Beilagen «nur mit der Morgrn- AuSgabe) nach besonderer Vereinbarung. Tie Erpedtttan ist wochentags ununterbrochen geöffnet von früh 8 bis abends 7 Uhr. Truck und Verlag von E. Polz in Leipzig «Inh. l)r. V.. R. L W. Kltukhardt'. W. Jahrgang. Var Mcdtigrle vom Lag«. * ASnlg Friedrich August ist heute nachiuittag um 2 Uhr LO Min. zu mehr« tägiger« rlusenthalt in Leipzig einge« troffen. (S. Son-evberrcht.) ' Der König hat Herrn Krcishauptmann Dr. von Ehrenstein zum Geheimen Nat mit dem Titel Exzellenz ernannt. * Die Reichsbank hat ihren Wechseldiskont auf 3>/, Proz. und den Lombardzinsfuß auf 4^/, Proz. er mäßigt. (Bgi. VolkSw. Teil.) * Die Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Hof findet heute statt. * Das Geschwader RoschdjestwenSkyS aus der Höhe von Mauritius signalisiert worden. (S. russ.-jap. Krieg.) König Irieärich August in Leipzig. tespzlg im Feftschmuck. Oie Mauerkrone mit frischem TannenreiS umwunden und festlich geschmückt in den bunten Farben des Reiches, des Staates und der Stadt, freudigen Blicke« und patriotischen Sinne» empfängt Lipsia den zum ersten Mal seit seiner Thronbesteigung in unserer Stadt als Herrscher deS Landes erscheinenden König Friedrich August. Als eine treu ge übte und bewährte Tradition der sächsischen Monarchen, eines Königs Albert, eines Königs Georg hat es gegolten, in den Februartagen in Leipzig zu weilen, den regsamen wissen- schaftlichen, technischen und kaufmännischen Geist der Stadt erneut zu beobachten und zu fühlen und freudige Huldigungen unserer Bevölkerung entgegenzunehmen. In solchem Sinne zieht auch König Friedrich August in unsere Mauern ein. Wie hat sich die Stadt ob dieses huldvollen Besuches auf das festlichste geschmückt, wie flattern die Fahnen und Wim pel in der frischen Winterluft von Giebeln, Zinnen, Türmen und Dächern, wie schlingen sich die frischgrünen Tannen- reiSgewinde in weiten Bogen an den Fassaden der alters grauen Häuser der Feststraße in der inneren Stadt ent lang! Dieses duftige Tannengrün im Reif und Schnee der Hauier, welch anmutender Gruß für den einziehenden König! Und dazu herrlicher, lachender Sonnenschein. Gleich- sam ernst und feierlich hat sich daS große Architektur viereck deS Marktplatzes mit dem ehrwürdigen alten Rat- Hause, diese Stätte der Huldigung für unseren König, in der Mitte herauSgeputzt; Haus für HauS ist in schöner Geschlos senheit der Tannenbehänge mit grünen Bogen überzogen und dazwischen schimmern die schwarzweißroten, die weißgrünen und blaugelben Farben der Flaggen und Velarien, während an der Ecke der PeterSstrahe, an Gustav Steckners Geschäftshaus«, wo das plastisch« Bild des König» zwischen Lorbeer und Pal men erscheint, große Velarien mit dem Löwenwappen sicht bar werden. So setzen sich herrliche Dekorationen durch alle Straßen fort, umkleiden das Hauptpostgebäude, beleben in prächtiger Farbenstimmung das Cafe Felschc, das Geschäftshaus F. A. Schütz, zieren die mit kostbaren Teppichbehängen bekleidete Fassade des Geschäfts hauses Wilh. Röper und erheben das Geschäftshaus Ang. Pölich mit seinen purpurnen, wappengeschmückten Velarien und seiner Königsdekoration zu stimmungsvollstem Eindruck. Am Brühl, dieser Zentrale des länderumspannenden Rauch warenhandels, wird das Fell des gewaltigen Eisbären, des schwarzen Bären, des Königstigers, Leoparden, Panthers, weiche Hermelinfelle und Fehwammen zur eigenartigen Zier der einzelnen Geschäftshäuser, von denen wieder einige, wie daS von Max Erler, Heinrich Lomer, G. Nauck, sowie ganze Reihen anderer Lagerhäuser, eine beson- ders glänzend« Ausstattung von feinem Bel-Werk erfahren haben. Und auS dem Schmuck der Fenster leuchten vielfach die Büsten oder die Bilder des König» heraus, meist um rahmt von bunter Drapierung und sinnigen Blumenarrange- mentS. An der nach dem Dresdner Bahnhof zu gelegenen Rückseite des „Hotel Stadt Rom" hat das Komitee der Internationalen Kochkunstausstellung, deren hoher Protektor König Friedrich August ist, die Strecke durch Masten und Girlanden geschmückt. Im Einklang mit diesem äußeren festlichen Gepräge der Stadt steht die srohbewegte Stimmung unserer Bevölkerung. Es geht ein Zug der Freude, ein Zug frohen Erwartens durch alle Kreise, die den verehrten ritterlichen Herrscher in unseren Mauern zu begrüßen sich anschicken. Die» alles fand nun seinen lautersten und herzlichsten Ausdruck beim Einzug de- Königs in unserer Stadt. Die Ankunft -er «önig». Um 2H Uhr lief der vom Königlichen Transportdirektor Herrn Bah mann geleitete königliche Sonderzug in die Halle des Dresdner Bahnhofes ein. Seine Majestät König Friedrich August entstieg elastischen Schrittes dem unmittelbar vor dem teppichbeleaten Gang -um Königs- zimmer haltenden Salonwagen. Begleitet war oer König von Allerhöchst Seinem Generaladjutanten General it In suite, Generalmajor vonAltrock, Flügrladjutanten Oberstleutnant von Schönberg, Oberstallmeister Generalleutnant ». D. von Haugk, Exzellen», Ober-Hofjägermeister Freiherr von dem Busfche-Stretthorst, E^ellen», Kämmerer Generalmajor von Eriegern und Staats minister von Metzsch. Auf dem Bahnsteig selbst sand großer Empfang statt. Ihm wohnten u. a. der Präsident deS Reichsgerichts Kaiser!. Wirkl. Geheimer Rat Dr. Gutbrod, Exzellenz, Kreishauptmann Dr. von Ehren st e»n, Wirkl. Geh. Rat Graf von Könneritz. Lossa, Bürgermeister Dr. Dittrich, an Stelle des Herrn Ober-Postdirektor» Domizlaff Herr Post rat Wich u r a. di« Herren Ober-R«ich»anwalt Dr. OlS - Hausen, Landgerichts-Präsident Schmidt, Oberstaats ¬ anwalt Oberjustizrat Böhme, Amtsgerichts-Präsident Siegel, Geh. Kirchenrat Pro- sessor D. Nirisch ei, Polizeidirektor Breis ch nerder, Amtshauptmann Heink, Kreissteuerrat Liebert, Vor stand der König!. Landeslotterie Oberfinanzrat SchUliN g, Geh. Kirchenrat Superintendent D. Pank, Superintendent D. Hartung, Bezirksschulinspektor Schulrat Dr. Müller, Bezirksschulinspektor Schulrat Dr. Zimmler, Stadtverordneten-Vizevorsteher Enke und Dr. Rothe, Eisenbahndirektor Weidner, Rektoren Dr. Kümmel, Dr. Jungmann, Dr. Gerth, Dr. Vogel und Dr. B ö sicher. An der Spitze der Militärs erschien der kommandierende General des XIX. s2. König!. Sachs.) Armeekorps General der Infanterie Graf Vitzthum von Eckstädt und m seiner Begleitung der Stadtkommandant Generalleutnant d'Elsa und die Generalmajore Franke, Kinder, Pfeil und Schmidt. Als Offizier vom Ehrendienst war Hauptmann Schroeter vom 7. Königs-Jnjanterie-Regi- ment Nr. 166 befehligt. Den ersten Gruß auf Leipziger Boden, den ersten Gruß der getreuen Stadt Leipzig entbot dem König Fräulein Elara Dittrich, die Tochter des Herrn Bürgermeisters Dr. Dittrich, mit dem innigen Wunsche, daß Gott Seine Majestät schützen und segnen möge. Erfreut nahm der König aus der Hand der Sprecherin emen prachtvollen Orchideen strauß mit der Stadtschleise entgegen. Vor dem Bahnhofsgebäude batte eine Ehrenkompagnie deS 7. Infanterie-Regiments Nr. 106 unter Hauptmann Wack- witz Ausstellung genommen, mit den höheren Stäben und dem Offiz,erkorvS der Garnison auf dem linken Flügel. Als König Friedrich August das Köniaszimmer verließ und die Front aoschritt, empfing ihn ein vieltausendstimmiges Hoch als begeisterte Kundgebung der hier versammelten Menge. Es pflanzte sich mit brausendem Schalle bei des Königs Einzugin Leipzig fort und sand lein Echo in den Straßen der Stadt. Und mitten hinein in diese jubelnde Kundgebung der Bevölkerung mischte sich der feierliche Gruß der Glocken von den Türmen der Stabt! Es war Sin er bebender Moment, zu sehen und zu empfinden, mit welch herzlicher Begeisterung die Stadt Leipzig dem bei ihr zu Gast kommenden Monarchen ein Willkommen bereitete, mit welch freudiger Bewegung sie den König empfing. Nachdem der König die Front der Ehrenkompagnie ab geschritten hatte, bestieg er die offene, L la vaumont be spannte^ von 4 Rappen gezogene Equipage, eskortiert von einer Eskadron der 18. Ulanen unter Führung des Ritt meisters Bob sie«. Der königlichen Equipage, in welcher neben dem König Staatsminisler v. Metz > ch Platz ge nommen halte, voraus ritt eine Abteilung berittener Schutzleute unter Polizeihauptmann Zehl, hinter ihr folgten W-.p :« mir den Her -en Äieishaupr- mann von Ehren st ein, Bürgermeister Dr. Ditt- r i ch und Pvlizcidlreklor B r e t s ch n e i d e r. Daran fcvlonen sich mehrere Hofequipagen^ ein Zug Ulanen und abermals eine Abteilung berittener Schutzleute. Unter den Klängen der Sachsenhpmne setzte sich dann der Zug in Bewegung und bog in den Gcorairing ein, überall empfangen von brausenden Hochs, die von den dichtgedrängten Ketten der Zuschauer weilergegeben wurden und nach allen Richtungen hin das Nahen des Königs verkündeten. Auf Sern Augustusplatz wurden dem König von den Leipziger Post- und Telegraphen beamten und Umerbeamlen vor dem reichgejchmückten Hauptpost gebäude eine begeisterte Huldigung darge- brachl. Vor der ganzen 00 Meter langen Front des Ge bäudes und aus der gegenüberliegenden Straßenseite in gleicher Ausdehnung halten geoen 1200 Beamte und Unter beamte in mehreren Gliedern hintereinander Ausstellung ge nommen. Ter Haupteingang zur Schalterhalle war von 12 Postillonen in Gala slantieri-, rechts und links batten sich zunächst die Direktoren der leipziger Post- und Telegraphen ämter, sowie die Beamten der Lberpojldireklion ausgestellt. An sie schlossen sich die übrigen Beamten und Unterbeamten, letztere durchweg in Uniform, an Bei Ankunft des Festzuges traten aus der Schalterhalle Herr Ober-Postdirektor Domizlaff, umgeben von den Räten und den beiden ältesten Direktoren, sowie die Töchter einiger höherer Be amten, Fräulein Steblist, Nigmann, Hänel, Jährig und Müller, an den Wagen Sr. Majestät heran. Fraulein Sieb list überreichte Sr. Majestät einen prachtvollen Blumenstrauß, nachdem sie folgendes Huldigungsgedicht vor getragen hatte: „Mein König ziehet ein!" so schallt eS allerwegen, Und Freudenrute dringen himmelwärts. Dein Leipzig sudelt froh Dir heut entgegen, Der Du im Flug gewannst des Volkes Herz. Da drängt es auch die Neichspost, die berufen, Vermittler Deines Worts dem Volk zu sein. Zu huldigen Dir gleichwie an Thrones Stufen Und unsre Herzen Dir aufs neu zu weihn. Wie Lieb' und Treu' wir Dir entgegentragen, Ter Blumen holde Sprache drückt es aus; Sie sollen, was uns heut' bewegt. Dir sagen: „Heil König Dirl Heil unserm Königshaus!" Hierauf ergriff Herr Ober-Postdirektor Domizlaff da» Wort zu folgender Huldigungsansprache: „Euere Majestät wollen an dem heutigen Tag« de» fest lichen Einzuges in die gewaltig aufstrebende Stadt des Handels und Verkehrs Leipzig auch uns Verkebrsbeamten allergnädigst vergönnen, dem geliebten Herrscher unsere Huldigung darzuoringen. Wer Euerer Majestät ins Auge geschaut hat, weiß, daß der König sein Volk glücklich machen wird. Wir Post- und Telearaphenbeamten und Unterbeamten des Bezirk» Leipzig wollen Eurer Majestät irr herzlicher Liebe und unerschütterlicher Treue dienen und bekräftigen dies Gelübde durch den Ruf: Euere Majestät, unser aller gnädigster König lebe hoch, hoch, hoch! Jubelnd stimmte da» gewaltige Heer der Barnten und Unterbeamten in warmer vaterländischer Begeisterung iu das Hoch «in. Darauf setzte sich der Zua wieder in Bewegung und fuhr über den AuäustuSplatz durch die Grimmatsche Straße nach dem Rathaus«. Der Empfang km Rathause. Noch einmal sollte unser beute im Festaewande pranaen- de» altehrwürdiges RathauS Zeuge eines bedeutsamen Aktes lein: der Huldigung derstadtischen Kollegien, der Vertreter der Leipziger Bürgerschaft, vor Sr. Majestät König Friedrich August. Brausende Zurufe verkün deten da» Nohen de» königlichen Wagens, dem der Fürst beim Eintreffen am Portal des Rathause» entstieg. Dort wurde der Koni« unter dem von vergoldeten Stangen getragenen Baldachin von den Herren Oberbürgermeister Justizrat Dr. Trvndlta und dem Stadtverordnetenvorsteher Rechts anwalt Dr. Iunck empfangen, di« ihn die mit Teppichen auS gelegte Treppe hinauf zur sog. „Diele" sder großen Vorhalle) im ersten Obergeschosse geleiteten. Sie hatte durch den reichen Schmuck von Fahnen. Standarten und Teppichen ein festliches Gepräge erhalten; Laubgirlanden schwangen sich von Pfeiler zu Pfeiler, auf den Kämmen standen kostbare Vasen, und als besonderes Schmuckstück war dem Eingänge gegenüber die Stadtsahne ausgehänat. Beim Betreten der Vorhalle, in der ein großer Teil der Ratsbeamten Ausstellung genommen hatte, wurde der König mit einem von Herrn Branddirektor Ban dau ausgebrachten Hoch empfangen, in das alle Anwesenden begeistert einstimmten. Noch in der Vorhalle erfolgte dann die Begrüßung des Königs durch drei Töchter von RatSmit- gliedern: Käthe Schanz, Elisabeth Wagier und Marga rethe Lampe, von denen die erstgenannte dem Könige mit einer kurzen poetischen Ansprache ein Veilchenbukett über reichte. Nach Entgegennahme des Buketts auS den Händen der Sprecherin begab sich Se. Majestät zur großen Rats- stube, dl« gleichfalls auf das reichste ausgestattet war und m der u. a. die Kostbarkeiten des Stadtschatzes Aufstellung ge funden hatten. Tie in der Ratsstube versammelten städt > - schen Kollegien begrüßten den Landesfürsten mit einem von Herrn Stadtrat Ludwig-Wolf ausgebrachten Hoch, worauf Herr Oberbürgermeister Justizrat Dr. Tröndlin die nachstehende Huldigungsansprache an Se. Moje- stät hielt: Allerdurchlauchtiqsier, großmächtigster König, Allrrgnädigsier König und Herri Der tausendstimmige Zuruf, mit dem Ew. Majestät bei Ihrem Einzuge in Unsere Stadt begrüßt worden sind, die wehenden Fahnen und der reiche Schmuck der Häuser, der, weil Ew. Majestät in hochherziger Weise den Wunsch ausgesprochen halten, daß die Stadtverwaltung von größeren Dekorationen absehen möge, der freien Entschließung der Bürgerschaft zu danken und deshalb besonders bedeutsam ist, tun laut und vernehmlich kund, mit wie inniger Freude Ew. Majestät in Leipzig willkommen geheißen werden, wie doch unsere Bürgerschaft die Ehre schätzt, Ew. Majestät ihre Huldigung darbringen zu dürfen. Nur zwei Jahre und wenige Monate sind vergangen seit dem Tage, an dem wir an derselben Stelle Ew. Majestät erlauchtem Herrn Vater, dem hochseligen König Georg, WillkommenSgruß und Huldigung darbringen konnten, aber diese kurze Spanne Zeit ist überreich gewesen an Sorge und Kummer wie für das erlauchte Königshaus so für das gesamte Sachsenland. Und als Se. Majestät König Georg der tückischen Krankheit erlag, in der Er sich heldenhaft bewährt hatte bis zum Trdc, senkte sich ncuc tiese BckümmeruiS «uj die Gemüter. Aber es wär die unwürdigste Trauer um den Ge schiedenen, die traurigste Ehrung, die einem Heimgegangenen erwiesen werden könnte, wenn sie darin bestehen sollte, daß sie den Ueberlebenden das Bewußtsein ihrer Pflicht verkümmerte, zu leben und zu wirken. AlS Ew. Majestät das Szepter ergriffen hatten und wahrhaft königliche Worte auf richtigen Vertrauens an Ihr Volk richteten, da lebte die Hoffnung auf, daß nun wieder glücklichere Tage für unser Sachjenland gekommen seien, da wandten sich Ew. Majestät die Herzen aller zu in freudigstem Dankgesühl. Beklagenswerte Ereignisse der jüngsten Vergangenheit haben aufs neue die alte Wahrheit bestätigt, daß es für die Herrscher und die Beherrschten kein höheres Gut, kein größeres Glück giebt, als das auf gegenseitiges Verstehen gegründete gegenseitige Vertrauen. Solches glückliches Verhältnis hat feit langen Zeiten im Sachsenlande bestanden zwischen Fürst und Volk. Wir kennen Ew. Majesiät lebhaften Wunsch, daß es auch in Zukunft so bleiben möge, und begrüßen deshalb Ew. Majesiät mit hoffnungsvoller Zuversicht. Ew. Majestät haben in unserer Stadt glückliche Jugendlahre verlebt und in dieser Zeit Leipzig lieb gewonnen. Ich darf als Vertreter Leipzigs mit stolzer Freude sagen, daß unsere Bürger schaft im Bewußtsein ihrer durch eigene Arbeit gewonnenen Kraft, in ihrer Rührigkeit und zugleich in ihrer Anhänglichkeit an das angestammte Fürstenhaus dieser Zuneigung wert ist. Im Namen der beiden städtischen Körperschaften und der ge samten Bürgerschaft Leipzigs gelobe ich, daß wir auch ferner in unwandelbarer Treue stehen werden zu Ew. Majestät, und bitte zugleich, auch ferner der Stadt Leipzig und ihren Bürgern die Königliche Huld erhalten zu wollen. Möge Ew. Majesiät Regierung lange, lange Jahre dauern und reich gesegnet sein! Auf die Ansprache des Oberbürgermeisters erwiderte S e. Majestat folgendes: Der heutige Tag bedeutet für mich einen wich tigen Abschnitt in meinem Leben. Zum ersten Mal, seitdem ich durch Gottes unersorschlichen Ratschluß die Regierung des Landes angetreten habe, ist cs mir vergönnt, eine wichtige Stadt des Landes außerhalb meiner Residenz zu besuchen. Es gereicht mir zur besonderen Freude und Ge nugtuung, daß gerade die Stadt Leipzig es ist, welcher mein erster Besuch gilt. Ihre Stadt, meine Herren, ist weit über die Grenzen unseres großen deutschen Vaterlandes hin aus rühmlich bekannt durch den tatkräftigen und zielbewußten, vor keinem Opfer zurückschreckenden Bürgersinn ihrer Be wohner, durch eine reichentwickeltc Industrie, weit ausge dehnten Handel und ausgiebige Pflege von Kunst und Wissen schaft. Mich als König und Landesherrn hat besonders die heute wieder in so reichem Maße bewiesene Liebe und An hänglichkeit des Volks gerührt und hoch erfreut. Ich habe eS auch heut« wieder gesehen, daß mein Bestreben, mit dem Volke in enge Fühlung zu treten, von diesem so wie ich eS wünsche aufgesaßt wird. ES verbinden mich schon alte Bande mit Leipzig, vor allem aus der Zeit, da ich al» Student längere Zeit hier weilte. Wenn glänzende Straßenschmückung aus meinen ausdrücklichen Wunsch heute unterblieben ist, um die insoweit ersparten Mittel den Armen und Notleidenden zuzu wenden, so habe ich auch dadurch bestätigt gesunden, daß der schönste Schmuck einer Stadt für einen Fürsten die Liebe seines Volkes ist. Ich gebe der frohen Hoffnung Ausdruck, daß ich inmitten meiner treuen Leipziger noch manche er hebende Festtage erleben werde. Hierauf wurde dem Landesherrn em Ebrentrunk in dem Becher kredenzt, den seinerzeit die städtischen Beamten Herrn Oberbürgermeister Dr. Tröndlin -um 25jährigen en Amtsjubiläum überreicht hatten. Nachdem der König seinen Namen in das goldene Buch der Stadt Leipzig eingetragen hatte, erfolgte die Vorstellung der Mitglieder des Nates und des Stadtverordnetenkollegiums. Beim Verlas en der großen Ratsstube brachte der Stadtverordnetenvorste wr Herr Dr. Iunck das Hoch auf den König aus, der, nach all« Seiten freundlichst grüßend, vom Herrn Oberbürgermeister und Herrn Stadtverordnelenvorsteher bis zum Nathausportal geleitet wurde. Sich herzlich verabschiedend, bestieg der König den Wagen, der sich dann in Bewegung setzte und unter dem Jubel der Bevölkerung seinen Weg durch die Katharinenstraße, den Brühl und die Goethestraße nach dem königlichen PalaiS nahm. vir fieerrcbau aer vumler. (Von unserm Spezialkorrespondenten.) Ein frostklarer Wintertag. Auf den Dächern liegt noch der Schnee; nur auf den Straßen und Plätzen sind die Spuren des gestrigen Schneetreibens schon dem rast los flutenden Verkehr der Riesenstadt gewichen. Er flutet heute besonders lebhaft, Lieser weltstädtische Riesen- verkehr. Zumal in der Nähe der Museumsinsel. Dort hat sich um die Mittagsstunde die künstlerische und die gesamte offizielle Welt von Reich, Staat und Kommune unter Dorantritt des Kaisers versammelt, um dem „Maler und Zeichner Adolf von Menzel", wie daS Wolffsche Bureau so unnachahmlich schön in der von ihm verbreiteten Todesnachricht sagte, das letzte Geleite zu geben. Um die nämliche Stunde aber drängen Hunderte und Aberhunderte geschäftig nach dem ZirkuS Busch, wo in alter Weise die Generalversammlung de» Bundes der Landwirte stattfindet. Wir sagen mit Vorbedacht: in alter Weisel Man konnte auf diese heurige Bundesheerschau in mehr al» einer Beziehung gespannt sein. Die neuen Verträge lagen ja nun vor, von denen Graf Bülow erklärt hatte: er hätte bei ihnen die Landwirtschaft „aus dem Gröbsten herausgehauen". Und dann hatte der Bun- der Land- wirte gerade in Len letzten Tagen mancherlei Anfechtung erfahren müssen. Im preußischen Abgeordnetenhause hatte der preußische Fincmzminister von Rheinbaben sehr nachdrücklich mit der hetzerischen Agitation deS Bundes der Landwirte abgerechnet; ein paar Tage darauf war der greise Abgeordnete von Kardorff, der bis vor gar nicht langer Zeit selbst dem Bunde angehört hatte, mit ungefähr denselben Worten dem beigetreten, und dann hatte noch Herr von Zedlitz und Neukirch in der Presse die gleichen Vorwürfe wiederholt. DaS waren alles An griffe von einer dem Bunde nicht so ganz fernstehenden Seite, und man konnte immerhin mit einiger Erwartung der weiteren Entwickelung der Dinge entgegensetzen. Würde der Bund, nachdem in den Handelsverträgen so mancherlei sür die Landwirtschaft geschehen, wirklich bei der Taktik des Schreiens und Wiederschreiens bleiben? Eine Teilantwort hatte freilich schon am letzten Sonn-- abend Graf Reventlow im Reichstage gegeben. Der Bund würde werter agitieren, „sachlich in derselben Schärfe, nur in einer bisher noch nicht dagewesenen Urbanität der Form". Das war freilich eine Auskunft von fast pythischer Unbestimmtheit. Deutlicher klang schon, was Herr Dr. Oertel am Sonntag in einem Fest artikel der „Deutschen TageSztg." erklärt hatte. Da ver sicherte er nut mehrfachem Aufwand von Fettdruck: „Wir bleiben die Alten", und die heutige Versammlung bs- wies, daß er die Psyche deS „engeren Vorstande-", der schließlich das treibende Moment dieser Mastenbewegung ist, besser kannte als Graf Reventlow, der als ehemaliger Sozialdemokrat sich vermutlich noch nicht ganz in den Zeltlagern des Bundes eingelebt hat. Sie sind die Alten geblieben, die Herren vom Bunde der Landwirte. Zunächst schon rein äußerlich. Wieder ist der Rundbau des Zirkus' bis an jene obersten Ränge, die der Volksmund „das Paradies" heißt, Licht gefüllt. Und wieder sieht man die kluge und eindrucks volle Mischung von Groß- und Kleinbesitz, von Zylinder hüten, die über kostbaren Gehpelzen aufblitzen, und breiten Schaubmützen, die nachdenkliche Bauerngesichter abschließen. Es ist auch die alte laute Begeisterung, die mit stürmischem Bravo jeden noch so bescheidenen Ditz begrüßt; die ihre herzhafte Freude hat, wenn einmal das Wort „Jude" fällt oder dem einen oder anderen Minister oder Staatssekretär eine mehr oder minder kleine Schnödigkeit nachgcsagt wird. Uebrigens muß zugcstanden werden: um ein paar Töne höflicher ist man diesmal doch. Wenigstens zu Anfang. Freiherr von Wangenheim, der als BundeSoater und erster Vor sitzender die Versammlung eröffnet, diplomatisiert. Er anerkennt, daß die neuen Handelsverträge doch wohl einen Vorteil sür die Landwirtschaft bedeuten, und be müht sich noch einigermaßen, behutsam die Angriffe der letzten Wochen zurückzuweisen. Schärfer wird schon Herr Dr. Rösicke, dessen Beredsamkeit immer einen Stich in daS Netzende hat, die umso unfreundlicher wirkt, al» sie nicht der Au-fluß eines überschäumenden Temperaments, sondern kalter Berechnung ist. Dann hat Herr Tiederich Ha^n, der in der vorigen Woche so unglücklich im Abgeordnetenhaus« gastiert hat, den
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