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01-Frühausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 13.10.1896
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1896-10-13
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-18961013019
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1896101301
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1896101301
- Sammlungen
- LDP: Zeitungen
- Saxonica
- Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1896
-
Monat
1896-10
- Tag 1896-10-13
-
Monat
1896-10
-
Jahr
1896
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A«-eigrnePr,iS die ö gespaltene Petitzeil« 80 lpsg. «oelam«, unt« de« «»dactstmIstNch (4ßM spalte») ovaj, „r den Aamiliennachrichk, (egejpaltru) 40-4« Grütze« Schriften laut unserem Pmi» imrzeichnitz. Tabellarischer npd Lissnnsotz nach höherem »ans. tzftra-Beilagen (gesülzt), »ar mit d«, MotatN-Ausgabe, ohne Gvstbesördeluag ^>l >0.—, mit Postbefärberuus tv.—. Tinnahmeschlut fSr Anzeige«: Nbrnd-Au»gabe: Bormittug» LV UhL Morgea-Au-gabe: NachmiUog» 4 Uh«. V«i den Filialen und Annahmestelle» t« et« halbe Stund« früher. Anzeigen sind stet» au di» Ghpehttte» zu richten. Druck und Verl-,- 'o Pol» tu LKpzlg 522. Dienstag den 1A. October 1896. SV. Jahrgang. Untaugliche Kriegsschiffe in Frankreich. I.. Kiel, 11. October. Die französischen Werften für den Ban von Kriegssabr- zeugen standen einst neben England auf der Höhe der KriegS- schisfsbaukunst. Frankreich war es, das vor ca. 40 Jahren das erste gepanzerte Schiff baute und damit den Nationen den Weg zu einem neuen Sckiffstyp wie». Auch das Problem des unterseeischen Torpedobootes erfreute sich in Frankreich mächtiger Förderung, und noch heute finden alle Neuerungen auf dem Gebiete de« Krieg-sckiffsbaue- in der Republik dankbare Ausnahme. Aber in Bezug auf die Entwickelung und Ausgestaltung der Typ», die Vervollkommnung und Ver besserung vorhandener SchiffSartcn ist Frankreich in den letzten Jahren weit zurückgeblieben. Die Technik deS Kriegs- schiffsbaueS hat keine Fortschritte gemacht, das beweisen die vielen verfehlten Bauten, welche in der französischen Kriegsmarine angetroffen werden. In der französischen Presse und im Publicum fragt man fick — und vielleicht nicht obneGrund —, ob die Schwarzseher nicht doch Recht haben, welche seit Jabr und Tag Angstrufe aus stoßen und bis zu der Behauptung gehen, die Flotte würde im Falle deö Bedarfs ganz und gar versagen. Man braucht nur an die Explosionen auf dem Panzerschiff „Jauröguiberry" und „Admiral Dupperr6" zu erinnern und sich gegenwärtig zu halten, daß im Frübjabr d. I. 10 größere Schiffe, von Torpedobooten ganz abgesehen, nach einander Havarie er litten, durch welche sie zum Theil auf lange Monate hinaus dienstunfähig gemacht wurden, und man wird zugeben müssen, daß manche verlaut gewordenen ungünstigen Stimmen doch nicht so ganz der Berechtigung entbehren. Scheut man sich, aus den stets aufs Neue vorkommendcn Havarien und Unglücks fällen Schlüsse aus den Zustand des SckisfSmaterials zu ziehen, so wirst doch die in auffälliger Weise zu Tage ge tretene Erscheinung, daß Vie meisten der neuen Schiffe sich bei ihrer ersten Indienststellung als vollständig verbaute Fahrzeuge zeigten, ein grelles Streiflicht. Hierüber einige Worte. Im Laufe dieses JahrcS ist von nicht weniger als neun neuen Kriegsschiffen berichtet, daß sie in der Bauaus führung mangelhaft sind und in kciuer Weite den Anforde rungen entsprechen. Zunächst ist es die Stabilität, welche, namentlich bei den Panzerschiffen, viel zu wünschen übrig läßt. „Magenta", „BrennuS", „Carnot" liegen sämmtlich zu tief im Wasser, so daß, um die vvrgeschriebene Wasserlinie zu halten, die Belastung auf Kosten des Panzersckutzes und der Armirung durch Entfernung von Dcckbauten rcducirt werden muß. „Magenta" besitzt dabei ein so geringes Kohlenfassungsvermvgen, daß es nicht einmal die Strecke Toulon-Gibraltar und zurück obne Ergänzung seines Kvhlen- vorratbS machen kann. Statt der bedungenen Fahrgeschwindigkeit von 12 Knoten hat es nur eine solche von 10 Knoten. „BrennuS", ein Schiff, das 26 Millionen Francs kostete, zeigte sich auf seiner Probefahrt so unsicher und unlcnksam, daß cs seines Oberbaues, seines Decks und eines großen TbeilS seiner Panzerung entledigt, also fast vollständig um gebaut werden muß. Auch hier ist der Kohlenvor'rath so ge ring, daß er nur für 5 bis 6 Tage auSreicht. Die Ueber- lastung beträgt 400 Tonnen, so daß nur ein Viertel des FeiiiHeton. von der kortk ^esMalies. Nachdruck oerkotm. 8. Wenn man den nördlich von Herford sich erbebenden Höbenzug überschreitet, bietet sich am Rande des KammeS ein Gebirgsbild, wie es im nordwestlichen Deutschland über raschender kaum gefunden werden dürfte. Es ist die West fälische Pforte, welche die sanfte Wellenlinie deS Weser gebirges plötzlich mit tief bis ans den Sockel einschneidender Scharte unterbricht. Es ist, als ob Titanenband diesen prallen Einschnitt mit der Axt oder dem Eckwerte auS- gehauen habe. Dieser Eindruck entbehrt auch insofern nickt der Begründung, als dieser GebirgSkamm ursprünglich ein Ganzes bildete, aber von der Weser, freilich nicht in einem einzigen Ansturm, sondern in vieltausendjabriger ErosionS- arbeil durchbrochen wurde. Bietet daher die Westfälische Pforte eine Merkwürdigkeit in geognostiscker Hinsicht, so nuumt sie andererseits als Mittelpunkt eines der denk würdigsten altbisto rischen Gebiete in Deutschland t.iS Interesse in Anspruch. Die beiden, die Westfälische Pforte bildenden Pfeiler sind links der 282 m Hobe WittekindSberg, recht- der 181 m Hobe Zacobsberg. Der Spiegel der Weser liegt hier 50 m über dem Meere. Der WittekindSberg führt seinen Namen daber, weil der berühmte Sacksenfürst auf seinem Gipfel eine Burg besaß. Das Vorhandensein einer uralten Capelle deutet außerdem darauf hin, daß der Berg auch eine alt germanische CultuSstättr gewesen ist. DaS am 18. October in Gegenwart deS Kaisers rinzuweibende Kaiser Wilhelm- Denkmal erhält also hier eine würdige Stelle. Halten wir von dem den WittekindSberg krönenden AuS- sichlStburm Umschau, so fällt unser Blick zunächst auf die beinahe 800 Fuß unter unS fließende Weser. Dieser Engpaß, durch den jetzt eine der verkehrsreichsten und zugleich ältesten dcntschen Eisenbahnen führt, nämlich die 1847 eröffnete Köln- Mindener Bahn, war seit den ältesten Zeiten eine stark be tretene Völkerstraße. Hier bewegten sich die Heersckaaren der Römer und der sie bekämpfenden Cherusker, Cbasuarier, Angrivarier rc., später die der Frauken und Sachsen. An der Weser hatten die Römer auch mehrere befestigte Standpunkte ieastra), obwohl dieselben nicht sehr bedeutend gewesen sein können. Die ganze Gegend von Detmold bi« Hameln und dem Steinbudcr Meer, sowie westlich bis nach Venne und Osnabrück ist mit Schlachtfeldern bedeckt, wie kaum eine zweite im deutschen Reick. Unser« Umschau wird unS die hauptsächlichsten vorführen. Blicken wie nach Norden, so bieten fich untz die Thünn, Heizmaterials cingeschifft werden kann. Ferner sind die Munitionsauszüge zu schwer, auch die Geschütze lasten zu wünschen übrig. Am traurigsten scheinen indessen die Verhältnisse auf dem „Carnot" zu liegen. Ueber dieses mit einem Aufwand von 27 Millionen Francs erbaute Schiff wurden während der Probefahrten die gläiizeuksten Beschreibungen veröffentlicht. Die Probefahrten ergaben aber ein trauriges Resultat; denn obgleich an Bord des SckiffeS noch rin Gewicht von 5—600 t an Menschen, Munition rc. fehlte, balle der „Carnot" feine Wasserlinie bereits überschritten und seine Panzerung, die 1,50 m über der Oberfläche des Wassers sein sollte, fand sich 1,50 m unterhalb derselben. Ob die scheinbar aus guter Quelle stammende Meldung, von den 600 Mann der Besatzung könnten nur 8l an Bord untergebracht werden, richtig ist, mag dabin gestellt bleiben, Tbatsachc ist jedenfalls, daß die Einrichtung ter Cabinen derart mangelhaft und den Regeln der Hygieine zuwiderlaufend ist, daß auch hier ein um fassender Umbau als nolbwendig anerkannt wurde. Um das Maß der Unznträglichkeiten zu füllen, ist nun vor kurzer Zeit das Feuer in die Röhren geschlagen und hat einen großen Tbeil von ihnen unbrauchbar gemacht. Aehnlich ist es mit den KüstenvertheidigungSschiffen „Reauin" und „Furieux" gegangen. Bei beiden muß eine Verminderung des Panzerschutzes und die Justallirung kleinerer Geschütze die Fehler deö Baues verdecken. Aber dies« zu schweren Schiffe haben auch ihr Gegenstück. Bei dem im vorigen Jahre vom Stapel gelaufenen Kreuzer II. Cl. „Pascal" stellt sich jetzt heraus, daß er einen zu geringen Tiefgang hat und daher mit Ballast beladen werden muß, um die projectirte Wasserlinie zu erreichen. Das Panzer schiff . BouvincS" hat nur über eine Geschwindigkeit von 10 Knoten zu verfügen und kann nicht von Toulon nach Brest laufen, ohne Kohlen einzunchmen. „DeScarteS", ein neuer Panzerkreuzer, wurde wegen ungenügender Stetigkeit von der Marineverwaltung zurückgewiesen, um ebenfalls umgebaut zu werden. Ebenso bat sich die Construction des Torpedo- DepolschiffcS „Fourdre", von welchem man sich so große Erfolge versprach, nicht bewährt; jetzt wird vey'ucht, da» Sckiff in einen Kreuzer umzuwandeln. Daß der französische Kriegsschiffsbau unter diesen Ver hältnissen an Ansehen dem Ausland gegenüber versiert, ist wohl erklärlich, mag die Schuld liegen, wo sie wolle, bei den Ingenieuren, die angeblich nicht Specialisten genug sind, oder in der stets wechselnden leitenden Marmebehorde. Schreitet Frankreich auf diesem abwärts führenden Wege weiter, so ist eS bald gezwungen, seine Kriegsschiffe bei denjenigen Mächten bauen zu lassen, welche bessere Resultate im Bau von modernen KriegSfahrzeugen aufzuweisen haben. Deutsches Reich. § Leipzig, 12. October. Der Staatskunst deS Grafen von Caprivi war es bekanntlich Vorbehalten, durch An ordnungen über die Vertheilung der polnischen Necruten den Keim zur Bildung polnischer Regimenter zu legen. Eine Cabi netS ordre vom Februar dieses Jahre» der alten Weserveste Minden (seit 1873 geschleift), wo Karl der Große im Anfang des 9. Jahrhunderts ein BiSthum gründete. Der Dom rührt in seinen ältesten Tbeilen all dem Ende deS 11. Jahrhunderts her. In der neueren Ge schichte ist die Stadt denkwürdig durch die Niederlage, welche die Franzosen unter dem Marschall ContadeS am 1. August 1759 durch die Hannoveraner unter dem Herzog Ferdinand von Braunschweig erlitten. Heber Minden hinaus verliert sich der Blick in der norkdeutscken Tiefebene. Nach Osten bietet fick dem Blick ein reichbewaldetcS Berg land, daS in der Pasckenbnrg bei Rinteln etwa 400 m aufsteigt. Pasckenburg heißt Osterburg (von Passah). Auf ihrem Gipfel wurden früher (jevrnfallS schon zur germanischen Zeit) die großen Osterfeuer abgebrannt. Seit 1842 befindet sich hier ein Gasthaus. Die Aussicht ist berühmt. Ein eben falls besuchter AuSsicktSpunct ist die etwas unterhalb gelegene Luhdener Klippe mit Thurm. Eine halbe Stunde oberhalb der Paschenburg liegt die Ruine der Schaumburg (Schauen burg), die Stammburg des Schaumburg-Lippeschen Fürsten hauses, im Anfang de- 11. Jahrhundert- durch den Grasen Adolf von Sander-leben erbaut. Unterhalb der Paschenburg an der Weser lag der Oompus Ickisiavious (fälschlich Ickwtavisus. Der Name ist nach Jakob Grimm deutsch und herzuleiten von itis, Jungfrau, Priesterin, auch Walküre, und bedeutet Wiese der Priesterinnen rc. Wie die Römer keltische Namen latinisirten, ttoibstnmagus, Lloguntikicuin rc., so auch germanische), in besten Nähe sich eine der nördlichsten und östlichsten Befestigungen der Römer in Germanien befand. Hier erlitt im Jahre 16 n. Ehr. der CberuSkersürst ArminiuS eine Niederlage durch Germanicu» und eine zweite am Steinhuder Meer, nachdem er schon im Jabr« vorder gegen diesen eine Schlacht in der Wesergegend verloren batte. ES waren die- aber sogenannte Pyrrhus siege, weil sie den Römern keinen Vortbeil brachten. Wenigsten würde dcr Zweck dieser mit großem Aufwand in- Werk gesetzten KriegSzüge: die Niederlage de« VaruS zu rächen und ihre Folgen zu verwischen, in keiner Weise erreicht. Die zuletzt erwähnte Schlackt (im Jabr» 15 n. Ehr.) fand höckstwahr- sckeinlick bei Venne nördlich von Osnabrück statt, wo vor Jahren eine Menge römiscker Goldmünzen, wie auch allerlei Waffenrest« gefunden wurden. Manche Historiker, darunter auch Mommsen, glaubten daher, daß an dieser Stelle die Varus schlacht stattgefunvrn habe. Die Wahrscheinlichkeit spricht aber dafür, daß hier GermanicuS kämpfte, da er von der Nordsee (der Ein- folgend) kam und nicht anzunebmen ist, daß Varu-, der sich auf die fälschliche Nackricht von dem Ausstand der Kalten südwärt- wandt« und nach erfolgtem Angriff de» Arminiu« seinen Rückzug über Aliso an der Lippe nach h.a«tia veter» am Niederrhein nehmen wollt», von den Germanen so w«it nordwestlich (die Entfernung beträgt 63 lcm) abgedrängt worden sei. Auch die neuerding« »n Habicht-wald bei Iburg südlich von Osnabrück aus nimmt erfreulicher Weise diesem echt caprivianischen Gewächs Lust und Sonne. Die „Berl. N. N." berichten nämlich: „Zwischen dem 5. und 6. ArmeecorpS, Posen und Schlesien, einerseits und dem 9. ArmeecorpS, welches Mecklenburg und Schleswig-Holstein umfaßt, anderer seits, findet ein Re ernte» au stau sch statt, und zwar in der Weise, daß in Schlesien und Posen ausgehobene Recruten, die ausschließlich oder vorwiegend polnisch sprechen, an Regi menter jener rein deutschen Landestheile überwiesen werden, während umgekehrt die gleiche Zahl Mecklenburger und Schleswig- Holsteiner nach Posen und Oberschlesien überwiesen werden. Der Austausch erfolgt aus Grund der KabinelSordre vom Februar 1896, die gleichzeitig einen umfassenden Austausch polnisch sprechender Necruten aus dem 17. ArmeecorpS (West preußen) vorsieht." Unsere Leser werden sich erinnern, daß wir seiner Zeit die entgegengesetzte Maßnahme deS Grafen von Caprivi, welche die Einstellung polnischer Recruten in Regimenter verfügte, die in den gemischtsprachigen Provinzen selbst garnisoniren, auf da« Lebhafteste bekämpft haben. * Berlin, 12. October. Ueber da» Schicksal der Vorlage, betreffend die Organisation de- Handwerks, im BundeSrath schreibt die „Post": „Es bat den Anschein, als ob Preußen auf die Unterstützung Bayerns wird rechnen können. Dagegen gilt es als absolut sicher, daß Württemberg unter allen Umständen auf seiner ablehnenden Stellung beharren wird. Daß aber Preußen, wenn es nicht noch aus erheblichen weiteren SuccurS zählen kann, selbst im Verein mit Bayern die Verantwortung für eine da- gesammle WirthschaitSleben deS Handwerkerstandes in so tief einschneidender Weise berührende Maßregel zu übernehmen bereit ist, gilt in BundeSrathSkreisen noch als zweifelhast. Vielmehr hält man es dort nicht sür ausgeschlossen, daß die Stellungnahme einer größeren An- zahl norddeutscher Regierungen gegen dt« Vorlage, die man preußischrrfeitS bisher wohl al» Freunde de» Ent- wurs« betrachte» hatte, nicht obne Einfluß bleibe., wird. E» gilt al- sicher, hast im PundeSratk von den Gegnern d»,r neuen V»rlag» der Vorschlag gemacht werden wird, dies« znrü.kzulegrn und dem Reichstag nochmals den ersten sog. Bötticher'scheu Entwurf zu unterbreiten, um an der Hand dieser Maßregel später in den Handwerkskammern sestzustellen, wie weit die Handwerker selbst für die Zwangsorganisation eintreten. Wie weit dieser Vorschlag inner halb der verbündeten Regierungen aus Unterstützung rechnen kann, bleibt abzuwarten. Erst di« Berathung deS Entwurf» im Plenum de- BundeSrath» wird im Stande sein, die Lage derartig zu klären, daß sich sein Schicksal wird ermessen lasten." Äa» die Haltung Bayern« anbetrifft, so erklärt die Münchener „Allg. Ztg", die von einem bayerischen Blatte gebrachte Nachricht, daß die bayerische StaatSregie- rung ihre Stimme gegen die preußischen Vorschläge ab geben werde, für vollkommen unrichtig. Die Entscheidung der Negierung könnte überhaupt noch nicht erfolgen, weil die gutachtlichen Erhebungen, von denen sie abhänge, noch nickt abgeschlossen wären. * Berlin, 12. Oktober. Der Gesammtvorstand und der geschäft-führende Ausschuß der „Deutschen Marine stiftung 1878" waren am 10. d. MtS. unter dem Vorsitz de« Gouverneur» de« JnvalidenbauseS, General» der Jn- gefundene römische Lagerstätte wird mit den Kämpfen deS GermanicuS im Zusammenhang stehen. Aber noch ein zweite« Schlachtfeld liegt hier im Weser- tbal, und zwar einige Kilometer oberhalb Oldendorf (also nach Hameln zu). E- ist da- Dachtelfeld, auch Todten- thal genannt, wo eine der blutigsten Schlachten zwischen den Franken und den Sachsen unter Wittekind a«Sgefockten wurde. Erstere blieben dabei im Nachtbeil und erhielten selbst die Dachteln, d. b. Hiebe, die sie auStbeilen wollten. Im Süden dehnt sich in einer Entfernung von 30 bis 35 km die lange Kette de- Teutoburger Walde- au». Genau in südlicher Richtung winkt von dem Gipfel der Grotenburg bei Detmold die Kolossalsigur des Armin mit hoch erhobenem Schwerte herüber, wie zum freudigen Will kommensgruß für da- Denkmal de- Imperator», der daS von Armin begonnene Werk: Die Befreiung und Erkebimg ve» Vaterlandes zum glorreichen Abschluß brachte. Doppelt ist es zu dielen» Willkommen-gruß berechtigt, denn hier ist seine enger« Heimath und zugleich der Schauplatz seiner größten Tbaten. Vom Gipfel der Grotenburg schaut man in die Schluckten hinab, wo nach der ursprünglichen und auch jetzt noch nicht widerlegte»» Annahme die Varusschlacht (zweiter Tag) gewütbet bat. Der Berg trug damals, wie die Ueberreste beweisen, eine Wallburg, dir von Localforschern, wie Hölzcr- mann und Ciostermeier, al- die Teutoburg, die Nationaiseste der CberuSker, erklärt wird, von welcher der von Tacilu» (Annalen I, 60) erwähnte 8altu, Teutodurgisnsls, und soniit auch der Teutoburger Wald, seinen Namen führt. Der Berg eignete sich durch seine isolirte, vom Hauptkamm deS Gebirge seitlich abgctrennte Lage vorzüglich dazu. Teutoburg bedeutet Volksburg, vom althochdeutschen cksot (ckiot) Volk, eine Wurzel, die auch in dem Namen de» nabe gelegenen Detmold wieder kehrt. Die Stadt beißt urkundlich Teotmalli, also von clvvt und dem altbochdeukschen maüal GerichtSstättt. Bei Detmold wurde im Jahre 783 auch Vie blutige Schlacht geschlagen, welch«, in Gemeinschaft mit der in demselben Jahre erfolgten Niederlage an der Haase im O-nabrückischen, den seit dem Jahre 718 mit Unterbrechungen geführten Kämpfen zwischen den Franken und Sachsen «in Ziel setzte und zur endgiltigrn Unterwerfung der letzteren führte. Die Zahl der Wallburgrn im Teutoburger Wald war sehr groß, ,a «« aiebt in ganz Deutschland keine Gegend, wo sie so häufig Vorkommen. Am besten erhalten ist die Wallburg auf dein Ton» berg bei Oerlinghausen. Der Nam« Tön»- berg ist kein ursprünalicher; er rührt vielmrbr von einer wahrscheinlich im 1». Jahrhundert innerhalb der Umwallung erbauten, dem heiligen Antoniu« geweihten WallfabrtScapelle her. Ein schöner Ringwall befindet sich auck auf der seit mehreren Jahren mit dem Drri-Kaiser-Tburm gekrönten Hünenburg bei Bielefeld. Auch ,m westlichen Tbeil de» fanterie v. Grolman, zu einer Sitzung zusammrngetreten, um ibcr die Schließung der Sammlung für die nothleidenden Hinterbliebonen der mit dem Kanonenboot „Iltis" in China Vcrunglückten und die Verwendung der «ingeganaenen Gelter, die sich zur Zeit aus nahezu 39 000 belaufen, Beschluß zu fassen Es wurde, der „Köln. Ztg." zufolge, mitgetbeilt, daß neben diesem Betrage unmittelbar bei dem Reicks- marineamt etwa 13 000 und ferner durch die Samm- nngen der Hamburger Packelfahrt - Actiengesellschaft etwa 26 000 cingegangen, und daß dies« Gelder der unter der Oberaufsicht des Chefs der Marineverwaltung wirkenden Stiftung „Frauengabe" in Berlin zur Verwendung für die „Iltis" Hinterbliebenen überwiesen seien. Da diese schon im Jabre 1859 errichtete, vom König bestätigte Stiftung die besondere Aufgabe hat, solchen Personen, die der königlichen Marine angeboren, oder deren Hinterbliebenen im Falle der Bedürftigkeit und Würdigkeit Unterstützungen zu gewähren, auck alle Anwesenden darin übereinstimmten, daß eine ein heitliche Vertheilung der Gelder unbedingt angestrebt werden müsse, und daß endlich die Stiftung „Frauengabe" wegen ihrer innigen Verbindung »nit der Marine am meisten im Stande sei, die vorhandenen Bedürfnisse sestzustellen und für ihre sachgemäße und gerechte Befriedigung zu sorgen, so wurde einstimmig beschlossen, die gesammelten Gelder der Stiftung „Frauengabe" zur Verwendung für die „Jlti-"- Hinterbliebenen zu überweisen und die von der „Deutschen Marinestiftung 1878" veranstaltete Sammlung mit Ente dieses Monat- zu schließe». * Berlin, 12. October. Der socialdemokratiscke Partei führer Liebknecht hat vor einiger Zeit sich dahin ausge sprochen, daß daS demokratische Princip bei der Social demokratie nur so lange Geltung haben werde, al» diese noch nicht die politische Macht besitzt. Sollte einmal der Socialistenstaat in- Leben getreten sein, so würde statt der Majorität die Autorität herrschen. DaS Lieb- knecht'scke Bekcnntniß findet nun auch in der sociald»'r.l'.k':atischen „Neuen Zeit" Bestätigung. Dort heißt eS: , ^Fül d.e Sdcial- demokratie sind demokratische ^'v7ichiu"zen mir Mittel ;»m Zweck, nicht Selbstzweck." 1 ' tritt die Soclatdemokratie für d.rs ein Aber Niemand wird behaupten können, daß die geheime Summ abgabe ohne Weiteres eine Forverungdes demokratischen PrincipS sei. Sie hat an sich nichts mit »hm zu thnn, sondern ist ein nothwendigeS Uebel, bedingt durch die öko nomische Abhängigkeit des einen TheileS der Wähler vom anderen, eine Schutzwehr der unabhängigen Stimm abgabe. In den Anfängen der Demokratie unbekannt, wird sie voraussichtlich eines Tage», weil überflüssig ge worden, wieder verschwinden." — Die Anbänger der Socialdemokratie können daraus ersehen, wie unsicher die „demokratischen Errungenschaften" bei der Socialdemokratie aufgehoben sind. Es ist nach Obigen Worten gar nich» daran zu zweifeln, daß die geheime Stimmabgabe sofort überflüssig »verteil und verschwinden würde, wenn dir Socialdemokratie an die Herrschaft gelangte, da dann die angebliche Vor bedingung, die „ökonomische Abhängigkeit", fehlen würde. Daß an Stelle dieser Abhängigkeit die sclavische Unterordnung unter das Regiment der „Genoffen" treten würde, ver schweigen natürlich die leitenden Socialtemokraten. Teutoburger Walde-, von dem wir bereit- oben sprachen, befinden sich Wallburgen, obwohl sie nicht so häufig sind al» im östlichen, der den strategisch wichtigsten Tbeil deS Landes gebildet haben muß. Bielefeld interessirt unS hauptsächlich wegen der über der Stadt thronenden gewaltigen Reste der Sparrenburg, die, zur Zeit Heinrich'» deS Löwen, also in der Mitte de- 12. Jahrhunderts erbaut, zuin Schutze oder vielmehr zur Sperrung (daher der Name Sparrenburg) des Engpasses bei Bielefeld diente und Veranlassung zur Gründung der Stadt gab. Der Name Bielefeld ist herzuleiten vom althochdeutschen dnkil (zusammrngezogen bil) Hügel, hier also der Burghügel. In der Mitte zwischen dem Teutoburger Wald und dem Wesergebirge befinden sich noch zwei Orte, die das histoi »sche Interesse in Anspruch nehmen, nämlich Herford und Enger Beide stehen nämlich in nächste» Beziehung zum alten Sachsenherzog Wittekind. In Herford soll derselbe im Jabre 789 ein weltliches Benedictiner-Nennenstift gegrünt-'! habe:», auS dem Kaiser Heinrich I. sich seine G mablin Mathilde (die Heilige) holte und das 1803 säcularisirt warte. Nach anderer Nachricht wäre die Gründung des Trift- erst unter Ludwig dem Frommen erfolgt. Herford ist auch bemerken- wertb wegen seiner schönen Kirchen, unter denen die romanncke Münsterkcrcke und die gothische Stif»«kircke (JvbanniStu-cke) Perlen der Baukunst genannt werden können. Enger gehört ji» den ältesten Orten im nordwestlichen Deutschland, obwohl «S jetzt ein dorfäbnliche« Aussehen bietet. Es war aber in alter Zeit viel bedeutender, denn eS war di« Hauptstadt der Angrivarirr, eine» der mächtigsten Stämme der Sachsen und wird demgemäß auch di« Residenz Wittekind'« gewesen sein. Wahrscheinlich wurde e» in bei» Sachsenkrieaen zerstört. Wittekind soll hier nach seiner Bekehrung die Pfarrkirche er baut haben (nach anderer Nachricht erfolgte der Bau erst zu Anfang de- 10. Jahrhundert»), die zu den merkwürdigsten deutschen Kirchenbauten gehört, denn der Glockenthurm steht, wie vielfach in Italien, abgesondert von der Kirche In der Apst» sieht man an der Wand einen Bebälter mit Glatwand, in welchem sich Reste der Gebeine Wittekind'- befinden. Die Kaiserin Mathilde (die Heilige) gründete hier ein Kloster, da- 1414 nach Herford verlegt wurde. So bietet denn der Ausblick vom Wittekind-bergr ein Gesammtbild, da» landschaftlich Wit geschichtlich in hoben» Grave anziehend wirkt und geeignet ist, jede» deutsche Herz mit erhebenden Gefühlen zu erfüllen, um so mehr, als dem Zeugen einer ruhmvollen Vergangenheit ein Denkmal der noch ruhmreicheren Gegenwart zugeffellt worden ist.
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