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02-Abendausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 08.05.1896
- Titel
- 02-Abendausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1896-05-08
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-18960508020
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1896050802
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1896050802
- Sammlungen
- LDP: Zeitungen
- Saxonica
- Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1896
-
Monat
1896-05
- Tag 1896-05-08
-
Monat
1896-05
-
Jahr
1896
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Vilclamen unter dem Redactionssirtch (4g»< spalten) 50^j, vor den Familiennachrichten )6 gespalten) 40 Größere Schriften laut unserem Preis- Verzeichnis. Tabellarischer und Ziffernsatz nach höherem Taris. Extra-Beilage» (gefalzt), nur mit der Morgen-Ausgabe, ohne Postbeförderung ^l 80.—, mit Postbrförderung 70.—. Ännalimeschluß für Äazei-en: Ab end-Ausgabe: Vormittag- 10 Uhr. Morg» n-Ausgabe: Nachmittags 4 Uhr. Bei den Filialen und Annahmestellen je eine halbe Stunde früher. Anzeigen sind stets an di» Expedition zu richten. Druck und Verlag von E. Polz in Leipzig 233. Freitag den 8. Mai 1896. 90. Jahrgang. Politische Tagesschau. * Leipzig, 8. Mai. Seltsam! Vorgestern, bei der Berathung der Margarine dorlage im Reichstage, wurde ver exorbitante, die Händler mit Margarine und die Verbraucher dieses Nahrungsmittels auf das Schwerste schädigende Commissions antrag, nicht nur die Herstellung, Aufbewahrung und Verpackung von Butter und Margarine, sondern auch das Feilhalten beider Waaren in ein- und dem selben Raume zu verbieten, vom Bundesraths- lifche aus so gut wie gar nicht bekämpft, und gestern, bei der dritten Beralbung des Gesetzes zur Bekämpfung des un lauteren Wettbewerbes, stemmte man sich am Bundesrathslische mit aller Macht gegen die Einführung einer General- clausel in den tz l. Dieser Paragraph, der den Kreis der Gegenstände und Verhältnisse umschreibt, auf welche die unwahre Neclame sich bezieht, genügt nach der Ueberzeugung der Mehrheit des Hauses nicht, um das Uebel wirksam zu bekämpfen; die Mehrheit verlangt daher die Einschiebung einer Generalclansel, durch welche die Aufzählung der zu treffenden Fälle nur als eine beispielsweise erscheint und daneben allgemein unwahre Angaben über „geschäftliche Ver hältnisse" unter Verbot und Schadenersatz gestellt werden können. Nun läßt sich ja gegen diese Einfügung einwenden, „geschäftliche Verhältnisse" seien ein zu unsicherer Begriff und in der Praxis werde eine formalistische Auffassung schwerlich den verwerflichen Wettbewerb vou der strebfamen redlichen Concurrenz sicher zu unterscheiden wissen. Aber wenn diese Einwendung begründet ist, so hätte man sich doch, da es sich um die Bekämpfung unlauteren Wettbewerbes in jedem Falle handelt, darum bemühen müssen, daß entweder die Aufzählung der zutreffenden Fälle ergänzt, oder daß an Stelle des unsicheren Begriffs „geschäftliche Verhältnisse" ein sicherer eingefügt werde. Wenn man beim Mar garinegesetz nichts dagegen hat, daß auch der legi time Verkauf und Verbrauch eines wichtigen Nahrungs mittels erschwert wird, so sollte und müßte man doch auch bestrebt sein, daß durch das Gesetz zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs diese Art von Erwerb in allen Fällen getroffen werde. Aber, wie gesagt, vom Bundes rathstische aus wurde auch gestern wieder die Streichung der Generalclauscl befürwortet. Da das Haus sie trotzdem annahm, so stehl man vor der Frage, ob der BundeSralh dem Gesetze mit der Generalclausel seine Zustimmung giebt, oder ob er es dieser Elausel wegen ablehnt, trotz seiner Conni- venz gegen die Gegner des legitimen Handels mit Margarine. Das Bürgerliche (Gesetzbuch wird vom Plenum des Reichstags nun doch erst im Herbst erledigt werden, obgleich die verbündeten Regierungen dem Scnivrenconvent durch den Präsidenten v. Buol den Wunsch hatten aussprechen lassen, das große Wert noch vor der Vertagung des Hauses erledigt zu sehen. Die Parteien wollen nicht einmal den Versuch machen, ob dieser Wunsch sich erfüllen lasse. Sie wollen vor der Vertagung sonst noch aufarbeiten, was irgend sich aufarbeilen läßt, aber die Ver tagung so weit hinauszuschieben, daß auch das Bürger liche Gesetzbuch zur Verabschiedung gelangen kann, so weit reicht der Arbeitseifer des hohen Hauses nicht. Nicht nur das Fleisch ist schwach, sondern auch der Wille. Ob Ver Letztere so weit reicht, wirklich vor der Vertagung noch die Zuckersteuernovelle, die Gewerbeordnung-Novelle, da« Margarinegesetz und das Börsengesetz durchzuberathen und die zweite Lesung der Iustiznovelle vorzunehmen, muß abgewartet werden. Großen Erwartungen wird man sich nach dem Beschluß des Seniorenconvents über das Bürger liche Gesetzbuch nicht hingeben dürfen. Einen schwachen Trost gewährt cs allenfalls, daß auch das Eenlrum sich geweigert hat, den auf dieses Werk bezüglichen Wunsch der Regierungen zu erfüllen, denn ärger hätten die übrigen „Freunde" des großen nationalen Werkes sich nicht bloßstellen und mehr das An sehen des Centrums in den Augen der verbündeten Negie rungen und des Volkes nickt heben können, als wenn sie sich weniger eifrig als die Ultramontanen gezeigt hätten, das Bürgerliche Gesetzbuch unter Dach und Fach zu bringen. Der „Allgemeinen Zta." zufolge bat die b aberische Regie rung neuerdings „mit Rücksicht" auf den dem BundeSratbe vorliegenden Entwurf einer Verordnung, betreffend die Einrichtung und den Betrieb von VuchSruckercien und Lchriftgießercie» Erhebungen über die einschlägigen Verhält nisse in diesen Gewerbezweigen gepflogen, „um ermessen zn können, inwieweit Vorschriften zur Beseitigung allensaüsiger Mißstände geboten erscheinen." Diese Melvung ist sehr er freulich, aber sie klingt insofern seltsam, als man daraus er fährt, daß die Regierung eines großen Bundesstaates in die Lage gekommen ist, über die Nothwendigkeit und Zweckmäßigkeit einer BundeSrathsverordnung Unter suchungen anzustellen, nachdem der Entwurf einer solchen bereits ausgearbeitet ist. Die Mittheilung des Münchner Blattes spricht zwar von „neuerdings" ange stellten Ermittelungen, aber es scheint nicht, als ob etwaige frühere Untersuchungen der bayerischen Negierung „mit Rück sicht" auf eine vom BundeSrath geplante Verordnung ge pflogen worden wären und dem fertigen.Entwurf mit zu Grunde lägen. UnS liegt Vie Absicht fern, der bayerischen Ne gierung Eomplu»m« z*- machen, aber der Entwurf enthalt, wie wir nachzewiesen haben, Vorschriften, di« in Vorschlag gebracht oder gebilligt zu haben, wir der socialpolitischen Besonnenheit der Münchener Bureaukratie nicht zutrauen möchten. Man hat eS also Wohl mit einem Elaborat zu thun, das eine Zusammenstellung des Wünschenswerthen bildet und erst nachträglich auf die Möglichkeit der An wendbarkeit geprüft werden soll Dieser Modus, Gesetze oder ihnen gleichwerthige Verordnungen auszuarbeiten, erregt immer mebr Bedenken. Man sagt ja wobl, daß formulirte Vorschläge die geeigneteste Unterlage für die Kritik und die praktische Gestaltung bieten, und wo ein völlig unbekanntes Gebiet betreten werden soll, wie es bei« spieteweise bei der Einrichtung der Invalidität«- und Alters versicherung der Fall war, zeigt sich auch kaum ein anderer Weg. Aber im Allgemeinen hat sich die Regel nicht bewährt. Unseren socialpolitischen Gesetzen und Verordnungen ist die Herkunft au« dem — Traum land häufig nur allzu deutlich anzumerken. E« empfiedlt sich darum, in Zukunft vom Realen ausgehend, nach dem Iveal zu streben, anstatt da« Ideal zu cvdificiren und es vann den Dingen, die sind, zu überlassen, sich, so gut es geht, mit ihm abzufinden. Dazu ist es aber nöthig, daß alle Einzelregierungen vor Beginn einer jeden Action mit eigenen Augen jehen und daß ihre Wahrnehmungen bereits bei der Gestaltung ver Entwürfe berücksichtigt werden. Der Entwurf der Verordnung für das Buchdruckergewerbe giebt reichlich Anlaß zu Betrachtungen dieser Art. In Ungarns Iabrtausendfeierist die doppelte Tbatsackc auf da« Imposanteste in die Erscheinung getreten ist, daß da« Stefanöreich keinem der westeuropäischen Reiche an Eultur- reife nachsteht und daß e« sein« staatliche Selbstständigkeit mit fester Hand unvermindert zu wahren verstanden bat. Die Rede, mit welcher Kaiser-König Franz Josef l. die MiUenniuinS-Au-stellung eröffnete, rntbält neben der Ver herrlichung der bürgerlichen Arbeit die wiederholte Be tonung der ungarischen Staatseinbeit und die Fest stellung, daß die ungarische Nation, so sehr die politffcke Parteistellung sie in verschiedene Lager tbeilen möge. Eins ist in der Bethätigung der Anhänglichkeit an Thron und Vaterland. Diese Aeußerungen de« Monarchen haben aus alle Parteien deS Laube« vorzüglichen Eindruck gemacht, und sie waren auch urdi et ordi zu verkünden be rufen , wie übertrieben und unstichbaltig di« von anti magyarischer Seite gemachten Ausstreuungen über unbeilbare Zerklüftungen innerhalb des politischen und gesellsckaftlicken Lebens in diesem Lande sind Nie ist die nationale Einheit und Einmütbigkeit der Ungarn unverkennbarer zum Ausdruck gelangt, als bei der tausendjährigen Gedenkfeier von heute. Es hat ja in Croaiien, Serbien und Rumänien nicht au feindlichen Demonstrationen gefehlt, aber sie waren vorausznsehen und entbehren jeglicher Bedeutung. Auch in Wien bat die „arisch nationale" Studentenschaft eine Agitation gegen die Feier in Scene gesetzt, doch hat sie weitere Kreise nicht zu ergreifen vermocht. Auch wir verkennen nickt, daß Ungarn aus dem Wege ist, die österreichische Neichshälsle an politischer Intelligenz und Energie zu überflügeln und die Führung an sich zu reißen, allein da« österreichische Deutschthum soll sich eben nicht überflügeln lasten, es soll sich regen, Thaten tbun und vor allen Dingen einig sein. Auch wir haben schon die mitunter in recht brutaler Weise sich geltend mackenveu Magyarisirung-tenvenzen wiederholt ^n die gebührenden Grenzen gewiesrü und werden auch in Zukunft rin wacksamr« Auge auf diejenigen Fälle baben, in weichen dem Drutschtbum thatsäcklick Gewalt angethan wird. Auf der andern Seite aber kann man nicht umhin, festzustellen, daß die meist in leidenschaftlichster Sprache vorgebrackten Klagen vielfach über trieben sind oder in einer Form zum Ausdruck gebracht werden, welche ihre Berücksichtigung höchst schwierig, wenn nicht, un möglich macht. Heller Unsinn aber ist e«, wenn die Wiener arische Stuvenlenschaft an die europäische Invasion der Ungarn vor — 1000 Jahren erinnert. Heute ist Oesterreich- Ungarn der mächtige Verbündete Deutschlands und Un garn, wo der Dreibundgedanke populär ist, wie kaum sonst wo, eine sehr feste und sehr zuverlässige Stütze dieses Friedens bundes. Daran wollen wir heute gedenken und uns dabei gleichzeitig des gewaltigen Geisteskampses erinnern, welchen der ungarische LibrraliSmu« siegreich gegen die Umsturzmächtr der schwarzen Internationale gekämpft hat. Dieser Sieg kommt auch uns zu Gute. Das Ergebniß der französischen Grmeinderaths- wahlen hat den verbündeten Radikalen und Social demokraten schwere Enttäuschungen gebracht. Im Ein zelnen fanden kleine Verschiebungen statt, im Großen und Ganzen bleibt das Verhältnis der Parteien, wie c« war. Für die linksextreme-' Richiungen ist dieses Facit ein ganz besonders demüihigendes, weil sie im Vorau- mit den Triumphen, die sie bei den Gemeinderathswahlen zu erringen gedachten, eine höchst aufdringliche Reclame getrieben hatten. Die werbende Kraft ihre« Programms ist auf Null herab gesunken. Offenbar hat der vom Zaune gebrochene Kampf der Umstürzler gegen den Senat wesentlich zu diesem Er gebniß veigetragen. Diese konservative Körperschaft wurde, indem sie den mutbwillig hingeworfenen Fehdehandschuh aufkob, zum psint ckv rallivmvut für alle positiven und ge mäßigten Politiker; an seinem Widerstande brach sich die Kraft deS Ansturms der Kammerrevolntionäre. Die General- räthe traten auf die Seite des Senats; die Ge- meinderatbSwäbler haben jetzt, indem sie die Hoffnungen der senat-feindlichen linksextremen Mandatswerber täuschten, indirekt dasselbe gethan. Den Umstürzlern bleibt nun als letzte Hoffnung nur der Wiederzusammentritt der Depu- tirtenkammer, sei es, daß sie das Cabinet mittels Ueber- rumpelung auS dem Sattel heben, sei eS, baß sie die Dinge bis zur Kammerauflöfung und Ausschreibung allgemeiner Wahlen treiben. Nun ist zwar das allgemeine Stimmrecht unberechen bar und steht nur zu häufig im Banne der Phrase; immer hin möchten sich bei den Kammerwahlen leicht genug die mit den Gemeinderatbswahlen gemachten Erfahrungen wieder holen, vorausgesetzt natürlich, daß, womit man in Frankreich immer rechnen muß, inzwischen nichts geschieht, was den beginnenden GesundungSproceß der öffentlichen Meinung neuer dings stören oder gar in sein Gegentheil Verkehren könnte. Vom Matabelcaufftand ist eS plötzlich ganz still geworden, nachdem englische Blätter wochenlang die Sache so dargestellt, al« sei nicht allein Rbodesia, sondern ganz Südafrika in Ge fahr, von den Nachkommen der Zulukaffern wieder erobert zu werden und der Eutlur verloren zu gehen. Jetzt, nach dem zur Bewältigung de« Aufstandes engliscke ReichS- truppen au- den Garnisonen Südafrika« Aufgeboten und an der Westgrenze der Südafrikanischen Republik entlang nordwärts dirigirt worden sind, und nachdem aus Eng land selbst Truppenverstärknugen die Fahrt nach Südafrika angetreten haben, stellt es sich ans einmal heraus, daß zur Bewältigung der ganzen Gefahr nicht einmal das staltgehabte Aufgebot localer und provinziellerFreiwilliger Südafrikas noth- wendig gewesen ist, welches sich jetzt schon in der Nähe Buluwayos befindet, sondern daß die in diesem Platze Eingeschlossenen selbst Manns Henug gewesen sind, „dem Aufstande das Rückgrat zu brechen". iLw drückte sich nämlich der neue englischeNeichscomm issar, Lord Grey, au-, al- er am vorigen Sonntag eine allgemeine Parade über die Bertheidiger Buluwayos abbielt. Die Mata- bele« waren aus der Umgebung des bisher angeblich so eng eingeschlossenen Platze« urplötzlich verschwunden, auf dem Wege nach Norden, wie es hieß, um irgendwo ein neues Reich zu gründen. Ebenso wurden sie bei Gwelo von dem in der unmittelbaren Nähe der Stadt von Norden her eingetroffenen C. Rhode« vergeblich gesucht; sie waren vor dessen Ankunft — geflohen. Daß unter solchen Umständen da« Mißtrauen der Regierung der Südafrikanischen Rcpublck gegen den „Matabele-Rummel" von Neuem rege wird, kann wahrlich nicht Wunder nehmen. Noch eben sollte es an der Nordarenze der Republik, namentlich im Matoppogebirge, von Matabele-Rebellen wimmeln, jetzt sind diese wie weg geweht und man muß sie mit der Laterne suchen; dagegen ziehen sich englische Streitkräfte in diesen Grenzgegenden zusammen, englische Neichstruppen sind eben dortbin unterwegs, und auf dem Meere schwimmen englische nach Südafrika gesandte Truppen. Werden sie gegen die Südafrikanische Republik in Action treten? Vorläufig wohl kaum, denn die schweren Niederlagen, welche die englische Politik sich eben in Trans vaal geholt bat, wollen erst verwunden sein. Auch würde man, führte man für di« nächste Zukunft etwas im > Schilde, den Matabeleaufstand nicht plötzlich abbe- Die Tochter des Millionärs. 7j Roman aus dem Englischen von L. Pern selb. (Nachdruck »erboten.) Ick diesem Gegenstände erkannte er bald einen kleinen Iagdwagen, vor den ein wohlgebauter kleiner Pony gespannt war, in dem Gefährt saß eine Dame. Victor dachte, daß dies vielleicht da« Fuhrwerk sein könnte, welches bestimmt wäre, ibn von der Bahn abzubolen, obgleich er sich durchaus nicht erklären konnte, wer die Dame sei, welche dasselbe lenkte. Mr«. Larcombr konnte dieselbe nicht sein, denn, wie Victor beim Näherkommen de« Wagen« bemerkte, war die Insassin desselben schlank, während Mr«. Larcombe eine Dame war, auf welche diese Bezeichnung nicht gepaßt haben würde. Die Annahme, daß seine Schwester Helene es sei, verwarf der junge Mann im nächsten Augen blick wiever, da er wußte, daß diese e« nicht liebte, die Zügel selbst in die Hand zu nehmen. Doch gleichviel, wer auch auf dem Wagen sein mochte, Victor wünschte, daß — besser spät als gar nicht — derselbe wirklich für ihn abgesendet sein möge, und beeilte seine Schrille, um in das Thal hinabzugelangen Ebe er den Fuß deS Hügel« erreicht hatte, war der Pony- wagen am Rand des WafferS angekommeN, der Pony, ein kleines, kräftige« Thier voller Muth und Kraft, welches vielleicht im Hyde-Park besser am Platz gewesen wäre, als hier auf den Gebirgswegen, hielt plötzlich an, es konnte den Anblick des leise rieselnden WafferS so dickt vor sich offenbar nicht vertragen, und versuchte, Kehrt zu machen. Doch die Dame auf dem Wagen wußte, was sie zu thun hatte. Sie berührte da« Pferdchen leicht mit der Peitsche und hand habte die Zügel so geschickt, daß sich der Pony nach kurzem Sträuben gknötbigt sah, seiner Führerin zu gehorchen und den Weg durch das Wasser einzuschlagen. Ganz einverstanden mit der Sache schien er jedoch nicht zu sein, denn er warf mißtrauisch seinen Kopf von einer Seite auf die andere. Die schöne Führerin hielt ihn fest im Zaume und durch schmeichelnde Worte und leise« Berühren mit der Peitsche war bereit« der halbe Weg durch da« Flüß chen zurtickgelcgt, als sich plötzlich etwa« ganz Unerwartete« ereignete. Eine schwarze Kuh mit spitze» Hörnern, welche beschaulich in einem Pfuhl ein wenig unterhalb der Furth gestanden batte, hob plötzlich den Kops in die Höhe und stieß ein unaussprechlich klägliche« „Muh-^U-^U" üu«. Das war zu viel für den munteren kleinen Pond, er scheute und sprang erschrocken seitwärts, und zwar Mit solcher Gewalt, daß da« linke Rad de- Wagens über einen der dort befindlichen Steine hinwegging, ick Fblge dessen schlug der Wagen um, und die Dame wurde in« Wasser geworfen. Viktor Grrville eilte, so schnell er vermochte, vorwärt« Und sprackg in da« seichte Wchier, um die Dame aus ihrer höchst unangenehmen Lage zu befreien. Doch noch «he et die selbe erreichen konnte, hatte sie sich bereit« Wieder üufgerichtet Und staNd vollständig durchnäßt in deckt Wasser, eine wahr haft bedauernswekthe Erscheinung. „Halten Sie den Pony an, sonst zerbricht der Wagen!" rief Vie junge Dame ihm zu. Da Viktor sah, daß sie Nur durchnäßt, aber unverletzt war, kant er der Weisung nach, und e« gelang ihm, Herr de« fich sträubenden Ponys zu werden Und denselben Mit saMMt dem leichten kleinen Wagen aus dem Wasser heraus sicher an das Ufer zu befördern, welche« die junge Dame in dieser Zeit ebenfalls erreicht hatte. Als Viktor sich jetzt seinem durchnäßten ris-it-ris zuwandte, sah er ein hübsches Gesicht mit sanften braunen Augen, und die junge Heldin dieses sonderbaren Abenteuer« btach in ein herzliches und natürliches Gelächter au«. Das Lacheck Wirkt« ansteckend, Viktor konnte sich nicht enthalten, einzustiiUMeck. Trotzdem die Lage de« jungen Mädchens gewiß keine be- neidenswerthe war, so halte sie dennoch weder ihren Muth Noch ihren Humor verloren, und Viktor sagte sich, daß tick Mädchen, welckes in einem solchen Augenblick lachen körnte, frei von aller Ziererei sein müsse. „Welch eine unpassende Einführung! Wa« Müssen Eie von mir denken, mein Herr! Anstatt Ihnen für Ihr« freund liche Hilfe zu dankeck, stehe ich hier und lach«! Da« war ein recht romantisches Ereigniß!" rief sik aus. „Ich habe ja nicht« gethan, wa« de« Dankes Werth wär«! Hätte ich nur zur rechten Zeit hier stick können! — Sls schienen de« Pony« so vollstänkig Herr zu sein, ich beobachtete ihren kleinen Kampf mit ihm, al« ich deck Weg herunter kam." „Dieser kleine Racker!" sagte sie, muthwillia ihre Hand, die ein vollständig durchnäßter Hackdsckuh umschloß, gegen den Missrthäter schüttelnd, welcher Mit der unschuldigsten Miene von der Welt ruhig dastand. „Ich glaubt« wirklich, ihn gebändigt zu haben, aber ach, diese Kuh — dies« schreck liche Kuh!" und bei der Erinnerung daran brach sie in ein erneute« Lachen aus. „Wir dürfen aber bei dem Lachen nicht vergessen, daß Sie, mein gnädiges Fräulein, vollständig durchnäßt find und mir geht es beinahe ebenso." — Viktor war in der Tbat bi« zu den Knien im Wasser gewesen. — „Sie werden sich aus den Tod erkälten, wenn Sie noch lange in diesen nassen Kleidern bleiben. Eilen Sie so schnell Wie Möglich nach einem der kleinen Häuschen, wo Sie gewiß Gelegenheit finden werden, Ihre Sachen zu trocknen. Da stekt bereits eine FrauAn der Thür, Vie Ihnen zuwittkt. Kommen Sie schnell, gnädiges Fräulein, ich sehe, Sie zittern bereits vor Kälte!" Victor führte den Pony am Zaum und beeilte seine Schritte so sehr als möglich, um seine Gefährtin, die in der Thal vor Frost zitterte, zu dem Häuschen zu geleiten, auf dessen Schwelle noch immer Vie Frau stand und ihnen zu winkte. Während sie dahinsckritten, betrachtete Victor ver stohlen das junge Mädchen von der Seite und er muß:« sich zugesiehen, daß dieselbe trotz ihrer augenblicklichen sehr unvor- theilhasten Toilette einen eigenen Reiz auf ihn ausübtr, dem er sich nicht entziehen konnte. Di« gastfreundliche HocklankSbäuerin, welche in dem bunten hatbtangett Rock, mit dem um den Kopf gewundenen Tuche und den nackten Füßen schmuck und sauber aussah, forderte die beiden Durchnäßten freundlich auf, in ihre kleine Hütte einzutreten und nachdem sie dafür gesorgt batte, daß Viktor aM Küchenfenster seine Kleider trocknen konnte, führte sie die junge Dame in einen inneren Raum de« Hauses, der zugleich als Wohn- und Schlafzimmer diente. „Vater" sei fort, erklärte die Bäckerin, aber die „Dirn", «ick rotbhaarigeS Mädchen von vielleicht vierzehn Jahren, sei da, dieselbe könne das Pferdchen draußen beaufsichtigen und di« naffeck Kissen de- Wagen« trocknen. Eine halbe Stunde spater saß Viktor, der seine Toilette, so gut «s ging, wieder hergestellt hatte, am Küchenfeuer und sah ket weiteren Entwickelung des drolligen kleinen Abenteuer« entgegen. Da wurde leise die Kücheckthür ein wenig geöffnet und hckf her Schwelle derselben erblickte Viktor plötzlich eine fremdartige, reiztnde Erscheinung. Da- iunge Märchen stand iagbaft und tief erröthend vor ihm, ihr braune-, schone- Häär war aufgelöst uckb fiel in schimmerken Wellen bi- über den Gürtel herab. Sie trug eine sckarlackrokbe Hausjacke, Welche ihr viel zu weit war, unter den weiten Äermetn der selben erblickte man den hübsch gerundeten Arm und die kleine zierliche Hand des jungen Mädchens, ein halblanger, buntgestreifter wollener Rock vervollständigte den Anzug, während untrr dem Saume de« Rockes ---- Viktor wagte kaum binzublicken —- zwei zarte weiße Füßchen hervorsahen. Die Kleine sah in diesem sonderbaren groben Anzuge so jung und einfach au« und dennoch so unaussprechlich süß, daß der junge Mann, der sich vou seinem Sitz erhoben hatte, sprachlos vor so viel Lieblichkeit stand. „Ist das nickt fürchterlich?" fragte Trixie — der Leser wird längst errathett haben, daß sie die Heldin des kleinen Abenteuers war — verlegen zur Erde blickend. „Nein e« ist entzückend!" antwortete Victor, seine Augen bewundernd auf sie richtend. „Ich mußte Sie nothwrndig sprechen, ich weiß mir keinen Rath", fuhr Ttixie fort, „es ist vorläufig keine Aussicht, daß meine Kleider trocknen, und ich kann doch nnmöglick die Nacht hier bleiben." „Wollen Sie nicht näher treten und hier am Feuer Platz nehmen, mein Fräulein?" sagte Victor bittend; diese kleinen zarten Füße über den dunklen Fußboden schreiten zu sehen, mußte reizend sein. „O nein", sagte Beatrix, sich schüchtern hinter der halb geöffneten Thür hallend, „hereinkommen kann ich nicht. Ick wollte nur sagen, daß ich eS für da« Beste hielte, wenn Sie die Güte hätten, mit dem Ponnwagen nach Hi^bmoor zn fahren und Mrs. Larcombe zu bitten, mir einige Kleider und einen Wagen hierher zu senden." „MrS. Larcombr? — Higbmoor?" wiederholte Victor, aufs Aeußerste erstaunt. Aber — wer — wer —" „Mer ich bin?" rief Trixie lachend. „O Sir Victor Grrville, so muß ick mich also selbst vorstellrn?!" „Sie kennen mich?" rief er au«. „Natürlich! Sie sind Sir Viktor Greville, der Bruder meiner theuren Helene Man wattrt ja seit einigen Tagen schon auf Nachricht von Ihnen!" „Aber ich habe doch geschrieben! Hat Mr«. Larcombe meinen Brief heute morgen nicht erkalten?" „Der Brief wird jedenfalls erst beute Abend rinttkfscn, wir baben des Morgen« keine Postbrförderung." „Aber ich habe auch telegraphirt!" „O, die Telegramme kommen auch immer erst mit der Post", lachte Trixie, „das ist hier im schönen Schottland nicht anker«." „Dann zeigt e« aber jedenfall« von großem Scharfsinn,
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