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Adorter Wochenblatt. Mittheilungen über örtliche und vaterländische Angelegenheiten. Siebenter Jahrgang. Preis für den Jahrgang bei Bestellung von der Post si Neugroschen, bei Beziehung bet Blattet durch Botengelegenhekt IS Ncugroschcn. - > . >"> . > i» 16. Erscheint ^ede Mittwoche. 20. April 1842. Rükblike auf die neuesten Ereig nisse in Baden. Das Grozherzogthum Baden mit seinem „bürger- freundlichen'.' Regenten wurde in den lezten zwanzig Jahren gewöhnlich mit genannt, ja häufig vor allen andern Ländern genannt, wenn von einem regsamen politischen Staatslebcn die Rede war. Denn nicht allein waren die besten Bolksdeputinen, welche Teutschland aufzuweisen hat, seitdem es in der Mehrzahl seiner Bestandtheile konstituzionelle Staats formen mit Volksvertretung erlangt hat, immer in den Badischen Kammern zu finden; sondern es gab auch die Regierung Gelegenheit, dem Lande den Ruf der Freisinnigkeit zu erhalten, gestattete das freie Wort der Presse und die freie Diskussion in der Kammer und liess das Volk, indem es dessen verfas- sungSmäsige Rechte achtete, zur politischen Mündig keit heranreifen. Anders ist dies in der neueren Zeit geworden. Denn nachdem das Volk herangercift ist, möchte nun die Regierung — ein Streben, was freilich nicht blos die Regierung in Baden, sondern in der neueren Zeit, gelinde gesagt, fast alle Negierungen kund geben — den erwachten Geist der Selbstständigkeit wieder däm pfen und zurükdrängen. Man baut Dämme auf, dass der ohnehin nur erst mäsig grose Strom der Volks rechte in seinem Laufe gehemmt werde, zwakt hier und zwakt da ein Achtelchen von den gern oder un gern gemachten Zugeständnissen ab und sucht auf die se Weise den alten Zustand der Dinge, den Znstand wieder herzustellen, wo die Völker nur Pflichten, nicht auch Rechte hatten und für Anhängsel der Für sten galten. Besonders thätig und regsam in diesem Punkte zeigt man sich in der neueren Zeit namentlich eben in Baden, und seitdem nach deS verdienstvollen Minister Winters Tode das Ministerium Blit» tersdorf die Zügel der Regierung in den Händen hält, hat die Kammer der Volksvertreter an jedem Landtage vom Grund und Boden der Volksrechte um jeden Fus breit Landes mit aller Kraftanstrcngung kämpfen müssen. Der lezte dieser Kämpfe galt, wie bekannt, der sogenannten „Urlaubsfrage", der eigentlich noch im mer nicht zu Ende geführt ist, da die Regierung den Knoten nicht gelös't, sondern nur zerhauen hat; der im Gegentheil jezt, wo eine neue Volkskammer ge schaffen werden soll, wenigstens in seinen Folgen erst recht wieder entbrannt ist und vielleicht noch mehr entbrennen wird. Allgemeine Verfassungsfragen, die, wenn fie auch zunächst nur den einen Staat berühren, doch nie ganz ohne Rükwirkung auf Staaten von gleicher Gattung bleiben, verdienen die Aufmerksamkeit aller Patrioten, ja Aller aus dem Volke. Möge daher der geneigte Leser, wie er ja schon öfter gethan, in eini gen Spalten dieses Blattes wieder einmal auf den politischen Kampfplaz uns begleiten, nicht, um an dem Kampfe selbst thätigen Antheil zu nehmen, son dern um den Kämpfenden zuzuschauen und um auS dem Kampfe den künftigen Sieg, überhaupt die im Werden begriffene Gestaltung der Dinge abzunehmen. Unser Rükblik soll übrigens nicht den ganzen Ur laubsstreit, der zwischen der Regierung und Volks kammer in Baden geführt worden ist, umfassen, son dern nur bis dahin reichen, wo gleichsam seine erste Periode schliesst, d. h. bis zu dem Manifeste vom 5. August vor. Jahr. Am lezten Landtage, der im Sommer 1841 g«.