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01-Frühausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 09.02.1905
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1905-02-09
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19050209014
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1905020901
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1905020901
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1905
-
Monat
1905-02
- Tag 1905-02-09
-
Monat
1905-02
-
Jahr
1905
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BezugS-PreiS in b« tzan-texpedttlon oder deren Ausgabe» stelle» abgeholt! vierteljährlich 3.—, bet zweimaliger täglicher Zustellung in» Haus >ll S.7K. Durch die Post bezogen für Deutsch, land u. Oesterreich vierteljährlich 4.50, für dir übrigen Länder laut ZeitunqSprriSltste. Diese Nummer »astet a»f alle» Bahnhöfen »nd III 1^ bet den ZettnngS-Berkäufern " D' Is Nedattian und Erveditto«: IKS Fernsprecher 222 JohanniSgassr 8. Hantzt-Filtole Dresdner Marirnstraße 34 (Fernsprecher Amt I Nr. 1718). Haustt-Ailtale Berlin: CarlDuucker, Herza l.Bayr.Hofbuchhanblg^ Lützowstraße 10 (Fernsprecher Amt VI Nr. 4608). Nr. 72. Morgen-Ausgabe. WpMr Tllgcblall Amtsvlatt des Königs. Land- «nd des H'o'nigt. Amtsgerichtes Leipzig, des Rates und des Rotizeiamtes der Stadt Leipzig. Donnerstag den 9. Februar 1905. An zeigen-Preis die 6gespaltcne Petitzeile 25 Familien- und Stellen-Anzeigen 20 Finanzielle Anzeigen, Geschästsanzrigen unter Text oder an bewnderer Stell« nach Tarif. Die »gespaltene Reklamezeile 75^. Annahmeschlutz für Anzeigen: Abend-Ausgabe: vormittag» 10 Uhr. Morgen-Ausgabe: nachmittag» 4 Uhr. Anzeigen sind stet» an die Expedition zu richten. Extra-Beilagen (nur mit der Morgen- Ausgabe) nach besonderer Vereinbarung. Die Expedition tst Wochentag» ununterbrochen geöffnet von früh 8 bis abends 7 Uhr. Druck und Verlag von E. Poft in Leipzig (Inh. Or. V., R. ch W. KltnkhardU. SS. Jahrgang. Var WHligrte vom Lage. * Im Auftrage deS K-ntgS van Sachse« hat sich Justiz rat Dr. Körner nach Florenz begeben, um die Interessen de» königlichen Hauses an der Prinzessin Anna Monika Pia wahrzunehmen. Die Gräfin Montignosa hat neuerdings Beziehnnge« angeknüpft, die daS Verbleiben der Prinzessin bei ihr untunlich erscheinen lassen. (S. Dtsch. Reich.) . * DaS preußische Abgeordnetenhaus genehmigte gestern endgültig in dritter Lesung mit 244 gegen 146 Stimmen die Kanalvorlage. (S. Bericht.) * Der Kaiser empfing gestern mittag in Gegenwart des Kolonialdirektors Dr. St übel den apostolischen Vikar in Kamerun, Bischof Bieter. * Fürst Ferdinand von Bulgarien ist gestern nach mittag in Berlin eingetroffen. (S. Dtsch. Rch.) * Im belgischen Mittelbecken nimmt der Bergarbeiter- Ausstand ru; von 22000 Arbeitern feiern 12000. Im Becken von Charleroi stieg die Zahl der Ausständigen auf 25 000. * Nach der neueste« Petersburger Meldung wird Gorki nicht freigelasseu, sonder» wegen aufrührerischer Reden verurteilt werde«. * Der „Daikis Chronicle" meldet aus Petersburg, daß ein Sonderkurier an Kuropatkin gesandt, Bestellungen auf Kriegsschiffe und Armeevorräte annulliert und der Befehl rur Mobilisierung eines weiteren Armee korps rückgängig gemacht worden feien. Vie Agitation gegen aen siongo-frrirtaat. Don einem alten Afrikaner, den ein Mveiundzwanzig- jähriger Aufenthalt am Kongo mit allen an der K on g o- Akte beteiligten Mächten zusammengeführt hat, empfangen wir üic folgenden zeitgemäßen Auslassungen über die Frage einer Agitation gegen den Kongo-Staat: Im Ausland, und besonders bei den Vertretern süd licher Nationen, Die jedenfalls aus Erfahrung sprechen, ist die allerdings drastische Behauptung verbreitet, daß sich die Engländer immer in ein Bett legen, welches durch andere zurecht gemacht wurde. Und wirklich weist die Weltgeschichte wenig Punkte außerhalb Europas auf, die sich vom Urzustände aus durch englischen Unter- nehmungsgeist entwickelt haben. Wo aber ein zurecht gemachtes, goldhaltiges Land, ein strategisch wichtiger Punkt oder ein sonstiges Expansions-Ideal einer anderen, schwächeren Nation sich bietet, da zeigt Old England die Zähne, und alle Mittel dienen dem Zweck, das Gewünschte englisch zu machen. Es ist die Geschichte des Kuckucks und seiner Gewohnheit, die Eier in ein fremdes Nest zu legen. Für den unparteiischen, der Politik fern stehenden Beobachter ist nun kein Zweifel, daß die neueste englische Agitation gegen den Freien Kongo - Staat von denselben Motiven goleitet ist. TaS kleine Belgien und seine Bewohner, die im Auslände auch unter dem Namen „die Bienen des Nordens" bekannt sind, haben am Kongo auf kolonialem Gebiet Großartiges gewirkt. Dor der Okkupation des Kongos durch die europäischen Mächte lebte man drüben frei, ohne Zölle, ohne gezwungene administrative Vorschriften, und die Regierungen, vor allem das junge, kleine Belgien als koloniale Macht, waren jedem ein Dorn im Auge. Kein Wunder, daß man schon damals an allem Möglichen herumnörgelte, in allem Geister sah, und der „Humanität" ein Opfer zu bringen glaubte, wenn tüchtig gegen ein Eingreifen deS Staates den Negern gegenüber protestiert wurde. Aber unbeirrt verfolgte jener seinen Weg. Großartige Anlagen wurden geschaffen, wovon nur die Wunder- cisenbahn zwischen Matadi und Kinschassa erwähnt sei, eine geregelte Administration folgte, die Kataster» angelegenheiten wurden in tadelloser Weise geordnet, ein jeder, ohne Unterschied der sozialen Stellung, wußte, woran er sich zu halten hatte. Es wurde ein einheit liche-, gediegenes System geschaffen, welches den übrigen Kongo-Nationen als lehrreiches Beispiel dienen konnte. Gerade der Reisende fühlt bei seinen schwierigen Märschen heute den Segen des Druckes der Regierung auf die Neger. Denn es ist ein großer Unterschied, ob man im französischen, portugiesischen oder im belgischen Kongo reist. Während in den beiden erstgenannten Distrikten von Wegen überhaupt keine Rede ist, durch zieht man den belgischen Teil auf wenigstens 4 Meter breiten Straßen, ein Vorteil, den wir nur der energischen Eingeborcnenpolitik der Regierung ver- danken. Der Neger ist im Urzustand über alle Maßen indolent und passiv, und er haßt nichts mehr, als gute Worte von den Weißen zu empfangen. Er betrachtet Wohlwollen als Betrug, denn wo ein Mensch das Recht hat, zu verlangen, da braucht er nach den ethno logischen Anschauungen Afrikas nicht zu bitten. So besteht auch in der Ursprache des Negers das Wort „Dank" nicht, « sagt sich: Wenn mir einer etwas gibt, so habe ich es auch verdient, und brauche dafür nicht zu danken. Es folgt daraus, daß bei öffentlichen Institu- tionen und Projekten, woran sich ein jeder Einwohner beteiligen muß, gute Worte nichts Helsen, sondern ein Druck die Leute zur Ordnung rufen muß. Da kommt cs allerdings vor, daß ein einzelner Beamter des Staates diesen „Druck" zu stark ausllbt; doch dafür darf entschieden nicht die Regierung verantwortlich ge macht werden. Bei allen englischen Schreiereien kvird man sich wohl hüten, zu behaupten, daß Ueberschrei- tungen höheren Ortes befohlen wurden, oder daß dort -der gute Wille gefehlt habe, die Schuldigen zu be strafen. Die sowohl im französischen, portugiesischen und im belgischen Teil geschehenen Ucbergriffe einz^ner Beamten kann man übergehen, denn davon ist auch nicht eine koloniale Macht freizusprechen. Die Konzessions- läge ist im französischen Kongo viel lästiger als im belgischen Teil, und neuerdings versprechen die Portu giesen, die kommerziellen Konzessionen zu eröffnen. Auch darin liegt die Unzufriedenheit Englands dem nach nicht begründet. Während im französischen und portugiesischen Kongo die tollsten Extrazölle er hoben werden, und besonders bei den Portugiesen ein unerhörter Paßzwang für Weiße und Schwarze be- steht, vereinfacht der Kongo-Staat die Derkehrsfreiheit und hindert die freie Bewegung nicht durch kleinliche Abgaben oder Paßzwang. Es würde zu weit führen, wollte man die Bilanz, welche ausschließlich zu Gunsten Belgiens ausfallen würde, zu Ende ziehen. Jede Handelsfirma, die auch mit anderen Nationen am Kongo arbeiten muß, wird mit der größten Anerkennung für die gediegene administrative Organisation des Kongo-Freistaates nicht zurückhalten. Und auf mili- tä rischem Gebiete muß es die größte Bewunderung Hervorrufen, daß bis jetzt einige tapfere Offiziere und eine Handvoll mutiger Leute, ohne General st ab und ein Millionen verschlingendes militärisches Auf gebot, selbst in den abgelegensten Teilen Afrikas, unter Kannibalen, einen jeden Aufruhr mit energischer Gewalt nisderschlugen. Und wenn wir Deutsche bedenken, daß wir niemals einen ergcbcneren, honnetteren, klein- lichen Grenzstreitigkeiten so sehr abgeneigten Nachbar bekommen, wenn wir wissen, daß auch unsere Handels- beziehungen zum belgischen Kongo wett die englischen übertreffen, so ist es Sache der Vernunft und im Interesse des Vaterlandes, die englischen Intrigen wenigstens zu bezweifeln. Im übrigen könnte, da durch englische Goldsucher, die nach dem freien Kongo-Staat ausgesandt wurden, in unmittelbarer Nähe der englischen Interessensphäre das Vorhandensein edler Metalle konstatiert worden ist, auch hier wieder das für England pattntierte Zauberwort „Gold" im Spiele sein. Vie sinrir in sturrlanä. Von einen» Besuch der Kaiserin von Butzland in Berlin weiß die „Neue Ges.-Korr." im Anschluß an die Ansprache des russischen Bevollmächtigten Obersten v. Schebekow im Kasino des 2. Garde-Dragoner-Regiments zu berichten. Herr v. Schebekow sagte in seiner Rede, er sei beauftragt, dem Regiment die Grüße der Kaiserin zu übermitteln und gleich zeitig in ihrem Auftrage zu sagen, die Kaiserin hoffe be stimmt, noch in diesem Frühjahr Gelegenheit zu haben, im Kreise ihres OsfizierkorpS in Berlin zu verweilen. Verhaftung eine» Reichsdeutschen. Der in Petersburg sehr bekannte Kaufmann Friedrich Hoch, deutscher Reichsangehöriger und Mecklenburger von Geburt, ist vor einigen Tagen verhaftet worden. Die Festnahme geschah des Nachts, nähere Gründe dafür sind nicht bekannt, sie dürften, nach dem „L.-A." politischer Natur sein. Ver Mörder de» j)rskurat»r» Ishnsfen. Die „Stockholm- Tiding" meldet aus Helsingfors: Hohenthal, der das Attentat auf den SenatSprokürator Äohnfson verübte, ist der Sohn des ProbsteS Höhen thal in Nyrala in Oesterbotten. Es heißt, man habe bei Hohenthal Gift gefunden, daS er jedoch nicht nehmen konnte, weil er verwundet wurde. Der Schuß, der Hohen thal verwundete, soll von einem Geheimpolizisten ab gefeuert worden sein, der in der Wohnung stationiert war und über die Sicherheit IohnffonS zu wachen hatte. Es war nämlich schon früher ein Anschlag auf Iohnffon verübt worden. Vie russische Verwaltung Flnland». Wahrend der Periode von 1898 b»S 1900 erhöhten sich die jährlichen Ausgaben der finländischen Ver waltung um 1 455000 von 1901 bi- 1904 um 3 235 000 "4k Für die Verwaltung aller« erhöhten sich die Ausgaben im ersten Zeiträume um 205 000 im zweiten um 728 000 -4k Der Gouverneur bezog außerdem ein Mebr von 81 600 brzw. 644 000 "4k für die vermehrte Polizei, 313 000 bezw. 423 000 -4k für die Zensur, 15 000 -4k bezw. 56 000 "4k für das russische GendarmeriekorpS. Der Gouverneur bezieht jährlich 660 000 "4k Der russische Staatsschatz erhob demnach ohne Zustimmung der finländischen Abgeordneten 14230 000 >4k Im Gauvernem-ut Warschau. Di« Warschauer Zeitung „Dnewnik" meidet: In da, kleinen Werkstätten wurde di« Lebest wird« aufgoooeome». Die Stimmung der Arbeiter ist im allgemeinen ruhig. Nach den gestern auS verschiedenen Städten des Weichselgebietes ringegangenen Meldungen ist die Sachlage folgende: In Radom ist die Mehrzahl der Arbeiter zur Arbeit erschienen. In Lublin herrscht völlige Ruhe; der Ausstand ist beendet. In Kieler herrscht Ruhe. Auf der Station Skarshisko im Gouvernement Radom and am 4. Februar eine Demonstration statt, bei welcher es zu einem Zusammenstoß von 15 000 Arbeitern mit dem Militär kam. Letzteres mußte von den Waffen Gebrauch machen, sodaß 24 Arbeiter getötet und 40 verwundet wurden. In Siedler wurde die Ruhe wieder hergestellt. Die Fabriken sind wieder in Betrieb. In Plozk streikten die Arbeiter in einigen Fabriken, die Ruhe wurde aber nicht gestört. In Kalisch arbeiten die Fabriken. Im Gouver nement Warschau nehmen die Arbeiter allmählich die Arbeit wieder auf. Vie Ausständigen in S^snowice fordern außer der Achtstundenschicht auch die Entlohnung von Ausländern auS dem Betriebe. Vorgestern mittag kielten dic Fabrikbesitzer und Generaldirektoren unter dem Schutze von 200 Kosaken eine zweistündige Konferenz ab, in der die Forderungen abgelehnt wurden. Vorgestern trafen in Kattowitz mehr als 500 Personen aus Sosnowice ein, ferner die französiscken Beamten der Domdrowaer Gesellschaft „Huba Bankowa". Der Ausstand in Vatun» dauert nach der Petersburger Telegraphen - Agentur fort; auf eine Weisung der Behörden werden die Geschäfte und 2äden wieder geöffnet. Die Garnison ist verstärkt. Die Füllung der Cysternendampser und der Frachtverkehr sind eingestellt. Bedeutende Zusammenstöße mit der Polizei sind nicht vorgekommen. Gegen den Vorstand der Eisenbahnstation ist ein Anschlag verübt worden. ver ruuftcd-japanische Weg. Das erste Jahr des Arieges ist verflossen. Gestern vor einem Jahre fiel auf der Außen reede von Tschemnlpo von dem russischen Kanonenboot „Korejez" der erste Schub, der den Beginn eines langen, chweren, blutigen Ringens bedeutete. Äm 6. erfolgte von eiten Japans nach langen Verhandlungen der Abbruch der riplomatiscixn Beziehungen. Gleichzeitig verließen die japa nische Flotte und ein starker Truppentransport auf zahl- reichen Dampfern die Häfen Sasebo und Moji. Am 7. fänden dic ersten Truppenausschiffungen bei Fusan und Mosampho an der koreanischen Küste statt, während japa nische Kreuzer mehrere große russische Handelsdampfer Weg nahmen. Russische Kreuzer, die auf der Aufklärungsfahrt waren, stießen mit den Japanern nicht zusammen, dagegen traf das von Tschemulpo kreuzende Kanonenboot „Korejez" am Abend des 8. auf einen japanischen Truppentransport mit Kreuzer- und Torpedobegleitung. Die den „Korejez" be drängenden Torpedoboote hielt sich dieser mit Geschützfeuer vom Leibe und eröffnete damit dic Feindseligkeiten. Abends landeten die Japaner Truppen und zwangen am 9. in kurzem heftigen Gefechte den großen Kreuzer „Warjaa" und das Kanonenboot „Korejez" zum Rückzug. Die russischen Kommandanten sprengten ihre Schiffe in die Luft, um sic nicht den Japanern in die Hände fallen zu lassen. In der Nacht zum 9 hatten japanische Torpedoboote das russische Geschwader vor Port Arthur überraschend angegriffen und drei grobe Schiffe schwer beschädigt. Am Vormittag des 9. erfolgte die erste Beschießung Port Arthurs durch die japanische Flotte. Die Northern Telegraphie dementiert die Meldung, daß die russische Regierung sämtliche Telegraphen st atronen Sibiriens dem Privatvcrkehr entzogen habe. Die Gesellschaft er klärt, Privatdepeschen nach allen sibirischen Stationen, auch nach Wladiwostok, entgegennehmen zu können. Beschlagnahme eine» weiteren Rshlen- -ampsers. Aus Tokio meldet eine Reuterdepesche: Der englische Dampfer „Eastry", mit Kohlen nach Wladiwostok, wurde, von Uokusota kommend, auf der Höhe von Hokkaido beschlagnahmt. An» -em japanischen Hauptquartier -er Alantschurei wird berichtet, daß die Russen verschiedene Teile der japanischen Linien Montag nacht beschossen und daß kleine Abteilungen der russischen In- fanterie an mehreren Punkten zum Angriff übergingen; alle wurden jedoch zurückaefchlagcn. Die Russen ver schanzen sich weiter in der Richtung auf Wauchialjuahtzu, Lttajentum, Chenchiepao und Heikoutei. Deutsches strich. Leipzig, 8. Februar. * Eine neue vertrruns Ser Gräfin Monttgnoso. DaS „Dre-dner Journal" meldet: Auf Allerhöchsten Befehl Seiner Majestät deS Königs hat sich Justiziar Dr. Körner nach Florenz begeben, um sich über dic allgemeinen Verhältnisse Ihrer Königl. Hoheit der Prinzessin Anna Monika Pia dortselbst zu unterrichten. Hierzu erfahren wir noch auS Dresden, daß nach dort hin gelangten glaubwürdigen Nachrichten die Gräfin Mon- tign-oso kurze Zeit nach ihrer abenteuerliche« Reise nach Dresden in Florenz ei« neues Liebesverhältnis ange- laüpfthat. Dies dürfte dazu führen, daß ihr die Erziehung der P-rinzessin Anna Monika Pia nicht «»vertraut bleiben wird. — Aber auch noch eine andere Folge dürfte diese neueste Verirrung der unselige« Frau haben: die Aufklärung derjenige« Kreise d«S sächsischen Volles, die von ihrem Wahn über den Charakter der Gräfin und ihrer Abenteuer immer noch nicht lassen wollten. Nach dieser neuesten Wenduag würde eine Parteinahme für die Frau sich mit keinerlei sittliche« Begriffen mehr verein bare» lassen. Die- ist «u» auch der LuHrr« Abschluß der ^an^en Leidig«« Lm-ele^erechei't. * Dic Staatsminister v. Metzsch und Dr. Rüger haben sich heute von Dresden nach Berlin begeben, um an den Handelsvertragsdebatten teilzunehmen. * Jur Landtagswahl in Leipzig V. Wie bekannt, tst im Wahlkreise Leipzig V (Plagwitz—-Lindenan—Kleinzschocher—Neu- Schleuhig) im Herbste eine Landtagswahl vorznnehmen. Ter Kreis war bisher durch Herrn Konsul Schober vertreten, der jedoch eine Wiederwahl ablehnte. Früher gehörte der Kreis zu dem libe- ralen Besitzstand. Von konservativer Seite ist kürzlich Herr Fabrikant Reibmann als Kandidat aufgestellt worden Von national-liberaler Seite wurde Herrn Franz Gontard die Kandidatur angetragen, die er auch, nachdem ein in Plagwitz zusammengetretener Wahlausschuß ihn im Namen zahlreicher Wähler aus allen Ständen dringend darum ersuchte, annahm. Am Dienstag, 7. Februar, sand nun im Roientalkasino unter dem Vorsitz des Herrn Kommerzienrat Habenicht eine Versammlung von Vertrauensmännern statt, die in Bezug auf diese Kandidatur wie das weitere Vorgeben volles Einverständnis ergab. Der Vorsitzende begründete unter all gemeiner Zustimmung den Wunsch nach einer Vertretung im Landtage, die in der Persönlichkeit dr» Abgeord neten die Gewähr für eine fruchtbringende Tätigkeit trage. Die dieser Tage erschienene schwächlichejErklärung konservativer Ab- geordneter könne nur in diesem Wunsche bestärken. Da man von der früheren allgemein anerkannten Wirksamkeit des Abg. Gontard wisse, was man an ihm habe, sei feine Kandidatur in jeder Be ziehung ein dankenswerter Schritt. Wie fehr er de» Beifalls sicher sei, zeige auch die große Zahl der zustimmenden fchrist- lichen Erklärungen. Eine vorliegend« programmatische Er klärung Les perrn Gontard wurde von allen Rednern als zutreffende Ausstellung der notwendigste» Forderungen be zeichnet und von der Versammlung einstimmig gutgeheißen. Be sondere Wünsche und vorzuschlagende Ergänzungen sollen dem Herrn Kandidaten unterbreitet werden. Herr Gontard erkennt die Resormbedürstigkeit unseres Ständewesens an. Er verlangt, daß heute der Industrie und dem Handel da»selb« Recht auf Vertretung in der ersten Kammer eingeräumt werde, wie es die Landwirtschaft besitzt. Ebenso entschiede» hat sich Herr Gontard für die Abänderung unseres dringend reformbedürftigen Landtagswahlrechtes erklärt und zwar zu Gunsten eines eiu- fachen direkten Wahlsystems, das wie den andern bürgerlichen Ständen auch den Arbeitern eine Vertretung gewährt — ohne damit die Gefahr einer Majorisierung der Kammer durch die Sozialdemokratie nahe zu rücken. — Eintreten wird Herr Gontard ferner " für alle Forderungen des Mittel- standes, der Hausbesitzer, Gewerbetreibenden uud Hand werker, soweit sie sich als ausführbar und mit dem gemeinen Wohle verträglich erweisen und einen wirklichen Erfolg, d. h. eine Besserung der Verhältnisse, erwarten lassen. Das Gleiche gilt von den Wünschen des Beamtenstandes, dessen wirtschaftliche Lage zu bessern er sich bekanntlich schon bet der Beratung des Gesetzes über die Woynungsgeldzuschüsse angelegen sein ließ, wie von den Bestrebungen der Privatbeamteiz^und den sozialen, im Einklang mit Recht und Ordnung stehenden Forderungen der Arbeiterschaft. Besonders betont und anerkannt wurde in der Versammlung das Verdienst, das sich Herr Gontard in der Kammer durch me an den Mängeln unserer Verwaltung freimütig geübten Kritik und durch die Anbahnung einer besseren Finanzwirtschast erwarb. Trete er wieder in die Kammer em, so sei zu wünschen und zu erwarten, daß seine Sachkenntnis und Arbeitsfähigkeit zur weiteren Besserung der Verhältnisse, die bisher so sehr viel Unzufriedenheit in allen Kreisen erzeugten, beitragen werden. — Die Versammlung ivählte einen Arbeitsausschuß, wo rauf der Vorsitzende die Verhandlungen mit lebhaftem Dank für die rege Beteiligung schloß. Nne nähere Besprechung seines Pro gramms und der Aufgaben des Landtags behält sich Herr Gontard für eine später anzuberaumende Wählerversammlung vor. * Deutscher Flottenvnci». In diesem Jahre findet die Tagung deS Deutschen Flottenvereins in Stuttgart statt. Voraussichtlich wird die Sitzung des GesamtvorstandcS am 27. Mai, die Generalversammlung am 28. Mai tagen. * Friedrich Wilhelm Fritzsche, einer der ältesten Vertreter der deutschen Arbeiterbewegung, ist in Philadelphia am Sonntag im Alter von fast 80 Jahren gestorben. Fritzsche war am 25. März 1825 in Leipzig geboren und gehört ru der Deputation von Leipziger Arbeitern, welche 1863 Lassalle aufsuchten und die Gründung des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins herbeiführten, dessen Vorstand Fritzsche dann längere Zeit angehörte. Zwei Jahre später begründete Fritzsche den deutschen Zigarrenarbeiler-Verband und wurde bald Führer ver gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung. Im Reichstag des Norddeutschen Bundes saß Fritzsche als einer der ersten Vertrete der Sozialdemokratie. 1880 wanderte Fritzsche nach den Vereinigten Staaten aus. D Berlin, 8. Februar. * Fürst Ferdinand von Bulgarien traf am Mittwoch kurz nach 3 Ubr in Berlin ein. Zum Empfang waren Prinz Heinrich und Prinz Friedrich Heinrich erschienen. Eine Kom pagnie Garvefüfiliere erwies die militärischen Ebren. Der Fürst nahm im königlichen Schlösse Wohnung. Der Kaiser bat dem Fürsten laut „L.-A." eine hohe Auszeichnung (Schwarzen Adlerorden?!) zugedacht. * Ter deutsche Landwirtschaftsrat behandelte in seiner heutigen, sehr stark besuchten Sitzung, wie angekündigt, die Handelsverträge und nahm folgende Resolution an: Der Deutsche Landwirtschaftsrat erblickt in den neuen Handels- Verträgen eine Verbesserung gegenüber dem jetzigen Zustande. Er erkennt dankbar an, daß denselben die unverkennbare Absicht zu grunde liegt, allmählich die Parität zwischen Landwirtschaft und Industrie wieder herzustellen, obwohl zahlreiche und berech tigte Wünsche der deutschen Landwirtschaft keine Berücksich tigung gesunden haben. Die Wirksamkeit der getroffenen Be- stimmungen wird wesentlich von ihrer Handhabung abhängen. Der deutsche Landivirtschaftsrat hält das baldige Inkrafttreten des neuen Zolltarsses und die Kündigung der bestehenden Metstbrgünsti- gungsverträge, sowie des mit den Vereinigten Staaten von Nord amerika bestehenden Vertrages, für unbedingt erforderlich. In der Form maßvoll und nicht ungeschickt — sachlich nur schwer von den Ansichten des Bundes zu unterscheiden. * Dtc Deutschen tu Marokko. Die Ztg." meldet aus Tanger vom 7. Februar: Auf die kürzlich an den Reichskanzler gerichtete Petition der deutschen Kolonie traf heute die Antwort ein, die den Unter zeichnern durch dic Gesandtschaft vertraulich mitaeteilt wurde. Die Antwort besagt, soweit ihre Veröffent lichung gestattet ist, daß zur Zeit kein Grund vorliege, die Lage m Marokko alS besonder» bedrohlich zu halten, daß aber im Falle einer wirklichen Gefahr für das Leben u«d Eigentum von Reicbsangebörigeu di« nötigen Schritte zum Schutz« getan würde«. Die Antwort scheint im Gegensätze zu LaoSdowae« Not« mit Befriedigung von do» Unterzeich ner« ausgenommen zu werde».
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