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Allgemeiner Anzeiger Amtsblatt für die Ortsbehörde und den Gemeinderät ?u Bretnig Lokal-Anzeiger für die Ortschaften Bretnig, HauSwalde, Großröhrsdorf, Frankenthal and Umgegend. Anserate, die 4gespaltene Korpus,eile 10 Pfg., sowie Bestellungen auf den «ll> Rabatt nach Uebereinkurnt. Anferate bitten wir für die Mittwoch-Nummer di« Dienstag vormittag r/,11 Uhr, für die Sonnabend-Rnmner bi« Freitag vormittag l/,1lMhr einznsendea. Der Allgemeine Anzeiger erscheint wöchentlich zwei Mal: Mittwoch und Sonnabend. — . . . - - ? ienne»ent«frei» inkl. de« allwöchentlich beigegebenen„Illustrierten Unterbaltungsblattee* gemeinen Anzeiger nehme» außer unserer Expedition auch un er« sämtlichen ijettungsdoten v'rrteljührlich ab Schalter 1 Mark, bei freier Zusendung durch Boten in« Hau« I Mark jederzeit gern entgegen. — Bei größeren Aufträgen und Wredsrholangru gewähren wir r« Pfennig«, durch di« Post 1 Mark exkl. Bestellgeld. Rabatt nach llebereinkumt. SchrisNeitung, Nruck unb Verlag oon U. Drelmg. -ir. 93. " Mittwoch, den 18. November 19V8. 18. Jahrgaag. Elifaveth. In der Zeitschrist: „Die christlich« Welt* erschien neulich eine kleine Geschichte, die eine furchtbare Anklage gegen unser lässige« Christen tum enthält. Die Geschichte ist eine wahre Begebenheit und au« den Hamburger Tages zeitungen entnommen. Dort stand folgende kurze Zeitungsnotiz: „In der Elbe sand man heute abend« di« Leiche eine« jungen Mädchen«. Nach der gerichtlichen Untersuchung wurde sie al» die Tochter de» Schuhmacher» Bl ... . auf der D .... straße erkannt. Die Ursache de» Selbstmorde« ist dem Vernehmen nach Liebeskummer." — Gähnend überfliegt der Leser diesen Zeitungsbericht, er lieft ja oft täglich Dutzende dies» Art. Eine Lehrerin gibt hierzu folgende Ver öffentlichung: Ich hatte da» Kind Elisabeth, da ich Lthrerin war, in d«r Schule. Man sah dem Kinde an, e» batte noch keine Lieb« genoffen. Immerhin interessierte ich mich für diese» Kind und besucht« e» auch einmal in seinem Elternhaus». Dort fand ich entsetzliche Verkommenheit, denn der Vater war ein Echnapstrinker. Später, nach beendeter Schul zeit, verlor ich da« Kind <u« dem Gesicht. Jahre vergingen. — Da, eine» Tage», kurz vor dem Beginn der Sommerserien und seiner Reisevorbrreitungen, erhielt ich folgenden Bries: »Liebe« Fräulein! Ich ergreife h.ute in meiner Not die Feder, um an sie zu schreiben. Denn sie war«n einmal gut zu mir. Aber nu ir keiner gut. Ich bin jetzt in d«r Fabrik!. Und jed«r Bursch« hat da sein« Mächen, und die Aufseher, wa« verheiratete L»ut« sein, auch. Ich will aber nich. Eher g«he ich in« Wasser. Denn manchmal i« e» doch sehr schwer, fest iu bleiben. Denn die Mächen kriegen viel Geld sllr. Und Vater will immer Geld haben zu Schnap«, und denn schlägt er mich. Ach Fräulein, gut bleiben i» doch schwer. Der eine Aufseher i« sehr hinter mir her und Vater weiß e«. Ach Fräulein, verzeihen ki« den Brief, aber die Not i« groß. Ihre Eli sabeth.* Der Brief «rgriff mich tief. Aber um Eli- sabelh Helsen zu können, hätte ich nicht am nächsten Tage meine Reise antreten können, so unterließ ich e» bi« nach den Ferien. Bei meiner Rückkehr fand ich dann in der Zeitung die oben erwähnte Tod»»nachrichl. — Und nun hebt ein Flüstern in mir an, da» wächst und schrillt, bi» e« mit Posaunen nur ins Gewissen dröhnt: Deine Schuld, auch deine Schuld! — Ist da« nicht eine ernste Bußtags mahnung an uns Ehnsten alle? Ich kenne einen Bibelspruch, der heißt: W-r da weiß Gute« zu tun und tut» nicht, dem ist's Sünde. Wir wollen den stillen Bußtag dazv. be nützen, um einmal nachzudenken, wo unter dem großen Heer der Unterlassungssünden — sie wikgen schwerer wie di« Tatsünden — meine Schuld liegt, und dann oitten: Vergib mir meme Schuld, und dann: ei» neue« Leven anfangen. ^erttiches «nv SLEcke». Bretnig. Am Freilag abend sand der Vortrag des Herrn Pastor Plolh au« Hlrboka in der Bukowina über da, Thema: „Auf- blühendes evangelische« Leden in Galizien" statt. War dieser Vortrag auch schwach de« sucht, so gestaltete sich doch der Abend zu einer schönen Kundgebung evangelische» Glau- benrzeugnifftS und evangelischer Liebe. Der Herr Vortragende erstattete eingehenden Be richt über die Verhältnisse der dort vorhan denen «vangelischen Deutschen, vor allem über die GründungSgeschichte de» «vangelischen deutschen Kinderheime« in Stani«lau in Galizien. Im Lauf« de» Abend» wurde «ine freiwillige Sammlung veranstaltet zum besten de« Kinderheime«, die den ansehnlichen Be trag von 48 Mk. 80 Pf. erga». Außerdem wurde auf Bitten de« Herrn Pfarrer Kränkel ein Helserverein begründet, der sich die Aus gabe stellt, für die Erziehung eine« solchen Kinde« die Mittel aufbringen zu helfen. 22 Personen erklärten sofort ihren Beitritt, so daß ein jährliche« ErziehungSgeld von 75 Mark für ein Kind der Anstalt sicher tst. Mit Gesang und Gebet und herzlichen Danke«worten durch Herrn Pfarrer Kränkel sand der schöne Familicnabend seinen Abschluß. Bretnig. Vorigen Sonnabend, den 14. Nov., war e< dem Ehepaare Ernst Heinrich Hörnig und Johanne Wilhelmine geb. Fröm mel vergönnt, in rüstiger Gesundheit ihr gol dene» Ehejubiläum zu feiern. Lu» diesem Anlässe wurden denselben durch Herrn Ps. Kränkel al» Anerkennung ihres kirchlichen und christlichen Lebeniwandel« unter herzlichen Segenswünschen eine vom hohen LandeSkon- sisiorium zu Dre»den gestiftet« Ehrenbibel überreicht. —.— Bretnig. Die Mitglieder der hiesigen frw. Feuerwehr vereinten sich am Sonntag im Gasthof zum deutschen Hause zur Abhal tung ihre» Stiftungsfeste«. Außer den hies. Ehrengästen waren auch die Wehren der Nachbarorte» stark vertreten, die durch den Hauptmann Hempel nach einem einleitenden Musikstücke herzlich begrüßt wurden. Seine Ansprache gipfelte in einem Hoch auf unseren König, in da» die Anwesenden begeistert ein stimmten. Unter entsprechenden Worten über- reichte dann Branovireklor Ad. Petzold die üblichen Auszeichnungen und zwar die Litzen d«m Obersignalist Max Große, dem Signalist Rodert Benad, dem Wachmann Alwin Hörnig für 10jährige, sowie dem Spritzenmann Bern hard Schöne und dem Sanitäter Bruno Hörnig für 15jährige Dienstzeit. Von der Aushändigung de« Allgemeine» Ehrenzeichen« an den Steiger Rodert Ander« für 25jährige Dienstzeit mußte wegen Nichleinganges des selben abgesehen werden. Namen« der De korierten dankte der Sanitäter Bruno Hörnig für die erhaltenen Auszeichnungen. Vorzüg lich r «stellte „Lebende Bilder" und ein treff lich »espielter Zweiakter verschönten die Un terhaltung noch. Mit Ball endete oa» Ver gnügen. Ohorn. Am Sonntag nacht« gegen 11 Uhr brannte das Hau» de» Bandweber» Bürger hierselbst nieder. Brandstiftung wird vermutet. Bautzen, 13. Nov. Die heutige Ver handlung vor dem Kömgl. Schwurgerichte richtete sich gegen den 1880 in Lauterbach bei Stolpen gebor-nen und dort wohnenden, unbestraften Wirtschastsgehilsen und Fahrrod händler Ludwig Max Prescher. Angeklagter ist Wirtschafisgehilse bri seinem Vater, be- irridt aver auch einen Handel mit Fahrrädern. Ec stand mit dem Kausmann Stademanu »n Radeberg in Verbindung, welchem er 132 Mk. schuldete. Da Prescher nicht zahlen konnte, stellte er seinem Gläubiger einen Wechsel aus. der mit 156 Mark einschließlich Kosten zum Protest kam. Es mußt« der Vater al« Bürge erntreten, der auch am 7. Juli d. I. verur teilt wurde. Am 2g. Juli erfolgte die Pfän dung «iner Kuh. Auf den 10. August war der Verkauf de« Pfandobjekt« an,«setzt, w«nn bi» dahin nicht Dtckung geschafft »ar. Da aber d«m Angeklagten Max Prescher nur 80 Mark zur Verfügung stand««, zahlte er diese auf dem Postamt in Stolpen am 10. August an Stademanu in Radeberg ein, fälscht« ab«r den Eintrag in» Postbuch auf 180 Mark. Angrklagter ist g«ständiz, diese Fälschung de- gangrn zu haben, um seinem Vat«r di« Kuh zu erhalten. Wegen einfacher Urkundenfälschung wurde Angeklagter zu 3 Monaten Grfängni» verurteilt. Di« Haft kam voll in Anrechnung. Radeberg. Im benachbarten Schön born war der acht Monate alte Knabe Willy Helm in Pflege. Am Sonntag brsuchte di« in einer Konditorei al» Dienstmädchen be schäftigte Mutter mit einer Freundin da« Kino und machte mit ihm eine Spazierfahrl. Al» sie wieder zurückkehrte, war da« Kind «ine Leiche. Der Arzt konst-tiert« Herzschlag und die Leicht sollte zur Ruh« ge bettet werden. Inzwischen hatte sich die Gendarmerie aber mit dem Fall beschäftigt, di« Mutter in» Verhör genommen und si« zu dem Seständni» gebracht, daß ihre Freundin auf ihr Anstiften hin da» Kind g«töt«t habe. Die gefühllosen Verbrech«!inne» hatt«n auf der Spazierfahrt da« Kind au« dem Wagen genommen und e» nackt bei großer Kält« in kalter, fließende» Wasser gehalten. Ein Herz schlag war die Folge. Di« Kinde«mörd«rinnen wurden sofort verhaftet. Dresden, 15. Nov. Verhaftung ein«« Mädchenenlführer«. Der Lieb«»roman «iner bildschönen 19jährigen Böhmin fand in Dre»- den einen jähen Abschluß. Vor einiger Zeit machte ein Großindustrieller die Bekanntschaft der 1Sjährig«n Tochter eine» Hotelbesitzer« in Teplitz-Schönau. Zwischen beiden entspann sich bald ein intime» Liebe»verhSlini«, dem d«r Vater de» Mädchen» vergeblich «in End« zu machen suchte. Er widersetzte sich einer ehe lichen Verbindung de» Paare« und infolge dessen beredete der Industrielle da« junge Mädchen, mit ihm nach England zu «ntfliehen und sich in London trauen zu lassen. Da» Mädchen ging sofort au? den abenttu«rlich«n Plan ein, raffte seine Ersparnisse und Dchmuck- sachen zusammen und trat dann mit dem Ge- liebten die Reise an. Der Vater hatte aber von der Flucht seiner Tochter rechtzeitig Kennt nis erhalten. Ec holte da« Paar bereit» in Dresden ein und veranlaßte hier die Verhaf tung des Entführer«. Es gelang aber der väterlichen Autorität nicht, die Tochtrr zur Rückkehr in die Heimat zu bewegen. Sie drohte dem Vater mit Selbstmord und erklärte, ihr Platz sei an der Seite de« Geliebten. Der Vater kehrte darauf ohne sein Kind in die Heimat zurück. — Abgelehnte« Gnadengesuch. Da» Gna dengesuch der am 9. Oktober wegen vollen deten und versuchten Totschläge» vom Zwck- kauer Schwurgerichte zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis verurteilten Schneidertehesrau Lambser au» Lrimmitschau, dem sich auch die Geschworenen angeschloffen hatten, ist vom König adgelehnt worden. Frau Lambser ist nun zur Verbüßung der Strafe in der Straf anstalt Voigtsberg eingelieserl worven. -Oschatz, 14. November. Der im H-rbst d. I. dei»> hiesigen I. Ulanenregiment Nr. 17 freiwillig eingetretrne Rekrut Jahn aus Kretzschau, Kr. Weißenfels i. Th., stürzt« beim Nehmen einer Hürde so unglücklich vom Pferde, daß er sich eine Gehirnerschütterung zuzog, an deren Folgen er im hi«sig«n Gar nisonlazarett starb. — Da» Elektrizitätswerk in Mulda mußte, weil die Mulde zu wenig Wasser führte, seinen Betrieb «inst«llen. Der Einwohnerschaft bleibt nun nicht» andere» übrig, al» wieder zu den früher«» BeleuchtungSgegenständen, den P«troleumlampen usw., ,u greifen. Plauen i. V., 12. Nov. Bei einem Lehrer in O«l»nitz waren mehrere R«alschül«r in Pension, unter ihnen der 16 Jahre alte Kurt vrchler, zurzeit in Dresden, der 18 Jahr« alte Kurt Gerhard Voigt in Markneu kirchen und der 13 Jahre alte Arthur Stöhr. Letzterer wurde von den beiden erstgenannten Schülern in der Zeit vom Oktober 1907 bi» nach Ostern 1908 in «iner so orrwerflichen Art gemißhandelt, daß sie sich nur durch per verse Neigung erklären läßt. Der Junge er hielt fast täglich außer zahllosen Ohrfeigen und Püffen, ««»besondere Stockschläge auf da« Gesäß, wiederholt di« zu dreißig. Er mußte sich entblößen, sich über da« Bett legen, sich die Hände fesseln lassen und, ohne «inen Laut von sich g«den zu dürfen, die Mißhandlungen erdulden. Infolge der entstandenen Schwielen und Striemen konnte der junge Mensch oft kaum sitzen. Sogar mit Stecknadeln murde «r gestochen und mit einer Kleiderspanne ge quetscht. Er wagte au« Furcht vor noch schlimmeren Mißhandlungen niemandem, auch seinen Eltern nicht, irgendwelch« Mitteilungen von den Quälereien zu machen, di« auch nicht bemerkt wurden, obschon der Geschlagen« blutig« oder in allen Farben schill«rnde Strie men an den Händen hatte un» ihm «in zu stark gequetschter Fingernagel abschwor. End lich «ntveckte die Mutter de» jungen Stöhr bei einem Besuche ihre» Sohne« di« Sach« und nun wurde Anzeige gegen seine beiden Peiniger erhoben. Einet der Sachverständigen wurde unter Ausschluß der Oeffentlichkeit ver nommen, da scine Darlegungen in bezug auf Sie Neigungen der Angeklagten geeignet waren, die Sittlichkeit zu gefährden. Da« Landgericht zu Plauen verurteilte Bechler zu 3 Monaten un» den wenig« delastNen Voigt zu 4 Wochen Gefängnis. Mildernde Umstände wurden den Angeklagten nicht zugebilligt, da die große Zahl und die lang« Dauer der Körperver letzungen, ihre Schmerzhaftigkeit und Gefähr- lichkeit die Zubilligung ausschlöffen. Kirchennachrichten von Bretnig. Mittwoch den 18. November: Bußtag. 8>/, Uhr: Beichte; 9 Uhr: Predigtgotteidienst, Text: 1. Mos«« 6, 3. Nach der Predigt Feier de» heiligen Abendmahles. Nachmittag« 5 Uhr: AbenvmahlSgotteSdienst. Geboren: dem Landdriefträgtr Erwin Paul Janke ein Sohn; dem Fuhrwerktde- sttzer Arthur Oskar Gebauer eine Tochter; dem Vahnard. Alw. Richard Heinrich ein Sohn. Getauft: Gertrud Elsa, T. d. GulS- dcsitzrrs Eowin Bernhard Grundmann. — Elsa Frida, T. d. HauSdes. und Bandweber« Friedrich Otto Zschietrich. — Paul Helmut, S. d. WirlschaitSdes. Paul Bruno Boden. — Bernhard Georg, S. d. Maurer» Max Bern hard Bürger. — Paul Kurt, S. d. Schuh macher» Moritz Hermann Röntzsch. Gerraul: Albert Richard Richter, Fab- rikarv. in Hau»walde mit Anna Elsa Oswald von hrer. Gestorben: Erich Gerhard, S. d. Favrikard. Martin Ludwig Nitzsche, 15 Stunden all. — Frida Ella, T. d. Cigarrenaibeiier« Anton Arthur Sümmchen, 8 M. 20 T. alt.