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02-Abendausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 30.03.1905
- Titel
- 02-Abendausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1905-03-30
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19050330028
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1905033002
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1905033002
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1905
-
Monat
1905-03
- Tag 1905-03-30
-
Monat
1905-03
-
Jahr
1905
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Abend-Ausgabe: vormittag- 10 Uhr. Morgeu-Ausgabe: nachmittag« 4 Uhr. Anzeigen sind stets an die Expedition zu richten. Extra-Beilagen cnur mit der Morgen-- Ausgabr) nach besonderer Bereinbarung. Tie Expedition ist wochentags ununterbrochen geöffnet von früh 8 bis abends 7 Uhr. Druck und Verlag von E. Polz in Leipzig i.Inh. Or. V.. R. L W. «liakhardt). Nr. 163. Donnerstag den 30. März 1905. SS. Jahrgang. Var llNcdligrle vom Lage. * Die Ausschreitungen der ausständigen Schuh macher >n Weißenfels nahmen gestern derart zu. daß die Polizei von der blanken Waffe Gebrauch machen mußte. iS. Sachs. Umgeb.) * Nach einem uns zugehenden Privattelegramm aus Wien reiste Kriegsminister Pitreich beute mit einem Stab von Fachreferenien nach Pestab. Die Berufung wird mit den neuerlichen Bemübungen Anvrassys, auf dem Wege mili tärischer Konzessionen die ungarische Krise zu lösen, in Verbindung gebracht. (S. Ausland.) * Nach dem Wiener Deutschen „Bolksbl." soll die öster reichische Heeresverwaltung zu stärkerer Befestigung der Grenzen in Südtirol in den letzten Wochen über 200 Geschütze nach Süden gesandt haben. * DaS englische Unterhaus bat gestern auch für die antiministeriellr Resolution Williams gestimmt. (S. Ausland.) * Die „Franks. Ztz." bringt eine ungewisse Meldung aus Paris, wonach zur Beendigung des russisch- japaniichen Krieges ein Pariser Kongreß vorbereitet Werve. (S. russ.-jap. Krieg.) ver Zcblus; aer stanrörircben Zorialttteillloilgkerrer. —8. Paris, 29. März. Der letzte Taq des Kongresses in R o u e n, der dos schon gesicherte Votum für die Einigung der 'soziali- stisch« Gruppen bringen sollte, begann vor sehr ge lichtetem Auditorium. Nach den Zeitungen wurde durch Cipriani dos Wort sogleich Herrn Iaurtzs erteilt, auf dessen Rede man mit Ungeduld starrte. Ter Ab geordnete von Catmaur stat vor «diesem Parteitag eine nicht ganz leicht verständliche Haltung eingenommen. Vom Jahre 1899 ost ist der häusliche Zwist auf a!lön Kongressen des französischen Sozialismus verbandelt worden. Millerands Eintritt in das Ministerium Waldeck-Rousseau, in dem damals noch Galliffet. der Feind der CoNiMUne, saß, lvar das äußere Signal. Gegen dell ist die Bourgeoisregierstng verschlagenen Parteigenossen suchte Guesde, der Führer der In transigenten, die sozialistischen Truppen mobil zu machen: Iaurds beschützte Millerand, und, die Tages ordnung ließ jeden Weg offen. Im Jahre 1900 wurde ein Beschluß gefaßt, der sich von diesem ersten in nichts unterschied; „grundsätzlich" würde die Abweiensteit der Sozialisten in bürgerlichen .Kabinetts gefordert, doch er- laubte die opportunistische Taktik einen Bruch des Ge» setzos in „außerordentlichen Fällest". Es war natürlich, daß die Täuschung vollkommen mißglückte, als IaUttzS selbst zum Anwalt der Negierung und zum Kommandeur des „Blocks" üvanriert war» als er ein eminent gouvernö» mentales Interesse statte und jeglicher Bindung der par lamentarischen Aktion Widerstand leisten mußte. Vier Jahre lang war Iaurbs nicht Mitglied der Deputiertest» kaMmör gewesen: bei seiner Wieöerivahl isti Fakire 1902 wuchs er sich UM sö entschiedener ist die Nölle eines Nöltest Gambetta hinein, und von 1903 dis 1904 war er sogar Vizepräsident im Palais Bourböst, eine Erhöhung zur Macht die ast dem früheren Philosöphiepröfcsivr Nicht vorüberglstg, ohne ihm den Hang zu einem gewissen diktatorischen Auftreten zu verleihen. Seit dem Ende des Kabinetts Combes, das er in hundert Momenten durch bestellte Reden vor der Katastrophe bewahrte, dem er durch feine Arbeit im Ausschuß der vereinigten Linken Tagesordnungen diktierte, und dem er die „geheimen Fonds" bewilligen ließ, um Herr der Minister zu bleiben, ist Iaurds nicht mehr derselbe. Seine Basis ist eine andere. Die Majorität, um die er 1904 auf dem Amster damer Sozialistenkongreß gegen Bebels Dokt'in und Bebels Intervention zu Gunsten des Guesdismus kämpfte, ist zertrümmert. Zuerst statte IaurdS geglaubt, innerhalb der Partei zu siegen: als der gemäß den Forde- rungen von Amsterdam berufene Ausschuß d r fran zösischen Sozialisten gueSdistisch entschied, hc tte der Kommandeur des Blocks den Fortbestand wmigstenS eines Restes des Systems EombeS erhofft, unter Rouvier mußte er auf diese Hoffnung verzichten. Er desavouierte sich und wirkte gegen die Iaurcsiisten, die ihn durchaus nicht begriffen. In der sozialistisch»» Kammerfraktion geschah eS. daß Iaurds selbst — ohne Erfolg — mit sicht lichem Bemühen nach dem Extrem seine unmittelbaren Freunde, die Anhänger des Ausschusses der Linken, vor- leugnete. Es geschah ferner, daß er. nachdem er in die Minderheit verdrängt worden war. gegen die Mehrheit das von ihm geschaffene Parteikomitee aufrief. Es ge schah endlich, daß die Fraktion durch eine neue Kund gebung das Recht, wenigstens in den bekannten „außer ordentlichen Fällen" dem Blockparlamentarismus zu huldigen, trotz Iaurds bclxmptet stat. So ist der neue Gambetta in sehr unsicherer Position vor den Kongreß getreten, und dem gegenwärtigen Staatsmann unter den sozialistischen Parlamentariern. Aristide B r i a n d, dem Urheber der Trennungsvorlage, ist bisher d i jenige Be deutung zugesallcn, die im Jahre 1899 Iaurds' un zweifelhaftes Vorrecht geworden war. Tie gestrige Rede liat gezeigt, daß er sm Grunde dennoch beim Opportunismus zu beharren gesonnen ist. und daß ihm der Wechsel der Partcipolittk nur ein Mittel zü dein ZüEck ist, der sozialistischen Fraktion einen Mög lichst breiten Erfolg bei den Genkralwastlen von 1906 zu verschaffen: sind diese erledigt, so wild, wie man annestmen darf, der Schöpfer des IaurssisMus zu seiner Schöpfung zurückkestren. Tie Rede war eine rhetorisch Polemik, eine dialektische Beseitigung der in Wirklichkeit tiefen Gegensätze: ihre Geltung wird keine dauerhafte sein. Iauiüs protestierte gegen die boü einem Redner gebrauchtest „groben Und Ungenauen" Worte, daß der französische Sozialismus in Amsterdam verurteilt uNb besiegt worden sei: vielmehr hätten die französischen Tclö- gierten in der deutschen Sozialdemokratie ein stärkeres Echo hetvorgeruföw als man einräuMbll wvlle. Die folgenden Sätze seien aus IäUk^s' Darlegungen zitiert: „Ta die permanente Betätigung in der Delegation der Linken als das tadelnstverte Symbol der Mitarbeit der sozialistischen Partei Mit gewissen bürgerlichen Parteien erschien, hat diese Frage in Amsterdam einen Wohl über triebenen Nachdruck erlangt. Gewisse Kritiken Bebels in dieser Frage waren Ungerecht. Ein Spiel wechselnder Koalition, bald mit dem katholischen Zentrum, bald mit den NativnallkberaleN- ist itt Tenttchlanv Möglich, in Frankreich Unmöglich. Hiitzk wird dtö sözialMsckle Partei entweder auf ihre eigenen Kräfte gegen alte andöröN bürgerlichen Parteien NngewissöN sein, öder MvMrNtanö Koalitionen Mit gewissen bürgerlichen Frak tionen gögcn die Mächte des Widerstandes, der Kvntre- rcvolulion. und des Privilegs cingehen. Zuwider der Behauptung Renaudels ist zwischen der Teilnahme an Ministerien und der Delegation der Linken, wie sie funktioniert hat, ein absoluter Unterschied. Am Tage nach Amsterdam hieß es, Zweideutigkeit und Mißver ständnis zu zerstreuen: heute ist dieses Werk vollendet. Die Delegation der Linken ist faktisch aufgehoben: unsere Partei hat keine Ursache, sie wiederherzustcllcn." Iaurds begrüßte dann den künftigen Einigungskongreß, dec „au »xraack jour" stattfinden müsse, und lvozu das ge samte organisierte Proletariat oinzuladcn sei. Es wurde nach dem Hauptantrag noch der folgende Antrag Rcnaudel votiert: „Tie Erklärung, welche der Kongreß soeben angenommen hat. ist für die französische soziali- stischc Partei, wie für die anderen vertragschließenden Organisationen praktische Aktionsregel, gemäß den Satzungen der Partei, und bis zur definitiven Errichtung der Einheit: einzig das nationale Komitee hat die Be fugnis. außerordentliche Umstände zu beur teilen und den darin erforderlichen Maßnahmen die Zu stimmung der Partei zu geben." Als letzte Resolution passierte ein Antrag Iaurds, der die Öffentlichkeit des Einigungskongresses vorausholt. Auch die Tagung von Rouen hat also nichts „Absolutes" gebracht: nur das Problem IaurtzS ist mehr in den Vordergrund gerückt worden. der Hittriang In Ziiamrtastika. Vie Aoftrnrreynung. Häufig sind schon Berechnungen über die Kosten der Aufstände, die in Südwestafrika seit fünfviertel Jahren wüten, aufgestellt worden, ohne daß ein sicherer Uebet- blick möglich war. Jetzt liegt aber in den amtlichen Drucksachen eine Zusammenstellung vor. In der Vor lage über einen Ergänzungsetat aus 1903 heißt cs: Von dem gesamten Reichszuschuß entfallen auf die Ausgaben, welche anläßlich der Unruhen in Südwestafrika auszu wenden sind und, auf die übrigen Bedürfnisse für 1904 80 890 900^. und für 1903 86 829 900 .4", Dazu ist noch binzuzurecbnen die Summe von 27 233 000 ,< Me in dem neuen Atachtragsetat für das Schutzgebiet ent halten ist. Eine Zirsammeiizählung aller dieser Summen ergibt 194 975 800 Nicht zu übersehen ist, ob der ErgäNzuügsetat für 1905 mit eingerechnet ist. Sollte dieser Mit 34 257 500 noch hinzukommen, so stiege die Gesamtsumme auf 229233300 Mark. Da schon ein weiteret Nachtragsetat noch innerhalb der laufenden Session des Reichstages in Sicht ist und da die besonderen Ausgaben noch fortdauern, so kann man mit Sicherheit annehMön, daß die SüMme vön 250 Millionen in dem Rechnungsjahre 1905 übetschritten werden wird. In welcher Weise «die ungeheuren Kosten für die Aufstände entstanden sind, das zeigen namentlich Nebenausgaben, an die von vornherein niemand denken konnte. Als der Aufstand in Großnamaland auSbrnch und größere Trupvensendungen nach Lüderitzbucht ent sandt wurden, trat die Notwendigkeit ein, eine M'che Per- binkMUg zwischN diesem Hafett und Sivakopmund her- zUstellöN. Deshalb wurden in Kapstadt zwct Dampfer gemietet. die als Deveschenboote dienen sollten. Für diese Boote ist eine Miete von 270 000 angesetzt, diese Sumjhe würde auf 9 Monäte reichen, da eine tägliche Vergütung von 500 für jeden Dampfer abgemacht worden ist. Außerdem ist zur Sicherstellung der Wasset- veksotgUNtt ist Lüderitzbucht bis zur Inbetriebnahme des Kondensators ein Dampfet Mit Leichtern und Wasser rwfäßon gemietet wotben. für den täglich 1060 bis InOO Mark zü zahlen sind. Dieses Fahrzeug wird glich zllr Auffüllung des Kohlendepots in Lüderitzbucht verwendet. Außer den betroffenen Farmern sollen auch die aiif dön zerstörten Stationen befindlich gewesenen Beamten und Militärpersonen füt die erlitteneil Verluste entschädigt lvetzden. Zu dem Behuse ist in den Ergnuzungseiat vor läufig die Summe von 25 000 eingestellt worden. ver ruzsircb-japanlschr Flieg. Zwei neue Frie-en-ballen». Die „Frankfurter Zeitung" meldet aus Paris: „Nach beachtenswerten Aeußerungen aus russischen Kreisen gewinnt es den Anschein, als ob demnächst wieder, wie vor 50 Jahren, der russische Krieg durch einen Pariser Kongreß zum Abschluß kommen solle. Bei Besprechung der zu gewärtigenden Friedensbedingungen Japans seien außer Rußland auch andere Mächte interessiert. Bon welcher Seite die erste Anregung ge kommen ist, läßt sich bisher nicht genau feststellcn." — Der Vertreter der Associated Preß in Petersburg telegraphiert, er sei in der Lage, mitzuteilen, daß man schon den ersten Schritt zur Herbeiführung des Friedens ßetan habe. Rußland habe Japan indirekt einige negative Bedin gungen mitgetcilt, auf deren Grundlage der FriedenSjchluß erfolgen könne, nämlich: keine Gebietsabtretung und keine Kriegskostenentschädigung. Rußland habe Japan die Entscheidung überlassen, ob auf dieser Grund lage die Verhandlungen begonnen werden können. Japan habe bisher nicht geantwortet. General Aüvlger. Nach einer Petersburger Depesche wurde der zum Nachfolger des KnegsministrrS ausersehene General Rüdiger bereits gestern vom Zaren in Audienz empfangen. Arthnr» Es wird gemeldet: Ein aus Generalen gebildeter Aus-, schuß, in dem u. a. die Generale Groop, ReSbera, Graben- nilow und Kltmarow sitzen, ist mit einer Enquete über Vie Aufgabe von Port Arthur beauftragt worden. Falls es sich Herausstellen sollte, baß Fehler begangen worden sind, sollen die Schuldigen vor ein Kriegsgericht verwiesen wtrvrn. Die Kvmmilsivn beginnt ihre Arbeiten im April. Dar vierte Geschwader. Der „Rußkoje Stöwo" teilt auf Grund zuverlässiger In formationen mit, daß daS virile Geschwader, welches weit stärker lein werde, als anfänglich beabsichtigt wär, und an besten Ausrüstung man energisch arbeite» im April zum Auslaufen bereit sein werbe. Lord Curzon Über Utiftuu-ou. Nach einer Renterbepcsche aus Kalkutta wandte sich bei der Budgetheratung im GenrralgouvernementSrate Gopal Krrschna Gokhalc, der dem Rate als nichtofsizielleS Mitglied für Gesetzentwürfe angrhött, ang sickus des gegenwärtigen Niederganges von Rußland gegen die großen militäri'chen Ausgaben. Der Vizelönig Lord Curzon erwiderte hierauf, der Krieg im fernen Olten ser die größte Rechtfertigung für dir Rüstungen. Es ist dieselbe Argumentation, die grstetn im englischen Unterhaus verwebtet wötbeii ist. ffolilstcht easettcvalh Leipzig. Ah. März. Adolph Wagner über eine Rrserendararbeit der Grafen Bülow. Aus Berliner Universitätskrcisön wird UNS geschrieben: Unter den Glückwünschen, die Adolph Wagner zum I 70. Geburtslage empfing, beiand sich auch eilt Schreiben des .Reichskanzlers, Tarin wird Bezug genommen aus ! das Gutachten, das Wagner als Miustikd der dipiümati- ichen PrlisnngsÜötnmiisioN am :!. Juli 1875 über die st a a t s lv i r t s ch a s t I i ch - st a t i st i s ch e Probe arbeit des diplomatischen Examens, Refe rendars von Bülow, abgegeben hat. Tie vörgelegtc Arbeit handelt über die italienischen Finanzen. Wagliör bezeichnete sic von vornherein als „in besonderem, a ist außergewöhnlichem Maße gelungen, iii materieller, Wie ü sdrmcller Hinsicht . Dem Verfasser sei das Thema Weber ZU schwierig Noch zu mühsam gewelkn, das iimiassende gc> ickicütliche und skat'^che Material sei dort ihm in erschöpfen der Weise gesammelt, gesichtet und sehr übersichtlich dargestellt worden. Trotz tiefe« Eingehens in düs Detail nabe sich der Verfasser nirgends darin verloren, sondern er beherrsche es vollkommen ünd hebe Musterhaft barnNS hervor, was siit die Hauptaufgabe, die Untersuchung des Defizits, von wesent- Feuilleton. 4, WlMkte Zimmer. Noma« von Rudolf Hirfchberg»Jura. «»«druck vrtSMrL Eines MörgövS bat öb Mütter Und Schwester, sich über die geniöinfamö Zukunft mit ihm zu berateit. Sie saßen um den runden Sosntisch in, Wohnzimmer, und Ewald laS zunächst einen Brief vor, den er eben von irr. Grolich empfangen hatte: „Lieber Freund! ES wird Deiner Frau Mutter und Dir selbst nicht entgangen feilt, daß mich bei meinen häufigen Besuchen in Eurer Neben Familie ganz bestimmte Wünsche und Hoffnungen leiteten. Wenn ich mich jetzt als ehrlicher Kerl gezwungen fühle, mich znriickznzichen, so bedarf daS nach gewöhnlichen Begriffen vielleicht gar keiner Rechtfertigung. Tenn ich war fa noch gar nicht so glücklich, eine bindende Zusage zu besitzen. Doch widerstrebt es mir, Mein Verhalten Dir gegenüber ganz ohne Erklärung zu lassen. So vernimm, daß ich bei dem jetzigen Bankstnrz Mein Vermögen vollständig «ingebützt habe. Ich besitze also rein gar mcht», und wenn mir auch mein Rechtsanwalt die für einen Referendar beträchtliche Summe von 150 Mark monat lich zahlt, so reicht da? doch nicht ans. um einen eigenen Herd zu gründen. Diesen Herzenswunsch muß ich also auf unabsehbare Zeit völlig begraben. Ich darf nicht daS Schicksal eines vertrauenden Mädchens an das meine ketten. Fn welcher Gemütsstimmung ich Dir diese Zeilen schreibe, kannst Du Dir daher vor stellen. Empfiehl mich, bitte, Teinen Damen und erhalte mir Deine Freundschaft. Dein ürMk TeUftzt Kranz." Elvald dltckts sich stützend um. Er scheute sich, die Bedeutung des Briefes durch die Mitteilung noch schärfer zu beleuchten, daß f)r. Grvlichs ganzes Vermögen tn nicht mehr als drei Aktien der Leipziger Bank bestanden hatte. Die Mutter blickte feuchten Auges aus ihre arme Henny. Auch Gerda schwieg betteten. Sö sagte er schließlich mit etwas unsicherer Stimme: „Na, er hat doch wenigstens den Mut der Offen herzigkeit. Es klintzt ganz ehrlich." Gerda aber entgegnete entrüstet: „Ehrlich? Wenn -r ein gute* Gewissen hätte, brauchte er sich nicht mit solch biederen Redensarten zu behängen. Mir klingt der Brief gar nicht ehrlich. Denn er klingt anders, als der Ton. in dein vr. Grolich gewöhnlich spricht Er hat uns ja imnrer erzählt, daß er im kommenden Winter seinen Assessor machen wird, und daß sich sein Nechtsanumlt dann mit ihm assoziieren will. Dessen Praxis ist doch vorzüglich, und I)r. Grolich selbst soll ein sehr tüchtiger nnd geschickter Jurist sein. Sehr geschickt ist auch sein Brief. Im übrigen aber „Ist sein Vries ein Zeichen von erbärmlicher Feig heit", ergänzte Henny, dis eine kühle Ruhe zur Schau trug. „Der Herr Doktor hätte e» wohl mir selbst über lassen können, seinen ehrenvollen Antrag unter den ver änderten Uniständen dankend abzulehnen. Aber er ist offenbar von seiner hinreißenden Liebenswürdigkeit so überzeugt, daß er fürchtet, ich könnte auch jetzt noch mit beiden Händen zugreifen. Du muht ihm natürlich eine aüfklärende Antwort zukommen lassen.'' „WaS soll ich ihm schreiben?" ».Etwa so: Mein liebet btaver Franz, du scheinst dir stt deinem übertrieben feinen Ehrgefühl Gewissensbisse zu machen, die vollkommen überflüssig sind. Nimm dir deine Armut Nicht so sehr zU Herzen. Ein Mädchen, das dich liebt, wird sich auch durch deine Vermögenslosigkeit nicht abhatten lassen, ihr Schicksal vertrauend au das Veins zu ketten (so lautete doch wohl seine Phrase?) und die Entbehrungen deiner Zukunft zu teilen. Leider hast du dich aber im Punkte der Liebe offenbar einem Irr tum hingegeben, und ich muß dir zu meinem Bedauern eröffnen, baß ich bei keiner meiner Schwestern ein Gefühl für dich entdecken kann, das über die meinem besten Freunde entgegengebrachte freundschaftliche Hocknichtung hinausginge. Wenn du dich, wie du sagst, von uns -Utückziehen willst, so brauchst du dir also durchaus keine Vorwürfe zu machen. Nock, weniger natürlich, lveim du deine angenehmen und immer amüsanten Besuche bei uns sorksetzest. Wie dir vielleicht ganz zufällig bekannt ist, haben wir ja auch unser ganze» Verwögen verloren. Wir hassen also vortrefflich zusammen, und ich bleibe in alter Freundschaft usw. usw." „Ist daS ernstlich deine wahre Meinung, Henny?" „Es ist weine ernstliche Meinung, daß du ihm so schreiben sollst. Denn eS ist doch wohl korrekt, wenn ich ihm meine wahren Gefühle und Meinungen genau so ehrlich bekenne, wie er uns über die seinigen Bescheid ge geben hat." „Tu hast recht"» murmelte Ewald, indem er die Tapferkeit seiner Schwester im stillen bewunderte. Die Mutter aber streichelte ihr in mitleidiger Rührung so sanft die Wangen, daß ihre Tapferkeit in krampfhaftem Schluchzen verging. „Ich habe mich", fuhr Ewald jetzt fort, „durch genaue Erkundigungen vergewissert, daß wir in nächster Zeit noch gar keine Aussicht haben, auch UUr einen kleinen Teil unseres offenen Guthabens aus der Masse aus bezahlt zu erhalten. Damit Mülsen wir uns noch einige Zeit gedulden. Doch scheint gegründete Hoffnung vor handen zu sein, daß wir nicht alles einbüßen, und daß überhaupt alle Gläubiger einen ansehnlichen Teil ihrer Forderungen bezahlt erhalten." „Dann sind unsere Aktien also nicht ganz wertlos?" rief die Mutter mit einem freudigen Lächeln auf dem müden Gesicht. „In diesem Fall können Wit gern aus die paar Tausend Mark verzichten, die wir aut Grund unseres Vankbuches zu forderst haben." „Nein, liebe Mama, die Sache ist gerade umgekehrt Don diesen paar Tausend Mark werden wir nach Ord nung der Angelegenheiten einen Teil znrückerhalten, von dem Wert unserer Aktien aber keinen Pfennig." „Aber dtt fügtest doch vorder, die Gläubiger würden einen ansehnlichen Teil..." „Gewiß! Nur ist em Aktionär kein Gläubiger' Ein Aktionär ist ein Mitinhaber der Bank Dis Bank ist jedoch bankerott, bas heißt, ne hat nicht nur ihr eigenes Vermögen, also das der Aktionäre, völlig ver-
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