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02-Abendausgabe Leipziger Tageblatt und Handelszeitung : 13.06.1914
- Titel
- 02-Abendausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1914-06-13
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id84535308X-19140613028
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id84535308X-1914061302
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-84535308X-1914061302
- Sammlungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Handelszeitung
-
Jahr
1914
-
Monat
1914-06
- Tag 1914-06-13
-
Monat
1914-06
-
Jahr
1914
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-Iben- - Ausgabe ktir Leipzig un» Vorort» »urch unser» TrSg«, V»AUAVP»»I^» . unLSpe-iteurermaltügli» In» hau» gebracht» monatlich 1.LZ M., viertehShrUch Z.7S M. Sei Ser S«schüsl»st»Ur, uasern Zillalen un» siu»gob»st»U»n abgrholtr monatlich lM.,viertrl»ilhrlich SM. vurch »iepostr innerhald deutschlanö» un» »er Seutschen Kolonien monatlich I.S» M., vterteijührlich 4.S» M., ausschließlich postdestrUgel». Va» Leipziger Tageblatt «rscheint Werktag» Lmal, Sonn» u. Zelertag» lmal. Vn Leipzig, -en Nachbarorten und Sen chrten mit eigenen Ziliaien wir» Sie slden-au»gab« noch am sidenü -«» erscheinen» in» Hou» geliefert. Verliner NeSaktionrZnScn selten»?, «ernsvrecb-i'ns.^'><<?- »^7 Amtsblatt desRates und despvll?euuntes der Stadt Lcipzrg NeSaktion ,inS S«schüft»st»llr: ?»danni»gage Nr.«. » Zernsprech-NnschluH Nr. I4-4Z unS >404». ISS. Jahrgang siir Inserat, au» Leipzig un» Umgebung Sie /»NAelAkllpktlst. >fpal«igepe»>tzril«2Sps.,üi, Neklame,eiie l M., von ouewarts s» Pf., Nrkiamen l.rv M., Klein, ftnzrigen Siepetitzeile nur 20ps.b.wi,S«rhol.Nab.,Jns«rate von Vebörüen im amrlichenTeil Sir Petit zeil« rs Pf. Seschäftsanzeigen mit Planvorschrift im Preise erhöbt. Nadatt noch Tarif. Seilogen: Selamloufi.SM.öa»TauseaS au»fchl.Postgebühr, sinzeigen- finnakme: ^ohonnisgaste», bei sämtlichen Filialen Seo Leipziger Tagcdlattc» unS ollen stnnvncrn-SxpeSMonen Se» In- unS huolonSe». Seschaftsstelle für Srriin u. Sie pr.Vranüenburg: vtreklionwalterZlirgel, Verlin w. >0, Mar^oreibenNraste S. Zernspreih-Nnschiust: Lühow 847> Ar. 2SS. Lllnnkivenü, Sen lz. duni. lSl4. Vas Wichtigste. * Der Militärlufttreuzer ,,/L I" ist bei einer Not landung in der Nähe von Diedenhofen schwer ver unglückt. (S- Letzte Nachr.j * Die Stadt Crimmitschau begeht heute ihr 500 jähriges Stadtjubiläum. (2. des. Art.) * Nach Pariser Meldungen soll Vioiani mit der Neubildung des Kabinetts betraut werden. (Siehe des. Art.) * Die Großmächte sind in Konstantinopel wegen der Griechenverfolgungen vorstellig ge worden. (S. bes. Art.) * Das über Plauen und Umgebung nieder gegangene schwere Gewitter hat einen unge heuren S ch a d en angerichtet. (S. Sachs. Nachr.) * Bei einer Meuterei in dem Zuchthaus von Higueras in Catalonien wurden der Direktor und fünf Wachtposten getötet. (2. Ausl.) „Cs muß etwas geschehen". L Berlin, 12. Juni. (Line aus konservativen Ouelieu gespeiste Korrespondenz versicherte dieser Tage kurz und bündig: das erste, was die Regierung beim Wiederzusammentrilt des Reichstages tun würde, wäre, ihn aufzu lösen. Der Mann, der das meldete, weis) vermutlich mehr, als die Re gierung iin Moment selber weis;. Ganz soweit sind die Dinge im Augenblick schwerlich gediehen: es ist natürlich ausgeschlossen, das; die verbün deten Regierungen schon heule endgültige Ent scheidungen getroffen haben über das, was sie vielleicht nach sechs Monaten vornehmen werden. Aber ein Körnchen Wahrheit liegt doch darin. Es ist im Grunde dasselbe, was wir vor kur zem hier schon andeutetcn: man ist „höheren OrtS" dem Reichstage gram geworden und wird unter Umständen nicht säumen, ihn heimzu schicken. Zn diese Abneigung der Regierenden mischen sich aber auch die Bestrebungen jener Kreise, die ganz offensichtlich auf einen Kon flikt hintrcibeu. Wer darüber noch elwelchen Zweifeln sich Hingabe, den mühte, scheint uns, die Art aufklären, wie das Thema von den I sitzengcbliebcncn Loziaidemotraten ohne Unrer- laß von der konservativ-agrarischen Presse aus genutzt wird. Kein Tag, an dem es nicht so oder so variiert, bald staatsrechtlich, bald strafrecht ¬ lich, bald wieder politisch behandelt würde. Da bei beliebt man hier die Dinge so darzustellen, als ob die Regierung wieder einmal auf einer unverantwortlichen Schlappheit betroffen würde. Der preußische Iustizministcr hätte sich gewei gert, den Staatsanwalt loszulassen und also — verkündet in der „K-rcuzzeitung" ein Münste raner Professor — hätte „der Kaiser sein Recht verloren". Soweit wir unterrichtet sind, ge schieht mil diesen Vorwürfen, und vielleicht nicht ganz unwissentlich, der Regierung Unrecht. Ver gessen wir doch nicht, das; es die „Rordd. Allg. Zeitung" war, die überhaupt erst die Sturm sahne entrollte, daß zunächst in ihren Rück blicken die Notwendigkeit betont ward, irgend etwas .zu unternehmen, um der Wiederholung solcher .Szenen zu steuern. Die Priorität bleibt mithin der Regierung auf alle Hülle. Freilich, sie hat damals gemeint: der Reichstag Hütte die dickeren Stiefeln und möge gefälligst vorau- gchen. Vielleicht hegt sic diese Meinung auch noch heute. Aber das; sie fortgesetzt sich mit dem Problem beschäftigt, glauben wir aus verschie denen Anzeichen schließen zu müssen. Immerhin möchten wir annehmen, ist es weniger das Be gebnis vom 1-5. Mai, das ja nun doch der Ver gangenheit angchört, als die Zukunft, was diese Kreise quält. Mau fürcinet Vic Nachfolge des bösen Beispiels; fragt sich: wenn, was zunächst einmal zögernd und gegen eine starke sozial demokratische Minderheit sozusagen probeweise geschah, nnn zu ciuem, womöglich von Partei tags wegen verordneten Brauch wird, wenn in allen Einzel-Landtagen, in den Kvmmunalver- lretungen usw. die kraftvollen Demonstrationen mit Hilfe der vier Buchstaben sich wiederholen, muß sich da nicht binnen und buten, im Inland wie im Ausland die Vorstellung ausbreiten, Las Deutsche Reich sei im Grunde ein halb repu blikanisches Land, in dem die Monarchie nur noch vorläufig und bis auf weiteres geduldet wird? Wir halten diese Befürchtungen für weit übertrieben. Aber sie sind nun einmal vor handen, und da die Konservativen den an sich verständlichen Wunsch haben, nicht länger (wir zitieren des Grafen Westarp mecklenburgische Rede; im Reich das „bittere Brot der Minder heit zu essen", indessen sie in Preußen unein geschränkter herrschen denn seil langer Frist, müßte es wie ein Wunder zugehen, wenn sich ans all diesen Impulsen und Einflüssen nicht irgend etwas zusammenbraute. Fragt sich uur, was. Zn der Beziehung scheint mail allerdings sich noch zu keiner Klarheit durchgerungen zu haben. Die Mittel der Geschäftsordnung — das wissen wir ans den Erfahrungen in Preußen ivie im Reich — sind begrenzt; auch eine aber malige Verschärfung würde leicht allzubald auf den toten Punkt führen. Bliebe also ein Vor- Wcr ein Schwimmer wetterhart, den Kebirgsstrom Gegenwart unermüdlich hat bezwungen, läutert sich vom Jugendstreit in dem See Vergangenheit, plätschernd in Erinnerungen. Ludwig Fulda. Goethes naturwissenschaftliche Sammlungen. Noch heute ist das Vornrceil ziemlich ver breitet, Goethe, der Dichter, sei kein eigentlicher Naturforscher gewesen. Die naturwissenschaft lichen Sammlungen Goethes, die im Neubau des Weimarer Goethehauses jetzt zugänglich sind, werden nun wohl dieses Vorurteil endgültig beseitigen. Welch ungeahnte Reichtümer in ihnen stecken und wie gründlich wissenschaftlich sie an gelegt sind, zeigt einer der vier Fachleute, die die Sammlung geordnet haben, der Gießener Botaniker Prof. A. Hansen im neuesten Hefte der von Dr. Arnold Berliner und Prof. August Pütter herausgegcbenen „Naturwissenschaften". „Naturwissenschaft entsteht immer durch Aus wahl richtiger Objekte, um darüber richtige Ge danken zu fassen und Aussagen zu machen und diese durch naturwissenschaftliche Methodik zu erläutern. Es gibt also nur die eine Frage, ob Goethe diesen Anforderungen genügt hat. Sie ist glatt zu bejahen." So sagt Prof. .Hansen, ehe er auf die Be- schreibung der Sammlungen kommt. Die drei geräumigen, Hellen Säle, in denen sie unter gebracht ist, so erführt man dann, machen sofort den Eindruck eines gut ausgestattetcn natur wissenschaftlichen Museums: man fühlt sich hier drin Dichter entrückt, und statt dessen tritt der lehrhafte Naturbeobachtcr Goethe lebendig in die Vorstellung. Am meisten Eindruck macht wohl der phnsikalischc Saal; niemand wird ihn ohne Staunen verlassen; welch reichen phhsika- liscbcu Apparat sich Goethe nach und nach ver schafft hat, welche Fülle lchrreick>er Versuche er angestcllt Hal. Die Originalapparate Goethes lind in zwei Schränken ausgestellt, und man bewundert darin ebenso manches feine Instru- ment seines Mechanikers, wie die einfachen, von ihm herrührendeu Apparate, mit denen zumal der Phhsiker oft seiue grundlegenden Entdeck»«, gen macht. Auch der Laie kann hier an praktikablen Apparaten die von Goethe mit erstaunlicher wissenschaftlicher Genauigkeit beschriebenen op tischen Versuche in seiner Weise wiederholen und wird für seine Kenntnisse in physiologischer Op tik und in praktischer Farbenlehre „in einer Stunde mehr gewinnen" als durch Bücher studien, und nach dem Verlassen dieses Saales wird er von Goethes optischen Studien mehr halten als nach dem bloßen Hören von Helm holtz' kurzer Erzählung, Goethe habe einmal einen Augenblick durch ein von Ho^rat Büttner entliehenes Prisma gesehen, seine Beobachtung falsch gedeutet nud sich flugs an das Tintenfaß gesetzt, um eine Farbenlehre zu verfassen. Er wird vielmehr vergehen, das; Goethe Jahre mit diesen Stndicn au-gefüllt hat, und wird seine Genauigkeit und Vorsicht als vorbildlich für einen Naturforscher anerkennen. Ebenso kommt der Physiker auf seine Rechnung, wenn er z. B. sieht, daß Goethe Lichthöfe durch eine Lyko- podiumschicht und die Farben dünner Blättchen mit Hilfe von Asphaltlack auf einer Wasserschicht erzeugte. Iu der botanisch-zoologischcn Abteilung ist eine Sammlung deutscher Vögel in achtzehn Glaskästen hervorzuhebcn, ferner ein Schrank mit Haien, Reptilien, Insekten und Mollusken, vor allem aber das osteologische Material, das für Goethes bekannte und umfangreiche Studien auf diesem Gebiete spricht. Von besonderem In teresse sind die in einem Schranke für sich auf- gestellten Stücke zur Erläuterung der Entwick lung des Zwischenkiefers beim Mensck)en. In der botanischen Abteilung ist ein Glanzstück Goethes Herbarium, dessen Bedeutung erst jetzt ganz klar wird: noch 1007 hielt Prof. Hansen selbst cs nur für ein wertvolles „Erinnerungsstück". Freilich kannte er damals auch nur Teile da- von, und erst jetzt erfährt man, wie umfangreich es einst war und wie viel noch jetzt davon vor handen ist. Der Katalog des Herbariums weist über 1000 Nummern auf, die sorgfältig geord net sind. Zahlenhinweisc von Goethes eigener Hand sowie der Umstand, daß viele Blätter mit Aushängern versehen sind, die die Betrachtung an der Wand ermöglichten, zeigen, daß Goethe nicht nur sammelte, sondern die Sammlung auch geheu von Negieruugs wegen. Auch da wird die kriminelle Ahndung, von der die konser vativen Renaissance-Naturen schwärmen, wohl ohne weiteres auszuscyeiden sein. Aber was dann? Soll man die mit beharrlichem Sitz fleisch Begabten mit dem Verlust des Mandats strafen? Und brächte dieser Weg mit all der Unruhe, die er notwendig heraufführte, uns ans Ziel? Wie mau sieht, geht cs mit diesen Din gen nicht viel anders als mit dein Schutz der Arbeitswilligen: sobald man fester zupackt, stößt mau auf allerlei Haken und Widerhaken, wenn man nicht gar ins Leere greift. Dennoch: wir bleiben dabei, wird man gut inn, sich ans das Kommen irgendeiner Aktion einzurichten. Wie man zu der sich verhalten soll, braucht heute noch nicht erörtert zu werden: dazu wird auch später noch Zeit genug sein. Es muß nach der Stimmung in den Wühlertreisen als ausgeschlos sen gelten, daß sie sich rein ablehnend verhalten können. Und trotzdem, wir können uns nicht helfen, scheint uns auf diesem Wege kein Segen zn erblühen, viviäo et imporu. Die Trennnngs- liuien innerhalb der Sozialdemokratie, wo immer sie sich zeigen, sollten wir nach Kräften zu vertiefen suchen, nicht durch Akte der Gesetz gebung die vielfach Auseinanderstrebenden noch künstlich zuscunmenschweißen . . . Die neue Mnifterkrifis in Frankreich. In der französischen Parlanientsgeschichte bildet der Sturz des Ministeriums Ribot ein einzig dastehendes Ereignis. Wir sprachen heute morgen voni „Kabinett der 24 Stunden". Rech net inan den Beginn der Regierung von dem Augenblick, wo es sich der Kammer vvrstellte, dann hat das Kabinett überhaupt uur vier Stunden- gelebt. Ein einziges Ministerinin hat diesen Rekord überboten. Allerdings hat es sich damals um ein Geschäftsministerlmn des Ge nerals Richebout unter dem Präsidenten Mac Mahon gehandelt, das sich am 10. Mai 1875 der damaligen Depntiertenkammcr vorstelltc. Es bestand nur aus Funktionären der Arincc und der Ministerien, und 10 Minuten nach der Vorstellung war cs gestürzt. Die Nachricht von dem Fall des Ministe riums Ribot wurde am Freitag abend in der Stadt durch zahlreiche Ertrablätter bckannlge- Heben und rief unter der Bevölkerung große Sensation hervor. Tie Pariser Bevölkerung hatte irn allgemeinen unter dem Einfluß der radikalen Boulevard-Presse gestanden; inan hatte aii eine, wenn auch nur schwache Majorität für Ribot geglaubt. Um so größer ist nun die Er regung über die endlosen Ministerkrisen. Es ist zuin Arbeiten verwendete. Bis ins Alter hat er das Sammeln ganz nach Art eines botani schen Fachmannes fortgesetzt, und in seiner Sammlung sind nicht nur Pflanzen aus Deutsch land, sondern es gehört dazu eine Sainnllung von Mittelmeeralgen, eine solche von Nordsee algen usw. Deu Botaniker wird es besonders interessieren, daß Goethe auch schon eine pflan- zenpathologische Sammlung besaß, während doch erst 1841 die erste Pflanzenpathologie, die von Meyen, geschrieben wurde, und daß er schon Exemplare von Dipsacus mit Zwangsdrehungen gesammelt hat, die Hugo de Vries erst 1802 genauer beschrieben hat. Ferner hat Goethe eine Frucht- und Saineusaiumlung angelegt, eine solche von Faserstoffen, eine morphologische Sammlung und sogar eine Holzsainmlung. Aus alledem geht wohl zur Genüge hervor, daß er nicht etiva nur ein poetischer Betrachter der Pflanzenwelt war, sondern ein Fachmann. Auf die Gcsteinssammlung und die palä ontologischen Stücke braucht nur kurz hinge wiesen zu werden, denn daß Goethe sich mit praktischem Bergbau, mit Geologie und Mine ralogie befaßt hat, ist sehr bekannt. Zn dieser Abteilung stehen die Sammlungen in den ur sprünglichen Schränken Goethes. Auf den Kunstfreund wird darunter die nngeniein reich haltige Saminlung antiker Marmorarten eine besondere .Anziehungskraft ausüben. L. 4'. Kunst UN- Wissenschaft. * Amtliche Nachrichten von der Universität Leip zig. Mit Allerhöchster Genehmigung l>at das Kgl. Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts zu Dresden die Prioatdozenten Dres. med. Stabs arzt Richard See selber, Florus Lichtenstein und Ernst Karl Paul Heller zu außeretatmäßigen außerordentlichen Professoren in der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig ernannt. * Univerfitätsnachrichten. Die musikwissen schaftliche Abteilung bes Allg. Studenten ausschusses veranstaltet am 18. Juni eine Studien fahrt nach Lauchstädt zur Festauffllhrung von Glucks „Orpheus" unter Leitung des Herrn Pros. Prüfer. Nähere Auskunft erteilen die Ehren beamten. Siehe auch die Anschläge an den Schwarzen Brettern. — Desgleichen findet am Montag, den 15. Juni ein Vortrag des Herrn Schüller «Dresden» „Zum LOOiäbriaen Geburtstage Ehr. W. Glucks" natürlich unmöglich, zn prophezeien, wer der künftige Ministerpräsident sein wird. Doch deu ten alle Anzeichen darauf hin, daß Präsident Poinearv sich als geschlagen betrachlet und ein Kabinett nut raduann Mitgliedern schaffen muß. Als zukünslige Ministerpräsidenten wurden Vi- viani und Eonibes genannt. T e Abstimmuttst. Paris, 13. Juni. Nach dem amtlichen Sitzungs bericht hat die Mehrheit, die gegen das Kadi« nett Rivot gestimmt hat, 100 geeinigte Sozialisten. 1 revolutionären Sozialisten. '20 repubtila-.usche So zialisten. 162 geeinigte Radikale. 2 radikale Socia- tljten, 10 Mitglieder der radikalen Linken, 3 Links- republikaner, 3 unabhängige Sozialisten und 5 Wilde umfaßt. Die 262 Stimmen der Minderheit setzen sich zusammen aus 2 geeinigten Radikalen, ixt Radikalen, 3 unabhängigen Sozialisten, 5!» Links republiianern, 55 Progressistcn, 31 Mitgliedern dec Action liberale, 13 Mitgliedern der Rechten und 36 Unabhängigen, die fast alle auf das Programm der Rechten gewählt sind. 31 Abgeordnete enthielten sich der Stimme. Paris, 13. 2uni. Die Blätter veröffentlichen heute eine uusiührliche Liste, in der die Abgeordneten nut Namen aufgeführt werden, die an der gestrigen Kammersitzung teilnahmen, mit der weiteren Angabe, ob sie jür oder gegen die Regierung ihre Stimme ab gegeben haben. Das Studium dieser Liste ist äußerst interessant, und man muß tatsächlich die Disziplin bewundern, nach der die linken Parteien gehandelt haben. NurbStimmenenihaltungcn sind aus der Linien vorgekommen und selbst diejenigen Ab geordneten, die ihrer politischen Ileberzeugung nach eigentlich zur dreiiührlgen Dienstzeit hinnciglen, haben uch gegen die Regierung entschlossen. Das Ministerium ist nicht geschlagen, sondern, wie sich ein Abgeordneter ausdrückte, hinweggesegt worden. Der Block hat dem Minssterpraiidenten nicht einmal die Ehre einer großen Redeschlacht un getan. Nur Redner zweiter Ordnung sind von Len Parteien der Linien auf die Tribüne ge schickt worden, um so offenbar die Mißachtung zum Ausdruck zu bringen, die der Block einer solchen Re gierung entgegenbrachte. Der Triumph in den Rechen der radikalen Sozialisten ist unbeschreib lich, und die Leitartikel ihrer heutigen Morgenpresse drücken dies in breiten Worten aus. Es scheint, als ob die linken Parteien nunmehr nicht einmat ein Ministerium Viviani billigen werden, sondern nur ein Ministerium Eoinbes. Piviaui als Nachfolger? * Paris, 13. Juni. Ribot erklärte einem Be richteritatter: 2ch empfinde keinerlei Bitterkeit über meine Niederlage. Ich habe im voraus alle Schwierigkeiten ins Auge gesagt. 2ch werde meine Pflicht bis zu Ende erfüllen. Rian hat mich nicht einmal anhören wollen. Nicht ein einziger Punlt meines Programms ist erörtert worden. Aber es war immerhin ein erstaunliches Schauspiel, eine republitanßche Mehrheit zu sehen, welche Männern wie Bourgeois, Delcajst, Paytral und Elkmentel ihr Vertrauen verweigerte. Zch be dauere meine Anürengungen nicht. Was ich getan WM—-HM- ' - ———q statt. Nach dem Vortrage folgt eine Einführung ln Glucks „Orpheus". Näheres an den Schwarzen Brettern. * Schauspielhaus. Das sich noch immer ungeschwäch ter Zugkraft erfreuende fröhliche Spiel „Als ich n o ch i m F l ü g e l k le i d e. . ." kann am Donners tag im Schauspielhause sein Jubiläum der 75. Aufführung feiern. — Für das G a st s p i e l des Dresdner Kgl. Hoftheaters am Frei tag, Ibsens „Rosmershol m", zeigt sich unge wöhnlich starkes Interesse. Die Neuinszenierung des Werkes, die in Dresden tiefen Eindruck gemacht hat, hat der künstlerische Leiter des Kgl. Schauspiels, der Geh. Hofrat Dr. Karl Zeig, selbst besorgt. Die eigens für das Stück in den Werkstätten Les Kgl. Hof theaters hergestellten Dekorationen werden auch in Leipzig den Rahmen des Gastspiels bilden. * Erstaufführung in München. Földes „Rote 'Nelke" erwies sich als ungarischer Gulasch aus Biro Etwa) und Lengyel gepfeffert, mit Sensations paprika bis zu kinodramatischer Ekstase. Schade nur, daß Kinodramen spannender sind. -Schwüle Sommer tage seien den Kaminerspielen als Milderungsgrund angerechnet. Raoul Aslan aus Stuttgart zeigte mehr Talent als Beherrschung, einige Damen weniger Talent als Toiletten. * Der Münchner Direktor Schrumpf, dessen Prozeß in diesen Tagen von sich reden machte, hat nunmehr, wie aus München gemeldet wird, seine Konzession niedergelegt. Herr Schrumpf hat also, wie es nach dem Ausgang des Prozesses vorauszusehen war, auf die Berufung, die er anfänglich plante, verzich tet. Eine Notkonzession erhielt vorläufig der Re gisseur Denzel, der, wie es Heißt, vom Besitzer des Theaters zum Nachfolger Schrumpfs bestimmt ist. * Die Ausführung von „Burgspielen" beschloß die Ehren st ein er Burggemeinde in den Mauern der im Mittelalter erbauten Burg Ehren stein in Thüringen unter freiem Himmel im Juli zu veranstalten, in deren Mittelpunkt die Uraufführung des Schauspiels ..H c r r e n r c ch t" des Weimarer Schriftstellers Paul Qucnsel steht. * Der Zwischenfall bei der Berliner „Mirakel"» Ausführung im Zirkus Busch hat jetzt zur Folge ge habt, daß der Aufsichtsrat der Vertriebs, st eile des Perbandes Deutscher Bühnen, schriftsteller den Direktor Dr. Dinter vor- läufig seines Amtes als Geschäftsführer der Vertriebs stelle enthoben hat. Einen definitiven Beschluß wird die am 22. d. M. statt» findende EeseUschastsversammlung der Vertriebs stelle fassen.
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