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Verordnungsblatt der Kreishauptmannschaft Bautzen als Konsistorialvehörde der Oberlansitz. A mtsö l aL L ">er Amtshauptmannschaften Bautzen und Löbau, des Landgerichts Bautzen und der Amtsgerichte Bautzen, Schirgiswalde, Herrnhut und Bernstadt, des Hauptzollamts Bautzen, ingleichen der Sladträte zu Bautzen und Benistadt, sowie der Stadtgemeindcräte zu Schirgiswalde und Weipeuoerg. Organ der Handels- und tv e lv e r b e l a m m e r zu Zittau. Werantwortlicyer Redakteur: i. V. Rudolf Herrlein (Sprechstunden wochentags von 10—II und von 3—4 Uhr). — Verlag, Reda«!»« und Expedition: Innere Lauenstraße 4. Lelcgramm-Adresic: Ämtsblatt Bautzen. — Femsprechanschlutz Nr. 51. Die Bautzener Nachrichten erscheinen, mit AuZnabmc Sonn- und Fesüage, täglich abends. Preis des vierteljährlichen Abonnements 3 In,ernon?gebühr für den Raum einer Pctit-Spaltzell« Satzes 15 in geeigneten Fällen unter Gewährung von Rabatt: Ziffern-, Tabellen- und anderer schmieriger Satz entsprechend teurer. 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Diesen alten Spruch könnte man mit Beziehung auf den längst angekündigten, nun end lich erschienenen Syllabus (d. h. auf deutsch Katalog, Ver- zeichnis, Zusammenstellung) von 65 verdammten Lehren übersetzen: die Jnguisitionskvngregation, die im Batikan über die Reinheit des Glaubens zu wachen hat, hat ge sprochen: der Neformkatholizismus ist beseitigt — wenigstens auf dem Papier. In der Tat ist in 65 Sätzen eine Reihe von Anschauungen verdammt, die man in neuerer Zeit bei fort schrittlich gesinnten Theologen zu lesen gewohnt war. Ge rade auf dem Gebiet der Bibelwissenschaft hat sich seit einer Reihe von Jahren unter dem Einfluß der protestantischen Bibelkrittk eine moderne Richtung unter den katholischen Bibelforschern entwickelt. Leo XIU. hatte schon gegen sie ge wettert und auch Pius X. erklärte ihr den Krieg. Nunmehr ist in dem neuen Syllabus eine große Anzahl von Anschau ungen modernkathvlischen Gepräges über biblische Fragen verworfen worden. Jede rein menschlich-natürliche Auf fassung und Erklärung der biblischen Schriften ward ver dammt, der Jnspirationsbegriff in seiner alten Strenge durchaus festgehalten. Das Bild, das die Evangelien von der Person und den Lehren Jesu geben, wird als durchaus historisch anerkannt. Grundsätzlich wird der Satz verurteilt: „Die ungläubigen Exegcten (Bibclausleger) haben den wahren Sinn der heil. Schriften getreuer wiedergegcben als die katholischen Exegcten." Eine andere Gruppe von Sätzen enthält Verwersnngsurteile aus dem Gebiet der Dogmatik. Hier wird z. B. die reformierte Lehre verdammt: „Die Dogmen sind nur beizubehaltcn nach ihrem praktischen Sinn, d. h. als eine gebietende Norm für das Handeln, nicht aber als eine Norm für den Glauben." Auch von der Gottheit Ehristi, von seinem messianischen Selbstbewußt sein handelt der Syllabus. Die Geschichte der Kirche und ihrer Einrichtungen, z. B. der Sakramente, ist ein weiteres im Syllabus behandeltes Gebiet. Auch hier verdammt der Syllabus eine Reihe von Sätzen, die vatikanischen Ohren allzu kühn „nach Ketzerei schmeckend" klingen, weil sie rein Historisch, nicht mit vorgefaßter dogmatischer Wendung, die Geschichte der Kirche, die Ausbildung der kirchlichen Einrich tungen ansehen. Das Gesetz der Entwickelung ist von den „Modernisten" auch z. B. auf die Ausbildung und allmäh liche Entwickelung der kirchlichen Sakramente übertragen worden. Sie befanden sich damit in Uebereinstimmung mit allen nicht vornherein an römische Glaubenssätze gebun denen Geschichtsforschern, vor allem mit den protestantischen Kirchenhistorikern. Wir können nicht alle einzelnen der verworfenen Aufstellungen, die ja rein theologischen Cha rakters sind, anführen. Der Kernpunkt der Sache auf dem Gebiet der Kirchengeschichte ist der, daß der Syllabus den Satz verwirft: „Die organische Einrichtung der Kirche ist uicht unveränderlich, sondern die christliche Gemeinschaft ist gerade so wie die menschliche Gemeinschaft einer fort währenden Entwicklung unterworfen." Hervorzuheben sind auch d i e Sätze des Syllabus, die die Stellung der Reformer zur kirchlichen Autorität betreffen. Gleich der erste Satz des Syllabus verdammt die reformerische Behauptung: „Das Kirchengesetz, welches vorschreibt, die Bücher Uber die heil. Schriften einer vorherigen Zensur zu unterstellen, hat keine Geltung sür die Kritiker oder für wissenschaftliche Bearbeiter der Bücher des Alten und Neuen Testamentes." Ferner ver langt der Syllabus für die Verurteilung von Irrtümern durch die Kirche innere Zustimmung, während die Re former sich manchmal nur äußerlich einem Disziplinargebvt gegenüber unterweisen. Auch der reformkatholische Satz wird verworfen: „Die Kirche stellt sich feindlich zu den Fort schritten der natürlichen und theologischen Wissenschaften." — Freilich ist dieser ganze neue Syllabus der beste Beweis dafür, daß die Modernisten mit dieser Behauptung Recht haben. Also im ganzen gesagt: was an neuerer, moderner, freisinniger Richtung in der katholischen Theologie vorhan den war ist in Bausch und Bogen in diesem Syllabus ver worfen. Und zwar wird eben nicht nur äußere Unterwer fung verlangt, sondern innere Zustimmung. Die kleri kalen Stimmen, die aus Rom vor einigen Tagen über den damals eben bevorstehenden Syllabus laut wurden, betonten sofort: der Syllabus werde einen großen Kreis von Theo logen treffen und eine Reihe von Revokationen und löb lichen Unterwerfungen erforderlich machen. Das ist aller dings der Fall: Rom hat hier im Ganzen zusammengestellt, was es seit Jahren durch das Verbot einzelner reform- katholischer Bücher, zumal der französischen Bibelforscher Loisy, Houtin usw., erreichen wollte. Mit der neuerlichen Verurteilung Schells in dem Lobschreiben Pius' X. an den Prälaten Commer in Wien, und den vatikanischen Enthül lungen über die Jndex-Adreß-Liga stellt sich der neue Sylla- buS dar als eine Entscheidung von großer grundsätzlicher Bedeutung: Es ist eine endgültige Verurteilung aller wissenschaftlichen Kritik, alles thevlvgifchen Liberalismus in der römischen Kirche. — Oausa kimta: Der Reform-Katholi zismus soll durchaus getötet werden. Ob eS gelingen wird? Darauf darf man nun wirklich gespannt sein. lieber Warenprcisstcigerung und Haushaltskosten spricht sich der sozialdemokratische Schriftsteller R. Calwer in der von ihm herausgegebenen Wirtschaftlichen Korrespon denz wie folgt aus: „Das Statistische Amt der Stadt Dresden, das sich wieder holt durch eingehende Untersuchungen über die wirtschaftliche und soziale Lage der Dresdner Arbeiter bekannt gemacht hat, veröffentlicht soeben eine neue Arbeit, deren Wert weit Uber den lokale» Rahmen Dresdens hinausgeht. Auf Grund der Bewegung der Kleinverkaufspreise wird der Einfluß der von 1903 bis 1906 eingetretenen Preisünderungen auf das Ausgabebudget von Arbeiterfamilien untersucht. Die Aus zeichnungen des Statistischen Amtes der Stadt Dresden über Kleinverkaufspreise sind erheblich besser als die ent sprechenden Notierungen in den meisten anderen Groß städten. Daher sind auch die Ergebnisse der hier besprochenen Arbeit von besonderem Werte. Um den Einfluß der Preis steigerungen ans die Hanshaltskosten zn ermitteln, hat sich das Statistische Amt 25 Ausgabeverzeichnisse Dresdner Ar beiterfamilien verschafft, die unter Mitwirkung des Dres dener Gewerkschaftskartells angelegt und zn Ende geführt wurden. Diese Verzeichnisse umfassen die Zeit vom 1. April 1903 bis 31.. Mürz 1904 und enthalten für jede» Tag im Be richtsjahr den Aufwand der betreffenden Familien für die verschiedenen Ausgabezwecke. An der Hand der Preisnotie- rungcn war eS nun möglich, zn ermitteln, nm wieviel höher die Ausgaben im Jahre 1903 gewesen wären, wenn die Lebensmittel im Jahre 1903 ebensoviel gelüstet Hütten wie im Jahre 1906. Die Preissteigerungen sind ziemlich allge mein und zum Teil recht erheblich. Eine Verbilligung haben nur Margarine, Kartoffeln und Zucker erfahren. Zweifel los sind durch diese Preissteigerungen die für den Konsum der Arbeiterbevölkerung wichtigsten Lebensmittel ersaßt. Zu welchem Ergebnis kommt nun das Statistische Amt bei seinen Berechnungen, wie diese Prcisveründerungen die Hanshaltskosten beeinflußt haben'? Das Ergebnis ist folgen des: Im ganzen, das heißt wenn man die Preisveründc- rung der sümtlichen wichtigeren Lebensmittel in Betracht zieht, hat sich das Ausgabebudget der 25 Familien in der Zeit von 1903 bis 1906 erhöht im Höchstbetrag um 76 im Mindestbetrag um 2Ü und im Durchschnitt um 46 und es beträgt die prozentuale Steigerung im Maximum 4,3 Prozent, im Minimum 1,9 Prozent und im Durchschnitt 3,1 Prozent Zu dieser Ausgabesteigeruug hat die Fleischteuc- rung beigetragen im Höchstbetrag 32 .//, im Mindestbetrag 2 und durchschnittlich 17 .//. Die prozentuale Steigerung der Hanshaltskosten durch die Fleischteuerung beziffert sich im Maximum auf 1,7 Prozent, im Minimum auf 0,1 Proz. und durchschnittlich ans 1,2 Prozent. Wenn das Statistische Amt meint, dieses Resultat überrasche im allgemeinen nicht und entspreche den allgemein gehegten Vermutungen, so ist doch darauf hinzuweisen, daß man den Einfluß der Preis steigerungen in weiten Kreisen ganz gewaltig überschätzt hat. Die Untersuchung des Statistischen Amtes wird die Auf fassung stützen, die sich gegen eine lleberschützung der Ein wirkung der Preissteigerungen am Warenmärkte auf die Haushaltskosten schon seit längerer Zeit richtet. Daß die Löhne seit 1903 ganz erheblich stärker gestiegen sind als das Preisniveau der Haushaltskosten, ist nicht zu bestreiten: dafür kann der statistische Beweis gleichsalls erbracht werden. Den geringen Anteil der Fleischteuerung an der Vermeh rung der Hauskaltungskosten führt das Statistische Amt darauf zurück, daß die Fleischteueruug in den in Frage kommenden Budgets überhaupt eine bescheidene Rolle spielt, durch andere Nahrungsmittel konkurrenziert wird, und zwar trotzdem die Fleifchpreise im Jahre 1903 verhältnis mäßig billig waren und kaum dazu Anlaß gaben, den Fleischverbrauch unter den üblichen Standard herabzusetzen. Jedenfalls ergibt sich aus den vorliegenden Berechnungen, daß trotz einer erheblichen Steigerung der Lcbensmittcl- preise die Haushaltnngskvstcn lange nicht in dem Grade gestiegen, wie dies vielfach angenommen wurde. Ja, die Erhöhung des Lohnniveaus iu den in Frage kommenden Jahren war so kräftig, daß der größte Teil der Arbeiter bevölkerung seine Lebenshaltung noch merklich vermehren und verbessern konnte. Diese Tatsache dürste doch kaum noch anfechtbar sein. Sollte sie aber doch angefochten werden, so müßte man sür das Gegenteil stichhaltige Beweise ver langen. Es ist aber nicht einzusehcu, aus welchen Gründen diese Verbesserung der Lebenshaltung der Arbeiter be stritten werden sollte. Das Zugeständis, daß die Arbeiter an der steigenden Konjunktur auch einen erfreulichen Anteil genommen haben, und zwar vielfach unter aktiver Mitwir kung ihrer gewerkschaftlichen Organisationen, wird auf das VvrwürtSstreben der Arbeiter sicher keinen abschwüchenden Einfluß üben, sondern sie vielmehr überzeugen, daß ihr Kümpfen und Streben keineswegs umsonst ist." Das ist wohl richtig. Der sozialdemokratischen Mythe von der fortschreitenden Verelendung der Massen, ebenso wie dem sozialdemokratischen Fleischnot- und Brvtwnchergeschret wird durch solche Feststellungen allerdings nicht gedient. AkuM imektr MMvwmr Mü Ltlt-hollMtlduuM Berlin, 25. Juli. fKrcuzztg.j Die Landwirtschasts- kammer für die Provinz Brandenburg gibt bekannt, daß der Minister der öffentlichen Arbeiten die Königlichen Eiscn- bahudirektionc« angewiesen habe, E i s e n b a h n a r d e i t c r zu den Erntcarbeiten zu beurlauben, soweit dies die Sicherheit des Eisenbahnbetriebes zulassc. Frankfurt a. M, 25. Juli. Wie die „Franks. Ztg." aus Odessa meldet, ist der Chef der U » t c r s u ch u n g S - abteilnng der dortigen Polizei NadsiewSky plötzlich er krankt. Die Aerzte glauben an eine Vergiftung durch langsam wirkendes Gift. Mau nimmt an, daß Radsiewsky von einer ihm nahestehenden Person, die erkauft wurde, ver giftet worden sei. Haag, 25. Juli. Friedenskonferenz. Ein Amendement Deutschlands zu dem englischen Vorschläge, bctr. die Legung vo» Torpedos, besagt, daß das Legen von verankerten selbsttätigen Minen in der unmittelbaren Nach barschaft des Aktionsradius der Kriegführenden unter der Bedingung gestattet sein solle, daß Vorsichtsmaßregeln zum Schutze Neutraler getroffen werden. Die erste Untcrkom- missiou der 2 Kommission verhandelte nachmittags über die Behandlung Kriegsgefangener. Brest, 25. Jnli. Zu Ehren des amerikanischen und japanischen Geschwaders wurde heute ein Gartenfest gegeben. Der japanische Admiral ist mit seinen Offizieren nach Paris abgereist. London, 25. Juli. Die koreanischen Dele gierten wollen, wie sie einem Vertreter des Rentcrscheu BureanS erklärten, die Lage Koreas gegenüber Japan dem Präsidenten Roosevelt unterbreiten. Nach ihrer Rückkehr nach England wollen sie dort ein Unter nehmen ins Leben rufen, das der Politik Japans in Korea entgegenarbcitcn solle. Besonders von den Delegierten Großbritanniens, Frankreichs, Deutschlands und der Ver einigten Staaten hätten sic Versicherungen des Mitgefühls und Zusicherung der Hilse empsangen. Zum Schluß erklärten die Delegierten, daß die Abdankung des Kaisers japanischem Gelde und koreanischen Verrätern zuzuschrcibcu sei. Tokio, 25. Juli. sNcutcr-Mcldung.s Man nimmt hier an, daß der Wortlaut des russisch-japanischen Abkommens am Sonnabend vcrössentlicht werden wird Tokio, 25. Jnli. Telegramme ans Söul besagen, daß man eine Erhebung der koreanischen Truppen befürchte. Das Abkommen zwischen Japan und Korea ist ab geschlossen, aber noch uicht im Wortlaut veröffentlicht. Es verlautet, daß der japanische General-Resident die unbe schränkte Kontrolle der Verwaltung Koreas, sowie die Er nennung von Japanern zu Beamten der koreanischen Ne gierung zngestandcn wird. Die Erlangung der Zustimmung Koreas soll verhältnismäßig wenig Schwierigkeiten bereitet haben, Dank der Umstände, daß die japanischen Forderungen weniger druckend seien, als man angenommen habe nnd daß eine Abführung des abgcsctzteu Kaisers nach Tokio nicht darin enthalten ist. Söul, 25. Jnli. fRcntcrmclduug.j Wie eS heißt, hat MarqviS Ito die japanischen Vorschläge dem koreani schen Kabinett heute vorgelegt.