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02-Abendausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 13.10.1900
- Titel
- 02-Abendausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-10-13
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19001013028
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900101302
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900101302
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-10
- Tag 1900-10-13
-
Monat
1900-10
-
Jahr
1900
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mit solchen verrufenen Leuten wenig Umstände. Sie waren wenigstens halb und halb geächtet. In vielen Städten waren die Spielleute vom Abendmahl, an anderen Orten sogar vom Kirchenbesuch überhaupt ausgeschlossen. Als Kinder der Land straße wollte kein ehrsamer Bürger mit ihnen zu thun haben. Niemand nahm sie über Nacht auf, und wenn sie nicht, wie Beit, mit den „Gumpelleuten", mit den Lahmen, den Gaunern und Cochemern gemeinsame Sache machen wollten, so kamen sie auf der Reise in arge Verlegenheiten. Das war nun freilich in Rappoltsweiler Alles anders. Hier waren die Spielleute sozusagen zu Hause. Die Herren von Rappoltstein waren ihre mächtigen Gönner und Beschützer, vom Kaiser als Pfeifrrkönige bestätigt, und hatten ihnen beim Kaiser die Gnade erwirkt, daß sie in Rappoltsweiler ihre eigene Gilde bilden durften, mit eigenen, strengen, aber gerechten Satzungen, die unehrliche oder, wie man sagte, „onecht"*) Leute aus schlossen. Deshalb hatte sich ja Veit eben nach Rappottsweiler ausgemacht, um sich als ehrlicher Spielmann in dir Gilde auf nehmen zu lassen. Er wollte auch jedes Jahr seine zwei Plapparie bezahlen, um als ein rechter und ordentlicher Spiel mann angesehen und behandelt zu werden. Er fühlte eben trotz seiner Jugend den wunderlichen Widerspruch, der darin lag, daß die Leute seinen Liedern und Spielweisen mit viel Gefallen zuhörten, aber von dem Spielmann selbst nichts wissen wollten. Wieso? Wie kam er dazu, für Sünden zu büßen, die Andere durch lockere, unsittliche Gesänge und wüsten Lebenswandel am Volk begangen? Plötzlich, es mochte schon gegen Morgen sein, wurde Veit aus seinen Halbwachen Träumen und Sinnen durch Pferde getrappel aufgestört, das sich auf derselben Straße hören ließ, die er vor einigen Stunden hergekommen war. Er schmiegte sich noch dichter an die Mauer an, in deren Schatten er lag, so daß er von der Straß« aus nicht gesehen werden konnte- Seine Kleider waren dunkel, die weiße Wäsche, die etwa hindurch schimmern konnte, deckte er sorgfältig mit dem Mantel zu. Wer *) onecht, gleich unecht, d. h. unechter Geburt. Wenn ein Pfeifer vor Gericht klagte und vom Richter Recht erhielt, so hatte er gleichwohl an seinen Gegnern keinen anderen Anspruch, als seinen Schatten zu schlagen. Mit anderen Worten also: Sie waren vogelfrei. Das Mittelalter war überhaupt an solchen Einrichtungen reich. Nicht nur die Scharfrichter, sondern auch die Leineweber, die Müller u. s. w. mußten sich viel gefallen lassen. Daher auch der bekannte Spottvers: Die Leineweber schlachten alle Jahr zwei Schwein', Das ein' ist gestohlen, das and're nicht sein. sollte auch erwarten, daß so spät in der Nacht noch Jemand hier vor dem Thore im Freien liege? Das Pferdegetrappel kam rasch näher, und endlich sah Veit in einer Entfernung von etwa fünfzig Schritt auf der Straße zwei Reiter vorübersprengen, dir bald darauf am Niedernthor vor der Zugbrücke hielten. Ein sonderbares Pfeifen, wie etwa der Schrei eines Käuzchen, ertönte. Dann wurde wieder Alles still. Erst, als nach einer längeren Pause sich nichts am Thore regte, sagte der eine der Reiter halblaut: „Wer hat die Wache?" „Das Läpplin", antwortete der Andere. Veit dachte daran, sich von den zwei Reitern mit in die Stadt hinein nehmen zu lassen. Als er aber die Stimmen hörte, stand er unwillkürlich von seinem Vorhaben wieder ab. Von Hause aus etwas schüchtern und zurückhaltend, hatte er plötzlich Furcht, sich den beiden Reitern zu nähern. Er hörte deshalb auch nur verworren und unklar, was die Beiden leise miteinander sprachen. „Das versoffene Schwein wird wieder einen Rausch haben und uns nicht hören. Warum hast Du keinen Anderen hin gestellt, Wolf?" „Ich habe mit Absicht das Läpplin hingestellt, Junker", er widerte der Andere. „Der Kerl sieht bei Hellem Tage nichts, um wieviel weniger bei Nacht. Man kann ihm Alles anplanschen, was man will." „Er hört uns aber nicht, wir können nicht hier warten, bis es Tag wird." Ein neuer Pfiff ertönte, und daraufhin erschien aus der Mauer zuerst ein Spieß, dann eine Blechhaube, und unter dieser endlich ein verschlafener Kerl mit Lederwamms und langem Stoßdegen an der Sette. „Hoho!" rief der Mann -laut und polternd, „was ist hier los? Wer seid Ihr und was wollt Ihr?" „Halt' den Schnabel, Rindvieh, und laß die Brücke herunter, sonst laß ich Dich acht Tage krumm schließen", klang «s halblaut zurück. Erschrocken fuhr der Wächter zurück. „Oho, es ist der Hauptmann. Es ist der Herr Junker von Hohnack", murmelte er verstört und verschwand von der Mauer- Gleich darauf senkte sich die Zugbrücke langsam und die zwei Reiter sprangen von ihren Pferden herunter, um, sie am Züge? führend, in die Stadt hinein zu gehen. Es war ein dreifaches Thor, durch das sie gingen. Das erste Thor gleich hinter dem Wallgraben, das zweite hinter der ersten Stadtmauer, das dritte hinter der inneren zweiten Stadtmauer. Hier bildete das Thor einen großen Wachtthurm, in dem auch die Quartiere der Thor- wache lagen. Hier angrkommen, gab Wolf Haßslug die beiden Pferde dem Thocwächter, der sie in einen unter dem Thurm befindliche?. Stall führte, während Junker Hohnack die Treppe hinaufging und in den oberen Räumlichkeiten verschwand. Als das Läpplin nach einer geraumen Wette in dir Wacku slube trat, um sich wieder schlafen zu legen, sah er an einem Holztisch Wolf Haßflug sitzen, der aus einer mächtigen Wein kanne soeben einen derben Zug that. , Hier, Läpplin, trink!" sagte Wolf gesprächig, „was Hilst das shlechte Leben? Ehe man sich's versieht, ist's aus damit. Aas g'ebt's Neues in der Stadt?" Läpplin griff zuerst nach dem Krug, der ihm offenbae wichtiger war, als die Antwort, und hängte seine rothe, mit einer Unmenge gedunsener Pickeln üüersäete Nase eine hübsche Weil, über dessen Rand. Endlich setzte er wieder ab, reichte den Krug zurück und fuhr sich mit der unverhältnißmäßig großen uno schmutzigen Hand über den Mund. „— Nüd", antwortete er kurz. „Nichts?" entgegnete Wolf lachend. „Um so mehr giebt'S draußen", fuhr er dann geheimnißvoll fort. „Was Ihr sagt! Wäret auf Kundschaft, Wolf?" fragte Läpplin neugierig und riß die kleinen, vom Trinken etwas ge- rötheten Schlitzaugen weit auf. „Will ich meinen. Es werden bald andere Tage in Rappolts- weiler kommen. Der Lanrvogt Wilhelm ist mit fünfzehn hundert Rettern hierher unterwegs." „Der alte Herr?"*) „Natürlich. Er ist von Ensisheim aufgrbrochen. In drei Tagen kann er hier sein." „Und was will er von uns? Wir haben nichts gethan." „Er wird Euch schon sagen, toas er will. Draußen, vor den: Niedernthor werden noch drei neue Galgen gebaut." „Was? Man kann uns nichts beweisen. Wir sind urrftrm Herrn und Gebieter immer treue Söldner gewesen." „Ja. So treu, daß sich Herr Ulrich eben an seinen Vater um Hilfe gewandt hat. Ich sage Dir, es kommen böse Zeiten. Wir werden zeigen müssen, wer Herr in Rappoltsweiler ist." „Das sind wir", entgegnete der versoffene Strick frech und schlug mit der ungeschlachten Faust auf den Tisch. „Ja", sagte der Andere höhnisch, „so lange Du hinter den Mauern stehst und arme Reisende cujonirst. Wenn aber erst *) Der Landvogt Wilhelm von Rappoltsstein war der Vater Ulrich», des regierenden Herrn von Rappoltsstein. Zeitverlust eingeleitet und durchzefiihrt werden könnten. Es dürste sich deshalb die Erwägung aufdrängen, ob man nicht rascher zum Ziele käme, wenn Schiedsgerichte, soweit sie für erforderlich anerkannt werden, in China selbst zusammen treten. Das ist aber jedenfalls zur Zeit noch eine recht nebensächliche Frage. Wir selbst tbeilen die optimistische Ansicht des officiösen Berliner Correspondenten von der Antwort Amerikas nicht durchaus. Sie entspricht nicht in der Form, aber in der Sache den früher verbreiteten Mittheilungcn. Sie lehnt keinen der Vorschläge des französischen Ministers schroff und unbedingt ab, macht jedoch alle möglichen Vorbehalte. Ein glattes Nein setzt sic nur dem Anträge entgegen, eine ständige Schutztruppe in Peking zu unterhalten, will sich jedoch dazu ver stehen, „zeitweilig" eine genügende Wachmannschaft dort zu lassen. DaS Verbot der Waffeneinfuhr scheint man in Washington für eine gewisse Zeit sogar zu billigen, da es in der Antwort heißt, eS werde obne Zweifel nicht für immer be stehen. In Betreff der Entschädigungen wird auf den unprak tischen Vorschlag Rußlands verwiesen, die Frage dem internatio nalen Schiedsgericht im Haag zu unterbreiten. In Betreff der Schleifung der ForlS, der Besetzung einiger Puncte und der Theilnakme an weiteren kriegerischen Operationen erklärt Präsident Mac Kinley, er könne keine Verpflichtungen ein gehen. Es sei Sache des CongrcsseS, darüber zu entscheiden. Schließlich wünscht er weitere Berhandlungen zwischen den Mächten. Er macht viele Worte und sagt wenig. Er will Frankreich nicht verletzen, beobachtet aber große Zurückhaltung. Ein Diplomat würde sagen: Das ist eine dilatorische Ant wort. In der Tbat bestätigt sie nur, was man längst weiß und was der Rückzug der Amerikaner von Peking und ihre Weigerung, sich an dem Vorgehen der anderen Contingente zu betbeiligen, aller Welt klar gemacht hat: Die Vereinigten Staaten wollen in China nicht mehr mitthun. Wie man der „Polit. Corresp." aus Paris meldet, sagt die „Liberts" an, baß die Mehrzahl der Mächte ihre Zu stimmung zu den Vorschlägen Delcassv'S gegeben habe. Die Negierung der Vereinigten Staaten, die gleichfalls tt-r-.u Anschluß erklärte, beglückwünschte das französische Cabinet dazu, daß cs die Grundlagen für die Ver bandlungen geboten habe. Die Vorbehalte der Union betreffen nur sekundäre (!?) Einzelheiten. England habe seine volle Ucbereinstimmung kundgegeben. Besonderer Werth sei der Form beizulegen, in welcher Rußland die französischen Anträge angenommen hat. Oesterreich-Ungarn und Italien haben ebenso wie Deutschland sich einverstanden erklärt. Wenngleich auS Berlin die amtliche Antwort noch nickt ein getroffen ist, so sei doch eine vertrauliche Mittheilung darüber schon eingelangt. Nur Japans Erklärung sei noch aus ständig, es werde aber nicht bezweifelt, daß auch diese zu stimmend lauten werde. Der Krieg in Südafrika. Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, soll es der Wunsch und die feste Absicht des Premierministers Lord Salisbury sein, den General Lord Kitchener als Obercommandirendcn in Südafrika mit ploin pouvoir zu belassen und ihm die weitere „Pacfficirung" 'in den -besetzten Staaten anheimzugeben. Hier mit würde -in Uebercinstimmung stehen, daß General Sir Redners Buller schon auf dem Rückwege nach Capstadt und nach Eng land ist, da er natürlich unter dem viel jüngeren Kitchener kein Commando bähalten kann. Falls sich die Ernennung des Letzteren bestätigen -sollte, so wird es interessant sein, die Consequenzen dieses Arrangements in Südafrika, und zuletzt nicht nur in den Boerenländern allein, sondern speciell in der englischen Feldarmee zu beobachten und zu verfolgen. Lord Kitchener ist -der anerkannte Favorit des Premierministers und des britischen Auswärtigen Amtes, und so gut angeschrieben und so geachtet er bei seinen höchsten vorgesetzten Behörden ist, so verhaßt ist er wegen seiner für englische Verhältnisse geradezu maßlosen Strenge bei allen Officieren, die in höheren oder niederen Stellungen jemals mit ihm in Berührung gekommen sind. Er ist im wahren Sinne des Wortes derbe st gehaßte Mann in der britischen Armee und in der Hauptsache wohl deshalb, weil er immer mit größter Rücksichtslosigkeit gegen jsdes Cliquenwesen und gegen die herrschende Connexions-W-irthschaft im Heere vorgegangen ist und seine Untergebenen stets nur strenge nach Verdienst und Fähigkeit angestellt und behandelt hat. Vor einigen Tagen schrieb bereits ein Londoner Jingo-Blatt, das den oberen Zehn tausenden sehr nahe steht, daß „es das sicherste Mittel sein würde, sehr bald eine Rebellion in Südafrika hervorzurufen, wenn Kitchener mit seiner Schroffheit und Unverträglichkeit Obercom-mandirender der britischen Feldarmee würde, und daß eine solche Ernennung nur zu bald alle pacificirenden Bc mühungen von Männern wie die Generäle Maxwell und Baden- Powell para-lisiren müsse". — Natürlich, Männer wie die Letzi genannten sind großmächtige Salonhelden, Lieblinge der Damen, sehr liberal in ihren vollständig unmilitärischen direclen Mu theilungen an die sensationshungrigen Blätter zu Hause und immer bereit, einen guten Freund oder eine geschätzte Freundin dadurch zu verpflichten, daß sie einen warm empfohlenen, sonst aber soldatisch wenig empfehlenswerthen jungen Mann -in einem smarten Regiment oder gar in einem Stabe einen angenehme n und ungefährlichen Officier-Posten gäben, wenn auch die Feld- Herrn-Qualitäten des jungen Helden einfach gleich Null sind. — Somit wird Kitchener allerdings der richtige Mann an der Spitze und vielleicht sogar der einzige passende General fein, zumal da er weit davon entfernt ist, ein Jingo und ein be- auemer Handlanger des Herrn Chamberlain zu sein, ober der richtige Mann für die „Unterrocks-Wirthschaft" ist er natürlich nicht, und — dine Utas lacrimae. Tic Städte Wepener, Ronpvillc nnd FtckSburg sollen nach einer Privatmeldung bereits von den Engländern wieder occupirt worden sein, ohne daß jedoch ein Wort darüber verlautet, in welcher Weise die Boeren, welche jene Plätze erst vor ein paar Tagen eingOwmmen hatten, zur Wiederaufgabe der selben gezwungen wurden. Es ist noch nicht einmal festgestellt wotden, woher diese Boerencommandos gekommen und wohin sie wieder verschwunden sind, und die Zustände im Osten und Südosten des Freistaates scheinen nach wie vor die gleich unge klärten zu bleiben, wie sie es von jeher gewesen sind. — Auch über General deWet weiß man im englischen Hauptquartier immer noch nichts Genaues, cbwohl er, wie in osficiellen Depeschen ver lautet, ganze drei Tage mit der Brigade des Obersten de Li-l: in Berührung war und sich auch mit dieser herumgeschlagcn haben soll. Tie „Pacification". In Zukunft wird die in Südafrika verbleibende englische Armee in der Weise organisirt werden, daß sie in kleinere Brigade Verhältnisse cingetheilt und in dieser Formation über das ganze Land vertheilt werden wird, so daß jeder District vorläufig noch seine feste englische Besatzung hat, welche die weitere Paci fication (?) zu -besorgen hat. Man hat nämlich längst eingesehen, Abend-Ausgabe ll 10.13,82. Truck und «erlag von E. Pol, tu Lechzt» Jahrgang Sonnabend den 13. October 1900. 163,50 Feuilleton 41 2400 avm. 2300 2300 7550 1000 Die Vtorgeu-AuSgabe erscheint u« '/,7 Uhr. die Sbeud-AuSgab« Wochentags um L Uhr. Ai.: Laut Berichten chinesischen Truppen ausgebrochen, die in in der Nachbarschaft S30 SSO 4»c> 13750 400 2500 1100 ess 1476 ISS 2450 750 40 17700 OSO 3600 900 530 13850 300 >oll ö. «ii Korso vor utlicd io l.oc«U- . KoUvortko «doll- -ack uo<i kovvllkol». nriovollä. 1 lt»vr. !5 (?»Il 0,01). i-'all 0,02). 03,10 81,SO 89, - «9.60 8-4,25 99,— 00,60 57,— 10-,25 63.80 16,31'- 100,60 106.25 60.80 147.25 Extra-Beilage» (gefalzt), nur mit der Morgen-Ausgabe, ohne Postbesörderuug 60.—, mri Postbeforderung 70.—. .Annahmeschluß für Anzeigen: Abend-AuSgabe: Vormittags 10 Uhr. Morge o-Ausgabe: Nachmittags 4 Uhr. «ei den Filialen und Annahmestellen je et» halbe Stunde früher. «»teigen sind stets an die Expeditta» zu richte». AnzeigeN'PreiS die 6 gespaltene Petitzeile 20 Pfg. Reclameu unter demRedactionSstrich (4g«» spalten) 50^, vor den Familiennachrichtra (6gespalten) 40 ^. Gröbere Schriften laut unserem Preis verzeichnis Tabellarischer und Ziffern!«! nach höherem Tarif. 170.75 82,60 101.10 320.75 182.10 173.10 186.10 140,40 118.75 107.10 Ledartton und Expedition: Johanni»«affe 8. Die Expedition ist Wochentags ununterbrochen geöffnet von früh 8 bis Abends 7 Uhr. Filialen: Alfred -ahn vorm. v. Klemm's Eorttm. UuiSersitätssrrabe 8 (Panlinum» Laut» Lösche, AdlhMmAr. La, Part, »d König-Platz l 58^, KS-, 114', 73'. 71 Die Wirren in China. .Die Unruhen in den Südprovinzen werden in dem Tientsiner Hauptquartier für sehr ernst an gesehen, namentlich in Can ton. Der „LuchS" und „Tiger", sowie ein englisches Kanonenboot erhielten Befehl, dort zu bleiben. Der Alarm am vergangenen Sonntag und die von den europäischen Truppen getroffenen Maßregeln veranlaßten die chinesischen Behörden, gegen jede Besetzung chinesischen Gebiets in Sbanghai außerhalb der europäischen Nieder lassungen zu Protestiren. Der chinesische Gesandte in Washington sucht zwar mit dem Hinweis darauf, daß es im Süden gar keine Boxer gäbe, über den Ernst der Lage binwegzutäusckeu, aber daS ist nur eine Wortklauberei. Boxer giebt es dort allerdings nicht, wohl aber Schwarzflaggen, und dieser Name ist nur eine andere Bezeichnung für Boxer. Beider Ziele sind dieselben. Auch dem deutschen Flottenverein wird auS Sbanghai, 12. October, gemeldet, der Ausstand in Sür-Cbiua greife immer weiter um sich. Die englischen Truppen sollen daher auS Nord-China nach Hongkong herangezogen werden. Ebenso werben weitere Verstärkungen auS Indien erwartet. — Sonst wird unS noch berichtet: * London, 13. October. (Telegramm.) Die „Times" berichten aus Hongkong: In sechs Bezirken der Provinz Weitschou sind dieStädte in den Händen dcrAufständijchen. Ein beträchtlicher Theil von Truppen ist aus Canto» nach den aufrührerischen Bezirken geschickt worden. Wen» der Ausstand auch in Canton auebräche, wäre die Unterdrückung schwierig. Aufreizende Placate werde» nach wie vor in den Straßen Cantons angeschlagen. — „Daily Chronicle" berichtet aus Hongkong: Aus Furcht vor einem Zusammenstöße mit den chinesischen Truppen, die ihnen entgegengesanot sind, weichen die Aufständischen von den Grenzen des Kaulung-Gebietes nach Norden zurück; es wird aber berichtet, daß sie am Montag 30 chinesische Soldaten gefangen genommen und enthauptet haben. * London, 13. October. (Telegramm.) „Reuter'sBureau" berichtet auS Hongkong unter dem 12. d. aus Samtjchun ist Admiral Ho mit zur Verfolgung der Aufständischen nordöstlicher Richtung marschircn und jetzt Les Markisleckens Tamschui etwa 20 Meilen vor der britischen Grenze sich befinden sollen. — Eine britische Expedition, be stehend aus dem 22. Vombay-Jnsanterie-Negiment mit Artillerie und aus Pionieren mit Material, murschirt unter demBefchle Les Majors Kettlewell nach dem neuen britischen Territorium, obwohl der ganze District ruhig sein soll. — „Reuter's Bureau" berichtet auS Hongkong unter dem 12. d. M.: Aus Canton wird gemeldet, Laß der Reformer Sunjatsen in der wichtige» Stadt Weit schou am Ostflusse seine Flagge entfaltet habe und dadurch große Aufregung in den militärischen Kreisen Cantons Hervorrufe. Man glaubt, die Reformer bezweckten mit der Hissung der Flagge in Weitschou, zu veranlassen, daß Canton von Truppen entblößt werde, worauf die Reformer dort einen Aufstand Hervorrufen nnd die Stadt besetzen wollten. ES mehren sich die Nachrichten, nach welchen die Gouverneure der Südprovinzen eine feindliche Haltung gegen IV. Immer höher und höher erhob sich der Mond und immer Heller und weißlicher flimmerte sein Licht über die eigenartige Landschaft. Veit Led hatte den Mantel über den Kopf gezogen und sich an der Mauer eines einsamen Meierhofes ins Gras gelegt, konnte aber in Folge einer unerklärlichen, fremdartigen Aufregung lange Zeit nicht einschlafen. Immer wieder wurde sein schlaftrunkener, halb träumender Blick von den weißglänzen- den Burgen der Rappoltsteiner, von der in tiefen, räths-elhaften Schatten liegenden Stadt angezogen, hinter deren dunkeln Mauern und aufgezogenen Zugbrücken sich die spitzgiebeligen Häuser, die Thürme der Kirchen vom Hellen Horizont malerisch abzeichneten. Es war ein charakteristisches Bild. Trotz der weichen, von stillem, traulichem Mondschein umflossenen Frühlingsnacht, trotz des heimlichen Rauschens des Windes in den üppigen Baum kronen und desahnungsvollrn süßen Flötens der Nachtigallen lag die Stadt, die -Wohnstätte der Menschen, finster und mißmuthig, man könnt« sagen mißtrauisch gegen jede fremde Berührung da, von starken Mauern und Wackthürmen umgeben, die wiederum durch Wassergräben, die vom Strcngbach abgeleitet waren, gegen jede feindselige Annäherung beschützt waren. Und wenn Veit's jugendliches Herz -doch vom Frühlingswehen, von Jugendlust und Liebe über den Charakter der Zeit getäuscht worden wäre, so stand gleich vor ihm, kaum dreißig Schritt außerhalb des NiedernthoreS der Galgen der guten Stadt Rappoltswettrr, um ihm wieder den finsteren mittelalterlichen Ernst der Zeit zum Bewußtsein zu bringen. Augenblicklich hing ja nur ein schwerer, viereckiger Stein in der Schkinge, aber Veit wußte es sehr wohl und hatte schon mannigfach mit eigenen Augen ge sehen, daß man solche sonderbare Balken nicht errichtete, um Steine daran zu hängen. Darüber konnte selbst die schöne attühlingsnacht nicht Hinwegtäuschen. Es hing sich an dem Balken bei schönem und schlechtem Wetter gleich erbärmlich und elendiglich. Ein Spielmann, wie Veit, ein Pfeifer, einer von den „Fahren den", den „onechten Litt'", hatte wohl 'Ursache, sich solche sonder bare Wohlfahrtseinrichtungen genau anzusehen. Man machte Der Bundschuh. Roman von Woldemar Urban. Nachdruck verboten. a. ,n ioll o i»I-Lotioll — oon - I 23,50 ooollt I — ? tzoe Hauptexpeditton oder den im KWtzd- öejttck >md den Vororten errichteten AuS» »^bestellen abgeholt: vierteljährlich^4.50, Sei zweimaliger täglicher Zustellung in» Han» ^l L.ÜO. Durch die Post bezogen für Deutschland und Oesterreich: otertetzährlich ^l S.—. Direkte tägliche Kreuzbandirndung t»L Ausland: monatlich 7.50. die Boxer einnebmen und ibnen schon mehrfach reguläres chinesisches Militär entgegengeschickt haben. Ob diese Be kämpfung ernst gemeint ist, muß aber noch dahingestellt bleiben. Tie Ucbcrsicdclung des Hofes nach Tiuganfu dürste jetzt bereits eine vollzogene Tbatsache sein. Inwieweit dabei Kwangsü freiwillig gehandelt oder dem Zwange seiner Umgebung nachgegeben haben mag, läßt sich vorerst gar nicht beurtbeilcn. Dem „Berl. Loc.-Anz." wird aus London, 12. October, gemeldet: Nach Depeschen aus Shanghai werden alle sür den chinesischen Hof bestimmten Telegramme nach Singanfu adressirl. Es ist unwahrschein lich, daß noch weitere Edictc von Kaiser Kwangsü vor dessen Ankunft daselbst erlassen werden. Der Vicekönig Tschanschitung setzt die Verfolgung ter geheimen Gesellschaften fort. Täglich werden neue Verhaftungen gemeldet, und zahlreiche Hin richtungen sind bereits erfolgt. Um die Bestrafung der schuldigen Großwürdenträger bemüht sich jetzt sogar eine Anzahl der bei den Mächten be glaubigten Gesandten deö chinesischen Reiches. So überreichten die chinesischen Gesandten in London, Paris, Tokio, PtterS- burg und Washington eine gemeinsckaftlicke Anklageschrift gegen mehrere chinesische Beamte. Li-ping-heng steht an der Spitze der Liste, dann folgen Aubsien, Kangyi, Tschao-schu-tschiao und Tung-fu-hsiang. Prinz Tuau und Tsailan werden erst zuletzt genannt. Tic Antwort drr Bereinigten Staaten auf daS Rundschreiben Delcassv'S ist, so wird der „Köln. Zeitung" aus Berlin ofsiciö-S berichtet, durchaus geeignet, die Einheit der Mächte zu fördern und zu befestigen in ihrem Bestreben, ausreichende Genugthuung für die be gangenen Frevel und ernste Bürgschaften für die Zu kunft zu erlangen. Auch in ihr wird daS Hauptgewicht auf die Bestrafung der wirklich Schuldigen gelegt, und es wird sogar angedeutct, daß die Liste der Schuldigen von den Vertretern der Mächte noch weiter ergänzt werden kann. DaS entspricht durchaus den von der deutschen Negierung festgehaltenen Wünschen. WaS die weitere Frage der von China zu zahlenden Geldentschädigungen betrifft, so erklärt der amerikanische Staatssekretär den russischen Gegenvorschlag, diese Eutschädigungsfrage dem internationalen Schiedsgericht im Haag zu unterbreiten, der Aufmerksam keit der Mächte für Werth. Dieser russische Gegenvorschlag ist noch nicht genügend umschrieben, so daß man zu ihm noch nicht Stellung nehmen kann. Es ist Wohl schwerlich anzu nehmen, daß Rußland beabsichtigt, seine und der übrigen Mächte Berechnungen über die ExpeditionSkoslcn dem genannten Schiedsgericht zur Feststellung zu unterbreiten. Rußland dürfte vielmehr vorwiegend diejenigen Entschädigungen im Auge haben, welche chinesischerseits an die von den Boxern zerstörten Missionen und an die durch die Wirren ge schädigten Privatleute zu zahlen sein werden. In dieser Hinsicht ist dieser Vorschlag nicht nur sehr begreiflich, sondern auch erwägenswert!). Freilich dürften sich der Ausführung große praktische Hindernisse entgegenstellen, theilS weil das internationale Schiedsgericht im Haag überhaupt noch nicht zu- sammengelreten ist und die Vorbereitungen dazu noch sehr im Rückstände sind, theils weil naturgemäß die Festsetzung der einzelnen umstrittenen EntschädigungSforderungen eingehende Prüfungen und Besichtigungen an Ort und Stelle nothwendig machen dürfte, welche vom Haag auS nur mit sehr großem oder 1800 virck ckor v»rt> Oot- nack >orioliuneo«oio« di» t»«o. Vox-n 1'rocdt llinorrieUs viroetion I t'reiüillxorxroos 4, noevdnrx- (I0/1V) io ioockomsitor,.Som»o^ -a-k»" <11/10, in lsonstovll. io kromon, -octr in I. «jprik, in (11.10) voo X«« Vork (11/w, -well, voll k^llllevllt >rlt»roo. «. U«llt« ^reärt.18 U.V -u.N.7ll-8 8 ll. 1» >. 2 n. 8 Lioook. o. ?.I,ill. Joo.Moll >. Lisslld. >o» .. Helnr. fii 1'sois. li-llli-Lld. ^or<Io»t r. I/llivo iiiiltniüll l» /o-^od. ki-oiüo Hilv. An-Mv. a sooot 01UÜ«»«L — ) 1>L<!iao j 88^ rollt ! 4'/,, »Liiox 200000g (Ire-iitd. Udkmlc tt^v.ovll. -LUN 8»lld ev-IiLllk VoMi. I kj»t>.Uslt - SlLüllllt. el«iit.ö. Un-. n. v. IViUtsr drän mnn (ix« ksrxb»» i-'Nnt.-IV Urounll. -rLciitbr. int. t)ödl. we. V.-L.. /.-kiili.-L. IVedntlUt. e.r l^riik. isitl-Ukti- ii lUUxkk- cummxnp 2ink-^. 8»Iill-ll . MnniMK. I/»Iiri-L<1 -sx.LIKnU isr v.--r. ordnssut 3 -r-xs 2 Uounts dni'k 8 'r. 8. Llollit« U-iii 8 r. LiiuUu. odo do. MpMcr, TagMalt Anzeiger. Hmtsvlatt des Königlichen Land- nnd Amtsgerichtes Leipzig, des Nathes und Nolizei-Ämtes der Ltadt Leipzig. 107.80 12810 1:V.1O 144,25 132.75 125.60 12-1,20 120.60 100.50 3S,25 152,— 100,— 76,— 201.— 1.19.50 122,— 207.75 165,— 157,10 175,— 143,— 177.75 310,— 183,90 159,- 1-10,— 74,— 08,25 162,— 53,80 206.50 101.80 178.80 84,SO 83,90 215,95 212.80 215,95 8.60 216,35 mott onk Wisll. N«n-1Vwu — cdsolllsUr mor rin 4er Iiütts luliitioll ikircdsll ner >i» I)vll»lliit . psckstk. . diloxck -uditllm Korso kokestixts lootioiimitrkte, rvo ossiiwLrkk vor ill irsll iiuverkllrlert, iiixs »ieitbruolt.) oder, orlin ll.kssoo/llulir isonrodr". M<Irn- k vorbotoll.) 6 eia 1 Lriok 80 isL. 3450 3300 3450 iis. — 15900 —— 3150 — 3425 1000 1150 — 8500 d . —— 14000 — 8500 9900 10210 >L0d — 6 75 — I27OO -1. . 3000 3400 - 2600 2800 3200 3400 ntill 525 575 nrrl. - > - 1325 - 3075 3150 — — 550 oorz 1875 — M 2100 2300 2500 2750 - 14S00 ,-örsd - — 1125 — 4000 1.150 1275
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