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rssr Früher Wochen- und Nachrichtsblatt M-Matt sii Sürdis. Mit. «M«s. Mns. StWn SmiDnt. Unia«. «El. NiaE MaSIMes, Si.S«k St. Well. StaiE Wem. MeMa. WitiM ui MW Mntsblatt für das Kgl. Amtsgericht und den Stadtrat zu Lichtenstein Älteste Zeitung im SMSgWchen AmtsgerichtsdeM i - _ 87. Aahkgttttg —— —— ,,» ,, «r. 43. L-LWLöSW. Mittwoch, dm 20. Februar L7LW5WM 1907. Diete» klatt «schUrt ILglich loußer Eonn- und Festtag») nachmittag» für den folgenden Lag. vierteljährlich« Bezugspreis 1 Marl SV Pfg., durch dte Post bezogen 1 Mart 78 Pf-. Ginaetn» Nummern 10 Hfeunlg«. — Bestellungen nehmen außer der Expedition in Lichtenstein, Zwickauerstroße St7, alle Kaiserlichen Popanfialten, Postboten, sowie du SuitrSger entgegen Muerate werden die Dn'pespalleur Vrundzeile mit 10, sür autwürtige Inserenten mit iS Psennigen berechnet. Im amtlichen Lell tostet dte zweispaltige Zeile SV Pfennige. — Inserat« Annah»« Fernsprech-Vlnschlntz St«. 7. täglich bi» spülesterr» vnnirittns» LV Uh«. Lelegrannnadresse t Tageblatt. Das Wichtigste. * Am Montag abend traf König Friedrich August in Leipzig zu mehrtägigem Bisuch ein. * Am heutigen Tage wird der neugewählte Reich-tag durch eine Thronrede de» Kaisers eröffnet werden. »» * In dem lombardischen Bahnhof Gagnano stießen zwei Eisenbahnzüge zusammen, wobei zehn Personen verletzt wurden. * Der Hafenkommandant von Baku ist ermordet worden. * In einem heutigen französischen Ministerrat soll die ktrchenpolitische KristS innerhalb des Kabinetts zum AuStrag gebracht werden. * Wekerle ist gestern in Wien eingetroffen zu einer Beratung in der wieder akut gewordenen Ausgleichsfrage. Brettenbachs „Reform". In der Budgetkommission de- preußischen Ab« geordnetenhauseS hat am Sonnabend der Eisenbahn« Minister detaillierte Mitteilungen über dte Art ge macht, wie er stch die Durchführung sowohl der Personentartfreform wie dkS neuen Ge- päcktarifeS denkt. Bor allem aber hat der Minister auch interessante Aufschlüffe übkr die bis herigen Erfolge der Fahrkartensteuer gegeben Er gab zunächst nach einem Bericht des Wolffschen Bureaus zu, doß auch die Reichsregierung von vorn herein von der Fahrkartensteuer eine schwere Be lastung des Verkehrs und eine Abwande rung der Reisenden in dte unteren Wagenklassen befürchtet habe. Das ist ja tatsächlich «ingetreten! Aber jedermann wird nun die Frage aufwerfen: Warum hat denn die Reichsregierung die Fahrkartensteuer Vorlage über haupt eingebracht und so hartnäckig gegen alle An griffe verteidigt, wenn sie wirklich so hellseherisch war? Einen Dank Hal sie stch durch die Belastung der notwendigsten Verkehrsmittel von niemandem Verdient. Im einzelnen konnte der Minister nur be stätigen, daß die erwartete Verschiebung des Verkehrs in dte unteren Wagenklassen tatsächlich ein ' getreten ist. Er erklärte: Die Monate August und September kämen noch wenig in Betracht. Während der drei Monate Oktober bis Dezember aber sei die erste Klaffe um 8,3 Prozent weniger benutzt worden, während nack der VerkehrSentwtckelung eine Zu nahme von 8 Prozent zu erwarten gewesen sei. Also ein Ausfall von zusammen rund 16 Prozent! In der zweiten Klaffe sei nur ein Mehr von 1,7 Prozent erzielt worden, während 7.5 zu erwarten waren; in der dritten Klaffe nur ein Mehr von 3 3 Prozent, während 8,4 Prozent mehr zu erwarten waren. In der vierten Klaffe Hobe sich dagegen ein Mehr von 9 3 Prozent ergeben, während nur eine Zunahme von 7,3 Prozent zu erwarten stand. ES wäre zu wünschen gewesen, daß Herr Breitenbach auch etwas über die Ausfälle an Ein nahmen mitgeteilt hätte, die diese Derschiebnng bedeutet, und darüber, ob die Einnahme an Steuern nicht etwa durch diese Mindereinnahmen völlig ab- so«iert wird. Zu der Personentarifreform übergehend, suchte der Minister nachzuweifen, daß dadurch, daß vom 1. Mai ab an Stelle der Rückfahrkarten zwei einfach, Karten treten, also auch eine zweimalige Retchrsteuer für diese zu zahlen ist, im allge meinen keine stärkere Belastung stattfinde. D« Minister überreichte eine Ausstellung, nach der bei einzelnen Rückfahrkarten, namentlich im Betrage von 1,20 Mark bis 2 Mark und 4,10 bis 5 Mark, künftig tatsächlich eine Erhöhung d« RetchSsteuer eintreten wird. Dagegen ist bei anderen Beträgen die Steuer für die beiden Karten gleich der bis herigen, und bei manchen, namentlich größeren Be trägen, wird die Steuer für zwei Karten sogar ge ringer sein, als die jetzige Steuer der Rückfahrkarten. Bei den hohen Beträgen über 50 Mark kann man sich, wie der Minister meint, durch Rundreisehefte helfen, um eine doppelte Steuer zu vermeiden. Hinsichtlich des Gepäcktarifs erklärte der Minister, baß rr eine Vereinfachung und Ver- billigung ins Auge gefaßt habe, dte auch bereits zwischen den beteiligten Regierungen vereinbart sei. Danach wird für das bisherige Freigepäck bis zu 25 Kiloaramm eine aeringe Gebühr für 3 Zonen mit 20 Pfennig, 50 Pfennig und 1 Merk angesetzt, auch eine Zwischenstufe von 26 bis 35 Kilogramm eingeschoben werden. Eine Vereinfachung der Gepäckabfertigung sicherte der Minister zu. Für das bisherige Freigepäck bis zu 25 Kilogramm soll die direkte Abfertigung zwischen Reisen den und Gepäckträger im allgemeinen ohne Ver wiegung bewirkt werden. Auf dte Frage, ob nicht in Zukunft eine gleichzeitige Lösung von Fahrkarte und Bück fahr ra^te^g^tati^ sei, bemerkte der Minister, daß »S möglich fein werde, zwei Karten gleichzeitig zu nehmen, wovon die eine zur Rückfahrt benutzt werden kann. Die Gültigkeit dieser Karten solle jedoch nicht über zwei Tage ausgedehnt werden. Was daS finanziell« Ergebnis der „Reform" anlangt, so erwartet der Minister Aus fälle in Höbe von 14 Millionen, von denen ursprünglich 61/4 Millionen durch die Schnellzugs- zufchtäge, 7 Millionen durch die Einnahmen aus dem Gkpäcklarif gedeckt werden sollten. Wie der Minister erklärte, werden jetzt die Schnellzugszu schläge 2 Millionen, daS Gepäck 3*/z Millionen weniger bringen, sodaß einDefizit von 7 Millionen ungedeckt bleiben würde. Nun haben die Eisen bahnen Deutschlands, abgesehen von den Schmal- spur- und Kleinbahnen, im Jahre 1905 einen Netto- Überschuß von 925 Millionen abge worfen, von dem natürlich der Löwenanteil aus die preußisch-hessischen Bahnen entfällt. Die preußisch- deutschen StaatSeisenbahnen werden also noch nicht in Zahlungtschwierigkeiten geraten, auch wenn wirk lich sieben Millionen ungedeckt bleiben. Gerade diese Gegenüberstellung aber beweist, so bemerkt das „B. T." treffend, wie unsagbar kleinlich die ganze sogenannte „Reform" ist, die im Verein mit der Fahrkartensteurr eine Verteuerung statt der erhofften Verbilligung des Verkehrs bedeutet, während die Riesenüberschüffe doch gerade eine solche Ver- billigung nicht nur als möglich, sondern geradezu als eine Tat der elementarsten Gerechtigkeit er scheinen lassen sollten. An diesem Widerspruch wird auch die Erklärung des Ministers Breitenvach nichts ändern. Ja vielleicht wird sie nur den Eindruck verstärken, daß auch taS Etsenbahnministerium keine reine Freude an dem Flickwerk hat, zu dem rS seinen Namen hat hergeben müssen. Deutsches Reich. Dresden. (König Friedrich August) begab sich gestern abend zu mehrtägigem Aufenthalt nach Leivria. —- (Eine offene Anfrage an die sächsi fche Regier»« g und dte deutsche ReichSkarzlet.) Die Briefe deS Flottrnoereins, die der „Bayrische Km irr" veröffentlichte, befassen sich auch mit sächsischen Verhältnissen und insbe sondere mit dem 14. ReichStagSwahlkreiS (Borna). Dort war bekanntlich neben dem General 0. Liebert der Reformer Lurt Fritzsche dem Sozialdemokraten grgenübergestellt worden. 0. Liebert kam in di« Stichwahl und brachte seinem sozialdemokratischen Gegenkandidaten mit Hilfe der Reform«» «ine Niederlage bei. Während des Wahlkampfes hat 0» Liebert sich beklagt, daß er in seinem Wahlkreise „mit Mißtrauen empfangen werde", worauf General major Keim antwortete: „ES ist von hier aus alles geschehen, auch von seiten der Reichskanzlei, uur Ihnen die unbequeme Konkurrenz vom Halse zu schaffen." Die Reformer erblicken in dieser „unbe quemen Konkurrenz" ihren Kandidaten Fritzsche und sind nun der Auffassung, daß „von oben" ein Druck auLgeübt wurde, um Exzellenz v. Liebert zum Siege zu verhelfen. Die „Deutsche Reform", das Partei organ der Reformer, verlangt entschieden Aufklärung über die Fragen: 1) Ist eS wahr, daß „von oben her", daß auch „von fetten der Reichskanzlei" in den Wahlkampf zugunsten des Herrn v. Liebert geaen «nen anderen nattonalen Kandidaten etngegrlsfen worden ist? 2) Ist die sächsische Regierung hieran direkt oder indirekt beteiligt? Oder sind dte Ein griffe nur von Berlin her erfolgt? — Auf die Auf klärung, die auf diese Frage erfolgen muß, kann man gespannt fein. Berti«. (Der Kaiser) eröffnet heute den Reichstag persönlich mit einem Gottesdienste. Nach dem. Gottesdienste «erde« die ReichSivsigniert unter großem Bortritt« - von de» Bildergalerie in den Wethen SaaL vorargetrage«. — (Deutschland und Marokko. Du Vor stellung, daß Deutschland in Marokko entgegen dec Abmachungen von Algeciras weitgehende Sondervor teile suche, ja schon erreicht habe, ist vielen Franzose« so zur fixen Idee geworden, daß sie dabei beharre« auch so einwandfrei« Erklärungen gegenüber, wie sie Major von Tschudi gegeben hat. Ma« bringt eben, nachdem so viele frühere Meldungen als völlig grund los erwies« sind, einfach eine Reihe neuer Behauptungen vor, die ebenfalls ganz m der Lust schweben. — (Interpellation.) Wie aus parlamen tarischen Kreisen berichtet wird, dürfte die erste ge meinsame Aktion der drei freisinnigen Parteien iur neuen Reichstage die Einbringung einer Jnterpel-^ lation sein, in welcher der Reichskanzler mit Bezug aus die in der Zentrumspreffe veröffentlichten Briefe von und an den Temralmojor Keim über dte Stel lung der Regierung zu der vom Deutscher» Flottenveretn veranstalteten Wahlagitation befragt werden soll. Man nimmt an, daß Fürst Bülow diese Frage persönlich beantworten werde. Innerhalb der Wählerschaft der Zentrumspartei be ginnt man jetzt, dem Flottenverein den Rücker» zu kehren. — (Verstärkung von Ausland st ati- 0 nen.) Vielfachen Wünschen der deutschen HandelS- kreise entsprechend, beschloß — wir in Hamburger gut unterrichteten Handelskreisen bekannt wird — daS ReichSmartneamt, das ostasiatische Kreuzerge schwader und die westafrikanische Station um je einen kleinen Kreuzer zu verstärken. — (Kanzelerklärung des Bamberger Erzbischofs.) Am Schluß der Fastrnpredigt, die der Erzbischof von Bamberg im Dome hielt, richtete er mit Bezug auf die in der klerikalen Presse wegen der Kirchwahlkundgebung gegen ihn erhobenen An griffe an die Gläubigen folgende Worte: „Sie werden stch gewundert haben, meine lieben Erz- diözesanen, was in den letzten Tagen über und gegen meine Person alles gesprochen wurde. Ich bitte Sie, die Ruhe nicht zu verlieren, denn ich werde abwarten, zu sprechen, bis die erregten Gemüter ruhig geworden und di« Stürme sich gelegt haben; dann werde ich mir erlauben, die Sache aufzuklären. Ich hab« bis jetzt geschwiegen, denn Bischöfe dürfen nicht streitsüchtig fein. Ich verzeihe allen, die wider mich sprechen, und Gott, der Herr, möge auch allen ein gnädiger Richter sein." — (Sklavenhandel in Kamerun?) Der deutschen Verwaltung in Kamerun wurde kürz lich von englisch« Sette der Vorwurf gemacht, ste dulde den Sklavenhandel und da- AbhaUen von Sklavenmärtten in großem Stile. Natürlich handelt