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Wöchentlich erscheinen drei Nummern. Pränmncraiion«- PrciS 22j Egt. (z 2hlr.) vierteljSbrlich, Z Thlr. für da« ganze Jahr, ohne Er höhung, in allen Theilen der Preußischen Monarchie. Magazin für dic Man prönumerirt auf diese« Reidlatt der Allg. Pr. Staats- Zeitung in Berlin in der Expedition (Mohren-Straße Nr. 34); in ter Provinz so >vie im Auslande bei den Wohllöbl. Post-Acmiern. Literatur des Auslandes. Berlin, Montag Len 24. Juli 1837. China. Zur Geschichte Les Buddhismus. Aus der Reise des Chinesischen Priesters Fa-Hian. Der berühmte vor drei Jahren verstorbene Sinologe Abel Re in usat hat dic handschristlichc Französische Ucbersetzung eines wichtigen Chinesischen Werkes hinterlassen, das den Tilei Fv-kue-ki, d. h. „Beschreibung der Buddhistischen Striche", führt und dessen Versasscc, ein Priester von der Sekte des Foe (d. h. des Buddha), gegen Ende des 4ten Jahrhundert« unserer Zeitrechnung lebte. Dieser Mann — er war ein Chinese und hieß Fa-Hian — unternahm aus Eiser für die Lehre, zu der ec sich bekannte, eine Reise durch alle westlich von China belegene Länder, wo der Kultus Buddha's damals in seiner Blüthe stand und zum Theil in größerer Reinheit, als bei de» Chinesen, sich erhalten Halle. Der Französische Uebersctzer begleitete den Text mit gelehrten An merkungen, die glücklicher Weise schon großemheils ausgearbcilet waren, als der Lod ihn von seinem Werke abrief. Professor Julius Klap« roth übernahm die Fortsetzung des Kommentars; allein auch dieser Gelehrte starb, ehe er zum Ziele gelangt war; und Herr Landresse, ein fleißiger, da« Andenken seine« Lehrers Abel Remusar« ehrender Schü ler, legte nun mit Eiser die letzte Hand an dieses literarische Denkmal. Der Buddhismus, dessen Entstehung wohl drei Jahrtausende hin- ausreichl, bat einst eine Zeit lang in Border-Indien geblüht und im Lause der Zeilen über Ceiion, Hinter-Indien, China, Japan, Tübet und ganz Hochasien sich auszebreitet. Manches halbwilde Volk ist durch die milden Lehren dieser Sekte menschlicher geworden, und schon darum können un« ihr Wesen und ihre geschichtliche Entwickelung nicht gleichgültig sepn. Auch gewährt die Reise Fa-Hian'« hauptsächlich von dieser Seile Interesse; denn der eifrige Buddhist kümmert sich fast nur um Dinge, die seinen Glauben und'dessen Schicksale belreffcn. Nur gelegentlich streut er dem Reiseberichte topographische Bemerkungen ein, denn sein Zweck war nicht die Befriedigung weltlicher Neugier. Ec will Orte besuchen, die Lurch heilige Reliquien in Ruf gekommen sind, will Sagen, Legenden, geistliche Bücher sammeln und von der Ver breitung, dem Gedeihen oder dem Verfalle seine« Glauben« in dieser oder jener Zeit sich überzeugen. Wie der bekannte Spanisch-Jüdische Reisende Benjamin von Tudela in der ganzen Well hcrumrcist und überall nur Juden gewahrt und schildert, so sieht und sucht Fa-Hian nicht« als Buddhisten und Buddhistische«. Unser Reisender verließ im Jahre 499 mit mehreren frommen Kol legen seine Vaterstadt, die in einer der nördlichen Provinzen China « lag, und wanderte nordwestlich durch dic große Sandwüstc der Talarci bi« zum Lop-See, der südlich von Karaschar im Chinesischen Turkestan belegen ist. Von dort au« schlug Fa-Hian eine südwestliche Richtung ein, passirle da« große Binnengcbirge beinahe nördlich von Kaschmir, letzte über den Indu«, besuchte Afganistan und Persien, wendete sich dann nach Judie», da« er, dem Laufe de« Ganges bi« an seine Mün dung folgend, in west-östlicher Richtung durchwanderte, schiffte sich nach Ceilon ein und kehrte von dort, auf seinem Wege Java be rührend, nach China zurück. Er Halle in sechzehn Jahren ungefähr 3000 Meilen durchreist. Auf dieser ungeheuren Wanderung verlor unser Reisender mehrere seiner Gefährten: Einige starben, und Einer, dem die Indischen Anacho- reten heiliger vorkameii, als die Chinesischen, blieb in Indien zurück, nm dereinst hier, und nicht in China, wiedergebore» zu werden. Nur Fa-Hian, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Lehre in seiner -Heimalb zu predigen, setzte seinen Weg ohne Begleiter fort. Das Tagebuch de« Chinesischen Pilgers ist ziemlich trocken; nur selten schildert der Verfasser seine Gefühle, seine Eindrücke; aber man wird auch desto angenehmer überrascht, wenn sie mit einem Male her- vorbrechen und in dem abstrakten Buddha-Diener auch einen fühlenden Mensche,, erkennen lassen. Ec unterbricht seine Erzählung von den reltgiolen Wundern, die er aus Ceilon gesehen, mit den Worten: „ES waren nun viele Jahre verstossen, seitdem ich da« Land der Han") verlassen Halle. Alle Menschen, mit denen ich damal« verkchrle, waren Ausländer. Die Berge, die Gewässer, die Bäume, die Pflanzen, olle Gegenstände, die mir zu Gesicht kamen, waren mir neu, und auch meine Gefährten Halle ich sämmtlich verloren. So ost ich an die Vergangen heit dachte, versank ich j„ Schwcrmulh. Einst sah ich, wie Jemand ') D. h. China. Dic Chinese» belegen ihr Land gern mit dem Namen einer ihrer berühmten Kaiser. Dpnastjeen Unter dem Kaiserhause Han be gannen die ersten erfolgreichen Unternehmungen gegen die Völker der Tatarei. vor der Statue aus Jaspis (einem Buddhistischen Idol auf Ceilon) einen weißen Fächer aus dem Lande Dsin") al- Opfergabe nieder- lcgtc: dieser Fächer erinnerte mich so lebhaft an meine Heimalh, daß ich einen Strom von Thranen vergoß." An einer anderen Stelle beschreibt er seine Bangigkeit während eines Sturme« auf der hohen See. Was ihm da besonder« zu Herzen ging, war das mögliche Schicksal seiner Sanskrit-Bücher, dic er mit so vielem Flciße gesammelt und abgeschriebcn hatte; denn er fürchtete, die Eigemhümer de« Schiffes möchten diese Schätze als unnützen Ballast über Bord werfen. Bei einer Gelegenheit wäre er beinahe ein Opfer des Scklcn-HasscS geworden. Er befand sich auf einem Schiffe, da« außerdem lauter Lrahmanen am Bord halte. Diese sagten unter ein ander: „Der Buddha-Priester da bringt uns Unglück; wir wollen den Menschen auf einer Insel aussctzcn!"' Wie häufig hat man Jtaliänischc oder Spanische Matrosen ähnliche Gesinnungen äußern hören: wenn sie einen protestantischen Passagier am Bord halten! Endlich begrüßt der fromme Reisende den Boden seiner Hciwath wieder. „Indem ich", so sagt ec, „alle meine Erlebnisse in mir zurück- cuse, fühle ich mich unwillkürlich lies bewegt; der Schweiß, den dic Gefahren der Reise mir ausgepreßt, ist nicht die Ursache dieser Ge- müldsstimmung. Die Gefühle, die mich beseelten, haben meinen Körper aufrecht erhalten; und mein großer Zweck war es, was mich in Län dern, wo man feines Leben« nicht sicher ist, diese« Lebe» auf« Spiel fetzen ließ. Ich wollte meiner Wünsche höchste« Ziel auf jede Gefahr hin erreichen. Lassen wir nun dic Person und die Gesinnungen des Reisenden bei Seile, und geben wir zu dem über, was er uns von den Ländern erzählt, die er durchwandert hat. Das Interesse, welches Fa-bian's Reiseberichte für uns haben, besteht hauptsächlich darin, daß wir au« denselben die Verbreitung und den Zustand des Buddhismus in Gegenden, von welchen kein gleich zeitiger Schriftsteller bandelt, kenncn lernen. Au« Fa-Hian's Reise er leben wir, daß Buddha « Lehre im vierten Jahrhundert unserer Zeit rechnung am rechten User des Indu«, in einem Lande, welches noch jetzt das Land der Ungläubigen (Kascristan) genannt wird, Wurzel ge faßt Katle. Seil jener Zeit aber gcrieth sie allmälig in Verfall, die die Religion Muhammed'« ihr vollend« den Todesstoß gab."") In den Ländern, die er besucht, sicht unser Reisender abwechselnd den Kultus des Brahmanen und das Buddbalbum verwalten. Nach dem er, von Persien zurückkebcend, da« östliche Ufer des Indu« wieder betreten hat, findet er die Lehre, zu der er sich bekennt, auch im cen tralen Indien herrschend und blühend. Diese Thatsache ist sür die Geschichte de« Buddhismus von Wichtigkeit; denn andere Chinesische Reisende, die etwas später Indien besuchten, melden nn«, daß diese Lehre, die sich, trotz der grausamen Bcrsolgungen, die sie im südlichen Indien erlitten, an den Ufern des Gange« so lange behauptet halte, damals schon zu verfallen begann. Man erfahrt auch aus Fa-Hian'« Berichte, daß die Lehre der Tao-szö zu seiner Zeit in Indien Ausnahme gefunden halte. Ber- mutblich kam sie von Tübet, wo sic so lange herrschend gewesen, bis der Buddhismus ihr ein Ende machte. Man weiß, daß die Lehre der Tao-szö eine der drei in China vorherrschenden Doktrinen ist. Cbina ist eine Welt sür sich; aber die Chinesen baden dessenun geachtet ost, bald um Eroberungen zu machen, bald um feindliche Ueber« fälle abzuwchren, ihre Gränzcn überschritten nnd den Schrecken ihre« Namens einige Male sogar di« in die Gegenden am Kaspischen Meere verbreitet. Keine andere Nation giebt uns so genaue und zusammen hängende Nachrichten über dic Völkerstämme de« Ungeheuern Hochlan de« von Inner-Asien. Ist es nicht eine« der überraschendsten Ergeb nisse sür die Wissenschaft, wenn wir in den Annalen China « Nolizen über den Ursprung der Germanischen Völker und Winke über dic erste ') Dsin hieß vor Alters ein Theil der heutigen Chinesischen Nord-Pro vinz Schan-si, der Heimath Fa-bian's. ") Die merkwürdigen kolassalcn Mauerthürme, welche von der großen Königsstraße zwischen Indien, Persien und Baklrien liegen, sind undczweiselt Buddhistischen Ursprungs und reichen, wie man schon test hat ermitteln können, zum Theil in eine weit frühere Periode hinauf, als die Reife Fa bians, Ler ihrer gelegentlich erwähnt. Diese dis aus die neueste Zeit von Europäern unbeachtet gebliebenen Monumente lVgl- Nr 15 des Magazins von d. I.) entsprechen den Dagov's auf Ceilon und Java, über welche man W. von Humboldt'« Untersuchungen in dessen großem Werke „lieber dic Kawi-Svrache" u. s. w lS. 114 ff.) Nachlesen kann. In der Landessprache am Indus heißen sie Toph'S, welches Wort aus dem Sanskrit-Worte «top» kThurm) korrumpirt ist Eine lichtvolle Abhandlung Carl Ritter'«, in welcher den Tovh'S am Indus besondere Aufmerksamkeit geschenkt ist, be- stndct sich auszugsweise Im diesjährigen Februar-Heste der MonatS-Berichte der Berliner Akademie der Misscnschasteu,