Suche löschen...
01-Frühausgabe Leipziger Tageblatt und Handelszeitung : 04.02.1914
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1914-02-04
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id84535308X-19140204018
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id84535308X-1914020401
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-84535308X-1914020401
- Sammlungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Handelszeitung
-
Jahr
1914
-
Monat
1914-02
- Tag 1914-02-04
-
Monat
1914-02
-
Jahr
1914
- Links
- Downloads
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
Morgen-Ausgabe kür lr»pr«g Vorvrl, »ur» ans«, rrüaer VUA«Nvpr»I^». und Speoiteur« L«ol tügUch tos hon» gebracht r «aaotUch l .r» M-, virrtelsührUch Z.75 M. Sri der VrlchüftaftrU«, »asrra Ftllalea uab ftaagabrftrllra abgrholtr «»aatlUb 1M., vtertrtlährUchrM. vorch b>» Pastr tunerhald dratschtanba an» brr Srütfchr» Kolonie» moaatUch 1^0 M.. »terteijührUch « S0 M., auaschUrftllch pastdrstrUgrtb. Da» Leipziger Lagedlatt erscheint Werktag» »mal, Sana- u. Z et erlog» »«al. 2» Leipzig, -rn Nachbarorten an» Sen Orten mit eigenen Filialen wirb die stdenbauagab» nach am stdenü ür» «rschetnen» in» Han» geUefrrt. Serliner «eüaktion: Sn den Zelten 17. Zrrnfprech.stnschlug: Moablt Nr.4»7. Nr. 62. /trntsblatt desRates und des polrzeüuutes der Etocdt Leipzig »rüaktion anü Seschäftesteo«» ?ohanni«gag« Nr.«. a Fernfprech.staschlug Nr. 1«»or. 1404Z unü i»b»4. ISS. Jahrgang —»-»kk» . für Inserat» an» Leipzig nnb Umgebong bi« /»»IkiaenprLife. ,spaittg»p»ttt,»tter-pf..oi»n»kiam»,»u»,m.. »an aa»wart» zo Pf., Neklamen l.ro M., Familien- u. klein« stnzeigen bl« p«tttz»il« nur« Pf-, Inserat« »oaVehSr-ea im amtlichen Teil bi« petttzeil« S» Pf. Ö«schäft»anz«tg»n mit playvorschrtst im Preis» »rbbbt. Nobatt nach Laris. 0»llageg»dUhr: Sesamtausl.SM.ba»LausraSau»schl.p»stg»dt»hr. finz»ig»n-Naaokmr: 1ohanni»gass<», dri sämtlich»» Filialrn ü»« L»lpz>g»r Logidlatte» uab allen stnaoacen»<ep«bition«a -»» Sn- unb sturiaabe». ch»schbft,st»ll« für Vrrlin u. bi« pr.SranS endurg: Virektian Walter Flieget, Serlln w. I», Margarethenstraß« ». Zrrnsprech » flnschlug: Lützo» »071. Minwoih, c>en 4. /edrusr. 1S14. Vas wichtigste. * Die Finanzdeputation K der Zweiten Kammer wird sicherem Vernehmen nach am Sonn abend in Leipzig eintreffen, nm den von der Stadt Leipzig für den Neubau der Tierärztlichen Hochschule angebotenen Bauplatz zu besichtigen. (Siehe Leipzig.) * Die Zweite Kammer setzte am Dienstag nach Erledigung einiger Rechenschaftssachen und Etats kapitel die Aussprache über den Arbeits willigen schütz fort. (Siche Berich» ' * Im Reichstage wurde am Dienstag die Einzelberatung der Titel des Etats des Reichs amts des Innern begonnen. (S. Art. u. Ber.) * Die angekündigte neue Erklärung des Kardinals Dr. Kopp zur G e w e rck s ch a f t s- irage ist veröffentlicht worden. (S. Pol. lletcrs.) * Die Frist zur Räumung Albaniens »urch die Griechen ist um 1t Tage verlängert worden. (Siehe Ausl.) * Paul Däroulö.des wurde am Dienstag unter großer Beteiligung beigefctzt. (S. Ausl.) Gute Absichten und döse Dreinreöer. Wie bekannt, war es der Wille des Kai ser-, daß die militärische Dienstvorschrift über den Waffengebrauch nachgeprüft werde. Dieser Enifchluß ist zweifellos auf eine gute Absicht des Kaisers zurückzusühren: er will zweifelhafte Auslegungen der seitherigen Vor schrift künftig vermieden wissen. Es sollen eine klare Ordnung und wenn möglich einheit liche Bestimmungen für das deutsche Heer ge schaffen werden. Zn diesem Zinne hat sich auch der Reichskanzler ausgesprochen, und der Reichs tag erwartet eine baldige Auskunft über das Er gebnis der Prüfung. Wie wir aus München dic- jer Tage melden tonnten, ist die bayrische Re gierung mit einer einheitlichen Regelung ein verstanden. So stehen im Augenblick die Dinge. Man sollte wohl denken, daß die Blätter, die sonst die Autorität des Kaisers besonders betonen, allen Grund hätten, den kaiserlichen Willen zu achten und die Entscheidung abzuwarten. Aber nein! Die „Kreuzzcitung" kann das Dreinreden nicht lassen. Offenbar fürchtet sic, das Vor- yaben, eine größere Rechtssicherheit zu schaffen, könne verwirklicht werden, und da sie doch den Entschluß nicht gut tadeln kann, so dreht sie die Sache so, als seien gefährliche Folgen zu er warten, eine Erschütterung des militärischen An sehens, ja eine Einschränkung der Kommando gewalt des Kaisers. Noch derber und ungefüger gebärdet sich die „Deutsche Tageszci- I u n g"; sie schreibt u. a.: Es wäre doch auch geradezu ein Treppen witz der Weltgeschichte, wenn die Logis gäste des Pandurenkellers, die nur ein paar Offi ziere aus Zabern wegekeln wollten, damit schließ lich eine Revision bedeutsamster staatsrechtlicher Grundsätze in Deutschland erreichen würden, die nicht nur eine wichtige Einschränkung der Be wegungsfreiheit des Militärs, sondern zugleich da mit auch eine offensichtliche Verkürzung der Kommandogewalt des Kaisers be. Leuten würde! Die Helden der Straße in Zabern hätten ja dann hundert-, ja tausendmal mehr er reicht, als sie in ihren kühnsten Träumen hoffen konnten. Ein solcher Rückzug vor der Straße wäre aber nur um so unerklärlicher, nachdem bisher in der Angelegenheit Zabern die Sache des Militärs und mit ihr die Sache der Autorität und der Ord» nung das Recht und den Erfolg auf ihrer Seite ge habt hat! Kann man die Dinge schlimmer verschieben als hier geschehen ist? Kann man willkürlicher und gehässiger in der unglücklichen Zabcrncr Geschichte herumwühlen? Es ist doch eine ganz lächerliche Auffassung, anzunehmcn, das Wohl gefallen der Zaberner komme hier irgendwie in Betracht. Jeder, der sich noch etwas Blick be wahrt hat, muß sich doch sagen, daß cs im Interesse der Armee liegt, wenn Prozesse gegen Offiziere wegen Mißbrauchs der Waffen so selten wie nur denkbar Vorkommen. Je klarer die maß- gebenden Bestimmungen, um so seltener wird eine Gerichtsverhandlung nötig werden. Man cher Offizier wird sich bei dem Gedanken, er könne einmal über das, nxrs ihm zustcht und nicht zusteht, in Zweifel geraten, höchst un behaglich gefühlt haben. Gerade die militärischen Kreise müssen den Wunsch haben, bei etwaigen Zweifelsfällen durch feste Bestimmungen gedeckt zu sein, ist doch sonst der ganze Dienst überaus sorgfältig, ja peinlich genau geregelt. Und dann: ganz nebensächlich ist schließlich die Stellung der Zivilbehörden nicht. Auch sic müssen jede Ausschaltung von Konfliktsmöglichkeiten dringend wünschen. Mit Recht werden sic deshalb eine gesetzliche Regelung vorzichen: denn für sie werden rein militärische Anordnungen nicht ausreichen. Nach beiden Seiten hin müssen, soweit es möglich ist, feste Grenzen gezogen wer den. Selbstverständlich kann cs niemand ver schwören, daß nicht doch Fülle eintreten, wo auch das beste Gesetz versagt. Das lehrt die allgemeine menschliche Erfahrung. Nie nnd nimmer hat aber die Presse, die jctzi. durch ihr Dreinreden die an sich einfache Sache mit Gewalt zu einer „politisch-militärischen Machtfrage" mac- en ivill, die Entschuldigung ehrlicher Besorgnis für sich. Die „Kölnische Zeitung", die wäh rend des ganzen Streites einer vernünftigen und gerechten Auffassung das Wort redete, kenn zeichnet, wie wir auch, dieses Treiben aüs ein bedenkliches Einarbeiten auf eine neue Verwir rung aller Begriffe, und mit Recht sagt sie am Schlüsse einer längeren Betrachtung: „Kein Vernünftiger kann in Deutschland eine Lockerung der Autorität der Armee wünschen. Diese Ge fahr ist aber bei der Gesinnung des deutschen Bürgertums und bei der Wucht unserer histori schen Erinnerungen von vornherein außerordent lich gering. Sie wird aber am wenigsten ver mehrt durch eine gesetzliche Festlegung der Befugnisse des Militärs gegen über dem Zivil. Mindestens ebenso bedenk lich wie eine Lockerung dieser Autorität ist aber auch eine Lockerung des Vertrauens in die Rechtssicherheit. Um keiner andern Autorität willen darf dieses Vertrauen beein trächtigt werden, denn seine Schädigung zer frißt den staatlichen Zusammenhalt. Diese Autorität darf in einem Rechtsstaat über haupt nicht diskutiert werden. In Erinnerung an die an Zabern geknüpfte Krank ist cs eine eminent staarerhaltendc Forderung, dafür zu sor gen, daß 'künftig solcher Kritik überhaupt der Boden entzogen werde, und das kann nur durch Schaffung vollster rechtlicher und gesetzlicher Klarheit geschehen." Haiti. Wir lesen jetzt wieder einmal von Unruhen auf Haiti; der zweitgrößten Insel der Antillen (sie ist fünfmal größer als das Kgr. Sactiscn,. Die kleinere Hälfte der Insel war früher sran- zösisch, während die grünere Hälfte unter dem Namen San Domingo Spanien gehörte. Die Negersklaven des französischen Anteils wurden schon im Jahre 17M von den Doktrinär'« der französischen Republik ohne weiteres für frei erklärt, worauf die schwarze Bevölkerung mit Mord und Brand gegen ihre weißen Herren vorging, sich mit indirekter englischer Unter stützung 1804 von Frankreich losriß und eine Negerrepublik bildete. Die duntelhäutige Be völkerung des spanischen Anteils folgte diesem Beispiele und vermochte sich endlich 1822 auch von Spanien loszureißen. Seitdem bemühen sich auf Haiti zwei Parteien, d. h. Neger und Mulatten, das Regiment an sich zu ziehen und sich dabei gegenseirig die Kehlen abzuscyueiden. Die deutschen und nordamcrikanijcheu Scesol- daten, die jetzt in der Hauptstadt der Insel lan deten, um die dort lebenden wenigen Europäer zu schützen, werden vielleicht auch weiteres Blut vergießen zu verhindern suchen: ob und auf wie lange das möglich, läßt sich ermessen, wenn man das Urteil Gobineaus nachticst. In seinem spät erst Epoche machenden Werke: „Versuche über die Uugleichbeit der Mcnjctzeurassen" schreibt er: „Wir befinden uns in Haiti einer Gesell schaft gegenüber, deren Einrichtungen nicht nur den unsrrgen gleich sind, sondern noch dazu von den neuesten Maximen unserer politisctzen Weis heit abstammen: Alles was der raffinierteste Liberalismus in den beratend:» Versammlungen Europas hat verkündigen lassen, alles was die größten Freunde der Unabhängigkeit und der Würde des Menschen unter den Denkern nur je haben schreiben können, alle Erklärungen von Rechten und Grundsätzen haben ihr Echo an diesen Gestaden gefunden. Nichts Afrikanisches ist in den geschriebenen Gesetzen leben geblie ben, die Erinnerungen an das Land der Hami- tcn sind von Amts ivegen aus den Geistern verschwunden; nie hat die amtliche Sprache eine Spur davon gezeigt; die Gesetzescinrichtungen sind, ich wiederhole es, vollständig europäisch. Sehen wir nun zu, wie sic zu den Sitten pas sen. — Welch ein Gegensatz! Ihre Sitten? Wir sehen sie ebenso verderbt, ebenso roh, ebenso wild wie in Dahome oder im Lande der Fellatas. Dieselbe Vorliebe des Barbaren für den Putz, verbunden mit derselben Gleichgültigkeit gegen den Wert der Form; das Schöne steckt in der Farbe, und wenn ein Gewand nur auffallend rot und mit falschem Goldc besetzt ist, so küm mert sich ihr Schönheitsgefühl um Risse im Stoff nicht sonderlich; und die Sauberkeit, nach der fragt niemand. Will man sich in diesem Lande einen hohen Beamten nahen, so wird man zu einem großen Neger hereingeführt, der auf einer Holzbank auf den, Rücken liegt, den Kopf in ein schlechtes zerrissenes Taschentuch gehüllt, und mit einem reichlich goldbetreßten Dreimaster bedeckt Ein ungeheurer Säbel hängt dieser Gliedermassc an der Seite; der gestickte Rock entbehrt der Gesellschaft einer Weste; der General trägt Pantoffeln. Befragt ihr ihn, sucht ihr in seinen Sinn cinzudringen, um ein Urteil über die ihn beschäftigende Ideenwelt zu ge winnen? Da findet ihr eine geistige Verfas sung von höchster Unbildung, im Bunde mit einer barbarischen Hoffärtigkeit, die ihresgleichen nur in einer ebenso gründlichen nnd unheilbaren geistigen Trägheit findet. Wenn dieser Mann den Mund auftut, so wird er euch alle die Gemeinplätze herbeten, mit denen die Zeitungen keine Er wie anderen erworbenen redet wie Holbach, Grimm, und im nns seit einem halben Jahrhundert heimgesucht haben. Dieser Barbar weiß sie auswendig; er hat andere Interessen, sehr verschiedene An lagen; aber Vorstellungen, philosophiert Grunde hat er keine ernstlichere Sorge, als Tabak zu kauen, Alkohol zu trinken, seinen Feinden den Bauch auszuschlitzen und sich die Hexen meister warmzuhaltcn. Die übrige Zeit ver schläft er. — Der Staat ist in zwei Parteien geteilt, welche unvereinbare Gegensätze nicht der Lehren, sondern der Hautfarbe trennen: auf der einen Seite stehen die Mulatten, auf der anderen die Neger. Den Mulatten gehört ohne allen Zweifel die größere Intelligenz und ein für das Denken offenerer Sinn. Tas europäische Blut hat das afrikanische Wesen umgewandelt, und diese Menschen könnten, mit einer weißen Masse verschmolzen und beständig gute Muster vor Augen, anderwärts nützliche Staatsbürger werden. Leider gehört die Ueberlegenheit der Zahl und der Kraft für den Augenblick den Negern. Diese stehen noch vollkommen unter afrikanischen Einflüssen — ihre höchste Freude ist die Faulheit, ihr entscheidendes Argument der Mord. Zwischen den beiden Parteien, welche die Insel teilen, hat unaufhörlich der heftigste Haß geherrscht. Die Geschichte Haitis, des de- inorratiscyen Haitis, ist nur eine lange Erzäh lung von Blutbädern: Blutbädern von den Ne gern an den Mulatten verübt, wenn jene die Stärkeren sind; von den Mulatten an den Negern, wenn die Gewalt in den Händen der ersteren ist. Die Gesetzeseinrichtungen, so philanthropisch sie sich auch geben mögen, vermögen dabei nichts; sie schlafen ohnmächtig ans dem Papier, nnge- fesselt herrscht nur der wahre Geist der Be ¬ völkerungen. Einem schon bezeichneten Natur gesetze gemäß hegt die schwarze Varietät, welche zu den Menjchenstämmen gehört, die nicht fähig sind, sich zu zivilisieren, den tiefsten Absehen gegen alle anderen Rassen, auch sieht mau die Neger von Haiti die Weißen kräftig zurück weisen und ihnen den Eintritt in ihr Gebiet verwehren usw." Wer mit Haiti und seinen Bewohnern in Berührung kam, weiß, daß diese von Gobineau bereits im Jahre 1802 entworfene Schilderung auch heute noch zutrifft, und daß der Neger aus sich heraus nicht imstande ist, eine Zivili sation zu schaffen, die der unseren einigermaßen ähnlich ist. 1,. Ll. Auf öer Tanganjika-Sahn. Eine Fahrt auf der soeben vollendeten Tangan- jitabahn von der schmucken Landeshauptstadt Dares salam bis an die üppigen Gestade des großen Binnensees gibt dem Reisenden ein recht interessan tes Bild von den verschiedenartigsten Landschasten Deutsch Ostafrikas. Die Verwaltung der Ostasrika- nischen Eifcnbahngesellschast ist eifrig bemüht, durch Einstellung von Speise und Schlafwagen, neuer dings sogar durch versuchsweise Einführung der mit raffiniertem Luxus ausgestattetcn Pullmann-Wagen den Ansprücl-en an Bequemlichkeit auch für ver wöhnte Reisende Rechnung zu tragen. Nach Vollen dung des Umbaues der stammstrecke Daressalam— Morogoro, der ursprünglich für einen durchgehenden Schnellzugsverkeyr nicht berechnet war, soll die ganze rund 1230 Kilometer lange Linie in etwa 36 Stunden durchlaufen werden. Von Daressalam führt die Bahn im wesent lichen in westnordwcstlicher Richtung durch die fünf großen Verwaltungsbezirke Daressalam, Morogoro, Dodoma, Tabora und Udjitji. Naturgemäß bietet die Landschaft in der Nähe der Küste, wo die Bahn schon seit längeren Jahren im Betrieb ist, ein ganz anderes Bild, als in den weiter westlich gelegenen Distrikten der Wildnis. Von Daressalam führt die Bahn zunächst durch einen dichten Gürtel prächtig gedeihender schlanker Kokoswälder, die für die Ein- gedorenen Lurch Verwertung der gewonnenen Kopra eine bedeutende Erwerbsquelle darstellen. Nach kurzer Fahrt erscheinen die anmutigen Puguberge, die auf ihren südöstlichen Abhängen dicht mit euro päischen Pflanzungen bedeckt sind. Vorbei fliegt die saubere Anlage der Pflanzung Enkenau, wo sich in mitten ausgedehnter Sisalfelder das stolze Gebäude einer Sisalaufbereitungsfabrik erhebt. Auf der wei teren Strecke reiht sich zu beiden Seiten der Bahn Pflanzung an Pflanzung. Hinter der Station Soga tauchen die umfangreichen Kautschukanpflanzungen der Kifulu-Kautschukgesellfchaft und zahlreicher an derer Pflanzungsbetriebc aus. Dazwischen werden üppige Felder von Ananas, Bananen und jungen Anpflanzungen von Kokospalmen sichtbar. In der fruchtbaren Kulturebene des Ruvu zeigen sich die wogenden Mais- und Reisfelder der Eingeborenen. Die malerisch gelegenen Stationen Ngerengere und Mikesse fliegen vorüber, von denen die eine oder die andere als Ausgangspunkt einer zukünftigen Ab- zweigungsbahn nach dem großen Nyasfa-see ins Auge gefaßt ist. Die erste größere «tatton ist Morogoro im gleichnamigen Bezirk, wo zwei mit europäischer Be quemlichkeit ausgestattetc Hotels zu längerem Ver weilen einladcn. Schon aus größerer Entfernung werden tie prächtigen Uluguru-Berge sichtbar, an deren Fusse Morogoro gelegen. Die Landschaft nimmt, >e näher wir kommen, mehr und mehr einen parkartigen Charakter an. Denn die bewaldeten Höhenzüge der Uluguru-Berge bilden einen der schönsten landschaftlichen Reize auf der ganzen Bahnstrecke. Die sanfteren Abhänge besonders nach Norden und Osten sind dicht mit Europäcrpflanzun- gen besetzt. Von dem 1300 Meter über dem Meere gelegenen Sanatorium der Sachscnhöhe bietet sich ein wundervoller Ausblick auf die an mutige Umgebung. Auch westlich Ler Uluguruberge zeigt sich rechts und links der Bahn deutlich der Ein fluß europäischer Kultur. Besonderes Interesse er regen hier die Anpflanzungen von Maulbeerbäumen der Gebrüder Schoenheit. die hier allem Anscheine nach mit gutem Erfolge bemüht sind, eine Seiden raupenzucht ins Leben zu rufen. Der Zug durchquert dann die weite Mkattasteppe, der die Borrasfuspalme ein charakteristisches Gepräge verleiht. Wir erreichen Kilossa am sumpfigen Mukondokwa, das wegen der Fieberdünste einer gründlichen Sanierung Lurch Trockenlegung der Sümpfe bedarf. Weiter westlich mehren sich die Baumwollfelder, die teils im Besitz der Eingeborenen sich befinden, teils von Europäern bewirtschatek werden. Je weiter das Dampfroß nach Westen vordringt,, um so spärlicher werden die europäischen Pflanzun gen. Die wirtschaftliche Entwickelung hat hier mit dem schnell vorwärts schreitenden Bahnbau nicht gleichen Schritt halten können. Aufgescheuchtes Wild. Giraffen, Wasserböckc usw. eilen vor dem un gewohnten neuen Verkehrsmittel erschreckt von dannen. Die prächtige, schattenspendenLe Schirm akazie wird auf der weiten Steppe vorherrschend. Zahlreiche Gehöfte und Rundhütten der Wasagara zu beiden Seiten der Bahn zeigen, daß das Land verhältnismäßig dicht besiedelt ist. Kidete, dann Gulwe, die Bahnstation des früheren Bezirksamtes Mpupua, ziehen vorüber. Wir kommen zur Land schaft Ugogo. wo zahlreiche Viehherden Ler Einge-' borencn auch in der trockenen Jahreszeit ein gesun des und kräftiges Aussehen zeigen. Neben der Vieh zucht betreiben die ALagogo fleißig Ackerbau. Weite Felder von Sorqhumbirse (Mtama), die für große Teile Ostafrikas die Grundlage der Dolksernährung bildet, liegen zur Rechten und zur Linken. Die Ein geborenen bringen hier dem neuen Verkehrsmittel wachsendes Interesse und Verständnis entgegen und siedeln sich mehr und mehr längs der Bahn an. Dodoma, jetzt Hauptort des gleichnamigen Bezirks, wird erreicht. Das Klima des Ortes gilt als eines der gesündesten der ganzen Kolonie, trotzdem der Ort nur 1100 Meter über dem Meere liegt. Was der Boden der Umgegend zu leisten vermag, dafür liefert der Mustergarten des Bezirksamtmannes Sperling, den er im Verein mit seiner trefflichen deutschen Hausfrau hier geschaffen, ein erfreuliches Beispiel. Alle europäi schen Fruchtbäume, jede Art der heimischen Gemüse, auch die in der Heimat liebgewonnenen Blumen ge deihen hier in herzerquickender Pracht. Zwischen Dodoma und dem weiter westlich gelegenen Saranda unweit von Kilimatinde überschreitet die Bahn die große ostafrikanische Bruchfurchc, die hier freilich nicht die imposanten vulkanischen Bergriesen zeigt wie im Norden der Kolonie. Mühsam keucht die Maschine am jenseitigen Rande dieses sogenannten ostairikanischen Grabens die Höhe hinan. Bei der Station Manjoni, wo der Aufstieg zur zweiten Terrassenstufe erfolgt, bietet sich noch einmal ein prächtiger Ausblick auf die Felspartien zu beiden Seiten Les Grabens. Kurz hinter Itigi verkündet eine aus freiem Platze stehende weiße Pyramide, daß die größte Höhe der Tanganjikabahn mit 1326 Meter über dem Meeresspiegel erreicht ist. Es geht über die Wasserscheide zwischen dem Indischen und dem Atlantischen Ozean. Die weitere Fahrt führt auf recht ausgedehnte Strecken durch eine traurige Oede. Dichter, undurch dringlicher Busch, der in der trockenen Jahreszeit noch trostloser erscheint, tritt zu beiden Seiten bis unmittelbar an die Bahn heran und versperrt jede Aussicht. In stundenlanger Fahrt eilt der Zug durch diese entsetzlich eintönig wirkende Gegend. Endlich, endlich lichtet sich der Busch, die Baumsteppe wirb wieder vorherrschend, unterbrochen von weiten saftigen Glasflächen. Wir nähern uns Tabora, der alten Handelszentrale von Teutsch-Ostasrika. Von der mächtigen „Boma" iFestej flattert uns die deutsche Rcichsdienstflagge lustig entgegen. In der aut be völkerten Statt herrscht besonders an Markttagen ein recht buntes geschäftliä>cs Leben. Neben den öffentlichen Gebäuden, den Handelshäusern der an sässigen Kaufleute erregt die große Eisenbahnwerk stätte besonderes Interesfe. die trotz ihrer Lage im inneren Afrika mit allen Errungenschaften der neu zeitlichen Technik ausgestattet ist. Westlich von Tabora führt die Bahn auf weite Strecken durch lichten Myombowald, der zwar nicht der landschaftlichen Reize entbehrt, auf die Dauer aber doch recht eintönig wirkt. Abwechselung bringt erst die gewaltige eiserne Brücke über den Malaaa- rassi. In dem fruchtbaren, mit saftigem Grün oe- standenen breiten Tale les Flusses wimmelt es von Antilopenherden. Zahlreiche Krokodile bevölkern die Gewässer des zur Regenzeit sehr reißenden Stro mes. Der Malagarassi begleitet jetzt die Bahn auf der südlichen Seite eine ausgedehnte Strecke lang. Die Saline Gottorp, ein deutsches Fabrikunterneh men im Herzen Afrikas, zeiqt sich mit ihrer mächtigen eisernen Halle und den beiden hochragenden Schorn steinen dem staunenden Blicke. Bald rasselt der Zug über die eiserne Brücke des Rutschugi, weiter über Len Luitschefluß. Endlich bietet sich dem entzückten Auge ein freier Ausblick auf die gewaltige Fläche des Tanganjikasees. In majestätischer Würde, mit einer Längenausdehnung von rund 6sttz Kilometer und einer Breite von 70 bis 80 Kilometer liegt er zu unseren Füßen. Wir haben Kigoma, wenige Kilometer nördlich von Udjidji, mit seiner vorzüglichen Hafcnbucht zur Einrichtung einer (Sroß- schifiahrt aus dem See erreicht. Mit donnerndem Getöse rollen die Wogen bei stürmischem Wetter gegen das zum Teil felsige Gestade. Bei klarem Wetter steigt am jenseitigen Ufer die dunkle Wand
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
Erste Seite
10 Seiten zurück
Vorherige Seite