Volltext Seite (XML)
Erscheint jeden Wochentag abends für den folgenden Tag und kostet durch die Austräger pro Quartal Mk. 1.40; durch die Post Mk. 1.50 frei ins Haus. Geschäfts-Anzeiger Inserate nehmen die Expedition bis Borm. 10 Uhr sowie nir Auswärts alle Austräger, desgl. alle Annoncen-Expedinonen zu Original» Preisen entgegen. Hohenstein-Ernstthal, Oberlungwitz, Gersdorf, Lugau, Hermsdorf, Bernsdorf, Langenberg, Falken, Langenchursdorf, Meinsdorf, Rüßdorf, Wüstenbrand, Grüna, Mittelbach, Ursprung, Leukersdorf, Seifersdorf, Erlbach, Kirchberg, Pleisza, Reichenbach, Grumbach, Callenberg, Tirschbeim, Kuhschnappel, St. Egidien, Hüttengrund u. s. w. Amtsblatt für den Verwaltungsbezirk des Stadtrathes zu Hohenstein. Nr. 182 Sonntag, den 7. August 1882. 42. Jahrgang. Entrichtung der Wassersteuer. Die Wassersteuer aus das 2. Vierteljahr ist nunmehr längstens bis zum 15. dss. Mts. zu Vermeidung der Zwangsvollstreckung abzuführen. Hohenstein, am 6. August 1892. Der Stadtrat h. I. V.: W. Zeißig, Stadtrath, Ä u c t i o n. Montag, den 8. d. M., vormittags 11 Uhr sollen im hiesigen Rathskeller eine goldene Remontoiruhr, ein großer Vogelbauer, eine große Tabakspfeife, ein Gaskocher, 4 Stück Bücher, ein Scheibengewehr, ein Tefching, ein NahtifM, 4 Stück Rohrstühle, ein Sessel, ein Musterkoffer, eine Ledertasche, ein Keilkissen u. v. A. gegen sofortige Bezahlung versteigert werden. Hohenstein, den 5. August 1892. Der Rathsvollzieher. Hötzel. Concursversahren. Das Concursverfahren über das Vermögen des Kürschners Paul Richard Julius Weber in Oberlungwitz, in Firma Paul Weber daselbst, wird, nachdem der in dem Vcr- gleichStermine vom 16. Juni 1892 angenommene Zwangsvergleich durch rechtskräftigen Beschluß vom 16. Juni 1892 bestätigt worden ist, hierdurch aufgehoben. Hohenstein-Ernstthal, den 1. August 1892. Königliches Amtsgericht, v. Feilitzsch. Beglaubigt: Kühne, st. GerichtSschr. Concursverfahren. Das Concursverfahren über das Vermögen des Sattlers Julius Ernst Maher in Hohenstein, in Firma Ernst Maher daselbst, wird nach Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben. Hohenstein-Ernstthal, den 4. August 1892. Königliches Amtsgericht, vr. v. Feilitzsch. Beglaubigt: Kühne, st. GerichtSschr. Entrichtung der Gemeindeanlagen. Am 1. August c. ist der 3. Termin der Gemeindeanlagen fällig Hohenstein, den 30. Juli 1892. Der Stadtrar h. vr. Backofen. Bekanntmachung. Nach einer anher gelangten Verfügung der Königlichen Amtshauptmannschaft Glau chau bez. des Königlichen Bcrgamtes Freiberg wird das Betreten der Halden des Steinkohlenbauvereins „Kaisergrube" zu Gersdorf hiermit ausdrücklich verboten. Da diese Halden zum Theil in Brand stehen, das Betreten brennender Halden aber selbstverständlich mit Gefahr verbunden ist, so ergeht an alle Kohlen lesenden Einwohner hiesigen Ortes die Warnung, daß dabei Betroffene durch Polizeiorgane unnachsichtlich zur Anzeige gebracht werden. Gersdorf, 5. August 1892. Der Gemeindevorstand. Göhler. Stein- und Kiesfuhren-Nerdingung. Die Verdingung der Anfuhre der zur Unterhaltung der Straßen im hiesigen Bauverwaltereibezirke aus die Jahre 1893 bis mit 1895 erforderlichen Steiumaterialie« aus den Steinbrüchen bei Hilbersdorf, Oberlungwitz, Gelenau, Hormersdorf und am Scheibenberge, sowie von einem zwischen Heil's Brnch und Ziegelei in Wittgensdorf zu errichtenden Lagerplatz, ingleichcn der Grus- und Kieslieferung für dieselben aus den Brüchen bez. Gruden ber Hilbersdorf und am Scheibenberge, foll Freitag, den 12. August d. I., von vormittags 10 Uhr an m der Restauration zum „Bienenstock" in Chemnitz, Pla« 3 für den 1. und 2. Amtsstraßenmeistcrdistrict und Sonnabend, den 13. August d. I., von vormittags 10 Uhr an im Gasthm zum „Deutschen Haus" in Stollberg für den 3. Amtsstraßcnmcisterdistrict unter den vor Beginn der Termine bekannt zu gebenden Bedingungen, sowie unter Vorbehalt des Nichtzuschlags gegen zu hohe Gebote und der Aus wahl unter den Bewerbern im Wege öffentlicher Ausbietung an den Mindestfordernden statt finden. Chemnitz, am 5. August 1892. König!. Straßen- und Wasferbauinspection. König!. Bauverwalterei. I. A: Schönjan. I. V.: Schurig. Prozeß Jäger. (Dritter Verhandlungstag.) Frankfurt a. M., 4. August. Die heutige Verhandlung beginnt mit der Vernehmung der letzten Zcugcngrnppe, der polizeilichen Zengen. Vorher verkündet der Präsident daß die in die Entbindungs-Anstalt überführte Fran Messer nicht mehr Ler Verhandlung beiwohnen kann. Es fragt sich, ob in ihrer Abwesen heit weiter zu verhandeln oder ihre Sache abzutrennen fei. Der Ver- thcidiger Dr. Geiger ist mit der Fortsetzung der Verhandlung einver standen, der Ankläger beantragt die Vertagung der Anklage gegen die Frau, die aus freien Fuß zu fetzen sei. Dr. Geiger kombinirt beide An träge insoweit, daß gegen die Messer weiter verhandelt und sic ans freien Fuß gesetzt werde. Der Gerichtshof beschließt, die Sache der Messer abzutrenneii, da sie nicht freiwillig, sondern „der Noth gehorchend", der Gerichtsstätte scrnblcibt. Sie wird aber ans der Haft entlassen. — Hierauf überreicht der St.-A. eine Auskunft der Handelskammer über die Guatemala-Schuldverschreibungen nnd deren Cours. (Jäger hatte, wie gemeldet, der Katharina Ochs 5000 M. gegeben und suchte dies dadurch zu rechtfertigen, daß er den Gewinn des von ihm verwalteten Vermögens der O. beigelcgt habe). Ter Gewinn ist aber nicht so hoch durch die Courssteigerung, daß sich die Erhöhung der 1900 aus 5000 M. erklären ließ. Die Zeugenvernehmung beginnt mit dem Polizeirath Eckhardt. Er wird zunächst über die Verdachtsmomente befragt, die ihn auf die Spur des Mitschuldige» Jägers geleitet habe«. Zeuge bekundet, daß er an der Richtigkeit des anscheinenden Geständnisses des I., er habe das Geld an der Börse verspekulirt, Zweifel gehegt habe. Man stellte Recherchen an, die bis Moskau reichten. Durch das beschlagnahmte Notizbuch kam man ans Hensel. Dieser leugnete, wurde festgenommen, wieder entlassen und wieder verhaftet. Wegen der Paßaffairc wnrde Müngersdorf ver haftet. Die Mutter des I. habe mitgctljeilt, daß schon jein Vater mit Hensel in Verbindung gestanden habe. Frau Jäger habe anfangs trotz aller Haussuchungen hartnäckig geleugnet, endlich bekannte auch sie und gab an, cs sei bei ihren Eltern Geld versteckt. Als inan ihren Vater Clemens holen wollte, kam dieser selbst in die Falle anfpozicrt. Man ließ die Mnttcr holen und nun bekannte, nachdem das Ehepaar in Haft genommen war, anch Frau Jäger endlich die bekannten Verstecke im Hause selbst. Die Dienftmagd Messer leugnete anfangs anch. Als der Zeuge eine Fahrt nach Hochheim zu ihrer Schwester ui Aussicht stellte, wollte sie das verborgene Geld von dort holen. Natürlich erhielt sie die polizeiliche Begleitung des Zeugen. Die vcrheirathcte Schwester leugnete zuerst auch, ebenso ihr Mann. Um der Verhaftung zu ent gehe«, bekannte dieser endlich nnd hotte das Geld aus dem Versteck. Als ihm der Polizeirath seine Begleitung aufdrängte, führte er denselben durch den Wald und grub zwei Packele ans, die unter den Wurzeln °>nes schräggcwachsenen Apfelbaumes verborgen lagen nnd 50,000 nnd 20,000 M. enthielten. Auch die Familie Gerloff machte der Polizei ihrc Aufgabe nicht leicht. Zeuge bekundet das schon Bekannte, wie Gerloss das Packet mit M. 100,000 von dem „Unbekannten" ins Hans gebracht ^halten haben wollte, wie die Mutter G. mit großer Emphase ihre gänzUche Unschuld betheuerte. Es dauerte lauge, bis man von der Alten und ihrer Tochter das Gcständniß erhielt, die große Masse der Bank sucht und u. G.'schen Hause (in Buchdeckeln und im Abortsrohren) gesnnden. Mit der Beschlagnahme der M. 100,000 bei der Cath. Ochs schließt die Polizei Uche Thätigkeit, der es gelungen ist, im Ganzen über eine Million Roth- schild'schen Vermögens wieder herbeizuschafsen. Ter deutsche Consul in Alexandrien hat 589,790 M. 21 Pf. eingeliefert. Hierzu kommen die Funde bei dem Ehepaar Clemens M. 150,000, bei der Ochs M. 100,000, in Hochheim M. 70,000 bei den Gerloff 5000 nnd 150,000, ferner 3000, die Jäger durch einen Reisegefährten seiner Mutter zustellen ließ, end lich 10,000, die an seinen Schwager als angebliches Erbtheil seiner Frau geschickt worden waren. Ueber den Leumund der Angeklagten befragt, bekundet der Z —. — . . ... , - - --- Es wird immer wieder die Aufklärung des dunklen Punktes beim Verhör angestrebt: Wo ist das verschwundene Geld geblieben? Man geht namentlich Mutter und Tochter Gerloff zu Leibe. Der Commissar betont namentlich die ungemeine Raffinirlheit, mit der das Geld ver steckt war. Die Tochter Gerloff leugnet heute Dinge ab, die sich vor den Augen der Polizisten abspielten. Was die Zeugen über die Ge rüchte bekunden, die über Hensel und sein Geschäft und seine Bezieh ungen zu Jäger umginge», ist ohne Bedeutung, wie die Redensart: „Hinter dem Hensel steht der Jäger, nnd der ist Millionär?" Auch ein bei Gerloff gefundenes Chiffrebuch ist von keinem weiterem Belang, da von demselben zur Correspondenz mit I. kein Gebrauch gemacht zu sein scheint. Die Angell. Ochs, eine Jugensfrcundin des I., erhält noch mals daS Wort. Sie wurde, erzählt sie, brieflich am 2. April von ihm aufgefordert, zn ihm zu kommen, da er auf längere Zeit in Urlaub gehen wolle. Er habe ihr von ihn: verwaltetes Vermögen der O. ge geben, 5000 Ai. und von ihr verlangt, sie sollte eine Cassette mit 100,000 M., wovon 50,000 M. für Fran Jäger, der Rest für die Ochs bestimmt war, an sich nehmen, sonst werde er sich vor ihren Augen er schießen und sie bekomme ihr Geld nicht. Den Polizeibeamtcn gegen über leugnete sic de» Besitz der Cassctte. Die Angeklagte verwickelt sich bei ihren ungeschickte« Ausführungen in Widersprüche, die schwer gegen sie ins Gewicht fallen, weil sie aus den Reden des I. auf den diebischen Griff in Rothschild's Kasse Hütte ichließen müssen. Um 11'^ Uhr ist die Beweisaufnahme geschlossen, und es beginnt das Plaidoycr. Der Erste Staatsanwalt giebt zunächst eine historische Entwicklung des Falles Jäger, welcher durch die Presse, bereu stehender Artikel er wurde, überall hin verbreitet war, sodaß Niemand sich damit entlasten kann, er habe die Geschichte nicht gekannt. Er schildert die Entdeckung des Diebstahls, die Flucht des Diebes, den Versuch, hinter der Coulisse des Selbstmords Deckung zu finden. Er schildert weiter die Festnahme des Flüchtlings, seine Fesselung, weil man einen Selbst mord befürchtete, nnd die angeblich dadurch entstandene Auf regung des I. Der Staatsanwalt legt ferner die Schwierigkeit der Untersuchung dar, da der Durchgegangene einen Tag Borsprung hatte. ES war schwer, von vornherein Diejenige» z« ermitteln, welche Antheil an der Bente hatten. Es kam dabei der Untersuchung zu Hilfe das bei I. Vorgefundene Notizbuch, worin die stillen Theilhaber an dem Millionengeschüft dnrch Abbreviatnren verzeichnet waren. Tas Plaidoycr schildert weiter die Stellung Jägers, seine Lcbensvcrhältnisse, seine Ver bindung mit Hensel, wie das Alles im Verlaufe der Verhandlung hin reichend bekannt geworden. Der St.-A. gesteht zu, daß dieser in: krimi nalistischen Contobnch am schwersten belastete Angeklagte noch einen gewissen Grad von Ehrlichkeit in seinem verbrecherische» Treibe» an den Tag gelegt habe. Der St.-A. läßt die bekannte» Manipttlalivnen des Verbrechers Revnc passire», für welche er Deckung dnrch Reiners'schc Checks und Hensel'fche Handscheine suchte. Ueber dem Verbrecher schwebte das Haus-Gespenst der Revision, nnd er hatte den Revolver in der Tasche, als nach Neujahr die Revision kam. Wie er seiner Ge liebten gestand, habe er sich bei Entdeckung der Uuterfchlcife erschießen wollen. Aber das Glück war mit ihm: die Couponskasse des Schäfer wurde nicht rcvidirt, die M. 300,000 doppelt gerechnet nnd das Plus von M. 100,000 als Additionsfehler angesehen. Nun ging eine Wand lung in dem Verbrecher vor. Es scheint, als habe er in Hoffnung auf Zeuge: Die Klotz habe öfters um Unterstützungen nachge . , A. von Rothschild erhalten, die ihr aber entzogen sei, als eines Tages der Privatsekretär des Barons sie aus einer Conditorei herauskommen sah. Die Klotz sagt, nicht sie, sondern ihre vor 4 Jahren verstorbene Mutter habe von Rothschild Almosen erhalten. Von den Gerloffs habe, sagt Zeuge, nur Adolf e.n offenes Gcständniß gemacht, seine Mutter und Schwester hätte» derart geleugnet, daß er ihnen nichts mehr glaube. Der nächste Zeuge, Commissär Meyer, giebt Auskunft über die Verhaftung des Angeklagten Vogt in Wiesbaden, über die bei ihm ab gehaltene Nachsuchung und über die Ermittelung des Müngersdorf als Pseudo-Jäger. Der Zeuge ließ die neuerdings crtheilten Pässe Revue passiren und sand darunter den Namen des Öbertelegraphistcn. Er ließ ihn kommen und fragte ihn nach der Paßaffairc. Er habe einen Ur laub nach der Schweiz nehmen, nnd mit feiner Gattin dahin gehen wollen, habe dann aber die Tour aufgegebeu. Der Polizeicommisfär verlangte den Paß zu sehen, de» er nicht vorzeigen konnte. Nun sagte ihn: der Commissär auf de» Kopf zu, daß er den Paß an Jäger ge geben. Er sei im Begriff gewesen, gab M. an, die Sache selbst anzn- zeigen. Er habe einen guten Bekannten, der ihn zu dieser Gefälligkeit bewogen. Als nun eine fruchtlose Haussuchung bei dem Telegraphcn- assistemen abgehalten wurde, erfuhr Zeuge von der Frau und von Be kannten desselben, daß der Ungenannte Hensel sei. Heute gesteht Müngersdorf, was er bisher nicht zugegeben, daß er die 1000 Mark von Hensel als Belohnung bekommen habe für die Dienstleistung, die er einem feinen Herrn gewähren solle, der mit einer Dame für einige Zeit von hier versa-winden müsse. Er habe ihm schwören müßen, nichts zu sagen. Daß er dem H. habe Verschwiegenheit zuschwören müssen, modifizirt er heute dahin, daß er ein festes Versprechen gegeben habe. Hensel habe ihn: nachher gestanden, daß der Paß für und das Geld von Jäger war. Er habe ihm das Versprechen abgenommen, so lange dies nicht zu verrathen, als Jäger nicht eingefangen wäre. Geschehe dies, so wollte H. Alles auf sich nehmen. Und nun halte er sein Wort so schlecht! So habe er denn das Märlein erfunden von dem galanten Herrn, der eine Dame von hier fortgeleite. Hensel habe ihm, als er ihn zu der Affaire beredete, wörtlich gesagt, „der Mann sei kein Mör der, kein Räuber, kein Dieb —" „dabei kann Einer aber eine Unter schlagung begangen haben," fügt der Vorsitzende ein. Er hat schon früher zugegeben, daß ihm seine Bereitwilligkeit auf der Seele brenne. note» sei von ihnen den Flammen übergebe», was vom Zeuge» übrigens bezweifelt wird, der der Ansicht ist, daß mir der Versteck noch nicht ent deckt ist. Ein Theil des Raubes wurde an den bekannten Stellen im