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Dies Blatt enthält die' amtlichen Bekanntmachungen der Amtshauptmannschaft Oelsnitz, des Amtsgerichts, dec Amts anwaltschaft und des Stadtrates zu Adorf. 2!«zeige«preis-: Wr die Sgcspaltcne Petitzcile oder deren Roum 15 Goldpfemüge, b^uswärtigcn Anzeigen 20 Goldpsemnge, für die amtliche Zeile 40 Goldpfennige, Reklammezeilc 60 Goldpsennige- Diese Zeitung erscheint^Montag», Dienetags, Mittwochs, Donnerstags, Freitags u. Sonnabends nachmittag mit dem Datum des folgende« Tages. Fernsprecher Nr. 14 Verantwortlicher Schriftleiter und Verleger Otto Meyer in Adorf. Postscheck-Kto. Leipzig 373 69 4^. Freitag der; War; L924- Jahr;-- 89. . _ . Das gM es Reves? . — Die Reichstagswahlen, auch im besetzten Gebiet, En voraussichtlich am 13. April stattfiuden. >7»^, frühere Reichskanzler Dr. Wirth ist an einer Mvercn Grippe mit Lungenentzündung erkrankt. M Das preußische StaatSministerium hat auf Vor- ^'^6 des JnneuministcrS Severing den Ministerialdirektor Meister an Stelle des verstorbenen Dr. Freund zum watssekretär im Ministerium des Innern ernannt. — Ter Reichstag hat am Mittwoch seine Beratungen wieder ausgenommen. . Ter Kalif ist von den Konstantinopeler Pvlizeibehör- s?" gezwungen nwrd-n, seinen Palast in der Nacht zu ver- wssen. Er ist nach der Schweiz abgercist. der Kampf um den Rhein. Ei» Nentralisierungövorschlag. -i»ch einer Meldung aus London legt man in dru^n gutunterrichteten Kreisen besonderen Nach- fh>L" den „beruhigenden und aufklärenden Ein- den der Briefwechsel Macdonald—Poincarö auf lwntliche Meinung beider Länder auSüben müsse bisherigen Konferenzen hätten die Staats- die Macht der öffentlichen Meinung zu fühlen ^nnte"^' damals sogar Briand zu Fall bringen Macdonald habe in feinem Bries nur das arisacdrüklt, was, wie er glaube, die öffentliche . Meinung Englands sei. T«für habe Poincare ^Ue Annerionsabsichten in Abrede gestellt. So M «uf beiden Seite», sowohl in England wie in ^nlrcich, der Argwohn weggermnnt und eine Allere Atmosphäre geschasst» worden. Stach "N»t«r hg-cn sich jetzt die englisch-französischen .. Aus Warschau ist wiederholt gemeldet worden, daß Polnische Republik wenig Lnst bezeuge, das Ad- Wgigkeitsberhältnis zu Frankreich aufrecht zu erhalten. .ruft Erstaunen hervor, denn die Polen waren «rauf und dran, Arm in Arm mit den Franzosen zu Zehen, die ihnen auch in den Kämpfen um Warschau Algestanden heben. TaS Abschwenven von der fran- »Aischen Franc hat verblüfft, da kein triftiger Grund vorhanden war. Tie französische Rüstung, die mit vieler Mühe ausgestellt worden ist, wurde der Republik in Warschau gegliedert. Tie starke Machtstellung Polens hielt V Frankreich gegenüber in einer freiwilligen misitü- Achen Lage, so daß also die Weichselrepublik sich der Pariser Regierung unterordnete. Es konnte alles ge lhaffen werden, was benötigt wurde, so datz für uns w dem polnischen Seitenstaat ein gefährlicher Kon- wrrenr entstand, der nach der Pfeife tanzte, auf dep Poineare aufspielte. Ter polnische Staat verfügt über etwa 20—24 Gluonen Einwohner, und die HeercSstürke ist, wenn aufgeboteu ist, wohl auf eine Million zu schät- L"- Tie Landstriche an der Weichsel haben eine kost- plelige Einrichtung, die für die Verhältnisse, wl: sie M sind, aufgcbant werden können. Tie Franzosen ^oben alle Sorgsamkeit entfaltet, die für die Lage Mgnet ist, sie suchen die Polen für die glücklichen Um- Wde zu gewinnen, die ihnen Nutzen zu bringen ge- ?Snet sind. Was die Verhältnisse neu gestalten will, os kommt von selbst, sobald die günstige Entwicklung ^getreten ist. ,, Tie polnische Absage an Frankreich wird, wenn U stattfindet, nicht von heute auf morgen erfolgen. Polen werden sich darüber klar sein, ob sie den AMen Vorteil haben, wenn sie von Frankreich sich ab- Moern, oder aber mit dem eigenen Willen und Kraft» ^ußtsein marschieren. Tie eifrigen Polen werden in der Angliederung , die französische Armee und an die Pariser Politik ^bedenkliches Mittel hcrausgefunden haben, um sich die Höhe zu bringen. Was hinter den Kulissen gc- s^hen ist, wissen wir nicht, aber so harmlos, wie es Mnt, ist es schwerlich gewesen. Wenn wir sagen, daß ^vnkreich die Not und den Nebermut der Polen so " behandelt hat, wie es ihm gerade gefiel, dann die bisherigen Schutzbefohlenen es eben vor- ihre eigenen Wege zu gehen. Wir werden sehen, »in herauskommt. Polen und Tschechen stehen sinder wenig freundlich gegenüber, und das Poleu- bürd vorziehen, zu bleiben, wie cs ist. Wie sich * Tinge weitergestalten werden, muß man abwarten. Bczietznngeu um ein gutes Stück weiter entwickelt. Letzte» Endes denkt man an eine Zusammenkunft zwischen PoincarL und Macdonald. Es sei jedoch noch z» früh, um hierüber zu sprechen, bevor nicht die Berichte der Sachvcrständigcnausschüsse s cingetroffen seien. i Mit großem Interesse erwartet mau ferner in i London die bevorstehende Kammerrede Poincares, und s zwar besonders, wie der „Star" schreibt, um zu hören, ' wie der Gedanke, das Rheinland und das Ruhrgebiet zu neutralisieren und unter Verwaltung des Völker- bundes zu stellen, in Frankreich ausgenommen werde. Es läßt sich nicht in Abrede stellen, daß man auch in einigen englischen Kreisen tatsächlich mit dem Gedan ken einer Internationalisierung des Rheinlandcs spielt, und zwar scheinen die Befürworter des unglücklichen , Projektes in den letzten Wochen Anhänger gewonnen s zu haben. Dazu schreibt „Manchester Guardian" ganz - zutreffend, daß man dem Völkerbund schon keinen Dienst geleistet habe, als man ihm dis Herrschaft über das Saargcbiet auferlegte. Es sei allerdings keine Ent- ' schuldigung für den Völkerbund, daß er sich zu einem i französischen Werkzeug habe machen lassen. Sein s schlimmster Fehler sei, daß andauernd solche Perso- j neu in die Saarregierung berufen wurden, die dem f Deutschen Reiche gegenüber nicht loyal sind und die i nur einen verschwindend kleinen Bruchteil der Bevöl- Z keruug vertreten. i * Die Reichsbahn als Pfand. Tas von den Sachvcrständigen-AuSschüssen ekn- gesetzte WährungslomUee hi.lt in Paris eine Sitzung ab, in Welcher die Beratung über die Konstituierung der Deutschen Reichseisenbahncn als Pfand für eine i'nter- f nationale Anleihe abgeschlossen wurde. Dein „Temps" i zufolge hat das Komitee in den letzten Beratungen fol- > gende Fragen erörtert: Reorganisation des Gesamtbc- ' triebes der Reichseisenbahn, Revision der Tarife, even- s tuell Wiedervereinigung des rheinisch-westfalischen i Bahnnetzes mit den übrigen Eisenbahnen, Verwertung j der Reichsbahn als Pfand für eine internationale An- s leihe. Mut zur Verantwortung. Eine Nebe Stresemanns. Anläßlich einer Angestelltentagung, die von der Deutschen Volkspartei veranstaltet war, hielt Reichs außenminister Dr. Stresemann eine Rede, in der er sagte: „Wirtschaftliche und materielle Interessen stell ten sich heute überall in einer Weise in den Mittel punkt, der ihnen glicht zukomme. Es scheine, als habe man das Wort ganz vergessen: Was hülfe es dem Men schen, wenn er die ganze Welt gewönne und nehme doch Schaden an seiner Seele. Wir haben nicht mehr die frühere Machtfülle und müssen deshalb unsere Politik den tatsächlichen Verhältnissen anpassen. Diese Po litik ist außerordentlich schwer, denn sie verlangt nicht nur den Mut zur Verantwortung, sondern setzt ihre j Vertreter auch den schwersten Angriffen jener Nichtun- 1 gen aus, die das Wort national ständig im Munde i führen, durch ihre ganze Tätigkeit aber dem Vaterlands > ungeheuren Schaden zufügen. Der Minister sprach dann s über Fragen der Außenpolitik und schloß mit der Aus- i fordernng, Mut zur Verantwortlichkeit zu bekunden, ; auf blöde Popularitätshascherei zu verzichten, und in ernster Arbeit den harten, dornigen Weg zu gehen, s der allein wieder zum Aufbau und zur Größe un- ! seres Vaterlandes führen könne." Die Steuern der LaudvirtMafi. ! Lie jetzig«» Steuer» untragbar. Unter dem Vorsitz des preußischen Landwirtschasrs- : Ministers hat kürzlich in Berlin eine Beratung von i Sachverständigen stattgefunden zur Prüfung der steu erlichen Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft. Das Er gebnis wurde in einem Protokoll uiedcrgelegt und darin sestgestellt, daß die steuerliche Belastung vielfach den ganzen Reinertrag übersteige. Wörtlich heißt es dann in dieser Niederschrift: Die Steuern sm- hiernach in ihrer jetzige» Form § j nu- Hphe auf Vie Timer für die Landwirtschaft uutrag- j bar. Sie könne» zurzeit i» -er Regel nur «»ter gleich zeitigem Eingriff in -ie Substanz bezahlt werde«. Trotz-em wir- im »Hinblick auf die allgemein« Notlage und in der Erkenntnis, daß eine neue Inflation unter allen Umständen verhütet werden muß, anerkannt, -atz -ie Lan-wirtschaft, wie alle anderen Berufsstände, vor- übergchend außergewöhnliche sie»,erliche Opfer bringe» mutz. Boraussetznng dafür aber ist, datz di« Produk- tiouskraft der Landwirtschaft erhalten bleibt. Hierzu müsse« Ler Landwirtschaft in erster Linie im Wege des Personal- und Realkredits die nötige» Betriebs- und Anlagemittel zugeführt werden. Auf dem Gebiete des Personalkredits sind die der Landwirt schäft in Aussicht gestellten Rentenmarkbeträge mit tunlichster Beschleunigung den Landwirten zuzusühren, und zwar zu Bedingungen, die die Landwirtschaft, na mentlich auch hinsichtlich des Zinssatzes, nicht ungün stiger stellen als Industrie und Handel. Wege zur Gesundung. Weiter heißt es dann in der Denkschrift: Nach den Mitteilungen der Preußischen Zentral^ genossenschastskasse wird der verfügbare Renten-z markkredit der Landwirtschaft demnächst voll zu-! geleitet sein. Diese Mittel reichen aber bei weitem nich» aus, um das Personalkreditbedürfnis der Landwirtschaft zu decken. Mit inländischen Mitteln wird dies bei deft gegenwärtigen Wirtschaftslage überhaupt kaum möglich! sein. j Hinsichtlich des Realkredits ist eine Nachprüfung der Beleihungsgrundfätze der Kreditanstalten geboten, umj Liese in die Lags zu versetzen, erheblich größere BeträM als bisher der Landwirtschaft zuzuführen. Ilm diese Kredits quelle wirksamer zu gestalten, ist es notwendig, den Markt- für Pfandbriefe zu erweitern. Bet der inländischen Kapitalknappheit mutz die Unter bringung von Pfandbriefen im Ausland durch Anpassung, an dessen Anforderung erleichtert ivsrden. Vorbedingung, für dic Belebung des Realkredits überhaupt ist^ datz alle seine Aufnahme erschwerenden Maßnahmen, wie z. B. die Voreintraguna von Reparations-Hypotheken undj eine etwaige weitere Aufwertung von Hypotheken nach Mög lichkeit ferngehaltcn werden. Es müssen ferner Wege gefunden werden, um auch! das Kreditbedürfnis der Pächter hinreichend zu befrie digen, z. B. durch Ermöglichung der Beleihung eineÄ Teils ihres Inventars. Reichs-, Landes- und Kommunalsteuern sind auh eine einheitliche, den veränderten Ertragsverhältnissenj angepaßte Wertermittlung zurückzusühren. Die Ver« anlagung der gleichen Objekte von mehreren Stellsitz zum Zwecks der Besteuerung ist unter allen Umständen: zu vermeiden. Die jetzt unzweckmäßig gelegten Steuer-» termine sind mehr Len Verhältnissen des landwirt-. schaftlichen Betriebes anzupassen. Tis Steuererhebung ist einfach und wirtschaftlich zu gestalten. Eine weitere wesentliche Erleichterung muß durch; eine den Belangen der Landwirtschaft entsprechend^ Gütertarifpolitik und eine angemessene Gestaltung LeL zukünftigen Zollpolitik erreicht werden. Deutsches Reich. - — Berlin, den 6. März 1924. ' ° Vereinfachte Steirergesetzgebung. Für die Ver- -infachung Ler Steuergesetzgebung und dis Dezentra lisierung der Steuerverwaltung seitens des Reichsfi nanzministeriums hatte der Reichstag bei Beratung Les vorjährigen Etats eine Entschließung gefaßt. Wi6 sich aus der jetzt ergangenen Antwort der Reichsregie rung ergibt, werden gegenwärtig Gesetze vorbereitet, die dem Gesichtspunkt möglichster Vereinfachung des Steuerwescns Rechnung trägen. Dis Verwaltung wird nach Möglichkeit den Orts- und Mittelbehörden über tragen werden. ° Eine politisch« Verhaftung in München. Ter Herausgeber der früheren Zeitung der Einwohnerweh ren, Hauptmann a. D. Wilhelm Weiß, gegen den schon seit längerer Zeit ein Haftbefehl wegen Beihilfe zum Hochverrat erlassen worden war, würde in München verhaftet. Weiß sollte nach dem Hitler-Putsch Presse chef der neuen Regierung werden. Znr Regierungsbildung in Oldenburg. Nach langen Verhandlungen ist jetzt eine Einigung unter den Parteien über die Ablösung Les bisherigen Beamten- ministeriums durch ein parlamentarisches Kabinett zu stande gekommen. Tie frühere kleine Koalition zwischen