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Wetter s Grenzbote Sonntag, von 26. Oktobor 1930 Mr. 2S1 97. Iahrg. Im Falle höherer Gewalt (Krieg oder sonstige Störung des Betriebes) hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung der Zeitung oder auf Rückgabe des Bezugspreises. I Der Adorfer Grenzbote gelangt jeden Wochent. r nachm. zur Ausgabe, für den nächsten Tag vorda» r tiert.—Anzeigen nach Tarif.—Postscheck-Konto r 87369 Leipzig. — Fernruf Nr. 14. Eegr.18SS Dies Watt enthält die amtlichen Bekanntmachungen der Amtshaupt mannschaft Oelsnitz i. Vogü., des Amtsgerichts, der Amtsamvaltschaft und des Stadtrates zu Adorf im Vogtland ZagMM uAWim MWorf (BoEBab Elfter, Jad Brambach, AmSgrün, Breitenfeld, Beesen, Freiberg, Ober- u. MergMasrün, Kermsgrün, Nlgrlsburg, Leubelha, MUlhtwsen Mbersreutb, Remtengrün, Schönberg, Siebeabrmm, Sohl, Wohlbach u. das übr. obere Bstl Sonntags rine illustrierte «nterhaltungsbeilage Druck und Verlag: Otto Meyer, Adorf (Vogtl.), Bergstraße 14. — Verantworüicher Schriftleiter: Otto Meyer, Adorf (Vogtl.) Ausschreibung. Für das BLzieks^eim Oelsnitz i. V. werden folgende Lieferungen aus geschrieben : Weißbrot (Semmeln), Aleifetz- und Wuostbsaren, 4MUetz, Butter, Käse und Margarine. Die Ausschreibung ist beschränkt aus Firmen, die im Bezirke der Amtshauptmannschaft Oelsnitz gewerbliche Niederlassungen haben. Angebotsformulare können gegen Erstattung der Schreibkosten beim Bezirksverband Oelsnitz, Zimmer Nr. 7, entnommen bzw. bezogen werden. Die Angebote sind bis zum 30. Oktober 1930 verschlossen beim Bezirksverband ein zureichen. Oelsnitz i. V., den 24. Oktober 1930. Dav Bazieksverkand. Am Dienstag, den 28. Oktober 1930, nachmittags 3 Uhr sollen in Bad Elster in Ztviäkers Restaurant 1 Mill, 1 BW, 1 PersMMstlWeii, 1 Wei MWspGarlen, igOem Hmmhr, 1 MmnmW, 2 M«tW, 1 Äsei- Md 1 KastemMge, 14 »leih. MWmeil M1 Wen AMmM! meistbietend gegen Barzahlung versteigert werden. Adorf i. V., den 25. Oktober 1930. Dev Gerichtsvollzieher des Amtsgerichts. Zlottenpakl und Schvldenfrage. Am Montag sollen in London die Ratifikations urkunden zum Londoner Flottenvertrag niedergelegt werden. Das bedeutet einen Markstein auf dem dornen reichen Wege der Flottenabrüstung. Welchen Wert der zwischen dem britischen Imperium, den Vereinigten Staaten und Japan abgeschlossene Pakt haben wird, wird freilich erst die Zukunft lehren, denn vorläufig gilt für den Flottenpakt trotz seiner Ratifizierung doch das Wort „Freibleibend". Es ist bisher nicht gelungen, Frankreich und Italien zum Anschluß an den Pakt zu bewegen: die zwischen diesen beiden Staaten geführten Verhandlungen sind vielmehr auf ein totes Gleis ge raten, und jeden Tag kann zwischen ihnen ein neues Wettrüsten beginnen. Das könnte aber auch Rückwir kungen auf das Verhältnis zwischen England und Amerika haben. Vorläufig allerdings bemüht man sich in Washing ton, den in dem Pakt ausgesprochenen Wunsch nach Rüstungsbeschränkung auch durch die Tat zu beweisen. Zwar sind die Einzelheiten über das Flottenbaupro- gramm der amerikanischen Regierung noch nicht be kannt; der Washingtoner Korrespondent der „Times" glaubt aber zu der Annahme Grund zu haben, daß die amerikanische Regierung langsamer vorgehen werde, als der Londoner Flottenvertrag ihr gestatte, um ein Beispiel der Mäßigung und des Vertrauens zu geben. Die Hoffnung auf eine freundschaftliche Regelung zwi schen Frankreich und Italien habe man in manchen Kreisen noch nicht aufgegeben, man habe in Rom und Paris dieserhalb sondiert. Der Korrespondent fährt fort, die amerikanische Regierung wünsche, wie schon früher berichtet, daß die Tätigkeit der vorbereitenden Abrüstungskommission zu einem angemessenen Abschluß gebracht werde, damit der Weg für eine allgemeine Abrüstungskonferenz für später frei werde. In der Frage, ob die wirtschaftliche Not Europas und der übrigen Welt in erheblichem Maße ein Ergebnis poli tisch-militärischer Gegensätze sei oder ob die Verschär fung dieser Differenzen in den letzten Monaten nicht umgekehrt auf die wirtschaftliche Depression zurückzu führen sei, gingen die Ansichten der unterrichteten und verantwortlichen Kreise Amerikas auseinander. Diese durchaus nicht akademische Frage stelle die amerikanische Regierung vor ein Dilemma. Die Regie rung wünsche aber, der Welt keinen Zweifel darüber zu lassen, daß sie an der Ratifizierung des Dreimächtever trages, an der Möglichkeit einer französisch-italienischen Vereinbarung und an dem Abschluß der Arbeiten der vorbereitenden Kommission interessiert sei. Sie wünsche ferner bekannt zu geben, daß eine eventuelle Mora- toriumserklärung durch Deutschland bezüglich der un geschützten Reparationszahlungen, und die finanzielle Rückwirkung einer solchen Erklärung Fragen seien, die sie gegenwärtig nicht in Erwägung ziehe, eintretenden falls aber mit völliger Unparteilichkeit Prüfen würde. Zu diesem letzteren Thema, das mit der Ab rüstungsfrage zwar nur in einem sehr losen Zusam menhang steht, liegt jetzt auch eine offizielle Erklärung des amerikanischen Schatzamts vor, die folgendes be sagt: Das Schatzamt hatte keine offiziellen Bespre chungen, weder mit offiziellen noch mit inoffiziellen Vertretern fremder Staaten über die Revision der deut schen Schulden an Amerika und von keiner Seite sind dem Schatzamt Anregungen zur Revision der Schulden abkommen mit den alliierten Regierungen zugegangen. Die Erklärung bezieht sich offenbar aus die Gerüchte, wonach gelegentlich der Anwesenheit Dr. Schachts die Revifionsfraae erörtert worden fein sollte. Dr. Schacht hat diese Gerüchte übrigens auch seinerseits schon de mentiert. Entsprechend dem privaten Charakter seiner Reise hat Dr. Schacht Fragen dieser Art auch nur mit Privatleuten erörtert. Diese Methode verspricht zur Beamtenforderunm. Entschließung des Beamtentages. Der Bundestag des Deutschen Beamtenbundes nahm am Freitag eine Reihe von Anträgen und Ent schließungen an, die ihm von den Ausschüssen vorgelegt worden waren. So wurden zu den beamten poli tischen Fragen Anträge angenommen, in denen es heißt: „Das deutsche BerufAbeamtentum hat kein Interesse an einem über das sachliche Bedürfnis hinaus ausgebauten Verwaltungsapparat der öffentlichen Hand. Der Deutsche Beamtenbund erklärt erneut seine Bereitwilligkeit zur po sitiven Mitarbeit an einer gesunden Staatsform und Ver waltungsvereinfachung. Schematische Maßnahmen, die nur auf eine Dezimierung -es Berufsbeamtentums abzielen, lehnt der T.B.B. aber mit aller Entschiedenheit ab. Der Bundestag verlangt, daß auch bei den Reichsbeamten end lich die 48-Stunden-Woche durchgeführt wird." Zur Besoldungsfrage wurde ohne Aussprache den vom Gesamtvorstand eiugebrachten Anträgen und Ent schließungen zugestimmt, in denen u. a. verlangt wird. Zeit vielleicht auch mehr Erfolg als amtliche Verhand lungen der Fachpolitiker. Daß das amtliche Amerika an keinen Schuldennach- lah denkt, wird jetzt auch in einem anscheinend inspi rierten Leitartikel der „Washington Post" bestätigt, in dem es u. a. heißt: Die Regierung der Bereinigten Staaten hat keinen Zweifel darüber gelassen, daß die Gerüchte über die Erwägung eines Moratoriums für die alliierten Kriegsschulden vollkommen unbegründet sind. Eine derartige Maßnahme würde im gegenwär tigen Augenblick absurd sein, sie würde Englands finanzielles Prestige schwer schädigen und im Falle Frankreichs den deutschen Hitlerleuten, die alle inter nationalen Verpflichtungen Deutschlands brechen wol len, in die Hände arbeiten. Selbst wenn Deutschland wirklich in so schwere wirtschaftliche Bedrängnis kom men sollte, daß es gezwungen wäre, ein Uoung-Plan- Moratorium nachzusuchen, so könnten trotzdem England und Frankreich ihre Zahlungen an Amerika aus die sem Grunde nicht einstellen. Dr. Schacht ist offenbar zu seiner Vortragsreise von internationalen Bankiers in Amerika ermutigt worden, die gern Europas Schul den gestrichen sähen, um an einer neuen Anleihe große Profite zu machen. Aber das amerikanische Volk lehnt weitere Anleihen an irgendeinen europäischen Staat ab, solange er nicht seine gegenwärtigen Schulden an uns bezahlt. SMch-Mechische Fragen. Handelsvertrag — Prager Kundgebungen — Minder heitenfrage. Im Auswärtigen Ausschuß des tschechoslowakischen Abgeordnetenhauses erklärte Dk. Benefch zu der Frage des Handelsvertrages mit Deutschland die Ursache der Verzögerung sei nicht die Frage der Markprioritäten. Diese Angelegenheit sei durch eine beiderseitige authentische Erklärung erledigt. Die Ur sachen, so erklärte Dr. Benesch, sind kompliziert und alle Einigungsversuche in den letzten drei Jahren waren vergeblich. Die ursprüngliche Ursache war die, daß die Verhältnisse in Deutschland derart lagen, daß sich unsere Agrarforderungen nicht erfüllen ließen. Dann komplizierte sich die Angelegenheit durch industrielle Fragen. Deutschland begann die Jndustrietarife zu er höhen. Ich sprach in Genf mit Außenminister Dr. Curtius über die Angelegenheit, und wir einigten uns. Daß Reichstag und Reichsregierung die durch die Reichs^ tagsauflösung unterbrochene Arbeit zur Reform der Besoldungsgesetze fortsetzen mögen. Zur Frage des Beamtenrechts wurde in einer einstimmig angenommenen Entschließung die schleu nige Verabschiedung des Beamtenvertretungsgesetzes ge fordert. Weiter wurde einstimmig folgende Entschlie ßung angenommen: „Tie Frage -er Preissenkung für -i« Gegenstände -es täglichen Be-arfs ist für die großen Verbraucherschich- ten ein« -er allerwichtigsten; sie ist -er Schlüssel für -as Lich«» un- Gehaltsproblem. Tas Interesse an positi. den Ergebnissen -er Preissenkungshestrebungen ist ein all seitiges; die Erfolglosigkeit -er bisherigen Ankündigun gen «n- Maßnahmen amtlicher Stellen ist für di« Ver braucher Gegenstand gemeinsamer Enttäuschung. Der Bundestag hält darum ein entschiedenes Zusam menwirken aller Spitzenorganisationen der Arbeiter, Ange stellten und Beamten auf diesem Gebiete für notwendig, un aufschiebbar und «rfolgverheißend." vatz wir in nächster Zeit versuchen werden, Die Ver handlungen erneut aufzunehmen. Wir werden sehen, ob die Lage derart sein wird, daß wir den Vertrag ab schließen können. Zu -cn letztet» Demonstrationen in Prag erklärte Dr. Benesch, daß diese die Tschechoslowakei ge schädigt haben. Eine Demonstration ist eine Unord nung, die die Regierung nicht dulden kann. Wenn De monstrationen schließlich mit dem Einschlagen von Fen sterscheiben enden, so ist das nach unseren Gesetzen ein Verbrechen, mag es sich um das Einschlagen von Fen stern eines privaten oder öffentlichen Besitzes handeln. Und wenn die Fenster eines kulturellen Unternehmens eingeschlagen werden, so ist das eine Kulturbarbarei. Ich möchte wünschen, daß wir in Zukunft von sol chen Dingen verschont bleiben. Am Schluß der Aussprache ergriff Benesch noch einmal das Wort, um sich u. a. mit der Minderheitenfrage zu beschäftigen. Er erklärte hierzu, die Minderheiten- Verträge stellten kein Servitut dar; es sei überhaupt unrichtig, daß den betreffenden Staaten in irgendeiner Weise die Bedingung auferlegt worden wäre, Minder heitenverträge anzunehmen. Die Mehrzahl der Autori täten des internationalen Rechts bestritten überhaupt, daß es auf dem Gebiete des internationalen Rechts eine den Servrtuten des Privaten Rechts ähnliche Einrich tung gebe. Aus diesem Grunde habe der Minister kei nen Grund gehabt, einzuschreiten. Zu der Unterredung mit Reichsaußenminister Dr. Curtius bemerkte Dr. Benesch, es sei Pflicht der Diplo maten, ihre Ansichten über alle ihre Staaten betref fenden Fragen auszutauschen. Er müsse feststellen, daß es selbstverständlich sei, daß sich die deutsche Regierung darum kümmert, was mit den deutschen Filmen geschehe. Der andere Staat habe ein volles Recht, seine durch die Handelsverträge garantierten Wirtschaftsinteressen zu wahren. Gegen die Arbeitslosigkeit. Preußische Vorschläge an -as Reich. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, b^nönftigte sich das preußische Staatsministerium in seiner letzten Sitzung mit einer Reihe von Vorschlägen zur wirksamen Bekämpfung der steigenden Arbeitslosig keit. Zunächst kam man überein, der Reichsregierung die Prüfung der Frage zu empfehlen, ob nicht auf