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MMerMNachnchten. Verordnungsblatt -er Kreishauptmannschaft Bautzen als Konfistorialbehörde der Oberlaufitz. Amtsblatt der NmtShauptmannschaften Bautzen und Löbau, des Landgerichts Bautzen und der Amtsgerichte Bautzen. Schirgiswalde, Herrnhut und Bernstadt, des HauptzollamtS Bautzen, ingleichen der Stadträte zu Bautzen und Bernstadt, sowie der Stadtgemeinderäte zu Schirgiswalde und Weißenberg. Organ der Handels- nnd Äewerbekammer zu Zittau. »kscheiuung«weiser Täglich abend« mir «„»nähme der Sonn- and Feiertage. «chrtstleitung und Geschäftsstelle: Baupen, Inner« Laukustrah« 1. Fernsprecher: Nr. 51. — Drahtnachricht: Amtsblatt, Bauyen. Nr. Be»«g»prei«: Monatlich 1 Mari. Einzelpreis: 10 Psennige. Vlnzeigeupreis: Die Ogespallene Petilzrilr oder deren Raum 15 Pscnnige, in geeigneten Fällen Ermäßigung. Schtviertgcr Sa- entsprechend teurer. Reklamen: Die ZgkspaUene Petttzeile 50 Pfennige Tieuslvg, den Mär^ 191 ft abends. Jahrgang. Das Wichtigste vom Tage. * Die Dresdner Handelskammer hat sich eben so wie die Leipziger für Verlegung des H oh ne u j a h r s auf den nächsten Sonntag ausgesprochen. * Bei einem Branounglück in Ungarn kamen 400 Menschen ums Leben. Die Zahl der Verletzten beträgt über 100. * Der KönigderBulgarenhat nebst Frau Ge mahlin die Heimreise von Konstantinopel nach Sofia angetreten. * Zwischen Albanesen und türkischen Sol daten ist es bei Kallina zu einem Waldgefecht ge kommen, in dem die Türken infolge der albanesischen Uebermacht die F l u ch t ergreifen mutzten. * In der türkischen Kammer ereigneten sich gestern heftige Sturmszenen. Dem Bauten- m i n i st e r wurde Unfähigkeit vorgeworfen. Seine Stellung gilt als erschüttert. * Die Kaiserin Taitu von Abessynien ist von der Partei des Kaisers Menelik abgesetzt worden. Ihr Anhang unter dem Militär ist größtenteils geflüchtet. Der Thronfolger Ieassu wird jetzt allgemein anerkannt. Der Kaiser lebt noch, ist aber vollständig gelähmt. " Wetteraussicht für Mittwoch: Abnahme der Bewöl kung, Temperatur wenig geändert, kein erheblicher Nie derschlag. * Ausführliches siehe an anderer Sielle. Unsere Jugend und die Kolonien. „Wer die Schule hat, hat die Zukunft!" Das ist ein altbewährtes Wort, das wir mit vollem Recht auch auf die Kolonialpolitik unseres Volkes anwenden mögen. Nur wenn in unseren Schulen ausreichendes Verständnis und wirkliches Interesse für koloniale Fragen geweckt wird, darf die Zukunft unserer Kolonien als sichergestellt gelten. Dazu reicht es aber nicht aus, daß in der Geographie stunde die überseeischen Besitzungen mehr oder weniger oberflächlich „durchgenommen" und in der Naturkunde ein paar Vegetationsbilder gezeigt, daß Kolonialprodukte, wie Kautschuk, Kopal und Kopra io natura gezeigt wer- Mftund dergl. m., sondern es muffen sozusagen neue, ver- stÄrb "Hilfsquellen herangezogen und neue Wege eröffnet werden- - Bei der kaum bestrittenen Wichtigkeit des Themas seien hier ein paar,,,entsprechende Anregungen in aller Kürze gegeben. Die Leitung der Schulbibliothek müßte dafür sorgen, daß die koloniale Literatur, insbesondere auch das schöne Schrifttum, gut und ausreichend vertreten ist. In den meisten Schülerbüchereien fehlen Rudyard Kiplings Dschungelbücher. Man mag über den poetisch-politischen Heißsporn, den Vorkämpfer für Weltbritanien, denken wie man will — die in meisterhafter deutscher Uebersetzung vorliegenden Züngle Books sind jedenfalls Dichterwerke voll unvergänglicher Schönheit, ganz ohne jeden politischen Einschlag, Märchen des heißfeuchten Üferlandes der Tropen, die eine wunderbar wahre fesselnde Psychologie der Natur und alles Lebenden unter heißerer Sonne geben. Sie sind die beste Einführung in jene fremde Welt draußen, dahin sich die überströmende Sehnsucht des heran reifenden Knaben träumt. Gustav Frenssens „Peter Moor", Frieda v. Bülows „Im Lande der Verheißung" und die Novellen dieser leider schon verschiedenen edlen Frau bilden speziell für die oberen Klassen eine treffliche Lektüre; Pierre Lotis, Roosevelts u. a. gar nicht zu ge denken. Hier also ist einer weitblickenden, von jeder Eng herzigkeit freien Schulleitung ein weiter Spielraum wir- kungsreicher Betätigung eröffnet. Das zweite Problem ist die Nutzbarmachung der ver schiedensten Lehrstunden. Es wendet sich fast ausschließ lich an die Persönlichkeit des Lehrers. Er muß Kennt nisse haben, die nicht immer in sein Spezialfach fallen, er muß vor allem die Liebe für das große überseeische Deutsch land im Herzen tragen und die Begeisterung, sie einpflan zen in die jungen Herzen. Vielleicht wären da, man ge- statte die Einschaltung dieses Gedankens, koloniale Ferien reisen angehender Oberlehrer mit staatlicher Unterstützung, etwa bis Togo oder Deutsch-Ostafrika, eine fruchtbringende Einrichtung. Ein paar Einzelheiten mögen die Sache er läutern. Mehr als ein Jahr lang wird aus den Gymnasien Xenophons Anabasis gelesen. Ergibt sich da nicht von selbst ein Ausblick auf Vorderasien im Wandel der Zeiten (was in der Geschichte kaum berührt wird, da die orien talische Welt hier immer noch nach altem Rezept als Vor halle hellenischer Kultur kurz und stiefmütterlich abge- wrtigt wird), auf das Euphrat-Tigrisland, das Gebiet der Bagdadbahn? Da wird zum Beispiel in Buch IV, Ka pitel 5, des Reisewerkes die Ueberfahrt über den Tigris auf Schläuchen aus Ziegenhäuten erwähnt. So primitiv ist's dort heute genau noch. Ein kurzer Hinweis lehrt den Schüler, daß die Spanne Zeit von 2^ Jahrtausenden da keine merkliche Verschiedenheit der wirtschaftlichen Ver hältnisse zuwege gebracht hat. Als schönste Erläuterung mag Moltke herangezogen werden (zum Beispiel sein Brief aus Dschesireh am Tigris vom 1. Mai 18M), dessen Schil derung erfreulicherweise in dem weit verbreiteten Lese ¬ buche von Hopf L Paulsieck wiedergegeben ist. Anschließend werden die Wunder des mesopotamischen Bodens über haupt besprochen werden, seine unversiegbare Fruchtbar keit, die zwar durch die Türkenwirtjchaft heruntergebracht ist, aber doch eine neue reiche Blüte verspricht. Das jetzt in jungtürkischen Kreisen erörterte Problem der Wiederher stellung des uralten Kanalnetzes, eine schöpferische Tat, die aus dem Zweistromlande wieder einen „Garten Gottes" erwecken würde; die kulturgeschichtlichen Schätze, die zahl losen Tontafeln mit ihren Keilschrifttexten, die aufgedeck ten oder noch unter dem Wüstensande verschütteten Pa läste, Tempel und Kunstwerke und all unsere gewaltigen deutschen Interessen daran, wo deutsches Kapital, deutsche Forschung, deutsche Pionierarbeit das Beste geleistet hat. Das fände wohl den Weg zum Herzen des deutschen Zungen, das würde ihm Ziele und Ideale weisen, denen er treu bleiben wird im Leben, wie die Sonne dem Morgen, wie der Mond der Flut. Das würde seinen Gesichtskreis erweitern, ihn die weltewigen Züge im Antlitz der Erde und in der Entwickelung der Völker erkennen lehren und unmerklich eine großzügige volitiscbe Auffassung vorberei ten. Aehnlich könnte Herodot behandelt werden, wollte man sich an maßgebender Stelle nur dazu entschließen, die Lektüre der von Sexta bis Prima dem Schüler wahrhaftig oft genug nahe gebrachten Salamisschlacht fallen zu lassen und das köstliche Buch II über Aegypten frei zu geben. Das ist eine Fundgrube kulturgeschichtlichen Wissens. Gerade die Richtigstellung mancher Irrtümer bietet ein reiches, be lehrendes Moment. Da kann das Nilquellengebiet als Seuchenherd der Beulenpest besprochen werden (heranzu ziehen wären auch Professor Or. Kochs Studien über die Schlafkrankheit in Innerasrika), da finden wir die Nil barken als Urtyvus des Seeschiffes, die uralte Verbreitung der Aethiopier („äthiopische Bewegung"), die Zwergvölker an den Rilquellen, das neuentdeckte, schon auf alten Phara- onen-Denkmälern abgebildcte Okapi usw. usw. Sallusts Iugurthinischer Krieg mag zu den Sayarastümmen und Sudanvölkern überleiten, die uns in unserem Tsadsee- zipfel Kameruns nahcgerückt sind. — Doch genug davon. Es sollten nur ein paar Anregungen sein und nichts weiter. Sehr wichtig ist zum Schluß die Aufgabe, rechtes Ver ständnis für das Seelenleben und den Charakter des Negers zu erwecken. Die religiösen Züge mögen bei der alttesta- mentlichen Lektüre erörtert weroen. Ein Ausblick in die vergleichende Religionswissenschaft läßt sich heute nicht mehr umgehen. Für das übrige muß die Georgaphiestunde vertiefend eintreten. In der Physik mögen die Anwen dung des Heliographen im südwestafrilanischen Kriege, die Kolonialbahnen und Freilastzüge (Automobile), schließ lich die Wafferfrage (Wünschelrute) gestreift werden, in der Geschichte die koloniale Entwickelung der Weltvölker eingehend hehandelt werden, nicht zu vergessen die Fragen des Weltverkehrs und Welthandels u. drgl. m. Der Raum verbietet es. das dankbare Thema noch weiter auszuspinnen. Aber diese Anregungen dürften aus reichen. Man wird leicht einsehen, daß sie auf solidem Bo den erwachsen sind, leicht im Rahmen der Lehrpläne ver wirklicht werden können und wohl ihr Ziel erreichen mögen: unseren Jungen mit ihren blanken trotzigen Augen Liebe zum deutschen Aeberseebesitz ins Herz zu pflanzen, damit sie gegebenenfalls auch dort drüben schaffen und, wenn's sein muß, sterben mögen als deutsche Pioniere. Politische Nachrichten. Deutsches Reich. Die Vereinheitlichung des deutschen Eisenbahnwesens. Die Handelskammer Ludwigshafen, also eine bayrische Korporation, äußert sich in ihrem Jahresbericht für 1909 auch über den am 1. April 1909 in Kraft getretenen D e u t- schenStaatsbahn wage n verband und stellt fest, daß die seither damit gemachten Erfahrungen im allgemei nen befriedigend seien. Der durch einen gerechten Aus gleich der Wagengestellung bedingte Wegfall von Bevor zugungen könne dem neuen Verband nicht zur Last gelegt werden. Im großen und ganzen habe der neue Verband für die Verkehrtreibenden die Wagengestellung erleichtert und beschleunigt und den Bahnverwaltungen eine erheb liche Ersparnis von Arbeitskräften und Kosten ge bracht. Die Kammer gibt der Hoffnung Ausdruck, daß diese günstigen Erfahrungen den beteiligten Vahnverwaltungen Veranlassung geben werden, die Frage einer weiteren Vereinheitlichung des deutschen Eisenbahnwesens — vielleicht auf dem neuerdings in der Oeffentlichkeit viel besprochenen Wege der Gründung einer gesamten deutschen Eisenbahngemeinschaft auf föderativer Grundlage — stets im Auge zu behalten. Die Gütertarife seien immer noch zu hoch und erschwerten, wie dies von manchen Bahnverwal tungen indirekt ja auch schon zugestanden worden sei, die heimische Produktion und den Wettbewerb auf dem Welt markt. In einer Zeit wie der heutigen, in der die Waren erzeugung ohnehin mit Lasten aller Art überbürdet sei und der Wettbewerb mit dem Ausland durch den allseits immer mehr überhandnehmenden Protektionismus erschwert wird, erscheine es daher angebracht, daß durch eine Verbilligung der Tarife wenigstens der hauptsächlichsten Produktions mittel, insbesondere der Kohlen, die Leistungs- und Wett- bewerbsähigkeit der deutschen Industrie gehoben werde. Die Bedingungen für die Entwicklung der Industrie lägen in Bayern ohnehin, wie genügend bekannt sei, nicht günstig. Zur Verlegung des Hohneujahrs. Die Leipziger Han delskammer hatte bekanntlich seinerzeit ein gemeinsames Vorgehen der sächsischen Handelskammern wegen Ver legung des Hohneujahrs auf den nächstfolgenden Sonntag angeregt. Die Dresdner Handelskammer erklärte sich mit dieser Anregung einverstanden. Eine Entscheidung von grundsätzlicher Bedeutung. Die Kgl. K r e i s h a u p t m a n n s ch a f t Zwickau hat den Rekurs des Zwickauer Photographen Robert Graul — Führung des Titels vorm. Hofphotograph weil. Sr. Majestät des Königs von Sachsen betr. — für be achtlich angesehen. Das Polizeiamt Plauen hatte tn der Führung des genannten Titels eine Zuwiderhandlung er blickt und Herrn Graul unter Strafandrohung aufgegeben, auf seinen Briefbogen und Programmen den Titel nicht mehr anzubringen. Verschmelzung von Ober- und Niederplanitz? Nach dem die gewünschte Einverleibung der Vororte Ober- und Niederplanitz inZwickauab g e l e h n t wor den ist, wird daselbst lebhaft eine Verschmelzung beider Gemeinden betrieben. Gegen die Vorlage zur Entlastung des Reichsgerichts. Die Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin erblickten in dem Entwurf eines Gesetzes über die Zuständigkeit des Reichsgerichts eine schwereVeeinträchtigungder Rechtspflege, welche für Handel und Industrie von der weitesttragenden Bedeutung ist. Mit Rücksicht hierauf haben sie beschlossen, den Korporationsmitgliedcrn über die in jenem Gesetzentwurf enthaltenen Vorschläge einen Vor trag halten zu lassen durch eine Autorität auf dem Gebiete des Zivilprozeßrechts, den Geh. Hofrat Professor Wach (Leipzig). Der Vortrag wird in der zweiten Hälfte des April in der Aula der Handelshochschule in Berlin stattfin den. * * * Die Finanzierung des staatlichen Schlcppmonopols in Preußen. Ueber die Bereitstellung der Geldmittel zur Durchführung des staatlichen Schleppmonopols auf dem Rhein-Weser-Kanal verlautet, daß gegenwärtig ein genauer Kostenanschlag in Vorbereitung ist, auf Grund dessen die erforderlichen Mittel auf dem Wege einer A n - leihe bereitzustellen sind. Nach einstweiliger überschläg licher Ermittelung beträgt der Bedarf, wenn der Staat die Ausübung des Monopols in seiner Hand behält, etwa 16 Millionen Mark einschließlich sämtlicher Aufwendungen für die Herstellung der Bauhöfe und der anderen baulichen Einrichtungen, sowie für die Beschaffung der Dampfer, die voraussichtlich, dem steigenden Verkehr folgend, in den ersten zehn Betricbsjahren beschafft werden müssen. Man kann annehmen, daß bis zum Ablaufe des ersten Vetriebs- jahres etwa acht Millionen gebraucht werden. Gleichzeitig mit dem Anlagekapital wird ein Voranschlag für die Be triebs- und Unterhaltungskosten aufgestellt, die alljährlich durch den Staatshaushalt bereitzustellen sind. Da es sich bei dem Schleppmonopol um ein selbständiges gewerbliches Unternehmen handelt, sollen Ausgaben und Einnahmen von dem Kanalbaufonds getrennt gehalten werden. Bei der Beratung des Schleppmonopols im Abgeordnetenhause wurde Wert darauf gelegt, den Provinzen Westfalen, Rheinland und Hannover und auch Bremen die Möglichkeit einer Beteiligung offen zu halten. Falls nun die Staatsregierung mit diesen Earantieverbänden des Rhein-Weser-Kanals zu einer Einigung über die finan zielle Beteiligung gelangt, soll diese in den Gesetzentwurf ausgenommen werden. Zn der Bruhnschen Erpressungsangelegenheit ist nun mehr die Anklage erhoben worden. Sie richtet sich nicht nur gegen die Verleger Wilhelm (den Reichstags abgeordneten) und Paul Bruhn, sondern auch noch gegen den Redakteur Dietrich. Die Anklage wirft den Angeklagten zehn Fälle der versuchten und vollendeten E r- pressung vor. Die Anklageschrift, die augenblicklich vervielfältigt wird, soll etwa 60 Seiten umfassen. Geladen werden voraussichtlich etwa 30 Zeugen, darunter die Ver teidiger des früheren Redakteurs der Wochenschrift „Wahr heit", Dahsel, die Rechtsanwälte vr. Werthauer und vr. Puppe, sowie der Inhaber eines bekannten Berliner Warenhauses und der Inhaber eines Nachtlokals. Die Hauptverhandlung dürfte erst Anfang Mai stattfinden. Gegen den verantwortlichen Schriftleiter des „Vor wärts" Barth ist Anklage erhoben, weil er durch eine Reihe von Artikeln des „Vorwärts", die sich auf das Vor gehen des Polizeipräsidenten gegen die Wahlrechts-