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02-Abendausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 19.12.1900
- Titel
- 02-Abendausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-12-19
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19001219023
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900121902
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900121902
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-12
- Tag 1900-12-19
-
Monat
1900-12
-
Jahr
1900
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Unwersitütsstraße 8 (Paulinum), Louls Lösche, Katharinenstr. 14, Part, und Königsplatz 7» K45. Abend-Ausgabe. Mittwoch den December 1900. 'cipMcr TaMalt Anzeiger. Ämlsbkatt des Königlichen Land- und Amtsgerichtes Leipzig, -es Nattjes «nd Nolizei-Ämtes der Ltadt Leipzig. Anzeigen-Preis die 6 gespaltene Petitzeile 25 H. Reclamen unter dem Redaeiionsstrich (-gespalten) 75 vor den Familiennact)- richten (ti gespalten) 5V Tabellarischer und Ziffernsatz entsprechend höher. — Gebühren für Nachweisungen und Offrrtrnannahme 25 (excl. Porto). <?rtr,. Verlagen (gesalzt), nur mir dec Morgen-Ausgabe, ohne Postbeförderung .M ÜO.—, mit Postbrsörderung 70.—. Ännahmeschluß für Anzeige«: Abend-Ausgabe: Vormittag- 10 Uhr. Morgen-Ausgabe: Nachmittags 4 Uhr- Bei den Filialen und Annahmestellen je eine halb« Stunde früher. Anzeigen sind stets au di« Expedition zu richten. Die Expedition ist Wochentags ununterbrochen geöffnet von früh 8 bis Abends 7 Uhr. Druck und Verlag von E. P olz in Leipzig. 94. Jahrgang. Die Wirren in China. Beschlagnahmte Beute Aus Paris, 18. December, wird uns berichtet: Um Un zuträglichkeiten zu vermeiden, welche aus der Ausübung des PeuterecktS sich ergeben könnten, hat die Regierung be schlossen, daß alle Gegenstände, welche der chinesischen Ne gierung oder Privatleuten geboren und sonstiges Material oder KriegsauSrüstungS-Gegenstände, deren sich französische Soldaten bemächtigt haben sollten, der chinesischen Regierung zu rück er stattet werden. Zu diesem Zweck ließ die Re gierung Kisten und Koffer, welche kürzlich aus China in Marseille eintrafen, sofort beschlagnahmen. Die Nachricht wird auch von anderer Seite bestätigt. Nach dem „GauloiS" befindet sich unter den beanstandeten Sendungen auch ein chinesisches Kunstobject, an die Adresse des — PräsidcntenLoubet abgesandt von Gen eral Frey. * Peking, 19. December. l„Agence HavaS") Tsching und Li-Hung-Tschang haben dem französischen Gesandten Pichon die Versicherung gegeben, daß die Bewegungen der Truppen an der Grenze von Fudschi na, über die der Gesandte kürzlich Klage führte, ohne Bedeutung seien und nur zum Zwecke der Unter- Lrückung des Brigantenthums vorgenommen würden. China denke nicht daran, kurz vor der Eröffnung der Iriedensverhandlungen neue Verwickelungen heraufzubejchwören. Der Krieg in Südafrika. Tie Avance» der Bocrcn »nd die Stimmung in London. AiiS Capstadt wird aus Boerenquelle noch gemeldet: Der Boerengencral Botha nahm fast das gesammte Eisenbahn material der Delagoa- und der Natalbakn, über 200 Waggons und 46 Loccmotive», weg. Der englische General Clements verlor seinen ganzen Train und die Geschütze, deren Berschluß- tbeile er mitnahm, sowie den größlen Tbeil sammtlickcr in seinem Hauptlager aufgespeichcrten großen Munitionövorrätbc, die nur zum kleinsten Tbeil zerstört werden konnten. Alles siel in die Hände des BoerengeneralS Delarev. Eine amtliche Bestätigung dieser Meldungen liegt aller dings nicht vor, sie wird wobl auch schwerlich je erfolgen, aber nach der Stimmung, welche in London augenblicklich herrscht, zu schließen, darf man ruhig annebmen, daß die Capstädter Nachricht vollständig den Thatsachen entspricht. Man berichtet uns: * London, 18.December. (Melduugdes„Reuter'jchenBureauS".) Cs verlautet, Laß der Dankesgottesdienst iu der St. Pauls» Kathedrale, der bei Gelegenheit der Rückkehr des Feldmarschalls Roberts staltsinden soll, lediglich als eine persönliche Angelegen heit behandelt werden wird. Man ist in hohen Kreisen der Ansicht, daß mit Rücksicht aus die neuerlichen beträchtlichen Niederlagen ein allgemeiner Dankesgottesdienst ebenso übel angebracht wäre, wie seinerzeit der geplante Gedächtnißgottesdienst für die in Peking angeblich ermordeten Mitglieder der Gesandtschaft. * London, 19. December. Der geplante Dankesgottesdienst in der Pauls-Kathedrale gelegentlich der Rückkehr des Feldmarschalls Roberts wird nicht abgehalten werden. Wir constatiren mit Befriedigung, daß daS osficiöse „Rcuter'sche Bureau" zugiebt, die Niederlagen — man beackte den Plural — seien erheblich gewesen; sie waren offenbar noch ungleich schwerer, als der amtliche Telegraph zugiebt, sonst würde man in London nickt so klein laut sein. Ma» ist ja heute weit niedergeschlagener als in der ersten Zeit deS Krieges, da Schlag auf Schlag wuchtig die Häupter der englischen Armecführer traf und die britischen Reihen wie Garben unter der Sense des Schnitters nirderficlen. Gestern Nachmittag hielt S a liS - bury auf einer Versammlung der ccmservanven Union im „Hotel Metropole- eine Rede, in der er darlcgtc, er rede zu einer Zeit, in welcher einigeBeunruhigun g Platz gegriffen habe, ohne daß man genau wisse, was geschehen sei. Der Glanz des Reiches beruhe jetzt auf dem Erfolg einer großen Unternehmung, in welche England verwickelt fei, und keine Anstrengung dürfe gescheut werden, durch welche der Ruhm und die Aufrechterhaltung des Reiches gesichert werden könne. Auch DaliSbury's Rede ist ein Einzeständniß dessen, daß die Lage sich jetzt plötzlich zu Ungunslen Englands verändert hat. Man berichtet unö weiter: * London, 18. December. Die Königin ordnete die Ver öffentlichung eines Armeebesehls an, in welchem der Ueomanry, den Freiwilligen und Len Colonialtruppen für ihre Dienste in Südafrika Dank gesagt und dem Vertrauen Ausdruck gegeben wird, daß die noch im Felde befindlichen Mann schaften fortfahren werden in ihren Bemühungen, die reguläre Armer zu unterstützen. Das Kriegsamt kann denn auch heute noch nicht daran denken, die Freiwilligen vollständig vom Kriegsschauplatz zurückzuziehen, obgleich sie von wesentlichem Nutzen dort nicht gewesen sind. Man macht sich also noch aus große Anstrengungen gefaßt und sieht voraus, daß eS dabei nölhig sein wird, alle Kräfte zusammenzuraffen. Vom Untergang der „Gneisenau" ist heute nichts wesentlich Neues zu melden. Nur für die aus wärtigen Leser unseres Blattes wird folgende wiederholte Nach richt neues Material bringen: * Berlin, 18. December. Dcm Herzog-Regenten von Mecklenburg-Schwerin ging nachstehende Ant wortdepesche zu: „Ew. Kgl. Hoheit sage ich Namens der Marine unterthänigst tiefgefühlten Dan! für das gnädige Tele gramm anläßlich des schweren Verlustes, der die Marine be troffen. — Ueber den Umfang der Verluste liegt das von mir heute veröffentlichte Telegramm vor." — An den Reichstagspräsidenten Grafen Balle st rem sandte der Staatssekretär folgendes Telegramm: „Namens der trauernden Marine spreche ich Ew. Hochgeboren tiefempfundenen Dank aus für die mir Namens des Reichstages übermittelte warme Antheilnahme an den schweren Verlusten, die Kaiser und Reich mit der Marine durch die Htrandung der „Gneisenau" erlitten haben." — Die Antwort auf die Depesche des österreichischen Sectionschefs Frhrn. v. Spaun lautet: „Ew. Excellenz und den Kame raden der K. K. Marine spreche ich im Namen der deutschen Marine tiefempfundenen Dank aus für die Worte inniger An theilnahme, die Giv. Excellenz mir aus Anlaß des schmerzlichen Schicksals S. M. Schiff „Gneisenau" übermittelten. In die Trauer um die verlorenen Kameraden ist uns das warme Mit gefühl der im fernen Osten in treuer Waffenbrüderschaft er probten österreichischen Marine ein erhebender Trost." — Die Antwort auf eine herzliche Beileidsbezeugung des ita lienischen Marineministers lautet: „Ew. Excellenz bitte ich im Namen der deutschen Marine meinen tiefgefühlten Dank für die innige Antheilnahme an dem traurigen Schicksal S. M. S. „«Gneisenau" entaegenzunehmen und den treuen Kameraden der italienischen Marine zu übermitteln." — Dem schwedischen Marineminister Dyressen, der ebenfalls Namens der Flotte condolirt hatte, ging folgende Ant wort zu: „Im Namen der deutschen Marine sage ich Ew. Excellenz und den Kameraden von der schwedischen Flotte tief empfundenen Dank für die mir zum Ausdruck gebrachte An theilnahme an dem traurigen Schicksal S. M. S. „Gneisenau"." — Auch den Aufsichtsräthen und Vorständen des „Norddeutschen Lloyd" und der Aktiengesellschaft „Weser- hat der Staats sekretär für ihre Beileidsbezeugungen telegraphisch gedankt. * Noch zwei in Leipzig bekannte Personen sind von dem Schiffbruch der „Gneisenau" in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Matrose Hermann Hentzsch, ein Leipziger Kind, hat seiner Melanchthonstraße 7 wohnenden Mutter Nachricht von seiner Rettung geben können, dagegen ist der B a r b i e r R u d l o f f, der noch im Juni hier beim Friseur Wagner an der Mozartstraße in Stellung war, mit ertrunken. Herr Wagner erhielt noch heute Morgen eine Karte seines früheren Gehilfen aus Malaga. Politische Tagesschau. * Leipzig, 19. December. Wenn Alle-, was in der Presse einem Staatsmann; vorgeworsen wird, im Reichstage in gleich schroffer Weise zum Ausdrucke käme, so würde nach den Weihnachtsserien der Staatssekretär des Auswärtigen, Frbr. v. Richt hofen. noch auf weit heftigere Angriffe sich gefaßt machen müssen, als fein College Graf Posadowsky wegen der 12 OOO-^-Affärc erdulden mußte. Frhr. v. Richt Hofen bat am 12. d. Mts. im Reichstage auf eine am Tage vorher vom Abg. Liebermann v. Sonnenberg erhobene Beschwerde wörtlich erklärt: Am 7. d. Mts. ist zur amtlichen Kenntniß des Auswärtigen Amtes durch eine Zeitungsmeldung gelangt, daß die Rheinische Maschinen- und Metallwaarenfabrik eine gröbere Bestellung auf Geschütze von der englischen Negierung erhalten und dieselbe theil. weise ausgesührt habe. Infolge dessen ist auf Weisung des Herrn Reichskanzlers der Regierungspräsident ia Düssel- darf sogleich angewiesen worden, die Sachlage aufzuklären- Ss ergab sich au- seinen Mittheilungen, daß der Each- vcrhalt richtig dargestellt sei, daß die englische Regierung ene gröbere Anzahl von Feldbotterien bei der gedachten Gesellschaft bestellt habe und ein Theil derselben bereits abgeliesert worden sei. Da eine solche Lieferung als mit den Pflichten der Neutra litöt nicht im Einklang stehend betrachtet werden könnte und wir der Ansicht waren, daß Derartige- nach Möglichkeit zu verhindern sei, so hat der Herr Reichskanzler in ganz der gleichen Weise, wie seinerseits eine Anregung an die Firma Krupp beim öeginn de- Kriege- er rangen war, so auch jetzt an die Rheinische Maschinen, und Metallwaarensabrik das dringende Ersuchen gerichtet, mit Rücksicht auf die politische Lage der Dinge ia Süd- asrika die weitere Ausführung der Bestellung bi- aus Weitere- zu inhibiren. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß die Rheinische Maschinen- und Metallwaarensabrik in ganz der gleichen und loyalen Weise, wie das seitens der Firma Krupp ge- schehen, dem Ansuchen des Herrn Reichskanzlers entsprechen wird. Nun meldete dieser Tage eine englische Correspondenz, am letzten Freitag habe im Unterbause auf eine Anfrage von S>r H. Bincent, wesbalb Geschütze aus Deutschland und nicht von englischen Firmen bezogen worden seien, der Staats sekretär deö Krieges M. Brodrick geantwortet: Er habe von der Feststellung des Freiherrn von Richthosin Kenntnitz genommen, nach welcher eine grobe Anzahl Feldbatterien vom englischen Kriegsamte bestellt worden seien und daß die deutsche Regierung die Ausführung weiterer solcher Aufträge prr- hibirt habe. Zu Anfang dieses Jahres sei es nothwendig gewesen, eine bedeutende Anzahl Feldgeschütze für schnelle Lirserung zu be- stellen. Die Militärmerksiäiten und die Waffensabriken Eng land- erhielten Aufträge für mehr Feldgeschütze und Wagen, als sie im Laufe des Jahre- aussühren konnten, und einen Monat später seien Aufträge vom selben Umsong wie die, die an englische Firmen gegeben waren, in Deutschland plaeirt worden. Die Militärwerkstätten führten die Ordres prompt aus und die deutsche Firma effectuirte den vollen Auftrag, so daß di« Ge- schütze jetzt zur Indienststellung bereit seien. Dagegen lieferte eine englische Firma nur eia Drittel der bestellten Geschütze und die anderen gar nichts. Ten englischen Waffen- fabriken sei jede Unterstützung durch Aufträge in Höhe von mehreren Millionen Pfund Sterling gegeben und er werde dafür Sorge tragen. Laß Alles, was im Bereich der Möglichkeit liege, geschehe, um den englischen Firmen lausende Ordres zu sichern. Aber angesichts der geschilderten Verhältnisse und der Nothwendigkeit, aus pünktlicher Lieferung zu bestehen, wünsche er keine Garantie zu übernehmen, daß nicht ia Zukunft auch weiterhin Aufträge Lieser Art im AuslanLe placirt würden, wenn da» öffentliche Interesse es verlangt. Sir H. Vincent fragte, ob die Sache so läge, daß die deutsche Regierung di« Ab lieferung der Geschütze verhindert habe. Der Kriegs minister: „Nein, wir haben die Geschütze erhalten." Auf Grund dieser Correspondenz, die an Zuverlässigkeit mit Len stenographischen Berichten beö deutschen Reick-tazS sich schwerlich messen kann, wird nun in einigen Blättern dem Staatssekretär v. Richtbofen „bewußte Unehrlichkeit" vor geworfen. Näher liegt doch wobl unsere- Erachtens, die Zuverlässigkeit des englischen Berichte- vorausgesetzt, der Borwurf gegen die rheinische Fabrik, vaß sie dem Ansuchen des Reichskanzlers nicht entsprochen und trotz desselben die Lieferung fortgesetzt habe. Auch siebt für uns der neue englische Staatssekretär deS Kriege-, der College eines Chamberlain, keineswegs thurmhoch über dem Verdachte, seine Worte nicht auf die Goldwaage gelegt zu baden. Immerhin wirb mau von Herrn v. Richtbofen weitere Aufklärung über den Vorfall verlangen müssen. Bis dahin aber halten wir es für einen seltiamen Widerspruch, wtnn solche deutsche Blätter, die nicht genug über englische Un zuverlässigkeit und Niedertracht klagen können, j«de» Wort eines englischen Staatssekretärs für Offenbarung halten und lieber einem deutschen Staatssekretär Doppelzüngigkeit »der I Fenillcton. iss Lucie. Original-Roman von Ferd. Gruner. Nachdruck verbot«». Der Polak gab ihm eine «Cigarre und ging in die Dorsschenkt, nachdem er den Zirm noch besonders gebeten, ja nichts über den Brief zu sagen, da er ihn selber bis nach Bärenstein tragen sollte. Hätt' aber der Zirm bald im Tod auf den Brief ver gessen. Erst im letzten Moment giebt er ihn am anderen Tage Abends in den Posttasten. An das Bezirksgericht in Bärenstein war er gerichtet. — «Das, Herr Hauptmann, wollt ich sagen. Ich dachte, weil der Malcher Franz ja eingestanden hat, daß er am selben Tag« den Herrn von Eichintreu beim Schloß in Langberg gesehen hat und weil er dann immer Geld von ihm 'kriegt hat. Offen hat er's freilich nicht gesagt. Aber manch mal, wenn er voll war, hat er sich geprahlt, daß, wenn er auch nicht mehr am Hofe sei, er doch vom Hofe lebe." Der Officier hatte erst überrascht, dann nachdenklich den nicht besonders zusammenhängenden Mittheilungen des Bauern zugehört. „Gar kein Zweifel", rief er aus, „daß die Sache sehr wichtig ist. In danke Ihnen vielmals, lieber Kohler. Natürlich halten Sie darüber reinen Mund." „Na, Ihr habt eine ausgiebige Lonferenz", sagte eintretend Dr. Bollant. „Du entschuldigst, daß ich störe, aber Frau von Eichentreu fährt ab. Wenn Du Dich empfehlen willst —" „Sofort!" Der Bauer verabschiedete sich. Als die Herren allein waren, wiederholte Hauptmann Rödel kurz den Bericht Kohler'». „Ich habe die Empfindung, daß dieser Brief nicht zu fällig just an dem Tage geschrieben wurde. Der strenge Auf trag an den polnischen Burschen, ihn zu nächtlicher Stunde noch nach Bärenstein zu trogen, scheint etwa» Anderes anzudeuten. Weißt Du, lieber Ontel, nicht, ob in einem Briefe — der natürlich anonym gewesen sein wird — irgend Jemand denuncirt worden ist?" frug er schließlich. Der Alte lief erregt im Zimmer herum. „Weiß der Kuckuck, mir schwant so waS. Aber ich weiß es leider nicht genau. — Ich verstehe Dich, wer denuncirt worden wäre, wenn die Ge schichte wirklich in irgend einem Zusammenhänge mit Rawen'S Lod stünde." — Plötzlich blieb er stehen, breit und massig, als wollte er sich stützen, um nicht ins Wanken zu gerathen. „Otto, wenn das so wäre, dann hätte man ja den Beweis." — Dr- Bollant streß die Worte hastig und keuchend heraus, „den Be weis, Teufel! Dann wäre es ja klar, daß nur Eichentreu der Mörder ist. Es wußte sonst doch kein Mensch noch um den Mord. Kein Mensch, sage ich Dir", er schrie fast und das Gesicht röthete sich. Dann, wie überrascht von dem plötz lichen Licht, das in das Dunkel hineinleuchtcte, sprach er, ein wenia stockend: „Nicht wahr, es ist doch so?" Der Officier stimmte ihm in lebhaftester Weise bei: „Du hast Recht, Onkel. Bei Gott, ich habe im ersten Augenblicke der Mittheilung Kohler's selbst nicht eine solche Wichtigkeit bei gemessen. Aber Vie Sache liegt wirklich sonnenklar. Wenn ein Brief über diese Affäre vorliegt, so ist Alles entschieden." „Weißt Du was, ich gehe jetzt zu Doctor Rosen. Ich habe ohnehin wegen einer Verhandlung im Gerichte zu thun. Ich muß ihn fragen — aber vorsichtig natürlich —, ob er nicht weiß, ob damals ein anonymes Schreiben bezüglich der Ermordung ein lief. Er hat sich seiner Zeit dieser Sache sehr warm angenommen und erinnert sich sicherlich noch an ein so wichtige» Detail. Die Erklärung, daß ich gerade jetzt mit der Frage komme, ist leicht fertig. Ich war in Kördorf bei dem angeblichen Verbrecher und da ist mir die Geschichte wieder aufgestiegen." Dr. Bollant entfernte sich unverzüglich, da Mittag nicht mehr ferne war, Als er eine knappe Stunde später zurückkehrte, war sein ernstes Gesicht ein wenig verstört, aber mit jenem Zucken und Aufslämmen in den Augen, wie es nur die Freude schafft. Er zog seinen Neffen in eine Ecke und erzählte: „Doctor Rosen hat ein anonymes Schreiben, das dm Verdacht aus Max Horwart lenkte, erhalten. Er wußte sich ganz genau zu erinnern. Zum Ueberftufle ließ er in der Registratur die Acten de» Proccsse» ausheben. Da fand sich nun dieser Brief vor. Er trug den Poststempel „Bärenstein, 31. Juli, 8—10 Uhr Abend»". Eine miserable, absichtlich verstellte Schrift, mit elender Feder ge schrieben und mit absichtlichen Fehlern. Merkwürdig genug liegt nur dieser Brief vor. Doctor Rosen ahnte etwa» Und be mühte sich, dahinter zu kommen. Aber natürlich ohne Erfolg. Wir sind ja ganz ohne Zweifel auf der richtigen Spur. Aber e» fehlt noch immer etwas in der Beweiskette, ein Glied, das wichtigste, weil es den Abschluß bringen soll. Doch meine ich, es wird sich finden, e» muß gefunden werden. — Im klebrigen, glaubst Du, daß ich Freund Jordan und meiner Frau die Ge schichte mitkheilen soll? — Ich bringe es fast nicht über'» Herz, zu schweigen. Daß Beide nicht davon reden werden, ist sicher und lrbhaften Antheil nehmen sie daran." Der Hauptmann war ganz damit einverstanden und erzählte Dr. Bollant beim Mittagsmahle, als man beim „Schwarzen" angelangt war, den „ganzen Spaß", wie er es lächelnd nannte, um die Sache nicht allzu sehr ernst darzustellen. Eine sehr rege Debatte entwickelte sich darüber. Besonders Dr. Jordan war geradezu erschüttert. Der weißhaarige Greis wollte gar nicht zur Ruhe kommen. Dieser Mann, der in der Einsamkeit, in der düsteren Atmosphäre von Kardorf verknöchert zu sein schien, thaute auf. Man fühlte, er hatte nie das traurige Ende seines Bruders vergessen, das auch jenes der Mutter herbei geführt. Er hatte es immer für einen Mord gehalten. Nun traf ec nach einem halben Menschenalter den Schurken wieder, der den jungen Studenten kaltblütig niedergrfchoffen und mußte die klederzeugung gewinnen, daß Jener ein neues, noch entsetzlicheres Verbrechen begangen. Ein Anderer büßte es mit lebenslänglicher Haft, Einer, der schon jetzt dem Verfalle stark entgegenging. Ein neuerlicher Mord an einem Schuldlosen. — Dr. Jordan, welcher in seinem Berufe so viel Verworfenheit und Laster begegnet war, zeigte sich tief bewegt durch die seltsame Fügung des Schicksales, die er hier gewissermaßen an sich selbst erfuhr. Er sollte noch mehr erleben. Es spielt in das stille Einerlei de» Alltagslebens ja öfters Ungewohntes hinein. Vierzehntes Capitel. Der junge Bauer hatte das Haus des Dr. Bollaut wenige Minuten vor Frau von Eichentreu verlassen. Als das Gefährte derselben die Straße nach Langberg hinaus fuhr, holte es den rüstig Vorwärtsschreitenden ein, der sehr höf lich grüßte. Lucie hieß Kohler zu sich einsteigen. Derselbe er zählte, nachdem ihn Lucie beruhigt hatte, daß sie das Geständniß de» sterbenden Malcher Franz erfahren habe, noch einmal den ganzen Vorgang; di» anfängliche Freundschaft, die zwischen ihm und dem Tobten geherrscht, sich aber bald in das Gegentheil ge wendet habe, als Malcher allmählich ein Lump und schließlich ein Verbrecher wurde. Zum Danke für manche- Gute, das der Bauer der Familie Malcher gethan, zündete er ihm schließlich — aller dings im schweren Rausche — da» Hau» an. Es war nichts Neues eigentlich, was der Kohler-Bauer erzählte, aber Lucie fühlte, daß der einfach« Mann an eine Art Contract zwischen dcm Gutsherrn und dem gewesenen Knechte dachte, ein Vertrag, der aus recht eigenthüinlichen Verpflichtungen für den Einen zur Nolbwendigkeit geworden war. Zu Hause angekommen, veranlaßte Frau von Eichentreu, daß dem Abbrändler ein Pack alte Wäsch« und Kleidungsstücke für seine Familie zusammen gesucht wurde, da» derselbe mit feuchten Augen entgegennahm; besonders als er hört«, daß er, was fehlte, vom Hofe erhalten sollt«. Am folgenden Tage Nachmittags fand am Dorffriedhofe die Einsegnung der Leiche des Malcher Franz statt. Nur wenige Leute hatten sich hierzu eingefunden. Eben, als man den braunen, schmucklosen Sarg in den Friedhof hineintrug, war Herr von Eichentreu im Fiaker vorübergefahren. Er kam nun erst von seiner Reise zurück. Als vor der Dorfschenke der Wagen einige Augenblicke hielt — dem einen Pferd« war ein Hufeisen locker geworden — frug dcr Gutsherr den Wirth, wer denn gestorben sei. „Der Malcher Franz", sagte der gleichmüthig und lüftetr weniger höflich als sonst seine Mütze. Eichenireu zuckte ein wenig zusammen und di« schmalen Lippen schoben sich auseinander, daß man die Zähn« wahrnahm, kräftige, aber etwas verbrauchte Zähne. DaS gelblich-faltige Ge sicht wurde häßlich. „So, der alte Lump", brummte er und lehnte sich in die Polster zurück: „Säuferwahn, wie?" „Nein", entgegnete der Bauerwirth und trommel:« mit dem Pfeifenrohre auf den Schutzblechen deS Wagens, während er die Augen halb zukniff, als scheine ihm di« Sonne zu hell in« Ge sicht, trotzdem er sie im Rücken hatte. „Dem Kohler-Josef hat er vorgestern Scheuer und Häusel an- gezundet. Dann machte er sich auf die Strümpfe, hatte aber wenig Glück damit, brach sich dabei das Genick." „Ah" — Eichentreu bewegte unruhig den Kopf. „Das heißt, er war nicht gleich todt. Sie haben ihn erst wieder ins Dorf hereingeschafft. Der Herr Doctor Bollant Ivar zufällig heraußen. Da ist er verbunden worden, aber e» war au»." „Wie langt hat eS denn noch gedauert?" „So ein, zwei Stunden. Er war bei Besinnung." Der Gutsherr machte einen Ruck. „Sitzt sich schlecht in diesem Rumpelkasten", murrte er. — „So, so." Der Wirth steckte sein Pfeifenrohr ein. „Ja, er soll Einkehr bei sich gehalten Haden." „Gebeichtet?" „Weiß nicht, hör' nur, daß daS Allerheiligste schon zu spat kam, er könnt' nicht mehr reden." „Danke, danke." — Eichentreu reichte dem Wirth« die Hand, der sich nicht übermäßig beeilte, sie zu schütteln. Di« Hand war kalt und feucht und die Hitze, welche herrschte, war doch wirklich kaum erträglich. Das Hufeisen war in Oronung und die müden Gäule trabten dir Dorfstraß« weiter. Eichentrru lirß La» zurückgrschvbrn«
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