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Frankenberger Tageblatt Amtsblatt für die Königs. AmtshailptmmW das MG. Amtsgericht md den Stadtrat zu Frmkcnberg Verantwortlicher Redakteur: Ernst Roßberg sen. in Frankenberg i. Sa. — Druck und Verlag von C. G. Roßberg in Frankenberg 1. Sa. Dienstag, den s. In« 1»17 78. Jayrgang Vorschriften, 28 Pfg. je Pfund, Verkauft der Besitzer oher Pächter dagegen ohne besondere Umstände vom Baum bezw. die von den Besitzern oder Pächtern der Kirschimtzungen beim Kleinverkauf von Kirschen an PeMäuPtt zu beachten sind. Nach der Verordnung des Ministeriums des Innern vom 20. Februar 1917 ist an jedem StandKrden Kleinverkauf von Obst — auch im Straßenhandel — ein deutlich lesbares, mit urlvttwWbWr Schrift hergestelltes und von der zuständigen Polizeibehörde abgestempeltes Preisverzeichnis V0" in^^lm» VÄeW^eingetragönetlMreife müssen eingehalten, dürfen also nicht über schritten «erden, Arnderungen ohne neue ammche Abstempelung sind nicht statthaft. Nach der gleichen Verordnung sind an «An^nn Verlauf ausgelegten Waren oder deren Behältnissen (,. B. Körben» Vrelstafeln anruhrWen, deren Ziffern in deutlich lesbarer Schrift hergestellt und mindestens 5 ow hoch sein müssen. Werden an einem Stand nur Kirschen ein und derselben Sorte verkauft, so genügt eine PrttMfel. Anderenfalls müssen so viel Tafeln angebracht werden, als verschiedene Sorten Kirschen zum Verkauf kommen. Die Preistafeln müssen neben den sichtbar aushängenden Preisverzeichnissen vorhanden sein, PmM Hirse Mo nicht' ersetzen. 3. Höchstpreise. Unterhält der Besitzer oder Pächter einer Kirschnutzunn einen besonderen Nerkaufsstand (Budes und wird darin ständig mindestens eine Person »gt, den, Klenwerkaus von Kirschei, beschäftigt, «. dürfen höchstens die nachstehenden Kleinhandelspreise gefordert werden, sofern stM der zMßnWe KpmmMchperbflNb M diesen Fall ändete Preise festgesetzt hat: 8^ SchattÄmorrllen (Saure Kirschen) o) „ Kirschen anderer Art Pflückkorb usw: weg an den Verbraucher, so dürfen die nachfolgenden Erzeugerhöchstprelse.'auch beim Kleinverkaus nicht überschritten werden: « ' ») für Prehkirschen 2« Pfg. je Pfund, d) „ Schattenmorellen (Saure Kirschen) 40 „ „ „ o) „ Kirschen anderer Art 35 „ ,, ,, "4 Die Hergabe von Tüten oder anderem Einwickelpapier ist in diesen Preisen eingeschlossen, sie darf also nicht besonders berechnet werden. Zuwiderhandlungen gegen die hier in Erinnerung gebrachten Vorschriften werden auf Grund der bestehenden Verordnungen streng bestraft. Auch kann im Falle dauernder Zuwider handlung der Handel mit Kirschen untersag, werden. Die Preisprüfungsstellen, Ueberwachungsausschüsse und Polizeiorgane sind angewiesen, . gegen Zuwiderhandelnde vorzugehen. Beschwerden aus Berbraucherkreisen sind sofort unter genauer Bezeichnung von Ort, Tag und Sachstand bei einer dieser «teilen anzubringen und sogleich von amtswegen zu erörtern. Dresden, den 29. Juni 1917. Ministerium des Innern. Anmeldung zur Landsturmrolle. Diejenigen hier wohnhaften Wehrpflichtigen, die in der Zelt vom I. April bk» zum 30. Juni d». I». ihr 17. Lebensjahr vollendet haben, werden hierdurch aufgefordert, sich im hiesigen Einwohnermeldeamt, Äkrmgasse 7, während der üblichen Geschäftszeit von vorm. 8—1 Uhr zur Landsturmrolle zu melden, und zwar bis spätestens 7. ds. Mts. Bei der Anmeldung ist von denjenigen, die nicht in Frankenberg geboren find, der Geburtsschein vorzulegen. — Nichtanmeldung wird bestraft. Frankenberg, am 30, Juni 1917. Der Stadtrat. Kohlenverforguug. Ergangener Verordnung zufolge werden Händler wie Verbraucher darauf hingewiesen, ' daß Beschwerden wegen nicht rechtzeitiger Belieferung mit Hausbrandkohle lediglich an die un terzeichnete Behörde zu richten sind. Diese wird die Beschwerden prüfen und gegebenenfalls Drinalichkeitsbescheinigungen ausstellen, die jedoch auf keine größere Menge lauten dürfen, als zur Deckung des Bedarfs bis zum 1. August 1917 notwendig ist. Stadtrat Frankenberg, den 2. Juli 1917. v Sriecdenllmä a«l Seite« «ter WM« mg Berlin, 1. Juli. Die Norddeutsche Allgemeine Zei tung schreibt: Der griechische Geschäftsträger Polychroniadi» hat "der deutschen Regierung im Auftrage des Münsters des Reichern, Politis, nachstehende Erklärung übermittelt: Im folge der soeben glücklich zustandegekommenen Bereinigung des beide» bisher getrennten Parteien Griechenlands und angesichts der Tatsache, daß mehrer« griechische Regimenter an der Ball tianfront an den Feindseligkeiten teilnehmen, hält es die griechische Negierung nicht für möglich, weiter amtliche Be ziehungen zur deutschen Regierung zu unterhalten. — Zugleich forderte der Geschäftsträger für sich, das Gesandtschafts- und Konsulatspersonal die Pässe zur Rückreise über die Schweich Den Schutz der griechischen Interessen sollen die Niederlande Übernehmen. : heit. Schon der in, Jahre 70 v. Ehr. geborene römische Dichter Virgilios spricht von der „äurr sacra fames", von dem pnselfgrn Hunger nach Gold; das Wort sacer, den. Göttern verbunden, bedeutet in diesem Zusammenhänge Ucht „den oberen, güten Güttern", sondern ,,den finsteren Mächten der Unterwelt" verbunden uM daher das Gegenteil von heilig. Die Bjbel dr^ckr Denselben Gedank«^ in den Worten aus: ^Die da reich werden wollen, fallen^ ist Versuchung pnd Spicke." Und dennoch blejbt es eine ewige Wahrheit, M Goethe im Faust durch den Mund Gretchens verkündet: Rach Golde drängt, — Am Golde hängt — Zuletzt doch alles. Schon sechzrhnhundert Jabre vor unserer Zeitrechnung ver AMrieg (Durch Telephonstörung wegen Gewitters traf dieser Bericht „ am Sonnabend erst ein, als ein großer Teil der Auflage des Tageblattes bereits ausgedruckt war, daher heute wiederholt.) vom Smmabeud wtb (Amtlich.) Großes Hauptquartier, 30. Juni 1917« Westlicher Kriegrschaoplatz Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht Die Kampstätlgkeit der Artillerie hielt sich bei regnerischer Witterung in mäßigen Grenzen. Sie verdichtete sich zu starkem Feuer nur an wenigen Stellen. Nachmittag brach eine englische Kompanie, begleite, von tieffliegenden Flugzeugen, südöstlich von Armentieres in unsere Gräben. Sie wurde im Gegenstoß sofort wieder geworfen. Nachts sind mehrfach feindliche Erkun dungstrupps zurückgewiesen worden. Eigene Vorstöße an der User und nordwestlich von St. Quentin brachten mehrere Belgier und Franzosen als Gefangene ein. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz Gestern früh wurde von bayrischen Truppen nach wirkungs voller Keueroorbereitung eine gewaltsame Erkundung südöstlich von Lorbeny durchgesührt. Die Stoßtrupps drangen in 1200 Meter Breite zu den hmteren französischen Linien durch und sprengten trotz zäher Gegenwehr einige Unterstände. Mit einer großen Zahl von Gefangenen kA>rten sie unbelästigt vom Feinde in ihre Gräben zurück. Abends erweiterten westfälische Regimenter den Erfolg von, Vortage östlich von Cerny. In überraschendem Sturm nahmen sie mehrere feindliche Grabenlinien südlich des Gehöftes La Boiselle. Die Gesangenenzahl hat sich bedeutend erhöht. Gleich zeitig griffen die Franzosen zweimal mit starken Kräften bei Cerny an. Sie wurden m Nahkämpfen zurttckgeschlagen. Auf dem Westufer der Maas wurde der Gewinn vom 28. Juni vergröbert. Am Westbaug der Höhe 304 stürmte ein posensches Regiment etwa 500 Meter der französischen Stellung und bemächtigten sich aus Brandenburgern und Berlinern be stehende Sturmabteilungen feindlicher Gräben in dem von Bethincourt aus Esnes streichenden Grunde. Am 28. und 29. Juni sind hier 825 Gefangene zurückgeführt worden. Der Feind leistete hartnäckigen Widerstand. Seine blutigen Verluste sind erheblich. Er vergrößerte sie noch durch fruchtlose Gegenangriffe am Südrand des Waldes von Ävocourt und gegen den Süb- westhang der Höhe 304. mg Athen, 1. Juli. (Meldung der „Agence Sava»".) Die Regierung hat die deutschfreundlichen, durch die Derembervor- gänge bloßgestellten Beamten entlassen. In Thefialien wurden neue Waffeniaaer entdeckt. Prinz Andreas, Oberst der Kavallerie, ist auf seinen Wünsch zur Verfügung gestellt worden. Der Schrift leiter des Blattes „Esperini" ist verhaftet worden. In dieser Woche wird ein Eilzugsdienst zwischen Saloniki und Athen beginnen. Die von Venizelos nach Athen befohlenen Generale de» Pelo ponnes sind am Sonnabend eingetroffen, mit Ausnahme von Pqpoulos. Der zum Oberbefehlshaber der Armee ernannte General Danglis hat die französischen Generale besucht, mg Wien, 30. Juni. (Meldung des WienerK. K. Tel.-Korr.- Büros). Der griechische Gesandte Gryparis sprach heute nach mittag im Auswärtigen Amt vor und machte im Auftrage seiner Regierung nachstehende Mitteilung: Nachdem nunmehr die Einigkeit zwischen den beiden Griechenland bisher in zwei Lager trennenden Parteien hergestellt sei und griechische Truppen an der makedonischen Front kämpfen, sehe sich die griechische Regierung genötigt, die diplomatischen Beziehungen zu Oesterreich-UNgarn abzubrechen. Gryparis, der hieran anschließend um AUSfotgung seiner Pässe ersuchte, brachte gleichzeitig zur Kenntnis, daß der Schutz der griechischen Interessen in der Monarchie dem hiesigen niederländischen Geschäftsträger übertragen sei. mg Rotterdam, 30. Jun,. „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet aus London: Nach einer „Central News'-Meldung aus Athen hat die griechische Regierung der niederländischen Regierung die Wahrnehmung der griechischen Interessen in Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Bulgarien und der Türkei übertragen. mg Athen, 1. Juli. Die leichte griechische Flottille und die Kriegsschiffe, welche in Salamis liegen, sollen der griechischen Regierung zurückgegeben werden. OeüMmig einer ckemlcben Mierr in Norwegen k Die „Nordd. Allg. Ztg," meidet: Et» »ach Norwegen entsandter deutscher Kurie,- ist kürzlich bet seinem Eintreffen in Christianig von den norwegischen Behörden verhaftet wor den. SZn mit amtlichen Siegeln versehenes Gepäck wurde durchsucht und, da sich darin Sprengmittel befanden, mit Beschlag belegt. Auf Grund des Verdachtes, daß die Spreng mittel in Norwegen Verwendung finden sollten, hat die nor wegische Regierung ein gerichtliches Verfahren gegen den Kurier einleiten lassen. Im Hinblick auf die völkerrechtlich gewährleistete Im munität der diplomatischen Kuriere legte die kaiserliche Re gierung gegen die Festnahme des Kuriers Verwahrung bei der. norwegischen Regierung ein und verlangte sein« alsbaldige Freilassung. Dabei wurde die amtliche Erklärung abgegeben, daß «jn« Verwendung der Sprengmittel in Norwegen oder zum Nachteil norwegischer Interessen nicht beabsichtigt ge wesen sei. Soweit das Verhalten des Kuriers zu Ausstel lungen Anlaß gebe, insbesondere norwegischen Gesetzen zu widerlaufe, werde in Deutschland eingeschritten werden, wo gegen ein Vorgehen, gegen den Kurier in Norwegen nach völkerrechtlichen Grundsätzen nicht zulässig sei. Die norwegisch« Regierung hat den Kurier inzwischen freigelassen. - Nach einer Meldung des Norwegischen Telegraphen) Bureaus hat der norwegische Minister des Aeußeren dem Storting eine kurze Mitteilung in. der Angelegenheit gemacht Auch hat der hiesige norwegische Gesandte im Namen seiner Regierung gegen das Verhalten des Kuriers Verwahrung eingelegt. Die zuständigen deutschen Behöroen haben eine amtliche .Untersuchung angeordnet und es wird, soweit erfordere lich, für Remedur gesorgt werden. Daß der Vorfall im norwegischen Volke Beunruhigung hervorgerusen hat, ist mit Bedauern vernommen wordeip Demgegenüber kann nur nochmals mit Bestimmtheit festgestellr werden, daß mit dm Sprengstoffen keinerlei Unternehmest in Norwegen oder gegen norwegische Interessen geplant war. wurden im Nillande Goldbergwerke betrieben. Herodot er zählt uns von dem Goldkande Ophir, das am Senegal ober im vorderen Indien zu suchen ist: denn nach Aegypten war z^itlfch Asien die hauptsächlichste Stätte Zur Eoldfunde. Mit der nach Westen fortschreitenden Kultur traten Phrygien und Lydien in den Vordergrund. Die Sage vom Argopautenzug gnd dem Goldesten Vlies beruht aus her Tatsache, daß man jtn den FlMsenum Kolchis an zottigen Schaffellen die treibenden Goldkörner auffing. Die Sage von dem unermeßlichen Reich tum des Königs Krösus, des letztest Könjgs von Lydien, ist astf den damals herlihmt gewesenen Eoldreichtum des Lgndes zjtrückzstführen. Im klassischen Altertum galten Spa nien und Portugal, im Mittelalter Böhmen und Tirol als hervorragende Goldländer. , Als nach der Mtdeckstng Amerikas die reichen Eoldquellen Brasilfens, Perus, Merrkos, Chiles usw. bekannt wurdest, «Wb sich ein ganzer Strock von Abenteurern und Gold- hungrigen in diese Länder, um unter härtesten Entbehrungen Uffd häufig blutfgen Kümpfen nach dem kostbaren Metall m graben ststd zu suchen. Die Geschichte der Goldgräber in den amerikanischen Staatest bildet ein besonderes Kapitel un serer Nomanliteratus. das heute erfreulicherweise etwas in den Hintergrund gsrückt jst; Zseilich durch nicht gerade wertvollere literarische Erzeugnisse, das aber vor Jahrzehnten von unserer Heranwachsenden Jugestd förmlich verschlungen wurde. Die GychschStze Alaskas, Australiens und des Transvaal bildetest in neuester Zeit die stärksten Ästziejhungspunkte zur Be-' friedigung des Goldhungers. Die verwegenen Fahrten in die ewigen Eis- und Schneegefilde Alaskas sind durch di« zahlreichen Darstellungen, di« sie gefunden haben, noch in frischer Erinnerung, Nur verhällstrsmähig wenige kehrten glücklich und golvoeladen heim; die große Mehrzahl der Goldsucher fam fn den Eismassen elendiglich um. And Trans vaal verlor seines Goldes wegen, das die habgierige» Eng länder reizte, Selbständigkeit und Freiheit. So hat sich der GplhhUNger stach de» Dichters Wort durch Jahrhunderte und Jahrtausende erwiesen als eine unselige und unheilvolle Macht und ist «s geblieben bis auf den heutigen Tag, Da« Betrübliche qn dem Prozeß Kupfer ist in unserer gegenwärtigen Zett, vom moralischen Standpunkte aus be trachtet, weniger die Handlungsweise der Angeklagten, als die oft skrupellose Gewinnsucht weiter Kreise des Publi kums. Der Eindruck, den der Prozeß hinterläßt, gleicht dem jenigen, den vor etwa Jahresfrist die Kunde von der Er richtung eines Kriegswucheramts hrroorrief. Ohne Fleiß kein Preis, das sollte doch die Losung jedes Deutschen gerade in dieser schweren und großen Zeit sein, Wer unbekümmert UM die Asammeuhänge heut» Riesengewinne einzustecken ver- mage «r versündigt sich am deutschen Völk; denn derartige Gewinn« können immer nur auf Kosten weiterer Kreise und schließlich der eingeheimst werden. Die Spekula- tton muß ihre Grenzen haben, heute mehr denn je. Gimpel Uff«» und Dumme werden freilich nicht alle werden, sodaß feiner« - Der augenblicklich in Berlin verhandelte Kupfer-Prozeß und plumper«Schwindler immer nurdurch di« Paragraphen des bringt uns die Wahrheit wieder einmal recht deutlich zum Strafgesetzes werden erfaßt werden können; aber die Zahl dieser Bewußtsein, daß «s weniger Schwindler auf Erden geben Schwindler wird zusqmmenschrumpfen, wenn die Wissenden würde, wenn die skrupellose Gewinnsucht nicht so ungeheuer strenger« Selbstzucht üben und zwischen pflichtmäßigem Er- verbreitet wäre. Das Goldsieber ist so alt wie die Mensch s werb und ungezügelter Gewinnsucht gebührend unterscheiden. Die große Zeit, die wir durchleben, sollte auch in dieser Be ziehung nicht spurlos gn unserem Volk« vorübergehen, sondern ihm nebhn der Einsicht die Kraft der Persönlichkeit und di« Stärke höchster Gewissenhaftigkeit verleihen,