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01-Frühausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 29.01.1902
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1902-01-29
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19020129016
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1902012901
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1902012901
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1902
-
Monat
1902-01
- Tag 1902-01-29
-
Monat
1902-01
-
Jahr
1902
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I. IX I. IX XIX oacur» I. ix i. v. I. IX i. r>. j. ix i. ix Iv. i. ii »Ilv» Irl.L Mt. .L7:IV!,äI <«»II. Llarlc ÄLVU w l. I) I I I X I). I. v. X r». o IX rx IX IX I s> X Ix X IX X I). X lx X I) XLcrt-Ö. I. IX X IX .R««I-IX I.k» t I>. Ltalk: X 0. X XI. Bezugspreis K der Hauptexpedttion oder den Im Stadt bezirk und den Bororten errichteten Aue gabestellen abgeholt: vierteljährlich ^l 4.60, — zweimaliger täglicher Zustellung in» Haus Vit 5.ÜV. Durch die Post bezogen für Deutschland u. Oesterreich: viertrljährl. >tl 6. Man abonnirt ferner mit entsprechendem Postaufschlag bet den Postanstalten in der Schweiz, Italien, Belgien, Holland, Luxem burg, Dänemark, Schweden und Norwegen, Rußland, den Donaustaaten, der Europäischer Türkei, Egypten. Für alle übrigen Staaten ist der Bezug nur unter Kreuzband durch dir Expedition diese» Blatte» möglich. Die Morgen-AuSgabe erscheint um '/,? Uhr, die Abend-AuSgaoe Wochentag» um k Uhr. Ne-action und Ekve-ition: JohanniSgasse 8. Filialen: Alfred Hahn vorm. O. Klemm'» Svrtim. UnwersitätSstraße 3 (Paulinum), Louis Lösch«, Katharinenstr. 14, pari, und Königsplatz 7. Nr. 51. Morgen-Ausgabe. KipMr Tageblatt Anzeiger. Äintsötatl des Königlichen Land- «nd Amtsgerichtes Leipzig, -es Rathes und Nolizei-Ämtes der Stadt Leipzig. Mittwoch den 29. Januar 1902. Anzeigen «Preis die 6gespaltene Petitzeile 25 H. Reklamen unter dem RedaettonSstrich (»gespalten) 7b vor den Familiennach- richten (ü gespalten) Sv H. Tabellarischer und Zifiernsatz entsprechend höher. — Gebühren für Nachweisungen und Offertenannahme LS H (excl. Porto). Extra-Beilagen (gesalzt), nur mit der Morgen-Ausgabe, ohne Postbesörderung ^l SV.—, mit Postbeförderung 70.—. Annahmeschluß für Anzeigen: Abend-AuSgabe: Bormittags 10 Uhr. Morgen-Ausgabe: Nachmittag» 4 Uhr. Bei den Filialen und Annahmestellen je eine halbe Stunde früher. Anzeigen sind stets an die Expedition zu richten. Die Expedition ist Wochentags ununterbrochen geöffnet von früh 8 bi» Abends 7 Uhr. Druck und Verlag von E. Polz in Leipzig. 96. Jahrgang. Zur Lage und Stimmung in England?) -8- Loudon, 26. Januar. Wahrend die Wogen der Erregung, die durch die tact- losen und unpolitischen Worte C h a m b e r l a t n' s auf gewirbelt worden waren, auf beiden Leiten des Canals höher und höher gingen, fand, wie ich zuverlässig er fahre, zwischen dem deutschen Kaiser und König Eduardein recht eifriger Briefwechsel statt. Die Völker lagen sich in den Haaren und die Monarchen waren sorg lich bemüht, den Grund der Verstimmung zu beseitigen nnd ncncn Anlässen vorzubengen. Die Zeit, da die Fürsten eine Gefahr für den Frieden bedeuteten, ist eben längst vorüber und auch die radikalsten Organe sehen sich ge- nöthigt, den segensreichen Einfluß der constitutionellen Regenten anzuerkennen. Ein Jahr gerade ist König Eduard an der Regierung, und obgleich vornehmlich die englische Verfassung dem Herrscher möglichst wenig direkte Einwirkung auf die Regierung gestattet, ist nicht zu über sehen, baß -er neue König auf vielen Gebieten reforma torisch gewirkt hat. Er tritt persönlich mehr hervor, als seine Vorgänger, er setzt sich in persönliche Beziehungen zu seinen Truppen, er hält Ansprachen an seine Garden, er bahnt Reformen an in Ausrüstung und Bewaffnung, fa, man sagt ihm auch nach, seiner Einwirkung sei es vor nehmlich zuzuschreiben, daß der südafrikanische Krieg mit größerer Planmäßigkeit geführt wirb als vordem, so daß der König einigermaßen berechtigt war, in seiner jüngsten Rede der Hoffnung Ausdruck zu geben, der Krieg werde bald beendigt sein. Thatsächlich ist man des Krieges hier überall müde und möchte schon deshalb den könig lichen Worten Glauben schenken. Handel und Wandel lagen vor Weihnachten arg darnieder — sic beginnen sich zu heben nnd Zuversicht tritt bereits an die Stelle der Verzagtheit. Es muß besonders hervorgehoben werden, baß hier in den Clubs und in der Unterhaltung überhaupt vielfach be hauptet wird, König Eduard bemühe sich, seinem kaiser lichen Neffen nachzuahmcn und die von diesem ausgestellten „Maximen" zu befolgen. Man vergleicht und man hört es gern. Denn trotz aller Hetzereien in der Presse ist es eine Thatsache, daß Kaiser Wilhelm sich hier bei Hoch und Niedrig aufrichtiger Verehrung erfreut und daß es in erster Reihe seinem besänftigenden Ein flüsse zngesckricbcn wird, daß die Waffen des politischen TagesstreiteS niedcrgclegt sind. Es ist unbestreitbar, daß Kaiser Wilhelm zur Zeit die populärste Persönlichkeit in England ist. Der kaiserliche Geburtstag wird auch hier gefeiert und die Entsendung des Prinzen von Wales zur Beglückwünschung nach Berlin erfüllt mit ganz besonderer Genngthuung. Bon hervorragendem Interesse dürfte gerade gegenwärtig eine Auslassung des Fttrsten Bismarck über die Beziehungen Deutschlands zu Eng land sein. Anfang Juni 1800 hatte derVcrtreterdks„Dailu Telegraph", eines Blattes, das wegen seiner ruhigen und sachlichen Haltung sich von jeher größter Werthschätzung erfreut, die Ehre, vom Altreichskanzler empfangen zu werden. Damals lag eine colonialpolitische Meinungs verschiedenheit zwischen beiden Cabinetten vor, die durch das vom Grafen Caprivi vereinbarte Abkommen mit Eng land (englisches Protektorat über Zanzibar, Abtretung Helgolands an Deutschland» erledigt würde. Unser un vergeßlicher Altreichskanzler äußerte sich damals wie folgt: „Was England nnd Deutschland betrifft, so sehe ich es als eine Unmöglichkeit an, dahdicsc beiden Länder jemals in Krieg, und als be sonders unwahrscheinlich, daß sic selb st in einen ernsten Zwist gerathcn könnten. Sollte cs aber dazu kommen, so könnte dies zu einem Con- flict auf dem Fcstlande führen, selbst wenn England keinen thätigen Antheil an dem Kampfe, sei eS zu Wasser oder zu Lande, gegen uns nehmen sollte. Aber diese Mög lichkeit ist ebenso unwahrscheinlich, als daß wir das Schwert gegen England ziehen sollten. Natürlich können Differenzen Vorkommen. Aber eine jede solche Differenz kann nur von ganz unbedeutender Wichtigkeit sein im Ver gleich zu den Folgen eines Appells an die Waffen. Wenn wir auch ein bischen gegen ein- anderknurren, so brauchtmanstch darüber nicht zu beunruhigen." Und an den damaligen Differenzpnnct anknüpfen-, bet welchem, wie erinner lich, besonders von Stanley gegen unS gehetzt wurde, sagte Fürst BiSmarck: „Ich weiß gewiß, daß Lord SaliSbury's gemäßigte und staatsmännische Aeuße- rungen mehr nach dem Geschmacke der Engländer sind, als Herrn StanleyS heftige Mahnungen und bittere An klagen. Zwischen Deutschen und Engländern ist es immer leicht, zu einem billigen und freundschaftlichen Einver nehmen zu gelangen. Wir sind beide ehrliche Völker, wir kennen uns gut und achten uns gegen seitig aufrichtig." — Diese Worte, welche Herr K t n g st o n dem „Daily Telegraph" depeschtrt hatte, wurden alsbald in einer Ucbcrsetzung durch die „Hamburger Nachrichten", nach ausdrücklicher Genehmigung des Fürsten Bismarck, wicdcrgcgeben. Gewiß ist Graf Bülow bemüht, nach besten Kräfte der Direktive des großen Mannes zu folgen, dem mir die Gründung des deutschen Reiches ver danken. Aber Herrn Liebermann v. Sonnen berg dürfte die Lcctüre der Bismarck'schen Worte doch zu wesentlicher Belehrung dienen, nm ihn davor zu be wahren, in seiner unverantwortlichen Stellung sich un verantwortlich gehen zu lassen. Vielleicht erkennt er dann auch, daß die Besonnenheit des Professors Hasse sehr wohl am Platze war. *) Die nachstehende Schilderung, die wir einem alten Freunde deS „Leipziger Tagebl." verdanken, stellt in ihrem ersten Thetle Manches anders dar, als der größte Thcil der englischen Presse. Der Verfasser ist aber ein zu guter Beobachter, als daß wir nicht glauben sollten, er schildere richtiger. D. Red. Der Krieg in Südafrika. Milner'sche Gemtithlichkeit. Aus Pretoria, 20. Dccembcr, schreibt man uns: Lord Milner hat vor einigen Wochen den guten Leuten in Natal einen Besuch abgcstattet, und dabei mehrere Reden gehalten. Unter Anderem sagte er, obwohl der Krieg noch immer fortdauere, seien die Engländer eifrig dabet, „sich in ihrem neuen Haus gemüthlich einzurichten". Dieser Ausspruch ist hier zn Lande mit einem guten Theil milden Erstaunens aufgenommen worden, nnd die schwer geprüften Einwohner Pretorias überlegen sich eifrig, worin die Gcmüthlichkeit wohl bestehen mag. Daß man noch immer um 10 Uhr Abends zu Hause sein muß, läßt sich ja zur Noth ertragen. Weniger angenehm ist es aber, daß alle paar Wochen eine Razzia auf Leute ge macht wird, die aus dem einen oder anderen Grunde keinen Paß bei sich haben. — Die Streifzüge finden stets Abends statt nnd es braucht kaum versichert zu werden, daß es dabei wenig gemüthlich zugeht. Wehe dem Ver geßlichen, der seinen Paß nicht bei sich trägt! Eine weitere schöne Einrichtung ist die der Reisepässe. Ein hiesiger Herr erbat sich einen Reisepaß, um zn den Wettrennen nach Johannesburg zu fahren: er hatte die Vorsicht gebraucht, volle acht Tage vorher um deu Paß ein zukommen. Es wurde ihm gesagt, er werde die Antwort auf sein Gesuch schriftlich erhalten, und 14 (sage vierzehn) Tage, nachdem die Rennen vorüber waren, erhielt er den gewünschten Paß! Dies gehört offenbar auch zu Lord Miluer'S „gemüthlichen Eiurichtungen". Eine weitere Annehmlichkeit ist, daß für alle Hänser, welche für militärische Zwecke requirirt sind »und ihre Anzahl ist nicht gering) lein Heller Miethe bezahlt wird. Immer schöner und gemüthlicher werden die Zu stände hier in Bezug auf schwarze Arbeiter. Bekanntlich hat Lord Milner die bedauerliche Schwäche gezeigt, der Stimmung der Kafsern-Frennde in England nachzu geben, indem er für fast alle Verbrechen von Eingeborenen die Prügelstrafe abschaffte. In Folge dessen nehmen Diebstahl und andere Verbrechen bei den Kaffern in er schreckender Weise überhand. — Die Gefängnisse füllen sich mehr und mehr, und wenn cs so weiter geht, so müssen schleunigst neue Gefängnisse gcbrnt werden. Es ist jedem Kenner südamerikanischer Verhältnisse, Jedem, der längere Zeit im Lande war, gleichviel welcher Abstammung, vollständig klar, daß die unter der Bveren- Regierung bestehenden Eingebvrenen-Gesetze die einzig richtigen waren. Die Prügelstrafe ist wirklich die einzige, welche der Kaffer fürchtet, während eine Gefängnißstrafe ihm gar nichts ansmacht, denn die Zwangsarbeit, welche er zn leisten hat, ist nicht schwerer, als die Arbeit in einer Mine, während die Verpflegung im Gefängnis, besser ist, als die in den berüchtigten Minen-Cvmpoundü in Kimberley. Aber alle diese Erwägungen galten Lord Milner nichts; der Wunsch des englischen „Eingeborenen-Schutz- Vcreiiis" allein ist maßgebend, trotzdem es bekannt genug ist, daß die Mitglieder des Vereins den Kaffer höchstens aus Bildern kennen. Deutsches Reich. /?. Berlin, 28. Januar. (Die deutsche Nord- seeslvtte und die englische Seemacht.) Der Viccadmiral a. D. L i v v »ins zieht im Kebruarheft der „Deutschen Revue" einen interessanten Vergleich zwischen der deutschen Nordseeslvtte nnd der englischen Seemacht. Vvransgeschickt ist diesem Vergleiche eine Untersuchung der Frage, wodurch England in der napoleonischen Zeit, die maßgebend für seine heutige Seemachtstellung ge worden ist, als Sieger hervorging. Livonius hebt hervor, daß die Engländer damals ihrem Gegner an Z a h l d e r Schiffe unterlegen waren, daß sie trotzdem den Sieg da- vvntrngen, weil sie einerseits eine hervorragende Zahl der tüchtigsten F l v t t e n s ü h r e r u n d Schiffs- bcfchlhabcr zur Hand hatten, andererseits über ein intensiv geschultes seemännisches Per sonal verfügten und in der Durchführung taktischer Manöver überlegen waren. Wie liegen heute die Ver hältnisse'? Was die Führerschaft anbclangt, so erscheint Livonius ein Ucbergewtcht Englands zweifelhaft. Die Schulung nnd die taktische Durchbildung auf der heu tigen englischen Flotte aber steht nach der Ansicht Li- vonins' nicht auf der gleichen Höhe wie die deutsche. Dem nach bleibt für die Ueberlcgenheit Englands die große Zahl seiner Schiffe übrig. Dem Viccadmiral Livonius will es indessen nicht etnleuchten, daß Schiffe fechten; vielmehr seien es Menschen, die auf den Schiffen fechten, und wenn nicht Menschen genug vorhanden seien, um alle vor handenen Schiffe mit dem erforderlichen und geeigneten Personal zu besetzen, komme nur die Zahl von Schiffen in Betracht, die mit solchem Personal voll bemannt werden könne. Es handle sich also darum, ob England ein so überlegenes geeignetes Personal im Kriege aufzubringen vermöge, damit cs die Flottenvcrmchrung der übrigen Seemächte wett mache. Das jedoch stellt Livonius in Ab- rede. Denn von dem nothwendigsten Personal, Hetzern. Maschinisten nnd geübten Artilleristen, besitze England procentualiter nicht mehr als andere Mächte. Demnach könne von einer wirklichen ttebcrlcgcnhcit Englands dnrch größere Zahl der Schiffe nur so lange einer einzelnen Seemacht gegenüber die Rede iein, als diese Macht noch nicht so viel Schiffe besitzt, um das bei ihr vorhandene ge eignete Personal unterbringcn zu können. Im Punkte des Personals sei mithin England stark im Nachthetl gegen Deutschland, Frankreich und Rußland, zunächst im All gemeinen, sodann im Besonderen deshalb, weil England nur über angcwvrbencs Personal verfügt. Die vielen deutschen Seeleute auf englischen Schiffen kämen im Kriege sogleich in Fortfall. . In Bezug auf die Schiffszahl fällt noch der Umstand ins Gewicht, daß die Schiffe des Nord deutschen Lloyd und der Hamburger Packetfahrt als Kreuzer etnzurichten sind und so einerseits den englischen Handelsschiffen sehr gefährlich, andererseits der Durch führung einer Landung in England sehr nützlich werden könnten. Aus alledem zieht Livonius deu Schluß, daß w i r v o n E n g l a n d n i ch t s z u f ü r ch t e n h a b e n, wenn wir fortfahren, den größten Werth ans eine rasche K l o t t e n v e r m e h r u n g zu legen. Jedes neue Kriegsschiff bringe für uns einen Zuwachs zum allmählichen Ausgleich mit der englischen Flotte, während dasselbe für England nur den Werth habe, das vorhandene Schiffsmaterial, so weit es voll bemannt werden kann, durch solches vom neuesten Typ auf der Höhe zu erhalten: eine gleichzeitige Vermehrung des erforderlichen und geeigneten Menschenmaterials lasse sich auf maschinellem Wege nicht erreichen. * Berlin, 28. Januar. (Verbotene Waffenliefe rungen?) In feiner bekannten NeichStagSrede hat der Abg. Liebermann v. Sonnenberg die Frage berührt, warum die deutsche Regierung die Lieferung von Geschützen an die Boeren verbolen habe, während sie die Ausfuhr von Kriegs material nach England nickt verhindern zu können erklärt habe. Staatssekretär v. Nichthofen antwortete darauf, die Behauptung, daß die deutsche Regierung die Boeren- republiken in dieser Frage anders behandelt habe al» Eng land, sei „selbstverständlich unwahr". Liebermann v. Sonnen berg erwiderte. Nun bat der Generalconsul vr. Hendrik Müller das Wort. Jetzt meldet sich in der „Täglichen Rundschau" der Inspirator Liebermann'», A. Schowalter, ter Folgendes schreibt: „Mau mag die Rede Liebermann'- beurtheilen, wie man will, so wird man Loch zugrben, daß die von ihm berührte Frage der doppelten Neutralität des deutschen Reiches aufgeklärt werden muß. ES ist eine Frage, die die Ehre unserer Nation berührt. In aus- ländischen Blätiern stand wiederholt die Nachricht zn lesen, daß Krupp die Kanonenlieferung an die Boeren verboten worden sei; und die Boeren selbst waren über dieses Verbot aufs Tiejste erbittert. Gerade den Freistaatern, die am wenigsten sür den Krieg gerüstet waren, fehlte es an modernen Geschützen und sie haben be kanntlich mit minderwerthigem Material ausziehen müssen. Krupp sollte noch rasch Kanonen liefern; diese Kanonen sind bestellt und zur Hälfte bezahlt, aber nie geliefert worden. Al» ich nun wiederholt las, daß die Boeren diele Nicht-Lleferung auf ein Verbot der deutschen Regierung zurücksührten und sich so durch die deutsche Regierung wehrlos gemacht suhlten, bat ich den Vertreter des Freistaates vor ungefähr einem halben Jahre, durch eine amtliche Erklärung ent- weder Liesen für Deutschland ehrverletzenden Gerüchten den Weg zu versperren oder die Ermittlung dessen zu ermöglichen, der unserer Regierung diesen schmachvollen Borwurf zugezogen habe. Daß der Vorwurf, wenn er mit Recht gemacht werden könnte, schmachvoll wäre. Las beweist auch die Entrüstung, mit der ihn Herr v. Richthofen zurückwieS. vr. Hendrik Müller hat nun in zwei Briefen erklärt, daß thatsächlich bei Krupp vor Ausbruch des Krieges vom Freistaate Kanonen bestellt und zur Hälfte bezahlt worden wären, daß trotz persönlicher Vorstellung ihre Aus- lleferung in keiner Form zu erreichen gewesen wäre, und daß sich Krupp dabei auf ein ausdrückliches Verbot der Regie rung berufen habe (obwohl Herr v. Richthosen im Reichstage erklärt, daß die Lieferung von Kriegsmaterial gesetzlich nicht anzugreifen sei). Diese Briese übergab ich einem befreundeten Abgeordneten, der sie wiederum Herrn Liebermann v. Sonnenberg zur Verfügung stellte. Liebermann hat sich sicher ein Verdienst dadurch erworben, daß er diese Frage zur Debatte stellte. Aber geklärt ist sie noch nicht. Das Generalconsulat des Frei staates hält alle seine Behauptungen ausrecht. Ich empfing heute folgenden Eilbrief des stellvertretenden Generalconsuls vr. I. Patijn: 's Graveuhage, d. 17. Januar 1902. „.... vr. Hendrik Müller ist außer Landes, nnd feine Antwort auf die Erklärung des Herrn Staatssekretärs, daß die deutsche Regierung keinen Druck auf Krupp au-geübt habe, kann ich erst in einigen Wochen in Händen haben. Darum erlaube ich mir, Ihnen in Bestätigung der früheren Schreiben mitzutheilen, daß thatsächlich am 17. October 1900, als vr. Müller persönlich nach Essen gegangen war, um die Lieferung der zur Hälft« bereits bezahlten Kanonen re. zu fordern, diese an Ort und Stelle durch Krupp'- Vertreter verweigert wurden mit der Be gründung, die deutsche Regierung habe ihm Lieferungen an den Oranje-Freistaat oder eine autoritative Persönlichkeit diese» Staate» verboten, vr. Müller'» Absicht war nun, die Kanonen an einen Dritten zu verkaufen zu suchen, da die Einfuhr in den Oranje-Freistaat Lurch den inzwischen au»gebrochenen Krieg unsicher war. Al» er da- dem Vertreter Krupp'» mit- theilte, erhielt er zur Antwort, da» Verbot der Regierung erstrecke sich auch auf die Lieferung an eine fremde Regierung, sofern von ihr nicht sicher wäre, (l) daß sie nichts mit diesem Kriege zu thun habe. Demzufolge stehen die Kanonen noch deute bei Krupp, und dir unbezahlte Summe ist nie zurückgegeben worden. Ob die deutsche Regierung in der That Druck auf Krupp au», geübt hat, können wir nicht entscheiden. Daß der Vertreter Krupp'» dir» erklärt hat, ist aber Thatsache. Wenn Sie bedenken, daß zu gleicher Zeit dir illustrirtrn Zritschriftrn uns Abbildungen von den Kanonen brachten, die dnrch deutsch« Firmen an England grlirsert waren und wurden, so brauch« ich Jhnrn nicht zu sogen, welchen schmerzlichen Eindruck dies« Thatsache in den Kreisen d«r Boeren machen mußte." Anf einer Seite ist demnach grober Mißbrauch mit dem Namen der deutschen Regierung getrieben worden; und ich meine, eS liegt im Interesse der deutschen Regierung und de» deutschen Volkes, frstzustrllen, welche Seite da» ist." L Berlin, 28. Januar. (Privattelegramm.) Dir Verabschiedung de- Prinzen von Weile» vom Kaiser und vom Prinzen Heinrich auf dem Stettiner Bahnhöfe war äußerst herzlich und erfolgte durch mehrmalige Umarmung. Nach der Abfahrt zog der Kaiser den englischen Botschaft! r noch in ein längeres Gespräch, worauf er mit dem Prinzen Heinrich in die Stadt zurückkehrte. Der Prinz von Wales kebrt heute Abend wieder zurück, fährt aber gleich auf der Verbindungsbahn über Potsdam nach Köln weiter. (Nat.-Ztg.) (-) Berlin, 28. Januar. (Telegramm.) Nach dem gestrigen Diner im Weißen Saale verweilte der Kaiser mit den geladenen fürstlichen Gästen noch in der HeinrichShalle. Heute Vormittag empfing der Kaiser im königlichen Schloß den Maler Roch oll auS Düsseldorf zur Vorlage von Skizzen aus China, demnächst in Audienz den Conte de Cuver- ville und danach den zum commandirenden General des XIV. ArmeecorpS ernannten General der Infanterie von Bock nnd Pölach. — Den König von Württemberg, der gesvrn Abend abreiste, geleitete der Kronprinz nach der Bahn. (-) Berlin, 28. Januar. (Telegramm.) Der „Reichs anzeiger" meldet: Der Cbef deS Generalstabes der Marine, Viceadmiral TtcderichS, ist zum Admiral ernannt worden. D Berlin, 28. Januar. (Telegramm.) Die arbeits losen Bauanschläger und andere Arbeiter haben in einer heute abgehaltenen Versammlung einen Beschluß an genommen, in dem gegen die Umgebung deS Minimal- lohntarifeS, der von den Meistern der Berliner Scklosser- innung, sowie dem Verbände der Berliner Schlossereien und verwaudten Gewerbe aufgestellt und seit dem l. November giltig ist, protestirt wird. Als Umgehung dieses Tarifes bezeichnen die versammelten, in Berlin an lässigen Arbeitslosen das Anwerben von Unternehmern (Zwischenmeistern), sowie das Herbeiziehen von unselbst ständigen Bauanschlägern auS der Provinz. Der Beschluß soll den Stadtverordneten unterbreitet werden. L. Berlin, 28. Januar. (Privattelegramm.) Abgeordneter vr. Sattler ist von seinem Unwohlsein wiederhrrgesiellt. (Nat.-Z.) — Die Alten Herren deS aufgelösten „Social wissenschaftlichen StudentenvereinS" berufen auf Mittwoch, 29. Januar, Abends 8 Uhr nach dem großen Saal des Berliner HandwerkervereinShauseS, 6, Sophien- straße lL, eine allgemeine Studente n-Versammlung ein, deren Zweck es ist, eine einheitliche Stellungnahme der ganzen Berliner Studentenschaft zur Frage der Auf lösung des Socialwissenschaftlichen StudentenvereinS herbei zuführen. * Marienwerder, 27. Januar. An die Regierung wurde vor einiger Zeit das Verlangen gerichtet, aus verschiedenen S chnle n mit Rücksicht auf die Parität die dort hüngen- den Lnt herbild er entfernen zn lasten. Darauf ist folgende Antwort des Regiernngspräsidenren ergangen: „Wir sind nicht in der Lagc, Ihrem Anträge, ans den sammtltchen auch von katholischen Kindern besuchten Schulen Ihres Pfarrbezirks das Lutherbilö beseitigen zn lassen, stattzugeben. Die Schalen zu Mockrau, Laroßle, Voßwinkel, Sakrau, Walddvrf, Russenau und Rundewiese sind evangelische Schulen, die Schule zu Gr.-Walz ist ebenfalls als evangelische gegründet — und daran ledig lich behufs Erleichterung der Ertheilung deS Religions unterrichts an die kleine katholische Minderheit ein katho lischer Lehrer von uns angcstcllt. In sämmtlichcn Schulen befindet sich das Lutherbild seit länger als anderthalb Jahrzehnten, ohne daß bisher dieserhalb je Klagen hervorgctreten wären. Wir können auch gegenwärtig nicht anerkennen, daß durch das Bild die religiösen Ge fühle der katholischen Kinder verletzt werden, müssen viel mehr annehmen, daß derartige Empfindungen bet rich tiger religiöser Leitung der Kinder im Interesse der gegenseitigen religiösen Duldung der beiden christlichen Confcssionen hintangehalten werden können." Von kleri kaler Seite wird als Beweis dafür, daß das religiöse Ge fühl der katholischen Kinder durch die Lutherbilder ver letzt werde, die bereits zwei Mal erfolgte Beschädigung solcher Bilder durch die Kinder ins Feld geführt. Nach diesem System läßt sich, wenn die Kinder in der ans Wreschen bekannten Weise von den Eltern unter dem Einflüsse der Geistlichen bearbeitet werden, Vieles be weisen! (-) Kiel, 28. Januar. Der Kaiser hat dem Admiral v. Köster in einem Telegramm mitgetheilt, er habe seine Hackt „Meteor" der Marine gesckrnkt. Dieses Telegramm lautet den hiesigen Blättern zufolge: „Ick hake beschlossen, am heutigen Tage Mein« Hackt „Meteor" der Marine zum Geschenk zu machen mit der Bestimmung, daß dieselbe dem Osficiercorp» in Kiel zum Gc- brauck überwiesen wird, während der „Komet" den Osficieren in Wilhelmshaven dienen soll. Indem Ich Sie ersuche, dieses dem Osficiercorp» bekannt zn geben, spreche Ich den Wunsch auS, daß der „Meteor", der fortan den Namen „Orion" führen soll, allen Denen, die im Interesse de» Segelsport» sich auf ihm einschiffen, rin Kleinod sein möge, da» sie hüten und pflegen, und daß die Pacht den Osficieren so viel Stolz und Freude etnbringe, wie I li auf diesem noch heute kaum übertroffenen Fahrzeuge in mancher siegreichen Wettfahrt erlebte. Wilhelm." Admiral v. Köster sandte darauf folgendes Telegramm: ,,Mit tiefstem Dank« sür den abermaligen Beweis allerhöchster Gnad», den da» OsficierScorpS der Oststestatton durch die Schenkung der Pacht „Orion" empfangen hat, wird dasselbe bestrebt sein, diese» herrliche Fahrzeug in stolzer Erinnerung an den bisherigen Besitzer auch weiter siegreich zum Ziele zn führen. In dankbarster Er gebenheit wagt da» Osficiercorp», Euerer Majestät seinen tiefgefühl testen und »hrerbirtigsten Glückwunsch zu Füßen zu legen, indem r» begeistert in den Rus einstimmt: Hoch lebe der Kaiser I" (-) Wilhelmshaven, 28. Januar. (Telegramm.) Der Kaiser richtete, wie dir „Wilhelmshavener Zeitung" meldet, an den Admiral v. Thomsen in Wilhelm-Haven solgende» Telegramm: ,,E» lag mir schon lang« am Herzen, für di« Officierr in Wil» helmthaven betzutrazen an den Freuden de» Seegelspvrte» nnd an
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