Suche löschen...
Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 15.04.1900
- Erscheinungsdatum
- 1900-04-15
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-190004153
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-19000415
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-19000415
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Bemerkung
- unvollständig: 3. Beilage (S. 3123-3126) fehlt
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-04
- Tag 1900-04-15
-
Monat
1900-04
-
Jahr
1900
- Titel
- Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 15.04.1900
- Autor
- Links
- Downloads
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
> s l.o X) » >. v i.v i. v s i. 0 s. t. v > a i. o t. v a. ri.OpW » b»3. w.Lv.H L i. v - S l. v. - 6. >. v > S. i. v. » 6. l. n >. o. - a. i.v. ) s . i.v. ) drlr. - 8. - 8. r v. ll. 11b,LL - b,6 - 6. - 6 > 6. ; 6 b S r dr6 -8. »1140,508 - O. - 6. - 6. 0 g. 0 6. - 8. (»tt.üll x»t1»nen. - s. - 6. - S - 6 - 6. - 6. SS ü. 1,25 6 >,40S. U-Sö,7S2i >,so 6. >,30 O. 1,25 6, ),7S L ),75 ü. 1,SS 6 — xaiL7— ;,io s 1,40 ö, 7,40 Z,75 6 »,S0 Li 7,75 6, b,— 6 8,25 6, SSO S S,7O 6 3^- 8. 2,50 6 4,7S 8. «7- S, ,70S. 1.— ü 0,2S 6. 5.50 8. S,— 8 7.50 8 0,25 8 I. 2b 6 8 O.— 8 >1,25 8 <4 O,b0 6 «,— 8. 8 10, — 8 II, 7S 'S,50 Li 11, so 8 IS,— 8. 'S,SS 8. 11,50 6, 17,75 ü, >1^- 6 tüten. >«r Stück N»rk — lU.ö- i.v IIS 6 i.v so a. «.v. 50 ü. ,.v. >50 ». «.v !5b O c.v. >50 «.!>. i50 « »o. 55 U. >.o >55 6. i.v. >20 ti. i.v .50 6. I.v .25 » i.v iI2 « i.v >00 6. 45 l> i v i2S 6 »v '50«. «L2804K 0 >408. «».140 - k V v«r Stück rs 6. I 0 —— i.v . i.o rr> <r. »0 «. zo s «.v.ss 70,— d.8, r — ?? 05.50 S. SO,— ». SS,so <h ie» Bezugs-Preis in der Hauptexpedition oder den im Stadt« bezirk und den Vororten errichteten Aus« gabestellen ab geholt: vierteljährlich.^4.50, bei zweimaliger täglicher Zustellung ins Haus 5.50. Durch die Post bezogen für Deutschland und Oesterreich: vierteljährlich 6.—. Direkte tägliche Kreuzbandiendung ins Ausland: monatlich ^l 7.50. Die Morgen-Ausgabe erscheint um '/,7 Uhr, die Abend-Ausgabe Wochentags um 5 Udr. Re-aclion und Expedition: Lobannisgaffe 8. Dielkrvedition ist Wochentag« nnunterbrochra geöffnet von früh 8 bis Abend- 7 Uhr. Filialen: Alfred Hahn vorm. v. klemm'« Sorttm. Universitätsstraße 3 (Paulinum), Loni« Lösche, Katharinenstr. 14, Part, und Königsplatz 7. UchMcr TagMIt Anzeiger. Amtsblatt des Königlichen Land- nnd Amtsgerichtes Leipzig, des Mathes und Nolizei-Ämtes der Stadt Leipzig. Nnzeigen-Prels die 6 gespaltene Petitzeile 2V Pfg. Neclamen unter demRedactionSstrich ^ge spalten) 50-^, vor den Familiennachrichte» (bgespalten) 40^z. Größere Schriften laut unserem Preis- verzeichniß. Tabellarischer und Ztffrrnsatz nach höherem Taris. irrtra-Beilagen (gesalzt), nur mit der Morgen-Ausgabe, ohne Postbesördrrung >1 60.—, mit Postbtsörderung ^l 70.—. Ännahmeschluß für Anzeigen: Abend-Ausgabe: Vormittag- 10 Uhr. Morgen-Ausgabe: Nachmittags 4Uhr. Bei den Filialen und Annahmestellen je eine halbe Stunde früher. Atijeigev sind stets an die Er-edttion zu richten. Druck und Verlag von E. Polz in Leipzig. ISl. Aus der Woche. Die österliche Auferstehungsbotschaft jauchztdurch die Welt, Jahrtausende hindurch gehört und dennoch immer neu, immer neu erbebend und beglückend. Das christliche Fest ver kündet das Leben, die Nichtigkeit des Todes. Und die Natur überwindet den Scheintod, die Sonne holt die Knospen, die ein langer, harter, krankheitbringender Winter allzulang zurückgehalten. Spät kommt der Frühling, aber er kommt in alter Pracht, und wiederum bezeugt er die Größe und die Güte Gottes: „Die unbegreiflich hohen Werke sind herrlich wie am ersten Tag". Alles alt, Alles neu, alt und neu auch die kämpfende und duldende, die strebende und irrende Menschheit. Als in der letzten Christnacht das „Friede auf Erden" erklang, war Krieg in der Welt, Krieg zwischen christlichen Völkern, und in die Osterglocken mischt sich ungeschwächt das Brüllen desselben Krieges. Wir sahen und sehen großen Heldenmuth und schweren Frevel, das Höchste und das Niedrigste im Menschen sich in besonderer Schärfe auSprägen, das Unvollkommene, das Widerspruchsvolle in dem höchsten Geschöpfe, das eben nur Geschöpf ist und die Bedingungen seines Daseins „nach unsterblichen, ehernen Gesetzen" erfüllen muß. Zu dieser Gesetze obersten gehört das Kämpfenmüssen, und was in Südafrika leiblich geschieht, geistig ist es uns keinen Augenblick erspart. Nicht einmal die stille Woche ver mochte ihrem Namen gerecht zu werden und dem Kampfe ums Brod Einhalt zu gebieten, den empfundene und geheuchelte Sorge, redlicher Wille und teuflisch-selbstische Berechnung auf den Boden der Politik verpflanzt haben. Und ist daS Fest vorüber, so wird mit voraussichtlich verstärktem Grimm der Streit sich erneuern, der kein Ende finden kann, bis Ein sicht und Redlichkeit der deutschen Nation die Wege zur künftigen Gestaltung ihrer Wirthschaftspolitik zeigen dürfen. Dieser innere Kampf beginnt schon einen Widerhall im Auslande zu erwecken. Ein Theil der Presse Italiens, darunter Blätter, die von ibrer Regierung beeinflußt werden, nimmt eine unfreundliche Stellung gegen das verbündete Deutschland ein. Man rechnet unS vor, daß das südliche Königreich seine wirthschaftliche Rechnung im Dreibunde nicht gefunden habe, und neuerdings — wir haben dies mitgetheilt — wird sogar behauptet, Italien habe politisch, insbesondere im Mittelmeer, aus seinem Bündnißverhältnisse keine Vorthcile gezogen. Kein Zweifel, daß dabei französische Aufstachelung nut im Spiele ist. Aber auch an Beweise englischer Freundschaft für Deutschland wird man denken müssen, gerade wegen deS Hinweises auf daS Mittelmeer. Dort hat Großbritannien Verpflichtungen gegen Italien über nommen, ob geschriebene oder ungeschriebene, ist gleichgiltig, und es würde echt englische Diplomatie sein, zwei Fliegen mit einer Klappe zu treffen, den Italienern das Vorhanden sein einer uneingelösten Schuld des mitteleuropäischen Bundes weis zu machen und damit die Tbatsache zu verschleiern, daß, wenn Italien sich mit Grund über mangelnde fremd ländische Förderung seiner Machtstellung im Mittelmeere zu beklagen haben sollte, es sich an England zu halten hätte, die Macht, der der junge Staat ohne Frage auch Adua zu verdanken hat. Die wesentlichen Beschwerden betreffen jedoch voltswirthschaftliche Enttäuschung. Ugd an deren Ent stehung ist eine frühere deutsche Regierung leider nicht ohne Schuld. Wenn die „Tribuna" und wenn andere italienische Zeitungen sagen: „Wir haben wirtschaftlich zu wenig vom Dreibünde", so können sie sich auf den Grafen Caprivi be rufen, der bei der Durchdrückung der Handelsverträge die unglückseligen Worte sprach, Deutschland müsse durch solche Verträge die ihm politisch verbündeten Staaten ökono misch stärken. Durch diese ungeheuerliche, vom Fürsten Bismarck stets zurückgewiesene, aber vielleicht gerade deshalb im Jahre 1892 gepflegte Verquickung fremd artiger Dinge sieht sich jetzt sogar die' für die be stehenden Handelsverträge mit Fanatismus eintretende deutsche Presse gezwungen, die Italiener zu bedeuten, der Dreibund sei ein politisches, kein wirthschaftlichcS Bündniß. Man kann diese Wahrheit heute, mit vielem Temperament vor getragen, sogar im „BerlinerTageblatt" lesen. Der ausschließlich für daS einheimischeParlament berechnetenRedenSart eines längst verschwundenen Ministers über den Zweck eines Handels vertrages kommt natürlich keine Bedeutung zu. Von Be deutung sind lediglich die Thatsachen, daß Italien mit dem ihm im Handelsverträge gemachten Zugeständnisse beim Ab schlüsse deS Handelsvertrages sichtlich zufrieden gewesen und daß dieser Vertrag, wie sich von selbst verstand, von deutscher Seite mit nie bemängelter Loyalität erfüllt worden ist. WaS den Dreibund, daS politische Bündniß, angeht, so sollen die Vorthrilr, die der Bund Italien gebracht, vorläufig nicht untersucht werden. Wir halten den Dreibund von dieser Seite zunächst um so weniger für gefährdet, al« in Oester reich die Werthschätzung dieser Gruppirung neuerdings ohne Zweifel gestiegen ist. Dem aNgekündigten Berliner Besuche des Kaisers Franz Josef liegt, daS geben auch die deutschen Blätter zu, di» jeden politischen Zweck der Reise leugnen, offenbar die Absicht zu Grunde, den — gerade durch die Schuld Oesterreichs, man denke nur anThun und dessen NichtdkSavouiruNg durch Goluchowski — etwas verblaßten Glanz des Dreibundes aufzusrischen. Dir Art, wie der Besuch an gekündigt wurde, die dem österreichisch-ungarischen Botschafter am Berliner Hofe verliehene seltene Auszeichnung, die Sprach» deS „Bester Lloyd" und andere Zeichen deuten unverkennbar daraus hin, daß daS Pathenverhaltniß zum Kronprinzen und die etikettenmaßige Rücksicht auf den — schon 18V7 ab gestattet,n — Besuch des deutschen Kaiser« nicht die einzigen Beweggründe zum Entschlüsse des österreichischen Monarchen bilden. Selbstverständlich kann es nicht die Wiener Meinung sein, um Deutschland« willen die Welt nach drücklicher, al« es eine Weilt geschehen, auf den Fort bestand de« Dreibünde« aufmerksam zu machen. Aber jede« Bündniß beruht darauf, daß jeder Verbündete seine Rechnung datzri findet, und die Zuratbeziebung österreichischer Interessen im Bündniß erregt kein Bedenken, so lange nur die deutsch« Regierung da« Berbältniß entsprechend als ein im deutschen Interesse abgeschlossene- ansiebt und demgemäß handelt. Letztere« zu bezweifeln, läge zunächst kein Grund Tonntag den 15. April 1900. 81. Jahrgang. vor, auch wenn sich die Nachricht von einer Begegnung unseres Kaisers mit dem Zaren nicht bestätigen sollte. Der Streit um die Flotte mag über Ostern ruhen. Tbatsächlich ist nachzutragen, daß in einer Versammlung des Bundes der Landwirthe zu Mörs ein Bundesmitglied erklärt bat, es „neige zu der Ansicht: kein Fleischbeschaugesetz, keine Flotte", und daß hierauf von dem Bundesdirector I)r. Hahn „die Abneigung gegen Flottenausgaben constalirt" worden ist. Die „Deutsche Tageszeitung" nennt das „die Meinung der niederrheinischen Landwirthe". Von einer abermaligen Vertagung des Reichs tages bis zum Herbst, also der Entstehung einer dreijährigen Session, ist jetzt wieder viel die Rede. Niemand befürwortet den Plan, aber alle Welt ist einig, daß er verwirklicht werden müßte, wenn der Reichstag die ihm auferlegte Riesen- geschäftslast bewältigen sollte, ohne mit manchem Halbfertigen nochmals von vorn anfangen zu müssen. Unseres beschienenen Erachtens ist aber diese letztere Nothwendigkeit weniger bedenklich, als ein „langes Parlament". Religion und großpolnische Agitation. Einer der nicht übermäßig zahlreichen Lichtpunkte der parlamentarischen Verhandlungen des verflossenen Winters waren die Erklärungen der beiden neu in das Staatsministerium eingetretenen Minister Or. Studt und Frhr. v. Rbein- baben in der Polenfrage. Beide Minister legten Zeugniß dafür ab, daß die nach manchen Wirrungen in der Staats leitung gewonnene Auffassung über die Aufgaben des preußi schen Staates ein dauerndes Besitzthum ist und daß Preußen sich im vollen Umfange seiner Mission bewußt bleibt, im Osten für die nationalen Culturaufgaben auf der Warte zu stehen und daS deutsche Reich davor zu bewahren, daß sich tief in seinen complicirten Organismus hinein ein Fremd körper schiebt, der bei der ersten schweren Erschütterung von außen her mit unabsehbaren Nachwirkungen zerstörend heraus fallen würde. Daß die Eröffnungen des Cultvsministers besonders an sprechen und, wie uns von verschiedenen Seiten aus dem Osten mitgetheilt wird, eine tiefe Wirkung zurückgelassen haben, daS lag in der Sachkenntniß begründet, die er sich Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre als Landrath des Kreises Obornik angeeignet, eines Kreises, der, in allernächster Nähe des Centrums der grvßpolnischen Propaganda, der Posener Dominsel, gelegen, reichlich Gelegen heit gab, die treibenden Kräfte und die Wirkungen der dem Deutschthum mit unversöhnlicher Feindschaft gegenüber stehenden Bewegung an der Quelle zu studiren. Als reife Frucht dieser Erkenntniß hat der Cultusminister dar gelegt, daß, wenn irgendwo, dann die Abwehr bei dem Schutze der Nationalität der deutschen Katholiken einzusetzen hat und weiter, daß der preußische Staat ein großes Culturwerk leistet, wenn er nickt nur politisch und wirthschastlick die Deutschen der Ostmark stark zu machen suckt, sondern auch darüber wacht, daß der in der nationalen Diaspora schaffende Volksgenosse seinen religiösen Bedürfnissen nachleben kann, ohne dafür mit seiner Nationalität Bezahlung zu leisten. Man muß in den Ostmarken längere Zeit gelebt haben, um zu verstehen, wie tausendfältig in dem vielgestaltigen CultuS des römischen KatholiciSmus die großpolnische Agitalion die Krallen herauszustrecken versteht. Es gehört eine sichere Kennlniß der kirchlichen Einrichtungen und der örtlichen Sitten, die neben de» kirchlichen Handlungen einhergeben, dazu, und eine schnelle und geschickte Hand, um hier zu zugreifen und nicht in den Stacheldraht zu fallen, den sich die Leitung der grvßpolnischen Bewegung aus den Reminis- cenzen des CulturkampfS kunstreich zusammen gewunden: daß die preußische Staatsleitung den Culturkampf aufs Neue zu beleben versuche. Diesmal sind Repliken dieser Art ausgeblieben; im Gegen- theil haben die Eröffnungen des CultuöministerS aus das Centrum dermaßen gewirkt, daß man diesmal die Polen ostentativ sich selbst überließ. Der Cultusminister hatte sich nämlich nm Zahlenmaterial gerüstet, wie es durchschlagender kaum vorgebracht werden konnte. Angezweifelt batten die polnischen Wortführer noch die Angabe, daß im verflossenen Jahrhundert nach zuverlässiger Schätzung etwa zwei hunderttausend Deutsche ihrer Nationalität auf dem Wege religiöser Drangsalirung entfremdet worden seien; schuldbewußt schwiegen sie, als darauf in Stichprobe specialisirte Nachweise erfolgten, die leider in Folge der Ueberfülle parlamentarischen Stoffes nicht nach Verdienst gewürdigt worden sind, die aber um so mehr in Erinnerung gebracht zu werden verdienen, als die volnischen Hetzorgane gerade dies« Nachweise benutzt, um mit früheren Erfolgen zu erneuter Agitation auzufcuern. E« war, als ob man über einen großen Kirchhof geführt wurde, als der Cultu-minister begann: „Es liegen mir Listen vor, welche auf Grund der speciellen Ver handlungen mit Len Erzbischöfen Przyluski und Ledochowski aufgestellt sind und die ungefähr erkennen lasten, wie infolge dieser Maßnahmen da« deutsch-katholische Element planmäßig und natur gemäß zurückgedrängt bezw. in die polnische Nationalität übergeführt worden ist. Im Jahre 1862 gab es beispielsweise in Lubosch (Kreit Birnbaum) 103 deutsche Katholiken, 651 polnische. Eine deutsch« Predigt wurde nicht gehalten; »S wurde von der Regierung bei dem Erzbischof beantragt, sür die deutschen Katholiken aller vier Wochen «In, deutsche Predigt halten zu lassen; der Antrag wurde ab gelehnt. Im Jahr, 1872, es war zehn Jahre später, waren in Lubosch blo« noch 6 deutsche Katholiken unter 6»S Polen. Jnvpalenica waren im Jahre 1863 554 Deutsche neben 2243 polnischen Katholiken. Eine deutsche Predigt wurde nicht ge- halten. Beantragt wurde von der Regierung aller 14 Tage eine deutsch« Predigt; dec Erzbischof lehnte die» ob. Im Jahre 1872 gab eS iu Opalenica nur noch 88 deutsch» Katholiken. Die ablehnende Erklärung wurde speciell damit motivirt, daß die Katholiken deutscher Abkunft schriftlich vor dem Pfarrer zu Protokoll erklärt hätten, daß sie einen deutschen Gottesdienst nicht haben wollten. (!) In Brodr; mit 135 deutschen Katholiken wurde weder eine deutsche Predigt gehalten noch eine deutsche Beichte abgehalten. Im Kreise Obornik waren im Jahre 1862 in Mur-Goslin 686 deutsche Katholiken neben 1214 Polen. Die Deutschen erhielten keine deutsche Predigt. Es wurde beantragt, aller vier Wochen eine deutsche Predigt zu halten; das wurde abgelehnt. 1872 waren nur noch 7 deutsche Katholiken vorhanden. In Kirchen-Dombrowska waren 1862 508 deutsche Katho liken gegenüber 1426 polnischen vorhanden, ohne deutsche Predigt. Ter Antrag auf vierwöchentlichen Gottesdienst in deutscher Sprache blieb seitens des Erzbischoss unbeantwortet. — 1872 war kein deutscher Katholik mehr dort vorhandenl" Der Cultusminister erzäblte weiter, wie er einst nach langen Jahren durch seinen früheren Amtsbezirk gefahren ist und da bei erfuhr, daß in katholischen Dörfern, die vorher noch ganz deutsch gewesen, kein deutsches Wort mehr gesprochen wurde. Mit Recht sagte der Cultusminister, daß diese Vorkommnisse geradezu eine Schmach sind und daß mit aller Entschiedenheit dagegen Front gemacht werden muß, Wenn Deutsche durch das Zwangsmittel der Verweigerung der Pastorisirung zu Polen gemacht werden. Bei den deutschen Katholiken der Ostmarken hat unter diesem Drucke schon seit einiger Zeit eine energische Gegen bewegung eingesetzt, und selbst auf der Posener Dominsel hat man empfunden, daß die erste Entscheidungsschlacht auf diesem Gebiete geschlagen wird. In Folge dessen bat der Erzbischof von Posen und Gnesen, da bei der letzten Zählung nach der Nationalität in den Ostmarken nicht gefragt worden ist, eine solche mittels der Pfarrer seiner Diöcese ver anstalten lassen und dabei „festgestellt", was Niemand wundern wird, daß in Gnesen-Posen 1 255 199 Katholiken sich befinden, worunter, was bei einer solchen Zählung nicht Wundern wird, nur 105 000 Deutsche, sagen wir, aufgefunden wurden. Die „Zählung" wurde veranstaltet, um die numerischen Voraussetzungen festzustellen und demgemäß auf dem hehren Gebiete der Seelsorge die Katholiken deutscher Zunge so weit irgend möglich zu befriedigen. Wessen man sich bei diesen, wie der Abgeordnete von Jazdzewski betbeuerte, redlichen und Wohlwollenden Inten tionen zu versehen hat, das wissen nicht nur die deutschen Katholiken, sondern auch die Regierung, seit sie mit dem Erz bischof Or. v. Stablcwski in Meinungsverschiedenheiten wegen des polnischen Sprachunterrichts geratben ist. In Gorzno war in der Volksschule für den Religionsunterricht, weil die Kinder genügend Deutsch verstanden, die deutsche Sprache eingeführt worden. Der Pfarrer legte dagegen Beschwerde ein und als er in allen Instanzen einschließlich des CultusministeriumS abgewiesen worden war, wandte er sich an den Erzbischof, damit dieser als höchster Träger der Kirchen gewalt dafür sorge, daß der Unterricht wieder in polnischer Sprache ertheilt werde. Es erfolgte darauf eine „Anweisung", die von dem Pfarrer dahin „verstanden" wurde, daß er einen polnischen Privatsprachunterricht einricktete — wofür in der „Residenz" des Herrn Erzbischofs soviel Strafen verhängt worden find, daß diesem ausreichend die offenbare Gesetz widrigkeit eines solchen Vorgehens hätte bekannt sein müssen. Ein zweites Zeichen der Zeit ist die Tbatsache, daß eine energische Agitation gegen diejenigen katholischen Lehrer oraanisirt wird, die mit ihrer Person dafür eingetreten sind, daß die religiösen Bedürfnisse der deutschen Bevölkerung zu ihrem Rechte kommen. So liegen die Dinge in den Ostmarken: Kampf an allen Ecken und Enden gegen die deutsche Nationalität unter Zuhilfe nahme der erzbischöflichen Autorität. Der Kampf ist schwierig, denn er wird unter der Devise geführt, daß der deutsche KatholicismuS minderwerthig sei und daß der evangelische Masur dem Polen weit näher stehe als der katbolische Deutsche. In diesem Kampfe weiß der katbolische Deutsche in den Ostmarken, daß er national eine Rückendeckung an seinen deutschen Brüdern findet, die religiös nickt drangsalirt werden können, und die Regierung bandelt nicht nur ihrer Pflicht gemäß national im Osten, sondern auch im Interesse des inneren Friedens, wenn sie zeigt, wie ihrem Eintreten deutsche Katho liken eS zu danken haben, daß ihnen und ihren Kindern die religiöse Versorgung auch in einer Form zu Theil wird, wie sie ihrem VolkSlhum und ihrem GemüthSleben entspricht. Der Krieg in Südafrika. Vom Kriegsschauplatz« liegt nichts Neue« vor, dagegen batte ein Nedacteur der „Lombardia" gestern Sonnabend eine Unterredung mit dem Mitglied der Boe re n Mission Fischer. Dieser erklärte, Transvaal und der Oranje freistaat seien entschlossen. Alles zu opfern, um ihre Freiheit und Unabbängigkrit zu behalten. „Wir wollen nicht", fuhr Fischer fort, „unser Gebiet vergrößern, sondern in kleinem gegenwärtigen Umfange erhalten und in Frieden in unserem Lande leben. Wir haben sür unsere Mission kein bestimmte« Programm auf- gestellt, sondern wir erwarten Weisungen aus Pretoria und Bloemfontein. Transvaal und der Ocaujefrtistaat haben zusammen nur 25 VOO Kämpfer, England Übertreibt in der Angabe der Zahlen, um seine Siege glänzender erscheinen zu lassen." In diesem Augenblick erhielt Fischer ein Telegramm und rief: „Gute Nachrichten aus Afrika!' Am Mittag ist die Borrtnmisfion mit der Gotibard-Bahn nach dem Haag abgereist. Der Gesandte der Südafrikanischen Republik, Or. Leyd«, begab sich nach Brüssel. Lar« Natzerts hei «ahul-Kanhähar «»« Bloemfontein. (Von Generalmajor z. D. van Schmeling.) . Im Jahre 1878 war der Krieg zwischen England und Afghanistan unvermeidlich. Am 20. November war di« letzte Frist abgelaufrn, und am 21. Übetschritten drei englische Colonn«n die Grenzt, die eine von P«schawur durch da« Kabul- Thal, die -weite (General Rodert«) durch da« Kuram-Thal gegen Kabul, die dritte von Shuetta auf Kandahar. General Roberts stieß im Kuram-Dhal auf keinen Feind, er reichte am 28. den Peöwar-Paß, den er nach sorgfältiger Recog noscirung am 2. DeceMber durch umfassenden Angriff nahm. Dieser eleganten Einleitung folgte eine lange Zeit der Unthätig- keit, denn Schnee und Eis verboten den Angriff auf die am Schuturgadan-Passe stehenden Afghanen, und die Hälfte der Streitkräfte mußte zur Sicherung der Etappenlinie zwischen Peschawur und dem Peiwar-Paß verwendet werden, die bei Tag und Nacht von großen und kleinen Streifparteien angegriffen wurde. So benutzte denn General Roberts den kleinen Rest seiner Streitkräfte zur Pacificirung der umliegenden Stämme, deren Hauptort Matun er am 5. Januar 1879, ohne einen Feind zu sehen, bssetzte, der ihn dann am 7. Januar mit überlegenen Kräften überraschend angriff, zwar abgeschlagen wurde, aber den General am 27. Januar zum Rückmarsch zwang, da weder Munition noch Proviant eintrafen. Unter fortwährenden An griffen der Afghanen führte unter schweren Verlusten General Roberts seine 3000—4000 Mann ins Kuram-Thal zurück, wo er fortan mit Mühe die Etappenlinie zum Peiwar - Paß be hauptete, während auch die Kabul-Colonne infolge Mangels an Streitkräften nicht über Djellalabad, die linke Colonne nicht über Kandahar hinausgekommen war. Aus dieser peinlichen Lage befreite den General Roberts am 8. Februar der Tod des Emirs, der den sofortigen Bürgerkrieg in Afghanistan veranlaßte, in welchen für die nächsten Monate die Engländer statt mit Geschützen mit Gold und Verhandlungen eingriffen, welche soweit gediehen, daß Jacub Chan, der Sohn des Emirs, als Nachfolger in Kabul anerkannt, dorthin ein Ge sandter geschickt wurde, während die englischen Truppen in ihren Stellungen nunmehr verhältnißmäßige Ruhe hatten. Diese Sachlage bekam durch die Ermordung des Gesandten in Kabul am 1ö. September eine jähe Wendung. General Roberts erhielt Befehl zum Rachezuge; aber statt mit seinen schwachen Kräften sofort vorzurücken, knüpfte er wieder diplo matische Verhandlungen an, sicherte seine Verpflegung und traf erst am 16. October aus dem Gebirge im Kabul-Thal ein, von allen Seiten vom Feinde umschwärmt, der ihm endlich am 18. October den Gefallen that, sich ihm mit vereinten Kräften entgegenzustellen, um vernichtend geschlagen zu werden. Am 26. October zog General Roberts mit etwa 10 000 Mann in Kabul ein, wo er sich nach endlichem Eintreffen der etwa gleich starken Djellalabad-Colonnc durch kurze Vorstöße nur mit Mäh der immer lästiger werdenden Angriffe der Afghanen erwehren konnte, so daß er wieder zu diplomatischen Verhandlungen seine Zuflucht nahm, die ihm einen Theil seiner Gegner fern halten sollten. Seit Jacub Ghan englischer Gefangener war, vereinte Abdur Rachman Chan die Mehrzahl der Afghanen um sich, und er wurde am 23. Juli 1880 als Emir anerkannt, nachdem er seit Anknüpfung seiner Beziehungen zu General Roberts in der Hoffnung aus dessen Hilf« seine Anhänger von d«n Angriffen auf Kabul zurückgehalten hatte. So unterstützt« die Diplomatie hier einmal di« Kriegführung, und als nunmehr am 9. August die Nachricht in Kabul eintraf, daß Ejub Chan mit den West- Afghanen von Herat im Anmarsch sei und Tags zuvor bei Kan dahar den Engländern eine schwere Niederlage bereitet hätte, zögerte General Roberts nicht einen Augenblick, mit 10 000 Mann der besten Truppen dem Feind« entgegenzurücken, den er nach glücklicher Vereinigung mit den in Kandahar belagerten Truppen angesichts dieser Stadt am 1. September vernichtend schlug und so auch Abdur Rachman von seinem gefährlichsten Gegner befreite. Lord Roberts of Kandahar erscheint in diesem Feldzuge als ein entschlossener, besonnener, seinem Glück vertrauender Führer, wir er sich als solcher auch in Südafrika zeigt. Auch hier sucht er diplomatische Verhandlungen mit der Kriegführung zu ver binden (freilich ohne Resultat); sein Marsch über Kimberley nach Bloemfontein zeigt die Vorausblickende Sorgfalt eines erfahrenen Generals, freilich auch nach schnellen ersten Erfolgen di« Unter schätzung des Gegners und der Schwierigkeiten des Geländes. Er fühlte sich seiner Sache schon so sicher, daß er weiteren Erfolg öffentlich voraussagte, um dann durch pünctliche Ausführung Freund und Feind zu imponiren. Hierzu liegt nun zur Zeit kein Grund vor. Die Boeren haben endlich einen ihrer Fechtart und Ausbildung entsprechenden Girerilla - Krieg begonnen, beunruhigen durch Streifparteien Front, Rücken und Verbindungen, nehmen Batterien und Com pagnien gefangen, leben aus den Proviantwagen des Feindes und tragen die Unsicherheit bis in das Hauptquartier, wo man sich ihrer aus Mangel au Cavallerie nicht erwehren kann. Es muß sich demnach bald entscheiden, ob General Roberts nach Bloemfontein so viel Lebensmittel hat schaffen können, um eine Einkreisung durch die Boeren auf viele Wochen ausbalten zu können oder ob er auS Verpflegung-Mangel vor dem Eintreffen seiner Verstärkungen einen Rückzug, wie einst zum Kuram-Flutz. antreten mutz. In dieser einen Frag« liegt die Entscheidung des Feldzuges. Kann Lord Roberts di« Ereignisse in Bloemfontein ruhig abwarten, dann wird die weitere Besetzung des Oranje- Staates folgen; mutz er aber nach dem Orause-Fluß zurück, daun ist d«r Verlust de« Oranje-Staates und der aufständischen Gebiete noch die geringste der für di« englische Armee hieraus er wachsenden schweren Folgen, vi« wir mit dem Niederbruch jeg lichen Vertrauens in die eigene Leistungsfähigkeit nur »udeuten wollen. (Verl. Loc.-Anz.) vom sitenrraleommandanten Loni« votlfl». lieber den -neuen transvaakschen Generalcommandanten Louis Botha bringt «in sckwn kurz erwähnter Johannesburger Brief de« „Gauloir" einige interessant« Einzelheiten und Be richtigung«». Botha ist erst 36 Jahr« alt, 1864 geboren, also für ein« so verantwortliche Stellung autzerordentlich jung. Er ist nicht ganz ohne Kriea«erf»hrung in den jetzigen Feldzug ge» gangen, sondern hat im Kaffrrnköiege unk«r Lukas Meyer, wie «t selbst sagt, «tue vortrefflich« Schule genossen. Er zeigt ein ein fache«, schlichte« Wösen und besitzt eine für bairische Begriffe hohe Bildung, spricht auch Englisch und Französisch recht gut. Bei Seilrgeuheit seine« Urlaubt« (nach dem ersten Aufturm Buller'« auf den S^ioukop) in Johannesburg, wo er seine junge, lieb reizend« Frau besucht«, und da« tt in der Nacht vam 6. zum 6. Februar wegen Buller'» «Meuten Angriff,« plötzlich wiekxr verlassen mutzte, hatte der Gewährsmann de« „GauloiS" eine Unterredung mit ihm, au» der wir Folgende» entnrhmen: „Botha lohnte zunächst da» Lob, ein großer Taktiker in europäischem
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
Erste Seite
10 Seiten zurück
Vorherige Seite