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Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 24.04.1877
- Erscheinungsdatum
- 1877-04-24
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-187704249
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-18770424
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-18770424
- Sammlungen
- LDP: Zeitungen
- Saxonica
- Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1877
-
Monat
1877-04
- Tag 1877-04-24
-
Monat
1877-04
-
Jahr
1877
- Titel
- Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 24.04.1877
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Erschein* litzlich fM «'/. Uhr Le-«U-u m>» »rvrtüt-, IohaaniSgasie SS. -pach-uudeu der Lrdailto,: Bornntiagü 10—12 Uhr. Rachmittags 4—6 Uhr. Auuadmr der für die nächst- iolanide Rummrr bestimmte,« Äuferakk an Wochentagm bis 3 Uhr MchmtttagS. au So an- uu» Festtagen früh bis '/> Uhr. Z» dev Fiticke, für Zas..A,>«hme: Ott» Klemm. UmvcrsttLtsstr. 22. Lsuts Lösche. ltatharinenstr. 1 v,p. u«r bis Uhr. Anzeiger. OrW für Politik. Localzkschichtc, Handels- and Geschistsrerkedr. «»fls-e 15,250. Mertels iucl. «riuaaloh» L Mt. durch die Post bczogea S MS- Jede einzeln« Stummer LO Pf- Belegexemplar 10 M. »ebühre» für Extrabeilagen ohne Postbefvrderuug 3K Ml. Mt Poftbefvrdrrmlg 4L Ml- Zvjeratr larsp. vourgems». 2oPf. Grvßer« Echnfteu laut unsere« Preüwerzrichuib —Ladellanlcher Satz nach höherem Tans. »ecta»r> uotrr de» tlrdarlt.'ießriq die Svalueile 40 Pt. Inserat« find stets an d. TrpebMo» zu sende». — Rabatt wird out»' gegeben. 8ahluoaprasuuw--r»n<1> oder durch Postvorsrbu» W 114. Dienstag den 24. April 1877. 71. Jahrgang. Bekanntmachung. Mit Rücksicht «uf die Heranziehung der sogenannte« flottirenden Bevölkerung zu den Com- muunlanlagen »erde» die hiesigen Prmcipale, Meister und sonstige» Arbeitgeber ersucht, die ih»e» z«gehe»de» Gtr»«r»ettel ihrer Sehiilse» sofort «« Letztere «h-ugebe» »nd dieselbe« z» Berichtigung der städtischen Anlagen binne» 14 Tagen anhatten zu wollen. Ebenso haben die Prmcipale »nd Arbeitgeber, bei Vermeidung einer Ordnungsstrafe von 3 biß l5 »ck, fdte fett Giude »or. Jahres »»rg»aa«se«e» Persoualoeräaderaaae» »o« alle« «tt «t«defte»s S »olle« Mar? ««d darüber beige;oge«e« Gehüife« dt««e» 8 Tage» bei der Stadt«Steuer«Einnahme allhier — Ritterfiraße 15, Georgenhalle, 1 Treppe link-, Zimmer Nr 2 — woselbst auch Formulare dieser BeränderungSanzeigen verabreicht werden, schriftlich an- znze»gen Außerdem wird jeder Gewerbe» ««d Persoaaisieuerpflichtise, welcher seit der i« -r»ve»der ». I. erfolgte» Katasteraufftrlla«g die Wohnung gewechselt hat und defle« Steuerzettel iu Ermangelung der Kenntniß der jetzigen Wohnung nicht zur Aushändigung gelange» kann, t«gleiche» jeder Bettrag-pfiichtiqe, welcher erft i« Laufe de» «e«e» Vte«erjahres «ach hier gezogr» ist, r«r Ke«»int-»ah»r set»es Gteaerfatzes, sowie zar Ga»»fa«g»ah«re des hetr«ffe»de« Gte«era«swetses an vorgedachte Stadt« Steuer-Einnahme verwiesen. LeWg, den 1». April 1877. Der Rath der Stadt Leipzig. vr. Georgi. Taube. Bekanntmachung. ^ Die »»» unS zur Submission ausgeschriebene Ner»pflafter««g der Parthe«ftra-e auf de« Lracte don der Eutritzscher Straße ab biS zur östlichen Fluchtlinie der Löhrftraße ist vergeben und werde» die unberücksichtigt gebliebenen Herren Submittenten hiermit ihrer Offerten entbunden. Leipzig, d« 21. April 1877. Der Rath der Stadt Lei«tig. vr Georgi. Wangernann. Bekanntmachung. Die von unS zur Submission ausgeschriebene Lieferung von Granitschwellen auf dem Tracte der Südstraße, welcher daS Areal der Zmmobilien-Gesellschaft durchschneidet, ist vergeben und werden die unberücksichtigt gebliebenen Herren Submittenten hiermit ihrer Offerten entbunden. Leipzig, am 21. April 1877. Der Rath der Stadt Leipzig. vr Georgi. Wangemann. Leipzig, 23. April. Zwischen einem socialdemokratischen Agitator «ud eiuem Sprecher der Fortschritt-Partei fand i vor Kurzem in der Nähe von Leipzig eine DiS- ^ vutation statt, über deren nur zu lehrreichen Verlauf «uS folgende Betrachtung zugeht: ck. AuS der letzten ReichStagS-Wahlcampagne rührt die Verabredung zu einer Disputation zwischen den Herren I. G. Findel «nd B. Geifer her, welche vergangenen Freitag Abeud im Saale der „Drei Mohren" in Anger stattgefunden hat. Fortschritt und Socialdemo- kratie wollten in derselben sachgemäß »nd kalt blütig ihren beiderseitigen politischen und socialen Standpunkt verthcidigen und damit einen Streit sortsetzen, welcher seiner Zeit in öffentlicher Volks« Versammlung nicht zum AuStrage gebracht werden konnte. Keiner der beiden Herren gehört zu unserer Partei und wir fühlen daher nicht den Beruf, an dieser Stelle ihnen als Berichterstatter zu dienen, allein da in letzter Zeit die Frage über die Zweckmäßigkeit der Disputationen mit socia« listischen Gegnern vielfach zu lebhaftem Meinungs austausch geführt hat, mag eS unS vergönnt sein, aus diesem Beispiele Dasjenige hervorzu heben, waS bei der Beurtheilung dieser Frage von allgemeinem Interesse ist. AuS mehr alS einem Grunde ist eS zweifellos, daß dergleichen Redekämpfe nur für die socialistische Partei von Bortheil sind. Nicht allein, weil sie fast nur vor einem rein socialistisch gefärbten Publicum gehalten werden, eS kommt auch noch binz», daß da- Auftreten von Gegnern den im ' Monopol der Socialisten befindlichen Volksver sammlungen die erwünschteste Abwechslung verleiht und daß sie auS denselben eine nicht unerhebliche Einnahme für die Parteicaffe erzielen. ES kann nur eine undankbare Ausgabe fern, einen Gegner zu bekämpfen, besten treueste und geschulteste Anhänger da- Auditorium bilden, — eine Auf« gäbe, der sich Niemand unterziehen würde, wenn nicht die beständigen Herausforderungen der Soeial- demokratie dazu nöthigten. Iu diesem Sinne und weil die so Auftreteuden ihre eigenen Parteigenoffen, auch wenn dieselben nie der« gleichen Versammlungen besuchen, dadurch zur Neberzeugung bringen, daß eS recht wohl noch Männer giedt, welche bereit find, für die gute Sache öffentlich in die Schranken zu treten, daß d,e Führer der Ordnungsparteien auch nach been deter Wahlfehde die Hände nicht in den Schooß legen und den gemeinsamen Feind auf Schritt »nd Tritt beobachten, kann man einem solchen unerschrockenen Auftreten die vollste Anerkennung uicht versagen, auch wenn man die Ueberzeugung in sich trägt, daß der jeweiligen Zuhörerschaft gegenüber wirklich pruktische Erfolge nicht zu er- ziuen find. DaS Letztere mußte auch Herr Findel bei der in Rede stehenden DiSputation erfahren, beson« . der- alS fein Gegner, die zur DiScusfion gestellten Thesen verlassend, erklärte, die DiSputation nicht sortsetzen zu wollen, wenn Herr Findel ihm nicht drei Kragen zuvor beantworte, deren erste lautete: „Ist im Staate eine Existenz ohne Arbeit be rechtigt?" Herr Findel hatte vollkommen Recht, wenn er drese und die sich daran knüpfenden Fragen nicht über- Knie brechen zu dürfen glanbte, dieselben, alS nicht zur Tagesordnung gehörig, znrückwieS und erklärte, eine so scharf znaespitzte Krage nicht hier sofort mit Ja oder Nein, sondern nur nach eiaehender Erörterung, unter Darlegung aller darauf bezüglichen Gründe, beantworten zu können. Nichts desto weniger geberdete sich Herr Geiser wie der eine Frager im Sprüchwort, den zehn Weise nicht zu befriedigen vermögen und brachte, mit kindlicher Hartnäckigkeit ans Findel'S Antwort bestehend, folgende Resolution ein: „Die Versammlung erklärt, daß die Entschei dung über die Frage, ob in einem vernünftigen Staats, und Gesellschaft-ganzen eine Existenz ohne gesellschaftlich nutzbringende Arbeit mög. lich sein soll, so wichtig ist zur Beurtheilung, ob der SocialiSmuS berechtigt ist, daß eine weitere Verhandlung vor dieser Entscheidung nicht möglich ist. Geht Herr Findel darauf nicht ein, so erklärt er, daß er die socialistischen Principien alS unrichtig nicht zu erweisen im Stande ist." Herr Findel erhob gegen diese Resolution Protest ; allein bei der Abstimmung erklärte sich die Ver sammlung, in welcher sich, wie die Gegenprobe zeigte, nur sechs Nichtsocialisten befanden, für Annahme derselben, womit natürlich der DiS putation ein Ende gemacht war (Wo waren denn aber die Freunde de- Herrn Findel, die Legionen der Fortschrittspartei geblieben?D. Red ). Eine solche Gewaltthätigkeit verdient an den Pranger gestellt zu werden; denn der allein da stehende Gegner sollte bei der Bertheidigung seine- heiligsten Rechte- abhängig gemacht werden von dem guten Willen einer Versammlung, welche nur auS Gegnern bestand. Und hier liegt der Angelpunkt zur Benrtheilnng der aufgeworfenen Frage von der Zweckmäßigkeit solcher DiSpntationen. Man kan» nicht Jedem zumuthen, solchen Redekamps anfznnehmen, aber wenn Jemand dazu vom Gegner aufgefordert ist «nd er fühlt sich stark genug, so thut er — trotz aller Bedenken wegen de- praktischen Erfolg- — nur Recht, einem angeboteuen Kampfe nicht auS- zuweichen; heran-fordern soll er ihn nie. Ebenso ist eS, nach unserem Dafürhalten, bei solchen Gelegenheiten keine Nothwendigkeit, Bedingungen ru stellen, welche die äußeren Bortheile unter die Parteien gleichmäßig vertheilen — wenn Herr Findel aus dieselben verzichtete, so handelte er eben sehr nobel und hat ganz allein die Ver antwortung dafür zu tragen! Aber solche Bedingungen mußte er stellen, die sein princi« pielleS Recht dem Socialisten gegenüber vor der Vogelfreiheit schützten. Er mußte von vorn« herein jede Abstimmung, jede Resolution in da» Gebiet der Unmöglichkeit verbannen und in der Wahl der Geschäftsordnung und der Vorsitzenden sowie der Berichterstatter solche Verabredungen treffen, wie sie zur Anfrechterhaltung seine-RechteS und zur Klarstellung der gauzen Sache vor der Oeffentlichkeit unbedingt nothwendig waren. Die- ist unsere Meinung von der Sache, von der wir glauben, daß sie bei wieder vorkommenden Gelegenheiten von den Betreffenden nur mit Bortheil in Erwägung gezogen werden würde Wie bekannt, glaubt man von konservativer Seite die Schäden de- Verhältnisse- zwischen den Gesellen und Fabrikarbeitern einerseits und de« Arbeitgebern andererseits durch die Wiedereinfüh rung von Arbeitsbüchern heilen z» können, lieber den praktischen Werth dieser Einrichtung sind, wie die- auch an- den Ergebniffen der amt lichen Erhebnngen hervorgeht, die Meinungen in den gewerblichen Kreisen getheilt. ES läßt sich, im Interesse der Arbeiter selbst, so Manche- für die Einrichtung anführen, deren Aufhebung dazu beigetragen hat, daß jetzt gute und schlechte Ar« beiter m einen Topf geworfen werden. Eine andere Frage aber ist, ob der Staat zu einem so weit gehenden Eingreifen berechtigt ist, wie der konservative Antrag e- vorschlägt, ob er namentlich zur Bestrafung derjenigen Arbeitgeber berechtigt ist, welche Gesellen oder Arbeiter ohne Arbeitsbuch in Arbeit nehmen, lieber diese Frage äußert sich die „Nat. Torr": AlS die Frage der criminalrechtlichen Verfolgung de- ContractbruchS erörtert wurde, regten sich selbst bei Denjenigen, welche da- Princip einer entsprechenden gesetz- geberischen Maßregel billigten, die größten Be denken über den Vorschlag, auch den Arbeitgeber, welcher einen kontraktbrüchigen Arbeiter beschäf tigt, strafbar zu machen. Wie ungleich mehr be- rcchtigt find diese Bedenken in dem Falle, daß der angenommene Arbeiter gar nicht kontraktbrüchig, sondern nur nicht im Besitze eine- Arbeitsbuches ist! Neben den speciellen juristischen Einwänden kommt aber vor Allem die Rücksicht der allgemeinen Gleichberechtigung in Frage Unter diesem Gesichts punkte äußerte der Abg. LaSker in der DienStagS« sitzung: „Wenn wir «n- gegen die Führung der Ar beitsbücher erklären, — ich spreche hier nur von Großjährigen «nd Gesellen, nicht über daS Maß von Jahren, wie lange man Arbeitsbücher anSstellen kann für Lehrlinge »nd Minderjährige, ich sage, wenn wir uicht »ollen, daß vis, ArbeiiSbücher obligatorisch etngesührt weiden, so geschieht die- einfach, weil wir keinerlei Ungleichheit der Rechte zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern etadliren wollen, von einem Mitgliede diese» Hauses wurde mir gesagt, eS werde alS Unter - antrag zu dem Anträge der Dentfchconservativen einbringen: jeder Arbeitgeber fei verpflichtet, ein Arbeitsbuch zu halten, in welche- der Arbeit nehmer einschreibt, wie jener ihn behandelt habe während der Arbeit, und noch andere Merkmale, an denen man den gnten Arbeitgeber erkenne. Ich sowohl wie Jeder, dem diese Ansicht mit- getheilt wurde, mnßte über den Gedanken lächeln und mit Recht, weil der Vorschlag unausführbar ist. Aber ich weiß auch, und ich entnehme meine Kenntniß auS dem Leben, daß da- Ehrgefühl der Arbeitnehmer zu empfindlich ist, alS daß sie sich eine besondere Behandlung gefallen ließen, welche keine Reciprocität gestattet gegenüber dem Arbeit geber, und ich sage deshalb, wenn ich ein Gesetz erlaffen will, welche- auf den gnten freien Willen aller Betheiligten berechnet ist, der Arbeitnehmer wie der Arbeitgeber, dann darf ich keinen Vor schlag machen, von dem ich im Voran- wüßte, daß er die Empfindlichkeit deS einen TheileS hervorrnft nnd deswegen ein verfehlter Schritt sein wird." Man hält diesem Argnment entgegen, daßdie Anstellung Suchenden aller Gefchäftbranchen den größten Werth ans den Besitz von Legitima tion-papieren legen. Dabei wird nur über sehen, daß eS sich da um Zeugnisse, Empfehlungen rc. handelt, welche der Betreffende freiwillig »achsucht und ganz nach seinem Belieben verwendet, während die von den Conservativen vorgeschlagenen Arbeitsbücher obligatorisch sein sollen. Die Arbeitsbücher sollen «. A. auch eine Eintragung über die Veranlassung de- Aus tritt- auS der Arbeit enthalten. In zahlreichen Fällen, besonder- auf dem Gebiete de- Hand werk-, pflegt diese Veranlassung ei« persönliche- Zerwürfniß zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu sein. Der erster« ist also Partei nnd wird Ursache und Art de- Zerwürfnisse- nach feiner Austastung darstellen. Der Arbeitnehmer aber steht Dem wehrlo- gegenüber; höchsten- kann er sich an die für die Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu ständige Behörde wenden, bi-zu deren Entscheidung aber ist ihm, wenn er nicht von dem Arbeitsbuch« mit den nach seiner Meinung ung-rechlfertigten Angaben Gebrauch machen will, der Eintritt in ein neue- ArbeitSverhältniß untersagt. Man brancht die Möglichkeit diese- Falle- nur auzu- deuten, um die m der Einführung obligatorischer Arbeitsbücher, wenigsten- wie sie der Antrag der Conservativen fordert, liegende Ungerechtigkeit klar- gemacht zu haben Damit ist zugleich erwiesen, welche Nahrung die socialistischen Deklamationen von der „Rechtlosigkeit de- Arbeiterthum-" au» einer solchen Einrichtung ziehen und wie dieselbe jedenfalls den Claffengegensatz verschärfen würde Grade dieS Letztere aber zu vermeiden, ist von dem Abg. LaSker alS Motiv seine- und seiner Freunde Vor gehen- bezeichnet worden Schlechterdings unbegreif. lich ist eS daher, wenn die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" i« Anschluß an die LaSker'scheu Be« «eikungen über die Arbeitsbücher den Liberalen den Vorwurf entgegenschleudert: „Natürlich, »eun man den Arbeiter mit aller Gewalt »nd unter den Fahnen der Freiheit und Gleichheit in ein aparte» Claflenbewußtsetn hineindrängt, wird mau sich nicht wundern dürfen, die Früchte dieser Ver kehrtheit reifen zu sehen. Der SocialiSmuS hat ein solche» aparte- Classenbewußtseiu zu feiner Voraussetzung, nur an- ihm heran» kann er sich entwickeln." Soviel ist nach allem Gesagten doch sonnenklar: nicht durch die Betonung de» Princip« der Gleichberechtigung, sondern durch so einseitige Beschränkungen, wie eben die der Arbeitsbücher ist, wird da- „aparte Elaffenbewnßtfein" ge weckt. Gegen ihre eigene Partei als», nicht gegen die Liberalen, richte die „N. A. Z." ihre Anklage! Taßesgeschichtliche Aeberficht. Leipzig. 23. April. Der Kaiser ist am Sonntag früh S Uhr wohlbehalten in Wiesbaden eingetroffen, von der Großherzogin von Baden, dem Landgrafen von Hessen und den Spitzen der Behörden am Bahnhose empfangen worden «nd hat sich alSbald zu Wagen durch die festlich beflaggte Stadt nach dem Schloß begebe». Am Bahnhöfe und in de» Straßen wurde der Kaiser von der großen Men schenmenge, die sich trotz starken SchueefallS ein gesunden hatte, aus da» Herzlichste bewillkommnet. In Straßburg wird der Kaiser nach den nunmehr getroffenen Bestimmungen am 1. Mai Nachmittag- 5 Uhr ««treffen. An» Hamburg, 21. April, wird berichtet: Während der Kronprinz gestern den Dahlmann- Quai besichtigte, besuchte die Kronprinzessin die St. Georg» Gewerbeschule und da» mit derselben verbundene Gewerbe-Museum, sowie die Uuter- richtSanstalten de- Kloster» St. IoharmiS. Heute Vormittag nahm die Kronprinzessin die Stiftung», schule von 181k in Augenschein «nd begab sich von dort nach Altona. Der Kronprinz machte heute Bormittug zu Wagen eine Fahrt «m die Außen-Alster uud eine Fahrt mit dem Dampfboot aus derselben und besichtigte sodann die Caserne der Hamburgischen Truppen. Die Socialdemokraten haben beim Reichs tage einen Antrag ans Abänderung de- Wahl gesetze» eingebracht. Sie wollen nämlich, daß die Wahlzettel überall in unbeschriebenen Couvert- abgegeben werden sollen. Diese Couvert» sollen au» undurchsichtigem, starkem Papier besteh«, müssen den Stempel des WahlcommiffarS — sonst aber kein Zeichen — tragen, dürfen nicht verschlossen sein nnd sollen den Wählern unent geltlich zugestellt werden. Der socialdemokratische Antrag verlangt ferner, daß Wahlen resp. Stich wahlen stet» am Sonntag stattfinden sollen. Weiter wird die Einfügnng eine- tz 107» iw daS Reichsstrafgesetzbuch verlangt, der folgenden Wort laut hat: „Wer einem Deutschen Geschenke oder andere Dortheile anbietet, verspricht oder gewährt, oder Nachtheile androht, um ihn bei öffentlichen Angelegenheiten zur Abgabe einer Wahlstimme in einem bestimmten Sinne zu veranlassen, wird mit Gefängniß nicht unter einem Monat bestraft. Au-genommen sind Hinweisungen auf die an- der Wahl »nd der Thätlgkeit de- Gewählten für die öffentlichen Angelegenheiten möglicherweise ent springenden Folgen, auch wenn dieselben die Ver hältnisse de» Einzelnen berühren. Macht sich ein Beamter oder, gegenüber den bei ihm in Arbeit stehenden Personen, ein Arbeitgeber oder fein Ln- gestellter der oben bezeichnet»» Handlung schuldig, so wird er mit Gefängniß nicht unter drei Monaten bestraft." Endlich beantragen die Social- demokratcn noch , den Reichskanzler aufzufordern, dem Reichstage m der nächsten Session den Ent wurf eine» Gesetze» vorznlegen, welche» den Um fang nnd die Zahl der ReichStagSwahlkreise in Gemäßheit mit den Ergebniffen der letzten amt- tlichen Volkszählung regelt. DaS 5V jährige Soldatenjubrläum de- öster reichischen Generalissimus, Erzherzog» Al brecht, hat in Wien in der öffentlichen Meinung für einige Momente der drohenden orientalischen Frage den Rang abgelaufen. Die österreichische Armee hat alle Ursache, den Erz- Herzog-Marschall zu feiern, denn er ist der einzige unter allen Generälen nnd Feldherren, die Oester reich gegenwärtig besitzt, an dessen Namen sich ein Erfolg, ein Sieg knüpft. In den letzten Jahrzehnten wurde Oesterreich vom KriegSglück sehr stiefmütterlich behandelt. Der Steg schien die Fahnen der Habsburger Monarchie zu fliehen. Allein »och empfindlicher traf Oesterreich da» Mißgeschick, indem es die wenigen militairifchen Würdenträger, die trotz der Ungunst der Zeiten Erfolge zu erringen und s» der Armee da» Selbst bewußtsein zu erhalten wußten, durch den Tos abberief. In den letzten 30 Jahren gelang eS
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