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01-Frühausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 23.04.1896
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1896-04-23
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-18960423014
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1896042301
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1896042301
- Sammlungen
- LDP: Zeitungen
- Saxonica
- Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1896
-
Monat
1896-04
- Tag 1896-04-23
-
Monat
1896-04
-
Jahr
1896
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204. xir rrscheint nm '/,? vbr. die Abend-Ausgabe Lyschenkgß UM tz Uhs. Nr-ariian ynd Er-r-itis«: L-tzanne»,afl« 8. Di« Lkpebitiv« ist Wochentag« »,unt»rb»och„ -e-ffnet von früh S hj» «beptzß 7 M. /ittaleo'. rtt« Klemm « Gorti«. Mlfretz -sßn», Uni»ersitS»tstr«ße 1, - tzßsche, kk-ithaffnenstr. 1«, vart m,h ssönlgSpk.b 7. Bezugs-Preis tz, der Haupterpedistoy oder den im Stadt» beztek Och dch, Eoroetev erntetet», Au«. ytarteltÄMUch^L.«». t« »«»«nnatiger tagiiche» gustell»«, in« »o«< ^t».HS. Durch die Post bozogen fü, »»utschtimd und Lrfterichch! vieeteliahrtich >» L -". Direkt« täglich« Kriuzbandienhin- dl« Ausland: monatlich 7.öO Morgen-Ausgabe. KlMM,TagMaN Anzeiger. Ämtsbkatt des Königlichen Land- und Amtsgerichtes Leipzig, -es Natkjes und Nolizei-Ämtes -er Stadt Leipzig. Donnerstag den 23. April 1896. Anzeigen-Prei- die tz gespaltene Petitjtile ro Psg. Nietam«» unter dem NebaettonSsteich (»ge- spalt«») SO-^, vor d«n Fauüli««uach»ichten ttzgespatteu) Prstzeee Tchrsstm lapt oiis—em Pmis- verzeichniß. Tabellarischer und Zisserniat nach hoher«« Laris. Änuahmefchlirß siir IlAzetgen: Abend-Ausgabe: Vormittag« 10 Uhr Morgen-Ausgabe: Nachmittags 4Uhr. Pei den Filialen und Annahmestellen j» »ine halbe Stunde früh»«. Aureige» sind stets au die Ertzedttion zu richte«. Druck und Verlag von T. Pokz in Leivjiq SV. Jahrgang. König Mert's Geburtstag, * Das Lebensjahr, da- König Albert heute vollendet, ist filr ibn und sein treue» Bolk reich an erhebenden Tagen und begeisternden Erinnerungen gewesen. Al« der einzige noch lebende Arineefkbrer jenes unvergleichlichen SifgeSzugeS, der die Erfüllung de« Traumes unserer Väter brachte, empfand König Albert an sich die Gnade Gottes, die ihm vergönnte, in voller geistiger und körperlicher Frische zurückzublicken auf jene glorreiche Vergangenheit und aufRubmeSthaten, die mit ehernem Griffel in die Bücher der Geschichte eingeschrieben sind. Auf ihn, den letzten Repräsentanten jener sieggewohnten Führer in dem Kampfe, der den deutschen Stämmen vor ihrer Einigung zu ein«r Nation aufgezwungen wurde, lenkten sich an den großen CrinnerungStagen die Blicke des ganzen Reiche», vereinigte sich der Dank dieser Stämme, ihrer Fürsten und de» Träger« der deutschen Kaiserkrone. Und während er demüthigen Sinnes all' diesen Dank und diese Ehrungen hinnahm, erfüllte berechtigter Stolz di« Herzen seiner Unter- thanen, die mehr al« je erkannten, waö König Albert nicht nur für sie, sondern für das ganze deutsche Vaterland gethan und wie unauslöschlich für alle Zeiten sein Name verbunden sein wird mit Deutschlands ruhmvollster Geschichte. Aber nicht nur reich an erhebenden Erinnerungen war das heute vollendete Lebensjahr unsere« Königs, sondern auch bedeutsam durch einen Gesetzgebungsakt, der den weiteren Ausbau der gesetzlichen Institutionen de« Königreichs hoffentlich und voraussichtlich vor unheilvollen Störungen bewahrt. Da« von der Regierung König Albert'S in seinem Namen dem Land tage vvrgelegte, von diesem mit einigen Abänderungen genehmigte und vom König sanctionirte Wahlgesetz schiebt dem über mäßigen Anwachsen jener Partei in der Zweit«« Kammer, die ihre Mandate nur zur Erregung der Unzufriedenheit und de» Haffes gegen di« j«tzige Staat»- und Grsellschasl-ordnung auSbeutet. «inen Riegel "vor, bringt da» Wahlrecht in an gemessene» Verhält«iß zu den Leistungen für den Staat und sichert diesem in der Zweiten Kammer eine Mehrheit, die eine feste Mauer gegen radikale Umsturzbestrebungen bildet. Allerdings hat dieser bedeutsame Gesetzgebungsakt tiefe Er regung in breiten Schichten deS sächsischen Volkes hervorgerufen und ernste Bedenken auch in solchen bürgerlichen Kreisen er weckt, die von der Beschränkung der socialvrmokratischen Mandate ein Anschwrllen der Umsturzbewegung und zugleich eine Verminderung der Rücksicht der Zweiten Kammer auf die berechtigten Wünsche der Arbeiterklasse besorgen. Jenes Anschwellen ist aber um so weniger zu befürchten, je weniger die Besorgniß vor einer Verminderung dieser Rücksicht al» gerechtfertigt sich herausstellt und je mehr im Gegentheile der Arbeiterstand au« der Gesetzgebung ein wohl wollende« und verständnißvolleS Eingehen auf seine berech tigten Forderungen heraus erkennt. Und daß er das er kennen wird, dafür bürgen vor Allem der hohe Gerechtigkeitssinn und da» edle Herz König Albert'S, das mit gleicher Liebe alle seine Untrrthanen umfaßt. E« ist diesem Herzen gewiß nicht leicht geworden, in ein Gesetz zu willigen, da- rin Opfer gerade von solchen Kreisen verlangt, die unter unheilvollem Einflüsse nur neue Opfer de- Staate» und der übrigen Elasten für sich verlangen zu dürfen glauben; aber je schwerer König Albert diesen Entschluß im StaatSintereste sich ab gezwungen, um so gewisser ist eS, daß er seiner Regierung die sorgsamste Prüfung der Lebenöverhältnifse und Wünsche der Arbeiterklasse und jede thunliche Befriedigung ihrer berechtigten Forderungen zur heiligen Pflicht macht. Sein königliches Wohlwollen und sein königlicher Dank werden zunächst jenen Abgeordneten zu Theil werden, die durch thätige Sorge für das Wohl der Arbeiter der Forderung nach einer stärkeren Vertretung der Social demokrati» im Landtage den Schein einer Berechtigung nehmen und dadurch zur Bekehrung verblendeter Opfer der Apostel des Umsturzes beitragen. So werden auch die bürgerlichen Gegner deS neuen Wahlgesetzes allmählich sich mit ihm befreunden, dankbar die Weisheit König Albert'S, die ihre Proteste unberücksichtigt ließ, anerkennen und das Jahr preisen, in dem er seinem Land ein solches Gesetz gab. Ob dieses Gesetz auch für andere Bundesstaaten, in denen die legislative Thätigkeit unter dem hemmenden Einflüsse revo- lutionairer Elemente leidet, vorbildlich sein wird, läßt sich vorläufig noch nicht absehen. Aber ohne alle Wirkung wird wenigstens der bei dieser Gelegenheit aufs Neue bewährte feste Zusammenschluß der überwiegenden Mehrzahl aller wirk lichen Gegner der Umsturzbewegung in Sachsen, der durch den persönlichen Einfluß, die vorsichtige und die schroffen Partei gegensätze abmildernde Einwirkung König Albert's so wesent lich gefördert wird, nicht bleiben können. Und überall, wo die bürgerlichen Elemente zu einem entschlossenen und kräftigen Vorgehen gegen die Apostel der Diktatur de» Proletariats sich einigen, wird man mit Dank auf daS Vorbild Sachsens und seines Königs blicken, der nicht nur einer der vornehmsten Gründer de« Reiche», sondern auch einer der besonnensten und energischsten Schirmer seiner innere» Festigkeit ist. Al» solchen verehren ihn da» Haupt de« Reiche» und die Gesammtheit der Bundesfürsten. DaS Wort und der Rath de» »ersten Paladins de» deutschen Reiches" fallen gewichtiger in die Waagschal«, al» da« Königreich Sachsen auf Grund seiner Bevölkerungszahl erwarten und fordern dürste. Seine persönlichen Verdienst« um Kaiser und Reich, seine Erfah rung und seine Umsicht machen ihn zu einem der einflußreichsten Faktoren bei der Entscheidung über die wichtigsten Fragen d«r Reichspolitik. DaS hat schon oft, wenn drohende Wolken am Horizonte de- Gesammt- vaterlandes aufzogen oder über seinen Gefilden sich zusammen ballten, mit Zuversicht weit über Sachsens Grenzen hinaus die Gemüther erfüllt. Und so erfüllt cS auch beute, wo eins der größten nationalen GesetzeSwerke, das Bürgerliche Gesetzbuch, mit Entstellung und Verstümmelung durch Parteien bedroht ist, welche die Befriedigung engherziger Sonderwünsche oder Machtgelüste über die Befriedigung des GesammtbeoürfniffeS stellen, mit Zuversicht, daß auf die letzte Entscheidung von hohem Einflüsse da« Wort des Sachsen königs ist, der solchen Wünschen und Gelüsten eine Berech tigung nicht zugestehen wird, wenn sie da- Wohl des Reiches und seiner Glieder schädigen. So ist da- Lebensjahr, da» heute abgeschlossen hinter ihm liegt, nicht nur reich an den erhebendsten Erinnerungen und an bedeutsamem Schaffen, sondern r» eröffnet auch einen befreienden Ausblick auf die Zukunft. Möge sie, da» ist der innige Wunsch nicht nur aller treuen Sachsenherzen, sondern auch aller guten Deutschen, die König Albert so viel ver danken, ihm selbst eine gesegnete und glückliche sein. Dann ist sie auch segenbringend und beglückend für daS große Ge- sammtvaterland und unsere engere Heimath, denen die Sorge seines Lebens gilt. Der Allmächtige, in dessen Hand die Zukunft ruht, schütze, erhalte und segne mit seinem reichsten Segen unseren König Albert! Deutsches Neich. 6. H. Vertin, 22. April. Die Frage der Feier des ersten Mai ist immer mebr in een Vordergrund des allge meinen Interesses gerückt. Es sah leider so aus, als wenn daS Berliner Bürgertbum vor der Socialvemokratie am l. Mai capituliren würde; heute braucht man die Befürchtung kaum noch zu hegen, denn die weitesten Kreise der Arbeitgeber haben erkannt, welche Gefahr sie heraufbeschwören würden, wenn sie an diesem 1. Mai den Socialdemokraten nachgeben wollten. Mag das „Münchener Brauhaus", mögen außerdem noch aus Geschäftsrücksichten etliche Kleinbetriebe am l. Mai feiern, das Straßenleben Berlins wird dadurch nicht beeinflußt werden, der l. Mai wird ein Tag der Arbeit sein, wie zuvor. Zwar haben fast alle Gewerkschaften die Feier des 1. Mai durch Arbeitsruhe beschlossen, aber zunächst befinden sich durchschnittlich nicht mehr als 20 Procent ver Arbeiter der betreffenden Branchen in den gewerkschaftlichen Vereinigungen, sodann ist es eine alte Erfabrung, daß die meistens um Mitternacht gefaßten Beschlüsse nur von einem ganz kleinen Theil respectirt werden. Die socialdemokratische Presse bläst zwar überall zum Angriffe und bringt an der Spitze in fettem Drucke gleichlautend die Worte: „WaS ist der erste Mai? Der Demonstration«-, Feier- und Ebrentag der Proletarier aller Eulturländer. Rüstet Euch zum Feste!" Da ist es denn auch begreiflich, daß aus dem Norden Deutsch lands fast überall Beschlüsse von Volksversammlungen und Gewerktchaften, den 1. Mai durch vollständige Arbeit«- ruhe zu begehen, gemeldet werden. Der Süden ver hält sich aber noch zurückhaltender. Maimarken werden rrsp. sind schon in einzelnen Orten in Umlauf gesetzt, um die Gemaßregelten zu unterstütze«. Um aber ausreichende Unterstützung leisten zu können, müßte vie Socialdemokratie Hunderttausende haben; denn wir in der ReichSdauptstadt, so wird man überall in den deutschen Städten auf den Versuch, der bürgerlichen Welt einen Feiertaa aufzuzwingen, die richtige Antwort rrtheilen. Die Cottbuser Fabri kanten haben ja gcreigt, daß sie sich von beraelaufenen Agitatoren keine Vorschriften machen lasten, und so wir die Cottbuser Industrielle» denkt die überwiegende Mehrzahl der maßgebenden Fabrikanten im Reich. Berlin, 22. April. (Telegramm.) Gegenüber der Mel dung der „Time-", daß auf dem am 14. April in der Tclagoa- Vai angekommenen deutschen Dampfer „BundeSrath" Zollbeamte Uniformen, Reiterstiefeln und Helme ausgrfunden bätten, und ein auf dem Dampfer befindlicher deutscher Officier Paste vorgewiesen habe, worauf die Gesellschaft weiter nach Pretoria gereist sei, kört die „Nordd. Allgem. Ztg.", der Deutsch-Ostafrika-Lmie in Hamburg sei durchaus nicht- bekannt, was für die Er zählung der „Times" Anlaß biete. Der „BundeSrath" hätte von Hamburg auS 3 deutsche Kaufleute, einen deutschen Ingenieur, 2 ander« Deutsche undeka nuten Berufs und «inen Wiener Ingenieur an Bord gehabt. Die in späteren Anlaufshäfen hiiizugckommenen Passagiere hätten fremden Nationalitäten angehört; nur 2 oder 3, darunter ein von einer Hamburger Firma angeworbener früherer Osfi- cier, feien deutsche Staatsangehörige gewesen. Das Reiseziel der meisten Deutschen fei Johannesburg und Durban gewesen. 6. ü. Berlin, 22. April. (Privattelegramm.) Die für die Vorbereitung des allgemeinen Tclegirteutage« kirr nationalliberalen Partei einge;etzte Commission har nach der „Nationalzeitung" beschlossen, denselben im Herbst nach Berlin zu berufen. (Wiederholt.) --- Die Reichscommission für Arbeiterstatistik vernahm gestern Auskunftspersonen über die Verhältnisse der Herren- und Knabenconfectivn in Nürnberg. Die Com mission hat damit die Vernehmungen von Auskunstspersonen in der Confeclion vorläufig abgeschlossen, etwa nolhwendig erscheinende weitere Erhebungen sollen später vorgenommen werden. Am 28. d. Mts. wird mit der Vernehmung der Auskunstspersonen aus der Wäscheconfection begonnen. — Behufs Zusammenstellung «iner Statistik der Arbeits gelegenheit in Berlin hatte der Centralverein für Arbeits- nachweis an scimmtltche Berliner Arbeitsnachweisstellen Frage bogen mit der Bitte versandt, dieselben möglichst genau auszufüllen, damit ein umfassendes Bild von Arbeitsangebot und Nachfrage, Art und Erfolg der Arbeitsvermittelung geboten werden könne. Diesem Plan« gegenüber haben sich di» Arbeitsnachweisstellen der Fach vereine völlig ablehnend verhalten, zum Theil sogar, wie die „Post" berichtet, die Ausfüllung der Formulare rund heraus ver weigert. — Auch dies beweist, daß die Fachvereine in den Arbeits nachweisen in erster Linie die socialdemokratische Kamps-Organisation sehen und erhalten wollen. Um so nothwendiger ist die anderweitige Organisation des Arbeitsnachweises. — Wie in parlamentarischen Kreisen bekannt wird, sind die agrarischen Kundgebungen aus den Wahlkreisen deS Cent rum« nicht ohne Einfluß auf die Partei geblieben. Das dürste sich sehr bald in der Commission für das Zucker steuergesetz zeigen. — Die „Deutsche Juristenzeitung" schreibt in ihrer Juristischen Rundschau über den ckolu» svoutuulls: „Die Rechtsprechung anlangend, so wird der ckolrw evsutuulis nack wie vor lebhaft angegriffen, und sorgfältig registrirt die Tagespreste jedes Urlheil, in welchem eine Verurteilung wegen eventuellem ckolu8 erfolgt. WaS sie aber nicht registrirt, ist, daß da« Reichsgericht vor nicht langer Zeit daS An wendungsgebiet de« ckalus ervntualir erheblich ein geschränkt hat. Während nämlich der oberste Gerichtshof im Allgemeinen davon ausgebt, daß Absicht und Vorsatz identische Begriffe seien, nimmt er neuerdings doch an, daß der blos eventuelle äolu8 nicht ausreicht, um die Absicht zu erschöpfen. Zur Absicht genüge nicht die Vorstellung von der Möglichkeit des Erfolges, zu dieser gehört vielmehr die Vorstellung de- Thäters, daß der Erfolg die nothweudigc, unvermeidliche Folge seines Handelns sein werde. (Entsch. v. R.-G. i. Strafst Bd. 27, S. 241.)" * Atel, 21. April. Nach dem Muster de« hiesigen See rn an nSh aus eS für Unterofsiciere und Mannschaften der kaiserlichen Marine sollen in Wilhelmshaven und Leer ähnliche Anstalten errichtet werbe». (Köln. Ztg.) * Lüchow, 20. April. Der wegen welfischer Um triebe gemaßregelte Pastor Budde hat in Schnega eine Privatschule eröffnet. Dabei hat, wie der „Hann. Cour." berichtet, die königl. Regierung die Genehmigung zur Er öffnung einer Privatschule in Schnega noch nicht ertheilt. * Brombcr», 21. April. Unter der Anklage der wissent lich falschen Anschuldigung stand der Stellmacher und Concipient Konstantin Gburczyk aus Glinke vor der Straf kammer des hiesigen Landgericht«. Der Angeklagte richtete im Oktober vorigen Jahres an das Districlsamt in Krone a. Br. ein Schreiben, in dem er den Ackerwirth Johann Franzkowski in Glinke beschuldigte, dieser habe eine Majestäts beletdigung begangen. Unterschrieben war da« Schrift stück mit dem Namen „Marohn". Die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführte Verhandlung endete mit der Ver urtheilung de« ««geklagten Drnuncianten zu «iner Ge fängnisstrafe von zwei Jahren. — Die Stadl Bromberg feierte kürzlich ihr 550jährige- Bestehen unter Betheiligung weiter Bürgerkreisr. E» war dir« di« erste derartige Gedenkfeier für die Brahestadt, die mit Recht eine Einiges über Lrutpflege bei Fischen. Nachdruck »erbeten. II. Wie bei vielen Naturerscheinungen sich verschiedene Stufen der Entwickelung vom Niedereren zum Höhereren nachweisen lassen, so ist eS auch mit der Brutpflege der Fisch«. Die Weibchen mancher Arten, dir zur Laichren zu Gesellschaften sich vereinigen, lassen den Rogen einfach in da« Wasser fallen, andere befestigen ihn an Pflanzen, Steine und dergl., ander« setzen ihn in von den Männchen durch Schwanz bewegungen in den Bodensand gewühlte Vertiefungen, zu denen sie von diesen getrieben werden. Es liegen Beobach tungen vor, nach denen auch in diesen, wenig verwickelten Fällen die Männchen den Laich bewachen. Da« Männchen des Moder- rampfer (I^vueaapiuo ckelwsntu»), eines kleinen, hin und wieder in den süßen Gewässern unseres Vaterland«- vorkommenden Weißfischchen«, bewacht die vom Weibchen um Stengel von Wasserpflanzen in Ringeln, wie die vom weiblichen Ringel spinner, abaesetztea Eier und stürrt wüthend auf jeden sich nähernden Fisch. Fortwährend erschüttert e- mit Schwanz schlägen di« Pflanze, an der die Eier befestigt sind. Für deren Entwickelung scheinen diese Erschütterungen, die vielleicht eine fortwährende Erneuerung de- Wasser- um und über ihnen ver- anlaffen, »öthig zu sein; wenigsten« verdarben solche, von denen man di« Männchen weagefangen hatte. Wir haben e» hier mit Männchen zu thun, die ohne Nest di« Eier bewachen. Auch da« Umgekehrte kommt vor, daß Nester oder doch nestartige Bildungen, allerdings, wie eS scheint, von den Weibchen angelegt werden, die sich nebst ihrem Inhalt« nicht der vorsorglichen Beachtung seitens der Männchen erfreuen. Derartige Nester können ganz oder theilweis« au« Schleim bestehen, den die Weibchen zugleich mit dem Laich von sich geben. Der Laich unseres gemeinen Barsche» wird in Schnüren abgesrtzk, die an Steine netzartig verklebt befestigt werden. Im November de« Jahre« 1883 fischte da» deutsche Schiff „Frida" aus Neermoor auf der Reise von Rio Janeiro nach Altona etwas nördlich vom Aequator einen leeren Korb auf, der mit einer Art von Netz ganz und gar überzogen war. Diese« Netz bestand au« vielen dicken und dünnen unregelmäßig neben- und übereinander herlaufenden Strängen von 1—3 mm Dicke, die ihrerseits wieder au« sehr feinen Fäden zusammengesetzt waren. An diesen hingen zahlreiche Eier, und da« ganze Nest sah aus wie ein kunstlose-, mit Perlen besetzte« Seidengewebe. Seine Dicke betrug durch schnittlich k mm, stieg aber stellenweise auf 10. An den beiden Polen der ovalen Eier entsprangen sehr feine Fädchen von verschiedener Dicke, mittelst deren sie an den Haupt fäden hingen. Von welchem Fische diese« Nest herrührte, war nicht festzustellen. Nester, die wesentlich au- jenen, die gewaltigen Saraasso- wiesen zufammensetzenden Algen bestanden, sind im Atlan tischen Ocean mehrfach gefunden worden. E- sind Ballen so groß wie zwei Fäuste, und sie bestehen aus Zweigen und Blättern der Sargassoalae, die nicht blo- zu dieser runden Masse zusammengeballt, sondern ordentlich und scheinbar mit Bedacht zusammenaeknüpft und gewoben sind. Die Haupt masse wird durch Fäden eingetrocknrten Schleime- zusammen gehalten, die in jeder Richtung den Taug durchziehen. Di« Jnnenmasse ist dichter zusammengestrickt, während außen die Zweige und Blätter lockerer hängen. An diesen Fäven sind in unregelmäßiger Bertbeilung, aber in großer Zahl steck- nadelknopfgiotzrEier befestigt und zwar durch daS ganze Bündel, nicht auf einen bestimmten Raum beschränkt. Der Ver fertiger dieser Nester ist ein sehr seltfamer Fisch, der Krvtenfisch (Llüroueetes plctN8), aber mau weiß nicht, ob daS Männchen oder da- Weibchen, wahrscheinlich aber da- lektere. Die Krötenfisch« sind echt« Kinder ihrer Heimaty, der großen Tangwälder de« Sargassomeere«. ES sind Nein«, großköpfiae Fische von plumper Ge stalt, etwa wir eine kurze Gurke. Ihre Brust flossen sind arniartig entwickelt und sie, die sehr schlechte Schwimmer sind, klettern damit geschickt in dem Algengewirr herum. Ihre Farbe ist sehr merkwürdig. Wenn man einen solchen Fisch einzeln vor sich hat, sagt man sich, e« könne kaum etwas Buntere- geben, und er müßte mit Hellen und dunklen, braunen, röthlichen, gelblichen und weißen Flecken und Marmorirungen ein sehr auffälliger Bewohner deS MeereS sein. Aber gerade da« Umgekehrte ist der Fall! Ihre Farben, in ihrer unregelmäßigen, asymmetrischen Bertbeilung, copiren die der Tangblätter, die mit kleineren röthlichen Algen, gelb lichen und weißen MooSthier-, Schnecken- und Wurmgebäusen besetzt, die durch allerlei Beschädigungen dunkelgefleckt sind, so täuschend, daß man nur durch Zufall einen Omron6ete8 er wischt, oder, nachdem man ibn bei seinen Bewegungen über rascht hat. Es spricht Manches dafür, daß diese Nester durch einfaches Ueberspinnen der Tangmassen mit beim Laichen zugleich abgesondertem Schleim zu Stande kommen werden, daß e« also mehr zufällige Bauten sind und nicht, wie dir der Stichlinge, in bestimmter Absicht ausgeführte. Ein« besonders in den Familien der Meergrundeln (OobiickLe), Schleimfische (Llölwiickav) und Groppen (Oottickn«) sehr allgemein, aber auch sonst noch hier und da austretend« Art der Nester wollen wir einmal Lochnesler nennen, weil zu ihrer Anlage irgend eine Höhluna in einem Felsstück oder Pfahl, unter einem hohlliegrnden Steine oder unter einer Muschelschale gewählt wird. Ein französischer Forscher, F. Guitel, hat aus dem Studium solcher Nester und ihrer Verfertiger eine Specialität gemacht und ist, obgleich der- artige Erscheinungen schon lange gekannt und beobachtet waren, zu hübschen Resultaten gekommen. Die Meergrundeln führen ihren Namen nicht alle mit Recht, denn e« giebt Formen, die auch das süße Wasser be wohnen, aber die nämiichen Nistgewohnheiten haben wie ihre maritimen Vellern. Der deutsch-russische Forscher von Nordmann beobachtete da- Nest einer solchen «üß- waffergrundel in einem reißenden GebirgSflüßche» Rußlands. An einer ruhige» Stelle war in der Uferwand unter einem mit MooS bewachsenen Vorsprung eine armStiefe Höhlung. „AuS dem Eingang guckte «in Fisch mit halbem Leib« heraus, und al» ich meinen Arm vorsichtig nach ihm auSstreckte, zog er sich ebenso vorsichtig und bedächtig zurück." Als die Höhle bloßgelegt war, zeigte sie sich mit feinem Reißig, kleinen Zweigen, abgesallenen Blättern und Gra« au-gepolstert An ihrem Ende befand sich ein backofenförmiges, aus dicht zusammengefügten Pflanzearesten bestehende« Nest, gefüllt mit Laich. Die meerbewohnende kleine Meergrundel (6c>diu8 miuutu8) findet sich fast nur am Ufer in solchem Wasser, dessen Boden sandig und mit den Schalen gewisser Äeichthiere (Herz muscheln Venu-muscheln, Tellerschnecken u. s. w.) bedeckt ist. Unter solchen, auf der hohlen Seite liegenden Molusken- schalen, legen die Männchen de» kleinen hübschen Fischchens das Nest an. Sie bedecken sie mit Sand, den sie aus der nächsten Nachbarschaft mit ihrer Schnauze au-wühlcn, wo durch sie Furchen in den Boden machen, die sich slrahlig in der Muschel als Mittelpunkt vereinigen. Die Schale wird bis auf eine entsprechend große seitlich unter ihr befinvliche Oeffuung, die als Eingang dient, bedeckt. Da« Männchen nöthigt laichreise Weibchen in sein fertiggesteüteS Quar tier. Wenn ein« von ihnen seinem Drängen nachgegeben bat und da» Herrenzimmer besucht, so legt es sich auf den Rücken und befestiat die Eierchen auf der Innenseite der Muschel, so daß diese von ihnen wie von einem Mosaik bedeckt ist. Größere Männchen suchen sich größere Kouchylieuschalen, kleinere kleinere au«. Guitel vertauschte eine kleinere Schale (von Inpos), die sich «in kleine» Männchen erwählt hatte, in dessen Abwesenheit nut einer größeren von Vouns. Dem kleinen Burschen gefiel da» neue Quartier nicht, e« war ihm offenbar zu geräumig, er umschwamm «S einigemal und ging rann auf die Such«, bi» er in einem Winkel de« Aquariums vie entfernt« Tnpoo-Schal« entdeckte, aber auf der gewölbten Seite liegend. Er inspicirte sie genau, umkreiste st« wieder holt, schlüpfte, soweit r« ihm möglich war, unter sie und nahm sie von hier, dann von oben m Augenschein, al- ob er die gewölbte und die hoble Seit« einer genauen Vergleichung unterwerfen wollte. Dann erfaßte er die Schale am freien Rand und schlug, sich mit dem Maule festhaltend, einen Purzelbaum mit der Schal«, so daß dies« durch das Manöver auf die hohle Seite zu liegen kam, wie er es wünschte und braucht«. Sofort schlüpfte er nun wieder unter sie. In Ermangelung von Muschelschalen sucht sich die klein«
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