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Großenhayner unterhaltungs- und Intelligenz-Blatt. 34. Stück. XX.Zchrg. Sonnabends / den 18. August 1832. Die Rose an den Dichter. lustwandelnd irrtest Du im großen Haine Und hast mir Lied und Seufzer zugesandt; Du liehest Schönheit, Geist wir und Verstand, Wie einfach ich mir selber auch erscheine. Sagt' ich entscheidend: „ Nie werd' ich die Derne! " So sprach ich nur, was tief mein Herz empfand; Zum Strauß mich binden darf mich nur die Hand Des SLillerwählten, den ich einzig meine. Du nennest eine wilde Rose mich, - Weil ich nicht zahm mich. Deinem Wunsch ergeben. W i l d war Dein Sinn nur, fr e i die Wahl für mich. Nimm darum die Erfahrung für das Leben, Die Jeder kennt, der fühllos nicht und blind, Daß ohne Dornen nicht die Rosen sind! A. B e r m i s ch t e s. Im Bad Gastein in Tyrol wären die Badegäste am 26. Juli beinahe Schlitten gefahren, so viel Schnee lag. Ein Paar Tage vorher war 29 Grad Hitze in der Sonne. Zn Esthland erfrören am 20. Juni die Kartoffeln; am andern Mittag ver nahm man einen eigenen, immer kurz abgebrochenen Donner mit seltsamer Lusterschütterung, ohne daß Gewitterwolken oder Blitz zu bemerken waren. Gleich darauf war der Sommer fertig, und hie Wärme - dauerte bis zum 3. Juli. — Am 20. Juni ver spürte man zu Lissabon ein Erdbeben. Auf der protestantischen Kirche zu München, an der so lange gebaut worden ist, sind nun die Glo cken aufgezogen worden, und werden bald hell und freudig die Einweihung der Kirche ein- und man ches böse Gerücht zu Grabe läuten. Die Stadt Frankfurt ist glücklich in Basel an gekommen ; es ist das Dampfboot, das die preu ßisch-rheinische Dampfschifffahrts-Gesellschaft in Cöln abgeschickt und das zum ersten Mal die schwierige Fahrt gemacht hat. Der ganze Rhein wird also jetzt von Dampfschiffen beführen; und wenn der Baseler am Sonntag nach der Kirche sich zu Schiff setzt, so kann er die Mittwoch schon zum Markt in London feyn. Die stuttgarter Bürger wollten am 3L.Ju!i dem König eine Adresse in Beziehung auf die Bundes- Beschlüsse vom 28. Juni, die mehr als tausend Unterschriften zählte, überreichen. Die Adresse war auch von vielen Staatsdienern , Advocaten u. f. w. unterzeichnet, und an der Spitze stand der Name Uhland's. Die offene Erklärung, welche die Regie rung dem Bundes-Beschlusse beigefügt, und worin sie die Unverletzbarkeit der würtembergischen Ver fassung versichert, hat in Wrrtemberg Vertrauen und BeruhiM bewirkt und allgemein einen wohl- thätigen Eindruck gemacht. Das zarte, kaum fünf Monate alte Kind der deutschen Freiheit, die badische. Preß-Freiheit, ist wieder gestorben. Prinz Adalbert von Preußen, ein Neffe des Königs, ist nach Edinburg gereist, um Karl X. einen Besuch zu machen. Won London aus will man uns mit Zeitungen versehen; es erscheint dort von jetzt an der deutsche Anzeiger und die deutsche Sonne. Wenn nur die Fensterladen die Sonne durchlasien. Die Kriegspropheten sind nun ihrer Sache gewiß, sie haben glücklich den alten Kriegsverkündiger ge funden — einen Kometen, der von einem Astrono men zu Marseille entdeckt worden ist, aber — wie der Krieg-— nur durch gute Fernröhre zu erkennen ist. In Würtemberg circulirt eine Rechtsverwühruttg gegen die Bundesbeschlüffe vom 28. Juni, dje in schlichter und kräftiger Sprache geschrieben ist. — «Wir thun es um unserer Kinder willen v, heißt es, «damit diese nicht einst uns den Vorwurf machen können: Ihr habt geschwiegen, M man