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Amts- M AnzeigMatt und dessen Umgebung INI« ^5 48 Erscheint täglich abends mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage für den fol genden Tag. JnsertionspreiS: die kleinspaltige Zeile 12 Pf. Im amtlichen Teile die gespaltene Zeile 30 Pf. Fernsprecher Nr. 2lß Verantwortlicher Redakteur, Drucker und Verleger: Emil Hannebohn in Eibenstock. 57. Jahrgang. Dienstag, den 1. März Absuuemeut viertelj. 1 M. 50 Pf. einschließl. de« .Illustr. Unterhaltungsbl.' u. der Humor. Beilage.Seifen blasen" in der Expedition, bei unseren Boten, sowie bei allen Reichspostanstalten. Leltgr.-Adressr: Amtsblatt. für den Syirk des Amtsgerichts Eibenstock 3. Deutliche Sitzung des Stadtverordneten - Kollegiums Mittwoch, den 2. März 1910, avends 8 Hlyr im Sitzungssaal« des Rathanfes. Eibenstock, den 28. Februar 1910. Der Stadtverordnetenvorsteher. Hirschberg. 1) Beschlußfassung wegen Uebernahme einer Strecke der Eibenstock-Aucrbacher Staatsstraße in städtische Unterhaltung. 2) Fnßwegbefestigung mit Tonsteinchen längs der Kirche an der Hauptstraße. 3) Unterhaltung der Anlagen am Brühl. 4) JnventarauSbefserungen im Rathaushotel. 5) Bestimmung des Veranlagungssatzes für die Gemeindeeinkommensteuer auf das.Jahr 1910. 6) Entwurf eines Regulativs über das Schornsteinfegerwesen. 7) Bekanntmachung über das Nuscheln usw. auf den Straßen im Stadtbezirke. 8) Fortsetzung deS Versuchs mit dem Fortbildungsschülerturnen. 9) Reichsgesetz über die Aenderung der Gewerbeordnung (Heimarbeit) betr. 10) Beschlußfassung wegen Richtigsprechung städtischer Rechnungen vom Jahre 1908. 11) Dankschreiben. Deutschland und Holland. Es ist eine Tatsache, in die wir uns finden müssen, daß auf holländischer Seite gelegentlich irnmxr wieder einmal das cklte Mißtrauen gegen deutsche Annektions gelüste wach wird, wie uns das erst jüngst die Anfrage des Herrn van Heekeren in der holländischen ersten Kammer von neuem veranschaulicht hat. Wir würden über diesen an sich bedeutungslosen Zwischenfall da- her auch kein Wort verlieren, wenn er nicht zu einigen» wie ums scheint, zeitgemäßen Reflexionen Anlaß böte, die auch unser Verhältnis zu England betreffen. Das heutige Königreich der Niederlande ist eine Schöpfung des Wiener Kongresses und verdankt spe ziell den Bedürfnissen der englischen Politik seine Ent stehung. Der mehr als hundertjährige Kamps Eng lands und Frankreichs, der damals seinen Abschluß sand, war ja von französischer Seite in seinem letzten Grunde nichts anderes als ein Kampf um den Besitz der holländischen und belgischen Küste gewesen. Frank reich auf der Höhe seiner europäischen Stellung unter Ludwig XIV. hatte in begreiflichem Expansionsdrang seine Hand nach diesen Gebieten ausgestreckt. Für Eng land dagegen war es damals ein Kardinalsatz seiner Politik geworden, die Niederlande unter keinen Umstän den in die Hände der Franzosen fallen zu lassen. War Frankreich einmal im Besitze der Schelde- und Maas- Mündung, so war ja die Vormachtstellung des engli schen Handels definitiv niedergebrochen. Unter Na poleon l. war dann Frankreich für einen Moment ans Ziel seiner Wünsche gelangt. Nach seinem Sturze war es daher Englands vornehmstes Bemühen, künftigen französischen Gelüsten einen festen Riegel vorzuschicben. Aus diesem Grunde ist es gerade diese Macht gewesen, die auf dem Wiener Kongreß die machtvolle Aufstel lung des preußischen Staates auf dem linken Rheinuser betrieb und fast gegen den Willen der preußischen Staatsmänner durchsetzte. Das neue Königreich der Niederlande sollte eben an Preußen einen Hort und Schützer gegen französische Uebergriffe erhalten. Das alles gehört heute der Geschichte an, und dennoch, so meinen wir, kann auch jetzt noch der poli tische Publizist daraus lernen. Freilich, die Verhält nisse haben sich seitdem verschoben, Frankreichs Aus dehnungs-Tendenzen sind wohl endgültig begraben, und Hamburg und Bremen sickd die großen Konkurrenten, des englischen Handels geworden. Ja, wenn Rotter dam und Antwerpen im letzten Menschenalter wieder einen mächtigen Aufschwung genommen haben, so sind eben doch auch sie jetzt vorwiegend Ausfalltore des ge waltigen Exportes. Und hier nun liegt die Ursache für den leidenschaftlichen Argwohn, mit dem nicht bloß die holländische, sondern vor allem auch die englische öffentliche Meinung unser Verhältnis zu Holland be trachtet. Nicht Frankreich scheint heute die Selbstän digkeit dieses Landes zu bedrohen, sondern die Macht, deren beispielloser kommerzieller und wirtschaftlicher Aufschwung das stolze Albion auf so vielen Gebieten einengt und mit Schrecken erfüllt. Und die praktischen Konsequenzen dieser Betrach tungen? Mißtrauen und Uebelwollen der anderen müs sen wir ertragen und können es, solange wir ein rei nes Gewissen haben. Mr müssen uns nur vor einem hüten : diesem Uebelwollen selber Nahrung zuzuführen. Und in dieser Beziehung läßt es unsere Presse doch hie und da an sich fehlen. Bei der Besprechung des Falles Heekeren war gerade in nationalen Blät tern wieder einmal die Rede van der „unhaltbaren Stellung", die das heutige Holland in seiner Isolierung vom Gesanrtdeutschtum einnehme. Ja, was heißt das denn anders, als daß Holland sich an Deutschland an lehnen müsse und eine engere politische Verbindung beider Länder in ihrem beiderseitigen Interesse an zustreben sei? Das aber ist es gerade, was wir auf das entschiedenste bestreiten. Und zwar soll das nicht bloß heißen, daß wir den Anschein solcher Bestrebungen vermeiden müssen, sondern daß selbst geheime Wünsche, die in dieser Richtung liegen könnten, so gefühlsmäßig falsch und so töricht wie möglich sein würden. Gewiß, in dem Augenblicke, wo England sei- I nerseits Miene machte, seine Hand auf Holland zu legen, I läge die Sache anders für uns. Dem müßten wir mit allen Mitteln und um jeden Preis entgegentreten, - auch um den unserer eigenen Existenz. Aber so lange England Hollands Neutralität, die es selbst geschaffen, respektiert, haben auch wir unsererseits wahrhaftig kei neu Grund, ein englisches Lebensinteresse zu verletzen, und sei es auch nur mit unklaren Wünschen und unbe dachten Worten. Tagesgeschichte. Leutschlnu». Schlußwort zu Aehrenthals Besuch. Der halbamtlichen „Südd. Reichskorr." wird aus Ber lin geschrieben: Die Aussprache zwischen dem Reichs kanzler und dem Grafen von Aehrenthal über die schwebenden Fragen der Politik ist unter Eindrücken er folgt, die sachlich befriedigend wie persönlich angenehm sind. Dies mag für gewisse ausländische Kritiker ge sagt sein, die vor der Ankunft des Grafen von Aohren- thal in Berlin bemüht waren, einen frostigen Verlauf seines Besuches vorauszusagen, und die es vielleicht auch künftig für eine besondere diplomtische Kunst hal ten werden, Berlin und Wien gegeneinander mißtrauisch zu machen. Man ist nicht müde geworden, auSMstreuen, Deutschland blicke mit scheelen Augen auf die sich vor bereitende Annäherung zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland. In Wirlichkeit lag kein Grund vor, uns wegen diplomatischer Unterhandlungen zu beunruhi gen, über deren Zweck und Inhalt wir von beiden Sei ten fortlaufend unterrichtet werden. Wir haben zu viel Achtung vor der Selbständigkeit der österreichisch ungarischen wie der russischen Politik, um Winke für die fernere Gestaltung des Verhältnisses zwischen den beiden Kaiserreichen zu erteilen oder Versuche Mr Her stellung eines Einvernehmens mit gönnerhaften Lob sprüchen zu begleiten. Aber wir brauchen nicht zu ver schwatzen, daß auch wir Interesse nehmen an dem Schwinden einer Entfremdung, die in Wien wie in St. Petersburg als abnorm und als störend empfunden wird. Zwischen zwei Großmächten, von denen eine uns fest verbündet, die andere durch keinen naturnotweu- digen Gegensatz in großen Fragen von uns getrennt ist, gibt es für Deutschland nicht die Rolle des tertius gauäen8, die übrigens bei der zunehmenden Verflechtung der Interessen für keine Großmacht zeitgemäß ist. Der Ausblick auf die politische Gesamtlagc erscheint nichk un befriedigend. Das Vertrauen in die Fortdauer einer überwiegend günstigen Entwicklung gründet sich aber darauf, daß im Verkehr der Mächte gutwillige Stim mung und europäischer Geist gepflegt und gestärkt wer den. Wir sind gewiß, daß hierzu die Besprechungen der Dreibundstaatsmänner, jetzt in Berlin und später in Rom, das ihrige beitragen. Reichstagsdispositionen. Bon zustän diger Seite ist der „Mil.-pol. Korrespondenz" der 18. März, der Freitag vor Palmsonntag, als der für den Beginn der Osterferien mit Sicherheit in Aussicht ge nommene Tag bezeichnet worden. Bei der R e i ch s tu g s sti ch w a hl im Wahl kreis Mülheim-Wipperfürth wurde Dr. Marx (Zentrum) gewählt. — Die Pensionsversicherung der Pri vatangestellten ist um einen bedeutsamen Schritt vorwärts gekommen. Vor kurzem wurde der Vorsitzende des Hauptausschusses vom Staatssekretär Dr. Delbrück empfangen, wobei die einschlägigen Fragen in Gegen wart des Ministerialdirektors Casper und des Ge Heimrats Koch besprochen wurden. Danach ist der Gesetzentwurf in Arbeit, nur kann der Zeitpunkt der Ausgabe der Gesetzesvorlage noch nicht bestimmt wer den. Hauptsächlich scheinen die Finanzfrage, die recht liche Gestaltung und die Verwaltung der neuen Kasse Schwierigkeiten zu bereiten. Voraussichtlich tritt die Siebenerkommission des Hauptausschusses Ostern zu samme-n, während nähere Angaben über die Einberu fung des allgemeinen Privatbeamtentages noch nicht möglich sind. Die amerikanische Ausstellung in Berlin ist zwar eine beschlossene Sache gewesen, wird möglicherweise aber doch nicht veranstaltet werden. Die Bemerkung des Staatssekretärs Delbrück im Reichs tage, daß weder die Reichs- noch die preußische Regie rung zur Förderung dieser Ausstellung in der Lage sei, hat in den Vereinigten Staaten starke Bestürzung hervorgerufen. Der Präsident des amerikanischen Ko mitees für die Ausstellung, Hermann Metz, rief in Newyork sofort die Interessenten zusammen, um mit ihnen zu beraten, ob die Ausstellung nach der.Erklä rung des deutschen Regierungsvertreters überhaupt noch einen Zweck habe. Die Ausstellung sollte die Freund schaft zwischen den beiden Nationen befestigen, jedoch will sich Amerika Deutschland keinesfalls aufdrängen. Der deutsche Zündholz-T ruft, der sich in aller Stille gebildet hat, umfaßt bereits 85 Pro zent der gesamten Produktion. Die „Dtsch. TageAztg." erörtert den Gedanken, ob der Zusammenschluß zu ei nem mächtigen Privatmonopol nicht Gelegenheit biete, die Zündholzindustrie zu verstaatlichen. Das Diamante n f i e b e r. Um die Diaman tenausbeutuug in Deutsch-Südwestafrika hat sich ein unausgeschriebener Wettbewerb entwickelt. Auch die angesehene Hamburger Firma Karl Bödiker u. Co. hat, wie der „Berl. Lok.-Anz." mitteilt, dem Reichskolo nialamt das gleiche Anerbieten wie verschiedene Lü- deritzbuchter Bergwerksbesitzer gemacht, wonach dem Fiskus 80 Prozent der Förderung ans dem Sperrgebiet zuflicßen sollen. Oesterreich-Nngarn. Die österreichisch-russischen Aussöh nungsverHandlung en haben zu einem erfreu lichen Abschluß geführt. Die amtliche Bekanntgabe des Ergebnisses wird noch in dieser Woche erwartet. Von günstigem Einfluß auf den Gang der Verhandlun gen waren die amtlichen Mitteilungen über das Resul tat der Unterredungen zwischen dem Grafen Aehren thal und dem Reichskanzler von Bethmann-Holllveg, und darin besonders die Feststellung, daß Oesterreich wie Deutschland zur Aufrechterhaltung des »tatus quo auf dem Balkan entschlossen sind. Rußland. Glückliches Rußland! Was keinem ande ren großen europäischem Staate vergönnt ist, das ist Rußland zuteil geworden: Ein Budget ohne Defizit! Das ist etwas so außerordentliches, daß man beinahe auf den Gedanken kommen könnte, es seien kleine Mo geleien vorgenommen worden, um den Etat in einem so glänzenden Lichte erscheinen zu lassen. Die Mög lichkeit dazu ist ja nicht völlig ausgeschlossen, da das Budgetrecht der Duma doch nur eiln recht be schränktes ist. Hats aber mit dem defizitlosen Etats Abschluß seine Richtigkeit, dann können wir Rußland zu seiner Glanzleistung nur beglückwünschen. Schweden. Stockholm, 27. Februar. Die Aerzte raten dem König, nach der jetzt glücklich beendeten Krankheit zur vollständigen Wiederherstellung seiner Kräfte ei nige Zeit in einem milderen Klima znzubringen. Wahr scheinlich wird die Abfahrt nach dem Süden Mitte März stattfinden können.