Volltext Seite (XML)
E Großenhainer Anter!) altungs- und I^n^eiAebtatt. Gedruckt, verlegt und redigkrt von Herrmann Starke in Großenhain. 90. Sonnabend, den 12. November 1853. Bei der vor Kurzem erfolgten Ausloosung der zur Anleihe der Stadt Hain vom Jahre 1833 gehörigen Pfandbriefe ist unter anderen der mit Intt. 0 Nr. 255 bezeichnete Pfandbrief über 25 Thlr., behufs seiner Auszahlung mit Ende des Jahres 1853, gezogen worden. Da der jetzige Eigenthümcr desselben unbekannt ist, so wird dieß hierdurch mit der Auf forderung an den Besitzer bekannt gemacht, den gedachten Pfandbrief bis zum Jahresschlüsse bei uns zu präsentiren und Kapital nebst Zinsen gegen Zurückgabe des Documents in Empfang Schickert, Bürgermeister. zu nehmen. Hain, am 2. November 1853. Tagesnachrichten. Sachsen. In Geringswalde bei Marienberg kamen bei dem Brande eines Hauses drei Kinder um. — Prinz Georg hat eine Reise nach Italien angetreten. — In Dresden erschossen sich in einer Woche vier Soldaten. Preußen. Der Eingangszoll auf Reis ist bis zum Schlüsse laufenden Jahres aufgehoben. — Am 6. November ward der Prinz Friedrich Wilhelm, Sohn des Prinzen von Preußen, unter großen Cermonicn in den Freimaurerorden ausgenommen. Gegen 60 Abgeordnete der verschiedenen Logen wurden hierauf zur prinzlichen Tafel gezogen. — Im Münsterschcn ward eine Bande entdeckt, welche für 15 Sgr. falsche Eide schwur. — Die „Deutsche Volkshalle" enthält ein großes Emiosum. Sie warnt nämlich die Gläubigen vor Betrügern, welche heiliges Walburgisöl gegen Reißen u. verkaufm, während dieß nur acht in dem Kloster St. Wal- burgi zu Eichstädt zu erhalten sei. Zugleich muthet sie den Leuten zu, zu glauben, daß dieses achte Del aus den Brustgebeinen der vor 800 Jahren gestorbenen heiligen Walburgis aussickere, und dieß Alles im Jahre 1853. Baiern. Bei Eröffnung der neuen Pinakothek in München ward von den Künstlern dem König Ludwig ein Fackelzug gebracht. Dieser kunstsinnige Fürst hat bereits neue Aufträge zu Bauwerken ge geben, und verdient überhaupt seiner mannigfachen Vorzüge und Bcthätigung deutscher Gesinnung wegen, daß man Manches mehr übersieht, als dieß gewöhnlich der Fall ist. — Bei Straubing kam es zwischen Bauernburschcn an einer Kirmeß zu einer förmlichen Schlacht mit Pistolen, Messern rc. Kurhessen. Die Ebbe in der Staatscasse wird als so groß geschildert, daß man selbst die Aus zahlung der Gehalte für nächstens bezweifelt. Dabei bezieht Hassenpflug selbst aber jährlich 6000 Thaler, fast noch einmal so viel, als alle vorigen Minister.— Eme in Leipzig erschienene Schrift „die kurhessische Verfassungsfrage" ist überall, selbst bei Privaten, confiscirt worden. Der Kurfürst selbst soll über die darin zu Tage gebrachten Thaten seiner Räthe sehr aufgebracht und eine Ministerkrise die Folge gewesen sein. — Ein früherer Freund Hassenpflugs, Professor Ilse, erklärte öffentlich, daß er keine Landlagsacten als ehemaliger Abgeordneter unter schlagen habe. Es konnte nämlich ein wichtiges Actensiück nicht mehr aufgefunden werden; Ilse fügt seiner Erklärung hinzu, baß er, „Unheil ahnend", eine Abschrift früher sich davon genommen und da mit dienen könne. — Am 5. Novbr. hatte der Graf Isenburg, Schwiegersobn des Kurfürsten, einen Wortwechsel mit Hassenpflug auf der Hubertusjagd. Abends nach der Tafel fährt er zu demselben, um ihn zur Rede zu stellen, und da er schon im Theater ist, läßt er ihn Herausrufen. Als Hassen- pfluq bei seinen Ausdrücken bekarrt, ergreift der Graf einen ihm von einem Lakaien nachgetragenen Stock und prügelt den Premierminister dermaßen ab, daß er zuletzt nur noch ein kurzes Rohrstück in der Hand hat. Hierauf verläßt er den Minister bluttriefend und voller Beulen an Kopf und Ge sicht, und ist verreist. Die Grünke der Execution sind noch nicht klar. Der Kurfürst und die erste Kammer haben dem Minister Beileidsschreiben zu gehen lassen. Holland. In Leyden ward als „Abtheilung Niederlande" ein Haupt-Gustav-Adolph-Verein gegründet. Italien. Nachrichten aus Rom vom 31. Octbr. zufolge kamen dort aus vielen Gegenden des Kirchen staates, noch immer Personen an, welche Pässe nach der Türkei forderten, um in die türkische Armee einzutreten. — Es werden immer mehr Thatsachen