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01-Frühausgabe Leipziger Tageblatt und Handelszeitung : 05.05.1914
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1914-05-05
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id84535308X-19140505015
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id84535308X-1914050501
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-84535308X-1914050501
- Sammlungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Handelszeitung
-
Jahr
1914
-
Monat
1914-05
- Tag 1914-05-05
-
Monat
1914-05
-
Jahr
1914
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Morgen-Ausgabe Sezugspreise: 7.'«"LL".'L monatlich »tortiNahrllch Z.7S M. 0«i Ser G»ft><tft»st»ll», uv fern Ziltaien ua» Hu»gad»st»Uen adgeholt: monatlich l M.,viert,l>ahrltch Z M. durch »le Post: innerhalb veutfchlan», un» »er Srutschrn stolonlra mouatlich 1.S» M., olrkirliahrltch 4.S» M., auofchlleAUch postdrstrUgrl». va»L»lp,is»rckag«blatt erscheint Werktag» »mal, Sonn-u.ZeiertagsImat. ä» Leipzig, »en Nachbarorten un» Sen Orten mit eigenen Ziltalen wir» »ie -id«n»au«,ade noch am stbenü üe» Erscheinen» in» hau» geliefert. Srrlinrr NeSakttonrdn »en Zelten 17-Zerosprech-Nnschluh: Moabit Nr.»47. ArrrtsblrUt des Rate» urrd des polrreüurULS der Stadt Leipzig NeSaktion un» Srfchüft»steUr: ?»hanni«gaff» Nr.». o Zernsprech-hnschluh Nr. t»b»2, I«»4Z un» I»»»«. ISS. Jahrgang »«.kk». kiir Inserate au» Leipzig un» Umgebung »>« /»kHAsiAknpkkls». ,spaitigePetit,»il»2LPf.,»I, Neklame'7'»> NI., von au»w<irt» 10 Pf., Neklomrn >.20M., llirin» st»,eigen »iepetNzc nur r»pf.b.Wtr»erkol.Nad.,Inserate oonvrbSr»en im amtlichrnLeil Sie Petit» zett» 10 Pf. Sefchästoan,eigen mit plaboorschrift im Preis» »rhSbt. Nodatt nach Laris. Seiiagen: »esamtaufl.SM.»a«Lausen» au»schl.postg»dübr. stnzeigen-stnaahme: Iohanni»galsr», bei sämtlichen;>iial»n »e« Leipziger Tageblatt«» un» allen flnnoacen Lxpr»itionen »es In» un» stuslan»«». Seschüftsslell» für Serltn u. »>« pr. SranSenburg: direktionWalterZliegcl, Scriin w. ,0, Margarethenstraß« S. Zernsprech-stnschluS: Lukow «»71. Nr. 225. vienswg, üen S. Mai. 1914. Das wichtigste. * Die Zweite Kammer überwies am Montag das Dekret über den Ankauf des Leipziger PolizeigcbäudeS der Fi nanzdeputation ä und erledigte dann meh rere Etattapitel. * Der Reichstag beschäftigte sich am Montag mit der zweiten Lesung des Kon- kurrcnzklausclgcsctzcS. (S. Art. und Ber.) * Die französische Regierung beabsichtigt eine internationale Konferenz zum Schutze seltener Vögel cinzuberufcn. (S. Ausl.) * In Italien herrscht große Mißstim ¬ mung über die italienerfcind lichen Kundgebungen der Slowenen in Triest. (S. Ausl.) * In Manzanillo ist der mexikanische Dampfer „Luella" auf eine Mine ausge laufen und zerstört worden. (S. bes. Art.) Vas Urteil über Italien. In der deutschen Presse sind in der letzten Zeit außerordentlich ungünstige Urteile über die italienischen Zustände veröffentlicht worden. Wie ließe sich auch der Ernst der Sach lage leugnen! Die Regierung steht vor der schweren Aufgabe, die Folgen des mit so viel Begeisterung geführten afrikaniscl)en Krieges auszugleichcn, und wenn es auch übertrieben wäre, zu behaupten, diese Aufgabe sei über haupt unlösbar, so sind doch die augenblicklichen Umstünde nichts weniger als günstig. Der (Ge rechtigkeit halber muß der Regierung zugestan den werden, daß sie, als sie den Krieg unter nahm, einem großen politischen Ziel nachging und dabei von der Mehrheit des Parlaments ebenso unterstützt wurde wie von der Bolts- meinung. Die Sozialisten waren allerdings Gegner des Krieges, und sie haben es jetzt leicht, sich auf ihre Weisheit zu berufen, aber bei Beginn und während des Krieges zeigten sie sich der nationalen Begeisterung gegenüber machtlos. Was die Regierung nicht gut vor aussehen konnte, war das Zusammentreffen der wirtschaftlichen Umstände, die jetzt ihre Aufgabe erschweren. Es ist wahr: der Krieg hat IV- Milliarden Lire gekostet, und das war für Italien ein großes Opfer. Es kann unmöglich sofort wieder eingebracht werden. Man vergesse auch nicht die Nachwirkung des Unglücks von Messina, das das ganze Land als ein schweres Schicksal traf. Hinzu kam als Folge einer starken Ueberproduktion der Niedergang einer Reihe von Industriezweigen, der auch nur allmählich überwunden werden kaum Es ist nach alledem nicht recht einzusehen, weshalb gerade von deutschen Blättern so sehr auf die Dring- lichkeit neuer Flottenbauten und der Neuorga nisation des Heeres hingewiesen wird. Es ist doch ein offenbarer Widerspruch, wenn in den Reden der maßgebenden Staatsmänner Europas — man denke nur z. B. an des Grafen Berchtold 'Delegationsredc — die ganze Welt wie in rosen farbenes Licht getaucht erscheint und die allge meine Entspannung verkündet, gleichzeitig aber gerade von Italien eine Beschleunigung neuer Rüstungen verlangt wird. Auch im Namen des Dreibundes ist solche Ueberspannung im Augen blick nicht zu rechtfertigen; cS ist im Gegenteil zu wünschen, daß Italien sich zunächst einmal von seinen Anstrengungen erhole, denn nur ein innerlich und äußerlich starkes Italien kann ein volles Gelvicht in die Wagsck)ale werfen. Es ist übrigens, wie versichert wird, falsch, wenn behauptet wird, die notwendigen Aufgaben der Heeresverwaltung seien bereits unter Äktcn- staub begraben. Die Regierung wird damit hcr- vortrctcu, sobald sic das verantworten kann. Zu den Schwierigkeiten, die sich, wie man meinte, zu einem Verhängnis auswachsen soll ten, zählte man auch den angeküudigteu General streik der Eisenbahner und Beamten. Aber cs hat sich bereits herausgcstcllt, daß auch diese Gefahr überschätzt wurde. Ebenso unsicher waren und sind die Prophezeiungen über die Folgen des Giolittischcn Wahlgesetzes. Es ist eine Ueber- trcibung, wenn die Zahl der nunmehr auch wahlfähigen Analphabeten auf fünf Millionen angegeben wurde. Die Heranziehung der An alphabeten war wohl ein Fehler. Kein anderes Land ist in dieser Weise den Leuten ohne jede Schulbildung cntgcgeugekommcn. Allein die Zahl dieser Unkundigen nimmt von Jahr zu Jahr ab, was sich am besten der der Einstellung der Rekruten zeigt, und dann ist zu beachten, daß die Wahlbeteiligung in Italien immer weit niedriger war als in anderen Staaten, ein Um stand, der sich kaum so bald in das Gegenteil Verkehren wird. Es ist somit kaum anzunehmen, daß bei einer Ncmvahl die Analphabeten viel mehr zur Geltung kommen werden als bei der ersten Anwendung des Gesetzes im Jahre 1913. Allerdings hat nun die Regierung erst recht die Pflicht, die Lücken des Schulwesens auszufüllen und den seit 1877 bestehenden Schulzwang durchzuführen. Auch das ist wieder iu erster Linie eine Geldfrage. Geld! DaS ist überhaupt, wie man sieht, der Kardinalpunkt. Aber steht Italien allein mit dieser großen Sorge ? Haben wir in Deutsch land nicht auch die Steuerschraube gewaltig an ziehen müssen? Steht nicht auch Frankreich seit einem Jahre unter einer drückenden Steuer frage, von kleineren Staaten gar nicht erst zu reden! England ist gestern mit einem Bor anschlag beglückt worden, der alle Erwartungen übersteigt. Nun ist es richtig, daß Italien in sofern besonders übel daran ist, als die Ge schichte des geeinten Königreiches bereits mit einer großen Schuldenlast anfing und bis heute die Belastung außergewöhnlich hoch geblieben ist. Das hinderte nicht, daß zeitweilig die Finanz lage als befriedigend bezeichnet werden tonnte. Auch der neue Ministerpräsident Salandra hat als Nachfolger Giolittis in seiner Antrittsrede keineswegs verzweifelte Töne angeschlagen. Er bezeichnete die progressive Einkommensteuer als Grundlage einer Reform und verwies auf die Er höhung des Umlaufs an Schatzscheinen bis zur Grenze von 50 Millionen Lire. Es ist wohl sicher, daß sich diese Vorschläge als ungenügend heraus gestellt haben, doch ist das noch kein Grund, die ganze Finanzlage als unrettbar hinzustcllen. Beschönigungen haben ebcnsolvcnig Zweck Ivie Uebertreibungcn. Im ganzen und großen hat sich Italien als aufstrebendes Land erwiesen, uird wenn sich der starke Nationalstolz des Ita lieners auch nicht ohne weiteres in Geld be rechnen und umsetzen läßt, so ist er doch eine treibende Kraft, die bei der Bewertung dec ita lienischen Zustände mit in Anschlag gebracht werden mug. Vie Vuala-Venksthrist. Die von der Budgetkommission des Reichstags ge wünschte Denkschrift über die Enteignung und Verlegung der Eingeborenen in Duala (Kamerun), die im Reichskolonialamt auf Wunsch des Reichstags ausgearbeitet worden ist, wird am Dienstag zur Verteilung gelangen. Die „Rordd. Allg. Ztg." veröffentlicht einen Auszug daraus. 'Rach einer yitzorischen Einleitung werden die in der Peti tion der Duala-Eingsdorencn an Len Reichstag ent haltenen 22 Beschwerden der Reihe nach er örtert uno widerlegt. So heißt es u. a.: Die Eingeborenen behaupten, sie würden 1>/2 Stunden in das Binnenland adgescho- b e n. Die Denkschrift erwidert: Bewutzt un wahr. Die freie Jone, die die neuen von Len alten Wohnplätzen trennt, ist ein Kilometer breit. Die Eingeborenen behaupten, die ne u e n S i ed e- lungen lägen im Überschwemmungsgebiet und seien ungesund. Dem Staatssekretär des Reichs kolonialamts seien die ungesunden Teil>e nicht gezeigt worden. Die Denkschrift erwidert: Bewußr un wahr. Die beigesiigten Abbildungen der bisher fertiggestellten neuen Siedelungen beweisen schlagend das Gegenteil. Die neuen Wohnsitze sind mindestens ebenso gesund wie die alten. Der Staatssekretär hat die ganzen hier in Frage kommenden 'Reu siede langen gesehen. Die Eingeborenen behaupten, daß die F i s ch e r e i und der Farmbau erschwert werden. Die Denkschrift erwidert: Bewußt unwahr. Die Kanuanlegeplätze bleiben den Eingeborenen teils er halten, teils werden ihnen vor ihren Türen neue ge schaffen. Die neuen Siedelungen liegen mitten in ihren Farmen. Die Hauptfarm uw) die Fischerei plätze liegen jo weit von Duala entfernt, daß es kei nen Unterschied macht, ob die Eingeborenen von der Europäerstadt abfahren oder von der Reusiedelmng. Die Eingeborenen behaupten, die Entschädi gung, die die Regierung zahle, sei unzurei chend. Wenige Pfennige werden für das Quadrat meter bezahlt, während früher weiße Firmen 2 bis 5 M bezahlt hätten. Die Denkschrift erwidert: Un zutreffend. Bisher ist bis 2,IN ü siir das Quadratmeter festgesetzt wordrn. Der Durchschnitts preis beträgt für Bonanjo l,11 it, für Bonapriso 47 Pfennig und für Bonaduma 15 Pfennig. Die Ein geborenen weigerten sich, einen Preis zu nennen. Nur in einem Falle verlangten sie das Hundertfache des angemessenen Wertes. Die früher gezahlten Preise sind ganz verschieden, von 1 Pfennig bis 4 X. Die von den Eingeborenen angegebenen Höchstpreise können nicht als Unterlage dienen, weil sic unter dem Drucke des tatsächlichen Grundstücksmonopols ge fordert wurden, das die Eingeborenen hatten. Den europäischen Firmen wurden vor einigen Fahren bei der Enteignung des rechten Flußuscrs AO bis 91 Pf. gezahlt; vergleicht man biermit die jetzt bewilligten Entschädigungen, die sich sämtlich auf Grundstücke ab seits des Flußuscrs beziehen, so müssen diese Ent schädigungen als scch reichlich angesehen werden. Die Eingeborenen behaupten, für das Hotel ..Sciffcrt", das einen Bauwerk von 30 000 .« habe, sollten 3 20 .tt Entschädigung gezahlt worden jein. Solche Fälle seien in Menge vorgckom- men. Die Denkschrift erwidert: Bewußt unwahr. Das ,.Hotel" ist eine Wellblechbaracke im Werte von 8000 Rt. in der vorübergehend eine Kneipe unter halten wurde. Die Baracke ist nicht mit dem Grund und Boden enteignet worden, sondern in die neue Siedlung versetzt und dem Eigentümer dort zur Ver fügung gestellt worden. Für den Grund und Boden wurden 90 Pf. für das Quadratmeter bewilligt. Außerdem wurde der Zementsockel mit 320 ent schädigt. Die Eingeborenen behaupten, die Entschädi gungen seien nicht immer ausgezahlt, sondern von der Regierung z u r ü ck b e h a l t e n worden, um für Geldstrafen gegen Enteignungsvcrgehen abgerechnet zu werden. Die Denkschrift erwidert: Bewußt un wahr. Die Eingeborenen haben die Annahme der Entsclstidigungsbeträgc grundsätzlich verweigert. Am 15. Januar 1913 gab Duala Manga ent gegen dec seit vielen Jahren bestehenden Vorschrift, daß Eingaben der Eingeborenen den höheren In stanzen, dem Bezirksamt, vorzulegen sind, ein Tele gramm an den Reichstag auf, ohne es dem Bezirksamt vorzulcgen. Das Telegramm wurde durch Verfügung des Bezirksamts beschlag nahmt und ausgelicfert, am 20. Januar zu- rückgegcbei' und an den Reichstag abgejandt. Hierauf wird seitens der Eingeborenen der Vor- wurf eines Eingriffes in das verfassungs rechtlich gewährleistete P e t i t i o n s r e ch t des Reichstages abgeleitet. Ferner wird der dringende Verdacht eines Verstoßes gegen das Post geheimnis erhoben, der durch ein ungesetzliches Scheinverfahren verdeckt werden sollte. Ferner wird angedeutet, daß ein Kausalzusammenhang bestehen müße zwischen dem am 15. Januar nach mittags verkündeten Enteignungsbeschluß uno dem am Vormittage desselben Tages aufgegebenen Tele gramm, das den Reichstag von der Vornahme von Enteignungsverhandlungen ohne das Vorliegen des Enteignungsbeschlujses in Kenntnis setzen sollte. Durch Zurückhaltung des Telegrammes sei ein be trächtlicher Schaden entstanden. Die Denkschrift erwidert: Die Beschlag nahme erfolgte bereits am 14. Januar, kann also nicht durch das am 15. Januar ausgegebene Telegramm veranlaßt worden sein. Zur Verkündung des Enteignungsbcschlusses hatte per Bezirksamt mann bereits einige Tage vor dem 15. Januar die Eingeborenen eingeladen. Der Enteignungsbeschluß kann also durch die Absendung des Telegramms am 15. Januar nicht erst hervorgcrufen sein. Für den Verdacht der Verletzung Les Postgeheimnisses fehl« jeoer Anhalt. Der Postbeamte hat vollkommen einwandfrei ge handelt. Der Ge,chäftsführende Bezirlsami- ma n n Hai den Fehler gemacht, daß er das Tele gramm mit einem Bericht dem Gouvernement ein sandte, er hätte es nach der Kenntnisnahme wieder freigcben sollen. Dieser Fehler ist vom Gouverne ment sofort gerügt und die alsbaldige Freigabe des Telegramms angeordnet worden, die dann auch unverzüglich erfolgte. Die Behauptung, daß ein Schecuvers-ayren eingeleitet worden sei, ist durch nichts begründet. Es ist ein reg-elrechtes gerichtliches Verfahren eingeleckec wor den, in dem die B.'schlagnahm^oerfügung erging. Sag irgendein Schäden entstanden ist, ist eine durcy nichts begründete Behauptung. Die Gegenüberstellung in der Denkschrift ergibt, daß von Len sämtlichen gegen die Regierung erhobenen schweren Anklagen nichts übrig bleibt, als ein unerhebliches Versehen der örtlichen Verwaltungsbehörde (nicht sofortige Freigabe des beschlagnahmten Telegramms), das obendrein von der nächst vorgesetzten Behörde sofort gerügt und wieder gurgemacht worden ist. Im übrigen besteht die Petition in der Haupt sache aus bewußten Unwahrheiten und haltlosen Verdächtigungen. Wenn die Eingeborenen in dieser groben Weise Len Reichstag belügen, so erklärt sich dies aus der Lha- rakterantage der schwären Rasse und darf nicht zu schwer aufgesaßt werden. Dre Eingeborenen be absichtigen damit, den wahren Grund ihrer Abnei gung gegen die Enteignung zu verdecken. Sie woll ten nämlich mit ihren Grundstücken weiter speku lieren wie bisher. Mit jeder Million, die das Reich für die Verkehrsanlagen im Schutzgebiet und sonstige gemeinnützige Anlagen (Wasserleitung, Kanalisation) aufwendel, steigt der Wert des Grund und Bodens in dem Verkehrsknotenpunkt Duala, ohne daß sie einen Finger zu rühren brauchen. Diesen durch d.e Arbeit der weißen Rasse geschaffenen Mehrlvert wollten sie in ihre Tasche stecken und davon leben. Die Weißen sollten die Arbeitsbienen jein, und sie wollten als Drohnen ein lorgenlosts Dasein führen. Da sie mit diesem wahren Grund beim Reichstag nicht durchdringen können, stellen sie erfun dene Behauptungen auf, die nur auf denjenigen Ein druck machen können, der die Eingeborenen und die Verhältnisse im Schutzgebiet persönlich nicht kennt und daher die Behauptungen auf ihre Wahrheiten nicht prüfen kann. Es ist ihnen gelungen, durch die Petition die vorläufige Einstellung des Enteignungs verfahrens hcrbeizuführcn. Dadurch ist zum erste n Male der konsequente Fortgang in den bisher getroffenen Maßnahmen unter brochen worden. Schwere politische Folgen haben sich hieraus bereits ergeben. Schon am zweiten Tage nach der Sitzung der Budget kommission feierten die Eingeborenen ihren Sieg über die Regierung mit Tanz- und Trinkgelagen. Wen'ge Tage später überwiesen sic 5000 R an ihren Berliner Rechtsanwalt, der neuerdings weitere 3000 Mark voi. ihnen verlangt haben soll. Die Agitation hat bereits auf weitere Bezirke übcrgcgriffen. Po litische Versammlungen werden in der Nacht heimlich und gegen das ausdrückliche Verbot des Bezirksamt manns, von dessen Abberufung und Bestrafung be reits gesprochen wird, abgcbalten. Die Autori- tätdcr Regierung der weißen Rasse, auf die sich die Beherrschung der an Zahl tausendfach überlegenen Schwarzen durch wenige Europäer stützt, hat bereits erheblich gelitten. Diese Folge ist um so bedauerlicher, als der Widerstand gegen die Enteignung nur noch mit künstlichen Mitteln von wenigen Hetzern, mit Duala-Manga an der Spitze, der'n Interesse mit de» Jnterejien der Gesamtheit der Duala durchaus nicht übereinstimmt, aufrecht erhalten wird. Die Negierung wird auch in Zukunft nach dem Grundsatz: l'onirer in re, sunvitcr in mocko, Len sie bisher in der Enteignung befolgt hat, ver fahren. Wird die Enteignung entsprechend den ausgestellten Plänen durchgeführt. so wird eine Gesundung der politischen und wirtschaftlichen Ve'.hältnisse in Duala eintrcten. Aus dieser Denkschrift ergibt sich also, daß — mit Ausnahme eines einzigen, zudem nichr sehr beträcht lichen Punktes, in dem schort Remedur eingetreten ist — von den Anklagen der Duala nichts übrig bleibt. Das ist an sich natürlich durchaus erfreu- l i ch. Nicht so erfreulich ist, daß durch die Eilfertig keit und Leichtgläubigkeit, mit -er man im Reichs tage den Beschwerden der schwarzen Herrschaften nachgab, dem Reiche beträchtliche Kosten entstanden sind. Die Denkschrift des Kolonialamtes kostet, wie wir hören, allein etwa K000 .K. Außerdem haben sich der Unterstaatssekretär des Kolonialamtes und ein Dezernent nach Afrika begeben, um die Klagen der Duala an Ort und Stelle zu untersuchen, und das alles in Zeitläuften, die dazu mahnen sollten, mit dem Geld der deutschen Steuerzahler sparsam um zugehen. Interessant ist übrigens, daß die Herren Duala, die anscheinend über eine nicht geringe Ee- schäftskenntnis verfügen, sich einen Berliner Journa listen verschrieben haben, dem sie, wie man uns mit teilt, einen Reisezuschuß von 1500 M spendeten und der daraufhin zu Schiff nach Weitafrika ist. Vor den Schilderungen, mit denen dieser Herr uns erfreuen wird, soll hiermit beizeiten gewarnt sein. Huerta vor Ser MSankungl Die Nachrichten über eine bevorstehende Ab dankung Huertas werden durch ein Telegramm Luigi Barzinis bestätigt. Dieser gibt auch gleich zeitig eine recht einleuchtende Erklärung für den Rücktritt des Ministers Rojas. Zwischen den mexi kanischen Regierungstruppen und den Amerikanern herrscht nun Frieden, während Carranza fest ent schloßen ist, gegen Huerta wciterzukämpfcn, da er die günstige Lage für sich auszunutzcn hofft. Die Ab wehrmaßregeln, die von den Mexikanern in ihren Häfen getroffen worden sind, haben ein schweres Opfer gefordert. Der Dampfer „Luella" ist auf eine Mine ausgelaufen und durch die Explosion voll kommen zerstört worden. Wir verzeichnen folgende Meldungen: Tie Ursache des Wechsels im mexikanischen Kabinett. Luigi Barzini telegraphiert dem „Corrierc della Sera" aus der Hauptstadt Mexiko: Der Mi nister des Aeußern Portillo Rojas und sein Unter staatssekretär haben ihr Entlassungsgesuch ein gereicht, was von den einen dahin gedeutet wird, daß dadurch die Unterhandlungen mit den Ver einigten Staaten erleichtert werben, und von den anderen, daß Me i n u n g s v e r j ch i e d e n- heiten zwischen Huerta und Rejas ausge- brochen sind. Die wahre Ursache ist aber wohl dann zu suchen, daß nach der mexikanischen Verfassung der Minister des Aeußern berufen ist, den Präsidenten im Falle seines Rücktritts vorläufig zu er setzen. Huerta rechnet jedenfalls mit dieser Mög- lichkeir uno wünscht an der Spitze oer Republik einen Mann, der energischer ist als Portillo Rojas. So wird wahrscheinlich einer der Generale zum Munster des Aeußern ernannt werken. Jedenfalls ist die Lage sehr bautet und kann neue Ueberrajchungen bringen, da die Bemühungen, eine Einigung mir den A u f st ä n s i, ch e n hcrbeizuführen, als oollkom men gescheitert betrachtet werden müssen. In diesem Augenblick ist die Hauptstadt noch »ich: be droht. alier die Vorbereitungen uird milirärischen Maßnahmen zu ihrer Verteidigung gegen einen !t c b c r f a l 1 der A u s st ä n d i j ch e n werden fortgesetzt. Die Cinsteltunst der Feindseligkeiten. Washington, 4. Mai. Die kriegsmäßigen Hand lui.gen zwischen den Amerikanern und den Huertisten sind eingestellt. Hier erhalten sich d.c Gerüchte, daß Huerta a t> d a n k c n und sich in Europa Niederlagen wolle. Direkte Meldungen aus Mexilv Eity erklären dies Gerücht als absurd, da Huertr sich in Süo- und .fcnrralmcikiro wachsender Popularität erfreue. New Port, 1. Mai. Entgegen den Blattern, die aus dem längsten Zw ' jchensall 'wischen. H ucr- tist en und amerikanischen Vorposten b.t der Pumpstation Lcljar in der Nal-e von Veracruz eine Verletzung des vereinbarten Waffen stillstandes konstruieren wollen, betrachtet dir Washingtoner Regierung den Vorgang, bei dem nickt einmal ein Schuß gefallen jein soll, als bedeutungs los. Carranza kämpft weiter. New tyork, 4. Mai. Nachdem der Rebellcnchcf Carranza cs abgclchnt hat einen dreiseitigen 2stafsenstillstannd zu unterzeichnen, erscheinen die Ausglcichdestrebunoen wenig aussichtsvoll. Die Re bellen sind offenbar entschlossen, die kriegerischen Erjolgc der letzten Woche auszunutzen. Carvanza bctonr in einer Note, die er an die ^Washingtoner Re gierung gerichtet hat, daß von einem WstrffenstillftanS zwischen den Aufständischen und den Bunscstruppc« nur Huerta Vorteil ziehen würde Minen im Hasen von Tampico. VerZcruz. 4. Mat. Admiral Mavo berichtet, daß die Dundcstruppcn im Panucofluß bei Tam»
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