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01-Frühausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 06.02.1905
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1905-02-06
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19050206016
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1905020601
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1905020601
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1905
-
Monat
1905-02
- Tag 1905-02-06
-
Monat
1905-02
-
Jahr
1905
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Bezugs-Preis st, der Hauptexpedition oder deren Ausgabe stellen abgeholt: vierteljährlich 3.—, bei zweimaliger täglicher Zustellung ins HauS 3.75. Durch die Post bezogen für Deutsch, land u. Oesterreich vierteljährlich ^l 4.50, für die übrigen Länder laut Zeitunqspreisliste. Diese Nu»»er kostet auf allen Bahnhöfen und III I bei den ZeitungS-Berkäufern I * lsteöaktion und Expedition: 153 Fernsprecher 222 Johauntsgasse 8. Haupt-Filiale Dresden: Marienstraße 34 (Fernsprecher Amt I Nr. 1713). Haupt-Filiale Berlin: CarlDuncker, Herzgl.Bahr.Hofbuchbandlg^ Lüyowstraße 10 (Fernsprecher Amt VI Nr. 4603). Nr. 68. Morgen-Ausgabe. MMer Tageblatt Amtsblatt des Hönigl. Land- und des Königs. Amtsgerichtes Leipzig, des Mates «nd des Motizeiamtes der Ltadt Leipzig. Montag den 6. Februar 1905. Anzeigen-PreiS die 6gespaltene Petitzeile 25 Familien- und Stellen-Anzeigen 20 Finanzielle Anzeigen, GeschästSanzeigen unter Text oder an besonderer Stelle nach Tarif. Die 4 gespaltene Reklamezeile 75^. Annahiueschlujz für Anzeigen: Abend-Ausgabe: vormittags 10 Uhr. Morgen-Ausgabe: nachmittags 4 Uhr. Anzeigen sind stets an die Expedition zu richten. Extra-Beilagen (nur mit der Morgen- Ausgabe) nach besonderer Vereinbarung. Die Expedition ist wochentags ununterbrochen geöffnet von früh 8 bis abends 7 Uhr. Druck und Verlag von E. Polz in Leipzig (Inh. Dr. V.,R. L W. Ülinkhardtl 99. Jahrgang. Var LliÄtigrte vsm rage. * Im Neuen Theater zu Leipzig fand gestern vor mittag eine imposante Trauerfeier für den verstorbenen Direktor der Städtischen Theater, Geh. Hofrat Max Staege- mann, statt. (S. Bes. Art.) * In Mannheim legten 800 Kohlenarbeiter die Arbeit nieder, auch in Ludwigshafen traten sämtliche Ko hl en- arbeiter in den Ausstand. * In Bruch (Böbmen) wurden gestern die Bergarbeiter durch Plakate zum Streik aufgefordert Zina lvir bereit? Es ist also die Zeit gekommen, da wir uns Grobheiten sagen lasten und nichts darauf antworten, da man uns mit Vernichtung droht und wir die Drohung hinnehmen, da ein hoher englischer Reichsbeamter das Deutsche Reich suns genv brüskiert und von uns spricht, wie man von der verfaulten Negerrepublik Liberia redet. Herr Lee, der siebenunddreißig jährige Civillord der englischen Admiralität, hat in einer Rede zu East-Leigh dies alles getan, seine Hörer haben ihm zweifellos stürmischen Beifall getobt und endlose divers auf ihn und die englische Flotte ausgebracht, der Draht — auch der hochoffiziöse deutsche Draht — hat die Kunde von der Anrempelung um die ganze Erde getragen, das englische Auswärtige Amt hat dazu geschwiegen und das offizielle Deutschland — auch. Bis jetzt wenigstens hat es auch geschwiegen. Möglich und zu hoffen, daß es sich von seinem starren Staunen so weit erholt, um zu antworten. Diese Antwort kann für das national empfindende Volk eine schon lange notwendige Klärung bringen. Wir werden aus dieser Antwort sehen, wie es um des deutschen Reiches Weltmachtstellung beschaffen ist, ob wir überhaupt noch etwas bedeuten, ob man noch immer mit uns rechnen muß oder nicht. Nur um das Eine möchten wir dringend gebeten haben: Man verschone uns mit großtuerischen Redensarten, hinter denen sich bei minder erhabenen Persönlichkeiten Furcht und Sorge zu verbergen pflegen. Man komme uns nicht etwa in dem Stil: „Herr Lee hat als Privatperson einige mißverständliche Aeuße- rungen getan, die rein flottentechnische Eventualitäten betrafen und nur durch absichtliche Verdrehung zu einer politischen Sensation ausgebauscht wurden. Sicherlich denkt in England keine ernsthafte Persönlichkeit in verantwortlicher Stellung daran, uns ein Haar zu krümmen, auch Herr Lee nicht, der uns als ein hervorragend tüch tiger Beamter bekannt ist. Wir brauchen wohl nicht noch ausdrücklich zu versichern, daß die amtlichen Beziehungen zwischen Großbritannien und dem Deutschen Reiche die denkbar besten sind, was schon daraus hervorzeht, daß der unbedeutende Zwischenfall in East-Leigh nicht einmal Anlaß zu einem Notenaustausch gegeben hat." Nur das nicht! Sollte es wirklich so schlimm nm uns stehen, daß Herr Lee von uns nicht die gebührende deutliche Antwort erhalten darf — dann lieber gar keine! Der Blamage möchten wir doch nicht auch noch die eigene Haltlosigkeit ge sellt sehen. Es genügt so schon, um das Haupt verhüllt zu tragen. Denn alles, was gesagt werden kann und gesagt werden wird, um die Harmlosigkeit der Leeschen Drohungen zu bezeugen, ist Geschwätz der einen Tatsache gegenüber: Lees Worte sagen, was die englische, Flottenreorganisation soll. Der Mann hat nicht gefabelt, sondern nur plump und brüsk ausgesprochen, was ist. Herr Lee kann uns gleichgültig sein. Aber wenn England mit gewaltigen Kosten und Anstrengungen das Schwergewicht seinerFlottenverteilung aus dem Mittelmeere nach der Nordsee verlegt, undj wenn dann der Civillord der englischen Admiralität zu allem Volke spricht: Dies ist geschehen, umDeutschland aufsHaupt Zuschlägen, noch ehe man die Kriegserklärung in denBlättern lesen kann — dann ist es für das deutsche Volk Zeit, von seiner Regierung Rede und Antwort zu fordern' Sind wir bereit k Der -lukstana in Ziilltvemkrika. Die tage im Schutzgebiet. Nur spärlich sind uns in den letzten Wochen die Nach richten aus dem Schutzgebiet zugeslossen. Im Hererolande hat sich, die Nachricht von der beabsichtigten Uebcrgabe Wil helm Mahareros und seiner Leute anjcheinend nicht bestätigt, wenigstens sind endgültige Meldungen über den Vollzug dieses höchst bemerkenswerten Ereignisses nicht eingetrofsen. Sollte den Kriegern Wilhelm Mahareros der Entschluß, die Waffen zu strecken, noch in letzter Stunde leid geworden sein, o würde diese Tatsache nur dem wankelmütigen, argwöhni- chen Charakter der Herero entsprechen. Analoge Fälle haben ich übrigens in großer Anzahl in anderen südafrikanischen Kasferkriegen abgespielt. Die soeben eingetroffene Nummer der „Südwestafr. Ztg." berichtet, daß in der Gegend zwischen Omaruru und Oka- handia wieder viele Herero — man spräche von Tausen den! — sähen, die aus den östlichen Gebieten in ihre alte Heimat zurückgekehrt seien. Diesem Umstande entspricht auch die bereits vor mehreren Wochen gemeldete Berufung des Detachements v. Fiedler — 2 Kompagnien und Batterie — aus dem Waterberadistrikt in den von Omaruru, um dieses Gebiet von umherschweisenden Banden zu säubern und in jeder Beziehung Klarheit zu schassen. Daß dort noch nicht alles so ist, wie es sein sollte, beweist das Gefecht, das eine Kompagnie des Detachements v. Fiedler bei Omike, auf dem Wege von Waterberg nach Omaruru, seinerzeit zu bestehen batte. Erfreulicherweise scheint aber doch die Zeit nicht mehr fern zu sein, in der man, wenigstens in einzelnen Teilen des Landes, der Frage der Unterbringung derjenigen Herero, die gefangen genommen und entwaffnet worden sind oder sich ergeben haben, wird näher treten können. Diese Frage — die „Lokationsfrage" — ist, nach der „Disch. Kol.-Ztg , ebenso hochwichtig, wie schwer zu beantworten. Vielleicht und wahrscheinlich wird die Regierung sich zunächst damit helfen können, an günstigen Stellen unter schärfster militärischer Kontrolle Konzentrationslager zu errichten, in denen die Herero so lange gesammelt und gehalten werden, bis eine endgültige Neuordnung der Verhältnisse berbeigeiührt werden kann, d. h., bis die nötigen Reservate oder Lokationen aus gewählt und abgegrenzt sind, so daß sie von ihren Bewohnern bezogen werden können. Wenn man diese Lager praktischer weise in solche Gebiete legen wird, in denen wichtige öffent liche Arbeiten — Hafen-, Eisenbauten o. ä. — der Vollendung harren, damit die Herero nicht von vornherein wieder dem gewohnten Müßiggang verfallen, sondern den von der Regierung ihnen gespendeten Lebensunterhalt sich verdienen können, so wird zugleich die in den Lagern ver brachte Zeit dazu benutzt werden müssen, auf Grund ein gehendster gerichtlicher Untersuchungen alle Schuldigen zu ermitteln und der Bestrafung zuzusühren. Hierin nichts ver säumen, heißt die Fundamente legen zum Wiederaufbau dessen, was durch den Aufstand zerstört und vernichtet wor den ist. Aus dem Groß-Namalande liegen ebenfalls Nachrichten von Bedeutung nicht vor. Im Weiten — zwischen Grooffon- tein und Bethanien — hat Leutnant der Reserve v. Trotha aufständischen Nordbethaniern bei Blutpüts und Garob kleinere erfolgreiche Gefechte geliefert und die 7. Kompagnie 2. Feldregiments ist bei Schürspenz mit 200 Witbois zu- sammengeftohen, aber über den Verbleib der Hauptstreitkräfte der Rebellen unter Hendrik Witbooi und Morenga liegen Meldungen nicht vor. Vie Krisiz in siU55lan<l. Die Anklage gegen Marin» Gorki. Die Anklage gegen Maxim Gorki wie gegen die übrigen verhafteten Mitglieder der bekannten Deputation gliedert sich, nach dem „L.-A.", in zwei Punkte: 1) Ende T^ember soll sich ein Komitee gebildet haben, darunter auch Gorki, welches Straßenunruhen förderte, die zur Stärkung der Oppositionsbewegung beitrugen und allmählich jene Resul tate zeitigten, wie sie am 22. Januar zutage traten; 2) habe Gorki an der Abfassung einer Proklamation nach dem 22. Januar teilgenommen, worin die Ereignisse in sehr scharfen Worten charakterisiert und das ganze Rußland zum Kampfe gegen die Reg 'Ung des Ka '>rs Nikol.-us N. cmfae- rufen wurde. Bei verschiedenen Haussuchungen soll ein der artiges Konzept gesunden worden sein, dessen Autor unbe kannt ist. Wer die Verhältnisse näher kennt, steht dem ersten Punkt der Anklage ungläubig gegenüber. Betreffs des zweiten Punktes wurde die Beschuldigung Gorkis, mit deren Feststellung die Untersuchung beschäftigt ist — falls die Schuld erwiesen wird — nach 8 129 des neuen russischen Ge setzbuches eine Verurteilung zu Zwangsarbeit oder Festung berbeifübren. Doch, wie schon gejagt, beunruhigt das Schick sal Gorkis in Petersburg nicht allzusehr, erregt aber das allerlebhafteste Interesse. Generalstreik in Morkan in Sicht. Moskau ist, nach der „Voss. Ztg.", daraus gefaßt, daß Montag der Äeneralausstand ausbricht, allem Anscheine nach ist die Organisation der Arbeiter zu diesem Zweck gelungen. Die Beamten der Straßenbahn sind bereits im Ausstand. Bisher ist die Stadt und deren Umkreis ruhig. ver ru55i5cd-japanizcbr Weg. Dar neue russische Ausbauprsgranrn, sür die Flotte. Trotz aller Sorgen, in welchen Rußland sich jetzt befindet, ist auch in diesen kritischen Tagen die Bewegung für einen großen Aufbau der Flotte mächtig gefördert worden. Im großen und ganzen steht das Programm für den Aufbau der Flotte fest. Wenn hier und dort davon geredet wird, daß Rußland schon große Schiffsbestellungen aus wärts gemacht, so ist das falsch. Es werden zurzeit 35 Tor pedoboote sür russische Rechnung auswärts gebaut, II davon auf deutschen Werften, die anderen auf französischen und englischen. Bestellungen auf Kreuzer erwartet man in Deutschland bestimmt. Das neue russische Flottenprogramm sieht den Bau von 16großenLinienschiffen vor; 8 davon nach dem Typ „Slava" (13 730 t groß, 121 m lang, 23,4 m breit und 8 m lies) und 8 davon nach dem Typ „Andrei Pcrwoswanni', dem neuesten im Herbst 1903 in Bau gelegten größten russi schen Linienschiff (16 630 t groß, 131 m lang, 24,4 m breit und Tiefgang non 7,9 m). Von kleinen Kreuzern, die in der Tat wenig sich im Kriege gegen Japan bewährt haben, will man nichts mehr wissen, und bas neue Flottenprogramm sieht auch den Bau von solchen nicht vor. Cs kamen 12 Kreuzer in Berech nung, 6 davon Panzerkreuzer, 6 große geschützte Kreuzer. Es cst für den deutschen Schiffsbau schmeichel haft, daß bei dem Bau der großen geschützten Kreuzer der Typ Äogatyr maßgebend sein soll. Dieser 6780 r große Kreuzer, welcher 2-1 Knoten lies, ist beim Vulkan in Stettin gebaut. Für den Typ der Panzerkreuzer soll Bagan maß- gebend sein; er ist in La Seyne gebaut, hat 7930 t Deplaze- ment und lies 21 Knoten. Weiter sieht das Programm den Bau von 250 Torpedobooten vor; 100 große sollen 350 t groß sein, die übrigen 150 nur 150 i. Auch auf dem Gebiete des Torpedobanw'esens wird ja Deutschland bei weiteren Bestel lungen nicht leer ausgehen. 10 Streuminendampfer und 4 Werkstattschiffe sollen die ueu aufzubauende Flotte vervoll ständigen. Tie Amerikaner haben ja im spanisch-amerika nischen Kriege mit Werkstattsschiffen sehr gute Erfahrungen gemacht. Etwa 1'^ Milliarden Rubel dürste diese Flotte kosten. Die russischen Wersten sollen bedeutend vergrößert werden, man will mit allen Kräften verhindern, daß das Aus land einen großen Teil der neuen Bestellungen erhält; in Be tracht kommen nur Deutschland und Frankreich und vielleicht auch England. Für Bestellungen auf englischen Werften ist zurzeit die Neigung rechr gering. Deutsches Keich. Leipzig, 5. Februar. * Arthur Hamilton Lee, der Zivillord der englischen ?ld- miralität und tapfere Bankettredner, der nächstens die deutsche Flotte zu vernichten gedenkt, ist ein noch verhältnis mäßig junger Mann, der erst kurze Zeit dem Parlament an- gehört. Er ist im Jahre 1868 geboren, wurde 1891 Offizier, war im spanisch-amerikanischen Kriege und später in Washington Militärattache, als welcher er den Rang eines Oberstleutnants erhielt, wurde 1900 in das Unterhaus ge wählt und im Oktober 1903 zum Zivillord der Admiralität ernannt. Er ist mit einer Amerikanerin verheiratet. Leiter der Marineverwaltung ist der Erste Lord der Admiralität, dem sowohl die Seelords wie der Zioillord Lee unterstehen. * Berlin, 5. Februar. * Kaiser und Kunst. Der Kaiser unterhielt sich in einer ungewöhnlich langen Audienz, die einer mit Ueberbringung des Geschenkes für den Kreuzer „München" betrauten Abord nung des Münchener Gemeindckollegs am vergangenen Sonn tag gewährt wurde, mit dem Ersten Bürgermeister Dr. v. Borscht und dem Kommerzienrat Seyboth des längeren über K u n st und K u n st g e w e r b e. Er warnte das Münchener Kunstgewerbe, allzusehr in die Bahnen der Moderne mnzulenken, da ihm daraus auch wirtschaftlich nicht der erhoffte Erfolg zu fließen werde, und bezeichnete die Anschauung, daß sich sür kunstgewerbliche Gegenstände der neueren Richtung in Amerika gute und dauernde Käufer finden würden, als durchaus unzutreffend. Auf den Tank der Münchener Vertreter wegen Belassung der Schack-Galerie in München erwiderte der Kaiser, daß man in Berlin darüber damals sehr ungehalten gewesen sei. Er habe sich aber gedacht: suum auiczus! München solle auch sein Teil haben. Der Kaiser eröffnete dann den Herren, daß die preußische Ge sandtschaft in München einen großen Neubau mit impo santen Repräsentationsräumen bekommen werde, in räum lichem Anschluß hieran solle ein Neubau der Schack-Galerie erstehen. Nach einer Meldung der „Frks. Ztg." sagte der Kaiser noch über die moderne Kunst: Man werde es später nicht begreifen, daß nach dem großen Aufschwung eine solche Kunstrichtung entstehen konnte, von der man wohl an nehmen könne, daß sie den besten Willen habe, etwas Neues zu stände zu bringen, die aber nicht die richtigen Wege wandele und nicht die richtigen Fähigkeiten habe. * Hosnachrichten. Zur gestrigen Abendtafel bei dem Kaiser waren geladen Geh. Reg.-Nat v. Meister und Maler Prof. Hertel. Heute vormittag besuchte der Kaiser den Gottesdienst der alten Garnisonkirche. Zur Frühstücks tafel waren geladen der Erbprinz von Hohenzollern, Reichs kanzler Graf v. Bülow und Hausminister v. Wedel. Nach mittags begab sich der Kaiser nach Potsdam. * Der Kronprinz tritt am Montag, 6. Februar, 10l4 Uhr vormittags, vom Anhalter Bahnhof in Berlin aus eine Reise nach Italien (Florenz) an; der Kronprinz reist im strengsten .) Inkognito. * Das Befinden des Prinzen Eitel Friedrich. Der heute morgen 9 Uhr über das Befinden Seiner AöniglichLN Hoheit des Prinzen Eitel Friedrich ausgegebene Krankheitsbericht lautet: Die Lösung der Lungenentzündung hat befriedigende Fortschritte gemacht. Die rechtsseitige Rippenfellentzündung ist abgelaufen, die Ausschwitzung im linken Rippensellraum ist in steter Rückbildung. Die Temperaturen bewegten sich zwischen 36,6 und 37,2. gez.: Wiedemann. Wiemuth. * Jnfant Karl von Spanien beabsichtigt seine durch die Krankheit des Prinzen Eitel Friedrich unterbrochene Reise nach Berlin am Dienstag von München fortzusetzen. * Vom Bundesrat. In der am 3. Februar unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Grasen von Posadowsky ab gehaltenen Plenarsitzung des Bundesrats wurden zwei Anträge Bayerns, betreffend die Erhöhung der Angehörizcnunterstützung bei den Versicherungsanstalten sür Oberfranken und Niederbayern, den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Mit der bereits erfolgten Ueberweisung des Ge- setzentwurfes wegen Aenderung des 8 113 des Gerichtsver fassungsgesetzes, der Vorlage wegen Verleihung von Korpo rationsrechten an die „Deutsch-Lstafrikanijche Bank" und wegen Ausprägung von fünf Millionen Mark in Zehn pfennigstücken an die beteiligten Ausschüsse erklärte sich die Versammlung einverstanden. Von der Uebersicht der Ge schäfte des Reichsgerichts im Jahre 1904, der Mit teilung des Präsidenten des Reichstages über die Wahl eines Mitgliedes der Reichsschuldenkommission und von der Druck schrift, betreffend den Vertrag über den Bau einer Eisen bahn von Lome nach Palime, wurde Kenntnis genommen. Außerdem wurden Kommissare für einige Reichstagsvorlagen gewählt und über mehrere Eingaben Beschluß gefaßt. Am Sonnabend hielt der Ausschuß des Bundesrats für Zoll- und Stcuerwesen eine Sitzung. * Akademische Freiheit oder nicht? Zur Frage der „aka demischen Freiheit" schreibt die „Voss. Ztg.": Allerdings hat nicht ein Ministerialkommissar die Aeußerung getan, wohl aber hat in Gegenwart des Wirkl. Geh. Oberregierungsrates Prof. Dr. Naumann, Vor tragenden Rates im Kultusministerium, der Berliner Uni versitätsrichter Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Daude wörtlich erklärt: „Was ist überhaupt akademische Frei heit? Akademische Freiheit ist ein Begriff, den wir gar nicht kennen und den Sre sich selber gebildet haben." Herr Geh.-Rat Prof. Dr. Naumann hat diese Erklärung bisher nicht dementiert, sondern einfach geschwiegen! — Mini sterialdirektor Dr. Althoff ist in der Angelegenheit der akademischen Wirren nach Hannover gereist. * Neuer Nachtragsetat. Von kolonialer Seite wird der „Dtsch. Tasztg.", wie schon kurz erwähnt, geschrieben: „Die zweite Lesung des Nachtragsetats sür Südwestafrika im Reichstag ist erst vor wenigen Tagen beendet, und schon ist ein neuer Nachtragsetat in Vorbereitung. Seit der Ausstellung sowohl des genehmigten Nachtragsetats wie des regelmäßigen Etats für das Schutzgebiet auf 1905 sind ununterbrochen neue Sendungen nach >rüdwestasrika ab gegangen. Neben Truppenabteilungen und Pferdetrans porten sind abgesandt worden, allein im Januar, Proviant kolonnen, Sanitätsfuhrpark, FunkentelVraphcnabteilung, Etappenkompagnie, Sanitätsfuhrwerk, Scheinwerferabter- lung, Sanitätspersonal, Ersatzmannschaften, Feuerwerks- und Jntendanturpersonal u. a. Daneben gehen die Ankäufe des Generalkonsulats in Kapstadt an Proviant, Futter, Pferden, Ochsen, Schafen, Ochsenwagen und vielerlei anderem fort. Ununterbrochen gehen Dampfer von Kapstadt nach Lüderitz- bucht und Swakopmund. Schon vor mehreren Monaten be zifferte der Verwalter des Generalkonsulats, Legationsrat v. Jacobs, die dafür im Kaplande gemachten Ausgaben au' 700 000 Pfd. Sterling. Jetzt übersteigen diese bereits daS Doppelte; das britische Südafrika hat von uns unzweifelhaft schon mehr als 30 Millionen eingenommen. Ein Abschluß der Rechnungen läßt sich ebensowenig machen, wie im vorigen Sommer, da ein Ende der Zusendungen von beiden Seiten noch nicht abzusehen ist. Aus diesen Darlegungen ist zu ent nehmen, daß der neue Nachtragsetat sich wobl au? 50 Millio nen Mark belaufen kann; zumal auch für den Aufstand in Großnamaland nach den Erklärungen des Kolonialdirektors chon jetzt der Schaden auf 6 Millionen berechnet worden ist." - Wie eine Lawine wachten die Ausgaben für Südwestafrika unaufhaltsam an. Das alles hätten wir sparen können, wenn wir rechtzeitig eine Besiedelungspolitik getrieben hätten. * * Zur Lage im russischen Grenzbezirk wird dem „B- T." aus Pr.-Haby noch folgendes berichtet: Seit einigen Tagen ind auf russischer Seite die Grenzposten bedeutend verstärkt worden, allein bei uns sind gegen 50 Mann Militär einge troffen. Wie verlautet, sollen aus Deutschland zahlreich Waffen, besonders Revolver, eingeschmuggelt werden, so datz der Paßzwang, die Visitation an der Grenze noch schlimmer geworden sind. Aus Czenstochau dauert die Flucht der Aus änder weiter an, besonders Frauen und Kinder find nicht zu falten und verlassen unter Mitnahme nur der allernotwen- digsten Sachen die Stadt. So ist denn in vielen Fällen Hab und Gut schutzlos den Tumultuanten preisgegeben, Diebstähle und Einbrüche sind an der Tagesordnung. Wenn es bisher zu Zusammenrottungen der feiernden Arbeiter noch nicht ge kommen ist, so verdankt man dies dem zahlreichen Militär aufgebot. Bereits vor acht Tagen hat sich der Polizeimeister in Czenstochau in alle Fabriken begeben und die Arbeiter auf gefordert, weiter zu arbeiten und sich von Aufwieglern nicht verführen zu lasten, gleichzeitig bat er aber eröffnet, daß bei Tumulten rücksichtslos scharf geschossen werden würde. In Czensiochan und überhaupt in ganz Polen steigen die Preise für Brot und Fleisch täglich, so daß über kurz oder ang der Hunger die Volksmassen zum äußersten aufstacheln dürste. Zeitungen erscheinen schon seit 14 Tagen über haupt nicht mehr, ebenso dürfen keine deutschen Blätter ein- geführl werden, die aber trotzdem als begehrenswerte Objekte auf alle mögliche Art über die Grenze gebracht werden. In den kleinen preußischen Grenzorten, wo manchmal nicht ein einziger Gendarm stationiert ist, sieht man mit Bangen den Ereignissen entgegen, da es nicht ausgeschlossen ist, daß sie Tumultuanten auch die Grenze überschreiten. Wie aber verlautet, sind die Landräte in Oppeln und Kattowitz beauf tragt, auf die Ereignisse an der Grenze zu achten. Ferner wurde zum Schutze der deutschen Einwohner in Sosnowice der königliche Grenzkommissar Polizeirat Mädler dorthin be- rufen. * Lübeck, 5. Februar. Die Vorstände politischer bürger licher Vereine erlassen einen Aufruf zu Gunsten der streikenden Bergarbeiter im Ruhrgebiet. * Stuttgart, 5. Februar. Wie der „Staatsanzeiger" be richtet, ist heute von dem württembergischen Staatsminister ür auswärtige Angelegenheiten und dem österreichisch-unga rischen Gesandten hier ein Staatsvertrag zwischen Württemberg und Oesterreich zur Beseitigung von Doppelbesteuerungen unterzeichnet worden. * München. 5. Februar. Zur Teilnahme an den Be ratungen über die Handelsverträge begeben sich von der baye rischen Regierung nach Berlin der Minister des Inneren, Graf Feilitzsch, Ministerialrat Brettreich, Regierungsrat und Landestierarzt Dr. Vogel, sowie der Finanzminister und Ministerialrat Höchstetter. flotte. * Schisfsbewegunaen. S. M. S. „Stosch" ist am 2. Februar in Port Mahon auf Menorca (Balearen) einge- troffen. S. M. S. „ Slei n" ist am 2. Februar in Algier eingetrofsen und geht am 5. Februar von dort nach Tanger in See. S. M. S. „Panther" ist^am 2. Februar in Nassau (Bahama-Inseln) eingelroffen. S. M. S. „See adler" ist am-2. Februar von Ämoy nach Singapore in See gegangen. S. M. S. „Luchs" ist am 2. Februar in Kiukiang am Jangtse eingetroffen. S. M. S. „Ha dicht" ist am 3. Februar in Kapstadt eingetroffen. S. M. S. „Moltke" hat am 2. Februar die Bermuda-Jnseln zum Kohlenergänzen angelaufcn und am 3. Februar hje Reise nach Horta (Azoren) fortgesetzt. Der Transport der abge lösten Besatzung S. M. S. „Möwe" ist mit dem Reichs postdampfer „Gneisenau" am 3. Februar in Aden eingetrofsen und hat am 4. Februar die Reise über Suez nach Port Said fortgesetzt. S. M. S. „Panther" ist am 3. Februar von Nassau (Bahama-Jnseln) nach Newportnews (Virginia) zum Docken in Lee gegangen. S. M. S. „Geier" ist auf der Heimreise am 4. Februar in Colombo (Ceylon) eingetroffen und setzt am 8. Februar die Reise nach Aden fort. S. M. Tpdbt. „8 90" und „ Taku " sind am 4. Februar in Shang hai eingetroffen. Fluslanü. Oesterreich - Ungarn. * Zur ungarischen Ministcrkrisis wird der „Voss. Ztg." aus Pest geschrieben: Einsichtige Politiker sind der festen Meinung, daß die Bildung einer parlamentarischen Regierung derzeit rein unmöglich sei, weil die äußerste Linke die Mehrheitspartei ist und sie an ihren Forde rungen bezüglich des selbständigen Zollgebietes, sowie der ungarischen Kommandosprache und der ungarischen Abzeichen für die ungarischen Regimenter der gemeinsamen Armeen sesthält. Ta in diesen Fragen Zugeständnisse kaum zu er warten sind, ist selbst ein Koalitionsministerium mit Hülse der äußersten Linken unmöglich- daher taucht der Gedanke der Bildung eines Beamtenministcriums nach österreichischem Muster aus. Vielleicht könnte ein solches Ministerium ein halbjähriges Budgetprovisorium und die Rekrutenbewilligung im Abgeordnetenhaus durchsetzen. Alle übrigen Fragen aber müßten ruhen, auch dieser Gedanke erscheint schwer durch führbar. Dies ist jedoch der einzige Rettungsanker, jede andere Kombination erscheint aussichtslos. Der Kaiser Franz Josef wird sich in den ersten Tagen dieser Woche persönlich nach Pest begeben, um selbst be: der Bildung des neuen Ministeriums mitzuwirken. Wie der Pester Korrespondent des „B. T." von vertrauenswürdiger Seite erfährt, begegnet die Mission des Grasen Andrassy fast unüberwindlichen Schwierigkeiten. Einerseits beurteilt man infolge Infor mationen Tiszas die ^Situation in Wien ganz falsch und glaubt, daß ein bloßer Personenwechsel ohne rede Kon zessionen genügen wird, die Stimmung in Pest zu be ruhigen; andererseits stellt die Kossuth-Partei Forderungen, die auch Graf Andrassy für undurchführbar hält Serbien. * Endlich Protest gegen die Königsmörder? In Belgrad erregt nach dem „L.-A." eine aus Kreisen der Regierung verbreitete Nachricht Aufsehen, daß man, um der Ver- schwörerfraae endlich ein Ende zu machen, entschlossen sei, wenigstens der äußeren Form nach, die Verschwörer in An klagezustand zu versetzen.
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