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A MhenerDNachnchten. Verordnungsblatt der Kreishauptmannschaft Bautzen als Konsistorialbehörde der Oberlausitz. Amtsblatt der Amtshauptmannschaften Bautzen und Löbau, des Landgerichts Bautzen und der Amtsgerichte Bautzen, Schirgiswalde, Herrnhut und Bernstadt, de- HauptzoÜamts Bautzen, ingleichen der Stadträte zu Bautzen und Bernstadt, sowie der Stadtgemeinderäte zu Schirgiswalde und Weißenberg. Rr. 40 120. Jahrgang Freitag, de« 18. Februar 1919, abends. Organ der Handels- und Gewerbekammer zu Zittau Erscheinungsweise t Täglich abends mit Ausnahme der Sonn- und Felert.ge. Esthriftleitung und Geschäftsstelle: Bauyen, Innere Lauenstraße 4. Fernsprecher: Nr. 5l. — Drahtnachricht: Amtsblatt, Bauyen. Bezugspreis: Monatlich I Mark. Einzelpreis: 10 Pfennige. Anzeigenpreis: Die ögespaltene Peiftzcite oder deren Raum 15 Pfennige, in geeigneten Fällen Ermäßigung. Schwieriger Say entsprechend teurer. Reklamen: Die Zgespccktene Petttzcile 50 Pfennige. Tas Wichtigste vom Tage. * In Frankfurta. M. sanden gestern abend Wahl rechtsdemonstrationen statt, bei denen es zu blu tigen Zusammenstößen mit der Polizei kam. * In England gestaltet sich insolgc der Haltung der Iren und der Arbeiterpartei die Lage des liberalen M i n i st c r i » m s A s q » i t h sehr kritisch. Man rechnet Mit allgemeinen Neuwahlen binnen 2 Monaten. In Lon don herrscht große Aufregung. * Tie Schiffbrüchigen des gestrandeten britischen Dampfers „Lima" sind sämtlich gerettet worden. * Ein heftiger S ii d w e st st u r m richtete in ganz E » g- <land große Verwüstunge n an. * Wetteraussicht für Sonnabend: Heiter, mild, trocken. ' Ausführliches siehe an anderer Stege. Deutschlands Verhältnis zu Holland. Es ist eine Tatsache, in die wir uns finden müssen, daß auf holländischer Seite gelegentlich immer wieder einmal das alte Mißtrauen gegen deutsche Annexivnsgelüste Mach wird, wie uns das erst jüngst die Anfrage des Herrn v a n H e e k e r c n in der holländischen Ersten Kammer von neuem veranschaulicht hat lieber diesen an sich bedeutungs losen Zwischenfall wäre daher auch kein Wort zu verliere», wenn er nicht zu einigen zeitgemäßen Reflexionen Anlaß ibötc, die auch unser Verhältnis zu England be treffen. Tas hcntige Königreich der Niederlande ist eine Schöp fung des Wiener Kongresses und verdankt speziell den Be dürfnissen der englischen Politik seine Entstehung. Der mehr als hundertjährige Kampf Englands und Frankreichs, der damals seinen Abschluß fand, war ja von französischer Seite in seinem letzten Grunde nichts anderes als ein Kamps um den Besitz der holländischen und belgischen Küste gewesen. Frankreich auf der Höhe seiner europäischen Stellung unter Ludwig XlV. hatte in begreiflichem Expan- stonsdrang seine Hand nach diesen Gebieten ausgestreckt. Für England dagegen mar es damals ein Kardinalsatz seiner Politik geworden, die Niederlande unter keine» Um ständen in die Hände der Franzosen falle» zu lassen. War Frankreich einmal im Besitz der Schelde- und Maas-Mün dung, so war ja die Bormachtstellung des englischen Handels definitiv niedergcbrochen. Unter Napoleon I. war dann Frankreich für einen Moment ans Ziel seiner Wünsche ge langt. Nach seinem Sturze war es daher Englands vor. nehmstes Bemühen, künftigen französischen Gelüsten einen festen Riegel vorzuschteben. Aus diesem Grunde ist cs ge rade Liese Macht gewesen, die auf dem Wiener Kongreß die machtvolle Aufstellung des preußischen Staates auf dein linken Rheinufer betrieb und fast gegen den Willen der preußischen Staatsmänner durchsetzte. Das neue Königreich Ler Niederlande sollte eben an Preußen einen Hort und Schützer gegen französische Uebcrgrifse erhalten. Das alles gehört heute der Geschichte an, und dennoch kann auch jetzt noch der politische Publizist daraus lcrneii. Freilich, die Verhältnisse haben sich seitdem verschoben. Frankreichs Ausdehnungs-Tendenzen sind wohl endgültig begraben und Hamburg und Bremen sind die großen Kon kurrenten des englischen Handels geworden. Ja, wenn Rotterdam und Antwerpen im letzten Menschen alter wieder einen mächtigen Aufschwung genommen haben, so sind eben doch auch sic jetzt vorwiegend Ausfallstorc des gewaltigen deutschen Exportes. Und hier nun liegt die Ursache für den leidenschaftlichen Argwohn, mit dem nicht bloß die holländische, sondern vor allem auch die eng lische öffentliche Meinung unser Verhältnis zu Holland be trachtet. Nicht Frankreich scheint heute die Selbständigkeit dieses Landes zu bedrohen, sondern die Macht, deren bei spielloser kommerzieller und wirtschaftlicher Aufschwung das stolze Albion auf so vielen Gebieten eincngt und mit Schrecken erfüllt. Und die praktischen Konsequenzen dieser Betrachtungen? Mißtrauen und Ucbclwvllcn der anderen müssen wir er tragen und können es, solange wir ein reines Gewißen haben. Wir müssen uns nur vor einem hüten: diesem Ueibelwollcn s c l b c r N a h r u n g z u z u f ü h r c n. Und in Liefer Beziehung läßt es nufere Presse doch hie und da an sich fehlen. Bei der Besprechung des Falles Hockcrcn mar gerade in nationalen Blättern wieder einmal die Rede von Ler „unhaltbaren Stellung", die das heutige Holland in seiner Isolierung vom Gcsamtdeutschtum cinnchme. Ja, was heißt das denn anderes, als daß Holland sich an Deutschland anlehnen müsse und eine eugere politische Ver bindung beider Länder in ihrem beiderseitigen Interesse anzustreben sei? Das aber ist es gerade, was wir auf das entschiedenste bestreiten. Und zwar soll das nicht bloß heißen, daß wir den A «schein solcher Bestrebungen ver meiden müßen, sondern daß s e l b st g e h c i m e Wünsche, die in dieser Richtung liegen könnten, so gefühlsmäßig falsch und so töricht wie möglich sein würden. Gewiß, in dein Augenblicke, wo England seinerseits Miene »lachte, seine Hand auf Holland zu legen, läge die Sache anders für uns. Ton müßten wir mit allen Mitteln und um jede» Preis entgcgcntretcn, — auch um den unserer eigene» Existenz. Aber so lange England Hollands Neutralität, die es selbst geschlissen, respektiert, haben auch wir unsererseits wahr hastig keinen Grund, ein englisches Lebensintereße zu ver letzen und sei es auch nur mit unklaren Wünschen und un bedachten Worten. Politische Nachrichten. Deutsches Reich. Vcrbandstäg Sächsischer Industrieller. Auf die Be grüß u n g s t e l e g r a m m «, die der Verband an den König Friedrich August gesandt hatte, dankte König Friedrich August noch am gleichen Tage von Leipzig aus für die freundliche Begrüßung, ebenso am folgenden Tage der Kaiser durch den Ehef des Eivilkabinetts von Valentini. — Zu der Liste der Ehrengäste ist noch »achzutragen, daß der Staatsselvctär des Innern, Delbrück, wegor starker In anspruchnahme durch dir Reichsgeschäfte in Berlin seine Abwesenheit telegraphisch entschuldigte. Ein „Deutscher Bauernbund im Königreich Sachsen" ist gegründet worden. Seine Geschäftsstelle befindet sich in Dresden. Die Aufgaben des Bundes bestehen, wie es im Programm heißt, in der energischen Vertretung der wirt schaftlichen, wirtschaftspolitischen und finanziellen Interessen des kleineren und mittleren Gutsbesitzers bei den zustän digen Stellen im Reiche und im Lande: er wird eintreten in Steuerfragen für eine gleichmäßige und gerechte Ver teilung der Lasten, somit auch siir eine Beseitigung der Vor rechte der exemten Güter nnd Rittergüter: er will seine Forderungen niemals einscitig und rücksichtslos vertreten. Industrie nnd Hande! sieht er nicht als seine Gegner, son dern als gleichberechtigte Mieder unserer Volkswirtschaft an. Dor Deutsche Techniker-Verband, der die Interessen der auf den technischen Fachschule» ausgebildeten Techniker vertritt und gegenwärtig über 27 MO Mitglieder hat, über reichte unter den, 25. Januar an beide Kammern des Land tages eine Bittschrift, die Verhältnisse der in den ver schiedenen Zweigen der Sächsischen Staatsverwal tung beschäftigten mittlere» Techniker betreffend. Die mittleren Techniker führen darin Klage über die un günstige Stellung, die sie innerhalb der Staatsbeamtcn- schast onnehmen, bitten die hohe Ständeversammlung bei der Königl. Staatsregiernng dahin wirken zu wollen, daß ihnen künstighin größeres Wohlwollen entgegen gebracht werden möchte und saßen ihre Wünsche in drei Punkte zu sammen. l. Möglichst gleichmäßige Regelung der Verhältnisse der mittleren Techniker in sämtlichen Staatsbetrieben hinsichtlich der Besoldung, des Urlaubs, der Kündi- gungssristen, der Fortzahlung des Gehaltes in Krank heitsfällen, während des Urlaubes und während militärischer Dienstleistungen, der Anstellung als Be amter usw. 2. Nutzbringendere Verwendung der mittleren Techniker dadurch, daß diese im Vcrwaltungswesen planmäßig wcitergebildct werden, hieraus Verwaltungsprüfun gen abzu legen haben und alsdann, abweichend von dem bisherigen Verfahren, grundsätzlich neben den nichttechnischcn Beamten in allen denjenigen Ver- waltungszweigcn beschäftigt werden, in denen tech nische Kenntnisse vorteilhaft und erwünscht sind. 3. Schaffung eines dem mittleren nichttechnischcn Be- amtentume einerseits nnd der wissenschaftlich gebil deten Technikerschaft andererseits angemessenen Zah- lcnverhältnisse zwischen den mittlere ntechnischcn Be amten- und Hilfsarbeiterstellen. Der Aufführung der Wünsche folgt eine längere ein gehende Begründung, aus der hcrvorgeht, daß besonders die Verhältnisse der in der Staatshochbauverwaltung be schäftigtet! mittleren Techniker recht ungünstige sind. 65 Beamtenstellen für Hvchschultechniker stehen dort nurlöVc- amtcnslcllcn für Mittelschultechniker gegenüber, während als Hilfsarbeiter ohne Staatsdienercigenschast nur 7 Hoch- schultcchniker lRcgierungsbaumeisterl gegen -5t MittcNchul- techniker eingestellt sind. Der Bittschrift ist ein Anhang beigegeben, in welchem eine frühere Schrift des Deutschen Techniker-Verbandes an den Landtag abgcdruckt ist, die sich in der Hauptsache mit einer finanzministeriellen Verord nung vom lO. Januar l905 befaßt. * * » Die Freikonscrvativcn und Lie religiöse Freiheit. Die Leitung der Partei im Reiche übermittelt uns folgendes offiziellesCommuniquö: „Die Reichspartei hegt den dringen den Wunsch, daß die Angehörigen aller Religionsgemein schaften miteinander in konfessionellem Frieden leben und in gemeinsamer Arbeit an der Lösung der großen sozialen Aufgaben zusammenwirken. Die Neichspartci lehnt jede Beschränkung der religiösen Freiheit ab, die nicht durch die Rücksicht auf deu konfessionellen Frieden nnd die Wahrung allgemeiner staatlicher Interessen geboten ist. Da das Zen trum selbst der Ansicht ist, daß etwa in einzelnen Bundes staaten bestehende unberechtigte Beschränkungen der reli giösen Freiheit nur im Wege der Landeögesctzgebnng auf gehoben werden können, »ruß dieser die Regelung der An gelegenheit überlaßen werden, zumal in den letzten Jahren von den in Frage kommenden Staaten auf dem Wege der Gesetzgebung wesentliche Erleichterungen stattgesunden haben. Die Reichspnrtei hält eS auch siir bedenklich, gerade auf dem religiöse» Gebiete dem Reichskanzler die Initia tive zuzuweisen. AuS diesen Gründen sicht sich dic große Mehrheit der Neichspartci genötigt, gegen den To le ranzantrag des Zentrums zu stimmen." Ungültige Ncichstagümandatc. Die WahlprüsungSlom- mission erklärte am Donnerstag die Wahlen der Abgg. Arnstadt skons.j, gewählt in Mühlhausen-Langensalza, Mayer (Zentrum), gewählt in Pfarrkirchen, und von Ka pH eng st (kvns.), gewählt in Frankfurt, für ungültig. Dic Ausschließung aus Ler sozialdemokratische,, Partei stellt dic „Leipziger Volks ztg." dem sozialdemokra tischen Reichstagsabgeordneten Heine wegen seiner War nung vor Straßendemonstrationcn in Aussicht. — Wenn Herr Heine nun nicht pariert! Kleine politische Nachrichten. In der gestrigen Siyung des Bundesrats nnude der Bo Inge, betreffend die Verlängerung des denlscb-schwedffchen Handel-Vertrages und dein internationalen Abkommen über den Verkehr mil Kraftfahrzeugen die fZustimmnng erteilt. Einstimmig ab gelehnt hat die Wahlrechtskommission die Be stimmungen des Regierungs-Entwurfes, wonach aewisse Kategorien von Persönlichkeiten wegen ihrer Bildung, amtlichen Tätigkeit oder beruflicher Erfahrung in höhere Wählerabbftungen einrücken sollten. In der preußischen Wahlrechtskommilsion haben die srei- kvnservativen Mitglieder deu Antrag eingebracht, daß alle Wähler, welche 1800 Mk. Einkommen versteuern und zehn Jahre lang selbständig Gewerbe oder Landwirtschaft betrieben haben, aus der dritten in die zweite Wühlerabtrilung ausriicken. Der Entwurs eines Arbeitskammergesepes ist gemäß den Beschlüssen des Bundesrates vom Reichskanzler erneut dem Reichstag zugegnngen. Fast allenthalben sind die von der Kömmissionsmehrheit des Reichstags zu den einzelnen Parag,aphen gefaßten Bescblüsfe be rücksichtigt worden. So ist den Arbeit-kammern ausdrücklich zur Pflicht gemacht, auf Amusen der Beteiligten beim Abschluß vou Tarifverträgen mitzuwi ken und die Einrichtung von paritätischen Arbeitsnachweisen zu söidern. Dic Berliner Stadtverordneten Versammlung hat gesteui abend den Antrag Cassel einstimmig angenommen, den Magistrat zu ersuchen, in einer an das Abgeordnetenhaus zu richtenden Petition für eine entsprechende Ncnderung der Wahlrechtsvorlage ein- zulreten. Das Präsidium des Hansabuudes hat beschlossen, die Frage der Regelung des Submissionswesens in Arbeit zu nehmen und mit tunlichster Bcschleunigunq eine Denkschrift darüber vmzubereilen. Der Gesamlansschuß des Hansabundes ist zum 28. d. M. nach Berlin einberusen worden. Für die Verhandlungen sind zwei Tage in Aussicht genommen. Oesterreich-Ungar». Die slawische Union verlangt drei Ministerportefeuilles. Die Prager „Rarodui Lisch" schreiben: „Die Ergänzung der jetzigen Regierung durch bloß ein Mitglied aus den Reihen der Slawischen Union, ob nun durch einen tsche chischen Landsmannminister oder durch einen Ver treter der Slowenen, wäre in Wirklichkeit bloß das Etn- treiben eines Keils in die Slawische Union, um so die Spannung zwischen uns Tschechen und den Süds awen herbeizuführen. Unter den gegebenen Umständen ist ein derartiger Verlauf sür dic Slawische Union einfach unan nehmbar für uns, und was die jungtschechischen Abge ordneten betrifft, direkt herausfordernd. Abgesehen davon, daß die Slawische Union mit vollem Rechte Anspruch auf drei Ministerportefeuilles erhebt und daß sie demnach die Berufung eines einzigen Vertreters aus ihrer Mitte keines falls zu einer Acnderung ihres Standpunktes zur jetzigen Regierung veranlassen könnte, könnte einer von unseren Abgeordneten in eine Regierung eintreten, in der sich die ausgesprochenen Gegner unseres Volkes befinden, die ihre antilschechischen Bestrebungen bei jeder Gelegenheit offen zur Schau tragen? Durchaus nicht!" Zm „Venkow" er klärt ein führender tschechisch-agrarischer Abgeord- ne ter, daß die tschechischen Agrarier die weitere Existenz