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A-orker Wochenblatt. Mittheil nngen über örtliche und vaterländische Angelegenheiten. Siebenter Jahrgang. Preii für den Jahrgang bei Bestellung von der Post S, Neugroschcn, bei Beziehung de« Blattes durch Bottngelcgmhiit 15 Nengroschen. 49. Erscheint ^ede Mittwoche. 7. 1842. Mein Traum. Ein Scherz. Das war ein prachtvolles Fest: schöne Reden, gu tes Essen, alter Wein, süßer Punschroial! Schlafest könnt ich unmöglich, da ging ich hinaus in die dun kelbraune Nacht, legte mich nieder und schlief ein. —- Ich mochte wohl lange geschlafen haben; denn, als ich erwachte, war ich ganz steif und mein Bart, den Herr Wolf so schön gestutzt hatte, als ich gestern zu Färbers ging, lang, sehr lang und schneeweiß. Mein Rock, von theucrn Korn- und Kaufmannschen Tuch, sah auch ganz fadenscheinig aus, doch hielt er noch. Um mir aber war's finster, wie im Grab, und ich merkte, daß ich in einer Höhle stak. Da machte ich mich fort, um nach Hause, nach Adorf zu kommen. Inzwischen bekannte ich mich gar nicht mehr. War das Wald? Neihenweis hohe, herrliche Bäume, Lan nen und Buchen und dazwischen Moos und Kräuter ellenhoch! Und auf den Leitersberg, wo waren die Felder hin? Sonst Rain, dürrer Rain an dürrem Rain! Jetzt eine große Fläche von Korn, daneben eine große Fläche Klee, dort Gartengewächse und was war das gar, unten im Thal, wo gewöhnlich die Heren ausfuhrcn? das ist ja Wein, wahrhaftig, gold grüne Weinstöcke, ist's möglich? So ging ich denn auf Adorf zu und wollte meinen Augen mcht trauen, «IS ich erst die Stadt sah. Welche Herrlichkeit! Sind das Wiesen, oder ist's Garten ? Und welche Gebäude? Ich muß wohl nach Neukirchen gerathen sein, dachte ich; denn 's war prächtig! Da kam mir ein Zug Menschen entgegen: junge, lustige Leute, wie's schien. Eie sangen in die blaue Luft hinein, wie die Lerchen. Wie sie näher traten, unterschied ich junge Männer und Mädchen. Die Manner, meist einfach und ei nerlei gekleidet, sahen gesund und kräftig, fast trotzig aus, und die Mädchen, mein Gott, wie lachten die alle? Verwundert blieben sic bei mir stehen und sahen mich an. Ein junger Bursche trat auf mich zu und sagte: alter Mann, wo kommst Du her? Ich gegen- fragte: Wer seid Ihr? Adorfer, war die Antwort. Wenn Ihr aus Adorf seid, sprach ich, müßt Ihr mich doch kennen, ich bin ja der B., der gestern Abend mit im Engel war. Alle blickten verwundert auf mich. Endlich trat einer vor und sagte: Bist Du nicht der Mann, der seit dreihundert Jahren hinten in der Höhle schläft, bist Du nicht der, fragte ein Anderer, von dem uns die Väter erzählen, daß er bestimmt sei, seine Reugier nach der Zukunft mit dreihundert- jährigem Schlaf zu büsen? Bist Du endlich erwacht, Alter? piepte eine kleine Flachskröte von Mädel? — Und ich erkannte, daß dem also war. Dreihundert Jahr hatte ich geschlafen und war jetzt erwacht, um zu sehen den Unterschied zwischen den Zeiten und M vergleichen, wie es damals im Jahre 1842 gegen jetzt, im Jahre 2142 aussah. Und die Adorfer Leute kehr« ten mit mir im Triumpf um, mir zu zeigen, was auS dem Städtlesn geworden war in dreihundert Jahren. Zunächst fragte ich, warum habt Ihr keine Feldraine mehr? Ei, sagten jene, die unnützen Raine nehmen viel Platz weg, und hindern die Bestellung. Ich. Vertragen sich denn aber die Nachbarn? Jene. Es giebt keine Nachbarn, sondern wird Alles auf gemeinschaftliche Kosten bestellt. Das ist wohlfeilerund besser; schau um Dich, welche Früchte! Ich. Baut Ihr denn aber genug, kauft Ihr nichts, habt Ihr keine Kornjuden mehr? Jene. Wir kaufen nichts: alljährlich kommt ein Theil in die Vorrathshäuser für die Armen; das Meiste wird vertheilt. Ich. Habt Ihr noch immer Arme?