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01-Frühausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 24.07.1900
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-07-24
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19000724010
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900072401
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900072401
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-07
- Tag 1900-07-24
-
Monat
1900-07
-
Jahr
1900
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371 Die Morgen-Au-gabr erscheint um '/,7 Uhr, di« Abeud-Au-gabe Wochentag- um L Uhr. Nedaction «n- Lrpeditio«: Johannts-affe 8. Die Expedition ist Wochentag- ununterbrochen geöffnet von früh 8 bi» Abend» 7 Uhr. Filialen: Alfred Hahn vorm. v. klemm'» Lortinu Universitüt-strab« 3 (Pauliuum), Laut» Lösche, kathartnenftr. 1t, »art. und König-Platz 7. Bezugs-Preis Kt der Hauptexpedition oder den im Stadt» dejirk und den Vororten errichteten Aus ««bestellen abgeholt: vierteljährlich^»tchO, vei zweimaliaer täglicher Zustellung in- ^au» ^.SO. Durch die Post bezogen für Deutschland und Oesterreich: vierteljährlich ^l s.—. Dirret« tüu'.Ichr kreuzbandieudung tu» Au-laud: monatlich ^ll 7.ÜO. Morgen-Ansgabe. Wp.ngtr Tagldlali Anzeiger. Ältrlsvlatt des Lönigtichen Land- und Amtsgerichtes Leipzig, des Rathes und Vottzei-Ämtes der Ltadt Leipzig. Dienstag den 21. Juli 1900. Anzeigen-PreiS die 6 gespaltene Petitzeile 20 Pfg. Reclamen unter dem RedactionSstrich (4a» spalten) bO/H, vor den Familieanachrichke» (6 gespalten) 40^. Größere Schriften laut unserem Preis» verzeichniß. Tabellarischer und Ziffernsatz uach höherem Tarif. Extra-Veilaa«» (gefalzt), nur mit der Morgen-Ausgabe, ohne Postbesörderuug 60.—, mit Postbeförderung 70.—. Annahmeschluß für Anzeigen: Abend-Ausgabe: Vormittags 10 Uhr. Marge »-Ausgabe: Nachmittags - Uhr. Bei den Filialen und Annahmestrlleu je eia« halbe Stunde früher. Anzeigen sind stet- an die Vr-edttia» zu richten. Druck und Verlag von E. Polz in Leipzig 91. Jahrgang. Heranbildung von Colonialbeamten. Der Behauptung der „Col. Zeitschrift", der Gouverneur von Deutsch-Ostafvika, Generalmajor v. Liebert, sei seiner Stellung enthoben, waren bekanntlich heftige Angriffe gegen Herrn v. Liebert beigcfiigt, dem vorgeworfen wurde, daß er nicht nur eigenmächtig Politik tröibe, «die zu der de- Colonialdirectors im Widerspruche stehe, sondern auch durch sein Verhalten das Vertrauen der 'in Deutsch-Ostafrika intercssirten Erwerbskreise verloren hab«. Der Herausgeber der Zeitschrift, Or- Hans Wagner, sucht jetzt diese Angriffe in der „Tägl. Rundschau" durch die Veröffentlichung von Briefen zu begründen, aus denen her- vovyehen soll, daß Herr v. Liebert „die colonialen Erwerbskreise privatim zu Unternehmungen mit freundlichem Pathos er- muthige, amtlich aber dann diese Unternehmungen durch kreuze." Besonder» wird ihm dies der Nyassa-Gesellschaft gegen über zum Vorwurfe gemacht. Da Herr v. Liebert demnächst nach Deutschland kommt, so wird er nicht zögern, Herrn vr. Wagner Rede und Antwort zu stehen. Man wird dann jeden falls auch erfahren, wie die ganzen Briefe lauten, aus denen Dr. Wagner Bruchstücke anführt, und welche Zwischenstücke etwa fehlen, di« volles Licht auf das Verhalten des Gouverneurs werfen. Einstweilen schließt die „Nat.-Lib. Corr." mit Sicherheit auS den veröffentlichten Actenstücken, daß die Beurtheilung der Projekte der Nyassa-Gesellschaft vom kaufmännischen Stand punkte au- oine schwankende gewesen sei, und knüpft an diesen Schluß einige Bemerkungen, die mit dem persönlichen Hinter gründe der Wagner'schen Angriff« ebensowenig zu thun haben, wie mit dem Streit über das vielbesprochene System Scharlach, sondern lediglich die allgemeinen Interessen unserer Colonial politik berühren und, da zur Zeit ein Wechsel in der Leitung der Colomalabtheilung stattfindet, den neuen Chef der Verwaltung auf unerläßliche Reformen des Verwaltungssystems hinlenken. Sie lauten: Daß in den ersten anderthalb Jahrzehnten neudeutscher Colonialpolitik alle administrativen Einrichtungen nur in einem engen Zusammenhang mit den militärischen Interessen der Colonien getroffen werden konnten, versteht sich von selbst; eben so daß wir für dr« Verwaltung entweder auf Offictiere der Schutz truppe oder auf Beamte, die wenigstens imConsutatSdienste eine Erfahrung gesammelt hatten, angewiesen waren. Nachgerade er scheint «S aber dringlich an der Zeit, daß die Colonialverwaltunz zweckmäßige Wege sucht, um tüchtig vorgebildcte Colonialbeamte zu finden. Darüber hat im verflossenen Winter eine Aussprache in der Budgetcommission stattgefunden. Herr Abgeordneter Dr. Haffe war eS, der einerseits die zwingende Nothwendigkeit hcrvorhob, die künftigen Colonialbeamten in ausgedehnter Weise mit den kaufmännischen Kenntnissen und Erfahrungen aus- zuvüsten, die unseren Consuln zur Seite stehen, andererseits die Colonialbeamten nicht lediglich auS dem Kreis der Juristen und etwa der Kaufleute heranzuziehen, sondern namentlich auch Techniker und Ingenieure von höherer Bildung in den Colonial dienst mit herein zu bringen. Diese Anregung gab den un mittelbaren Anlaß zur Vereinbarung bestimmter Grundsätze über die Auswahl und Heranbildung der Colonialbeamten über haupt, und auf dem Papier stehen diese Grundsätze einstweilen fest. Der kürzlich zurückgetretene Colonialdirector, Herr Dr. von Buchka, hat sie ausdrücklich bestätigt. Hiernach erscheint eS zu nächst als praktisch unthunlich, eine selbstständige Colonial- carriSre zu schaffen. In der That läßt sich nicht verkennen, daß die GesundheitSverhältiriffe in unseren Schutzgebieten einen lebenslänglichen Aufenthalt in denselben kaum gestatten, ab gesehen von dem südlichen Theil unserer südwestafrikanischen Colonie, wo im Wesentlichen das Klima ebenso gesund ist, wie in der englischen Capcolonie. Aber schon in der Uebergangszone, in welcher Swakopmund und Windhoek liegen, bedarf eS besserer Wasserversorgung, ehe das Klima als dauernd gesund betrachtet werden kann und für deutsche Ansiedler in größerem Maßstabe sich eignen wird. Hingegen hat der Norden von Südwest-Afrika rein tropisches Klima, ebenso wie alle anderen Schutzgebiete in Afrika und diejenigen in der Südsee. Kiautschau hinwiederum hat zwar subtropisches Klima, aber dort sind die GesundheitSver- hältmsse auS anderen Gründen noch nicht derart, daß der deutsche Beamte lebenslänglich dort sich aufhalten könnte, wenn auch Vie Dienstfrist dort wie in Südwest-Afrika erheblich länger ausgedehnt werden kann, als unter den Einflüssen des Tropen klimas. In der Hauptsache wird eS also darauf ankommen, Beamte zu finden und so vorzubilden, daß sie für einen Theil ihrer Dienstzeit in den Colonien sich nützlich machen können, um den üböigen Thsil ihrer Carriere, sei es in gesünderen Posten deS ConsulatSdiensteS, sei eS wieder in der Hcimath, zu ver bringen. Für solche Beamte eine eigene Vorbildung zu schaffen, erscheint weniger zweckmäßig, als wenn man ihnen Gelegenheit giebt, ehe sie selbstständig und verantwortlich im Schutzgebiet ihren Dienst leisten, aus eigener Anschauung mit den kauf männischen Erfordernissen der Colonialwirthschaft sich vertraut zu machen und Vie cukturtechnischen Möglichkeiten und Ziel« einer solchen Wirthschaft übersichtlich kennen zu lernen. DaS geschieht am besten, indem die jungen Beamten vorher nach höher ent wickelten Colonialculturgebieten entsendet werden, besonders also nach holländischen Colonien, deren Betrieb im Allgemeinen dem der englischen überlegen ist. Director von Buchka hat sich diesen Ansichten von der Vorbildung der Colonialbeamten vollständig angeschlossen und hat in Aussicht gestellt, daß der nächste Etat Mittel verlangen werde, damit junge Beamte der bezeichneten Kategorie etwa in derselben Weise den Consulaten in hollän dischen, vielleicht auch französischen und englischen Colonien attachirt werden, wie wir neuerdings landwirthschaftliche Sach verständige den Consuln in den großen Productionsgebieten über See attachiren. Herr von Buchka hat dabei ausdrücklich betont, daß diese Grundzüge deS Vorbildunzswesens nur vorläufige sein und mit der fortschreitenden praktischen Erfahrung auch weiter entwickelt werden sollen. Um aber einem dringlichsten Bedürfniß des Augenblicks durch eine vorläufige Einrichtung sofort zu entsprechen, hat er sich bereit erklärt, dem Gouverneur von Ostafrika einen kaufmännischen Bei rath an die Seite zu stellen. Der Einblick, den man jetzt in die Verhältnisse gewinnt, läßt beides gleich wichtig erscheinen, sowohl Vie Schaffung dieses kauf männischen Beirathes Wie die Einrichtung der attachirten Posten auf den Consulaten. Wenn bei der Beurtheilung und schließlichen Entscheidung über die Deutschen Projekte oine schwankende Hal tung deS Gouverneurs thatsächlich dem beteiligten Capital einen Schaden zugefügt haben sollte, so ist wohl anzunohmen, daß eine solche Schädigung vermieden worden wäre, wenn man von vorn herein einen kaufmännischen Beirath hätte hören müssen. Wir glauben auch, daß der RsichStag, nachdem er sich mit den Grund zügen der Reform deS Vorbildungswesens im Allgemeinen gerne, ja wohl einstimmig einverstanden, und nachdem er ebenso ein- müthig die Schaffung deS kaufmännischen Bciraths für notwen dig erklärt hat, nicht die mindeste Schwierigkeit bereiten wird, wenn hierfür im Wege der Etatüberschrertung bereits jetzt Aus gaben gemacht werden, und nicht erst die Verabschiedung des näch sten Etats abgewartct wird, bis die auf dem Papier veroinbarten Grundziige ihr« Verwirklichung finden. Vorausgesetzt, daß der Nachfolger des Herrn von Buchka mA diesen Grundziigcn sich ein verstanden erklären kann. ES wird der öffentlichen Meinung eine Beruhigung sein, wenn sie darüber etwas erfährt, sobald Herr Dr. Stübel die Leitung der Colonialabtheilung demnächst über nommen haben wird. Die Wirren in China. Ueber die Fahrt deS VorbereitungScommanvoS der deutschen Ostasiatischen Expedition liegen folgende Telegramme vor: * Innsbruck, 23. Juli. (Verspätet eingetroffen.) Gestern früh 9 Uhr berührte das BorbereitungScommando des Deutschen Osta si at i s ch e n ' E xped iti o n S c orp s auf der Fahrt nach Genua Innsbruck. Zur Begrüßung hatten sich auf dem Bahnhofe Erzherzog Eugen mit den dienstfreien Officieren der Garnison und Statthalter Graf Meröldt eingrfunden, sowie der Bezirkshauptmann. Der Erzherzog bewirthete di« deutsche Truppe und brachte im Verlaufe deS Frühstücks ein Hoch auf den deutschen Kaiser aus, worauf der Führer deS Transports Major v. Falkenhain fein GlaS aus das Wohl deS Kaisers Franz Josef von Oesterreich leerte. Die Capelle Les Kaiser-RegimentS spielte die deutsche und österreichische Hymne. Nach einstündigem Aufenthalt verließ der Zug unter brausenden Hochrufen die Station. * Genua, 23. Juli. DaS BorbereitungScommando deS Deutschen Ostasiatischen ExpeditionScorps ist heute früh ö Uhr 40 Miu. hier ringetrosfen und bei der Ankunft von der Generalität, den Lssicieren der Garnison und Vertretern der Gemeindeverwaltung ausS Herzlichste empfangen und bewirthet worden. Die Truppen werten an Bord deS Dampfers „Preußen" ringeschisft, der morgen Mittag abgeht. Heute Abend erscheinen die Osficiere zu einem von der Deutschen Colonie dargebotenen Ehrentrunk. Wir knüpfen hieran die weiteren Nachrichten: * Berlin, 23. Juli. „Wolss'S Telegr.-Burcau" meldet: Der Ches des deutschen Geschwaders Viceadmiral Vendemann meldet auS Taku vom 20. d. M.: Die deutsche Besatzung von Tientsin ist aus 300 Mann unter Capitänleutnant Weniger reducirt worden. Capitän v. Usedom, dessen Verhalten von dem englischen und russischen Befehlshaber gleich mäßig gelobt wird, ist mit den übrigen Leuten frisch und in guter Gesundheit an Bord zurückgekehrt. * Paris, 23. Juli. Der französische Consul in Tschangking meldet unter dem 18. d. M.: In der Provinz Szitschwan ist die Ruhe nicht gestört, doch sind in den ländlichen Bezirken im Nordwesten der Provinz einige christliche Niederlassungen zerstört worden. * Petersburg, 22. Juli. Ein am 20. Juli aus Tschisu ab- gegangenes Telegramm deS ViceadmiralS Alexejew berichtet über die Einnahme von Tientsin: Nach zweitägigem hart näckigen Widerstande der chinesischen Truppen wurde Tientsin, Las von zwei Seiten durch unsere und Verbündete Truppen an gegriffen wurde, genommen. Bei der Einnahme d«k chinesischen Stellung wurden 40 Geschütze und eine Menge Kriegsmaterial er beutet, ein großes Pulverdepot wurde vernichtet. Der Angriff war Lurch Artillerieseuer zweier 120-Millimetergeschütze des Kreuzers „Wladimir Monomach" vorbereitet worden. Unsere Verluste sind bedeutend und betragen 200 an Todten und Verwundeten. Matrosen uud Sappeure, welche den Uebergang über den Canal für die Truppen herstellten, hatten keine Verluste. — Ein andere» vom „Russischen Invalid" veröffentlichte» Telegramm LeS ViceadmiralS Alexejew aus Tschifu vom 19. d. Mts. meldet: Nachrichten aus Tientsin vom 15. Juli besagen: In der Nacht vom 13. aus Len 14. d. M., nach unseren bedeutenden Erfolgen, verließen die Chinesen Las Fort und die Befestigungen von Jmpani und flohen nach Norden in der Richtung auf Peking. Jmpani fiel in die Hände der Russen. Das Fort wurde jedoch, da eine Explosion be- fürchtet wurde, nicht besetzt. Tie chinesische Stadt ist nun in Händen der Verbündeten und hat Unterwürfigkeit und Ge horsam versprochen. Ter Vicekönig ist wahrscheinlich nach Einnahme der Stadtwälle geflüchtet. * Petersburg, 23. Juli. Im Gegensatz zu den Meldungen auswärtiger Blätter theilt die Hauptverwaltung für Posten und Telegraphen mit, daß die Telegraphenverbiudung zwischen Blagoweschtschensk und Petersburg nicht unterbrochen ist, sondern täglich benutzt wird, dagegen die Telegraphenverbindung zwischen Port Arthur und den anderen ostasiatijchen Häfen unterbrochen ist und die Depeschen per Schiff nach Tschifu be fördert werden. * Petersburg, 23. Juli. (Meldung der „Russischen Telegraphen- Agentur".) Eiu Telegramm des Ingenieurs der chinesischen Bahn von der Station Pogranitschnaja im Primorskischen Gebiet vom 18. Juli besagt: Am 10. Juli haben die Bahnarbeiter der elften Srction, sowie die Beamten und die Schutzmannschaft die Station Chantachegi verlassen. Die Station wurde von den Chinesen geplündert und in Brand gesetzt, die Telegraphen- Verbindung mit Chardin zerstört. Am selben Tage wurde die nach Chardin dirigirte Schutzmannschaft bei Muren von 400 gut bewaffneten Chinesen angegriffen, aber von der Eiscnbahnwache zurückgeschlagen. Auf russischer Seite wurden dabei ein Mann getödtet, 3 verwundet, auf chinesischer Seite fielen 60 Mann. — Ein Telegramm des Ingenieurs der östlichen chinesischen Bahn von der Station Algatschi (Transbaikalien) vom 20. Juli besagt: Chailar wurde von den chinesischen Truppen besetzt. Die Schutz- Mannschaft wird bei Charbin zusammengezogen. — Tas Organ deS Handelsdepartements meldet: Ein Theil der russischen Schutzmannschaft sammelte sich in Ljaljan, die Chinesen zogen sich nach dec Zyndschou-Ljaodun-Bucht zurück. Beim Heran nahen der Abtheilung des Generals Orlow zogen sich die Chinesen bei Bruszeva-Kimarskaja vom Amur zurück. — Bei Tientsin recognoscirende Chinesen wurden von Japanern und Kosaken geschlagen, wobei 8 Japaner getödtet, 1 Kosak« ver- mundet wurde. Viele Chinesen wurden gefangen genommen. — Bei Wei-hai-wei kam cs zu zwei Zusammenstößen zwischen den Engländern und den Chinesen. Ten Engländern gelang eS, nach dem sie aus der Festung verstärkt worden waren, die Chinesen nach hartnäckigem Kampfe zu schlagen, wobei sie 200 Gewehre er beuteten. Lepcschcnwcchscl zwischen China unv Japan. * Berlin, 23. Juli. Nach einer aus japanischer Quelle stammenden und Tokio den 20. Juli datirten Depesche lauten die zwischen den Kaisern von China und Japan gewechselten Briefe im vollen Texte wie folgt: Der Kaiser von China an Se. Majestät den Kaiser von Japan. Während Unser Reich sich in aufrichtigen Freundschafts verhältnissen mit dem Reich Eurer Majestät befand, wurde der Kanzler Eurer Majestät Legation vor etwa einem Monat angegriffen und ermordet. Durch dieses Ereigniß tief betrübt, haben Wir Be fehl gegeben, die Individuen, welche dieses Verbrechen begangen hatten, zu ergreifen und zu bestrafen. Jedoch batten die fremden Mächte im Glauben, daß bei dem bestehenden Conflict zwischen Unseren christlichen und nicht christlichen Unterthanen Unsere Regierung die Bewegung gegen die Christen unterstützt hätte, die Forts von Taku an gegriffen und besetzt. So entstanden Feindselig keiten. Die Lage und die Beziehungen zu den Mächten sind immer verwickelter geworden. — Der Westen und Osten stehen sich feindlich gegenüber. Eurer Majestät und Unsere Staaten sind die einzigen, welche den Osten auf rechterhalten. Nicht blos auf China richten sich die lüsternen Blicke der Mächte, um ihre Pläne zur Geltung zu bringen, sondern falls China nicht im Stande ist, seine Stellung zu behaupten, so befürchten Wir, daß auch für Eurer Majestät Reich die Lage unhaltbar werden wird. Die Interessen der beiden Reiche sind eng mit einander ver bunden, und Wir hoffen daher, daß Eure Majestät die An gelegenheiten untergeordneter Bedeutung in diesem Moment übersehen möchten und mit Uns gemeinschaftliche Sache machen, nm Unsere gleichartigen Interessen zu beschützen. China ist in diesem Moment so vollständig durch seine militärischen Operationen in Anspruch genommen, um den Aufstand zu bewältigen, daß es nicht im Stande ist, der von außen drohenden Gefahr die Spitze zu bieten und die Verwickelungen mit den Mächten zu einem erfolgreichen Ende zu führen. Wir sind daher darauf angewiesen, auf die Unterstützung desjenigen Landes zu rechnen, welches, wie Unser Reich, einen Theil von Asien bildet. Unter diesen Umständen richten Wir diese Botschaft an Eure Majestät in einem absolut offenen und vertrauensvollen Geiste und bitten Wir, Eure Majestät möge solche Schritte anordnen, als für gut befunden werden, unter Eurer Majestät mächtiger Führung Frieden und Ordnung wiederherzustellen. Am 7. Tag des 6. Monats im 26. Jahre Kwangsu (3. Juli 1900). Der Kaiser von Japan an Se. Majestät den Kaiser von China. Während bisher nur gerüchtweise verlautete, daß Sugi- yama, der Kanzler Unserer Gesandtschaft, vor einiger Zeit ermordet worden sei, bat bisher eine positive Bestätigung dieser Nachricht gefehlt. Eurer Majestät Telegramm, welches soeben eingelangt ist, hat nun diese Thatsache Fsurlletsn. Die verhangnißvolle Sonate. Ein« Eriminalnovellette von W. I. Caie. Slutovisiötle Uebersetzung nach den „Tit-Diti" von E. Vilmar. Nachdruck »ertöten. „Heute Abend um acht Uhr giebt Fräulein EVith Heinemann in der Bictoriahalle «in Clavierconcevt und wird u. A. Beethoven'S 12. Sonate vortragen." Diese Zeilen fielen mir 6ne» Abends beim Lesen der Zeitung in» Lug«. E» war 7 Uhr 30, also noch vollauf Zeit, um hinzugelangen. Ich bin sehr musikalisch, ein leidenschaftlicher Beethovenfreund, und Lberdie» ein naher Bekannter Fräulein Heinemann'S, die ich vor zwSi Jahren — vor Antritt meiner Reise nach dem Süden — sehr oft bei gemeinsamen Bekannten getroffen hatte. Schon damal» entzückt« mich ihr ausgezeichnete», seelenvolles Spkel, so daß mich außer dem persönlichen Interesse auch die Hoffnung auf einen großen musikalischen Genuß zum Besuche de» Concerto» vrranlahte. Al» ich den Concertsaal betrat, erschien Fräulein Heinemann soeben auf dem Podium. Der Saal war dermaßen gefüllt, daß ich nsich mit einem sehr entfernten Platze begnügen mußte. Die beiden ersten Stücke de» Programm», Rubinstein'» „Staccato-Studie in 6" und PaderewSli'i „Menuett in wurden zwar sehr correct vorgetragen, doch schien eS mir, al» stände die Künstlerin an diesem Abend nicht auf der Höhe ihre» Könnens, namentlich in dem ersten Stück, das mehr Fertigkeit und Verve als Gefühl und Ausdruck verlangt. Ich schob es auf Nervosität und harrt« während der nun folgenden Pause ungeduldig ihres Wiedererscheinens und der 12. Sonate. Mit lebhaftem Applaus empfangen, nahm sie aufs Neue vor dem Flügel Platz und begann daS liebliche Andante, welches gleich den drei folgenden Variationen herrlich zum Ausdruck gelangte. Doch als sie nun zum Scherzo überging, constatirte ich einen ent schiedenen Rückschlag; statt scharf und klar klangen di« Töne ver- schwömmen und undeutlich. Ihr vorhin rosig erglühtes Gesicht zeigte eine so tödtliche Blässe, daß ich mich besorgt fragte, ob sie im Stande sein würde, da» Trio zu vollenden. Immer nachlässiger, ausdrucksloser wurde ihr Spiel, und die ersten Tacte des großen, ergreifenden Trauermarsche- klangen undeutlich, ja, fast unhörbar. In angstvoller, fieberhafter Span nung harrte ich deS Weiter««, allein sie spielte fort, wahrend ihr Oberlö'.per lrn- und herschwanllc und lcuchende Athewzüg; ihre Drast hoben, bi» sie schließlich mit leisem, unartiku»/rtcm Schrei besinnungslos zu Boden sank. Mehrere Herren stürzten zum Podium und trugen dir leb lose Gestalt hinaus, während da» Publicum sich zu zerstreuen begann, da eine Fortsetzung de» ConcertcS sehr unwahrscheinlich war. Es währte einig« Minuten, ehe es mir von meinem Platz« au» gelungen war, mir den Weg in» Nebenzimmer zu bahnen, wohin di« Leidende gebracht worden. Doch man denke sich meinen Schreck, meine Erschütterung: Edith Heinemann war tatst! Ich sprach ihrer verzweifelten Schwester, die mir ebenfalls von früher her bekannt war, meine Thcilnahme auS und kehrte dann mit dem vagen, undefinirbaren Empfinden heim, daß eS hier nicht mit rechten Dingen zugegangen. Schien e» doch nahezu un möglich, unglaublich, daß dieses blühende junge Weib in der vollsten Kraft ihres Lebens so jäh hingerafft sein sollte. Mein Ahnen hatte nicht getrogen. Am folgenden Morgen erhielt ich ein Billet von Hanna Heine mann, folgenden Inhaltes: „Wcrther Herr Arnolds! Ich bin in äußerster Bestürzung und Ruchlosigkeit hinsicht lich Edith's Tod und möchte Sie gern sprechen. Bitte, kommen Sie, so bald Sie können. Hanna Heinemann." Ich eilte sofort in die nicht weit entfernte Wohnung der Schwestern. Beim Betreten derselben fiel mir ein eigenthüm- licher, überaus unangenehmer Geruch auf, dem ich indeß schon einmal irgendwo begegnet sein mußte. Und plötzlich stand der gestrige Abend deutlich vor mir — denn bekanntlich sind Gerüche die treuesten Vermittler von Er innerungen, mit denen sie verknüpft gewesen. Diesen näm lichen Geruch hatte ich in dem Zimmer des Concerthauses wahr genommen, doch in der Erregung des Augenblickes hatte ich nicht weiter darauf geachtet; nun begegnete ich ihm hier wieder, doch in ungleich verstärktem Maße. Bleich, mit rothverweinten Augen trat Hanna mir ent gegen. „Wie freundlich, daß Sie gekommen sind", sagte sie. „Ich weiß selbst nicht, warum, aber ich bin überzeugt, daß Edith'S Tod kein natürlicher gewesen. Seit man sie heimgebracht, ist da» Hau» von diesem unerträglichen Geruch erfüllt, der Ihnen natürlich auch aufgefallen sein muß. WaS kann eS nur sein?" „Befand sich Ihre Schwester bei vollkommener Gesundheit, oder hatte sie ein Herzübel?" „Bewahre, weder ein Herzübel, noch sonst irgend ein Leiden. Ich kann mich kaum entsinnen, daß sie je im Leben einen Tag krank gewesen. — Gestern Mittag ging sie aus, um Einkäufe zu machen und übte dann den ganzen Nachmittag an dec zwölften Sonate, da ihr um den Erfolg dieses Stückes am meisten bange war. Obwohl selbst keine große Beethoven freundin, spielte sie die Sonate auf besonderen Wunsch." „Auf wessen Wunsch?" fragte ich. Sie zögerte unschlüssig. „Wohlan", sagte sie schließlich, „Sie sollen Alles erfahren, Herr Arnolds. Vor einiger Zeit lernte Edith bei einem Concert einen italienischen Geiger, Namens Correzzio — Adolphe Cor- rezzio — kennen. Sie trafen sich dann öfters in Concerten, bei denen sie gemeinsam mitwirken und in Gesellschaft, und er ver liebte sich leidenschaftlich in sie, folgte ihr beständig, suchte auf jede erdenkliche Weise Begegnungen herbeizuführen und erbat schließlich ihre Erlaubniß, uns zu besuchen. Obwohl sie ihn nicht mochte, gestattete sie es ihm, und er war dann ein häufiger Gast in unserem Hause, bis Edith'S Ab neigung gegen ihn ihren Höhepunct erreichte und sie derselben bei Gelegenheit seiner Werbung unverholen Ausdruck gab. Eine Scene folgte, und als ich dos Zimmer betrat, hörte ich Correzzio sagen: „Fräulein Heinemann, Sie sollen Ihre schnöde Abweisung bereuen, Sie haben mich beleidigt, und ich werde mich rächen!" Seit jenem Ereignisse war meine Schwester längere Zeit verstimmt und lebte in beständiger Furcht, daß der Italiener, dessen rachsüchtigen Charakter sie längst durchschaut, seine Drohung ausführen könne. „Wie lange war Ihre Schwester mit Correzzio bekannt?" „Fast rin Jahr. Ehe er hierher kam, hatte er Kunstreisen durch den Orient gemacht. Er war ein seltsamer Mensch, der sich — außer für Musik — sehr lcbhast für Chemie intercssirte,
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