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02-Abendausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 13.03.1900
- Titel
- 02-Abendausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-03-13
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19000313020
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900031302
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900031302
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-03
- Tag 1900-03-13
-
Monat
1900-03
-
Jahr
1900
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Durch die Post bezogen jur Deutschland und Oesterreich: vierteljährlich >l L.—. Directe tägliche Kreuzbandlendung inS Auslaud: monatlich 7.50. Die Morgen-AuSgabe erscheint um '/,? Uhr, die Abeud-AuSgabe Wochentags um 5 Uhr. Ne-action un- Ervedition: JohanuiSgaffe 8. Die Expedition ist Wochentags ununterbrochen geöffnet von früh 8 bis MendS 7 Uhr. Filialen: Alfred Hahn vorm. v. Klemm s Sorttm. Universitätsstratze 3 (Paulinum„ Louis Lösche, Latharinenstr. la. part. und KönigSplotz 1» Abend-Ausgabe. NipMer TagMM Anzeiger. ÄmisUatt des Königlichen Land- und Amtsgerichtes Leipzig, des Rathes un- N-lizei-Nmtes der Ltadt Leipzig. Anzeigen-PreiS die 6 gespaltene Petitzeile 20 Pfg. Reclamen unter demNedactionSstrich (4ge- jpalten) 50^, vor den Familienuachrichten (6 gespalten) 40^. Größere Schriften laut unserem Preis- verzeichniß. Labellariicher und Ziffernsap nach höherem Taris. Sxtra-Beilagen (gefalzt), nur mit der Morgen-Ausgabe, ohne Postbeförderung -/t 60.—, mrt Postbeförderuog 70.—. Annahmeschluß für Ätyeigen: Abeud-Ausgabe: Vormittag» 10 Uhr. Morgen-AuSgabe: Nachmittag- 4Uhr. Lei den Filialen und Annahmestellen je ei» halbe Stunde früher. Anzeigen sind stets an die Expedition zu richten. Druck und Lerlag von E. Polz in Leipzig Z 132. Dienstag den 13. März 1900. 94. Jahrgang. Politische Tagesschau. * Leipzig, 13. März. Daß Noth erfinderisch macht, hat sich gestern auch im Reichstage gezeigt. Da auf der Tagesordnung außer einigen Rechnunzsvorlagen nur die zweite Lesung der Müuznovelle sland, war das HauS selbstverständlich wieder einmal beschluß unfähig. Dies hätte nun insofern nichts zu bedeuten gehabt, als nach der Stellungnahme der Parteien die Mehrheit im vollen Hause für die Vorlage gesichert ist; in solchen Fällen pflegt der Reichstag, in der Erkenntniß, daß sonst sein parlamentarischer und politischer Bankerott vor der Thür stände, auch 30 oder 40 Mitglieder als beschlußfähige Zahl zelten zu lassen; gestern aber drohte Herr von Kar dorff in wildem BimetalliSmus mit Auszählung, und darauf erfand Graf Bal le strem eine neue Form der zweiten Lesung: er ließ über alle Paragraphen die Discussiou führen und schließen, die sämmtlichen Abstimmungen aber auSsetzen. Ueber die so geführte Verhandlung ist nicht» zu sagen; da aber seit dem Abschlüsse der Commissionsberathung nahezu sechs Wochen verstrichen sind, so ist eS vielleicht am Platze, die Ergebnisse dieser Berathung, die voraussichtlich auch die Ergebnisse der heurigen Abstimmung sein werden, in Erinne rung zu bringen. Die ReichSgoldmünren zu 5 sollen mit einer Einlösungsfrist von einem Jahr außer CurS gesetzt werde»; ebenso die Zwanzigpfennigstücke aus Silber vom 1. Januar 1902 ab und die Zwanzigpfennigstücke aus Nickel vom 1. Januar 1903. Sodann hat die Commission beschlossen, daß der Gesainmt- detrag der Reichssilbermünzen bis höchstens 15 -L auf den Hopf der Bevölkerung betragen soll. Die Vorlage hatte 11 .L vorgesehen, aber in der Eonimission wurde geltend gemacht, raß die Erhöhung auf 15 dem Bedürfnisse des Ver kehrs entspreche. Principielle Bedenken bestanden gegeu diese Erhöhung nicht. Weiter fügte die Commission hinzu, den VundeSrath zu ermächtigen, Fünfmarkstücke und Zweimarkstücke als Denkmünzen in anderer Prägung Herstellen zu lassen. Solche Denkmünzen, wie sie vor dem Jahre 1873 ausgeprägt wurden, erfreuten sich größter Beliebtheit im Volke, hätten auch großen ethischen Werth, indem di« darauf befindlichen Darstellungen wichtiger Begebenheiten aus der vaterländischen Geschichte beim Umlauf von Hand zu Hand die nationalen Gefühle weckten und stärkten. Die Vertreter deS Bundesraths hatten dagegen das Bedenken, daß kein Bedürfniß zu solchen Münzen besiehe und daß möglicherweise verhältniß- mäßig geringfügige Ereignisse mehr localer Natur durch die Ausgabe solcher Münzen verewigt würden, wodurch eine allzugroße Buntscheckigkeit der Münzsortcn herbeigesührt würde. Aber mit 8 gegen 5 Stimmen blieb die Commission dabei; schon jetzt seien ja die Zwei» und Fünfmarkstücke durch die Bilder der Bundesfürsten und die Wappen der Freien Städte recht verschiedenartig. Unverändert hat die Com mission die Bestimmung gelassen, daß zur Neuprägung von Reichssilbermünzen Landessilbermünzen, die Thaler, insoweit eingezogen und veräußert werden sollen, als die dadurch ent stehenden Verluste in dem aus den Neuprägungen sich er gebenden Münzgewinne Deckung finden. In anderen Worten: >20 Millionen Tbaler, die als 360 Millionen Mark coursiren, sind noch vorhanden. Ihr effectiver Werth beläuft sich, da der Preis des Silbers 80 .L auf das Kilogramm beträgt, auf 160 Mill. Mark. Davon sollen 100 Mill. Thaler ein geschmolzen und in ReichSsilbermünzcn umgeprägl werden. LaS Ergebniß wäre: 333>/3 Mill. Mark ReichSsilbermünzeu mit dem effektiven Werthe von 133»/z Mill. Mark. Die übrigen 20 Mill. Thaler oder 60 Mill. Mark Thalersilber sollen verkauft und dafür Goldmünzen ausgeprägt werden. Dafür würde mau 26?/z Mill. Mark iu Goldmünzen erhallen. So erhielte man also in Summa statt 360 Mill. Mark in Thalern 360 Mill. Mark in Gold- und Rcichssilbermünzen mit dem effectiven Werthe von 160 Mill. Mark. Es würden also die Thaler verschwinden, eine vollständige Ausgleichung stattfindcu und der Nennwerth des Baarumlaufs und der effcctive Werth derselbe wie früher bleiben. Obgleich heute im Reichstage die dritte und entscheidende Lesung der lex Heinze stattsindet, weiß außer den Eingeweihten noch kein Mensch, wie die Verschärfung im muckerischen Sinne auSsieht, über die das Ceutrum mit seinen Anhängseln, den Conservativen und den Antisemiten, sich geeinigt hat. Auch die Regierung weiß eS nicht; sie soll ebenso überrumpelt werden, wie die Minorität des Hauses, der die Möglichkeit ab geschnitten werden soll, eine sachliche Kritik an Len Vor schlägen der Mehrheit zu üben. Schon daraus kann man schließen, baß diese Vorschläge sich nicht sehr wesentlich von denen der Commission unterscheiden. Und da die Einwendungen der Minderheit nicht werden beachtet werden, so beruht die Hoffnung, daß die Absichten der Mehr heit scheitern, lediglich auf dem Bundesrath. Leider kann man nicht sagen, daß ihm die Bewegung gegen das ganze Gesetz, die neuerdings im ganzen Lande entstanden ist, eine energische Ablehnung der gegen den Willen der Regierung von der Commission gefaßten, iu der Thal für Kunst und Literatur bedrohlichen Beschlüsse erleichtere. Wir haben an der crstcu Berliner Prvtestversammlnng Verschiedenes auszu setzen gehabt und konnten leider einem ernstlich vor Uebcr- lreibungen abmahnenden halbamtlichen Artikel nicht ganz Un recht geben. Inzwischen bat sich Manches zugetragen, was die Abwehriuteresseu weiter zu comprvmittiren geeignet ist. Der NeichStagspräsident hat eine Münchener Protest erklärung zurückgeschickt, weil sie Wege» ihres belei digenden Inhalts sich nicht zur Vertheilunz unter die Ab geordneten eigne. Einer liberalen Zeitung kann daS Zu- geständniß nicht leicht fallen, daß Graf Ballestrem nicht anders handeln konnte; es muß aber gemacht werden. Wir haben den vollenWortlaut derMünchenerVerwahrung nicht mitgctheilt, weil wir den — Fanatikern der famosen lox Heinze nicht nützen wollten. Die Resolution ist excessiv, ungeschickt und, was daS Schlimmste ist, sie scheut nicht vor Wendungen zurück, die particularistisch anklingen. Der Bericht über tue vor der Münchener Beschlußfassung gehaltenen Reden macht die Sache nickt besser. Man kann sehr Wohl im neuesten Deutsckland eine freimüthige Kritik an gewissen Betätigungen der höchsten Stelle im Reiche vermissen und sogar die Beobachtung gemacht haben, daß Byzantinismus sich breit macht, aber man braucht eS deshalb noch lange nicht tactvoll zu finden, wenn ein Münchener Redner direkt den Kaiser apostrophirt: „Nein, Majestät . . .!" Folgt ein Satz, dessen Sinn darauf hinaus läuft: „Ich verstehe diese Dinge besser." Noch befremdlicher ist die Aeußerung eines in den Kämpfen gegen den PalriculariSmus nicht ohne Verdienst ge bliebenen Münchener Herrn: „Was nützt uns das Reich, wenn es die Ideale deS deutschen Volkes nicht hochhält?" Ab gesehen von der Einengung des Kreiies deutscher Ideale, die in I diesen Worten liegt, wäre es nicht unbillig, mit der Gegenfrage I aufzuwarten: „Was nütztunSeineReichslreue,diemitKündigung ' droht, sobald ihr einmal irgend ein gesetzgeberisches Projekt nicht paßt?" Wenn solches am grünen Münchener Holz geschehen konnte, so darf man sich nicht verwundern, wenn am kunst- und erziehnngsdürreu Berliner noch Bedauerlicheres in die Erscheinung tritt. Am Freitag sollte dort eine zweite Protest versammlung abgehalten werden. Weltfremdheit, Gedankenlosig keit, wohl auck Gleichgültigkeit der Veranstalter haben es zu Wege gebracht, daß die Versammlung nicht uur nicht stattfinvcn konnte, sondern daß auch unter freiem Himmel höchst wider wärtige Sceneu sich abspielten, Auftritte von der Art, daß selbst das socialdemokratische Centralorgan nicht mit dem Zugeständnisse zurückhält, das Unternehmen sei „komisch" gewesen. „Er" ist ja überall süß, aber in Berlin bat er einen ganz besonders starken „abschmeckcnden" Zuckergehalt. Die Blätter der lex Heinze-Parteien wurden durch die — notabene von liberalen Blättern gebrachten — Berichte in einen Freudentaumel versetzt und sie werden durch eine zwar nicht äußerlich, aber innerlich verunglückte Protestversammlung, die am Sonntag zu Berlin stattgesundeu, nicht schlechterer Laune geworden sein. Und das Allerneueste, eine von einem Berliner Comitv an 400 der „gewichtigsten" Persönlichkeiten Deutschland« zur Unterzeichnung gesandte Er klärung, wird, obwohl der Wortlaut ausnahmsweise einwand frei ist, nach dem, was vorhergegangen, den Schwankenden im Reichstage nicht sonderlich imponiren. In Berlin soll auch, wie in München, ein „Goethebund" zur Organisirung des Kampfes gegründet werden. Leider hat man sich dort in den ersten Phasen dieses Kampfes nicht „goethereif" er wiesen. Aber wir sind ungefähr in des Märzen Iden, deren Winden die Weltgeschichte schon Manches hat zu Gute halten müssen, und dem BundeSrathe steht auch ohne dies sicher nicht das Recht zu, wegen Blößen, die sich Gegner von Gesetzesbestimmungen, die er bisher selbst abgewiesen bat, gegeben haben, eine Frontverändcrung vor- runehmen. Der uu Morgcnblatt wiedergegebene Inhalt der Unterhaltung des Reichskanzlers mit einer Abordnung von Künstlern und Schriftstellern läßt nach dieser Richtung noch manche Frage offen und lehrt, daß eine Beruhigung nur in Bezug auf den Theaterparagraphen begründet ist. Ueber deutschfeindliche Stimmungen und Demon strationen in Australien wird uns aus Adelaide, 1. Februar, geschrieben: Die Erregtheit, in welche die Masse des australischen Volkes durch die fortwährenden Nieder lagen der Engländer in Südafrika gerathen ist, hat allgemein in Australien eine höchst feindselige Stimmung gegen die Deutschen hcrvorgerufen. Es ist wahr, die Deutschen in Australien sind einstimmig in ihrer Verurtheilung des Boercukrieges; auch die anglisirten Deutschen, die sich um ihr Vaterland nicht mehr kümmern, machen da von keine Ausnahme. Aber auch die australischen Franzosen sind sammt und sonders auf Seiten der Boeren und selbst eine sehr große Anzahl der besseren Classen der Australier und der hier lebenden Engländer und Schotten und vor Allem die katholischen Irländer, die ein Drittel der Bevölkerung ausmachen, denken ebenso wie die Deutschen, und weit verbreitete Blätter, wie „Truth" und das „Bulletin", begrüßen jeden Boerensieg mit wahren Freudcnhymnen. Die übrige Presse nimmt von diesen Aeußerungen nicht die geringste Notiz und läßt auch alle Anderen, die Sympathien für die Boeren haben, un geschoren, nur die Deutschen überschüttet sie mit den häßlichsten Iuvectiven. Es ist kein Fall bekannt geworden, daß Deutsche ihren Gesinnungen öffentlich Ausdruck gegeben hatten. Aber der Australier will, daß sie öffentlich und unzweifelhaft ihre „Loyalität", wie er eS nennt, bekennen, und so werden die Deutschen vielfach gestellt und aufgesordert, Farbe zu be kennen. Und in solchen Fällen erklären die in die Enge Gc triebenen allerdings ausnahmslos, daß ihre Sympathien auf Seite» der Boeren sind. Die Zeitungen verwerthen solche Erklärungen, selbstverständlich unter Verdrehung deS Sach verhalts, zu aufhetzenden Denunciationen. Infolge davon wurde in der Miuenstadt Broken Hill verdeutsche Club gestürmt, wobei die Polizei allerdings mit lobens- wertber Energie gegen die Tumultuanten einschritt. I» Brisbane war an Bord deS Dampfers „Maori King", auf den das Contingent für Südafrika eingeschifft werden sollte, Feuer ausgebrochen. Zwei unbekannte Fremde, vermuthlick Deutsche, so hieß es, sollten es angelegt haben. In Folge Lessen wurden in Brisbane und hier Maßregeln getroffen, um „unbekannte Fremde" zu überwachen. Hier und iu Sydney wurden durch Zuschriften in den Zeitungen die Regierungen aufgefordert, alle Deutschen, die b o e r e n f r e un d l i ch e r Gesinnung verdächtig seien, aus ihren Diensten zu entlassen. Diese Aufforderung deckt daS Motiv auf, weshalb nur die Deutsche» wegen ihrer Mißbilligung des BoerenkriegeS gehaßt werden Es ist der Neid, der in den breiteu VolkSsckichten und nament lich unter den Arbeitern gegen die Deutschen herrscht. Daß unsere Dampfer einen immer größeren Theil des Frachtgeschäfts an sich bringen, ja sogar daß der größte Tbeil der australischen Wolle nach Deutschland geht, daß die Deutschen als Landleute und in anderen Stellungen vorwärts kommen, wo der Australier verdirbt, daS macht sie hier verhaßt. Der Krieg in Südafrika. Die Boeren setzen dem englischen Vormarsch auf Bloemfontein tapferen Widerstand entgegen, haben aber nicht hindern können, oder vielleicht nicht hindern wollen, daß Lord Roberts bis fünfzehn englische Meilen an die Hauptstadt deS Oranje freistaates herangekommen ist. Folgende Meldungen be stätigen dies: " Vcuter-Balley, 12. März, Abends. („Reuter's Bureau.") Nach dem Kampf bei Driefontei» marschirteu die Truppen des Feldmarschalls Roberts rasch hierher, die Cavallerie voran. Ueber die Boeren lief heute Morgen die Meldung ein, daß sie in Stärke von etwa 12 000 Mann mit 18 Geschützen eine Stellung auf einer Reihe von Kopjes einnehmeu, die den direkten Weg nach Bloemfontein, da» jetzt nur noch 15 Meilen ent- sernt ist, beherrschen. Die englischen Truppen umgingen die Stellungen des Feindes. * London, 13. März. (Telegramm.) „Daily NewS" melden ans Benters Valley vom 12. d. M.: Die englische» Truppen marschirten den Kaalspruit entlang, alle Divisionen betheiligen sich jetzt an dem Vormarsch des Hauptcorps. Durch das Verrücken längs des Kaalspruit hat Feldmarschall Roberts wieder die Boeren überlistet, die längs des ModderflusseS verschanzt sind, in der Annahme, daß die Engländer in dieser Richtung vorrücken würden. Gegen das Einrücken in Ferrrlleton. -n Hans Eickstedt. Roman in zwei Bänden von Anna Maul (M. Gerhardt). Nachdruck vnbolru. Er guckte die Achseln. „Man soll nicht mehr von den Menschen fordern, als sie ohne Opfer leisten können, besonders im Puncte der Gefühle. UrU> sie sollen ihre Ansprüche auch nach diesem Grundsätze bemessen. Meine Mutter wüvde sich über Verschiedenes mit mir amssprechen wollen. Ich bin dazu nicht im Stande. Meine Nerven vertragen nicht die leiseste Berührung mehr. Ich muß mich deren eowehren — aus Selbsterhaltungstrieb." Gertrud schwieg, tief getroffen. Es war Hans gewiß nicht beigekommen, diese Worte mit auf sie zu münzen. Sie konnte doch nicht hindern, daß sie ihr wie eine eisige Hand ans Herz griffen. „Wohin wirft Du reisen?" fragte sie. „Zunächst nach Rom", erwiderte er. „Später nach Neapel, Florenz, Venedig, zuletzt wahrscheinlich in Vie Alpen." „Martinys gehen auch nach Italien", bemerkte Gertrud. „Doch erst in einigen Wochen", erwiderte Hans nachdrücklich, „und nur bis Florenz, dann wahrscheinlich nach der Riviera." „Der Geheimrath schien ein Zusammentreffen mit Dir im Sinn zu halben." „Er meint wohl, ich würde m-ich ohne seine Leitung in Italien nicht zurechtfiirden, der gute Herr. Das muß versucht werden. Man geht doch nicht von Berlin fort, um sich krampfhaft an seine Berliner Freunde festzuklammern." Dreiund zwanzigstes Cap >it«l. Aus Rom kam der Brief, den Gertrud etwa drei Wochen nach diesem Abend von Hans erhielt. Die tiefe Müdigkeit und Abspannung der letzten Monat« klang noch in diesen Zeiten nach. Rom hatte ihn enttäuscht. Der erste Eindruck war der einer modernen Stadt gewesen. Dies« jüngste Wiedergeburt der „Ewigen" hatte ja an sich etwas Er hebendes. Er jedoch suchte da- antike Rom, das er erst zu ent decken — auSzuyvaben haben würde unter den Ablagerungen neuer und neuester Geschichte. Er hätte geglaubt, hier sich selbst entfliehen zu können, schrieb er, aber diese Umgebungen, theils nüchterne Prosa der Gegen mart, theils düstere Tragik der Vergangenheit, hätten ihm die Stimmung gänzlich verdorben — ihn in unüberwindlich« Schwer- muth gestürzt. Er hätte abreisen wollen, schon nach wenigen Tagen. Die überraschend« Ankunft von Martinys hätte das ver hindert und ihn zum Bleiben bestimmt. Der Geheimrath sei öfters und dauernd hier gewesen und habe Rom gründlich studirt. Er sei der unterrichtetste und liebens würdigste Cicerone, etwas weitschweifig mitunter in seinen Er klärungen, unermüdlich im Durchwandern der Kirchen und Museen — aber das übe einen heilsamen Zwang auf die Träg heit und Ungeduld seines Schülers — als solchen betrachtete Eick stedt sich — der, sich selbst überlassen, sich vielleicht bsgniigt hätte, seine Tage zwischen den Ruinen des Palatin und seine Abende in irgend einer Osteria zu verträumen. Sie wollten Tivoli und Vie Albanerberge mitsammen be suchen, dann nach Neapel und Florenz gehen. Sie wollten bei sammen bleiben, denn das lag im beiderseitigen Interesse. Frau von Martiny hasse die Museen und sei froh, wenn ihr Gemahl andere Gesellschaft fände und ihr das Mitgehen erließe. Weiter ward der schönen Vera nicht Erwähnung gethan. Zum Schlüsse kam noch etwas ganz Unerwartetes. „Die Intendanz hat mein neues Stück acceptirt, freilich mit allerlei Zweifeln und Vorbehalten. Eine Ablehnung hätte mich nicht gekränkt; ich hätte das Stück dem Deutschen Theater ein- gcreicht, es paßt vielleicht besser vcchin. Nun, wir wollen sehen! — Der „Eisenkönig" fährt fort, volle Häufer zu machen, nicht blos in Berlin, sondern auch in Frankfurt, Leipzig, Breslau — ein halbes Dutzend kleinerer Nester ungerechnet. Meine Schulden sind bezahlt, und ich werde nächstens ein reicher Mann sein. Da regen sich denn unvernünftige Wunsche. So zum Beispiel möchte ich gern zwei schöne Oelgemälde für meine künftige Wohnung haben. Am liebsten Landschaften mit hermathlichen Motiven — oder auch heiter« Stillleben. Der Künstler darf in der Wahl des Stoffes nicht beschränkt werden, wenn er Vorzügliches leisten soll. Mittleres Format, einfach geschmackvolle Rahmen. Maler zeichen: Gertrud Pilgrim. -Ganze eintausend Mark sind für diese beiden Meisterwerke nu-gesetzt, die mein Agent an die Adresse des genannten Künstlers zu zahlen angewiesen ist, sofern dieser den Auftrag nicht zurückweist — was ihm in Anbetracht des könig lichen Gebot- nicht weiter zu verdenken wäre." — Der erste Eindruck dieser Zeiten war Helle Freude — daß Hans Bilder von ihr zu besitzen wünschte, war so unerwartet, so hoch beglückend! — Noch hatte sie lein Bild verlaust, und Vie Ein nahme — die Einnahme — Da war die Klippe, an der Gertrud's Freude Schiffbruch litt. Was hatte sie denn Hans von ihren Geldverlegenheiten ge sagt? Ganz harmlos, wie sie sich gegenseitig über ihr Erfolge und Fehlschläge auf dem Laukenden zu erhalten gepflegt. Aber zetzt standen sie nicht mshr kameradschaftlich einander gleich. Jetzt war er ein berühmter, reicher Mann — oder Loch im Begriffe, es zu werden. Und sie — sie arbeitete hart um ihr täglich Brod, und tausend Mark waren ein Vermögen für sie. Er konnte sie unter stützen — und sie mußte -ihm dankbar sein. Aber sie lräbte ihn. uüd er wußte es! — Eine Bettlerin — gut! Um Liebe hatte sie gebettelt, und er bot ihr Geld — Es war unüberwindlich! — Ihr ganzes Wesen gerieth in Aufruhr. Niemals — und wenn sie verhungern sollte! — In ungestümer Hast warf sie einige Zeilen auf einen Bogen. Sie danke ihm herzlich, wollte auch gern seine künftige Wohnung mit ihren Bildern ausstatten — aber er solle sie nicht beleidigen, indem er ihr Almosen biete. Sie überflog den Brief kaum, verschloß ihn und trug ihn zur Post. Sie wollte nichts überlegen, nicht schwankend werden. In dieser Nacht weinte sie sich die Augen wund und warf sich bis zum Morgen schlaflos in ihrem Bett« herum. Ach, ihre unselige, unselige Uebereilung! Wo war denn ihr Stolz gewesen, wo ihre Klugheit, als sie sich ihr wohlbehütetes Geheimniß hatte entschlüpfen lassen? Das hatte zwischen ihr und Hans gestanden, seit es -über ihre Lippen gekommen, das nahm ihnen Beiden die Unbefangenheit und Sicherheit, verleitete ihn zu Taktlosigkeiten und würde ihn ihr gänzlich entfremden. Beim fahlen Morgenlicht des nächsten Tages las sie seinen Brief noch einmal — und noch einmal. Heute schien ihm eine wochlthuende, brüderliche Wärme zu entströmen. Wo war denn da ein Schatten von kränkendem, gönnerhaftem Mitleid? Sein Anerbieten war ganz ehrlich, freundschaftlich gemeint. Aber jetzt war ihr Brief unterwegs, und sie konnte ihm keinen Widerruf nachsenden. Konnte nicht — oder wollte vielmehr nicht. Vielloicht hatte sein Schreiben morgen wieder ein anderes Gesicht. Sie konnte sich ja auf ihr gerades, richtiges Gofühl nicht mehr verlassen, " — und wenn sie ihren besten Freund schroff und kopflos von sich stieß — m-ochte es drum sein! — So war doch vielleicht ein tiefstes, ursprüngliches Fühlen in ihr, das sich nicht wollte für die Hingabe ihres ganzen Seins mit kühlem Wohlwollen abf-inden lassen. Und daS mußte Recht behalten. Auf dies Schreiben Gertrud's erfolgte lange keine Antwort. Nicht weil Hans sich über die Verkennung seiner guten Absicht erzürnt hätte, — er zuckte die Achsel über die argwöhnische Em pfindlichkeit seiner lieben Cousine, nahm sich vor, sie ihr auSzu- »rve«, legte ihren LrtSf Seite, um khn gekegeiMich' Muße zu beantworten — und vergaß cs. — Vergessenheit zu suchen, war er heraekommen, — und schneller, als er es für möglich' gehalten, legten sich ihre verhüllenden Schleier über die jüngst durchlebte Periode mit -ihren Wonnen und Schmerzen, — wie sich die Nebel seiner nordischen Heimath verhüllend vor die Ferne gelegt hatten, als er südwärts zog. Rom hatte es ihm doch angethan. Halbe und ganze Tage streifte er einsam oder in Gesellschaft des Geheimraths zwischen den Rulmen des Palatin, in den Galerien, Kirchen, Palästen, Len Gräberstraßen der Campagna umher. Ein täglich neues Wunder, diese köstliche Saat der Cultur und Kunst auf dem von Urzeiten her bebauten Felde immer wieder neue Blüthen und Früchte tragen zu sehen, Generationen auf Generationen, einander über wuchernd, durchdringend, erstickend. — Ruinen über Ruinen, die christliche Kirche auf den heidnischen Tempel gepfropft, weltliche und geistliche Reiche, in Trümmer gesunken und doch noch lebend, die Vergangenheit mit der Gegenwart verquickt zu Widers spruchsvollen, rätselhaften Gebilden. „Mr ist Rom unheimlich", erklärte Vera Martiny. „Ein ungeheures Grab, jeder Stein ein Leichenstein. Jedes dieser un zähligen Bilder und Bildsäulen winkt aus der Vergangenheit hervor wie mit dem Todtenfinger seines Schöpfers, der nicht sterben kann. Es ist, als schwebte beständig ein Gefpensterchor in den Lüften. Mir graut vor all' diesem Todten." Es war in einom der Säle des Sculpburenmuseums des Lateran. Vera war müde geworden und zurückgeblieben, während ihr Gatte mit einem ihm befreundeten Archäologen, Dcutschrömer, in gelehrte Untersuchungen vertieft, vorwärts ging. Hans Eick stedt, dessen Kunstinteresse von dem Fanatismus Vieser älteren Generation doch noch weit entfernt war, hatte längst gemerkt, daß Dera ermattete und sich langweilte. Sie langweilte sich entsetzlich in den endlosen Galerien, bei den behaglichen Vorträgen ihres Gatten über Kunstepochen und Stilarten. Aber sie wollte ihren lieben „Papa" nicht allein gehen lassen. Eickstedt führte sie, da es weder Stuhl noch Bank in dem langen Raume gab, zu eirwm beschädigten antiken Sarkophag und fand es ungemein reizend, wie sie vorsichtig daran lehnte, den schönen Kopf schmachtend auf die Seite neigte, die Hände rechts und links auf den marmornen Rand ihres harten MtzeS stützte und die schmalen, in feines Ziegenleder gekleideten Füße über- einanderschlug. Er hielt ihren Sonnenschirm in der Hand, ließ seine Finger wohlig in den seidenen Spitzen und Fransen, mit denen sei» Rand besetzt war, wühle» und weivete sein Auge an dem Farben- aceortz, den das lichte Blaügrcm von Bera's Anzug mit dem warmen Gelb des Marmors und dem Braunroth der Wände
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