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^iöergerAitzeia^ und Tageblatt Tageblatt -»/» ! Erscheint jeden Wochentag Abends y,7 Uhr für den /I//) , anderen Tag. Preis vierteljährlich 2 Mk. 25 Pfg. «/f- "G* zweimonatlich 1 Mt. 50 Pfg. u. einmonatlich 75 Pfg. Inserate werden bis Vormittag 11 Uhr . angenommen. Preis für die Spaltzeile 13 Pfg. H Außerhalb deS LandgerichisbezirkS 15 Pfg. A.W V Amtsblatt sitr die königlichen und städtischen Behörden zu Freiberg und Brand. Verantwortliche Leitung: Georg Burkhardt. 48. Jahrgang. Sonnabend, den 21. März. Scheuerns halber werden Montag, den 23. und Dienstag, den 24. März 1«S« die DienstrLume des Königlichen Amtsgerichts für den gewöhnlichen Geschäftsverkehr geschlossen. Freiberg, den 12. März 1896. Das Königliche Amtsgericht. LrvtsvknelLvr. Hans- «n» Feldverkanf. " Die zum Nachlasse Karl Gustav Küchenmeister's in Hetzdorf, gehörigen Grund stücke: Haus, Nr. 54 des Brd.-Cat. für Hetzdorf, Fvlium 20 des Grund- und Hypothekenbuchs für Wüsthetzdors, Niederr. Antheil, und Feld, Folinm 29 des Grund- und Hypothekenbuchs für Wüsthetzdorf, Oberr. Antheil, ortsgerichtlich auf 2562 Mk. — Pfg. und 1513 Bit. — Pfg. ge- würdert, sollen den 87. März 1896, um 12 Uhr Mittags, in Funke's Restauration in Wüsthetzdorf freiwillig versteigert werden, wozu ErstehungSlustige hiermit geladen werden. Die Kaufsbedingungen, sowie die Beschreibung der Grundstücke sind den Anschlägen an hiesiger Gerichtsstelle und in Funke's Restauration zu Wüsthetzdorf beigefügt. Freiberg, am 17. März 1896. Das Königliche Amtsgericht. vr.v.Schbg. Frisch',chc Arbeitsschule. Ausstellung von Schülerarbetten im Stiftungsgrundstücke Rother Weg 30 Sonnabend, den 21., von mittags 12 und Sonntag, den 22. März von vormittags 11 Uhr, an beiden Tagen, bis abends 6 Uhr. Zum Besuche dieser Ausstellung ladet hiermit ein Freiberg, den 16. März 1896. der Stadtrath. Porträts aus dem ersten deutschen Reichstage. (Zur Erinnerung an den 21. März 1871.) , Von Konrad Hübner. (Nachdruck verboten.) Es war ein schmuckloses Heim, in das am Lenzesbeginn des Jahres 1871 und des jungen deutschen Reichs die Vertreter des deutschen Volkes einzogen, so schmucklos, daß schon am 10. Dez. desselven Jahres die Konkurrenz für den Entwurf eines neuen Reichtagsgebäudes ausgeschrieben wurde. Und doch, so einfach das Haus auch war, so wurde es von einer solchen Fülle hervor ragender Persönlichkeiten belebt und geschmückt, daß es wohl stolzer sein dürfte, als der Prnnkbau, der sich heute vor den, Brandenburger Thor erhebt. Noch befinden sich unter den Lebenden aus jener ersten und größten Zeit des deutschen Reichs tages mehr hervorragende Persönlichkeiten, als das gegenwärtige Parlament an bedeutenden Männern überhaupt aufzuweisen hat: der eiserne Kanzler, der vielgehaßte Minister Falk, der „geborene Präsident" Simson, der staatsmännische Bennigsen, der kom promißfrohe Miquel, die beiden Währungsgegner Kardorff und Bamberger, die, wenn das Sprichwort „Schweigen ist Gold, Reden ist Silber" eine Wahrheit wäre, beide „Silbermänner" sein müßten, der trotz seiner Taubheit so schneidige Treitschke, der ernste Stauffenberg, der grimme Eugen Richter und seine beiden intimen Gegner Rickert und Hänel, der elegante „Sozial aristokrat" Sonnemann, der leichtgläubige Herr Bebel und last not least Ernst Lieber, der Virtuose im Eiertanz, damals freilich noch bescheiden zurücktretend hinter den Größen der Partei. Schier endlos aber ist die Zahl derer, die heute der grüne Rasen deckt, die aber damals rüstige Rufer im Streite waren, so endlos, daß wir nur einige von ihnen als Blätter zu dem Erinnerungskranze fügen können, den wir dem ersten deutschen Parlamente widmen wollen. An der Treppe, die von der Rednertribüne nach rechts hinab führt, steht ein schlanker, hochgewachsener Mann in einer ein fachen Uniform. Die rechte Hand in den Waffenrock schiebend lauscht er aufmerksam dem Redner. Der größte Stratege unseres Jahrhunderts nimmt auch an den unblutigen Kämpfen in Parla ment regen Antheil, wenn er auch freilich selten selbst das Wort ergreift. Wenn aber Graf Moltke einmal spricht, dann hört das muntere Gespräch zwischen den Abgeordneten X und A auf und der Abgeordnete Z beschließt, den Brief an seine liebe Frau erst während der nächsten Rede zu beenden. Alles drängt zur Tribüne und lauscht den lichtvollen, knappen Worten des Generalfeld marschalls, der nicht den Boden strengster Sachlichkeit verläßt, und oer deshalb zwar manchen politischen Gegner, aber keinen Feind hatte. Als Muster militärischer Pünktlichkeit erschien Graf Moltke kurz vor Beginn der Sitzung, schritt ernst und gemessen auf seinen Platz und hörte mit achtungsvoller, ruhiger Aufmerk samkeit auch die längsten Reden an, wenn er sich auch manchmal, wie er wohl gelegentlich eingestand, erheblich langweilte. Die cäsarische Ruhe, die den Feldherrn im Getümmel der Schlacht nie verließ, eignete ihm auch bei den Redekämpfen im Parlament. Da war Fürst Bismarcks getreuester Jugendfreund, Moritz Karl Henning von Blanckenbürg, wohl von leidenschaftlicherem Temperamente. Dem energischen scharfen Gesichte mit dem spitz gehaltenen Barte, den blitzenden Augen, den schnellen Bewegungen des kräftigen Körpers merkte man es Wohl an, daß den Mann, der hoch in den Fünfzigern stand, noch das Feuer der Jugend durchglühte. Der pommersche Landedelmann nahm kein Blatt vor den Mund und er sagte wohl auch einmal seinen Partei genossen, den Konservativen, ein kräftiges Wort. So, als er davon sprach, daß „das preußische Königthum Verneinung des Junkerthums sei" und daß alle Feudalrechte beseitigt werden müßten. Aber wie feinen Parteifreunden gegenüber, so wollte er auch dem geliebten und bewunderten Jugendfreunde seine un abhängige Meinung nicht opfern, und deshalb zog er sich schon im Jahre 1873 vom parlamentarischen Leben zurück, hochgeachtet auch von seinen Gegnern. Hochgeachtet von den politischen Gegnern wurde auch Hermann von Mallinckrodt, der schneidige Centrumsführer, wenn er auch freilich wenig beliebt war. Dazu fehlte es ihm vor Allem an jener persönlichen Liebenswürdigkeit und Warmherzigkeit, die Blanckenbürg auszeichnete. Selbst mit seinen Parteigenossen Pflog der düstere Mann wenig Verkehr. Still brütend saß er da, um dann, wenn er das Wort ergriff, ruhig, sachlich, aber mit unver söhnlichem Haß gegen seine Widersacher zn Felde zu ziehen. Es war ein schier unheimliches Gefühl, sich als Mallinckrodts Gegner in die Lage hinein zu versetzen, daß dieser Mann zur Verwirklich ung seiner Ziele gelangen könnte. Erinnerte er doch mit seiner hohen, schlanken, hageren Figur, mit seinem finsteren Gesicht ein wenig an Herzog Alba. Von Mallinckrodt stammt das Wort, Windthorst sei die „Perle", die die Fraktion erst in die richtige Fassung gebracht habe. Zwischen ihm und der „Perle" bestand eigentlich ein immenser Gegensatz. Dem düsteren Mallinckrodt war es immer verzweifelt ernst mit dem, was er sagte, Windthorst war selig, wenn der Parlaments bericht möglichst oft „große Heiterkeit" bei seinen Reden verzeichnete. Diese Freude erlebte er sehr häufig, gleich bei seiner ersten Rede, die er im deutschen Reichstage am 31. März 1871 hielt, verzeichnet ein Parlamentsbcricht siebenmal „große Heiterkeit". Dabei waren seine Witze eigentlich selten hervorragend, aber das Haus befand sich bereits in lachbereiter Stimmung, wenn die kleine Excellenz zu reden anfing. Bedeutender als sein Witz war eigentlich seine Fähigkeit, mit der lächelnden Miene kindlicher Harmlosigkeit den Gegnern von rechts und links kleine, boshafte Stiche zu versetzen. Großen Stilel waren seine Reden nie. Das Centrum hat sich selbst Unrecht gethan, wenn es Windt horst als seinen bedeutendsten Mann pries. Sowohl Mallinckrodt, wie die beiden Brüder Peter und August Reichensperger waren ihm an Vornehmheit, tiefem sittlichem Ernst und geistiger Be deutung überlegen. Besonders Peter, der jüngere der beiden Brüder Reichensperger, erfreute sich wegen seiner ehrlichen Ueber- zeugung, seines wirklichen Idealismus, seiner reinen Gesinnung großer Beliebtheit. Wenn der schlanke hochgewachsene Mann so dastand, mit kräftiger Stimme auf den Reichstag einsprach und lebhaft mit den Armen gestikulirte, so zweifelte Niemand daran, daß er glaubte, was er sagte. Und darum nahm man es dem beliebten Manne nicht übel, als er in einer Debatte mit dem immer kühlen und ruhigen Präsidenten Simson einmal so erregt wurde, daß er das Tischbrettchen vor seinem Platze mit dem umherfuchtelnden Arm herunterschlug. Sein Bruder August spielte sich mehr auf das Staatsmännische hinaus. Harmonisch und glatt floß der Strom seiner Rede dahin, wohlklingend war die Stimme, Eleganz zeichnete seine Redewendungen aus, aber gerade die Ge messenheit der Rede ermüdete den Hörer leicht. Einer katholischen Gegend entstammend, aber ein eifriger Gegner des Centrums war der Graf Bethusy-Huc, der Begründer der Reichspartei. Es war ein hübscher, stattlicher Mann, dieser Führer der Freikonservativen. Er sprach gern und mct Eifer, aber dem von einem feinen Schnurrbart überschatteten Munde entquoll im Strome der Rede manchmal eine Redewendung, die durch ein allzu kühnes Durcheinanderwerfen zweier Bilder Heiter keit erregte, so, als er den „Geist der Zeit an der Stirnlocke" erfassen wollte. Manchmal traf er aber auch mit seinen Wort spielen das Richtige, so, als er versicherte, der Unterschied zwischen ihm und den Fortschrittlern sei gar nicht so groß, jene deklinirten „Freiheit, Einheit, Macht," er deklinire „Macht, Einheit, Freiheit." Man kann sich kaum einen schärferen äußeren Gegensatz denken, als zwischen dem schlesischen Aristokraten und dem kleinen, unscheinbaren Eduard Lasker. Der berühmte Führer des linken Flügels der Nationalliberalen war von der Mutter Natur wenig begünstigt worden. Die ungeschickte Figur, das unschöne, gar zu ausgeprägt ausschauende Gesicht, der durchaus nicht dialektfreie Klang der Stimme, die hastigen, nervösen, ungraziösen Beweg ungen Prädestinirten ihn äußerlich nicht zum Parlamentsführer. Aber seine unantastbare Integrität, sein ungeheures Wissen, sein rastloser Arbeitseifer und seine innere Bescheidenheit ließen ihn die hervorragende Stellung im Parlament wohl verdienen. Wenn ein Gegner sprach, so rückte der kleine Mann unruhig auf seinem Platze, des Moments harrend, wo er das Wort würde ergreifen und mit seiner haarscharfen Logik und seinem Sarkasmus den Widersacher in die Enge treiben können. Er war einer der häufigsten und gefürchtetsten Redner in jener ersten Parlamentszeit. Um so seltener sprach sein Freund und Gesinnungsgenosse Max von Forckenbeck. Nicht, daß es dem großen, behäbigen Manne an Begabung gefehlt hätte, aber feiner sachlichen, ruhigen Art entsprach das hitzige Ncdegefecht nicht. Wenn er aber einmal das Wort ergriff, so konnte er gewiß sein, Beachtung zu finden. Wie geschätzt er war, ergab sich schon daraus, daß er am Beginn der nächsten Session für würdig erachtet wurde, an Simson's Stelle das Präsidium des Reichstages zu übernehmen. Eine leidenschaftlichere, heißblütigere Natur als Forckenbeck war der wackere Völck. Eines einfachen Bauern Sohn war er, und seine ländliche Herkunft drückte sich in seiner gedrungenen, breiten, stämmigen Figur, in seinem vollen, frischen, von einem dichten Wald von Haaren und einem lockigen Vollbart umrahmten Gesicht deutlich genug aus. Die schweren materiellen Sorgen, durch die er sich hatte hindurcharbeiten müssen, hatten seinem Humor und seiner Lebensfreude keinen Abbruch gethan, kräftig klang seine Rede in der gemächlichen bajuvarischen Mundart, und oft fand er den Weg zum Herzen der Hörer, wenn er in warmen Worten an ihre deutsche Vaterlandsliebe appellirte. Er war eS, der kurz vor der Begründung des Reiches im Zollparlamente frohbewegten Herzens ausgerufen hatte: „Es ist wieder Frühling geworden in Deutschland." Ja, es war Frühling geworden in Deutschland und die milde Lenzesluft hatte auf dem jungen Boden des neugeeinten Reiches eine reiche Fülle großer Talente aufsprießen lassen, die sich in der Volksvertretung zur Arbeit zusammen fanden. Wie viele hervorragende Männer müßten wir noch in diese Betrachtung aufnehmen, den gelehrten Gneist, den partikularistischen Freiherrn von Frankenstein, den melancholisch-pathetischen Löwe-Kalbe, den Hünen Hoverbeck, den alten Schulze-Delitzsch und noch so viele Andere, aber ich sülchte, es möchte einen schier zu großen Neid erwecken, daß wir so gar verarmt sind. Wann wird eine neue Blüthezeit des deutschen Parlaments kommen? Politische Umschau. Freiberg, den 20. März. Auf besonderen Wunsch des Königs Humbert wird die Zusammenkunft mit dem deutschen Kaiser nicht schon Ende dieses Monats in Neapel, sondern erst Mitte April, wenn die parlamentarische Situation klar geworden ist, in Venedig statt finden. — Der Kaiser wird, gelegentlich seiner Reise nach Italien, Wien besuchen. Der Reichstag beendigte gestern dieBerathung des Marine etats. Abg. Richter (frs. Volksp.) hält ebenfalls eine ausreichende Flotte neben einer starken Landarmee für nothwendig; aber die Annahme, als hätten wir uns bis zum Vorjahre in rückschritt licher Entwickelung unserer Flotte befunden, treffe nicht zu, denn seit sieben Jahren sei die Zahl der Schiffe von 79 auf 91, und die Pferdekräfte sowie die Besatzungsziffer seien um mehr als ein Drittel gestiegen, weil die einzelnen Schiffe jetzt viel leistungs fähiger gebaut würden. Er meine aber nicht, daß mit Ersatz bauten aufzuhören sei, nur wolle er nicht, daß in dem Tempo gebaut werde, das cm vorigen Jahre vorgeschlagen worden sei. Die Finanzlage gestatte uns nicht so weitgehende Engagements beiin Marineetat, ganz abgesehen von den Plänen für die Zu kunft. Aus den gestrigen Andeutungen der Staatssekretäre könne man in dieser Hinsicht Alles herauslesen. Wenn unsere Kreuzer nicht ausreichten, so liege das daran, daß wir viel zu viel Schiffe im heimathlichen Dienst brauchten, und daß wir im Auslande viel zu sehr unsere Schiffe an Orten verzettelten, wo unsere Handelsinteressen es nicht erforderten. Auch er sei für den Schutz des Handels, aber er wolle nicht, daß das Verlangen nach neuen Kreuzern dazu diene, durch neue Steuern das deutsche Erwerbsleben zu schädigen. Abg. ».Leipziger (kons.) hält die ge forderten Schiffe zum Ersatz der abgängigen für durchaus noth wendig. Mit den sogenannten uferlosen Plänen würden sich seine Parteifreunde nicht beschäftigen, solange sie nicht in Gestalt einer Vorlage Körper bekämen. Im Namen seiner Freunde müsse er aber erklären, daß ein weiteres Hinausgehen über das jetzt geforderte Maß unter den heutigen Verhältnissen wohl wenig Gegenliebe finden werde. Mit der Bewilligung der vor liegenden Forderungen wolle er auch das Vertrauen zu der aus wärtigen Politik, wie sie durch den gegenwärtigen Reichskanzler geleitet werde, anssprechen. Abg. Förster (dtschsoz. Refp.) erklärt sich für die vorliegenden Forderungen und führt aus, man könne wohl in Schiffsbewilligungen noch weiter gehen, ohne gleich als Phantast gelten zu müssen. Aus den Versicherungen der Staats sekretäre könne man überdies die Gewähr schöpfen, daß mit der größten Besonnenheit werde vorgegangen werden. Abg. v. Kar dorff (Reichsp.) hebt hervor, daß in den vergangenen Jahren zu wenig für neue Schiffe bewilligt worden sei, und das räche sich jetzt durch die Nothwendigkcit erhöhter Forderungen. Trotz der ungünstigen wirtschaftlichen Lage könne man cs wohl verantworten, für die Macht und Ehre des Vaterlandes neue Be willigungen zu genehmigen. Damit schließt die allgemeine Debatte. Die Forderungen für Schiffsneubauten werden bewilligt und auch der Rest des Extraordinariums wird nach den Vorschlägen der Kommission erledigt. — Es folgt der Etat für den allgemeinen Pensionsfonds. Die Abgg.Augst (sudd.Volksp.) undGenossen beantragen, an die Reichsregierung das Ersuchen zu stellen, auf eine Abminderung der Zahl der Offizcerpensiomrungen hiuzuwcrken