Volltext Seite (XML)
Adoner Grenzoote Dies Blatt enthält die amtlichen Bekanntmachungen der Amtshauptmannschaft Oelsnitz, des Amtsgerichts, der Ants, anwaltschast und des Stadtrates zu Adorf. — Anzeigenpreise: Für dir bgcspaltme Pctitzeile oder deren Raum 1b Goldpfennige, bei auswärtigen Anzeigen 20 Goldpscnnige, für die amtliche Zeile 40 Goldpfennige, Reklamezeile 60 Goldpfennig., Diese Zeitung erscheint an jedem Wochentage nachmittag mit dem Datum dea folgenden Tages. Sonnabends liegt die bseitige Aoman.Beilage „Neue Illustrierte« bei. Fernprecher Nr. 14 Verantwortlicher Schriftleiter und Verleger Otto Meyer in Adorf. Postscheck-Kto. Leipzig 37369 Nr» 12l. Sonnabend, den 14. Juni 1S24. Jatzrg- 8S. Die Ortslöhne find mit Wirkung vom 2. Juni 1324 an wiefolgt nru festge setzt worden: Versicherte über 21 Jahre „ von 16 bis mit 21 Jahren männl. 2,60 M. weibl. 2,— t? männl. 2,- weibl. 1,60 n Versicherte von 14 bis zu 16 Jahren Kinder unter 14 Jahren männl. 1,60 Nik. weibl. 1,40 „ -.80 „ Oelsnitz, Adorf, Markneukirchen i. V., den 12. Juni 1924. Die Versicheruugsämter bei der Amtshauptmaunschaft ««d de» Stadträteu Was gibt es Aeues? — Die amerikanischen Bankiers haben die Verhqnd- ,>>ngen Wer die Gewährung eines Kredits von 25 Mil» Mnen Dollar an die Deutsche Golddiskontbank abge- Wessen. — Die Interalliierte Kontrollkommission nahm ihre Mgkeit mit einer ergebnislosen Kontrolle des Flug- Platzer Fuhlsbüttel wieder auf. . . — Herriot beabsichtigt, in der nächsten Woche Macdo- in London zu besuchen. ... 77, Auf dem sozialdemokratischen Parteitag verteidig« "l Wels und Hermann Müller die Politik der Partei. »n« französischen Linksparteien hielten am Dvuners- eine Vorbesprechung für die Präsidentenwahl ab. dänische Folketing hat mit 85 gegen 48 Stim- 8 " l>"s Gesetz über die Ratifikation des Abkommens mit "«wegen über Grönland angenommen. Tie letzte Woche. dei^El" fröhliches Pfingstfest ist uns in diesem Jahre l worden; die Natur gönnte der Menschheit Er- und Heiterkeit, sonnig wie der blaue Himmel. don H wurde auch bei uns nicht viel auf die Wetter« Hera pachtet, die am politischen Horizont im Westen „g kzogen. Es war wieder einmal anders gekommen, mi ßartet worden war. Nm 11. Mai fanden die Meinen Neuwahlen in Frankreich statt, am letzten M schied das Ministerium Poincar6 aus dem Amte ^.-j.Lenau einen Monat nach den Wahlen legte der hxs'went der Republik, Millerand, seine Würde nie» Kli-k.r-5 hat sich nach Kräften gesträubt, fand auch sh Mch in dem Ministerium Marsal einen Nothel- M» für ihn den Abgrund der Demission verdecken aber alle Mühe war umsonst. Der „Mantel^ Hyzwl sieh und der „Herzog" Millerand mutzte nach. M M später aus diesem Machtkampf in Paris er« ' wird sich zu zeigen haben. . 7 diesem Präsidentenwechsel ist die Krisis, Welchs soeben durchgemacht hat, nicht abgetan. Es ÄeeÄe Art von Staatsstreich, mit dem die radi- Mnif, ^Parteien den Präsidenten Milerand und da« Marsal beseitigt haben, und Millerand ncare lind keine Männer, die so leicht etwas Iwn. Der „hinkende Bote" wird schon nachkom« ppbu, ^lnstweilen wird der neue Präsident der Re- gewählt und das Ministerium Herriot wird be- ^hrz^^en, aber wenn diese Männer auch über die k i" der Kammer verfügen, so können sich ^Verspannungen ergeben. diese Vorgänge sind die Beratungen über Äcbu^^tionen und die Sachverständigen-Gntachten verzögert worden, aber es soll nun eine ? 'Mng zwischen dem neuen Kabinett Herriot und dem Ministerium Macdonald in London werden. Damit ist allerdings noch nicht eine solche Verständigung annehmbar ist. ^-"Herstellung der wirtschaftlichen Unabhängig. b„!,^^ands und die Regelung der Ruhrbesetzung w Punkte, bei denen es nicht allein mit Datz England dem Völkerbund dis fachen „ Sicherheitsfrage und die Kontrolle der Abrüstung übertragen will, bietet, wenn U eb°Ä "uch zustimmt, noch keine Garantie für uns, würde die Aufnahme Deutschlands in den dL fchw-,^^ ^"en Versuch bedeuten, den politisch au« fälligen britischen Premierminister Macdo- der Verlegenheit zu ziehen. Er kann dann ^^ Verantwortung auf den Völkerbund ab« V bisher nur als ein politisches Jnstru- ^"erchs erwiesen hat, und auch kaum etwas tzzAh w . n wird. Denn der Ehrgeiz wird jede ^bunh^rung hindern, ihren Einflutz auf den Kischi,?Etertage sind erfreulicherweise nicht durch Unruhen gestört worden.. .Der Reichstag pau« fiert und wird erst am Johannistage feine Perynno- lungen wieder aufnehmen. An Arbeitsmaterial wird es ihm dann nicht fehlen, da durch die Wahlbewegung mehrere Monate verstrichen sind. Es wird sich dann zu zeigen haben, wie die neugewählte deutsche Volks vertretung zu arbeiten Weitz. * Aufgeregte Meldungen kommen aus Rußland, wo es mit dem Glanz der Sowjetherrlichkeit abwärts gehen soll. Seit dem Tode des Diktators Lenin soll das Ge- ! bäude seiner Macht in allen Fugen krachen. Etwa« ganz Russisches ist ein politisches Attentat, durch welche« )er Expreßzug Moskau-Riga in die Luft gesprengt vorden ist und zahlreiche politisch hervorragende Per- 'onen umS Leben gekommen sein sollen. Ser Abbau geht weiter. Einzclmaßregelungeu bei ber Reichsbahn. Wie halbamtlich mitgeteilt wird, ist in Kreisen des Eisenbahnpersonals vielfach die Meinung vorhan- den, daß der Personalabbau erledigt sei und weitere Ab« baumatzregeln nicht mehr in Betracht kämen. Dies« Auffassung ist unrichtig. Solange die Personalabbau verordnung in Kraft ist, hat die Verwaltung die ge setzliche Unterlage, um ungeeignetes und überzähliges Personal auszuscheiden; sie ist aus wirtschaftlichen Gründen verpflichtet, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen. Wenn auch die auf das ganze Reichsbahn gebiet ausgedehnte Gesamtaktion im großen und gan zen als abgeschlossen betrachtet werden kann, so hat sich inzwischen doch herausgestellt, datz noch weitere Einzelmatzregeln in Aussicht genommen »verden müs sen und zum Teil schon im Gange sind, um das mit der Personalabbauverordnung zu erreichende wirtschaft liche Ergebnis auch überall herbcizuführen. Die für die Ausführung verantwortlichen Stellen des Außen dienstes werden in sorgfältiger Nachprüfung festzu stellen haben, wo noch ungeeignetes Personal vorhan den ist und inwieweit vorhandene Kräfte noch entbehrt werden können. * Tas bisherige Ergebnis des Abbaues Nach der vom Reichsfinanzministerium ausgear- beiteten Denkschrift, die demnächst dem Reichstag zu gehen wird, sind bis zum 1. April 1924 von den am il. Oktober 1923 im Reichsdienst einschließlich Reichs bahn und Reichspost beschäftigten 825 955 Beamten >134 507, von den 60 74? Angestellten 20 217 und von 705 512 Arbeitern 232134 abgebaut worden, das sind 24,9 Prozent. In der Kopfstärke vom 1. Oktober 1923 siTih^ ,64 454 weibliche Beamte, darunter 2955 verheiratete, 19 192 weibliche Angestellte, darunter 745 verheiratete, in den Abbauzahlen: 9899 weibliche Beamte, dar unter 2901 verheiratete, 9908 weibliche Angestellte, darunter 606 verheiratete enthalten. Die Ersparnisse an Gehältern usw. für das abge baute Personal werden bei Beamten auf 105 Mil lionen Goldmark, bei Angestellten auf 50 Millionen Goldmark, bei Arbeitern auf 278 Millionen Gold mark, bei Wartegcldempfängcrn usw. auf 1 Million Goldmark geschätzt, das sind insgesamt 434 Millionen Goldmark. Der Regierungswechsel in Frankreich. Herriots Pläne Nach den bisherigen Verlautbarungen wird sich der Regierungswechsel schon am 14. Juni vollziehen. Man nimmt an, daß Francois Marsal schon in den frühen Morgenstunden dem neuen Präsidenten seine Demission geben werde. In jedem Falle würde Her riot noch im Laufe des Vormittags ins Elvsöe berufen und mit der Bildung des neuen Kabinetts betraut wer den. Da Herriot die Liste seiner Mitarbeiter' schon fertiggeftellt hat, würde er die Namen seiner Minister kollegen noch am Sonnabend mittag bekannt geben und sein Kabinett am Nstlhmittaa. 3 Uhr, bereits der Kam mer vorstellen. Die Kammer würde sich dann auf 8 Tage vertagen. Während dieser Ruhepause will sich Herriot nach London begeben, um sich mit Mac donald zn treffen. Millerands Abschied. Die Sitzung der Kammer, in der von der De mission Millerands Kenntnis gegeben wurde, verlief äußerst stürmisch. Das Demifsionsschreiben, das von Painleve verlesen wurde, hatte folgenden Wortlaut: „Ach habe die Ehre, dem Präsidenten des Senate» und der Kammer meine Demission zu überreiche». Ge nehmigen Jie, Herr Präsident, die Versicherung meiner Hochachtung." Tie Abgeordneten aus der Mitte und auf der Rechten riefen: Es lebe Millerand! Nieder mit der Revolution! Die Mitglieder der Linken erwiderten durch sarkastische Zwischenrufe. Es war dem Prüft? denten kaum möglich, sich Gehör zu verschaffen, um zu erklären, datz von der Mitteilung des Präsidenten der Republik Kenntnis genommen wurde und sein Abschiedsschreiben dem Archiv des Parlaments ein verleibt werde. Der Präsident wollte hieraus die Ar tikel der Verfassung verlesen, die sich auf die Einberu fung der Nationalversammlung nach Versailles be ziehen. Die Mitglieder der Rechten riesen: Die Ber» Fassung ist tot, ihr habt sie getötet! Wir müssen si« revidieren! — Es entstand wiederum ein Tumult. Die Wahl des neuen Präsidenten wurde auf Freitag 2 Uhr angesetzt. . ' Tie letzte Botschaft Millerands. " , In einer Botschaft an das französische Volk er* klärt Millerand, datz er von zwei Dritteln der Na-' nionalversammlung im Jahre 1920 zum Präsidenten gewählt worden sei. Er sei vor allem dazu berufen worden, den Frieden aufrecht zu erhalten, den äußeren Frieden durch die Verständigung mit den Alliierten, durch die Entwicklung des Völkerbundes und die Durch führung des Versailler Vertrages, den inneren Frie« den durch die Besänftigung der Parteikämpfe der Bori kriegszeit, durch die Achtung aller Meinungen und Glaubensbekenntnisse sowie des Schutzes aller Bers fassungsrechte. Alle Ministerien, die er seither yebt!^ det habe, hätten sich der Erfüllung der vorgezerchnes ten Aufgaben gewidmet. Nach den Kammerwahlen von» 11. Mat sei er bereit gewesen, mit der neuen Mehr<> heil loyal für die Wahrung des öffentlichen Wohles zusammenzuarbeiten. Dadurch, daß einige Parteiftlh- rer seine Demission gefordert hätten, sei ein gefahrvoll ler Präzedenzfall geschaffen worden. Die Verfassung« sei ihres einzigen stabilen Elementes, das bisher bestan« den habe, beraubt worden. Er würde eine Treulosigkeit begangen haben, wenn er der Komplize einer so aefahr» vollen Neuerung geworden wäre. Er habe erst nachs gegeben, als alle in seiner Macht stehenden Mittel erschöpft gewesen seien. Er werde nun wieder in ditz Reihe der guten Bürger zurückkehren, die ihn unters stützt hätten, um mit ihnen den Kampf für die Freiheit der Republik und das Vaterland fortzusetzen. O -- / Millerand wird für die Kammer kandidieren. , Es wird bestätigt, daß Millerand sich sehr ballj in dem Departement Meurthe et Moselle als Kandidat für die Kammer aufstellen lassen wird. In diesen» Departement hatte der Bloc nationale bei den letz« ten Wahlen 70 000 Stimmen auf sich vereinigt g«g«>t 20 000 Stimmen des Linksblocks und 10 000 Stimme^ der Kommunisten. Die Wahl Millerands in- diesen» Departement erscheint so gut wie gesichert. Die sozialdemokratische Heerschau. ErispienS Hoffnungen auf die International«. Bei der Eröffnung des sozialdemokratischen Par4 teitags führte Crifpien u. a. aus: Die Reparation müsse sich beschränken auf die Wiederherstellung de» zerstörten Gebiete. Die Sozialisten aller Länder wir« ken auf ihre Regieruugen dahin, datz die Vernunft sich durchsetzt gegen die Gewaltpolitik. Der Erfüllung«»