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187?. Frankenberger UichrichtMatt Bezirksanzdiger Amtsblatt des König!. Gerichtsamtes und des Stadtrathes zu Frankenberg. Erscheint wöchentlich drei Mal. Bierteljährlich 10 Nzr. — Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Post-Expeditionen. Bekanntmachung. Di« Renteabeitrage auf den erste« Termin 1. I. sind spätestrnS bis zum SL. Mär, l. I. abzuführen. Den rentenpflichtigen Grundstücksbesitzern wird Solches mit dem Bemerken bekannt gemacht, daß die Nichtbeachtung dieser Erinnerung den Eintritt erecutivischer Maßregeln zur unausbleiblichen Folge hat. Frankenberg, am 2V. März 1873. DerStadtrath. Meltzer, Brgrmftr. O e r t l i ch e s. Frankenberg, 20. März. Ein interessanter Anblick bot sich gestern Nachmittag bei einem Besuche deS Nägler'schen SaalcS: in demselben waren die Zeichnungen tc. ausgestellt, welche von unserm Technicum zur Wiener Welt ausstellung geliefert werden. Die auch das Auge des Laien bestechenden colorirten Dar- stestungen ganzer Maschinen und einzelner Theile derselben sind unter Glas und mit einem 4H Meier langen, 3 Meter hohen eleganten Rahmen (von Hrn. Tischlermstr. Bertholdt hier gefertigt) und einem kunstvoll geschnitzten in BreSlau herge. stellten Aufsatze, der in Gold prangend die technischen Embleme und den Namen ,.Technicum Frankenberg" lrägl, zu einem Tableaur ver- einigt, das unbedingt die Augen der Besucher der betreffenden Räume auf sich lenken wird. Zu diesem großen Tableaur, das für die Wand- stäche bestimmt, kommen noch in barunterstehen den glaSbcdtckien Kästen ArbeitSheste einzelner Schüler auS allen in der Anstalt zum Vortrag gelangenden Hauptfächern, deren schon ober- flächliche Durchsicht ebensoviel Fleiß der Schüler wie Gründlichkeit des Unterrichts erkennen läßt. Und so begleiten wir di« demnächst an ihren Be- ftimmungsort abgehende Sendung, die Franken bergs Namen bei dem friedlichen Weltkampfe der Völker in würdiger Weise mit zur Geltung bringt, mit dem Wunsche, daß erfreuliche, reichste Früchte noch für lange Zeit der rührig vorwärts strebenden Anstalt und ihrer unermüdlichen Lei- tung aus diesem Kampfe erwachsen mögen I Die erwähnten Arbeiten rangiren in Wien unter der unter Hrn. Echulrath Bornemann'S Leitung stehenden Ausstellung deS sächsischen Unterrichts- Wesens. Vermischtes. An Stelle deS verstorbenen Geheimrath vr. Weinlig ist RegierungSrath vr. Wießner zum Vorsitzenden der sächsischen LanbeScommisston für die Wiener Weltausstellung ernannt worden. Nach einer dem Lpz. Tgbl. von guter Hand zugehenden Mittheilung wird die Entscheidung wegen der Publikation des DolkSschulgesetzeS in der nächsten Zeit noch nicht erfolgen. Einiger- maßen bekräftigt werde diese Mittheilung durch die verbürgte Lhaisache, daß für die Einführung der Behörden- und Gemeinbe-RtorganisationS- grsetze ein späterer Trrmin al- der anfänglich gedachte, in Aussicht genommen worden sei. Während man früher hoffte, diese Gesetze am I. Januar 1874 in Kraft setzen zu können, solle dies jetzt vor dem 1. Octbr. 1874 wegen der sehr umfänglichen und schwierigen Vorbereitungen absolut nicht zu ermöglichen sein. Daß eS unter solchen Umständen mit der Publikation de» Volks« schulgesetzeS nicht sehr dränge, liege klar auf der Hand. Im Kegentheil, die Erwartung wrrde immer mehr an Boden gewinnen können, daß die Regierung e» vorzieht, mit dem nächsten, im Herbst d. I. schon wieder zusammentretendrn Landtage einen beide Theil« b«frirdtgenden Aus gleich der dermalen noch vorhandenen Differenzen herbeizuführen. Dieses würbe unter allen Um- ständ«n auch die beste, de« Lande-interesse am sichersten dienende Lösung der Streitfrage sein. Sm 17. d. M. Nachmittags ^4 Uhr ist im städtischen Krankenhause zu Chemnitz di« bei d«m Mordanfall durch d«n eigenen Mann schwer ver letzte Frau Geiler gestorben. Für die beiden anderen Verwundeten, di« Mutter deS Geiler und das Kind, soll weniger Lebensgefahr vor» Händen sein, als man anfänglich annahm. Na mentlich befindet sich das vierjährige Mädchen bereit» auf dem Wege der Besserung. Bei Zehren bei Meißen ist an voriger Mitt woch Nachmittag ein mit circa 7000 Etr. Bruch steinen beladener Kahn infolge eine- Zusammen stoßes mit einem stromaussahrenden Kettendam- pser vollständig versunken. Die Mannschaft hat nur mit Müht einen Theil ihrer Effecten retten können. ' Der Reichstag hat in seiner Sitzung vom 19. Mär, «inen Antrag der Sbgg. SchrappS und Sonnemann: für die Dauer seiner jetzigen Session die Freilassung deS Abg. Bebel zu verlangen, mit großer Majorität abgelehnt,, da- gegen den von verschiedenen liberalen Abgeord- neten (darunter dem Vertreter deS 17. Wahl- krriseS (Frankenberg rc.j Prof. vr. Biederman«) eingebrachten Entwurf eines ReichSprrßge- setzrS an «ine Commission von 21 Mitgliedern zur Berathung verwiesen. Bei der verathung darüber verhielten sich die Mitglieder de» Bun- be-rach» völlig schweigend. Am 25sten JahreStage deS Ausbruche» der Revolution in Berlin, am 18. März, hatten die Gräber der in jenen Tagen Gefallenen im Fried richShain ein besonderes festliches Ansehen er- haltrn. Am Nachmittag zogen mit rothen und blauen Bändern versehene Männer zu den Grä bern und stimmten Gesänge an, waS die in nicht starker Zahl anwesenden Schutzleute untersagten. Ala dem Befehl nicht Folge gegeben, sogar mit Steinen nach den Schutzmännern geworfen wurde, sprengte ein in der Nähe ausgestelltes Detache ment berittener Schutzleute heran und räumt- den Platz mit blanker Waffe, wobei einige Ver» wundungen vorgekommen find. Betreffs deS Buchdruckerstrtke» find jetzt von beiden Seiten Schritte gethan, um eine Be endigung desselben anzubahnen. Der Prinzipal- Verein hat seinen Normaltarif veröffentlicht un» im Anschluß daran sich mit der Anfrage an da» VerbanbSprästdium gewendet, ob derselbe über haupt gesonnen sei, Schritte zu thun, um die jetzige Differenz zwischen dem Prinzipalvereilt und dem Verbände zu beseitigen. Da» Präsi dium hat sich darauf sofort an die beihrtligtrn Ort-vereine gewandt und diese um Abgabe ihre» Gutachten» ersucht, sowie vorgeschlagen, Ver trauensmänner seitens der Prinzipale und der Gehilfen zum Zwecke der Feststellung deS Tarif» und der Schlichtung aller übrigen Streitfragen zu wählen. Darauf hin hat am 16. d. Mt». in Berlin ein« Versammlung der dortigen Ber- bandSmitglieder stattgehabt, in welcher beschlossen ward, auf die Vorschläge deS VerbandSpräfidiumS, betreffs neuer Unterhandlungen mit dem Prin zipalverein, einzugehen. Es soll demzufolge «ine aus neun Prinzipalen und neun Gehülsen be stehende Commission zusammentreten und die Differenzen ordnen. Zu dieser Commission müß ten die Gehülsen der Städte Berlin, BreSlau, Danzig, Hannover, Köln, Braunschweig, Ham burg, München und Stuttgart je 1 Vertreter schicken. ES wurde beschlossen, unbeschadet de» fortbestehenden Kampfes auf die von dem Ver- banvSprästventen vorgeschlagenen Unterhandlun gen einzugehen. In Berlin find zwei außerordentliche Gesandt- schäften angekommen, die mehr als nur höfische Artigkeiten bringen. Die eine kommt au- Per- sten und meldet den Besuch des Schah für den Sommrr an. Der Schah Hal so >vvnd«rba«e Dinge vom Abendlande gehört, daß er eS per sönlich kennen lernen und Verbindungen mit ihur anknüpfen will. Sei« 1000 Jahren ist eS da» erste Mal, daß ein persischer Herrsch« neugte- rig ist und sein Land verläßt. Die ächten per sischen ShawlS sind bei den Berlinerinnen be reit» Mode geworden, sogar ein Dienstmädcheu kaust« «inen ächten Perser und bezahlte ihn mit 300 Thlr. baar. Dieses Stück war selbst für eine Kaiserstadt so stark, daß die Polizei nach- forschle. Da fand es sich denn, daß sämmtliche Dienstmädchen eine» Hause» den Perser gemein schaftlich gekauft hatten und abwechselnd trugen.