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Ein illustrirtes Fachjournal für die Wollen-, Baumwollen-, Seiden-, Leinen-, Hanf- und Jute-Industrie sowie für den Textil-Maschinenbau; Spinnerei, Weberei, Wirkerei, Stickerei, Färberei, Druckerei, Bleicherei und Appretur. Redaktion, Expedition Fernsprecli-Anschluss: Nr. 1058. Leipzig,Twnerst'r.w. Herausgeber und Chefredakteur: Theodor Martin ■ Redakteur Martin, Leipzig. 0 r g a n des Vorstandes des Vereins der Sächsischen Textil-Berufsgenossenschaft Deutscher Wollkämmer und Kammgarnspinner, und des Voigtländisch-Erzgebirgischen Zeichner-Verbandes. Leipzig, Nachdruck, soweit nicht untersagt, ist nur mit vollständiger N°- 5. 31. Mai 1891. Quellenangabe gestattet. VI. Jahrgang. Ausstellung von maschinellen Neuheiten und Bedarfs artikeln der Textil-Industrie bei Gelegenheit der Delegirten - Ver sammlung des Centralvereins Deutscher Wollenwaaren-Fabrikanten zu Forst in der Lausitz am 3., 4. u. 5. Mai d. J. ie oben genannte Ausstellung um fasste 45 bis 50 Aussteller, unter gebracht war sie in den inneren Parterreräumen und in den Garten hallen des Schützenhauses. Da Verzeichnisse der Aussteller und der zum Theil sehr zahlreich von ihnen ausgestellten Gegenstände nicht vorhanden waren, auch bei den bezüglichen Firmen die laufenden Controlnummern fehlten, da mehrfach Fabrikant und Vertreter gleichzeitig genannt waren, so ist es fast unmöglich ge worden, in der kurzen Zeit eine eingehende Durchsicht behufs sorgfältiger Berichterstattung erlangt zu haben. Der Artikel „Kunstwolle“ war in erschöpfender und sehr übersichtlicher Weise von Michels & Co. in Neuss a. Rh. zur Anschauung gebracht. Diesem war der bestvorhandene Raum — das Gar tenorchester — zugetheilt worden und galt uns dies als ein Beweis dafür, welch’ hohen Werth heutzutage dieses wichtige Material in der deutschen Wollenwaarenfabrikation erreicht hat. Wie anders war dies noch zu Ende der siebziger Jahre, als auf der Delegirten- versammlung zu Crimmitschau i. S. ein bekannter Fachgelehrter den dort ver sammelten Fabrikanten die Worte zu rief: „Man solle besser die Wollabfälle — wie seither — der Landwirthsehaftetc. überlassen und das deutsche Wollen fabrikat aus neuer Wolle herstellen.“ Die Firma J. H. Popp zu Werdau i. S. j führte ein eigenes Zweikrempelsystem vor, welches für Halbkammgarne bestimmt ist, die Wollzufuhr regelt und das erste Krempelfliess in Bandform der zweiten Abtheilung so zu rechtlegt, dass die Melirung eine vollständige und eine parallele Faserlagerung ermöglicht wird. A. J. Heipt & W. Streit in Sprem- berg-Lausitz brachten eine ihnen patentirte Selfaktorleitschiene zur Anschauung. Die auf deren Laufbahn angebrachten verstellbaren Unebenheiten wirken so auf den Aufwinde mechanismus, dass das Garn mit besserem Ver- 1 band —• ähnlich wie bei der Knäuelwickelung i —- zum Kötzer gewunden wird. Die hieraus resultirenden Wortheile beziehen sich nament- , lieh auf solche Garne, welche ohne Hülse, resp. ohne Spule in Kötzerform transportirt und verarbeitet werden. Von Joh. Schedlbauer zu Aue i. S. waren aus durchbrochenem Messingblech ge fertigte Schutzmäntel für Wasserstands-' gläser ausgelegt, welche das Abfliegen der gesprungenen Glastheilchen verhindern sollen. ; Ein von E. Nicolai in Friedrichsthal bei Gummersbach vorgeführter, einfach con- ! struirter Riemenaufleger scheint des ihm bei- gelegtenNamens,,Arbeiterschutz“ würdig zusein. Franz Boericke in Glauchau hatte ! eine sehr reichhaltige Collection seiner viel- | seitigen selbsterzeugten Handelszwirngarne j — einschliesslich Kunstzwirne, für die ver- i schiedensten Wollenfabrikate verwendbar — ausgestellt. Die von der Forster Firma Oscar Schulz vorgeführten Garne und Zwirne aus diversen Materialien in walkechten Farben finden be sonders in der Buckskinfabrikation Verwendung. Dasselbe gilt von den ausgelegten Mate rialien und Garnen der dortigen Färberei firma Gebr. Wiskott, welche besonders auf den Werth der Alizarinfarben hin wiesen. Hammer & Häbler in Forst stellten eine Ringzwirnmaschine aus, welche mit den Graf’schen Patentapparaten zur gleich zeitigen Erzeugung der vielseitigsten Kunst zwirne versehen ist. Rudolph Voigt in Chemnitz hatte eine doppelseitige Schuss- und Ketten-Spül maschine gebracht, deren Spindeln senkrecht gelagert sind, konisch winden, bei gefüllter Spule und bei Fadenbruch selbstthätig aus gerückt werden. Die Grossenhainer Webstuhl- etc. -Fabrik führte je eine Schuss-Anfeucht- und -Schleuder-Maschine vor. Einen G a r n - D ä m p f a p p a r a t von grösserer Dimension hatte die Firma C. H. Drogge in Peitz zur Stelle. Paul Klug in Crimmitschau einen Apparat mit Hohlwanddampferhitzung zur Haltbarmachung von Kettgespinnsten. Julius Thumann in Forst einen Stoff- Dekatirapparat mit stehender Walze, ausser dem einen Färbekessel für Dampfheizung. Rumsch & Hammer in Forst eine be sonders grosse Press walze. Julius Scobel in Forst einen Reiss wolf mit Unfallverhütungswalze, eine Schien- derniaschine und zwei verschieden construirte Pumpen. In grosser Anzahl brachte die Chemnitzer Firma C. F. Pilz ihre verschiedenen Spe- cialitäten in Pumpen, Armaturen etc. zur Anschauung; hervorzuheben sind die eigenartig ver- und abstellbaren Tropfapparate, resp. Selbstöler. Desgleichen hatten Gebr. Körting in Hannover ihre bekannten Erzeugnisse: Pulso meter, Kondensationsapparate, Rippen heizkörper etc. ausgestellt. Ebenso reichhaltig hatten Gagstaedter & Sohn in Chemnitz ihre Webegeschirre und deren Bestandtheile: die verschiedensten Arten von Litzen, Rietblättern etc. zur Schau gebracht. H. Kühn & Co. in Chemnitz legten Patent-Stahldrahtlitzen mit eigenartig ge bildeten, glatten Augen aus.